Das Zeitalter Iustinians. Bd. 1 [1] 3111197611, 9783111197616

Berthold Rubin (1911-1990) war ein bedeutender deutscher Althistoriker und Byzantinist. Seine Dissertation 'Zwei Ka

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German Pages XVI+558 [594] Year 1960

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Das Zeitalter Iustinians. Bd. 1 [1]
 3111197611, 9783111197616

Table of contents :
I. Einleitung: Das Erbe der Vergangenheit: Die mitverantwortlichen Ereignisse, Gestalten und Gesinnungen
1. Weltgeschichtliche Leitmotive 1
2. Voraussetzungen des iustinianischen Zeitalters in den Abläufen bis Diokletian und Konstantin 5
3. Vorgänge und Gestalten von Konstantius bis Anastasios 24
4. Die Begründung der justinianischen Dynastie durch Iustinas 51
II. Iustinian und Theodora
1. Herkunft Iustinians 79
2. Bildung 83
3. Äußere Erscheinung 90
4. Charakter 93
5. Theodora 98
III. Reichsidee und Kaiserkritik
1. Idee und Wirklichkeit der Monarchie 122
2. Die Rechtsgrundlagen des Herrschertums 125
3. Die Tafel der Werte: System und Rangordnung der geistigen Waffen der Monarchie Ostroms 127
4. Mittel und Wege der Beeinflussung der Öffentlichkeit 139
5. Amtliche Propaganda: Die Reichsgesetze 146
6. Literarische Propaganda und die Stimme der Opposition
a) Drei naive Jasager: Johannes Lydos, Agapetos, Paulos Silentarios 168
b) Der Staatsmann und Soldat: Prokopios von Kaisareia 173
aa) Prokop als politischer Schriftsteller 173
bb) Seine Konzession: Die Bauwerke 175
cc) Wolken am Horizont: Die Kriegsgeschichte 178
dd) Jagende Höllenschwaden: Die Geheimgeschichte 197
c) Der Ring der Opposition schließt sich: Zeitgenössische Kritik und Nadiweltecho bei Agathias, Menandros, Euagrios, Theophanes, Zonaras 227
d) Literarische Vergangenheit und Zukunft der Opposition: Ostroms Kaiserkritik 234
IV. Politik und Kriegführung im Osten
1. Einleitung: Abriß der römischen Ostpolitik von Pompeius bis Kaiser Anastasios 245
2. Kaiser Iustinus und der Beginn des Perserkrieges 257
3. Erste Kampfhandlungen in Armenien und Nordmesopotamien. Ein Fühler nach der Ukraine 263
4. Arabische Satellitenstämme im Vorfeld der Großmächte: Lahmiden, Ghassaniden und die römische Limestradition 268
5. Das Jahr 530. Belisar und Sittas gehen in Führung. Die Achtungserfolge von Dara und Satala 279
6. Das Jahr 531. Der persische Pyrrhussieg von Kallinikos und die Maßregelung der Generale 284
7. Der Thronwechsel in Persien: Chusro Anošarvan, seine Persönlichkeit und Politik. Der Abschluß des 'Ewigen Friedens' von 532 291
8. Politische Wetterzone und Schnittpunkt der Handelsstraßen nach Indien. Das Schicksal der Anlieger des Roten Meeres im Zeitalter Iustinians 297
9. Krieg im Frieden: Vorbereitung und Ausbruch des zweiten Perserkrieges 319
10. Das Jahr 540. Prüfung Syriens und Katastrophe von Antiocheia 324
11. Das Jahr 541. Der persische Griff nach Lazika und Belisars Stoß ins Leere 335
12. Chusro's dritter Einfall 542. Belisars Kriegslist und Sturz 340
13. Ostroms kraftloser Gegenstoß nach Persarmenien (543) 342
14. Ein 'Kreuzzug' der Feuerreligion: die Belagerung von Edessa 544 343
15. Lazika im Brennpunkt der Ereignisse: Der Krieg verlagert sich nach dem Kaukasusvorland 345
16. Der Kampf um Lazikas Schlüsselfestung Petra und zwei Fluchtburgen in Abchasien 348
17. Vergebliche Palastrevolution in Persien. Ostroms Triumph und Verzicht auf Petra 351
18. Schwerpunkt Nordlazika 355
19. Lektionen für persische Generale und Kaukasusspezialisten 360
20. Geplänkel im Vorfeld als militärischer Ausklang. Der 'fünfzigjährige Frieden' von 561 und die Zukunft der Ostpolitik des Oströmischen Reiches 366
Anmerkungen und Exkurse 375
Die Abbildungen 531
Die Karten 535
Abkürzungen 536

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R U B I N , DAS ZEITALTER I U S T I N I A N S / ERSTER BAND

BERTHOLD

RUBIN

DAS ZEITALTER IUSTINIANS

ERSTER BAND

WALTER DE G R U Y T E R & CO. · B E R L I N VORMALS G. J. GOSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG · J. GUTTENTAG, VERLAGSBUCHHANDLUNG GEORG REIMER · KARL J. TRÜBNER . VEIT «c COMP.

1960

© Archiv-Nr. 47 55 59 Printed in Germany. Alle Redite des Nachdrucks, der photomechanischen Wiedergabe, der Herstellung von Photokopien und Mikrofilmen, auch auszugsweise, vorbehalten. Satz : Walter de Gruyter & Co., Berlin W 35 und Franz Spiller, Berlin SO 36 Druck: Franz Spiller, Berlin SO 36

MEINEN

ELTERN

Vorwort Jedes Jahrhundert schreibt die Weltgeschichte neu. Katastrophenzeiten beschleunigen den Wechsel der Standpunkte. Erlöschen der Menschheit oder triumphaler Einzug in den Weltraum, das scheint die Frage von heute. Kommt es nur noch auf die Zukunft an? Oder grinst uns die Fratze der Sinnlosigkeit auch aus der Vergangenheit entgegen? Das Werk, das dieser Band eröffnet, bekennt sich ohne Rücksicht auf die Antwort, die das Sdiicksal bereithält, zur Freude am Erkennen des Vergangenen. Es kümmert sich so wenig um das atomare Nichts wie der Soldat um die Frage: Was kommt nachher? Noch weniger läßt es sich von den stolzen Aussichten unserer Tage einschüchtern, denn jede Epoche ist unmittelbar zu einem Gott, der wohl, ohne Marx zu fragen, das Antlitz der wechselnden Zeitalter formt. Keine Gegenwart von noch so ungeheuren Möglichkeiten rechtfertigt Feigheit oder Übermut. Aber jede Gegenwart verlangt, daß man auf dem letzten Stand ihrer Fragestellungen steht. Die Fragen der Zukunft lassen sidi nur ahnen. Vom Lebenden aber muß verlangt werden, daß er die Auszeichnung einer Umbruchzeit anzugehören zumindest als Erkennender würdigt. Die Fragestellungen selbst sind umstritten und müssen es sein. Das Geheimnis der Vergangenheit enthüllt sich nicht einer präjudizierten Methode, sondern der Einsicht in die in einem höheren Sinn aktuell gewordene Problematik von Sein und Geschichte. Der Verstoß gegen Rangordnung und Zuständigkeit der Methoden ist eine Todsünde gegen die Wahrheit. Es geht nicht an, daß Zeiten von transzendenter Haltung nach verallgemeinerten Normen des Materialismus beurteilt werden. Politik, Religion und Wirtschaft sind Bereiche, deren Wechselbeziehungen nicht von vornherein festgelegt, sondern historisch veränderlich sind. So bekennt sich Band I, in dem es um Politik und Kriegführung geht, über den Positivismus des neunzehnten Jahrhunderts hinaus zur politischen Ideengeschichte. Die kritische Durcharbeitung des möglichst kompletten Materials ist deren selbstverständliche Voraussetzung. Der Drang nach Vollständigkeit streift, obwohl ohnehin nie zu verwirklichen, die Gefilde gelehrter Pedanterie. 1 ) Es klänge vornehm und wäre doch nur pretiös zu behaupten, daß die Doppelpflichten des Historikers als speicherndes Gedächtnis und Einbläser lebendigen Odems einander ausschließen. Der Quellenbestand der Zeit Iustinians würde vom Althistoriker als reich, von dem der Neuzeit als dürftig bezeichnet werden. Darum hat die Methode der Alten Geschichte mit ihrem intensiven Bemühen um den Sinn selbst des Fragments zu walten. Eine weitere Voraussetzung und conditio sine qua non ist die künstlerische Belebung des Stoffes, die freilich nicht mit Worten jongliert, sondern der Glut der Durchdringung entspringt. l ) Die Nebenuntersudiung „Prokopios von Kaisareia" und die Anmerkungen entlasten den Text soweit möglich. Weitere Entlastung hätte ein RE-Artikel „Iustinian" gebracht.

Vili

Vorwort

Das Hauptgewicht dieses Bandes liegt aber auf Herkunft und Eigenart der politischen Gedankenwelt einer Epoche. Die Manier, jede ideengeschichtliche Untersuchung als Zeugnis „bürgerlich" idealistischer Versponnenheit über die Achsel anzusehen, verletzt das Grundgesetz der Geschichtschreibung. Die Methoden der Sozialökonomik, der Wirtschaftsgeschichte, Soziologie sind wissenschaftlich zu kostbar, um als rote Brille zu dienen, die unterschiedslos jedes Gewächs zu färben bestimmt ist, das Gottes H a n d entstammt. Maßstäbe der Wirtschaftswissenschaft bleiben daher den Kapiteln dieses Werkes vorbehalten, die der Rolle der Wirtschaft in Frühbyzanz gewidmet sind. Das Wirtschaftsdenken beschränkte sich damals nodi auf das Gebiet seiner Zuständigkeit, die gewiß nicht unwichtige Magenfrage. Seinen weltanschaulichen Sündenfall hatte es noch fast anderthalb Jahrtausende vor sich. Auch jeder andere Bereich des Zeitalters wird nach den für ihn geltenden Gesetzen abgehandelt. Wenn jedoch gewissen Maßstäben und Bereichen ein ü b e r g r e i f e n d e r Charakter zuzusprechen ist, dann sind für die Feststellung eines solchen Vorzugs weder die speziellen Erfahrungen im frühkapitalistischen England noch die Wünsche des zwanzigsten Jahrhunderts noch weltanschauliche Axiome irgendwelcher Natur maßgeblich, sondern allein die Maßstäbe des sechsten Jahrhunderts. Daher kann der erste Band keinen anderen Dominantakkord besitzen als die bis zur Überwucherung der Realpolitik sich steigende Verbindung von christlicher Religiosität und römischer Tradition im Zeitalter Iustinians. Die Formel dieser Legierung gilt für ganz Byzanz, doch erfolgten unter Iustinian entscheidende Reaktionen des geistigen Prozesses. Heuristische Hilfen verdankt der Verfasser nicht pseudowissenschaftlichen Axiomen, sondern dem Erlebnis seiner Gegenwart. Das Zeitalter der beiden Weltkriege hat seinen Generationen das Gefühl für jede Form von Ideologie und Propaganda geschärft. Gewisse Geheimnise der Menschenführung von Rom und Byzanz legen den Verdacht des ideengeschichtlichen Ahnenverlustes moderner Strömungen nahe, der seltsame Verwandtschaftsverhältnisse aufdeckt. Alle Geschichte war einmal Gegenwart und setzt daher zu ihrem Verständnis nicht nur Kalkül, sondern Erfahrung auf dem Gebiete der Verhaltensweisen der menschlichen Gesellschaft voraus. Ein Geschichtswerk darf nicht zeitverfälscht geschrieben sein, muß aber zeitnah bleiben. Die Hilfestellung des Zeitgeschehens für den Erkenntnisakt der Historiker ist freilich von unterschiedlichem Wert. Der Eros des Begreifens historischer Krisen kann sich nur an einer bewegten Gegenwart entzünden. Wer in unserer Epoche des ewigen Krieges weltanschaulicher Fronten die Geschichte der Vergangenheit schreibt, der hat als Lohn unzähliger Leiden und Zeitverluste wenigstens dieses eine den „glücklicheren" Generationen (und Zeitgenossen) voraus. Zur Diagnose politischer Ideologie, dem Hauptanliegen dieses Bandes, verweise ich zunächst auf eine Stimme aus der diplomatischen Routinearbeit. Der derzeitige italienische Botschafter in Bonn, Exz. Dr. Pietro Quaroni, zieht auf der Suche nach Beispielen für die heute in Moskau zu beobachtende Vorherrschaft politischer Ideologie über die Realpolitik zwar nicht Iustinian, dafür aber Ludwig I X . von Frankreich und Philipp II. von Spanien heran, die wohl begabte Politiker waren, aber keine Realpolitiker im Sinne Friedrichs II. von Hohenstaufen. Dem Heiligen Ludwig und Philipp II. wären jede Handlung politischer Verschlagenheit zuzutrauen —

Vorwort

IX

aber unter der Voraussetzung, daß sie ihrem christlichen und katholischen Seinsgrunde nicht widerspricht. Für den Staufer Friedrich II. gilt diese Einschränkung nicht. 2 ) Das sind die f ü r das Phänomen recht bezeichnenden Assoziationen eines Diplomaten zu den Stichworten Ideologie, Realpolitik, Kompromißbereitschaft. Der Heilige Ludwig und Philipp II. verkörpern den christlichen Herrschaftsgedanken im äußersten Westen, dem Iustinian sein Gesetz nicht mehr aufzwingen konnte. Das Stichwort Moskau belegt die Dauer im Wechsel der drei Inkarnationen des Weltherrschaftsstrebens vom Ersten bis zum Dritten Rom. Zu den entscheidendsten Stationen der mystischen Seelenwanderung Roms, zu den schlagendsten Beispielen für politische Ideologie gehört aber die Zeit Iustinians. Trotz Konstantin und Theodosius, trotz Herakleios und späteren Reichsrettern ist kein Kaiser f ü r die östliche Auffassung von der Rolle der Kirche im Staat so ausschlaggebend geworden und keiner hat so viel wie er f ü r das Weiterleben des römischen Staatsgedankens in der Welt getan. Das soll hier registriert, untersucht, verlebendigt, nicht zuletzt aber kritisiert werden. Rein formell betrachtet ließe sich Iustinians Programm der Wiedervereinigung der Mittelmeerwelt mit dem Verlangen der Deutschen der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nach staatlicher Wiedervereinigung vergleichen. Welch eine Täuschung! Iustinians Ideologie hat Fremdgewordenes zusammengezwungen. In Deutschland zerriß die unsalomonische Spaltung von 1945 das H e r z Europas in zwei zuckende Hälften. Die Verherrlicher Iustinians verweisen auf die damals noch intakte Mittelmeerkultur. Die Reste römischen Reichsbewußtseins in A f r i k a und Italien genügen ihnen, um Iustinians Angriffskriege zu rechtfertigen. Sie übersehen, daß gerade Forscher, denen es wie Wilhelm Enßlin aufrichtig um das Erbe des Römertums geht, zum Schluß gekommen sind, daß der römische Reichsgedanke und der materielle Wohlstand der damaligen „Römer" bei den ostgermanischen Verwaltern dieses Erbes nicht in schlechten H ä n d e n waren. 3 ) Ideologisch folgerichtig hätte Iustinian über A f r i k a und Italien hinaus zumindest Gallien, Spanien und Britannien zurückerobern müssen. Aber nicht diese Argumente sind entscheidend, sondern die Hartnäckigkeit, mit der Iustinian sich weigerte, die Konsequenzen aus Konstantins des Großen genialem Rochadezug nach dem „Neuen R o m " am Bosporus zu ziehen. So hat der Versuch zur 2 ) P. Q u a r o η i , Ost u n d West u n d die G i p f e l k o n f e r e n z . Berlin 1958 (Vortrag Freie Universität) S. 25: „Ein ideologischer Imperialismus k a n n gewisse K o m p r o m i s s e nicht ann e h m e n . D e r H e i l i g e K ö n i g L u d w i g IX. v o n Frankreich w a r ein sehr kluger Politiker, nicht nur ein Heiliger. A b e r glauben Sie, daß er für irgendeinen außenpolitischen V o r t e i l Frankreichs ein Stück christlichen Landes d e m Islam preisgegeben hätte? U n s e r gemeinsamer Kaiser Friedrich II. v o n H o h e n s t a u f e n w a r ein sehr kluger Politiker, aber er w a r k e i n Ideologe. Er h ä t t e f ü r seine eigenen außenpolitischen Zwecke o h n e Schwierigkeit ein Stück christlichen Landes den M u s e l m a n e n abgegeben." S. 7: „ W e n n m a n versucht, die P o l i t i k Philipps II. v o n Spanien zu analysieren, sieht m a n eine ganze M e n g e v o n verschiedenen E l e m e n t e n : die Macht Spaniens, den R u h m des Hauses H a b s b u r g , die Idee der königlichen V o l l m a c h t u n d so weiter. A b e r sollte m a n bei den verschiedenen E l e m e n t e n dieses eigenartigen Cocktails die Idee einer Mission z u m Schutze u n d der V e r b r e i t u n g des katholischen Glaubens, als erstrangiges, e n t scheidendes E l e m e n t , vergessen, s o v e r s t e h t m a n nicht viel v o n der P o l i t i k des spanischen Königs. So ist es m i t der Politik Moskaus." 3 ) W. E n ß l i n , Theoderich der G r o ß e . M ü n c h e n 1947. Ders.: Beweise der R o m v e r b u n d e n h e i t in Theoderichs des G r o ß e n A u ß e n - u n d I n n e n p o l i t i k . S e t t i m a n e di s t u d i o del C e n t r o italiano di studi sull' alto m e d i o e v o S p o l e t o 29 m a r z o — 5 aprile 1955 (Spoleto 1956) III 509/36. Vgl. Κ. F. S t r o h e k e r s V o r t r a g „Die geschichtliche Stellung der ostgermanischen Staaten am Mittelmeer" (24. Vers, deutscher H i s t o r i k e r in Trier 25.127. IX. 1958).

χ

Vorwort

Wiedererlangung der Herrschaft über das ganze Mittelmeer schließlich zum Verlust mehr als der Hälfte des geschwächten Ostens an die Araber beigetragen. Reale Wirkungen von so zwiespältiger Natur machen hellhörig für die verantwortliche Ideologie. Darum will dieses Buch nicht so sehr Biographie eines Kaisers als Bericht über eine Zeit mit ihrem Widerspruch sein. Mit dem Gewicht seiner Ideologie steht das Zeitalter Iustinians wie kein zweites zwischen Altertum und Mittelalter. Keine Epoche der byzantinischen Geschichte und keine Phase der Wiedergeburt des römischen Denkens im Westen lassen sich ohne eine gründliche Befragung des sechsten Jahrhunderts würdigen. Ebensowenig läßt sich das Gedankengut der Zeit Iustinians ohne Gegenüberstellung mit dem gesamten Altertum verstehen. Band I und II schildern Politik und Kriegführung, Band III und IV werden die übrigen Lebensbereiche behandeln. Band I umreißt, bevor er zum Bericht über die Ostpolitik Iustinians übergeht, die ü b e r g r e i f e n d e n Momente, die den Zeitgeist maßgeblich bestimmen. Zunächst sucht die Einleitung das in Frühbyzanz lebendige Erbe des Altertums aufzuzeigen: Byzanz vor Byzanz. Dann wird die Persönlichkeit Iustinians umrissen und das menschlich substantiellere Bild seiner Gemahlin Theodora entworfen. Nun führt die Frage nach Iustinians Programm und der zeitgenössischen Kritik in die Herzkammer der Epoche Iustinians. Wenn die Antwort gelungen ist, verfügen wir über ein authentisches Porträt des Zeitgeistes. Wir wissen nicht nur daß, sondern warum gehandelt wurde. Daran liegt um so mehr, als die Sprache der senatorischen Opposition sich dank den inneren Bindungen von Byzanz kaum jemals über den Bereich der Kritik an Personen zur Höhe einer grundsätzlichen ideologischen Auseinandersetzung erhebt. Hier leistet das feinere Gehör des Spätergeborenen den einzigen erlaubten Geburtshelferdienst zur Förderung der Wahrheit. Am Schluß von Band I sucht das Kapitel „Politik und Kriegführung im Osten" nach unerläßlicher Rückblende die Ostpolitik Iustinians chronologisch nachzuzeichnen. Die Quellenlage erlaubt, wenn wir vom umstrittenen Bereich des vorislamischen Arabertums absehen, sichere Konturen. Iustinians Westpolitik, die Vernichtung der Vandalen und Goten, und die theoretische Zusammenfassung der kriegsgeschichtlichen Ergebnisse folgen in Band II. Das Reiterbild Iustinians auf dem Paradeplatz von Konstantinopel ist verloren. Wir sind um das Erlebnis betrogen, einen der Chefideologen des Romgedankens als Weltgeist zu Pferde zu bewundern. Die sonstigen Bilder und Nachrichten zur Person sind karg. Lassen sich da sichere Umrisse zeichnen? Das J a auf diese Frage beruft sich auf die Technik der abstrakten Malerei. Schon der pointillistische Sprung vom Punkt zum Ganzen würde ein Porträt erlauben, dessen über wirklichen Linien der „Iustinian" der Juristen, das menschliche Synonym des Corpus Iuris, entspricht. Wenn aber in den abstrakten Farbdissonanzen von Reichspropaganda und Kaiserkritik nicht das wahre Bild des Mannes aufblitzt, dann hat Prokopios von Kaisareia, der Verfasser der „Geheimen Geschichte" des Zeitalters, nicht sein Herzblut vergossen, sondern nur Geifer verspritzt. Die Reichspropaganda löst als Extrakt der römisch christlichen Ideologie mit dem Geheimnis des Beitrags der Vergangenheit zur Gedankenwelt Iustinians auch das Rätsel seiner Wirkung auf die Zukunft, die im Schlußband näher zu untersuchen ist. Als Brennstoff des weltgeschichtlichen Ruhmesfeuers dienten nicht zuletzt die programmatischen Äußerungen Iustinians und seiner Feinde, die in Band I studiert

Vorwort

XI

werden. Es muß sich erweisen, ob das fulminante Edio der Nachwelt den Erfolgen der Politik Iustinians oder seiner geistigen Inventur des Altertums zu danken ist. Die Nachwelt belohnte in diesem Falle nicht nur ein gewisses Sammlergespür in vorgeschrittener Weltstunde, sondern audi jene nüditerne Leidenschaft völkerbeglückender Lehre, die noch eines Dante Adlerschwingen aufrauschen ließ : C e s a r e f u i e son G i u s t i n i a n o , che, p e r v o l e r d e l p r i m o a m o r e h ' i' s e n t o , d'entro le leggi trassi il troppo e l'vano. Tosto die con la Chiesa mossi i piedi, a Dio per grazia piacque di spirarmi l ' a l t o l a v o r o , e tutto 'n lui mi diedi; e al mio Belisar commendai l'armi, cui la destra del ciel fu si congiunta, die segno fu di' i' dovessi posarmi. 4 ) Wie entstand dieses Buch? Hierüber sind trotz des zeitgeschichtlichen Interesses der Auswirkungen einer aus den Fugen geratenen Welt auf die Studierstube nur Andeutungen möglich. Eine erste Formung fand das 1937/8 erarbeitete Material in einer Dissertation „Zwei Kapitel über Herrscherbild und Ostpolitik des Kaisers Iustinian" (Berlin 1938) und ihrer Fortsetzung: „Der Untergang der Vandalen und Goten" (Berlin 1941). Weiterarbeit und Durcklegung wurden durch den Kriegsdienst verhindert, doch danke ich der Wiener Akademie der Wissenschaften für die Bereitschaft zum Druck der Arbeit in ihren „Sitzungsberichten" (insbesondere H. Uebersberger, H . Ritter von Srbik). Inzwischen fielen 1943 meine Bibliothek, zahlreiche Vorarbeiten und sogar Teile des Manuskriptes in Berlin dem Luftkrieg zum Opfer. Das Jahr 1945 brachte die russische Kriegsgefangenschaft und Rückkehr nicht nach Wien, der Stadt meiner ersten Professur, sondern Berlin. Hier wurde sofort der Plan zu einer umfassenden Behandlung des Themas Iustinian gefaßt, der sich aber dank den Bibliotheksverhältnissen und sonstigen Nachkriegssdiwierigkeiten nur mit zeitraubenden Umwegen verwirklichen ließ. Verschiedene Nebenuntersuchungen verlangsamten aber vertieften die Arbeit am Hauptvorhaben. Dank schulde idi so manchen Helfern. In erster Linie gilt er den Eltern, die frühe Regungen für Wissenschaft und Kunst verständnisvoll unterstützten. Die Anfänge der Arbeit förderte mein Lehrer Wilhelm Weber, der Ordinarius für Alte Geschichte der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, mit wertvollstem Rat. Herr Jagemann (im Kriege verschollen) zeichnete Karten, von denen einige im Duplikat erhalten *) Dante Alighieri, La Divina Commedia C. VI v. 10-12, 22-27. Deutsch nach Gildemeister : Cäsar und Iustinian ward ich genannt, U n d kraft der ersten Lieb' hab ich das Leere Und das Zuviel aus dem Gesetz verbannt. Kaum schritt idi mit der Kirche unentzweit, Erweckte mich die Gnade, zu gestalten Das große Werk, dem ich midi ganz geweiht. Ich ließ den Beiisar des Heeres walten, Mit dem des Himmels Arm sich so verband, T)aß mir's ein Zeichen war, mich still zu halten.

Vorwort

XII

blieben. Die Großkarte des Ostmittelmeerraums und einige Spezialkarten mußten neu angefertigt werden. Mein Dolmetscher-Kriegskamerad Dr. F. Seewald gab germanistische Ratschläge in Prokopfragen. Herr Roschinski half die Umschriften festlegen. Den Münzkabinetten in London und Wien verdanke ich Gipsabgüsse und Aufnahmen. Besonderes Verdienst erwarben sich um die schwierigen Korrekturen Herr Dr. Bruno Doer und Fräulein Dr. Pia Schmid, die audi die Zitate nachschlug. Meiner lieben Mutter sowie Herrn Dr. Savramis danke idi ebenfalls für das Mitlesen einer Korrektur. Noch zuletzt verpflichtete midi Herr Prof. W. Caskel zu Dank durch kritische Förderung in den vorislamischen Geheimwissenschaften. Weniger Dank schuldet der Verfasser jenen alliierten Bomberpiloten und russischen Eroberern Berlins, die es 1943 und 1945 versäumten, die Urfassung Iustinians in Asche zu verwandeln. So war es möglich, daß eine gescheite Frau kurz nach dem Erlebnis der Münchener Asamkirche, dieser unverfälscht dem Haupt ihrer Schöpfer entsprungenen Erfüllung des Rokoko, mir im Umbau der Brüder Asam, dem gleichwohl nicht zu verachtenden Freisinger Dom, erklärte: Lieber Freund, der Iustinian, an dem Sic Ihr Leben werken, bleibt immer ein Freisinger Dom. Aber ich hoffe, daß Sie eines Tages eine Asamkirche aus einem Guß, in einem Zug und einem Stil schaffen werden. Der Wunsch wäre erfüllt, wenn es gelänge, den Traum von einer „Geschichte der Oströmischen Welt" ohne Schlacken, stilrein und ohne gelehrte Katakomben zu verwirklichen. Sollte diese erträumte Rennjacht jemals das Meer der Forschung befahren, dann wird aber „Iustinian" ihr Senkruder, Schwert und Bleikiel sein.

Berlin, im September

1959

BERTHOLD

RUBIN

Inhaltsverzeichnis I. Einleitung: Das Erbe der Vergangenheit: Die mitverantwortlichen Ereignisse, Gestalten und Gesinnungen 1. Weltgeschichtliche Leitmotive

1

2. Voraussetzungen des iustinianischen Zeitalters in den Abläufen bis Diokletian und Konstantin

5

3. Vorgänge und Gestalten von Konstantius bis Anastasios

24

4. Die Begründung der justinianischen Dynastie durch Iustinas

51

II. Iustinian und Theodora 1. Herkunft Iustinians

79

2. Bildung

83

3. Äußere Erscheinung

90

4. Charakter

93

5. Theodora

98

III. Reichsidee und Kaiserkritik 1. Idee und Wirklichkeit der Monarchie

122

2. Die Rechtsgrundlagen des Herrschertums

125

3. Die Tafel der Werte: System und Rangordnung der geistigen Waffen der Monarchie Ostroms

127

4. Mittel und Wege der Beeinflussung der Öffentlichkeit

139

5. Amtliche Propaganda: Die Reichsgesetze

146

6. Literarische Propaganda und die Stimme der Opposition a) Drei naive Jasager: JohannesLydos, Agapetos, Paulos Silentarios

168

b) Der Staatsmann und Soldat: Prokopios von Kaisareia aa) Prokop als politischer Schriftsteller bb) Seine Konzession: Die Bauwerke cc) Wolken am Horizont: Die Kriegsgeschichte dd) Jagende Höllenschwaden: Die Geheimgeschichte c) Der Ring der Opposition schließt sich: Zeitgenössische Kritik und Nadiweltecho bei Agathias, Menandros, Euagrios, Theophanes, Zonaras

173 173 175 178 197

d) Literarische Vergangenheit und Zukunft der Opposition : Ostroms Kaiserkritik

227 234

IV. Politik und Kriegführung im Osten 1. Einleitung: Abriß der römischen Ostpolitik von Pompeius bis Kaiser Anastasios

245

XIV

Inhaltsverzeichnis 2. Kaiser Iustinus und der Beginn des Perserkrieges

257

3. Erste K a m p f h a n d l u n g e n in Armenien und Nordmesopotamien. Ein Fühler nach der U k r a i n e

263

4. Arabische Satellitenstämme im Vorfeld der Großmächte: Lahmiden, Ghassaniden u n d die römische Limestradition

268

5. Das J a h r 530. Beiisar und Sittas gehen in Führung. Die Achtungserfolge von D a r a und Satala

279

6. Das J a h r 531. D e r persische Pyrrhussieg von Kallinikos und die M a ß regelung der Generale

284

7. Der Thronwechsel in Persien: Chusrö Anösarvän, seine Persönlichkeit u n d Politik. Der Abschluß des „Ewigen Friedens" von 532

291

8. Politische Wetterzone und Schnittpunkt der Handelsstraßen nach Indien. Das Schicksal der Anlieger des Roten Meeres im Zeitalter Iustinians

297

9. Krieg im Frieden: Vorbereitung und Ausbruch des zweiten Perserkrieges

319

10. Das J a h r 540. P r ü f u n g Syriens und Katastrophe von Antiocheia . .

324

11. Das J a h r 541. Der persische Griff nach Lazika und Beiisars Stoß ins Leere

335

12. Chusrö's dritter Einfall 542. Beiisars Kriegslist u n d Sturz

340

13. Ostroms kraftloser Gegenstoß nach Persarmenien (543)

342

14. Ein „Kreuzzug" der Feuerreligion: die Belagerung von Edessa 544 . .

343

15. Lazika im Brennpunkt der Ereignisse: D e r Krieg verlagert sich nach dem Kaukasusvorland

345

16. D e r K a m p f um Lazikas Schlüsselfestung Petra und zwei Fluchtburgen in Abchasien

348

17. Vergebliche Palastrevolution in Persien. Ostroms T r i u m p h und Verzicht auf Petra

351

18. Schwerpunkt N o r d l a z i k a

355

19. Lektionen f ü r persische Generale und Kaukasusspezialisten

360

20. Geplänkel im Vorfeld als militärischer Ausklang. D e r „fünfzigjährige Frieden" von 561 und die Z u k u n f t der Ostpolitik des Oströmischen Reiches Anmerkungen u n d Exkurse

366 375

Die Abbildungen

531

Die Karten

535

Abkürzungen

536

Abbildungsverzeichnis bei Seite

Tafel

1

Hagia Sophia (Fossati)

Tafel

2a) Anastasius, Konsul 517 (im Giebelmedaillon: Kaiser Anastasios). Diptychon b) Iustinianus, Konsul 521. Diptychon

49

Tafel

3

64

Tafel

4a) Konstantinopel. Goldenes Tor b) Konstantinopel. Stadtmauer

65

Tafel

5a) Theoderich der Große

88

Kaiserpalast von Konstantinopel

48

b) Kaiser Anastasios c) Doppelherrschaft Iustins und Iustinians d) Kaiser Iustinus e—h) Münzen Chusrô's I. Tafel

6a—g) Münzbilder Iustinians h—k)

88

Münzen Chusrô's I.

Tafel

7

Iustinianmosaik von S.Vitale. Ravenna

89

Tafel

8

Goldmedaille Iustinians

89

Tafel

9

Theodoramosaik von S. Vitale. Ravenna

104

Tafel

10

Kaiserin Theodora?

104

Tafel

IIa)

Säpür II. auf der Löwenjagd

105

b) Peröz c) Kawäö d) Chusrö I. Tafel

12a) Ktesiphon. Palastfassade vor 1888 b) Palmyra. Bêltempel

105

Tafel

lia) b) c) d)

304

Tafel

14a) Strata Diocletiana

Thannouris (Tell Touneynir) Gebel Seys (südlich der Strata Diocletiana) Sergiopolis (Resâfa) mit Strata Diocletiana Dura Europos (Sâlhiyé)

305

b) Zenobia (Halebiyé) c) Sura (Euphratfront) d) Sura (Kastell) Tafel

li

Antiochena am Orontes und seine Mauern

320

Tafel

16

Reste des Dammes von Ma'rib (Südarabien)

321

Kartenverzeichnis (Karten am Ende des Buches) Karte

1

Schlacht bei Dara (530)

Karte

2

Plan von Dara

Karte

3

Sura-Kallinikos, Euphratinseln

Karte

4

Plan von Antiocheia (nach Rey)

Karte

5

Plan von Antiocheia (nach Förster)

Karte

6

Plan von Edessa

Karte

7

Übersiditskarte der Ostgebiete des Byzantinisdien Staates

Karte

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Karte des kaukasischen Kriegsschauplatzes

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Kriegsschauplatz Armenien

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Syrischer Kriegsschauplatz

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Arabien im 6. Jahrhundert

I

Einleitung: Das Erbe der Vergangenheit. Die mitverantwortlichen Ereignisse, Gestalten und Gesinnungen 1. Weltgeschichtliche

Leitmotive

Tausend flimmernde Steindien schließen sich an der farbenglühenden Wand der Kirche S. Vitale in Ravenna zum Bild des Kaisers Iustinian und seines höfischen Gefolges zusammen, wiederholen, strenger fast, ihre Aussage im starren Aufzug der Kaiserin Theodora. Die Technik des Mosaiks narrt den Betrachter beim Näherkommen. Nur wer den Abstand hält, versteht das Ganze, seine Schönheit und Zucht. Nicht viel anders geht es dem späten Betrachter eines Zeitalters. Er ringt um innere Anschauung, Ganzheitserlebnis, will in heißem Bemühen mit dem Gegenstand seiner Wahl verschmelzen, glaubt tiefer zu dringen und nähert sich den Einzelheiten immer mehr, bis die Umrisse verschwinden, die klaren Linien zerknittern, das Gerippe belangloser Tatsachen vernehmlich klappert. Der Historiker ist zum Philologen geworden. Aber nun geschieht das Wunder, das beim Mosaikbild versagt. Anders als vom bunten Steinsplitter zum Bild geht nun der Weg der Deutung vom Einzelnen zum Ganzen. Der vielgescholtene Kärrner errichtet — nicht vom Dach her, sondern vom Fundament aus — ein Gebäude, in dem selbst reisende Philosophen zu weilen geruhen. Nicht selten erfaßt heilige Raserei den Deutungsbeflissenen und schenkt ihm die Einsicht, daß Trümmer zur wahren Erkenntnis genügen. Er wird kein heilloser Splitterrichter der Zeiten, denn Splitter verraten ihm wesentliches Wissen. Der Philologe ist wieder Historiker geworden. So geht es hin und her in optischem Wechsel von Schärfe und träumendem Verschwimmen. Vordergründige Punkteinstellung läßt die geistige Landschaft im Nebel zerfließen, erhellt dann freilich wieder blitzartig unheimlich scharfgesehene Räume, ersetzt aber niemals die „Einstellung auf Unendlich" einer großzügigen Überschau, die uns die Landschaftstotale der geistigen Gefilde erschließt. Wie aber das bunteste Mosaik bei der technischen Wiedergabe auf gewisse Grundfarben zurückgeführt wird, so lassen sich auch im verwirrendsten Geschichtsbild Grundgedanken feststellen, die wie Leitseile und Handhaben die mühselige Wanderung auf den Berg der Zeiten begleiten, und es läßt sich kaum sagen, woher sie kommen und wie weit sie reichen. So gehören dem Zeitalter Iustinians, freilich nicht ihm allein, der Gedanke der Weltherrschaft des römischen Reiches, also der Romgedanke, dann die eng verwandte Kaiseridee als dynastisch-legitimistisches Ideal und alles überstrahlend an Tiefe und Kraft, Welt- und Zeitenwirkung die christliche Idee vom Gottesreich auf Erden, freilich in einer eigenwilligen Auslegung. Unter diesen Parolen marschieren die Heere Beiisars durch Wüste und Karst. An diesen Leitseilen tastet sich die Kommission durch das Gestrüpp der unübersichtlich gewordenen Gesetzgebung. Der Kaiser führt das Heiligste täglich im Munde, läßt es von eifernder Propaganda zum Flittergold schillernder Phrasen ausmünzen. Geniale Künstler runden den Kuppelbau der Sophienkirche zum ewigen Symbol ihrer Zeit. Über diese Grundgedanken und ihre Bedeutung für das Zeitalter Iustinians soll vorerst weder kritisch noch würdigend ein letztes Wort versucht werden. Es wird sich zeigen, ob sie die Grundformel der verwirrenden Ereigniskette ausdrücken oder woRubin, Iustinian I

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I. E i n l e i t u n g

möglich durch andere, exaktere Formulierungen zu ersetzen sind. Es muß auffallen, daß geschichtliche Leitformen und Entwicklungsgesetze, die nicht im Zeitalter Iustinians entstanden und sich weder auf seine Zeit noch erst recht auf den damaligen Machtraum beschränken, überhaupt zur Erklärung und Bestimmung des Zeitcharakters herangezogen werden. Ist nicht die christliche Idee selbst in universalster Fassung durch den Späteren ein Plagiat an Kaiser Konstantin dem Großen? Ist nicht der Kaisergedanke von Cäsar und Augustus gezeugt? Und ist der Romgedanke dieser Spätzeit mehr als ein schwacher Widerschein der großen Vorzeit? H a t nicht jede dieser Ideen auch später noch eindrucksvolle Verfechter gefunden, ja weit über das Persönliche hinaus zum Lebenselixier mittelalterlicher Reichsbildung sich entwickelt? Ist das Zeitalter Iustinians nicht eine allenfalls eindrucksvolle Station der Entwicklungsgeschichte jener Grundgedanken? Es hat aber den Anschein, als ob nicht das Nebeneinander der Gedanken, sondern das Miteinander, die Eigenart ihrer zeitgenössischen Konstellation, entscheidend wäre. Im Kopf des einen Mannes und, nicht zu vergessen, einer Frau, hat sich die Welt jener Zeit und die Vergangenheit gespiegelt — nicht die ganze Vergangenheit und das nicht unbewußt oder aus Unwissenheit, sondern mit nüchternstem Bewußtsein, in strenger Auswahl und planender Schau, die bis zur Spielerei einer historischen Marotte ausartete und die damalige Gegenwart dogmatisch vergewaltigte. Iustinian und Theodora haben das Altertum erfüllt und überwunden, sie haben das alte Weltreich nodi einmal erstrebt und durch Überspannung der Kräfte der mittelalterlichen Zerstückelung Vorschub geleistet. Sie haben den Traum Alexanders und Napoleons im bescheidenen Maßstab ihrer Zeit verwirklicht: Konstantinopel bedeutet die Weltherrschaft! So wetterleuchtet es über dem Felsen von Helena. Westen und Osten zu vereinigen, war Wille und Werk Iustinians. Freilich handelt er nicht aus genialer Schau, blindwütendem Drang wie Alexander, der dionysische Hochzeiter Europas in der flammenden Vermählung mit dem Osten. Zeitlich und sachlich liegt der Vergleich mit den römischen Feldherrn und Kaisern, deren Nachfahre und Fortsetzer er ist, erheblich näher. Und doch sind selbst verwandte und benachbarte, auch zeitlich nahestehende Gestalten wie Konstantin und Theodosius, ihm seltsam fremd. Der geschichtliche Urtrieb des wachsenden oder auch rückschreitenden, immer aber kämpfenden Reiches scheint verdrängt von sentimentalen Vergangenheitsträumen, nicht so sehr gelehrten als gefühlsbetonten historischen Reminiszenzen, deren heftiger Reaktion nach außen keine ungebrochene Kraft des Innern entspricht. Wenn es trotzdem zu mindestens vorübergehend eindrucksvollen, auf einigen Lebensgebieten sogar dauerhaften und klassischen Leistungen kommt, verrät das respektable Kraftreserven des Kaisers und seiner Kampfgenossin wie auch der führenden Gesellschaft und selbst der städtischen und bäuerlichen Massen. Die Schwächen des damaligen „Römers" wurden nicht ungeschickt kompensiert durch das keineswegs neue Ausschöpfen ethnischer Rückzugsgebiete in den Gebirgsländern des Reiches sowie durch eine zielbewußte, freilich auch nicht neue Handels- und Steuerpolitik, die dem Reich über den Staatsschatz des sparsamen Kaisers Anastasios hinaus die Mittel zur Anwerbung fremder Volkskräfte für seine Angriffspolitik in die H a n d spielte. Auch die oft beobachtete geistige Aktivität in Verfallszeiten der Gesamtpersönlichkeit der Individuen beeinflußt das Urteil über Iustinian und seine Zeitgenossen in erfreulichem Sinne. Die neue Dynastie des lustin und Iustinian mit ihren Paladinen, namentlich den militärischen, entstammte vorwiegend den unverbrauchten bäuerlichen Schichten der Balkanhalbinsel und Ostkleinasiens, wenn wir vom unverändert mächtigen germanischen Einschlag in der Herrenschicht des Reiches einstweilen absehen. Ihr Bildungsstand wies alle Schattierungen auf von der ungeschlachten bäuerischen Roheit des alten Recken lustin bis zur ungestümen, weit über das Ziel hinausschießenden und nicht selten

1. Weltgeschichtliche Leitmotive

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dogmatisti verkrampften Geistigkeit Iustinians, wobei ein Sittas und Narses, beide dem Kulturboden Ostkleinasiens verpflichtet, die goldene Mitte halten mochten. Neben den Militärs schillert die höfische Herrenschicht von Byzanz in allen Farben eines frühen Levantinertums. Trotz aller Geheimnisse um ihre letztlich ungeklärte Herkunft kann man nicht umhin, die Kaiserin Theodora in diese Reihe zu stellen, weniger um ihrer hart gescholtenen Schwächen und Makel als um ihrer unbestreitbaren Vorzüge willen. Denn alle Laster dieser Frau zerstieben in Nichts vor ihrem Willen zur Heiligung, ihrem prophetischen Blick für die Zukunft und das Gebot der Stunde, vor der Leidenschaft ihres brennenden Intellekts, den Schönheit und Glaube adelten. Die älteste griechisch-orientalische Kulturschicht des Reiches scheint in ihr zur überreifen, sinnverwirrenden Spätblüte aufgebrochen, die Herz und Geist des Kaisers wohltätig betäubte, sein hastig nachholendes Europäertum bändigte und im Rahmen des Möglichen zu einer Synthese westöstlicher Reichsplanung gelangen ließ. Wenn Iustinian, der dem späten Rom und frühen Byzanz eben um dieser zeitlichen Zwiespältigkeit willen in Afrika und Italien die letzten Blutstropfen abrang, schließlich doch noch im Osten aufholte und das Reich in seinem unwillig erkannten Kernraum befestigte, so scheint das wie ein Vermächtnis der früh verstorbenen Kaiserin Theodora. Im Letzten waren sie wohl einig, wie Prokop voll Entrüstung über ihr augenzwinkerndes Spiel mit den Konfessionen berichtet. Alles, was dieses Kaiserpaar erstrebte, blieb trotz rauschender Erfolge Stückwerk und forderte schon zu ihren Lebzeiten vernichtende Kritik heraus. Sie legten — oder verbreiterten und befestigten wenigstens — den Grund zu einem tausendjährigen Reich phrasenloser Wirklichkeit, aber war es wirklich dasselbe Reich, das sie erträumt hatten und zu vollenden glaubten? Gewiß behielt Byzanz bis ins Zeitalter des Deutschen Barbarossa seinen Fuß im Westen, aber wie weit war schon wenige Jahre nach Iustinian die Wirklichkeit dieses kümmerlichen Exarchats von der ersehnten Weltreichsherrlichkeit entfernt? Unter dem Zeichen Mohammeds sind zwei Generationen später die monophysitischen Ostprovinzen einer neuen, sprachlich, geistig und ethnisch andersartigen Welt anheimgefallen. Ein Vulkan brach aus, ein religiöses und politisches Genie entband die schlummernden Kräfte der Wüste. Gewiß. Aber nie hat man die Schuld der byzantinischen Staatskirche an der Entfremdung dieser Landschaften bestritten. Zweifellos hat das frivole oder gutgemeinte Doppelspiel Iustinians und seiner Gattin die geistige Situation mitgeschaffen, die den kompromißlosen Monotheismus Mohammeds ermöglichte. Diese Herrscher haben über dem Versuch der physischen Verschmelzung von Osten und Westen die weitaus größeren Möglichkeiten der politischen Führung eines verbündeten Westens ausgeschlagen. Ebenso hat ihr kirchenpolitisches Doppelspiel im Osten seinen zentralistischen Ursprung und damit seine geheime oder eingestandene Unehrlichkeit nicht verleugnen können. Nimmt man hinzu, daß die unmittelbaren Nachf olger Iustinians dessen westliche Agression um jeden Preis nun im Osten wiederholten und die Politik des Weißblutens um ein lächerliches Prestige fortsetzten, so dürfte sich weiteres Fragen nach den Ursachen, warum das Werk Iustinians und seiner Dynastie Stückwerk blieb, erübrigen. Wie kann es also geschehen, daß wir im Zeitalter Iustinians trotzdem die Fundamente eines tausendjährigen Reiches fassen, tausendjährig, wenn von Dynastien und Zahlentafeln, weit mehr als tausendjährig, vielleicht sogar unsterblich, wenn von geschichtlichen Wirklichkeiten die Rede ist? Man hat in der Geschichte nicht nur mit äußeren Gegebenheiten und all dem, was durch Zahl und Landkarte anschaulich wird, zu redinen. Es soll nicht bestritten werden, daß die byzantinische Kontinuität auch in ihren äußeren Größenordnungen überraschend und ehrwürdig ist. Aber diese reichen niemals aus, um über das Anfängergestammel vom kontinuierlichen Verfall r

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I. Einleitung

hinauszukommen. Gewiß haben Meister wie Gibbon „gestammelt", aber sie waren in ihrer Zeit befangen und standen am Anfang des Bemühens um die byzantinischen Dinge. Inzwischen wissen wir, daß der N a m e Byzanz nicht nur den Ablauf eines Staatenschicksals, sondern die Geschichte einer Idee einschließt. Man soll nicht glauben, das reale Werk Iustinians sichere ihm die Unsterblichkeit. Das können allenfalls die Bauwerke des Zeitalters, nicht weil die Hagia Sophia heute nodi steht, sondern weil sie eine Idee sichtbar verkündet. Die Uberlieferung der Taten Iustinians allein hätte D a n t e nicht beeindruckt. Aber die Reichsidee Iustinians hat ihn überwältigt und zu seiner einzigartigen Huldigung gezwungen. An Dantes O h r drangen nur die Zeugnisse über das, was Iustinian wollte, die Propaganda seiner Kanzlei. U n d selbst das genügte, um seine verwandten Saiten machtvoll mitklingen zu lassen, mochten diese Rechtsquellen noch so einseitige Bruchstücke des Zeitgeistes sein. Alles, was die Kaiser des germanisch-romanischen Abendlandes, mit ihnen auch ihr erhabener Parteigänger Dante, dem Kaiser Iustinian verdankten oder zu verdanken glaubten, beruhte im Grunde auf einseitiger Kunde oder Mißverständnis und wurde selbst dann nodi einem herrischen Umdenken in die eigene Art unterworfen. Es läßt sich nicht leugnen, Iustinian, der kaiserliche Träumer von der Erneuerung des Westreichs, hat in erhabener Ironie der Weltgesdiidite sein ewiges Reidi im Osten gebaut. Das Werk ist längst zerstoben, Wille und Form, Gesinnung und Methoden haben sich allem, was im Osten Geschichte wurde und wird, f ü r immer aufgeprägt. Die geistigen Ketten, in die Iustinian seine Zeit und die Zeiten nach ihm geschmiedet hat, schlingen sidi um die Jahrhunderte und noch kein Prometheus hat sie im Osten zerrissen. Es muß bedenklich stimmen, wenn immer wieder behauptet wird, der Zufall der türkisdien Eroberung habe den oströmischen Renaissancemenschen im Mutterleib getötet. Selbst die hoffnungsvollsten Ansätze der bildenden Künste können nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Geist der Ostkirche und des Ostens überhaupt eine innere Befreiung des Individuums, wie sie im Westen möglich war, insbesondere jenes abendländische Persönlichkeitsbewußtsein gegenüber Staat und Kirche niemals zugelassen hätte. U n d dieses Reich des ewigen Iustinian wuchs und wuchs und wechselte oft seine Gestalt, selten die Formen und Bindungen, noch seltener die Methoden. Das griechisch-römische Kernreich ließ sich von seinem geistesverwandten Konkurrenten, dem arabischen Kalifat, an Toleranz übertreffen, einer Tugend, die nach islamischem Recht an Gotteslästerung grenzt. Selbst sein osmanischer Nachfolgestaat nährte im Patriarchat der Phanarioten ein geistliches Restbyzanz, das dem Zentralismus der weltlichen Nachfolger des byzantinischen Kaisers nicht nur diente, sondern ihn eifernd übertraf. In den Balkanbergen spalteten sich die östlichen Staatsbildungen in kleinere Einheiten auf. Aber auch in den kleinsten politischen Gebilden der Freiheitsberge Balkan und Kaukasus prägte sich unverfälschter Geist des Ostens in volkstümliche Formen. Sie waren, wo es nur ging, auf das große Vorbild abgestimmt. Die eigentliche Eroberung machte Byzanz aber in Rußland. Hier reicht der geistige Raum des christlichen Ostens bis Vladivostok. Das Zarenreich trat an seiner langen Grenze zur Mandschurei und China, überhaupt im östlichen Sibirien, in unmittelbare Konkurrenz mit den religiös-weltanschaulichen K r ä f t e n von Indien und China. Es bewahrte nicht nur in der politischen Ideologie vom dritten Rom die bewußte Nachfolge von Byzanz, es bewahrte vor allem in seiner geistigen H a l t u n g die Bindung des Menschen an Staat und Kirche, und zwar eine spezifisch östliche, auf unabdingliche Persönlichkeitswerte des gleichzeitigen modernen Westens Verzicht fordernde Bindung. So konnte R u ß l a n d zwar ein lautes Westlertum, einen vielstimmigen Chor von entrüsteten Intellektuellen hervorbringen, doch blieb das alles vordergründig

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2. Voraussetzungen bis Konstantin

und auf eine kleine wenn auch einflußreiche Schicht beschränkt. Entscheidend ist nicht, daß diesen Bekennnern zum Westen ein leidenschaftliches und abgründiges Bekenntnis der Slavophilen zum Osten entsprach, sondern die Tatsache, daß der Protestantismus als die Gewissensform der modernen Befreiung der Persönlichkeit niemals eine Möglichkeit oder auch nur die Aussicht hatte, in Rußland Fuß zu fassen. Das Sektenwesen des Ostens, in seinen äußeren Erscheinungsformen manchmal den entsprechenden Gebilden im angelsächsischen Protestantismus nicht unähnlich, bedeutet niemals den Protest eines autonomen Gewissens, sondern durchweg die stärkste und mit revolutionären Methoden vertretene Beharrung im Herkommen 1 . Wie in den christologischen Jahrhunderten der Streit um „Buchstaben", so tobte hier aus gleicher Geisteshaltung der Streit um Hand- und Fingerstellungen. Wie im religiösen Bereich die mystische Bindung an eine starre, in ihrer Starrheit aber seelenvolle und tausend Möglichkeiten inbrünstiger Ekstase darbietende Kirche, so kennzeichnet im politischen Bereich die bedingungslose Unterwerfung des Einzelnen unter den Willen des Staates die jahrhundertelange politische Wirklichkeit Rußlands. Iustinian bedeutet mehr als eine Station auf dem Weg der Geschichte zu den unbekannten Zielen der Zukunft. Sein Name steht am Anfang der byzantinischen Kraftentfaltung und schwebt daher unsichtbar über Byzanz und seinen Lehrlingen im Osten. Wenn der besonderen Konstellation der geistigen Dinge unter seiner Ägide eine so hohe Bedeutung für die Zukunft beigemessen wird, so heißt das natürlich nicht, daß der Mann zu einem Originalgenie zu stempeln ist. Es verträgt sich ausgezeichnet mit seiner hohen Bedeutung, wenn gerade er sich als besonders vielschichtiges und kompliziertes Produkt der Vergangenheit, als wahrhafter Sohn einer Spätzeit herausstellt. Es wird sich im Laufe der Untersuchung immer wieder zeigen, daß die politischen und geistesgeschichtlichen Ursprünge der Ideen dieses Mannes und seines Zeitalters aufgesucht werden müssen. Das gilt aber nicht nur für die Einzelprobleme, sondern ebenso für die Anschauung des Ganzen. Zunächst versuchen wir nun, alles, was im Zeitalter Iustinians Vergangenheit war, ob es nun den Handelnden und Betrachtenden bekannt und bewußt war oder nur unbewußt in ihnen lebte und ihre geschichtliche Chance mitschuf, in kurzem Überblick zu erfassen. Die Frage, welche historischen Kräfte im Bewußtsein der damaligen Zeitgenossen offen zu Tage traten und welche anderen, vielleicht noch bedeutsameren Ideen und Kräfte nur heimlich und unbewußt ihren Einfluß übten, so wie das unterirdische Uran die Radioaktivität der Erdoberfläche und ihrer Mineralquellen bedingt, diese Frage ist zweitrangig gegenüber der allgemeineren Problemstellung, welche Tatsachen überhaupt aus der riesigen Erbmasse der Antike für das Verständnis des iustinianischen Zeitalters von Bedeutung sind. Dieses Erbe der Antike wollen wir daher kurz durchmustern und nur das festhalten, worauf wir für die Bewältigung unserer Aufgabe nicht verzichten können.

2. Voraussetzungen in den Abläufen

des iustinianischen bis Diokletian und

Zeitalters Konstantin

Der Gedanke an die ältesten Formen planmäßiger Gemeinschaftsarbeit lenkt unwillkürlich den Blick auf technische Zeitereignisse, die den Ursprung und die gegenwärtige Stufe des menschlichen Wettbewerbs um Hochkultur bedeutsam verknüpfen. Was die Nordamerikaner im Tennesseestromtal erreicht haben, das planen heute die Sowjetrussen für ganze sibirische Stromsysteme und werden morgen die Chinesen, wenn nicht aus eigener Kraft, dann mit fremder Hilfe, in ihren nicht minder umfangreichen Stromtälern verwirklichen. Es handelt sich um die Zusammenfassung der Wasserkräfte von ungeheuren Gebieten, die dadurch in den Besitz eines unerschöpf-

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I. Einleitung

lidien Vorrats an elektrischer Energie gelangen. Die zahllosen Anwendungsarten und Nebenprodukte der weißen Kohle sichern den beneidenswerten Uberflußgebieten, die so entstehen, nicht nur die Errungenschaften der modernen technischen Zivilisation. Audi die Landwirtschaft, die ewige Fron des Menschen seit Adam grub und Eva spann, wandelt ihr Gesicht und jeder Farmer, Arbeiter und Bauer solcher Gebiete scheint von den Strahlen eines irdischen Paradieses verklärt 2 . Dieser moderne Sieg nicht nur der Technik, sondern des gesellschaftlichen Zusammenschlusses zu gemeinsamem planvoll gelenktem Kampf gegen die Willkür der Naturkräfte, erinnert in vielem an die Ursprünge der menschlichen Zivilisation, vor allem an den Ursprung der staatlichen Sozialverbände und Herrschaftsformen in den Stromkulturen Vorderasiens, Indiens und Chinas. So wie im gegenwärtigen Augenblick die Stromgebiete dieser Erde zumindest bis zur friedlichen Nutzung der Atomenergie die großartigsten Versuchsfelder der Zukunft zu werden scheinen, so haben die Schicksalsströme der ältesten Welt die Menschheit durch Zwang und lockende Möglichkeiten ins historische Leben eingeführt. Es mag sein, daß nicht nur für die körperlichen, sondern auch für die geistigen Eigenschaften die harten Lebensbedingungen auf dem europäischen Exerzierplatz der weißen Rasse zwischen den zurückweichenden Gletschermassen entscheidend waren. Jedoch sind nicht an dieser Stelle, sondern in Ägypten und Mesopotamien die gesellschaftlichen Zusammenschlüsse erfolgt, die das Rad des „Fortschritts" angekurbelt haben, daß heute und in alle Zukunft kein Stillstand abzusehen ist. Im nordöstlichen Winkel von Afrika und im Zweistromland sind aus dem Drang nach einer geordneten Wasserwirtschaft, aus dem Willen, die reiche Spende der Natur planmäßig zu nutzen und nicht sinnlos verkommen zu lassen, die ersten Staaten entstanden, die diesen Namen verdienen. Wir wissen nicht, wie viele untergeordnete Formen von Führertum über die Kontinente der Vorzeit hinweggebraust sind, so erkleckliche Siegeszüge von Töpfen und Ziermustern die Prähistorie auch immer berichten mag. Aber wir wissen, daß im alten Orient Gott auf die Erde herabgestiegen ist und in der Gestalt des Monarchen der Erde den Segen der Fruchtbarkeit und den Menschen das Glück der sinnvollen Zusammenarbeit an übermenschlichen Werken gebracht hat. Es entstanden die hochkomplizierten Gesellschaftssysteme mit ihren Krieger- und Priesterkasten, ihren subalternen Schreiberschwärmen und ihren fronenden Massen von Bauern und Arbeitern. Das Glück und die Laster der Zivilisation, die Erfolge und Krebsschäden weitreichender Planungen erzeugten schon in diesen frühesten Reichen eine seelische Treibhausluft, eine feuchtwarme Nässe der Fruchtbarkeit, die seither alle großstädtischen Lebenshäufungen auszeichnet und ihnen den verführerischen Glanz ihrer Abgründigkeit verleiht vom Sündenbabel über Rom und Byzanz zu Paris und dem Uberbabylon der Neuen Welt. Ein nicht nur zufälliges Zusammentreffen von Bedingungen gab dem Orient den monumentalen Steinbau als Mittel zur architektonischen Selbstverwirklidiung und verlieh seinen Schöpfungen die Ewigkeit. Aber wichtiger als der Fortschritt von Technik und Verwaltung, als alle geistigen und künstlerischen Einzelleistungen war der große Zug, der allenthalben hindurchwehte, der Zuschnitt des gesamten Lebens auf die Person oder richtiger die Idee des Monarchen. Unzweifelhaft ist die orientalische Monarchie die Mutter aller späteren Staatswesen im Bereich der Hochkultur. Damit soll der neue Ton, den der freiheitlichere indogermanische Geist von Griechenland aus in die Politik hereingetragen hat und der nicht nur alles, was Demokratie heißt, in sich schließt, sondern audi jede nach unten verpflichtete Monarchie entscheidend beeinflußt hat, nicht verkannt werden. Es geht aber um das Urheberrecht an der bewußten Führung der Massen durch ein kompliziertes hochwertiges System und dieses Urheberrecht kann der altorientalischen Monarchie nicht abgesprochen werden.

2. Voraussetzungen bis Konstantin

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Nodi weit großartiger ist ein anderer Beitrag des alten Orient zur Weltkultur. Aus der religiösen These und Antithese Vorderasiens sind alle Weltreligionen hervorgegangen oder wenigstens beeinflußt worden. Wie ein unaufhörlich rasender Vulkan speit dieser Glutofen des Glaubens Religionen und Sekten in die Welt. Von den perversesten Lüsten erotischer Kulte bis zum milden Lächeln Christi reicht die seelische Spannkraft des glaubensstarken und phantasiebegabten Ostens. Wenn sich nun in der Person der ältesten Monarchen die religiösen und politischen Elemente des Lebens zur unlösbaren Einheit verbanden, so bedeutete das nicht nur für die damalige Gegenwart, sondern für alle späteren Zeiten Beispiel und Vorbild. Der orientalische Herrscher verkörperte die Bindung des Staates an überweltliche Normen der Sittlichkeit. Seine persönliche Entwicklungsgeschichte konnte der Ideengeschichte ganzer Zeitalter der Nachwelt entsprechen, sie vorwegnehmen. Seine individuelle Korruption konnte die Zeitgenossen aus dem Paradies einer selbsttätigen sittlichen Bindung austreiben und in Nöte stürzen, für die ihnen der Maßstab fehlte. Aber eben weil das Bewußtsein von der Bedingtheit des Seins nicht vorhanden war, konnte selbst die Kritik am Herrscher nie grundsätzlich werden und es blieb dem späteren Einbruch Europas vorbehalten, diesen alten Zusammenklang aufzulösen. Ein erster Schritt in dieser Richtung war aber schon im alten Ägypten die nicht nur faktische, sondern vor allem leichte ideologische Einschränkung der Macht des Pharao durch die konkurrierende Priesterkaste. Hier bereitet sich die Trennung der Gewalten vor, die zumal im christlichen Abendland zu Erscheinungen wie dem Investiturstreit und schließlich zur Säkularisierung allen Lebens geführt hat und deren bedeutendste Antithese das byzantinische Reich und schließlich in weit verstärktem Maße das Zarenreich darstellt. Das orientalische Herrscherbild ist, wie das des Altertums überhaupt, in seinen örtlichen und zeitlichen Schwankungen besonders von der jüngsten Forschung herausgearbeitet worden. Hier genügen kurze Andeutungen 3 . Träger charismatischer Kräfte war der König schon im ältesten Sumer. Noch nicht Gott — war er dodi schon ein Mittler zwischen Gott und Menschen und der Hirte seiner Stadt, der bis hin zu Augustinus und den politischen Utopiakonstruktionen des Abendlandes, aber auch im Osten bis hin zum Reich Gottes von Byzanz die politische Ideologie und Wirklichkeit entscheidend beeinflußt hat. Dann schuf Sargon 2350—2294 v.Chr. das erste Weltreich der Geschichte und richtete damit einen Anspruch auf, der seither nicht mehr aus dem Gedäditnis der Menschen verschwunden ist. Er wagte den Schritt zur Selbstvergöttlichung, Mythen umspannen sein Leben, die noch in den Tagen des Augustus ihre werbende und heiligende Kraft bewährten. Die Nachfolger verzichteten auf die Selbstvergottung, aber ganz konnten diese Vorstellungen nicht mehr verschwinden. In Ägypten galt dagegen der Pharao durch alle Dynastien hindurch als die Inkarnation des Gottes Amon. Der Spätling Amenophis III. ließ darüber hinaus das eigene Bild göttlich verehren. Nicht anders als der Makedone Alexander durfte er das nur unterworfenen Völkern, nicht seinen Ägyptern, zumuten. Aber lange vorher waren im Orient moderne Staatswesen entstanden, deren Verwaltung, Sitten und Gesetze für alle Zeiten vorbildlich wurden, unerschöpfliche Anregungen gaben, als die Griechen mit diesem fremden Leben näher bekannt wurden. In Babylon verzichtete Hammurabi trotz größter Erfolge auf eine Übersteigerung des Imperialismus. Er schuf dafür eine vorbildliche Verwaltung, deren Denkmal sein berühmter Kodex geworden ist. Mit seinen vielfältigen Bestimmungen steht er nicht am Anfang, sondern inmitten einer Entwicklung, und man hat in der Tat noch ältere Sammlungen entdeckt. Selbst die propagandistischen Einleitungen und Schlüsse erinnern hier schon an die feierlichen Proömien Iustinians, in denen Roms inneres Gesetz erneuert und östlich interpretiert wird. In Ägypten führte Sesostris III. das mittlere Reich auf stolze Höhen. Seine Handelspolitik und Diplomatie erinnert nur zu oft an

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I. E i n l e i t u n g

Gepflogenheiten der römischen Kaiserzeit, die audi in Byzanz zum Rüstzeug des zwischenstaatlichen Verkehrs gehörten. Als Mehrer des Reichs sonnt er sich in wohlverdientem Glanz und unterwirft die Grenzen gegen die unruhigen Barbaren des Südens einer Kontrolle, die Rom nur zu wiederholen brauchte, um sein politisches und wirtschaftliches Leben in diesen Gebieten gleichermaßen zu stabilisieren. Immer mehr bildet sich in Vorderasien ein künstliches System von Großmächten heraus, deren Herrscher im Verkehr untereinander alle Register der Diplomatie zu meistern verstehen und oft genug auf den Universalismus ihrer nationalen Weltherrschaftsideen aus nüchterner Erkenntnis der Machtverhältnisse verzichten müssen. Nicht anders als die späteren Herrscher von Byzanz und Ktesiphon gebrauchen sie im diplomatischen Schriftverkehr die Anrede „mein Bruder". Dank dem Archiv von Amarna ist es heute nicht schwer, eine Vorstellung von der Außenpolitik dieser Zeit zu gewinnen. Im zweiten Jahrtausend vollzog sich der Einbruch der Indogermanen in den Orient und damit wurde eine nicht nur politische, sondern vor allem geistige und kulturelle Auseinandersetzung eingeleitet, die bis auf unsere Tage hin und her wogt und ein gut Teil des Inhalts der Weltgeschichte ausmacht. Fürs erste entstanden kurzlebige Kriegerstaaten, die nur im Chatti-Reich zu einer politisch und kulturell nachhaltigen Schöpfung sich verdichteten. Manche Themen des Perserreichs der Achämeniden wurden schon damals angeschlagen. Magna Mater und Jupiter von Doliche wurzeln im hethitischen Volksboden Kleinasiens, sie verbreiteten ihre Kulte im römischen Kaiserreich bis zu den britischen Inseln. Gewiß wurde selbst das weit stärker europäisierte Perserreich des ersten Jahrtausends von den Griechen noch als wesensfremdes und innerlich zum Osten gehöriges Barbarenreich empfunden. Gleichwohl wurde gerade hier die alte Idee vom Gottkönig und Weltherrscher entscheidend umgestaltet und dem abendländischen Denken genähert. Hier überwand man aus dem Geist der zoroastrischen Lehre das primitive Nützlichkeitsdenken und machte das Totalitätsstreben des östlichen Selbstherrschertums durch eine vorweggenommene pax Romana bis zu einem gewissen Grade sittlich unschädlich. Diese Vorstellungen haben dann stark auf Griechenland und Rom gewirkt. So hat das Abendland die großen Konzeptionen des Ostens nicht auf einmal, sondern schrittweise übernommen. Das zweite Jahrtausend ist das heroische Zeitalter der Griechen. Es birgt die Umwelt und den geschichtlichen Kern der Gestalten Homers. Nicht einmal das Christentum konnte dieses innere Reich eines ewig jungen Griechentums aus dem Herzen der Menschen ausrotten. Das homerische Epos war und blieb die Bibel aller Bildungsbeflissenen und Schönheitssuchenden, es blieb der Traum jedes griechischen Knaben und Jünglings, der geistige Besitz jedes griechischen Mannes, es blieb vor allem ein Schulbuch der Nation bis in die Tage des Untergangs von Byzanz®3. Es gibt kein Zeitalter der griechischen Geschichte, sei es noch so spät und sein Schauplatz so peripher wie nur möglich, in dem das sonnenüberstrahlte Bild des herrlichen Ursprungs nicht gegenwärtig gewesen wäre. Aber eines kann der Betrachter der Wende vom Altertum zum Mittelalter sich nicht verhehlen: Diese stolzen und schönen Erinnerungen gehörten Epigonen, die sie nicht mehr im Leben verkörpern konnten. Das Feuer Agamemnon« und Achills brannte in den Adern jüngerer Völker. Es gibt kein Zeugnis dafür, daß ein Mensch der Spätantike die innere Verwandtschaft der Germanen seiner Zeit mit den homerischen Helden klar ausgesprochen hätte. Wenn aber der Historiker Prokop von Kaisareia Männer wie Totila und Teja so darstellt als ginge es nicht um verhaßte Feinde, sondern einfach um die Schilderung des höchsten Opfermuts und jugendlicher Heldenschönheit, dann scheinen doch Funken vom Bildungserlebnis zur Wirklichkeit überzuspringen. Der Entdecker der Gleichzeitigkeiten, zwischen denen Jahrtausende liegen, hätte seine Freude daran.

2. Voraussetzungen bis Konstantin

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Vom griechischen und römischen Königtum der ältesten Zeiten führen wenig Verbindungslinien zu den späteren römischen Kaisern. Wohl verkörperten schon diese halb mythischen Gestalten zahlreiche Rechtsgedanken, die immer gültig blieben, aber selbst in Rom w a r der N a m e rex später gefürchtet und wurde peinlichst vermieden, während das griechische Königtum f ü r die Welt der Polis wenig bedeutete und nicht einmal in der Tyrannis auferstand. Es ist als wäre Griechenlands politisches Leben sich selbst genug gewesen in seinem rauschenden Reichtum und seiner beängstigenden Fülle. Sein Beitrag f ü r die Zukunft, das war zunächst der Städtesaum, der nach den Jahrhunderten der Kolonisation die Mittelmeerwelt umgab. Dieser marmorni Küstensaum der drei Kontinente w a r der erste Ansatz der europäischen Expansion. So hat das Griechentum schon f r ü h nicht nur Byzantion als Kolonie gegründet 4 , sondern die Küste des späteren Reiches von Byzanz abgetastet. Es hat vorbereitet, was dann Alexander schwungvoll weitergeführt und das Römische Reich vollendet hat. Selbst von den äußeren Formen blieb vieles erhalten, vom Kantönligeist und der Kirchturmpolitik, vom Stolz und der Honoratiorengewichtigkeit der Städtchen bis zur Urbanität, dem geschäftigen Spiegeln und Zerreden des Kosmos in den Brennpunkten des Lebens, in Athen und später Antiochien, Alexandrien, Konstantinopel. Die südrussische Handelsstadt Chersonnesos — Sevastopol — rühmte sich nodi im 9. Jh. der Rechte und Freiheiten einer altgriechischen Polis. Der demokratische Gedanke, der im oströmischen Reich niemals unterging, verdankt nicht nur Rom, sondern zweifellos auch den leidenschaftlichen Diskussionen der Agora seine geistige Grundlegung, insbesondere das Arsenal seiner Schlagworte. Aber zuvor brachte das persische Weltreich, das Kyros begründete, noch seine Ernte ein. Kyros war den Griechen kein Fremder. Antisthenes und Xenophon haben ihm literarische Denkmäler gesetzt und seine Leistung fast über Gebühr bewundert. Sie hatten die Witterung f ü r das Verwandte an seinem universalistischen Wohlfahrtsgedanken. Das Perserreich blieb dieser Linie treu. Nicht nur die Konzeption vom Weltherrscher hat auf alle Späteren altorientalische Gedanken in veredelter Form übertragen, auch die materiellen und wirtschaftlichen Errungenschaften blieben lange vorbildlich, so die großartigen Straßen, die Reichspost und das Geldsystem. Die hohe Sittlichkeit der Zarathustralehre, die Priesterorganisation des Ahuramazdaglaubens behaupteten sich im Orient und leisteten bedeutende Beiträge zum kais'erzeitlichen Synkretismus, bedrohten sogar in der Lehre des Mani das frühe Christentum nicht ungefährlich. Mit solchen Wellenschlägen eines breit hingelagerten Lebensbereichs konnte das kleine Attika eines Solon nicht wetteifern. Selbst der Bauwille der Peisistratiden verblaßte vor solchen Maßstäben zu einer recht provinziellen Angelegenheit. U n d doch genügten wenige Generationen, um ein f ü r allemal darüber Klarheit zu schaffen, daß nicht in den weiten Räumen des Ostens, sondern in den winzigen Tälern und Küstenebenen von Griechenland die Geburt des europäischen Geistes sich vollzog. Hier wurde nicht nur der östliche Koloß wie durch ein Wunder unschädlich gemacht. Diese geborenen Tyrannenmörder gingen weit darüber hinaus und entwickelten den geistigen Sprengstoff, der seither alle politischen Kolosse bedroht. Es kann hier nicht darum gehen, den rationalen Geist der attischen Demokratie im einzelnen nachzuzeichnen. Es mag genügen, daß nicht nur die römische Volksherrschaft mit unter dem Einfluß des griechischen Denkens stand. Diese politischen Schlagworte und ethischen Begriffe wurden im kaiserzeitlichen Rom und in Byzanz sowohl vom Träger der Macht wie von der Opposition gebraucht und teils weiterentwickelt, teils vereinfacht und zurückgebildet. Es ist kein Zufall, wenn die vier platonischen Tugenden zum unverlierbaren Bestand der späteren „Herrscherbilder" gehören, wenn die Begriffe der aristotelischen

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I. Einleitung

oder stoischen Ethik in so vielen späteren Reden wiederkehren. Es war doch mehr als ein gestohlenes Flitterwerk, mit dem die Despotie ihren Herrschermantel schmückte, es führte zu einer fühlbaren Beschränkung selbst der hemmungslosesten Militärmonarchie durch sittliche Ideale, die nicht romantische Erinnerung von einigen Gebildeten, sondern ein Bestandteil der öffentlichen Meinung waren. Darüber hinaus ist der heiße Atem, das gefährliche Spiel dieses atomaren politischen Lebens der Polis mit all seinen Anforderungen an die innere Spannkraft und Verantwortlichkeit, an Wagemut und Entschlußfreude des Individuums (trotz der konkurrierenden Überlieferungen aus der römischen Republik) bis weit über das Ende der Antike hinaus vorbildlich geblieben für das politische Menschentum überhaupt, und es kann nicht wundernehmen, wenn zumindest im munizipalen Lebensbereich diese Tradition weiterwirkte und selbst die große Politik despotischer Zeitalter immer wieder geistige Einbrüche, sei es in nodi so entstellter Form, aus der Welt des alten Griechenland an sich erfuhr. Es bedeutet demgegenüber nicht viel, wenn die Demokratie so eindeutig degenerierte, daß nur vorübergehende Erfolge und langdauernde Auflösung bei dem kurzsichtigen K a m p f aller gegen alle resultierten. Denn die verklärende Rückschau fragt nicht nach der endgültigen Verwirklichung des Ideals, sondern heftet ihren sehnsüchtigen Blick auf die Höhepunkte und die für immer erarbeiteten geistigen Werte. So ist nicht nur der äußere Stempel, der im Zeitalter des Perikles allem Leben, allen geistigen und materiellen Bereichen aufgeprägt wurde, unverwischbar, sondern auch die referierende Betrachtung, die Geschichtschreibung hat, solange das Altertum dauerte, nicht mehr von der Betrachtungsweise eines Thukydides abgelassen. Es ist kein Zufall, daß die historiographische Kontinuität von Griechenland, R o m und Byzanz mit der chinesischen wetteifert. Bis in die Türkenzeit hat Thukydides den Historikern als Muster und Vorbild gedient. Sinnenhafter als alle Dichtung und Geschichte veranschaulicht die bildende Kunst das Gleichgewicht zwischen Bindung und Freiheit im fünften Jahrhundert. Die handwerkliche Lehrlingsstufe war überwunden, der Einfluß orientalischer Starrheit verarbeitet. Kunst und Leben unterstanden geheimen Gesetzen der Harmonie, die alle wilde Kraft in beherrschte Formen bannte. Vorher hemmte die innere Bindung an Sitte und Brauch, Religion und Gesetz die freie Entfaltung des Individuums. Nachher waren die Fesseln abgeworfen, das Allzuprivate, Allzupersönliche in Bezirke vorgedrungen, die einst als heilig galten. Diese unvermeidliche, oft wiederholte aber nie wieder so großartige Entwicklung vollzog sich auch später in Rom, w o der Ablauf durch das griechische Vorbild sehr beschleunigt wurde, im Bereich der bildenden Kunst sogar mit der griechischen Spätform überhaupt erst einsetzte. Erst im christlichen Rom, im Reich von Byzanz, hat sich dieses entfesselte Leben wieder zu neuer Zucht und Bindung aufgefangen und die starre Geste einer seelisch verkapselten Frühzeit mit dem wissenden Lächeln der Spätreife verklärt. D a s griechische Städtetum hat nach kurzem G l a n z und atemraubenden, fast unverständlichen Triumphen über ein Weltreich rasch abgewirtschaftet. Die Führung ging an den makedonischen Nebentrieb des altgriechischen Königtums über, der nun zum weltüberschattenden Riesengewächs aufschoß. Alexander stieß mit ungestümer Leidenschaft in das politische Vakuum des Ostens. Er nützte die einzigartige Chance Europas bewußt und vollständig aus. Trotz aller Ausschweifungen kam er nicht wie Dschingis Chan, sondern blieb immer ein Grieche. Seine Nachfolger haben sich zerfleischt, Griechen und Makedonen einander totgeschlagen, aber die unterworfene Bevölkerung wurde nicht angetastet. Der liebenswürdige Charakter der griechischen Kolonisation blieb erhalten und prägte sowohl das Weltreich wie seine Nachfolgestaaten. So konnte in Vorderasien der Grund zu einem tausendjährigen Reich der

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abendländischen Zivilisation gelegt werden. Die politischen Formen ergaben sich in diesem Reich schicksalhaft aus der westöstlichen Synthese. Das Griechentum stellte Kulturträger, Pflanzstädte, politische Formen und geistigen Inhalt, verzichtete aber auf intensive Durchdringung seines Herrschaftsraumes. In den weiten Bereichen bäuerlicher Fron und nomadischen Schweifens wogte der Strom des orientalischen Lebens als gäbe es keine Fremden oder stehe die Wiederkehr der östlichen Hochflut schon fest. Dieses Verhältnis der Grundbestandteile des Alexanderreichs, der Diadochenstaaten und des späteren oströmischen Reiches blieb allen Störungen und Zwischenfällen zum Trotz dasselbe. Es bedurfte der arabischen, der türkischen und der mongolischen Springfluten, um die Schöpfung Alexanders zu zerschmettern. Iustinian starb am Vorabend der ersten und entscheidenden Flut. Aber er stand als es höher und höher brodelte nicht machtlos vor einem Pegel, sondern in vollem herrscherlichen Bewußtsein am Steuer. Es war die letzte Möglichkeit, die Wassermassen zu verteilen, ihre Stoßkraft abzulenken, und somit trifft ihn die Verantwortung für das Kommende. Das Zeitalter Iustinians ist reich an Entscheidungen. Alexanders früher Tod bewahrte die Makedonen vor der Verschwendung ihrer Kräfte an den Westen, vor dem Wahnwitz, Europa zu europäisieren. Seit der höhnischen Überschau des Livius über die damalige Feldherrngarnitur Italiens ahnen wir, was den Angreifer Alexander dort vielleicht erwartet hätte: Pyrrhussiege und ein Pyrrhusende 5 . Während Europas bestes Blut in hoffnungsloser Verdünnung nach Osten ausströmte, zeichnete sich schon der nächste Schritt der Weltgeschichte ab. Italien wird die Mitte der Welt, wie Rom die Mitte Italiens. Aber die Anfänge haben nichts mit Universalismus zu schaffen. Wenn die späte Republik, Kaiserzeit und Byzantinerzeit in die Vergangenheit zurückschauten, so erschien der Romgedanke vor dem geistigen Augen der Zeitgenossen nicht als sagenhaft verklärte, in unzähligen Lobpreisungen der ewigen Stadt verherrlichte Vergangenheit, sondern gleichermaßen als nüchterne Tatasche der Uranfänge wie als lebendige Wirklichkeit der Gegenwartspolitik. Der göttliche Auftrag an Rom wurde ebenso wie die Überlieferung über Romulus und seine königlichen Nachfolger für bare Münze genommen. Dieser zählebigste Mythos des Abendlandes galt seinen Gläubigen als Geschichte. Nicht einmal die Überfremdung des Römerreichs mit den Glaubenslehren des zutiefst romfeindlichen Ostens, nicht einmal der Sieg, die Alleinherrschaft des Christentums, vermochten dem Romgedanken etwas von seiner Zeit und Raum überwindenden Strahlungskraft zu rauben. So ganz unrecht haben Religion und Mythos nicht, denn irgendwie müssen geheimnisvolle Kraftströme das Zeitalter des Dorfschulzen mit der Ära des Weltherrschers verbinden. Aber wenn wir von diesem immanenten Schicksalsstrom einer immer schmerzhafter vorgefühlten und dodi nie klar gewollten Zukunft absehen, bleibt nur die Feststellung, daß Rom in seinen Flegeljahren nicht im geringsten durch ein überirdisches Stirnmal aus der hoffnungsvollen Jugend der westlichen Dorfkultur herausgehoben war. Auch die Auseinandersetzung mit Pyrrhus, dem Repräsentanten des Hellenismus und gescheiterten Testamentsvollstrecker Alexanders, die Auseinandersetzung selbst mit dem alteingewurzelten Reich von Karthago war nichts anderes als das ewige Hin und Her mit den Stämmen Italiens. Rom ist Vormacht in Italien, bald auch im westlichen Mittelmeer, endlich hegemoniale Macht des Ostmittelmeers geworden, aber noch immer konnte man nicht von einem bewußten imperialistisdien Programm sprechen, noch immer war jede Tat eine Antwort auf fremde Übergriffe gegen Rom selbst oder seine Freunde. Rom war noch ein Staat unter Staaten, es hatte nodi nicht von der universalistischen Frucht des Ostens gekostet. In dieser Frühzeit rechnete man trotz allem Hochmut nüchtern mit der Umwelt. Die Stämme und Städte der Appeninhalbinsel, später audi Karthago und die sonstigen

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Anrainer des Mittelmeers, besonders das hellenistische Staatensystem von Griechenland und Vorderorient, das waren die politischen Gegebenheiten, mit denen man zu rechnen hatte und zu denen nicht nur kriegerische, sondern ebensogut vertragliche und freundschaftliche Beziehungen möglich waren. Der Senat von Rom wurde immer mehr zu einem gefürchteten Verhandlungspartner, aber er war immerhin ein Partner und fühlte sich selbst noch als solcher. So konservativ der römische Staatsgedanke immer sein mag, so zahllos die bis in die fernsten Zeiten des römischen, selbst des byzantinischen Staates überlieferten Grundsätze und Einzelzüge auch sein mögen, so scheint doch das Wichtigste später ausgestorben, der Sinn für das Kräftespiel eines mannigfaltigen Staatensystems. Das konnte nicht anders sein, denn es war die logische Folge des monarchischen Weltreichsgedankens. D a in der Geschichte die Gedanken gewöhnlich hinter den Tatsachen herhinken, verzeichnet Klio nicht ohne ironisches Lächeln die Verspätung, mit der die universalistische Ideologie gerade in dem Augenblick zu einer den Blick für die Tatsachen trübenden geistigen Macht emporwuchs, als die realen Grundlagen einer solchen Haltung bereits weitgehend zerstört waren. Auch im Zeitalter Iustinians wurde Diplomatie getrieben, sogar recht gute. Aber die ideologische Bindung an den Weltreichsgedanken legte die Handelnden trotz aller formalen und tatsächlichen Zugeständnisse so einseitig fest, daß von der Politik dieser Zeit gerade um ihres konservativen Zuges willen, der sich bis zu romantischer Vergangenheitsschwärmerei steigerte, überhaupt keine Brücke mehr zur Haltung der römischen Republik zu führen scheint. In dem Augenblick, in dem Weltreiche ihrer selbst bewußt werden und die Konsequenzen ziehen aus dem, was sie geworden sind, verlieren sie ihren wichtigsten Wachstumsantrieb und verfallen der Gefahr der Erstarrung und Rückbildung. Dann bringt ihnen jeder Schlag, der sie nicht tötet, durch den Zwang zur Anpassung an die Tatsachen neue Möglichkeiten der Regeneration. Nach der Unterwerfung Italiens, dem Triumph über Karthago, zerschlug die Republik die Nachfolgestaaten Alexanders, ohne sofort das Vakuum, das im Osten entstand, durch eigene Eroberungen auszufüllen. Der Orient hat die Stunde genützt und Atem geschöpft. Unter den nichtgriechischen Staaten, die hier im Zeitalter der Diadochen und Epigonen entstanden, war immerhin das Partherreich zu einiger Macht gelangt. Aber auch kleinere Gebilde waren nicht unwichtig als Träger uralter charismatischer Überlieferungen und Herde der religiösen und nationalen Leidenschaft. Bithynien, Kappadokien und Armenien waren verhältnismäßig harmlos. Eine ernster zu nehmende Form des orientalischen Eigenlebens verkörperte allen griechischen Einflüssen zum Trotz das Partherreich. Es brachte die östlichen Wachstumsspitzen des Hellenismus zum Absterben, indem es mit der Abschnürung Baktriens und dem eigenen Abfall von der griechischen Kultur das Alexanderreich halbierte und den Römern seine Erneuerung unmöglich machte. Dann ging von Pontus im Bündnis mit Parthien eine schwere Bedrohung aller römischen Absichten auf den Osten aus. Das bosporanische Reich des Mithridates stellte alles Erreichte und die ganze Zukunft in Frage. Zum erstenmal entstand der Gedanke einer gewaltigen Sammlung der Völker zum gemeinsamen Kampf gegen die Weltbezwinger, schienen die Universalismen von Orient und Okzident aufeinanderzuprallen, bevor sie ihre endgültige staatliche und geistige Ausprägung gefunden hatten. Endlich der Judenstaat, eine Größe für sich, umweltfeindlich, ein Zentrum politischen Hasses, ein geistig brodelndes Gebilde voll unheimlicher Möglichkeiten, ein Vulkan politischer Ausbrüche, der von Vespasian und Titus gründlich gelöscht wurde. Aus einer von Kampf und H a ß brodelnden Umwelt heraus war nur ein Menschenalter zuvor die Religion der Liebe an das Licht getreten. Die politischen Auswüchse des jüdischen Messianismus verblaßten vor der moralisdien Eroberung der Welt durch den Zimmermannssohn, der sich sein Reich in den

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Herzen der Menschen schuf. An Macht und Einfluß hatte der jüdische Duodezstaat niemals die Möglichkeiten auch nur des Arsakidenstaates erreicht, auf dem Schlachtfeld der geistigen Auseinandersetzungen hat er die Griechen in den Schatten gestellt und zwei Religionen, darunter die Weltüberwinderin, der Menschheit geschenkt. Und während die Griechen den Eroberern zujubelten und, als die Wölfin den Schafpelz abgeworfen hatte, es niemals zu einer eindrucksvollen Widerlegung des römischen Herrschaftsprinzips gebracht haben, prägte das Judentum den H a ß der östlichen Welt in die apokalyptische Vision vom Antichrist, die vom äußeren Anlaß befreit in den Besitz aller Gläubigen übergegangen ist. Bei der endgültigen Durchdringung des Ostens nahm der längst nicht mehr verleugbare Cäsarismus der römischen Feldherrn und Beamten charakteristische Züge an, die trotz verzweifelter Gegenwehr der Republik und klugen Vertuschungsversuche der Monarchie im künftigen Erscheinungsbild des Römerreichs dominierten. Dieser Prozeß war im Zeitalter Iustinians im wesentlichen abgeschlossen und doch nicht ganz vollendet. Es war selbst damals noch möglich, neue einschneidende Bestimmungen über die Kompetenz des Senats zu treffen und die bissigen Bemerkungen Prokops über das Hofzeremoniell, überhaupt die ganze Tonart seiner Geheimgeschichte zeigen uns, daß die Kritik an Intensität gewann, was sie an Breitenwirkung im Laufe der Zeiten verloren hatte. Die Mörder Cäsars haben das Exempel des westlichen Protestes gegen den Einfluß des Ostens auf das Denken eines Großen statuiert. Cäsar fiel als Märtyrer auf dem Schicksalsweg zur Monarchie, tragisch, weil gerade er die Tugenden des Westens verkörperte wie keiner zuvor. Die alexandergleiche Schwungkraft seines Feldherrntums und die lateinische ratio des Staatsmannes waren der westliche Gegenpol jener östlichen Statik, in der man die Hypothek aller Weltreiche, ihren Tribut an die ältesten, insgeheim für immer vorbildlichen Universalmonarchien erblicken kann. Nach Cäsars Fall flammte die Auseinandersetzung zwischen den Prinzipien in dem Kampf der Reichshälften, verkörpert in Antonius und Octavianus, erst redit auf. Augustus, der Sieger, mußte zeitlebens auf den westlichen Standort, den er in den Jahren der Entscheidung innegehabt, die peinlichste Rücksicht nehmen und er hat es meisterhaft getan. Sein Prinzipat ist der vollendetste und dauerhafteste politische Kompromiß aller Zeiten. Ihm ist es gelungen, das Unvereinbare zu vereinen, in Wahrheit freilich nur, weil die Machtfrage eindeutig zugunsten der Monarchie entschieden war. Schon Tiberius suchte nach wahrhaft altrömischen Anfängen die Einsamkeit und die Nachfolger umstrickte immer tiefer das Sultanstum, dessen Gesetze nicht zuletzt im biologischen Verfall der herrschenden Familie sich auswirkten. Tacitus und Sueton haben den letzten Julier als Scheusal gebrandmarkt. Die neuere Forschung hat dagegen mit Recht die Folgerichtigkeit betont, die den Ausbau des römischen Imperiums auszeichnet. Sie hat das Leben in den Provinzen dem Treiben der Hauptstadt entgegengestellt. Das Urteil der Zeitgenossen über Nero unterlag einer politischen Antinomie, die eine paradoxe Verkehrung der geistigen Fronten zur Folge hatte. Die unlöslich mit der Vergangenheit verwachsene Senatorenpartei mußte das Opfer des Cäsarenwahnsinns vom Richterstuhl der römischen Republikanerromantik herab für einen Abtrünnigen vom Gedanken des Prinzipats, für einen halbasiatischen Barbaren und dämonisch besessenen Verbrecher erklären. Derselbe Mann, der sich mit allem Römischen so gründlich überworfen hatte, galt im Osten als die Inkarnation des Romgedankens schlechthin. Er stand Modell für die Gestalt des Antichrist, und die Kraft seines Untermenschentums wand ihm den Flammenkranz der jüdisch-christlichen Endzeitlehre um sein Haupt. So hatte er Rom innerlich verloren und doch den Osten nicht gewonnen.

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Aber noch immer und für lange Jahrhunderte breitete sich zwischen diesen extremen geistigen Möglichkeiten das Reich über Tausende von Meilen fest und sicher gegründet auf der weithin beherrschten Erde, waren es nur kleine, wenn auch maßgebliche Schichten, die sich solcher inneren Abgründe bewußt waren und ihren H a ß gegen die Zentralgewalt schürten. Der Gegensatz blieb aber bestehen und wurde, wie Prokops Geheimgeschichte lehrt, im Geistigen immer bewußter und tiefer, freilich auch hoffnungsloser, während er in der Welt der Wirklichkeit allem Weiterleben republikanischer Formen und Gedanken zum Trotz immer mehr zur Farce eines bewußten Schauspielertums herabsank. Der Gedanke des Prinzipats lebte in den vielberufenen guten Kaisern mächtig wieder auf, und doch haben Vespasian und Titus, Nerva, Trajan und die Adoptivkaiser des zweiten Jahrhunderts vielleicht durch ihre Milde noch wirksamere Totengräberarbeit am altrömischen Lebensgefühl geleistet als die despotischen Wüteriche, die alles, was an Widerstand noch da war, zur Weißglut angefacht haben. Als im vierten Jahrhundert die Wendung zum Dominât für alle sichtbar war, zog einmal Kaiser Konstantius in Rom ein. Es war ein Besuch höflicher Neugier in dieser gespenstisch wohlerhaltenen Ruine. Er gab sich bis zur Stadtgrenze so, wie er in den Provinzen aufzutreten pflegte, als halbgöttlicher Herrscher in starrer Unnahbarkeit. Als er einen Triumphbogen passierte, bückte er sich tief, damit der weltbeherrschende Gigant, zu dem der Glaube seiner Umgebung den untersetzten Mann pflichtschuldigst erhöhte, keinen Schaden nehme. Nicht anders sehen wir auf den Flachreliefs des alten Orients den Herrscher sein Gefolge und erst recht die Feinde um Haupteslänge überragen. In der Stadt war er dann wie umgewechselt und gab sich den Senatoren leutselig als Erster unter Gleichen, machte ihnen sogar Besuche wie ein Princeps augusteischer Schule. Wenn dieses Weiterleben der römischen Tradition in einer veränderten Zeit nicht so großartig wäre als Zeugnis für die Kontinuität sowohl von geistig moralischen Werten wie von gesellschaftlichen Bindungen, müßte man das ganze als Posse werten. Der Historiker Ammian, der die Szene überliefert, wünscht das sogar. Man fühlt, wie er die Ehrlichkeit dieses römischen Bürgeridylls bezweifelt und sich über den „Popanz der Provinzen" lustig macht, der nicht nur im Osten, nein, im ganzen Reich sich beweihräuchern läßt, und wie eine starre Maske nicht mit der Wimper zuckt noch die Nase schneuzen darf, um nicht aus der Rolle seiner eingebildeten Göttlichkeit zu fallen, und im besten Fall dazu taugt, vom senatorischen, also immerhin noch etwas republikanischen Standpunkt des Geschichtsschreibers aus gründlich durchschaiut und verhöhnt zu werden 6 . Dieser Humor scheint dem Zeitalter Iustinians bereits abhanden gekommen. Die Einsicht in die geistige Kluft zwischen Despotie und Prinzipat war so tief und der H a ß so brennend wie nur jemals. Aber in der Wirklichkeit schienen die Standpunkte durch die Entwicklung zweier Jahrhunderte weiter aneinander angeglichen. Selbst die Leutseligkeit Iustinians konnte über den Sieg der östlichen Herrschermystik nicht hinwegtäuschen. Oder wird im dämonischen Doppelspiel Iustinians und der Theodora die Posse auf einer noch tieferen Ebene weitergespielt? Er war der Leutseligste, sie die Unnahbare. Fast möchte man glauben, daß Iustinian dem Westen gab, was des Westens war und Theodora nicht anders dem Osten. Es war ein langer Weg von Augustus bis Iustinian. Das letzte Ziel war eindeutig und doch zeugt der unleugbare demokratische Einschlag der byzantinischen Geschichte vom Wechsel in der Dauer, von der Vielfalt der Möglichkeiten. Die Byzantiner haben die römischen Methoden in der Außenpolitik raffiniert gesteigert, im religiösen Bereich fast überboten, im Ressort des Innern weit vergröbert. Ihre Herrscher lebten zumeist so gefährlich wie die Soldatenkaiser des dritten Jahrhunderts. Viele fanden einen

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gewaltsamen Tod, und das war längst nicht das einzige Ventil für populäre oder militärische Leidenschaften. Selbst das unangreifbar scheinende System Iustinians erlebte unaufhörliche Entladungen der Spannung zwischen Zirkus und Thron. Es gab keine Organe der Kritik, die für behutsamen Ausgleich gesorgt hätten und trotzdem ist man immer wieder überrascht über den freimütigen Ton der Literatur, während die handfesten Äußerungen der Volksseele im Zirkus und auf dem Marktplatz wie ein Rückschritt zu primitiveren Formen des politischen Lebens erscheinen. Im Zirkus stauen sich die verdrängten, raffiniert abgelenkten politischen Leidenschaften immer mehr und entladen sich im täglichen Kleinkrieg der Rennparteien und in einzelnen Ausbrüchen, die den Staat in seinen Grundfesten erzittern lassen. Und doch beweisen die literarischen Stimmen der Kritik und das Gröhlen der Massen nichts anderes als das Fortleben vieler Vorstellungen aus älteren Entwicklungsstufen im absolutistischen Beamtenstaat Iustinians. Selbst die Proömien der Herrschergesetze zeigen das Ethos des augusteischen Prinzipats in durchaus nicht flüchtigen oder audi nur phrasenhaften Spuren. Die halb klassische, halb christliche Ideologie des Despotismus steckte zu allen Zeiten nicht nur Ziele, sondern Grenzen ab, deren Überschreitung den Kopf kosten konnte. Das Stadium der Nachahmung des hellenistischen Wohlfahrtsstaates durch Kaiser wie Hadrian hinterließ desgleichen seine tiefen Spuren im Geist der Gesetzgebung Iustinians. Die letzten zweihundert Jahre vor seinem Auftreten hatten die römische Vergangenheit nicht getilgt, sondern nur gründlich umgeformt und verarbeitet. So primitiv und gewaltsam der vielberufene Cäsaropapismus dieses Kaisers als Realität erscheinen mag, so kompliziert und traditionsgeschwängert spricht er als politische Ideologie die Nachwelt an. Dieses System zieht die Summe der römischen, der hellenistischen und orientalischen Erfahrungen, deren zeitliche Abfolge die Spätantike mit ihrer Entwicklung zum Orient hin geradezu umkehrt. Denn die ältesten Schichten der vorderasiatischen Zivilisation drängen in dieser Spätzeit an die Oberfläche des geschichtlichen Bewußtseins, während andererseits auch die Anfänge Roms in bewußter Romantik herauf beschworen werden und die Staatsreligion nicht nur die alttestamentliche Kosmogonie übernommen hat, sondern darüber hinaus ihre eigene gnostischmystische Schöpfungslehre besitzt: Im Anfang war der Logos und der Logos war bei Gott und Gott war der Logos. Ideologisch und realpolitisch sind die Fäden der Entwicklung gleichermaßen verschlungen, beobachten wir die kühnsten Brüche und Verwerfungen ältester und jüngster Schichten. So haben die ersten frevelnden Schritte eines Caligula und Claudius, die von der vorgezeichneten Bahn des Prinzipats abirrten, zur hausväterlichen Verwaltung des Staatswesens etwa nach dem Muster eines Gutsbetriebs geführt und das berüchtigte Regiment der Freigelassenen begründet. Das patriarchalisch-römische Element ist hier vom despotisch-orientalischen kaum zu trennen und doch trieb die Entwicklung folgerichtig zu den großen Verwaltungsreformen Hadrians hin, die allen Rationalismus des hellenistisch-römischen Staatsgedankens in das noch undefinierbare Neue hineinschmolzen und so den Grund zur diokletianisch-konstantinischen Reichsreform gelegt haben. Im großen und ganzen kennzeichnet die Kaiserzeit eine Art geistiger Eklektizismus gepaart mit religiösem Synkretismus und weitgehender Einschmelzung der überkommenen politischen Begriffe. Einerseits können selbst die wütendsten Kritiker unter den Senatoren und ihren literarischen Nachbetern sich niemals wirklich von den inneren Bindungen ihrer Zeit freimachen. Andererseits verwendet die Terminologie des amtlichen Herrscherbildes das Gedankengut der Kritiker unbedenklich zugunsten des Gewalthabers. Die Verschmelzung des Prinzeps- und Basileusbildes im universalen

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Wohlfahrtsreidi der Adoptivkaiser wiegte die Welt in den Schlaf eines beneidenswerten Friedensregiments und legte den Grund für die kommende Vereinfachung der Spielregeln. D a n n hat der Schwächling Commodus das eiserne Zeitalter Roms eröffnet und die Wirren unter den Soldatenkaisern schienen alles Bisherige in Frage zu stellen. Die Götter Asiens eroberten ein Rom, das nur noch der Schatten seiner Vergangenheit war. Die Tausendjahrfeier der Stadt verrauscht, aber das Gesetz, das den Einwohnern des Weltreichs das Bürgerrecht verleiht, besteht und bleibt das Grundgesetz eines jetzt erst Wirklichkeit gewordenen Universalismus. Man könnte meinen, der Genius der Zeiten habe nur auf diesen Augenblick der Übereinstimmung von Anspruch und Sein gewartet, um eine jüngere Welt zum Angriff zu führen. D a s Jahrhundert des Bürgergesetzes sah die germanischen Zusammenschlüsse, die bald das Reich ernstlich gefährdeten. U n d im Osten entstand im Sasanidenreich eine neue politische Kraft, es lebte zugleich eine Herrscherideologie wieder auf, die bereits auf anderen Wegen tief auf R o m eingewirkt hatte und jetzt gerade durch den K a m p f auf Leben und Tod, den sie heraufbeschwor, zur kritiklosen Übernahme ihrer konkurrierenden Formen und Methoden verführte. Dem entspricht der immer mehr geübte K a u f germanischer Wehrkraft, auch ein Mittel, um gerade dem Todfeind die K r ä f t e zur Selbsterhaltung auszusaugen. D a s Zeitalter der Soldatenkaiser zeigt die zentrifugalen und vereinheitlichenden K r ä f t e auf dem Höhepunkt ihrer Auseinandersetzung. D a s zweite Jahrhundert hatte die faktische Gleichberechtigung der Provinzen gebracht und die ersten Nichtitaler auf den Thron geführt. Auf die spanischen Adoptivkaiser folgten Herrscher, die aus Afrika und Syrien bis zu den Grenzen Arabiens hin stammten. D a n n rückten die Illyrer an die Spitze vor, wodurch die Führungsschicht einen landsmannschaftlichen Charakter erhielt wie seit dem Erlöschen der römisch-italischen Volkskraft nodi niemals. D a s Auf und Ab dieser Provinzialismen gehört zu den fesselndsten Zügen im wechselvollen Mienenspiel der Spätantike. Nicht anders als das germanische und hunnische, aber auch armenische, isaurische oder arabische Reisläuferproblem bietet die Frage nach dem Verhältnisanteil der Provinzen an der Reichsgeschichte Aufgaben von brennendem Interesse für die philologisch-historische, insbesondere prosopographische Forschung. Aber ungleich größeren Eindruck macht die erstaunliche K o n tinuität des Romgedankens, durch die selbst in Zeiten eines energischen Vorstoßes der Kräfte der Peripherie oder bestimmter Einzellandschaften alle Sonderbestrebungen sich selbst aufheben, ihre Eigenart opfern, um dem zentralistischen Reichsgedanken zu dienen. Im zweiten Jahrhundert fehlte selbst der leiseste Verdacht einer Vernachlässigung des Reichsinteresses aus landsmannschaffclichen Erwägungen. Die Afrikaner und Syrer der severischen Dynastie erlaubten sich zwar bedenkliche Einbrüche in die Tradition, bewahrten jedoch trotz aller religiösen Orgien den schuldigen Respekt vor Rom. Unter Septimius Severus wurde eine Säkularfeier der augusteischen Zeit mit philologischer Akribie wiederholt, und Kaiser Philippus Arabs stattete die Tausendjahrfeier so verschwenderisch, aus, daß kein Anhänger der alten Zeit einen Grund zur K l a g e fand. Doch führte das Erschlaffen der Abwehrkräfte gegen den Zustrom des östlichen Geistes und Bluts schon um die Mitte des Jahrhunderts unter den illyrischen Kaisern zu einer scharfen Reaktion im altrömischen Sinne. Aurelian hat wie so viele Vorgänger den Sonnengott verehrt, und das mit einer Ausschließlichkeit, die -den kommenden Monotheismus vorwegnahm. Aber dieser Sonnengott hatte nicht mehr viel mit Emesa zu schaffen, er war romanisiert, dem römischen Sol gleichgesetzt. Er thronte als dreizehnter Gott über den alten zwölf Göttern, deren Individualität immer mehr verblaßte. Uralte Glaubenskräfte der Illyrer, Kelten, Germanen waren mit den

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syrischen und griechisch-römischen Vorstellungen zusammengeflossen. So entstand zwar nicht unaufrichtig aber doch bewußt und gewollt und propagandistisch gefördert eine Universalreligion des römischen Staates und seiner Soldaten. Aurelian ließ sich als Sohn des Sonnengotts verherrlichen und verknüpfte dadurch diese ganze Glaubenswelt nur um so enger mit dem Rom- und Kaisergedanken. Auch Diokletian baute sein Reich auf diesem Glauben. Konstantin vermochte sich nicht so recht von den rasch vorbildlich gewordenen Formen zu trennen. Unter Julian lebten sie kurz wieder auf. Auch das Verhalten des Kaisers Aurelian gegenüber dem Christentum trägt den Stempel des Romgedankens, der zwei Generationen später das Werk Konstantins geprägt hat. Als die Kirche bei inneren Zwistigkeiten den Kaiser urn einen Schiedsspruch bat, verfügte er zugunsten des Bischofs von Rom und bekannte sich damit unbewußt zu jener Entwicklung, die den Papst zum erfolgreichsten Fortsetzer der römischen Tradition gemacht hat. In der besonderen Auffassung des Gottesgnadentums und einem starken Schicksalsglauben liegen ähnliche, wenn nicht stärkere Keime der konstantinischen Kaiser- und Reichskonzeption beschlossen. Unter den Nachfolgern Aurelians, namentlich unter Kaiser Diokletian, erlebte das Christentum gefährliche Verfolgungen, aber die Grundhaltung der illyrischen Kaiser zur Sache der Religion wie zum Romgedanken blieb unverändert. Sie waren im religiösen wie im staatlichen Bereich leidenschaftliche Reformer und vermochten das eine nicht ohne das andere zu denken. So hat das Christentum seinen Endsieg unter Konstantin mit den gewaltigsten politischen Konzessionen bezahlen müssen, die freilich seinen offiziellen Vertretern kaum zum Bewußtsein kamen, weil sie unmerklich gebracht wurden und zu den Begleitumständen einer jeden „Machtergreifung" gehörten. Die großen Verfolger haben das Christentum nur christlicher gemacht, aber von Konstantin führt eine gerade Linie zu Iustinian, dem gestrengen Lehrmeister der Kirche, der die Priester einer geistigen Hemisphäre gelehrt hat, nach der Pfeife des Staates zu tanzen. Iustinian entstammte dem lateinischen Westen, freilich nahe dem Drehpunkt der Reichshälften, und hat sich nicht zuletzt aus der Tradition der illyrischen Reichsretter heraus kämpferisch um den Westen bemüht. Aber das damalige Restreich folgte auf die Dauer doch den Gesetzen seiner östlichen Lage. Deshalb haben sich die Investitionen Iustinians nur teilweise verzinst. Das späte Römertum hat nicht anders als der Hellenismus dem Osten Auftrieb und Form gegeben, ohne seine Eigenart auszurotten oder die geschichtliche Entwicklung umzubiegen. Zu den Grundvoraussetzungen des iustinianischen Zeitalters gehört die römische Reichsteilung, die sich im dritten Jahrhundert anbahnte. Die Stadt Rom verlor ihre alte Rolle als Machtmittelpunkt. Längst hatte das bewegliche Heerlager des Kaisers diese Rolle übernommen. Jetzt wurde unter Kaiser Diokletian das alte Vorrecht endgültig beseitigt. Nicht einmal der Nebenkaiser residierte in Rom, das viele Rechte an Mailand abtrat, und nur im geistigen Bereich seine Stellung hielt, als ideeller Mittelpunkt des Römertums zum Wallfahrtsort wurde wie Jerusalem für die Christen. Der Romgedanke verschmolz nur um so mehr mit dem Kaisergedanken und fand in der neuen Hauptstadt am Bosporus eine großartige Heimstätte. Wenn es unter Diokletian trotz Nikomedien und Mailand an einem Ruhepunkt der Gewalt fehlte, so machte die Bindung alles Seins an die Person des rangältesten Monarchen das vergessen und verwischte den peinlichen Eindruck der Reichsteilung. N u r die ungeheuerliche Zusammenballung der Kräfte bestimmte das Gesicht des Zeitalters, die Renaissance der römischen Haltung nach außen, während die Spaltung noch einen rationalistischbeamtenhaften Charakter trug, zur Utopie einer dauernden Befristung der Gewalt sich verstieg. Der Egoismus der Menschennatur hat dieses System rasch widerlegt, aber die Leidenschaften, die dabei zum Ausbruch kamen, haben die natürlichen Risse Rubin, Iustinian II

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zwischen West- und Osthälfte vertieft und späteren Zeiten ermöglicht, das Reich zumindest faktisch mitten durchzureißen. Fürs erste wirkte die Teilung eher vereinheitlichend, und das vor allem durch die Zerschlagung der historischen Provinzen in kleinere Verwaltunglseinheiten. Das Prinzip der Teilung war von Anfang an mit dem Prinzip des Zentralismus gekoppelt, und tatsächlich haben weniger die zentrifugalen Kräfte der Innenpolitik als die äußeren Geschicke des Reichs die Trennung von Osten und Westen bewirkt. Zeiten der Spaltung wurden immer wieder von Zeiten der Einheit abgelöst und die immer mehr zusammenschmelzenden Unterpfänder des Einheitswillens haben sich bis ins zwölfte Jahrhundert gerettet. Kaiser Konstantin vollendete Diokletians Werk der inneren Reformen und äußeren Wiederherstellung 7 . Darüber hinaus versöhnte er den Kaiser- und Romgedanken mit den geistigen Mächten der Zukunft, deren Bekenner in einem dreihundertjährigen Ausleseprozeß über alle Widersacher triumphiert, ja sogar verwandte Erscheinungen wie die Gnosis aufgesogen und unschädlich gemacht hatten. Konstantin verdankt einem Zeitalter der Spaltung seine schmerzlichsten Jugendeindrücke. Wenn audi der R i ß nur auf persönliche Querelen zurückging, sozusagen noch keine geschichtliche Sanktion besaß, hat Konstantin immerhin die K r ä f t e seiner Reichshälfte für die Sache der Einheit eingesetzt, nur nicht den Osten gegen den Westen wie Iustinian, sondern umgekehrt — damals war das noch möglich. E r hat freilich wie kein zweiter dazu beigetragen, daß der Osten in Zukunft das politische Schwergewicht erhielt, und ist als Gründer von Konstantinopel der Stifter des Oströmischen Reiches geworden. Noch Galerius hatte aus echt illyrischer Romromantik heraus die Christen mit tödlichem H a ß verfolgt. Sein Gegenspieler Konstantin bekannte sich in freiwilliger Entscheidung zu der neuen geistigen Macht. E r unterwarf mit kühnem Entschluß das Lateinertum und den römischen Hellenismus, das kommende Byzanz, einer Religion, die als echtes Geisteskind des Orients das ganze Sein total beansprucht und den universalen Rom- und Kaisergedanken kongenial ergänzte. Es wurde schon angedeutet, daß es zu einer Symbiose, einer beiden Teilen nicht immer ungetrübt erfreulichen Anpassung der weltlichen und geistlichen Gewalten auf der Grundlage der Gegenseitigkeit, gekommen ist. Zunächst bleibt aber das Moment der Freiwilligkeit ausschlaggebend. Zahlenmäßig spielten die Christen immer noch eine bescheidene Rolle. Ihre geistige Stoßkraft und vor allem ihre kirchliche Organisation machten sie jedoch politisch zum Salz der Erde, wenn auch ihre besten Männer zweifellos nicht von einem solchen Vorzug wissen wollten oder wenigstens sollten. Aber ob sie wollten oder nicht, sie waren eine Macht, waren in dem verwegenen Spiel der Herren dieser Welt bündnisfähig und sie waren denn auch die letzten, die das angebotene Bündnis ausgeschlagen oder auch nur Bedingungen für seine Annahme gestellt hätten. Rom und die Kirche verschmolzen zur Romkirche, der das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, wenn auch nicht immer die wahren christlichen Tugenden in Zukunft gehören sollten. Der Streit um das Verhältnis von Berechnung und Glauben bei dieser weltgeschichtlichen Entscheidung wird niemals verstummen. Solche Dinge entziehen sich der historischen Beweisführung, und selbst die Zeitgenossen eines großen oder kleinen Konvertiten vermögen selten Auskunft über das ganze Mosaik seiner Beweggründe zu geben. Die hingeworfene Bemerkung eines Staatsmannes, der Analogieschluß auf Grund von Einsicht und Lebenserfahrung können mehr leisten als alles Klügeln über den Quellen, die um so rascher versiegen, je tiefer wir schöpfen. Vielleicht wird der Streit gegenstandslos über der Erfahrung, daß aufrichtige Christlichkeit und eine in ihren Mitteln nicht eben wählerische politische Verschmitztheit sich in der Brust ein und desselben Menschen ganz vorzüglich vertragen. Ein durchtriebener Politiker war Kaiser Konstantin zweifellos, und er hat nicht nur seinen und des Christentums Weg zur Macht „gleichzuschalten" verstanden, sich von der

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religiösen Welle tragen lassen, sondern er hat auf jeder Station dieses Weges das Nützliche und Richtige getan. Er hat sein Gottesgnadentum christlich begründet, aber audi seinen machtpolitischen Weg nach Osten durch kirchenpolitische Konspiration gebahnt. Und doch sind die großen Entschlüsse dieses Kaisers mit Recht von einem übersinnlichen Legendenkranz umgeben. Das Kolossalbild aus der Maxentiusbasilika atmet nicht nur die Unnahbarkeit der kommenden christlichen Monarchen, das Gottmenschentum des christusgleichen Kaisers. In der Neuheit seiner Haltung trägt es den Stempel des Genius, der sein Zeitalter befruchtet, es läßt etwas ahnen von der Divination des Mannes der weltgeschichtlichen Entscheidungen. Durch die abweisende Starrheit und Strenge dieses Antlitzes schimmert die göttliche Freiheit eines Herrscherwillens, der für das „neue Wort" der Weltgeschichte Stille geboten und seinen Verkündern den Frieden gegeben hat. Die Umwälzung vollzog sich in drei Etappen. In den acht Jahren von 312 bis 320, also vom Sieg an der milvischen Brücke bis zu den ersten Anzeichen eines schärferen Kurses gegen Licinius und den Osten, wurde die Kirche machtvoll begünstigt, aber noch nicht dem Heidentum übergeordnet. Das Jahrzehnt von 320 bis 330, das den Sieg über Licinius und den Triumph des Einheitsgedankens sah, verschärft den Ton, der gegen die Heiden angeschlagen wird, um ein vielfaches, rückt aber noch nicht endgültig von der Vergangenheit ab. In den letzten sieben Jahren der Herrschaft Konstantins wird die bisherige tolerante Haltung aufgegeben, und es scheint, daß nur der Tod des Kaisers die stürmische Entwicklung unterbrach und die Kirche verhinderte, ihren Totalitätsanspruch nicht erst unter Theodosius und Iustinian, sondern schon jetzt zu verwirklichen. Die Münzen mit dem genius populi Romani waren schon in der zweiten Periode verschwunden. Bei der Gründung von Konstantinopel taucht auf dem Medaillon die Tyche mit Weltkugel unnd Kreuz auf, ein Typus, der die byzantinische Prägung beherrschen wird. Wie alle Illyrer hat auch Konstantin den Romgedanken herausgestellt. Den alten Göttern blieb er wenigstens als Staatsmann treu, hat die herkömmlichen Titel bis zu seinem Tode, geführt und ist in alter Weise konsekriert worden. Er hat gegen die religiös nationale Gegenbewegung der Senatskreise nichts unternommen, aber alles darauf angelegt, diese Einflüsse beim Ringen um den Endsieg über die Geister auszuschalten. Vermutlich hängt die Verlegung der Hauptstadt nach Byzantion auch damit zusammen. Der Vergleich mit den Verhältnissen unter Kaiser Aurelian, der Gedanke an die besondere Frömmigkeit der Illyrer, nicht zuletzt die vertrauten Aussagen der Legende und der bildenden Kunst aller Zeiten lassen den Augenblick der Verschmelzung des Christusmonogramms mit den römischen Feldzeichen als den wahrhaften Anfang und Höhepunkt der neuen Ära erscheinen. Mit dieser Handlung waren die innen- und außenpolitischen Voraussetzungen für das Kommende geschaffen, war der Ablauf der persönlichen Entwicklung des Kaisers und die Richtung, vielleicht sogar das Tempo der Kirchengeschichte festgelegt. Alles andere war nun, das muß gerade der Differenzierung von Entwicklungsetappen gegenüber festgehalten werden, ein Zwangsablauf, der nicht so sehr religiösen Gesetzen als vielmehr den eingeborenen Trieben der geltungshungrigen und bei leisesten Anzeichen der Macht unrettbar korrumpierenden Menschennatur folgte. Dem Kaiser wird es niemand verübeln, wenn seine politischen und religiösen Motive unmöglich sauber zu trennen sind. Die Verdammungen, die von aufklärerischer oder liberaler Warte über ihn ausgesprochen wurden, sind längst widerlegt. Was aber einem Kaiser, der für das äußere Wohlergehen eines Zeitalters verantwortlich war, ohne weiteres zugestanden wird, das befremdet an einer Gemeinschaft von Menschen, die sich dem Jenseits verschworen haben. Gesetzgebung und Religionspolitik Konstantins stimmten sowohl mit der großen Linie seiner Außenpolitik als auch untereinander vollkommen überein. Seine glänzen-

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den Erfolge brachten alle diese Komponenten seiner Tätigkeit mit dem Zug der Zeit und dem Bedürfnis der Nachwelt zur überzeugendsten und nachhaltigsten Deckung, und das nicht zufällig, sondern als Ergebnis kühner Planung, eines hohen Spiels mit dem höchsten Einsatz. Er hat sich nicht erst kurz vor dem Tode, als er den Katechumenenstand mit dem des getauften Christen vertauschte, sondern gleich am Anfang endgültig festgelegt, und zwar in dem Augenblick, als seine Soldaten das Christuszeichen auf ihren Schilden anbrachten. Er pflegte als Gesetzgeber geflissentlich die hellenistische Rechtstradition, verzichtete in seinen jüngeren Jahren auf das gewohnte starre Römertum der Kronjuristen, um auch auf diesem Gebiet propagandistisch auf den noch zu erobernden Osten einzuwirken. Denn für ihn bedeutete der Osten die mit allen Mitteln zu lösende Aufgabe, die seinem Universalismus bevorstand. Es war geographisch die umgekehrte, reichsrömisch dieselbe Situation, die Lustinian vorfand, nur nicht so hoffnungslos romantisch, weil die Sache der Einheit nicht aus historischen Reminiszenzen der Politiker und Juristen, sondern aus dem Gegenwartsbewußtsein ihre Kräfte zog. Daher konnte Kaiser Konstantin dem Westen die neue Religion oktroyieren und durch die Gründung von Konstantinopel der Stadt Rom den furchtbarsten Schlag ihrer Geschichte versetzen, ohne dem Romgedanken auch nur den geringsten Abbruch zu tun. Die römische Tradition blieb nach wie vor allbeherrschend. Aber sie mußte sich mit dem Christentum zur Synthese der mittelalterlichen Monarchie verbinden. Das Christentum war nun in alle Zukunft eine nicht wegzudenkende Grundtatsache alles Seins, seine Dogmen wurden über den religiösen Bereich hinaus zu Voraussetzungen jeglichen Staatsdenkens, vor allem auch einer jeden juristischen Betätigung. Die konstantinische Schenkung ist zwar als Fälschung erwiesen, aber auch ohne sie waren die Leistungen des Kaisers für die Kirche, war vor allem die Machtstellung des Klerus außerordentlich. Der Sprung von Verdächtigung und blutiger Verfolgung, bestenfalls Duldung, zum ersten Stand im Staat war so unvermittelt, daß der Klerus seine ganzen sittlichen Energien aufzubieten hatte, um nicht an dem eigenen Sieg zugrundezugehen. Es war der Kirche heilsam, daß ihre „Machtergreifung" sich immerhin über Jahrzehnte erstreckte und weder unter Konstantin abgeschlossen war noch künftige Abfälle unmöglich machte. Außergewöhnlich war schon die Bestimmung, daß christliche Priester als amtliche Organe für Freilassung und Bürgerrechtsverleihung fungieren durften. Hierdurch erhielten sie Rechte, die mit denen der Staatsbeamten konkurrierten. Eine Entwicklung bahnte sich an, die den Bischöfen neben ihrer geistlichen Jurisdiktion auch große weltliche Autorität verlieh, die dem sinkenden Reich oftmals zum Heil ausschlug und die Ponderierung der weltlichen und geistlichen Gewalt im Oströmischen Reich entscheidend bestimmte. Man denkt an einen Mann wie Synesius, der nur noch dem Namen nach Bischof, in Wirklichkeit der Statthalter seiner Provinz war, oder auch an Bischöfe des iustinianischen Zeitalters, die während der feindlichen Invasion die Reichsinteressen vertraten, kraft ihres Amtes diplomatische Aufgaben durchführten und dem Gegner Verständnis abnötigten. Oft waren die Kirchenfürsten der letzte Hort der schutzlosen Bevölkerung. Diese Retterrolle, wenn alles stürzt und fällt, blieb die Kirche über den Bestand des Oströmischen Reiches hinaus erhalten und so sind die geistlichen Behörden in der Türkenzeit wahre Nachfolger der byzantinischen Kaiser geworden. Das Konzil zu Nikaia zog die Augen der ganzen Welt auf die glanzvolle Schau der neuen Großwürdenträger und brachte die ersten Klagen über die Beanspruchung der Reichsmittel durch die Bischöfe, diese über Nacht zu unheimlichem Einfluß emporgestiegenen Funktionäre des geistlichen Staates im Staate. Die äußeren Erfolge der K i r c h e m e h r t e n sich v o n J a h r z u J a h r . D a s g l ä n z e n d e B a u p r o g r a m m

des K a i s e r s

2. Voraussetzungen bis Konstantin

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leistete das Äußerste, um den Untertanen die kommende Reichsreligion propagandistisch näherzubringen. Aber all diese gewaltige Fürsorge des Staates hat die Kirche nicht restlos glücklich machen können. Ihre besten Männer mochten sich aus der immer fühlbarer werdenden Bevormundung nach den Zeiten der Unsicherheit und äußeren Bedrohung zurücksehnen. Es half ihnen nichts. Das Bibelwort „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme dodi Schaden an seiner Seele" bewährte sich nun schmerzlich an den eigenen Verkündern. Es hat freilich nicht wenige gegeben, die dem geschäftigen Treiben der Funktionäre und dem flachen Optimismus der Massen die rigorose sittliche Forderung entgegensetzten und sie auch verwirklichten. Aus dieser Opposition heraus ist zunächst in Ägypten, dann im ganzen Reichsgebiet das Mönchtum entstanden, eine Erscheinung, die nur im Bannkreis einer seelenbezwingenden Religion denkbar ist. Selbst der Gedanke an ähnliches im Bereich der Politik wäre lächerlich. Höchstens einzelne, aber niemals größere Gruppen einer siegreichen Partei haben im Augenblick des Sieges aus Furcht vor Bonzentum und Verrat an den bisherigen Idealen die Emigration der Ausnutzung des Erfolges vorgezogen. Viele von den frühesten Mönchen mögen reine Toren dieser Art gewesen sein. Freilich auch Toren von unvorstellbarer Unwissenheit und Naivität. So ergab es sich bald, daß diese Männer, die um eines höheren Sieges willen aus der Welt des Sieges emigriert waren, die dümmsten und fanatischsten, also die geeignetsten Werkzeuge der Politiker auf dem Patriarchenthron wurden. Der innere Widerspruch im Schicksal der Gesamtkirche war nicht so kraß wie diese mönchischen Auswüchse, aber doch unverkennbar. Gewiß war das Christentum, das dieses bedeutsame Bündnis mit Kaiser und Reich Schloß, längst nicht mehr die reine Lehre Jesu. Und die Bischöfe standen unmerklich in der Entscheidung, ob sie den inneren und äußeren Verlockungen der Legalität unterliegen sollten. Wird die Kirche den Berg der Seligpreisungen verlassen und in alle Zukunft auf dem Berg der Versuchung stehen, um die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten aus der H a n d des Verneiners zu empfangen? So lautete die Frage, und die Antwort konnte nur ein Kompromiß sein. Immer wieder standen in der Kirche Männer und Mächte auf, die sich entschlossen zum altchristlichen Geist oder dem, was sie dafür hielten, bekannt haben. Aber die große Masse und vor allem die immer mächtiger werdende Hierarchie lebten im Bündnis mit den Gewalten des Diesseits und benötigten nicht einmal das schmerzlich wissende Lächeln des Karamasovschen Großinquisitors zur Entschuldigung. Wieder einmal hatten Legalität, Amt, Verantwortlichkeit, mit einem Wort das praktische Leben den Sieg über die edle, doch unausführbare Träumerei davongetragen. Auch die offizielle Kirche besitzt eine hervorragende Geistesgeschichte und viele ihrer einflußreichsten Vertreter auf dem Bischofsthron sind leuchtende Sterne der Theologie und des menschlichen Denkens überhaupt. Sie haben in gewaltigen Kämpfen mit dem Staat große Charakterwerte bestätigt und, wenn auch im Dienst eines nur um so stärkeren Zwangs, bedeutende Beiträge zur Geschichte der Freiheit geliefert. Aber der grundsätzliche Kompromiß mit dem Staat, der sich schon lange vor Konstantin angebahnt hatte, blieb immer bestehen. Gewisse schon von Jesus nicht konsequent geforderte Haltungen wie die unbedingte Staatsfeindlichkeit, der kompromißlose Pazifismus und das ausschließliche Leben für das Jenseits und die letzten Dinge blieben für immer verketzert. Selbst der Mönch, der dem noch am nächsten kam, hatte doch seinen Ehrenplatz im Staat und entzog sich durchaus nicht seinem Dienst. Es blieb aber nicht bei der Anpassung der Kirche an das praktische Leben. Konstantin veranlaßte sie darüber hinaus zu unerhörten Zugeständnissen, indem er, der ungetaufte Laie, die herkömmliche Befehlsgewalt des Kaisers über die heidnischen

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I. Einleitung

Religionen jetzt auf die Kirche anwandte. Über dem äußeren Triumph des ersten Konzils haben die dort versammelten Bischöfe kaum bemerkt, daß sie nicht mehr Herren ihrer Entschlüsse waren. Der Kaiser soufflierte den Bischöfen die zukunftsschwere Trinitätsformel όμούσιο;, förderte die Autorität des römischen Stuhles im Osten und griff auch in den Jahren nach dem Konzil zu Nikaia ständig in die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Arianern ein. Er hat, vielleicht ohne es zu wollen, dogmatisch und geistesgeschichtlich durch seine Parteinahme und Vermittlung bedeutsame Anregungen gegeben und damit den Boden für den leidenschaftlichen Dogmatiker Iustinian bereitet. Was ihm selbst noch als Machtkampf zwischen Persönlichkeiten vom Schlage der Athanasius, Arius, Eusebius erschien, war in Wirklichkeit die Auseinandersetzung der nationalen und geistigen Kräftegruppen seines Zeitalters. Damit ist gleich unter der ersten christlichen Regierung das Thema angeschlagen worden, das in mehrfacher Variation die kommenden Jahrhunderte beherrscht hat. Unter Konstantin begann nicht nur die private, allenfalls literarisch in Erscheinung tretende Glaubensabweichung in die Politik hinüberzuwirken. Auch in der Größenordnung von Städten, Provinzen und den künftigen Großräumen Ost- und Westrom kam es aus geographischen und ethnischen, also politischen Gründen zu religiösen Sonderbestrebungen. Erste Fronten steckten sich ab. Risse taten sich auf, die, notdürftig mit Kompromissen überbrückt, für die Zukunft nur um so größere Spaltungen befürchten ließen. Auch außerhalb der religiösen Sphäre hat das Zeitalter Konstantins fast alles, was Iustinian vorfand, gestaltet oder wenigstens mitgestaltet. Die große Verwaltungsreform Diokletians fand in ihm den genialen und oft revolutionären Fortsetzer. Er war es, der die Staatsmaschinerie geschaffen hat, die auch unter weniger begabten Nachfolgern erstaunlich einwandfrei arbeitete. Die Reformen Iustinians hielten sich damit verglichen in bescheidenem Rahmen. Erst Herakfeios und seine Fortsetzer haben wieder so grundsätzlich neu planen und bauen müssen. Der Hof und seine Chargen, die gesamte Beamtenschaft und die Wehrmacht wurden tiefgreifend reformiert. Der einzige ernsthafte Gegner, den das Reich damals neben den Nordvölkern hatte, das Perserreich der Sasaniden, diente für viele dieser Maßnahmen als Vorbild. Der Überlieferungsstrom vom alten Orient über den Hellenismus, insbesondere das Ptolemäerreich, zum Rom der Kaiserzeit rauschte in der universalen Erbmonarchie Konstantins so machtvoll auf wie noch nie. Jenes Diadem, das Casars blutige Stirn heimlich umwand 7 *, wurde jetzt ein Bestandteil der Amtstracht des Kaisers. Das H o f zeremoniell paßte sich in seiner orientalischen Färbung dem Zug der Zeit an. Der Kompromißgedanke des Prinzipats war nicht tot, aber für immer entmachtet. Dem Sasanidenreich verdankte das Christentum nicht nur gefährliche Konkurrenzerscheinungen wie den Manichäismus, sondern auch einige positive Förderung unfreiwilliger Art, denn das Beispiel der persischen Staatskirche und ihrer Hierarchie mußte dem Kaiser unwillkürlich die Vorteile eines solchen Bündnisses zwischen Staat und Kirche erläutern. Und nicht zuletzt nahm das Militärwesen mehr und mehr einen ritterlichorientalischen Charakter an. Das Mittelalter zog herauf mit seinen kleinen Reiterheeren von Schwerstgepanzerten, aber es war ein durchaus östliches Mittelalter nach sasanidischem Vorbild. Über die mittelasiatische Herkunft des Kataphraktenwesens, seine Wurzeln im alten Assyrien und bei den seßhaften Bauernstämmen der Massageten und Saken vom Aralsee, wird noch zu reden sein8. Die wichtigsten administrativen Veränderungen betrafen das Reichskabinett und die Generalität. Jetzt tauchen in der Hauptsache die Ämter auf, die später von den Generalen und Ministern ¡ Iustinians bekleidet wurden. Die Prätorianerpräfektur verliert zwar wichtige Befugnisse, vor allem endgültig den militärischen Charakter, verliert auch die Stellung im Reichskabinett, gewinnt aber d a f ü r die Gerichtsbarkeit u n d die wichtigsten V e r -

2. Voraussetzungen bis Konstantin

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waltungsbefugnisse in ihren neuen Sprengein. Die Präfekturen werden zu Verwaltungseinheiten, die fast den Charakter von selbständigen Reichen tragen. Die Neuordnung der häufig kollegial verwalteten Prätorianerpräfektur des Ostens gehört zu den Stiftungsakten des byzantinischen Reiches, um so mehr, als Konstantin in seiner Nachfolgeordnung den diokletianischen Gedanken der Vierkaiserherrschaft in dynastischer Umprägung wieder aufgriff und damit neue Wirren heraufbeschwor, in denen nicht nur die feindseligen Kaiser, sondern vielleicht nodi mehr die durch die Prätorianerpräfekturen gekennzeichneten Verwaltungsgroßräume sich ins Bewußtsein der Zeitgenossen einprägten 9 . Unter Konstantin drangen immer mehr Fremde in die römischen Truppen ein. Er stellte Eliteeinheiten von vorwiegend germanischer Herkunft auf und war der erste, der Germanen in die höchsten Staatsämter berief. Diese Entwicklung der Dinge war längst vorbereitet 10 . Aber jetzt rückte sie in das Stadium der rasenden Progression. Die führenden Gesellschaftskreise empfanden die Tatsache, daß ein Germane als Konsul möglich war, als Herausforderung. Man übersah den Nutzen der Bauern und Krieger aus dem Norden, weil man, nicht immer mit Unrecht, der Geister, die man rief, nicht Herr zu werden glaubte. Dem Reich blieb in seiner Entkräftung nichts anderes übrig, als fremde Blutspender zu rufen. Aber gleichzeitig ermattete auch die Assimilationskraft, so daß es immer fraglicher wurde, ob man die unentbehrlichen Helfer und Verbündeten zur eigenen Lebensform und Bildung umerziehen konnte. Daß dies nicht nur möglich, sondern natürlich war, haben viele Beispiele von Arminius bis Theoderich bewiesen. Und nicht nur die Schicksale einzelner bezeugen das, sondern alle germanischen Gruppen und Trupps von Versprengten, die in den Jahrhunderten des spätrömischen Reiches stillschweigend romanisiert wurden. Aber die Weltgeschichte macht keine Sprünge, und erst redit nicht in einem so konservativen Gebilde wie dem römischen Reich. Die Schulung der Germanen wurde nicht bewußt und kühn von einem genialen Herrscher eingeleitet, sondern sie blieb ein heimlich glimmendes Feuer, das in langen Jahrhunderten immer tiefer in die Herzen brannte. Jene Schlüsselgestalten, die den Prometheusfunken schmerzlich aber heilsam anfachten, sollte das Germanentum spät und aus den eigenen Reihen stellen. Die Alarich und Geiserich lebten nodi vor allem Anfang im heißen Rausch der Wanderzeit. Theoderich leuchtete tragisch in die Zukunft, die Iustinian den hochbegabten Goten entrissen hat, ohne das, was kommen mußte, die Synthese der germanisch-romanischen Völker des Abendlandes, verhindern zu können. Aber die Athaulf und Eurich, die Chlodwig und Pipin sind, ganz gleidi wie weit sie es persönlich in Sachen der Bildung gebracht hatten, wahrhafte Pioniere des Geistes geworden, und dann mündet alles Streben in die Patriarchengestalt Karls des Großen und nimmt aus ihm neuen Aufschwung in eine Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Wenn im vierten Jahrhundert die römischen Senatoren und ihre Literaten über das Eindringen der Germanen die Nase rümpfen, so hat das eher humanistische und soziale als nationale Gründe. Denn diesen Germanen verdankte man ja ein gut Teil von der Kraft, die zum Aufrechterhalten des weltumspannenden römischen Reiches nötig war. So hat man wohl über dies und jenes mit Recht gezetert, wenn audi das größere Recht in einer erfolgreichen Betätigung der Assimilations- und Werbekraft der römischen Zivilisation gelegen hätte. Von Konstantin bis Valens herrschte die Überfremdung, an der auch andere Völker und Rassen reichlichen Anteil hatten, ungebrochen. Als aber um die Zeit des ersten Hunnensturms das ganze einen revolutionären Charakter annahm, war es mit der anfänglichen Barbarenfreundlichkeit der Reichspolitik aus. Den Sieg der Goten bei Adrianopel (378) büßten die Goten der römischen Ostarmee mit dem Tode. Nach diesem ersten antigermanischen Ausbruch mußten die ger-

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manischen Heerführer und ihre Gefolgschaften jederzeit mit dem gleichen Schicksal rechnen. Damit war ein Vorbild f ü r jede ähnliche Auflehnung gegen den fremdenfreundlichen Kurs der Reichspolitik geschaffen. In der Folge kam es zu furchtbaren Zusammenstößen der Prinzipien, und als zwei Kaiser und zwei Reiche das Erbe des Universalismus hüteten, hing ihr Schicksal weitgehend von der Meisterung dieses Problems ab. Der Osten konnte durch harten Zugriff die Überfremdung bremsen und die Entwicklung in ruhigere Bahnen leiten. Auch darin dürfte ein Grund für das historische Uberleben des Ostreichs zu erblicken sein. Im Westen vermochte die stärker verbrauchte Kraft der Romanitas das näher und wuchtiger brandende Völkermeer nicht abzudämmen. U n d die göttliche Chance einer griechisch-lateinisch-gotischen Verbrüderung hat Iustinians Kinderfaust zerschlagen. Jahrhunderte des Zeitgewinns f ü r Europa, Jahrzehnte einer Wiege der Kultur, ja die Möglichkeit der westöstlichen Koordinierung der mittelalterlichen Geschichte scheiterten nicht zuletzt auch an den geistigen Ausstrahlungen des spätrömischen Barbarenproblems. Das Werk der Theoderich, Cassiodor u n d Boethius war nicht umsonst getan, aber seiner schönsten und reifsten Früchte beraubt. 3. Vorgänge

und

Gestalten

von

Konstantins

bis

Anastasios

Unter den Nachfolgern Konstantins des Großen verringerte sich das Tempo des religiösen Umschwungs, die gesamte Entwicklung glitt in ruhigere Bahnen. Die Absichten seiner letzten Lebensjahre wurden erst unter Iustinian in ihren äußersten Konsequenzen zur gesetzlichen Grundlage der Politik, zum alleinigen Maßstab des öffentlichen und privaten Lebens im Reich. Die Christianisierung der Welt hat etwas Schicksalhaftes. Ihre heidnische Gegenströmung erhebt sich nur selten zu dramatischer Größe, etwa in den Gestalten Iulian und Flavian, und audi da weder wahrhaft original noch ehrlich rückwärtsgewandt, sondern in allen Schattierungen der möglichen Kompromisse schillernd. Die temperamentvollen Auseinandersetzungen von allgemeinem Interesse und politischer Zukunftsbedeutung vollzogen sich seit Konstantin im Rahmen der Kirche. Das langsamere Tempo der Umstellung des Staats auf das christliche Lebensgefühl brachte die Früchte der Umerziehung nur um so sicherer zur Reife. Im Verkehr mit der Kirche hat schon Konstantius den schulmeisterlichen Ton Iustinians vorweggenommen, er gilt mit Recht als Wegbereiter des Cäsaropapismus. Wenn der Kampf des Christentums mit seinen äußeren Feinden an H ä r t e verlor, weil die Entscheidung nun einmal gefallen war, steigerte sich dagegen die innere Auseinandersetzung mit Machtgruppen und Sekten in eine Tonart, die kaum jemals zwischen Christen und Heiden üblich war. Die christologischen Streitigkeiten standen bis zum Erscheinen Mohammeds, das damit in ursächlichem Zusammenhang steht, im Brennpunkt des politischen und geistigen Lebens. U n d es scheint, daß die Gegensätze sich zuspitzten, bis im Zeitalter Iustinians endgültig die Würfel über Versöhnung oder ewige Trennung der Ansichten über die Dreieinigkeit gefallen sind. Dem Abklingen des Kampfes der Religionen, seiner Ersetzung durch die innerchristliche Fehde, entsprachen in der Politik die wohltätigen Auswirkungen der Konsolidierung des Reiches unter Diokletian und Konstantin, das unsanfte Erwachen aus der neugesicherten Ruhe in den Stürmen der Völkerwanderung. In allen Bereichen des Lebens war nach den anarchischen Erscheinungen des Jahrhunderts der Soldatenkaiser eine neue Bindung der K r ä f t e durch eine neue Ordnung zu spüren. Im militärischen und zivilen Bereich war nicht viel weniger als die Neugründung des römischen Staates erfolgt, dessen östliche H ä l f t e in dieser Form, der Iustinian den Rang einer Schablone verlieh, als Summe und Vollendung des Altertums an das Mittelalter überliefert wurde. Die Streitkräfte des Reiches hatten bereits den ritterlichen Charakter, den sie hinfort nicht mehr verlieren sollten; die Staatsverwaltung beruhte auf einer

3. Konstantius bis Anastasios

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Beamtenhierarchie, deren wesentliche Züge das Byzantinertum nicht mehr umzuformen brauchte; die Kunst wandte sich im Streben nach neuer Sinngebung endgültig von den Uberresten der antiken Schönlebendigkeit ab. Die großen Reformen enthüllten sich immer mehr als ein Impuls, der zumindest im Osten nie mehr erlahmen sollte. Im Innern herrschte wieder Ordnung, nach außen hatte das gewaltige Limesprogramm Diokletians die Voraussetzungen für jede künftige Defensivpolitik der Osthälfte geschaffen und die Möglichkeiten offensiven Vorgehens nicht beschnitten. Die Alamannensiege Iulians, die großzügige Anlage seines Feldzugs gegen Persien zeigen das römische Reich auf einem neuen Höhepunkt äußerer Machtfülle. Aber auch Iulian, der erfolgreiche Fortsetzer der außenpolitischen Linie der Reformkaiser, dachte nicht daran, die neuen geistigen Grundlagen der christlich gewordenen und schon längst in vieler Beziehung orientalisierten Monarchie widerspruchslos zu übernehmen. Er wurde abtrünnig — nicht von sich selbst, sondern vom Zeitgeist. Und auch das nur halb. Denn es ist ihm und seinem Jahrhundert und allen, die nach ihm kamen, nicht mehr gelungen, über den eigenen Schatten zu springen. Er wollte zurück zur Freiheit, die für ihn unlöslich mit dem alten Glauben verknüpft war. Wir sehen ab von dem Stich ins Lächerlidie, der allen antiken Philosophen auf dem Thron unrettbar eignet und freilich Iulian mehr bei der Mitwelt als vor der Nachwelt geschadet hat. Ein weit größeres Paradoxon als das saloppe Auftreten des kaiserlichen Feldherrn im Philosophenmantel, als die in einem knechtischen Jahrhundert nur zu sehr deplazierte Leutseligkeit, war wohl die Tatsache, daß er den Namen und nicht die Sache der Vergangenheit verfocht. Er erklärte der christlichen Kirche den Krieg, übernahm aber getreulich das Prinzip der Hierarchie, die Idee der Caritas und sonstige politische und soziale Errungenschaften der Gegner, ja er gestattete seinen Schützlingen die plumpsten Anleihen bei der christlichen Liturgie. Alles in allem ein Zeichen, wie sehr die siegreiche Religion bereits das Unterbewußtsein der Zeit durchtränkte, in wenigen Jahrzehnten aufgerückt war zum selbstverständlichen Hintergrund aller Gedanken und Taten 11 . Auf der politischen Ebene standen die Dinge nicht viel anders. Auch hier kann alles senatorisdie Behagen des Ammiaxius Marcellinus nicht darüber hinwegtäuschen, daß Iulian selbst bei längerer Lebensdauer der Welt nur eine Komödie der Freiheit vorgespielt hätte und gewiß nicht die geschmackvollste. Echten und verständlichen H a ß hat er vor allem mit dem Ausschluß der Christen von den Bildungsmöglichkeiten hervorgerufen. Die heimtückische Maßnahme erreichte das Gegenteil und rief eine christliche Literatur in Versen hervor. Die rhetorischen Bemühungen der geistlichen Würdenträger wurden nun erst recht angestachelt. An dem kulturfeindlichen Charakter des kaiserlichen Befehls ändert das nichts. Das Christentum konnte nicht mehr ausgerottet, wohl aber konnten seine ohnehin kompromißhaften Verbindungen zur Hochkultur des Geistes für immer abgeschnitten werden. Was das für die mittelalterliche Geschichte bedeutet hätte, ist klar. Bei solchen verallgemeinernden Maßnahmen werden immer die Werte vernichtet, die man schützen, die Resultate erzielt, die man vermeiden möchte. Iulian war in Wahrheit christlicher als die Christen, wenigstens in seinen Schattenseiten, und vielleicht das rührendste aller Opfer der bewußten Formen und Methoden. Sein ehrlicher Wille zur Sprengung des Teufelskreises, in den sein aufrichtiges Ethos gebannt war, ist nie verkannt worden und hat ihm wohl noch mehr Ruhm gebracht als seine unleugbar hohe Begabung. Um so krasser hebt sich sein innerer Widerspruch ab, die ebenso geistig-religiöse wie politische Antinomie seines Wollens. Aber die Gewissensantinomie Iulians wirkt gegen entsprechende Ereignisse der Gegenwart gehalten immerhin wie ein zartes Pastellgemälde gegen den irrsinnigen Feuerzauber einer Bombennacht. Wenn der nationalsozialistische Staat durch die rou-

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I. Einleitung

tinemäßige Verfolgung der Jüdin Lise Meitner seinem mächtigsten Feind die atomaren Geheimnisse und damit eine vielleicht von ihm selbst erstrebte Weltherrschaftsformel in die Hand spielt, dann geht die ebenso grandiose wie unfreiwillige Komik einer solchen Szene auf die Rechnung desselben Prinzips der politischen Antinomie, das auch im Zeitalter Iustinians die paradoxen Frontverwechslungen verursacht hat. Eine Untersuchung des „Selbstmordeffektes" des (gewiß nicht nur totalen) Staates im Laufe der Geschichte wäre den Schweiß eines Universalhistorikers wert. Es würde sich herausstellen, daß nicht nur das beginnende Atomzeitalter den Selbstmord eines Systems durch hundertprozentige Verwirklichung seiner Ideologie erlebt hat. Preis solcher Bemühung wäre eine Weltgeschichte der Intoleranz. Es gehört als anrüchiger Fall zu den Kronzeugnissen der politischen Antinomie, als Ereignis zu den eindeutigsten Verbrechen der Geschichte, als menschliche Tatsache zum peinlidien Selbstverrat, wenn der Freiheitsfreund Iulian die Peitsche des Despoten mit der perversen Hintergründigkeit eines nach außen wohltemperierten Sadismus über die Kulturträger des Christentums schwingt. Wenn also die Methoden des Christenverfolgers Iulian so manchem allerchristlichsten Heuchler der Zukunft zum Muster dienen konnten, ist immerhin zuzugeben, daß seine Schwächen und Inkonsequenzen mehr aus dem Zeitgeist als seiner persönlichen Veranlagung hervorgehen. Sein Jugendschicksal ließ ein ganz anderes Verhalten vermuten, es mußte Befürchtungen erwecken, die er nicht im Entferntesten gerechtfertigt hat. Er herrschte zwar über das Gesamtreich, aber der Westen spürte von den Reformen nur wenig, und der Osten nahm ihn nicht ernst. Obwohl ein großer Schriftsteller und größerer Feldherr, war er am größten als Persönlichkeit. Um ihretwillen hat selbst die christliche Nachwelt das Fragmentarische, Widersprüchliche und Tragische seiner Leistung übersehen. Denn die vulgäre Verketzerung kann das Andenken eines solchen Mannes nicht gefährden. Mit Iustinian verbindet ihn der romantische Zug, dessen spezifische Donquichoterie, von Brutus und Cato geprägt, zwei Jahrhunderte später auf dem Thron nicht mehr möglich war. Beide huldigten dem Romgedanken mit Vorliebe da, wo er sich nicht mehr realisieren ließ, Iulian als Romantiker im Ressort des Innern, Iustinian als romantischer Außenpolitiker. Aber Iulian half weder sein Genie noch die mitreißende Persönlichkeit, er war als Realpolitiker wie als schulmeisterlicher Romantiker gleichermaßen zum Scheitern verdammt. Gerade im Osten, seinem zukunftsträchtigsten Wirkungsraum, mußte er über einen lächerlichen Zufall stolpern. Und selbst diese Seite des Mannes wird verdächtig, wenn man überlegt, daß der angebliche Schandfriede Iovians dem Reich vielleicht für den Augenblick einen Prestigeverlust, auf die Dauer nicht viel weniger als einen anderthalb Jahrhunderte währenden Frieden eingetragen hat. Auch hier scheint das Urteil des senatorischen Scharfmachers Ammianus Marcellinus alles andere als endgültig. Aber lassen wir die Absicht einer Sicherung des Ostraums immerhin als vorausschauende Realpolitik gelten, so muß beim Vergleich mit Iustinian um so mehr befremden, daß dieser selbst in seiner romantischsten Verbohrtheit immer noch zukunftsträchtiger, in seiner Eigenschaft als Vorbild und Schablone der Nachwelt formkräftiger dasteht als Iulian in den lebensunmittelbarsten Äußerungen seiner herrlichen Natur. Die verheißungsvollste Persönlichkeit der Spätantike bekräftigte wie wenige die Lehre Tolstois von der Nichtigkeit des persönlichen Wollens. Man fühlt sich an Echnaton erinnert. Die Konstellationen von Zeitgeist und Zufall lassen heute ein tatengesättigtes Genie elendiglich scheitern und schanzen morgen einem Stümper den Prägestempel für Jahrtausende zu. Über die religiöse Reaktion des Kaisers Iulian war man sofort zur Tagesordnung übergegangen. N u n setzte nach d e m A b l e b e n I o v i a n s der O s t e n unter V a l e n s seine

3. K o n s t a n t i u s bis A n a s t a s i o s

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nachgerade traditionell gewordene arianische Linie fort, während im Westen unter Valentinian der Katholizismus sich zur Bereinigung seiner geringen Einbußen anschickte. Der Wille Valentinians I. lastete mit Blutbefehlen und absichtlicher Plebejisierung auf dem immer noch traditionsmächtigen Senatorenstand, der weder die alten Götter noch das Princepsideal aufgeben mochte. Im religiösen Bereich verhielten sich beide Kaiser leidlich tolerant. Die Arianer herrschten im Ostreich nicht unwidersprochen. Wichtiger als das war die enge Schicksalsgemeinschaft zwischen der Lehre des Arius und den Ostgermanen. Als in der Schlacht bei Adrianopel ein nie wieder gutzumachender Deichbruch das neugefestigte Weltreich bedrohte, waren nur vier Jahre vergangen, seit der Gotenbekehrer Ulfila im Glanz seines frischen Ruhmes verschieden war. Die furchtbare Katastrophe mußte dem Reich nicht nur eine Panikstimmung gegenüber allem Gotischen beibringen, sondern auf die arianische Staatskirche des Ostens bedenkliche Rückwirkungen haben. Wenn das Kaisertum nun endgültig seine H a n d vom Arianismus abzog, spielte bei diesem Entschluß der Gratian und Theodosius zweifellos auch die Erwägung mit, wie stark sich die Religion der siegreichen Feinde in nationaler Hinsicht kompromittiert hatte. Das bedeutete noch keine Ablehnung der gotischen, überhaupt der germanischen Mitarbeit in der Landesverteidigung. Gewiß war das Gotenmassaker, das der Heermeister des Ostens unter seinen Kommandotruppen veranstalten ließ, ein Menetekel für alle Germanen im römischen Dienst und der Anfang eines nicht mehr verstummenden Protestes gegen die nationale Überfremdung Spätroms. Fürs erste hat aber Theodosius der Große solchen Erwägungen kein Gehör gegeben und seine Erfolge fast ausschließlich mit germanischer Hilfe errungen. Die zeitgenössischen Historiker Zosimos und Eunapios warfen diesen Söldnern vor, sie hätten nach der Herrschaft über die Einheimischen gestrebt. Das mochte für die späteren Kaisermacher germanischer Herkunft zutreffen und selbst für diese nur bedingt, weil das Gefüge des Reiches von ihnen ebensowenig angetastet wurde, wie sie etwa versucht hatten, die Bevölkerung zu germanisieren. In den Zeiten des Theodosius konnte von dergleichen überhaupt noch nicht die Rede sein. Man hat vielmehr den Eindruck, daß die Senatorenpartei, die an der Spitze der „Nationalisten" stand, ihre traditionellen Vorstellungen vom Wesen der „Partei" als einer Interessenclique in die politisch recht naive Gruppe der Germanen hineinprojizierten, so daß namentlich die Literaten dieser Richtung Gespenster sahen. Theodosius ist der letzte Kaiser, der über das gesamte Römerreich geherrscht hat. Seinem Entschluß zur Teilung der Herrschaft unter die Söhne Arkadius und Honorius kommt große Bedeutung, freilich nicht der Rang einer Reichsgründung zu. Der byzantinische Staat Iustinians unterschied sich zwar in seiner geographischen Ausgangsstellung kaum von der Reichshälfte des Arkadius, ja selbst die staatsrechtliche Basis mochte dieselbe sein, aber die Entwicklung der römischen Innenpolitik und ihrer faktischen Rechtsgrundlagen war weitergeschritten, so daß die einstige Reichshälfte inzwischen zum rechtlich und tatsächlich isolierten Reich sich entwickelt hatte. Die Voraussetzungen für die Isolierung des Ostens, also für die Entstehung des byzantinischen Staates, hat der Abendländer Theodosius, nicht als Erster und auch nicht als der Letzte, mitgestalten helfen, indem er den historischen Entschluß zur Teilung faßte und auch sonst manchen Beitrag zur Verselbständigung des Ostens lieferte. Gewiß stammte er — als der Letzte unter den Gebietern des Ostreichs — aus dem Okzident (Spanien) und seine Unterwürfigkeit unter die segnende, aber auch herrschende H a n d des großen Ambrosius mutet sehr westlich an. Er hat aber gerade in der Kirchenpolitik wesentliche Beiträge zur Verselbständigung der Ostkirche geleistet, indem er Konzilien duldete, die in ihrer Zusammensetzung das Prinzip der geographischen Trennung genauestens widerspiegelten und bei aller katholischen Einheitspolitik die Lösung der

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Ostkirche von Rom begünstigen mußten. Besonders die russische Forschung hat auf diesen immerhin paradoxen Zug des letzten Einheitskaisers hingewiesen12. Theodosius der Große kann von allen Kaisern zwischen Konstantin und Iustinian das größte Verdienst um die Schaffung unwiderruflicher Rechtsgrundlagen der christlichen Religion für sich beanspruchen. Unter ihm verlor das Heidentum den letzten Rest von Legalität. Er drängte durch seine Maßnahmen die Bekenner des alten Glaubens zur Revolution, die ja eigentlich eine Gegenrevolution gegen den gesetzwidrigen Kurs der Unduldsamkeit war. Wenige Monate vor dem Ableben des Theodosius entluden sich die angestauten Leidenschaften in der letzten und vielleicht gewaltigsten Glaubensschlacht des Jahrhunderts. Die Senatorenpartei Italiens verband sich unter Flavian mit dem Kaisermacher Arbogast, erlitt aber am Frigidus eine Niederlage. Damit war die letzte Chance verspielt. Man sah in dem wilden Nordost, der die Heere durcheinanderwirbelte, ein Gottesurteil, als hätte sich das Wunder von der milvischen Brücke wiederholt. Das Heidentum sank aus dem Bereich der Entscheidungen auf den geistigen Standort der Provinz und die politische Ebene schöngeistiger Außenseiter herab. Mit der äußerlichen Reichsteilung von 395 leistete Theodosius seinen letzten positiven Beitrag zur Gestaltung der Zukunft. Die mehr als tausendjährige Reihe der Kaiser des Ostreichs hat die unterdurchschnittlichen Qualitäten dessen, der sie eröffnet, einigermaßen vergessen lassen. Arkadius und Honorius können die distinguierte Minderwertigkeit von Spätlingen aus müdem Blut so wenig verleugnen wie viele ihrer Zeitgenossen. Ihnen fehlte vor allem im Verhältnis zu den reichstreuen Germanen die Kraft zur Bändigung der Geister, die Konstantin und Theodosius riefen und meisterlich beherrschten. Jetzt erst wächst die Gestalt des Stilicho ins Riesenhafte und Zwielichtige. Politische Fronten haben sich klar herauskristallisiert und stehen beim Tode des Theodosius bereit, um die Herrschaft über Leib und Seele der schwächlichen Nachfolger an sich zu reißen. Es geht sogar um Prinzipien, sofern man von der Opportunistenpartei der Eutropiusanhänger absieht und die (im Osten betont christliche) Senatorenpartei der germanischen Machtgruppe des Gainas gegenüberstellt. Die Wirren dieser Jahre sind für die Nachwelt nicht bedeutungslos, da die fremdenfeindliche, insbesondere germanophobe Partei ihre Thesen gerade damals mit einer Klarheit formuliert hat, die auf die politische Willensbildung des kommenden Jahrhunderts nicht ohne Einfluß blieb. Unter dem schwachen Regiment traten in beiden Reichshälften die Schattenseiten des Söldlingswesens immer unliebsamer hervor. Weder die Kaiser noch die Gesellschaft brachten es fertig, das germanische Element aufzusaugen und im ganzen auf die Stufe der produktiven Mitarbeit zu erheben. Im Westen betrat wenigstens der Mann an der Spitze diesen Weg: Stilicho wurde wohl heftig angefeindet und scheiterte zuletzt, hat aber mehr als irgendein Zeitgenosse für die Vermittlung zwischen Römern und Germanen geleistet. Im Osten vermochte Gainas nicht einmal den Anschein eines ehrlichen Maklers zu wahren, er lebte und starb als egoistischer Parteiführer. Sein Sturz im Jahre 400 galt der siegreichen Senatspartei als gerechte Strafe, er brandmarkt symbolisch alles Revolutionäre und Reichsfeindliche jener Phase des Germanentums der Wanderungszeit, die mit dem Ereignis von Adrianopel anhob und von Theodosius nur vorübergehend in die Bahn ruhiger Entwicklung gelenkt wurde. Das politische Versagen der Römer führte zu einer Fehlentwicklung der Völkerwanderung, die nicht im Charakter, sondern in der Unreife der damaligen Germanen, ferner im Mißverhältnis zwischen kultureller Überlegenheit und charakterlicher Erschöpfung des Reichs begründet war. Weiter sind die Hunnen im höchsten Maße verantwortlich, wenn nun f ü r J a h r z e h n t e das P r i n z i p der P l ü n d e r u n g u n d des R a u b e s die B e z i e h u n g e n zwischen

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Römern und Germanen beherrscht. Gewiß waren schon oft Ansätze zu dieser Entwicklung zu verzeichnen, und die Barbarentheorie aller Zeiten konnte sich nicht genug tun in der geistigen Verabsolutierung dieser Kennzeichen sogenannter heroischer Zeitalter. Eine Barbarentheorie, die ein zukunftsloses, steriles Hunnentum und das Germanenund Slaventum in ihren unreifsten Flegeljahren auf denselben Nenner bringt, kommt bei aller Kompliziertheit ihrer geistigen Hintergründe nicht um den Verdacht der Voreingenommenheit herum. Von den Plünderungsfahrten der Goten im Schwarzen Meer bis zur Seeräuberei der Normannen in aller Welt verstummten nie die Klagen der Betroffenen. Und doch vollzog sich mit überraschender Schnelligkeit bei den einzelnen Frevlervölkern die Entwicklung, meist sogar Rückentwicklung zur Seßhaftigkeit. Rasch erklommen sie immer höhere Grade der Kultur, soweit nicht ein düsteres Schicksal dem ganzen Volk das Todeslos zuteilte. In den ersten Jahrzehnten des fünften Jahrhunderts häuften sich nun die „Flegeljahre" einer fast unübersehbaren Zahl von Völkern, während die Ansätze zur Seßhaftigkeit und Zivilisierung noch nicht zur Auswirkung kamen. Als um die Mitte des Jahrhunderts die Bewegung abzuflauen schien, wurde sie von Attila und seinen Hunnen, Germanen und Slaven erst recht aufgepeitscht. Darüber ging das weströmische Reich zugrunde, wurde freilich aufgefangen von dem begabtesten aller Germanenvölker, das die Entwicklung der abendländischen Dinge in ein neues Stadium überzuleiten, obendrein zu einer nationalen und kulturellen Schnellreife berufen schien, wie sie später den Normannen beschieden war. Während unter Gainas die zweite Verfolgung der Germanen in Reichsdiensten Ostrom erschütterte, waren im Einflußbereich des Stilicho die ersten Anzeichen der westgotischen Landnahme zu bemerken. Welche Absichten Alarich im einzelnen hatte, ist kaum mehr sicher zu entscheiden. Es war ihm beschieden, trotz großer Eigenschaften nicht über das Raub- und Plünderungsstadium hinauszuwachsen, und erst Athaulf konnte Gedanken anbahnen, deren Verwirklichung dem großen Vorgänger gebührt hätte. Wer aber Stilichos vorsichtiges Lavieren Verrat nennt und für Goten, Vandalen und dergleicheen Völker nichts als das einfädle Totschlägerrezept bereit hat, verkennt allerdings das, was damals not tat, von Grund auf. Je mehr halbzivilisierte Völker Rom totschlug, desto mehr unzivilisierte rückten aus der Tiefe des sarmatisdien Raumes nach und bedrohten nun erst redit den Lebensfaden der Zivilisation. Daß die Westgoten nicht nur aus der germanischen Heimat, sondern erst recht vom Schwarzen Meer eine beträchtliche Vorschule der höheren Kultur mitbrachten, beweist nicht nur der archäologische Befund, sondern ihre ganze spätere Geschichte. Wenn Stilicho noch so intime Beziehungen zum feindlichen Lager hatte, so wirkten sich diese Querverbindungen nicht als Verrat, sondern im Sinne einer für das Reich unendlich fruchtbaren Vermittlung aus. Dergleichen erinnert an das Verhältnis des iustinianischen Feldherrn Sittas zu den Armeniern. Und bei dem Germanen ist die Anerkennung, die der magister militum des Römerheeres im feindlichen Lager genoß, nodi weit höher zu werten, weil dazu die volle menschliche Bewährung innerhalb zweier Wertsysteme gehörte. Diese Doppelstellung hat Stilicho wie später Theoderich völlig gemeistert und ist doch an ihr gescheitert, weil in der Politik nicht die ethischen Imperative gelten und menschliche Wertsummierung nicht vor den alltäglichen Fallgruben der Intrige schützt. Der schwache Kaiser Honorius ließ ihn fallen und vereitelte dadurch die geplante Verkürzung des westgotischen „Plünderungsstadiums". Der reißende Strom nahm seinen Lauf durch den Balkan und Italien; erst die Faktoren Zeit, Abnutzung, Umwelteinflüsse und als ein Faktor für sich die Gefangene und spätere Kaiserin Galla Placidia konnte ihn hemmen. Es war eine Ironie des Schicksals,

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daß die heilige Dynastie nun die eigenen Glieder dem Barbarenmoloch opfern mußte, um das Vermittlungswerk Stilichos Jahre zu spät nachzuholen. Schon in einem früheren Stadium der Bedrohung durch Alarich verlegte Honorius seine Residenz von Mailand nach Ravenna und zeichnete damit den Schauplatz der großen Kämpfe der Odovakar, Theoderich und Beiisar vor. Auch mit der Erneuerung der Mauern von Rom wurde dem mittelalterlichen Charakter des Kriegs, der Gefährdung Italiens und nicht zuletzt der Herabwertung der Zivilbevölkerung Rechnung getragen. Stilidio hinterließ dem Ost- und Westreich auch das Problem Illyricum, für dessen Anschluß an den Westen er manches politische Opfer gebracht hatte. Obwohl das Ostreich auf die Dauer dominierte, kann die Nachwirkung der Initiative Stilichos namentlich auf die lateinischsprechenden Teile der Balkanhalbinsel nicht gering veranschlagt werden. Die Rolle dieser Lande als historischer Zankapfel datiert aus seinen Tagen, die für die Zeit Iustinians verbindliche Flurbereinigung erfolgte auf dem Wege einer Mitgift im Jahre 437 zugunsten des Ostens. Auf Stilichos Tod folgte das übliche Massaker unter seinen germanischen Truppen. Das Anrücken Alarichs konnte durch diese Maßnahme so wenig wie durch das erneute Aufglimmen der heidnischen Reaktion aufgehalten werden. Es war kein unbegabter Schachzug Alarichs, wenn er sofort Anschluß an die Kreise der Senatspartei suchte und seinen Gegenkaiser Attalus aus ihren Reihen wählte. So wurde das Gotenvolk unwillkürlich zum Verbündeten der fanatischen Altgläubigen des Romgedankens und das Bekehrungswerk der Galla Placidia am Gotenkönig Athaulf gewissermaßen vorbereitet. Alarichs Plan, nach Afrika überzusetzen, erscheint wie eine Vorwegnahme der Taten Geiserichs und bestätigt die Unentbehrlichkeit Afrikas für den Beherrscher Italiens. Schon unter Gildo hat Afrika mit dem Ostreich gegen Stilicho zusammengearbeitet und politische Verfahren entwickelt, die Iustinian wiederaufgenommen hat. Gallien und Spanien wurden in den ersten beiden Jahrzehnten des Jahrhunderts nicht so sehr durch die einander ablösenden Usurpatoren als durch Dauerauswirkungen der neuen großen Germaneneinfälle vom Westreich getrennt. Den Goten setzte in dieser Zeit die römische Seeherrschaft verschiedentlich hart zu, während die Vandalen jetzt erst nach Spanien gelangten, wo sie die ersten Grundlagen ihres für damalige Germanen einzigartigen Seereichs legten. Athaulfs Traum von einer gotischen Nachfolge der Romania blieb eine politische Utopie, weil die Schwäche und stockende Kräftezirkulation des Westreichs germanischen Herrschern im westlichen Gallien und in Spanien die Nachfolge der Cäsaren nicht gerade nahelegte. Die Interessenverflechtung war nicht eng, die Rivalität nicht tödlich genug, um Schritte zu rechtfertigen, die nur in Italien selbst Sinn hatten und sogar von Odovakar und Theoderich nicht in ihren letzten äußerlichen Konsequenzen verwirklicht wurden, als die Stunde reif war. Zu den Einzelheiten, die festzuhalten lohnt, gehört das Verhältnis zwischen den Landanteilen der Germanen und der alteingesessenen Bevölkerung. Mit dem Wert 2:1 für die Goten ergab sich für das romanische Element ein Status, der nicht im entferntesten mit den theoretisch doppelt so günstigen, in der Praxis vermutlich noch weit vorteilhafteren Verhältnissen unter Odovakar und Theoderich zu vergleichen ist. Trotzdem gehörte diesen gestrengen Herren die Zukunft, während die weitaus milderen Besiedler Italiens scheitern sollten. In den dreißiger Jahren des Jahrhunderts eroberte Geiserich die afrikanische Kornkammer. Dadurch wurde Westrom vielleicht noch entscheidender getroffen als Ostrom im Falle eines Verlustes von Ägypten. Tatsächlich hat der Siegeszug des Islam das byzantinische Reich nicht umbringen können, während die westliche Zentralgewalt nach Geiserichs unheilvoller Tat nur noch kümmerlich vegitierte. Diesen Vandalen war es vorbehalten, im westlichen Mittelmeer die politischen Verhältnisse des

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dritten vorchristlichen Jahrhunderts wiederherzustellen, freilich nicht im Sinne eines historischen Rückschritts, sondern eher als Fortschritt zu neuen Möglichkeiten eines Staatensystems auf dem Boden des ohnmächtigen Weltreichs. Es hatte im Mittelmeer seit Karthagos Untergang keine andere Seemacht als die römische, seit Pompejus nicht einmal mehr Seeräuber gegeben, wenn man von der Beunruhigung der Levante im dritten Jahrhundert absieht. Jetzt war die riesige Nordfront, die seit Jahrhunderten über dem Römerreich lastete, in einer ausgreifenden Uberflügelungsbewegung in den Rücken Roms gelangt. Die zu Lande schon immer unheimlicher fluktuierenden Germanenstämme streckten die Hand nach der Seeherrschaft aus. Ihre Raubschiffe im Mittelmeer bedrohten die Verbindungswege der Kulturwelt. So kam es zur zweiten und dritten Plünderung Roms durch die vandalisdie Seemacht, einem Ereignis von großer Zukunftsträchtigkeit, freilich im negativen Sinne einer Herabwürdigung ganz Italiens zum Objekt fremder Mächte. Auch für die katholische Kirche bedeutete der Ubergang Afrikas an eine arianische Regierung einen schweren Schlag, den sie niemals verwunden hat. Lange nach Überwindung des revolutionären Stadiums der vandalischen Politik, zu einer Zeit, als die Vandalen wie alle Germanen auf Reichsboden als Schutzmacht des Römertums fungierten, ja selbst lange nachdem das Ostreich die Vandalen im diplomatischen Leben de iure und de facto anerkannt hatte, hetzte die Kirche in unversöhnlichem H a ß und erreichte es schließlich, daß der Osten Afrika, wenn auch nur als Trümmerhaufen, zurückgewann. Während der Westen hoffnungslos in die Defensive gedrängt war, bei der Verteidigung des nackten Lebens zu versagen begann, blieb dem Osten die große Bewährung erspart. Im Zeitalter des zweiten Theodosius machte das Reich von Konstantinopel nicht nur einige bescheidene Fortschritte nach außen, sondern darüber hinaus sehr beträchtliche im Innern. Als bezeichnende Züge, die sich bei weitem nicht auf die lange Regierungszeit des Theodosius beschränken, sind der senatorische Einschlag der Politik, die neue Barbarenherrschaft im Innern und das Frauenregiment zu vermerken, also Gegensätze, die sich in der Idee nur schlecht, in der Praxis dagegen vorzüglich vereinigen ließen. Der Senat genoß seit den antigermanischen Erfolgen der Aurelian und Synesius hohes Ansehen und wirkte bei allen Entscheidungen des Jahrhunderts mit. Er war im Ostreich ohnehin seit Konstantin dem Großen christlich orientiert, ließ also die inzwischen freilich, überwundene heidnische Voreingenommenheit des Senats von Rom vermissen. Für die Kontinuität des Romgedankens im christlichen Reich war der Senat eine nicht zu unterschätzende Instanz, wenn auch die sozialreaktionäre Haltung seiner Mitglieder den Beitrag der Institution zur politischen Vernunft ihres Zeitalters einigermaßen verdächtig macht. Auch das Frauenregiment dieses Jahrhunderts unmündiger Herrscher schillert in zweideutigem Licht. Wie aber das Urteil über die politische Wirksamkeit einer Pulcheria lauten mag, auf keinen Fall läßt sich die beispielhafte typenbildende Kraft ihrer Persönlichkeit verleugnen. Seit Konstantins des Großen Mutter Helena das erste Beispiel einer Christin im engeren Dunstkreis der Macht geliefert, und die blutigen Familienverbrechen des Sohnes nicht verhindert hat, ist das Bild der christlichen Sohnesmörderinnen von Byzanz vorweggenommen. Pulcheria, die Schwester des zweiten Theodosius, fügt diesem Bild gewiß keine blutig aufreizenden, dafür um so dunklere mönchische Farben hinzu. Der Hof verwandelte sich in ein Kloster, und die dogmatischen Fragen rückten nun auch äußerlich an die erste Stelle unter den geistigen Existenzfragen der damaligen Welt. Vor allem haben diese herrschenden Frauen, eine Pulcheria und Placidia, den Typ der christlichen Herrscherin ausgeprägt, der dann von Theodora übernommen und allseitig aus den Traditionen Roms und des Orients verwirklicht wurde. Das germanisch-alanische Regiment der Ardabur

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und Aspar sah sich in seiner Außenpolitik ähnlichen Anwürfen innenpolitischer H e r kunft gegenüber wie Stilicho. Aspar wurde Zeit seines Lebens der verräterischen Zusammenarbeit mit den Vandalen bezichtigt, sein Verhältnis zu Geiserich soll dem des Stilicho zu Alarich entsprochen haben, und die alanische Herkunft wurde für ihn vielleicht noch verfänglicher. Diese Anschuldigungen verraten die Herkunft aus denselben senatorischen Kreisen, die Gainas und Stilicho zu Fall gebracht haben. Im einzelnen fällt die Nachprüfung schwer. Aber es erhebt sich immer wieder die Frage, ob nicht Männer wie Aspar, denen nicht das polizistenhafte Denken eines alten Weltreichs, sondern das freie Kräftespiel der barbarischen Völker im Blut lag, die damaligen Realitäten richtiger werteten als die konservativen Regierungskreise. Sie hätten sich niemals so lange halten können, wenn nicht eine solche unausgesprochene Gleichung zwischen ihrer Herkunft und den Zielen des Reiches bestanden hätte. Die barbarische Abkunft war ihre Stärke, denn sie gab ihnen nicht nur das Recht zu Führung der barbarischen Gefolgschaft, sondern darüber hinaus die Kenntnis und Beherrschung des politischen Mechanismus ihres Zeitalters. D a s Reich mußte sich dieser Männer bedienen und konnte das angesichts ihrer Gleichgültigkeit gegen Stamm und Herkunft ohne Bedenken tun. Ihre germanische Gefolgschaftstreue konnte sich nur für das Reich, nicht etwa zu seinem Schaden auswirken, während die internationalen Beziehungen, die adligen Familienbande, die Kenntnis des Stainmeslebens ungeschmälert dem römischen Wirtsvolk zugutekamen. Die positiven Errungenschaften der Zeit Theodosius' II. heißen: Landmauern, Universität, Codex. Die Vervollständigung des Mauerrings kann militärisch als ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Mittelalter gelten, folgt dem Vorgang von Rom, das freilich ungleich stärker bedroht war und forderte erst unter Anastasios eine nochmalige und diesmal abschließende Anstrengung zur Sicherung der H a u p t s t a d t . Die Stiftung der Universität unterstrich das Bündnis zwischen Christentum und Bildung, leistete der Hellenisierung des Geisteslebens und damit der Herausbildung des eigentlich Byzantinischen Vorschub. Iustinian vermochte mit der Schließung der Schule von Athen nur ein negatives, dafür um so zukunftsträchtigeres Gegenstück zum großzügigen Humanismus des vorangehenden Jahrhunderts zu liefern. D a s muß trotz der bedeutsamen Gleichzeitigkeit der Klostergründung Benedikts von Nursia gesagt werden. Mit der Kodifizierung des Kaiserrechts erweist sich dagegen Theodosius II. als ein Vorläufer Iustinians. Der Tenor seiner Gesetzgebung unterscheidet sich in seiner Gesinnung kaum, in der mangelnden propagandistischen Lautheit allerdings erheblich von der des iustinianischen Zeitalters. Die christlich-römischen Formeln der kaiserlichen Rechtsprechung standen um die Mitte des fünften Jahrhunderts fest. Sie deckten sich schon damals nur zu einem geringen Teil mit der Wirklichkeit, halfen aber mehr als jede andere politische Macht, vor allem weit mehr als die Geistigkeit senatorischer Prägung die restauratio imperii im sechsten Jahrhundert vorzubereiten. Ein glänzender N a m e jener im Zeitalter Geiserichs und Attilas fast unwirklich anmutenden Prosperität Ostroms war der kaiserliche praefectus praetorio und praefectus urbi Cyrus von Panopolis. Dieser schöpferische Geist und passionierte Bauherr steht in der Wachstumsgeschichte von Konstantinopel zwischen dem Beginner K o n stantin und Iustinian dem Vollender. Er stand auch als Befürworter der griechischen Sprache in der Gesetzgebung trotz seiner glänzenden humanistischen Bildung auf der Seite der Zukunft. Selbst der beflissene Lateiner Iustinian und seine bildungsstolzen Minister konnten sich dem Z u g der Zeit zum Verzicht auf alles Nichtgriechische kaum entziehen. Die griechischen Novellen Iustinians bezeugen das. Die glänzendste Frauengestalt des Zeitalters, die Kaiserin Eudokia-Athenais, bleibt dagegen in allem, was sie war und wollte, eine Einzelerscheinung. Mit Ausnahme viel-

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leicht ihrer religiösen Haltung, in der sie Theodoras Wertung des Ostens vorwegzunehmen scheint, ohne deren eiserne Konsequenz auch nur im entferntesten zu erstreben. Als Dichterin hat die formgewaltige Griechin Töne angeschlagen, die als geisterhaft frühe Schau von Stimmungen aus dem „Verlorenen Paradies" und Faust anmuten. Dem Pöbel von Antiocheia zwang ihre kunstvolle Rede den Beifall ab, der einem Iulian frech versagt worden war. Auch ihr, der begnadeten Tochter der Tyche, die Glück und Tragik ihres Lebens der eigenen Schönheit und Klugheit, fremder Gunst und dem Zufall verdankt, woben die Dämonen den Schleier weiblicher Beschränktheit um die lichte Dichterstirn. Ihr Stolz und Trotz zerstob wie kindisches Spiel an der überlegenen Haltung einer Puldieria. Die Zukunft gehörte nicht der Schönsten und Weisesten, sondern dem mönchisch machtbesessenen Skorpionengemüt einer Frömmlerin. Der Lauf der Welt führte nicht über Eudokia, sondern über Puldieria zu der nächtlich düsteren und doch so tatenklugen Gemahlin Iustinians. Das letzte Jahrzehnt Theodosius' I I . hätte sich fast noch tragischer gestaltet als die letzten Jahre des Kaisers Herakleios. Ein seltsames Glück oder der Gang der Dinge lenkte den Stoß der Hunnen wie zuvor den Sturm so vieler Germanen nach dem Westreich. Freilich nur von Byzanz betrachtet, denn im Gehirn Attilas gab es gewiß keinen Raum für blinde Zufallsentschlüsse, das lehrt schon die großartige Koinzidenz des Vandalenstoßes von Süden mit dem Hunnenangriff von Norden. Den hunnischen Herren der gewaltigen Räume Asiens und Osteuropas bedeuteten die Maßstäbe der Mittelmeerwelt nicht viel. Und was Attila nodi nicht gelernt haben sollte, das wußten seine germanischen Vasallen. So flogen als Vorläufer der kommenden Schrecken reitende Boten durch Europa, Asien und Afrika, um riesige Umfassungsbewegungen in Gang zu setzen, eine Aktivität, der das allseits umklammerte Reich noch nicht auf den inneren Linien zu antworten vermochte. Es steht aber fest, daß die westliche Mittelmeerwelt das lohnendere und ungefährlichere Angriffsziel darstellte als der Osten, wo die Balkanhalbinsel von den Goten schwer mitgenommen, Konstantinopel uneinnehmbar, Kleinasien und der Orient keine naturgegebenen Angriffsziele für die Nomaden des Nordens waren. Es geht hier freilich nicht nur um geographische und politische Gegebenheiten, sondern um die Persönlichkeiten, die sie meisterten. Hier fand Attila einen Gegenspieler, dessen Stärke mehr in der Mitarbeit als im Widerstand zum Ausdruck kam. In der Person des Aetius wird das Problem der Gainas und Stilicho von neuem gestellt. Gewiß war Aetius kein Germane, aber er stammte von der unteren Donau, kam vom Kreis um Stilicho her und besaß Beziehungen zu den Hunnen, die ihn mit weit größerem Redit zu einem Freund der Barbaren stempelten als jeden Römer oder reichshörigen Germanen seiner Zeit. Der tragische Konflikt mit Bonifatius, dem die Vandalen Afrika verdankten, geht zweifellos nicht nur auf die persönliche Rivalität der Generale, sondern auf diese tieferen Gegensätze zurück. Während aber der weitaus römischer denkende Bonifatius nichts als die endgültige Sprengung des Westreichs erreichte, hat der „Hochverräter" Aetius dessen Lebensdauer um Jahrzehnte verlängert. E r hatte den Mut, mit dem Feuer zu spielen, und durchschaute die relative Ungefährlichkeit der Gottesgeißel für das sterbende Reich. Denn während die Vandalen trotz ihrer zahlenmäßigen Schwäche im höchsten Maße romfeindlich wirkten und alle ketzerischen oder sozialen Ressentiments gegen das Reich zum Ausbruch brachten, spannte sich das lockerer organisierte Hunnenreich über die leeren Räume und Nomadenstämme des Nordens hin. Es konnte vorkommen, daß ein römischer Untertan dieses Barbarenreichs dankbar die sozialen Erleichterungen bestätigte, die er den restlos ausgesogenen Steuerpflichtigen des Römischen Reichs voraus hatte 13 . Dergleichen hätten die Hunnen propagandistisch auswerten können, doch war natürRubin, Iustinian III

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lieh keine Rede davon. Die Germanen des hunnischen Herrschaftsbereichs befanden sich nur in loser Abhängigkeit, die an feudale Bindungen späterer Zeit gemahnt. Für sie bedeutete die hunnische Episode eine nicht immer unwillkommene Verlängerung ihres eigenen Plünderungsstadiums, in dessen Uberwindung sie allenthalben begriffen waren. Man muß Aetius zubilligen, daß er die vielen Ansatzpunkte zum Handeln, wenn nicht gar zur Nutznießung, die Attilas unberechenbares Schreckensreidh trotz allem bot, glänzend erkannt und in politische Realitäten umgesetzt hat. Gewiß geriet Rom in gefährliche Lagen; aber als es 451 zu der vielberufenen Völkerschlacht auf dem mauriacensischen Feld kam, rettete Aetius um des Gleichgewichts der K r ä f t e willen Attila vor der Vernichtung. Auch das konnte als Hochverrat gedeutet werden. Aber die Entwicklung der Dinge in den folgenden Jahrzehnten hat Aetius recht gegeben. Zunächst schienen seine Gegner zu triumphieren. Attila starb, das Hunnenreich stürzte zusammen, Aetius fiel einer Kreatur seines Kaisers zum Opfer. Aber das nächste O p f e r war der Kaiser selbst, und der Zusammenbruch des Reiches ließ nicht mehr lange auf sich warten. Nach einer ansprechenden Vermutung sind im König Etzel des Nibelungenliedes Attila und Aetius zu einer einzigen Gestalt verschmolzen. Der römische Heermeister, der immer mit einem Fuß im Feindeslager stand, machte sich die beschwörende Kraft des Attilamythos und die hunnische Realität zur Bändigung der reichssprengenden Germanenstämme zunutze. Die Zukunft gehörte nach seinem Tode auch im N o r d e n des Westreichs endgültig den Nachfolgestaaten vom T y p des vandalischen Afrika. Auf die Germanen verfehlte das Erlebnis des Riesenreichs eines Attila nicht seinen Eindruck. U n d doch hatten sie schon lange vor diesem eurasiatischen Beispiel einer Großreichsbildung ihr ähnliches Unternehmen im russischen Raum aufgegeben, um sich den räumlich engeren, zivilisatorisch anziehenderen Randlandschaften des Mittelmeeres zuzuwenden. Diesen Zug nach Süden haben die H u n n e n 375 beschleunigt, teilweise sogar ausgelöst. Aber das Attilareich wirkte eher retardierend. Es schien f ü r den kurzen Augenblick eines Jahrzehnts das europäische Leben dem großräumigeil Gesetz der Steppe zu unterwerfen und jedem Volk einen nicht zu verachtenden Platz in diesem System einzuräumen. Aber nur ein hellsichtiger Könner wie Aetius d u r f t e das gewagte Spiel einer N u t z u n g der retardierenden Elemente versuchen, nur ein Wanderer zwischen feindlichen Welten wie er, der als Soldat und Politiker einer der letzten virtuosen Hexenmeister auf der barbarischen Klaviatur des Nordens war. Er ist daran gescheitert. Die Germanen aber, die sich einst halb freiwillig, halb gezwungen den Möglichkeiten des Ermanarichreiches entzogen, entglitten nun noch einmal der Steppe, die sie mehr werbend als vergewaltigend auf ihrem Weg nach Süden und Westen eingeholt und zum Verhalten des ungestümen Laufs veranlaßt hat. Sie schienen nun erst recht gestärkt, konsolidiert, durch das politische Erlebnis des Hunnenreichs und die kulturelle Ausstrahlung des Mittelmeers zivilisatorisch weiterentwickelt. Der N a m e Attila umschloß f ü r sie weniger den Gedanken der Fremdherrschaft als den Reiz eines fremdartigen Führertums. Jetzt standen sie bereit, die Konsequenzen aus den römischen Entwicklungen zu ziehen, als wäre in ihrem eigenen Erlebniskreis nichts Neues geschehen. In die Jahre der hunnischen Vormacht fiel der Pontifikat Leos des Großen. Er rang dem schwachen Kaiser kirchenpolitische Zugeständnisse ab, die weit in die Zukunft zeigten. Das Papsttum schickte sich an, die moralische und politische Erbschaft des westlichen Kaisertums anzutreten. U n d das in einer Zeit, die Heiden und Arianer allenthalben im Aufmarsch gegen die Hochburg des Katholizismus sah. In den kommenden Jahrzehnten wurden die Grenzen zwischen Beamtentum und Hier-

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archie immer fließender, Fälle wie der des Synesius, plötzliche Übertritte vom weltlichen zum geistlichen Stand immer häufiger. Im Westen blieb das Bischofsamt der einzige Weg zur Rettung der kulturellen Überlieferungen, der von den barbarischen Herrschern so manchem Mitglied der alten Staatsführung gern eröffnet wurde. Aber auch der Osten kennt die Erscheinung der helfenden und allein noch rettenden Kirche in den Stürmen des iustinianischen Zeitalters nur zu gut. Während das Papsttum seinen universalen Sprengel immer mehr von den staatshörigen Arianerkirchen eingeengt sah, nahmen im Osten, der f ü r diese verhaßte H a l tung historisch verantwortlich war, die Dinge den entgegengesetzten Verlauf, bereitete sich freilich eben im rigorosen Hinweggehen über die Lebensgesetze und Gewohnheiten der Bevölkerung ein Bruch vor, der wenige Generationen nach Iustinian auch dieses Reich auseinandersprengte. Seit Theodosius der Große mit Arianismus und Heidentum aufgeräumt hatte, siechte das eine unrettbar dahin, während der andere lediglich bei den Germanen nodi die unerläßliche Vormundschaft des Staates fand, um sein Leben zu fristen. Das Gespenst der Kirchenspaltung stieg erst wieder in den Jahren nach 427 auf, als Nestorius Patriarch von Konstantinopel wurde. Der Konflikt beruhte zum großen Teil auf persönlichen Mißverständnissen zwischen Nestorius und Kyrillos. Weder der Spruch des westlich beeinflußten Konzils von 431 noch der Vermittlungsversuch Kyrills von 433 konnten die Nestorianer einschüchtern oder zur Versöhnung bewegen. Es kam aber nicht zu den befürchteten inneren Kämpfen, weil der Nestorianismus rechtzeitig nach Osten abgedrängt wurde. Während der Stifter der Bewegung in der oberägyptischen Oase starb, dem Verbannungsort der damaligen Zeit, wählten seine Anhänger Edessa zum Zentrum ihrer Missionstätigkeit. Als Kaiser Zeno sie hier ausrottete oder vertrieb, waren längst Fäden nach Indien und zum Fernen Osten gesponnen, die Gründung einer Christenkirche außerhalb der oströmischen Jurisdiktion Tatsache geworden. Auf ihren Spuren wanderten die Abgesandten Iustinians nach Osten, ohne auch nur im entferntesten an die missionarischen Erfolge der Vorgänger heranzureichen. In den letzten Jahren Theodosius' II. entfaltete sich der Keim einer Bewegung, die sich auf die Innenpolitik des Reiches nichts weniger als harmlos auswirkte. Als der Patriarch von Alexandreia die Thesen des Konstantinopler Mönches Eutyches übernahm, begann ein Machtkampf zwischen den Stühlen von Konstantinopel, Antiodieia und Alexandreia, der zunächst mit dem Siege des Ägypters endete. Die Entscheidung der vielverlästerten Räubersynode entsprach den Gefühlen des Orients, verletzte aber das zentralistische Interesse der Reichsregierung. Zu den ersten Handlungen des neuen Kaisers Marcianus gehörte daher die Einberufung eines Konzils. Der Patriarch von Alexandreia wurde abgesetzt, die Vorherrschaft von Konstantinopel stand damit f ü r alle Zeiten fest. So wenig aber die ökumenischen Patriarchen ihre Abhängigkeit vom Kaisertum jemals verleugnen konnten, so wenig gaben sich andererseits die Volksmassen und besonders das fast militärisch organisierte Mönchtum des Orients mit dieser staatlich sanktionierten Entscheidung zufrieden. Man hatte geglaubt, den Triumph über Arianer und Nestorianer wiederholen zu können und zog eine gefährliche, in alle Zukunft mit den Feinden des Reichs sympathisierende Sekte groß, eigentlich eine Konfession, neben der Bewegungen wie der alte Donatismus harmlos p r o vinziell wirkten. So legte der nüchterne, realistische Kaiser Marcianus den Grund zur nationalen Streitfrage der frühbyzantinischen Innenpolitik. Die Schuld an den unerwünschten politischen Folgen der Entscheidung von Chalkedon liegt aber nicht bei ihm, sondern ist Sache der späteren Ausleger dieses Konzils, in erster Linie des orthodoxen Kurses der Kaiser lustin und Iustinian. Während im Westen Rom die ungeschmälerte Autorität der Apostelnachfolger f ü r sich beanspruchen konnte, entglitt im III*

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Osten die geistliche Führung den Ursprungsländern des Christentums, der Schwerpunkt der kommenden Dinge verlagerte sich politisch, sekundär audi theologisch nach Byzanz. Ägypten, Syrien, Palästina, Armenien gerieten in ein schiefes, von tausend Vorbehalten durchsetztes Verhältnis zum Reich, sie sonderten sich innerlich ab und wurden daher auch politisch unzuverlässig. Nicht zuletzt überrascht die Gleichzeitigkeit der Geschicke des westlichen und östlichen Afrika. Auf dem Boden des alten Punierreichs raubten die Vandalen nicht ohne Mitwirkung reichsfeindlicher Kräfte unter den Einheimischen die zentralen und westlichen Provinzen dieses dritten Kontinents der Alten Welt. In Ägypten schlug eine Lehre, die ähnliches herausforderte, eine wahre Nationalkirche, immer tiefere Wurzeln. Dem Byzantinischen Reich wurden in entscheidenden Stadien seines Werdens Kräfte entzogen, die seinen Feinden ungeschmälert zugute kamen. Im siebenten Jahrhundert erschien der Islam fast wie ein Befreier und „erlöste" die Separatisten unter den östlichen Christen, die politisch nur geringen Widerstand gegen die neuen Einheitsparolen der Anhänger Mohammeds leisteten. So hat das religiöse Einheitsstreben der Reichskirche schon in früher Zeit den nationalen Widerspruch geweckt, bedeutende Verzichte und Verluste der Zukunft im Keime einbegriffen. Die unmittelbare Folge des Chalkedonense war ein Volksaufstand, den der ägyptische Mönch Theodosius an der Spitze von 10 000 fanatischen Mönchen in Palästina erregte. Diese Bewegung, die von der exilierten Kaiserin Eudokia-Athenais wohl gelitten war, griff auch auf Ägypten selbst über. Seither gehörten dergleichen Revolutionen zum eisernen Bestand der oströmischen Innenpolitik. Die Polizeimaßnahmen des Staates hatten regelmäßig Erfolg, aber religiös, geistig und damit auch politisch war diese Widerstandsbewegung nicht mehr auszurotten. Jeder Herrscher, der vermitteln wollte oder sie zu unterdrücken versuchte, zahlte einen schmerzlichen Preis, wenn auch der eigentliche Wechsel auf die Zukunft lautete. Der Monophysitismus besteht in der Form der koptischen Kirche bis auf den heutigen Tag, von der Bedeutung der Einnaturenlehre für das Entstehen des Islam ganz zu schweigen. Die Thronbesteigung des Kaisers Marcianus entsprach nicht den staatsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber dem Westreidi, konnte als einseitige Handlung betrachtet werden. Der Patriarch krönte ihn zwar nicht, wie man gemeint hat, spielte aber eine größere Rolle als sonst. Doch sind auch aus der Krönung, die seit Leon I. (457) sicher bezeugt ist, niemals Ansprüche von der Art der päpstlichen abgeleitet worden 14 . Wenn Konstantinopel kirchenpolitisch immer höher über die östlichen Patriarchate hinausgehoben wurde und der Inhaber dieses Stuhls allmählich auch bei der Kaiserwahl unentbehrlich wurde, so liegt das ganz in der Linie jener beneidenswert reibungslosen Zusammenarbeit zwischen den Kaisern und ihren ökumenischen Patriarchen, die Byzanz soviel Kraft erspart hat. Marcianus war ein alter Soldat aus der Umgebung Aspars, aber die doppelte Abhängigkeit von Pulcheria und Aspar beraubte ihn nicht der Selbständigkeit. Seine Regierung ist als eine der ereignislosesten und glücklichsten dieser dämonischen Zeitläufe bekannt, er selbst galt den Nachkommen als einer der besten der „retro principes". Berühmt wurde vor allem seine Finanzgebarung, denn er hinterließ einen beträchtlichen Staatsschatz, ohne die Bevölkerung über Gebühr zu beanspruchen. Er verdankte einen Teil dieser Erfolge dem Sturmschatten der gleichzeitigen Katastrophen des Westreichs und einer augenzwinkernden Neutralität, die zu ernten hofft, wo andere geblutet haben. Gleichwohl nahm er, wenn auch etwas zu früh, Züge vorweg, die einen Anastasios zum bewunderten Idol Prokops und der besten Römer machten und das Antlitz Iustinians zum glücklichen Leitgestirn des Mittelalters verklärt hätten.

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Im Westen entfaltete sich das Vandalenreich nicht nur machtpolitisch zu einer immer beherrschenderen Stellung. Es war eine Tatsache von höchster Zukunftsbedeutung für die internationale Diplomatie, daß Mitglieder der rechtmäßigen Dynastie des Römerreichs freiwillig bei den gefürchteten Barbaren Schutz suchten und eine Kaiserin vom Ansehen der Eudokia ihre Tochter dem vandalischen Thronfolger versprach. Das germanische Element gewann dadurch rechtlich und moralisch eine neue Stellung, mochten die Auswirkungen im Augenblick noch so revolutionären Charakter tragen. Nicht die abermalige Plünderung der Stadt Rom war das entscheidende Ereignis der Epoche, sondern eben diese Aufnahme dynastischer Beziehungen zum mächtigsten Germanenreich der damaligen Zeit. Der Gedanke einer Kräftigung der Kaisergewalt durch Blutsverbindung mit Germanen sprang nun aus dem Bereich der reichshörigen Föderaten und Söldner in das neue System der unabhängigen Nationalstaaten über. Die Rolle einer Placidia unter den Westgoten, die nur durch den jähen Tod Attilas verhinderten Absichten einer Honoria verloren nun das Absonderliche und wurden zu einem Mittel der Politik, das auch den dämonischen Frauen des Amalergeschlechts im sechsten Jahrhundert nicht fremd war. Geiserich nützte die Stunde zur Ausweitung seines afrikanischen Besitzes nach Osten, bis ein anderer Germane, Ricimer, ihm Einhalt gebot. Dieser letzte Kaisermacher großen Stils im Westreich errang in kurzem eine ähnliche Stellung wie Aspar im Osten. Dort starb Marcianus, der die Katastrophe Roms kalt mit angesehen hatte, und Aspar beförderte den Subalternoffizier Leo zur Macht. Das germanische Heermeisterwesen genoß in beiden Reichshälften größeren Einfluß als jemals. Aber im Osten verfing sich die Gegenströmung des einheimischen Elements zu immer gefährlicherem Wirbel, und im Westen wurde das große Spiel immer komplizierter, gehörte die Zukunft den Führern geschlossener Volksverbände. Der militärische Fehlschlag vom Jahre 460 gegen Geiserich belastete nicht Ricimer, sondern seinen Schattenkaiser. Dagegen kostete acht Jahre später das Unternehmen des Basiliskos, dieser vorweggenommene Belisarzug, in seinen Nachwirkungen nicht nur die Heermeister Ardaburius und Aspar das Leben, sondern beseitigte die Vorherrschaft der Germanen im Militärwesen des Ostreichs für immer. Aspar war so schuldlos schuldig wie Stilicho. Sein Anliegen war nicht Verrat, sondern verständnisvolle Zusammenarbeit mit Geiserich. An der Stelle des unfähigen Generals hätte er zweifellos gehandelt wie Beiisar. Aber der Kaiser hielt ihn geflissentlich vom Kommando zurück, um eher Geiserich als dem verhaßten Beschützer die Chance des Triumphs zu geben. Die Katastrophe peitschte die nationalen Leidenschaften der griechischen Welt erst redit auf. Man hatte die neue politische Situation des Westens noch nie so exemplarisch zu spüren bekommen, wie durch diese Niederlage auf einer der wichtigsten Seeverbindungen des Römerreichs. Jetzt zog sich das griechisch-orientalische Element, wie von einem Zitterrochen verwundet, auf sich selbst zurück. Die Heermeister fielen dem letzten der antigermanischen Pogrome zum Opfer. Damit verlor die oströmische Außenpolitik für Jahrzehnte jeden Schwung. Aber in dieser Zeit sammelten sich neue Kräfte, vollendete sich die Ausbildung entscheidender Charakterzüge der künftigen Politik der Byzantiner. Nicht umsonst war Leos Schützling und Nachfolger Zeno der Großmeister der perfiden byzantinischen Barbarenpolitik der Zukunft. Es ist nicht als Werturteil zu verstehen, wenn nun gewisse levantinische Züge des Byzantinertums sich in den Vordergrund drängen. Man lernte sich auf die eigenen Kraftquellen, vor allem finanzieller Natur, noch mehr als bisher besinnen und durchfegte auf der Suche nach Soldaten, die das selbstgewollte Defizit decken konnten, die letzten Gebirgshorste bäuerlicher Kraft im Ostreich. Zunächst sprangen die bisher bedeutungslosen Isaurer in die Bresche und als auch sie sich vielleicht noch unbeliebter machten als die germanischen Landsknechte, hatten sich die Balkanländer genügend erholt, um

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I. E i n l e i t u n g

ein neues illyrisches Zeitalter der römischen Wehrmacht einzuleiten. Diese nationale Bewegung erweckte in ganz Kleinasien, am eindrucksvollsten in Armenien, zukunftsreiche Kraftquellen zur Speisung des Menschenbedarfs des byzantinischen Staates. Die Anwerbung von Fremden blieb bestehen, aber man lernte seine Wehrmacht so zu organisieren, daß die einheimischen Elemente auf jeden Fall dominierten. Im Westen regierte Ricimer seine Kaiser, aber seine Stellung wurde immer schwieriger. Er hatte dem Burgunderkönig seine Schwester zur Frau gegeben, ein erster Schritt zu jenem System der Koalitionen, das Theoderich später meisterhaft beherrschte. Das konnte das Gespenst eines arianischen Bündnisses der Vandalen und Westgoten gegen die Mitte nicht bannen. Die losgerissenen Provinzen des Reichs verselbständigten sich von Jahr zu Jahr. Nächst den Heiraten hatten Nichteinmischungsversprechen des Ostreiches Geiserichs völkerrechtliches Fundament gefestigt. In derselben Richtung wirkte die Kandidatur seines Schützlings Olybrius für den westlichen Thron. Spanien erlebte unter dem fanatischen Arianer Eurich die machtpolitische Einigung. Eine halbe Generation später vollzog Chlodwig die Besitzergreifung Galliens durch die Franken. Indem diese Entwicklungen sich anbahnten, ist Ricimer 472 eines natürlichen Todes gestorben. Mit ihm sank das Geschlecht der Heermeister ins Grab, die, nur auf ihre persönliche Gefolgschaft gestützt, die Reste einer untergehenden Lebensordnung verteidigten. Schon Odowakar, erst recht Theoderich, standen jenseits des Kompromisses, opferten die Formen und retteten die Inhalte. Aspar und Ricimer sind fast gleichzeitig von der politischen Bühne abgetreten. Die Personen und Parteien, die sehnlich auf diesen Augenblick gewartet hatten, wurden bald eines Besseren belehrt. Soweit ihnen das altrömische Beamtenideal vorschwebte, erlebten sie, daß die Akzente des römisch-germanischen Kompromisses der Reichspolitik jetzt erst recht nach der germanischen Seite hin verschoben wurden. Der neue vielversprechende Kompromiß Odovakars und Theoderichs lag zeitlich jenseits eines revolutionären Aktes, der das Ende des weströmischen Reiches bedeutete. Dem Osten gelang wieder einmal die Flucht in Neutralität und vieldeutiges Intrigenspiel, aber vor die diplomatischen Erfolge waren Jahre germanischer Aktivität gesetzt, die beim Vergleich mit Aspars Zeiten alles andere als günstig abschnitten. Die Vandalen selbst lieferten den Beweis für Aspars Harmlosigkeit, indem sie zwar mit Recht in seiner Ermordung eine unfreundliche Handlung und Bedrohung erblickten, die sie mit Repressalien vergalten, aber gleichwohl bald nach Zenos Thronbesteigung sich zu Verhandlungen bereitfanden und einen Frieden schlossen, den erst Iustinian gebrochen hat. Auf der Balkanhalbinsel lagen die Dinge nicht so einfach. Hier nahmen seit 469 die Ostgoten eine Vormachtstellung ein, jener germanische Stamm, der machtpolitisch das Erbe der gepidischen Hunnenbezwinger angetreten hatte. Dem Amalergeschlecht erwuchs soeben ein gefährlicher Gegenspieler in der Person des Condottiere Theoderich Strabo. Die Ermordung Aspars gab ihm unverhofften Auftrieb, verlieh ihm eine Stellung, die das Haus der Amaler schon längst einnahm. Er wurde der Heerkönig seiner Gefolgschaft, die freilich längst nicht so einheitlich zusammengesetzt war wie die der Amaler, und forderte vom Reich die Nachfolge Aspars für sich. Kaiser Leo ging darauf ein und machte ihn zum Heermeister der Präsenztruppe. Zu jener Zeit spielte Zeno bereits die ausschlaggebende Rolle. Als Kaiser verwirklichte er sein antigermanisches Programm der Innenpolitik, indem er die beiden Gegner zwar klug gegeneinander ausspielte, dafür aber außenpolitische Zugeständnisse machte, die alle Konzessionen der germanophilen Kaiser in den Schatten stellten. Aber schon im Jahre nach der Thronbesteigung wurde Zeno vom allgemeinen Unwillen weggefegt. W e n i g s t e n s f a n d e i n e P a l a s t i n t r i g e d e r K a i s e r i n m u t t e r V e r i n a e i n e n so ü b e r r a s c h e n d e n

3. Konstantius bis Anastasios

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Widerhall in der Öffentlichkeit, daß ein Isaurermassaker die Folge war. Und dies im vierten Jahr des antigermanischen Kurses. Der Nachfolger Basiliskos machte sich freilich durch seine unvorsichtige Religionspolitik noch rascher unmöglich. Er begünstigte die Monophysiten so plump, verscherzte sich die Gunst der Katholiken so gründlich, daß die schnellebige Hauptstadt über dem neuen Ärger die Übergriffe der Isaurer vergaß. Zeno kehrte an der Spitze eines Heeres zurück. Doch hatte er später noch zweimal sein Redit auf den Thron zu verteidigen 15 . Der erste dieser Aufstände (479) hat vor allem staatsrechtliches Interesse. Der Thronanwärter Marcianus berief sich auf die Rechte seiner purpurgeborenen Gattin, der jüngeren Tochter des verstorbenen Kaisers Leo. Von Rechten konnte damals noch nicht die Rede sein, doch verdeutlicht die Episode immerhin die langsame Steigerung des dynastischen Empfindens bis zur Vorstellung von der göttlichen Auserwähltheit der Purpurgeborenen. Einige Jahre später bradi der weit gefährlichere Aufstand des Illus los. Die Beziehungen zwischen Zeno und Theoderich Strabo hatten sich inzwischen verschlechtert, weil Strabo zu Basiliskos hielt. Darüber kam es zu der engen Zusammenarbeit des Amalers Theoderich mit Zeno, die oftmals unterbrochen, immer wieder erneuert wurde und die kommenden Jahrzehnte bestimmte. In dieser Zeit der Verstrickung des Ostreichs in eine mühsamer Selbstbehauptung des Regimes gewidmete Tagespolitik vollendete sich die Agonie des westlichen Kaisertums. Auch die Entsendung eines rechtmäßigen Nachfolgers der Ricimerkaiser konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß einer solchen Initiative kein wirklicher Wille zum Eingreifen in die westlichen Verwicklungen entsprach. Kaiser Iulius Nepos wurde von Leo entsandt, mußte aber im folgenden Jahr Orestes und dem halbwüchsigen Romulus Augustulus das Feld räumen. Er herrschte bis 480 unter den Fittichen des Ostreichs in Dalmatien. Erst die Nachwelt hat nicht seinen kraftlosen Anspruch, sondern die Tat des neuen Ricimer zum epochalen Ereignis und mit einiger Übertreibung für das Ende des Altertums erklärt. Als Orestes die keineswegs übertriebenen Forderungen des Führers der germanischen Kampfverbände Italiens ablehnte, die auf ein Drittel des Bodens lauteten, kamen Orestes und Romulus über die Ablehnung dieses Ansinnens zum Fall. Die Nachwelt hat, weniger aus theoretischen Erwägungen als um des Abbrechens der Dynastenreihe willen den revolutionären Charakter des Ereignisses herausgestellt. Die Mitwelt mochte eher den unleugbaren konservativen Grundzug dieses wahrhaft evolutionären Aktes würdigen. Denn Odovakar stand nicht nur im Jahre 476, sondern während seiner ganzen Regierung in ausgezeichneten Beziehungen zum weströmischen Senat, als dessen Parteigänger er sich betrachten konnte. Er brach für immer mit dem System der Puppenkaiser, streckte aber so wenig wie Stilicho und Ricimer die Hand nach der Kaiserwürde aus. Odovakars rechtliche Grundlage war solider als die des letzten Namenskaisers Romulus Augustulus, den der Kaiser des Ostens niemals anerkannt hatte. Zeno ließ kein klares Urteil über seine Stellung zu Iulius Nepos und Odovakar verlauten, denn er wollte sich nicht festlegen. Tatsächlich hat er aber mehr mit dem Germanen als dem ehemaligen Vertrauensmann des Ostens zusammengearbeitet, hat also dessen Stellung durch de-facto-Anerkennung auch rechtlich sanktioniert. Erst als Odovakar die Mörder des Iulius Nepos verfolgte und bei dieser Gelegenheit in Dalmatien Fuß faßte, verschlechterten sich die Beziehungen zum Osten merklich. Audi das zeigt deutlich, welche geringe Rolle die rechtlichen Erwägungen gegenüber den machtpolitischen spielten. Während das Westreich von Krise zu Krise schwankte, hielt Kaiser Zeno seine immer von neuem bedrohte Position durch das voraussetzungsloseste diplomatische Fechterspiel aller Zeiten. Die mangelhaften Berichte gestatten es nicht, das politische

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I. Einleitung

Geflecht ganz zu entwirren. Ferner reicht der Gesichtskreis der Berichterstatter nur selten über das Reich hinaus. Gleichwohl verdichten sich die dürftigen Daten zur Gewißheit, daß die raumgestaltenden Kräfte des Zeitalters in zwei Männern zum Ausdruck kamen, zwischen denen ein säkulares Vater-und-Sohn-Verhältnis zu walten scheint, freilich audi ein überdimensionaler Ödipuskomplex. Es sind Geiserich und Theoderich, der eine im Abtreten von einer Welt, die er maßgeblich mitgestaltet hatte, der andere im Aufstieg zu seiner geschichtlichen Mission der Verwirklichung des germanischen Föderalismus auf weströmischem Reichsboden. Zwei Anwärter auf eine ähnlich epochemachende Rolle, Odovakar und Strabo, gingen zu früh zugrunde, unterlagen den Gefahren, die alle diese Männer umwitterten, die zwischen den Zeiten und Kulturen die Extreme des Heroenalters und einer Spätzeit gleichermaßen ausleben wollten. Überall, wo Strabo auftaucht, sind Geiserich und seine Vandalen unsichtbar zur Stelle. Strabos Programm war: Rache für Aspar. Die Bedingung für die Versöhnung mit Zeno: Kampf gegen alle Feinde des Reichs mit Ausnahme der Vandalen. Dann bringt die Parteinahme für Basiliskos einen ersten Wechsel der Positionen. Zeno verbündet sich mit dem Amalerkönig Theoderich, adoptiert ihn durch Waffenleihe. Er hetzt ihn gegen Strabo, der seine große Stunde hat: ein persönlicher Appell an das gotische, vielleicht auch gemeingermanische Stammesbewußtsein versöhnt die Heere und ihre Führer. Der dritte Stellungswechsel führt Strabo auf die Seite Zenos und liefert dem Amaler die Gründe für seinen Eroberungszug durch Makedonien und Epirus. Aber Strabo tat beim Aufstand des Marcianus 479 seine Pflicht und ging abermals zu Theoderich über. Dieses Bündnis kam nicht mehr recht zur Auswirkung, weil Zenos tüchtiger General Sabinian den Amaler in Epirus anderthalb Jahre förmlich belagerte. Gegen Strabo, der Thrakien verheerte, rief der gewissenlose Isaurer die Bulgaren ins Land. In diesem vierten Stadium der Verwicklung erreichte die Krise den Höhepunkt, als 481 der General Sabinian ermordet wurde, Theoderichs Goten wieder Bewegungsfreiheit erhielten und Strabo sich zum Handstreich auf Konstantinopel anschickte. Auch vor dem Versuch eines Übergangs nach Kleinasien scheute dieser unfreiwillige Lehrmeister der Slaven und Bulgaren nicht zurück. Dann löste der Tod die Krise. Der Mann, der Robert Guiskards Traum vorweggenommen und der Alarich und Geiserich des neuen Rom zu werden hoffte, stürzte auf dem Zug nach Griechenland vom Pferd und starb. Aber erst drei Jahre später drang Zenos Intrigenspiel zur Ausnutzung dieses Glücksfalls durch. Er versöhnte die Goten Theoderichs um den Preis von Ländereien in der nordöstlichen Balkanhalbinsel und ernannte ihren König von neuem zum Heermeister. Theoderich schaffte Strabos Sohn Recitadi aus dem Wege und liquidierte so die politische Erbschaft dieses großen Condottiere und Volkskönigs. Die neue Ordnung der Balkanländer gab Kaiser Zeno die Mittel an die Hand, gegen Illus loszuschlagen. Obwohl auch dieser zu der unbeliebten Herrschaftsclique der Isaurer gehörte, also keinen grundsätzlichen Systemwechsel verbürgte, hatte sich doch seit Jahren aller H a ß gegen Zeno in Sympathien für den offenen Gegenspieler verwandelt. Nach dem dritten Attentat, das Zeno heimtückisch wie immer gegen den mächtigen Offizienmeister einfädelte, riß diesem die Geduld. Nicht als ob Illus weniger verschlagen zu handeln verstand als sein Kaiser, der mit teuflischer Heuchelei seinem Minister das Mitgefühl anläßlich der allerhöchst bestellten Mordversuche ausdrückte. Er verließ seinen gefährlichen Wirkungskreis nicht überstürzt, sondern verstand es, seinen Wunsch nach Versetzung in den Orient glaubhaft genug zu äußern. Er erreichte (wohl Ende 481) die Versetzung auf den Posten des östlichen Heermeisters und nahm die Getreuesten aus seiner Umgebung mit nach Antiocheia. S o w o h l die abermalige Kaiserherrschaft des M a r c i a n u s wie die K r ö n u n g des Leontius

3. K o n s t a n t i u s bis A n a s t a s i o s

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durch Verina werfen Schlaglichter auf die personellen Hintergründe der nie rastenden Widerstandsbewegung gegen Zeno. Auf die Person des Illus setzten die immer noch einflußreichen heidnischen Kreise ihre Toleranzhoffnungen. Vor allem vertrat er das Chalcedonense, während Verinas Verdienste um Basiliskos und seine monophysitische Politik in Ägypten und Syrien unvergessen waren. Selbst die Möglichkeit einer Vereinigung der feindlichen Konfessionen und sei es auch nur im gemeinsamen H a ß gegen einen Bedrücker, mußte als Wunder erscheinen. Zeno beschwor dieses gefährliche Bündnis durch sein Henotikon, den Vermittlungsversuch von 481, herauf. Im Aufstand des Illus bot sich den Monophysiten namentlich Ägyptens und den Katholiken eine nicht unerwünschte Gelegenheit, den Verfechter einer Lehre, die nur von wenigen als Versöhnung, von den meisten als dritte Partei empfunden wurde, für immer auszuschlagen. Aber die Entscheidung fiel auf dem diplomatischen und militärischen Feld. Illus versuchte eine großzügige Einkreisung des Ostreichs, indem er den Perserkönig Peröz und Odovakar zum Krieg gegen Zeno ermunterte. Audi die armenischen Satrapen standen auf seiner Seite. Die Kombination mag einer ähnlichen weit erfolgreicheren des Witichis zum Vorbild gedient haben, der den Untergang nicht seiner Person, aber seines Volkes durch Anrufung der Hilfe Chusrö's gegen Iustinian um Jahre aufhalten konnte. Aber im Zeitalter Zenos scheiterte der Plan. Peröz fiel im entscheidenden Jahr (484) von der Hand der Hephthaliten. Odovakar lehnte ab. Kaiser Zeno gewann das große Spiel, denn er hatte im Augenblick der Entscheidung die Trümpfe in der Hand. Für ihn kämpften der Nachfolger Sabinians, der Amaler Theoderich, ja selbst ein Sohn Aspars, und Odovakar hielt sich abseits. Dieser Konstellation der K r ä f t e ist Illus erlegen. Mit den neu geeinten Isaurern saß Zeno fester im Sattel als jemals. In den Wirren um Illus hatte es Theoderich bis zum Konsul gebracht. Für ihn bedeutete das nicht viel. Als Zögling des Kaiserhofs kannte er die Hauptstadt durchaus und fühlte sich würdiger als Strabo, nach dem Höchsten zu greifen. Er marschierte gegen Byzanz, ließ sich aber von seiner Schwester, die am H o f e weilte, zur Umkehr bewegen. Zum erstenmal übte Byzanz seine Lockung und Macht über das Geschlecht der Amaler. In Zukunft gestalteten sich die Beziehungen friedlich. Theoderich selbst gab sich dem kommenden Auftrag mit allen inneren Vorbehalten eigenwüchsiger Größe hin. Seine Nachkommen dagegen verfielen mit tragischer Unbedingtheit dem Zauber des Statthaltertums einer halbverstandenen Welt. Kaiser Zeno bereitete seinen Meisterstreich vor. Was konnte ihm, der in endlosem Lavieren den Osten gerettet hatte, am Westen liegen? Seine Religionspolitik zeigt es deutlich genug. Im Jahre des Triumphes über Illus zerriß das akakianische Schisma nächst dem politischen auch nodi das religiöse Band zwischen Osten und Westen. Was lag Zeno an den Gefühlen des Papstes, des Senates, am Vizekaisertum Odovakars? Dieses neue Reich des Westens, das da im engsten geistigen Anschluß an die Traditionen der zivilisierten Welt, gestützt auf die Kraft junger Völker, reichsrechtlich unantastbar und doch tatsächlich unabhängig emporgewachsen war, haßte er nicht, es war ihm gleichgültig. Er argwöhnte ein Komplott mit Illus, das nicht bestand und hetzte die Rugier auf Odovakar. Der antwortete durch Gegenangriff bis zur Vernichtung und bereitete auch Zenos Herulern dasselbe Schicksal. Der casus belli war gefunden, und Theoderich wurde mit der Reichsexekutive beauftragt. Zweifellos fanden sich genügend Panegyristen, die vom bellum iustum faselten und Kränze um das Haupt des verschmitzten Kaisers wanden. Dessen Macht über den Westen reichte aber nicht weiter, als denselben als leckere Beute einem (zur Zeit) nominell gesetzlichen, tatsächlich ungesetzlichen Staat im Staate hinzuwerfen. Aber das Experiment gelang. Das gotische Geschwür wurde aus den Eingeweiden des Ostreiches entfernt, wobei freilich fraglich bleibt, in welchem Sinne ein Aufgehen der Goten im ethnischen

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I. Einleitung

Bestand der Balkanhalbinsel sich ausgewirkt hätte. Vielleicht nicht allzu ungünstig für das Ostreich. Einstweilen wiegte sich Zeno in der Hoffnung, daß mindestens einer der Gegner auf der Strecke bleiben, vielleicht auch beide verbluten würden. Als Heermeister des Reiches war Theoderich zur Exekutive berechtigt und beauftragt. Aber wie anders sah sein Heer aus als selbst das eines Stilicho, eines Aetius? Die endlosen Wagenzüge, die Kriegerscharen mit Weib und Kind und Sack und Pack erinnerten mehr an die Kimbern und Teutonen als an Nachfolger der Legionen Casars. So war es jedermann bewußt, daß der kaiserliche Auftrag bei aller Rechtskraft und historischen Beglaubigung eine Farce war, die vor N o t und Gefahr eines wandernden Volkes verblaßte. Um so mehr sind Männer wie Theoderich zu bewundern, die zugleich römisch und gotisch zu denken vermochten, die Cäsar und Ariovist in einer Person waren. Denn auf diese Synthese oder wenigstens den Versuch einer solchen lautete Theoderichs geheimer geschichtlicher Auftrag und damit wurde er nicht Odovakars Besieger, sondern sein Vollender. Im Einklang mit dem Ostreich entstand nun in Italien ein gotischer Staat, der berufen war, auf Jahrzehnte die Führung der internationalen Politik an sich zu reißen und Geiserichs rohe Ansätze eines westmittelmeerischen Föderalismus zum kunstvollen System auszubauen. Kaiser Zeno durfte die wenigen Jahre, die ihm nach Theoderichs Italienzug verblieben, in ungewohnter Ruhe und im Gefühl einer triumphalen Entwicklung der Dinge verbringen. Erst unter seinem Nachfolger wurde es erschreckend klar, daß im Sog der gotischen Abwanderung neue Stämme in die Balkanhalbinsel strömten, deren weitaus größere Rückständigkeit ein nur um so schrecklicheres Zeitalter des Raubes und der Plünderung heraufbeschwor. Die Slaven und hunnischen Bulgaren, die das politische Erbe der Goten antraten, befanden sich in einem Wachstumsstadium, das die meisten Germanen bereits überwunden hatten. So ist es recht eigentlich eine Hinterlassenschaft Zenos, wenn Anastasios und alle Kaiser nach ihm gerade in den Balkanländern schwere Einbußen erlitten. Noch waren die Nachfolgestämme der Goten nicht auf der Stufe des seßhaften Föderatentums angelangt und dachten nicht daran, das Territorium des Ostreichs für immer zu schmälern. Zum mindesten machten die gewaltigen Anstrengungen des Reichs auf dem Gebiet des Festungsbaus jeden barbarischen Versuch einer dauernden Landnahme einstweilen unmöglich. Die schädlichen Folgen des Zustandes für die Massen der Landbevölkerung konnten freilich weder Anastasios und Iustinus noch erst redit Iustinian verhindern. Das Verbleiben der Goten in Südosteuropa hätte zweifellos schwere innenpolitische Krisen für das Reich heraufbeschworen. Theoderichs Persönlichkeit und Machtstellung war zu gewaltig, um sich selbst mit der Rolle eines östlichen Stilicho zufrieden zu geben. Und doch hätten diese Krisen mehr den Kaiser und die Hauptstadt als die eigentlichen Reichslande betroffen. Nicht einmal das arianische Bekenntnis des toleranten Gotenvolkes bürgt für ernstliche Unruhen in einem Reich, das unter Theoderichs maßgeblichem Einfluß gestanden hätte. Sein Scharfblick genügte, um ihn auch im eigentlichen Orient die mittlere Linie der kirchenpolitisch in Erscheinung getretenen Nationalismen finden zu lassen. In Italien setzten sich selbst die Juden für die Sache der Goten ein. Als sicher kann aber gelten, daß die hochwertige und militärisch unersetzliche thrakisch-illyrische Bevölkerung der Balkanhalbinsel mit den Goten noch rascher zu einem griechisch oder germanisch akzentuierten Volk verschmolzen wäre, als es später unter Verlust der griechischen Dominante zugunsten slavischer Führung der Fall war. Eine gotische Verstärkung des ethnischen Substrats der Balkanländer mußte die Verteidigung des Ostreiches sowohl gegen die Steppenvölker des Nordostens wie gegen

die Perser u n d S a r a z e n e n a u f eine g a n z a n d e r e G r u n d l a g e stellen u n d d a s g e w o h n t e

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Reisläufersystem entweder überflüssig machen oder in seiner Wirkung unendlich steigern. Die Analogie der gotischen und langobardischen Volksgruppen in Italien lehrt überdies, daß die Goten zum Aufgeben ihrer Sprache und Nationalität zugunsten der kulturellen „Koine" von Byzanz weit eher bereit gewesen wären als die Slaven, die lediglich auf religiösem Gebiet Konzessionen machten. Damit hätte sich die Rolle von Byzanz als eines Bollwerks der kulturellen Kontinuität und einer europäischen Bastion gegen den Osten nicht nur wesentlich erweitert, sondern überhaupt neu gestaltet. Denn der Hiatus zwischen dem germanisch romanischen Abendland und dem Reich von Byzanz, diese balkanische Zone der Europafremdheit hat mehr als alles andere die späteren Mißverständnisse und Sonderentwicklungen des christlichen Ostens und Westens verschuldet. Damit fassen wir aber audi eine der Ursachen der ungeheuerlichen Schmälerung des europäischen Geltungsraums im weltgeschichtlichen Stadium der Überwindung der Alexandertat durch Mohammed und die Mongolen. Die anfängliche Kraftlosigkeit und spätere Reichsentfremdung des balkanischen Großraums ist nicht zuletzt Sache Zenos und Theoderichs und hat alle späteren Anstrengungen der byzantinischen Kaiser nur zu bedingter Auswirkung gelangen lassen. Aus dieser Perspektive erscheinen die unleugbaren Bemühungen eines Anastasios und Iustinian um die Verteidigung von Südosteuropa, die ihnen bezeichnenderweise vor allem durch Festungsbauten gewährleistet schien, von vornherein in einem tragischen Licht. Wenn Anastasios, dessen Regierung außenpolitisch ein großes Atemschöpfen und Innehalten, ein Kräftesammeln durch finanzpolitische Besinnung bedeutete, als erster die spätere Tschataldschalinie befestigt hat, so deutet damit er, den man nicht mit Unrecht den ersten unverkennbar byzantinischen Kaiser genannt hat, wie in einer geheimnisvollen Ideenverbindung die letzte Bastion des Byzantinertums wie auch der europäischen Türkei an. Das geschah nach dem Abzug der Goten und unter dem Eindruck der slavisch-bulgarischen Verwüstungen. Es geschah in einem Augenblick, der an der Fähigkeit zur Verteidigung der Balkanländer ernstlich zweifeln ließ und den Rückzug auf die Reichszentrale und die Nervenzentren der ostmittelmeerischen Verbindungslinien nahelegte. Was unter Anastasios längst nicht in seiner künftigen Tragweite begriffen werden konnte, waren es dodi die ersten Brandungswellen einer neuen Völkerflut, die das gefestigte und prosperierende Ostreich nicht erschüttern konnten, das mußte unter Iustinian bereits ernstlich an der Richtigkeit der eingeschlagenen Politik zweifeln lassen. So hat Prokop, ohne freilich Gegenmittel anzugeben, ein scharfes Urteil über die Balkanpolitik seiner Zeit gefällt. Denn nicht Anastasios, sondern Iustinian stand im ersten geschichtlichen Schnittpunkt der neuen Entwicklungen und hatte noch die Möglichkeit, das, was sich dank Zeno und Theoderich angebahnt hatte, durch einen energischen Einsatz der Reichsmittel aufzuhalten und umzulenken. Der Verzicht auf die Vernichtung der Vandalen, zumindest aber der Goten, hätte die Mittel freigemacht für eine welthistorische Erfüllung der Aufgaben, die Ostrom im Balkan und im eigentlichen Orient gestellt waren. Noch war die eingeschlagene Richtung kein Zwangsablauf, noch war die begonnene Entwicklung umkehrbar. Iustinian hat in seltsamem Widerspruch zu seiner balkanischen Herkunft darauf verzichtet, der Retter Europas zu werden und die welthistorische Lücke zwischen Westen und Osten zu schließen. Er hatte für diese Realitäten keinen Sinn, denn er lebte und dachte in den vorgezeichneten Bahnen der spätrömischen Tradition. Und diese verliefen im Sinne der Mittelmeerküsten auf einer streng ostwestlichen Achse. So hat er im Balkan wohl Festungen gebaut wie wenige, aber nichts für eine wirklich eingreifende Sicherung und neue Durchblutung dieser Lande getan.

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I. Einleitung

Wenn also das Urteil lauten muß, daß Kaiser Zeno sein Fernziel einer Befriedung der Balkanländer nicht erreicht hat, so kann man nicht umhin anzuerkennen, daß er Theoderich nach dem Westen lockte, um durch diesen Meisterstreich seines pfiffigen Bauernschädels die unmittelbar bevorstehenden Auseinandersetzungen, den Griff des Germanen nach der Herrschaft über Byzanz auf billige und gefahrlose Weise von seiner Person und dem Ostreich abzulenken. Mit der Bereinigung der gotischen Frage war Zeno die Klärung der innenpolitischen Situation, mit einiger Einschränkung sogar der Nachfolgefrage geglückt. Er hatte, gleich mit welchen Mitteln und um welchen Preis, zweifellos ein lohnendes Nahziel erreicht. Das mehr oder weniger obskure Völkchen der Isaurer schien unter der Führung des einstmaligen Taracosidissa und jetzigen Zeno für einen Augenblick nicht nur im Osten über die ruhmbedeckten Goten zu triumphieren, sondern sie auch im Sinne einer indirekten Beherrschung des Westens seiner Willkür zu unterwerfen. D a löste sich das Reich beim Tode Zenos überraschend von der Sache der Isaurer und bereitete ihnen das Schicksal, das schon mehrfach die in Diensten des Reiches stehenden Germanen getroffen hatte. Die Vorgänge zeigen, daß solchen pogromartigen Auftritten nicht nur der H a ß wegen Hochmut und langjährigen Ubergriffen, sondern eine bewußte Absicht zugrundelag. Seit Anastasios hat kein barbarischer oder halbbarbarischer Klüngel mehr eine Machtstellung innerhalb der byzantinischen Wehrmacht erlangt, die ihm erlaubt hätte, sich als ausschlaggebendes Element der Reichspolitik zu gebärden. Das Föderatenwesen bestand freilich weiter. Es wäre Byzanz auch im sechsten Jahrhundert niemals möglich gewesen, seine militärischen Vorhaben aus eigener Kraft durchzuführen. Dazu reichten seine Reserven an Menschenkraft weder quantitativ noch qualitativ aus. Aber jetzt wurde die Mischung der einheimischen und fremden Elemente eine Wissenschaft für sich. Man muß den Generalstäben jener Zeit zugestehen, daß sie ihrer Aufgabe gerecht wurden und den Traum eines Synesius vom römischen Reich griechischer Nation weitgehend verwirklichten und damit den besonderen Charakter des byzantinischen Staates begründeten und durch alle Versuchungen hindurch bewahrten. Kaiser Anastasios setzte das Werk des Vorgängers fort, ohne sich sklavisch an dessen politische Linie zu halten 16 . Er zeigte beim Sturz der Isauerer genug eigenen Willen, um Volk und Senat für die Anhänglichkeit an Zenos Kirchenpolitik zu entschädigen. Er verdankte der Gattin Zenos das hohe Amt, hatte es gegen den Protest des Patriarchen erhalten. Uber seine Herkunft gingen dunkle Gerüchte. Man munkelte, daß seine Eltern Arianer waren oder gar der verruchten Sekte der Manichäer anhingen. Er stand im Rufe eines persönlich untadeligen Hofbeamten. Wenn die Gunst einer Frau, die Zustimmung von Volk und Senat ihn auf den Thron hoben, so weist diese Wahl mit ihrem dynastisch konservativen und unleugbar republikanischen Einschlag jene bezeichnenden Züge glücklicher Kaiserkür auf, die auch bei Marcians Erhebung zum Wohle des Reichs zusammentrafen. Auch Marcian verdankte den Thron fast untragbaren Abhängigkeitsverhältnissen und setzte sich überraschend eigenwillig durch. Wenn Marcianus mit Recht als geborener Soldat und Feldherr gilt, so war Anastasios Zivilist und Verwaltungsmann, setzte er die zutiefst unkriegerische Linie Zenos fort, ohne darum die Zügel schleifen zu lassen. Mit dem hauptstädtischen Pöbel stand er immer auf gespanntem Fuß. Unter ihm erwarben sich die Zirkusparteien eine Routine im Randalieren, die Iustinian und Theodora fast den Thron kostete. Als Grund für die Unzufriedenheit der Massen wäre trotz mancher Steuererleichterungen die weise Sparsamkeit des Kaisers zu nennen, als Vorwand die Kirchenpolitik zenonischer Richtung. J e mehr die Hauptstadt, freilich auch hier nur gewisse Kreise, ihre Unzufriedenheit ausdrückte, desto ruhiger waren die Ostprovinzen, desto reibungsloser ging die Z u s a m m e n a r b e i t mit Theoderichs weströmischem Reich vonstatten. A u s

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dem Osten werden keine Aufstände gemeldet. Im Westen dauerte das Schisma mit dem Papsttum unverändert an, obwohl Anastasios zum Einlenken bereit war. Der Kaiser sympathisierte trotz aller schriftlichen Versprechungen, die man ihm bei der Thronbesteigung abgepreßt hatte, offen mit den Monophysiten und widersetzte sich grundsätzlich nicht einer Auslegung des Henotikon im monophysitischen Sinne. Er duldete und förderte die Tätigkeit des Patriarchen Severus in Antiochea, der die Syrer zu ebenso fanatischen Monophysiten machte, wie die Ägypter seit langem schon waren. Diesen Jahrzehnten kam eine hohe Bedeutung zu. Es schien immer mehr, als seien die Würfel im Sinne eines religiösen Föderalismus gefallen, der dem politischen Föderalismus Theoderichs auf dem Boden des Westreichs entsprach. Man stand vor Möglichkeiten wie der religiösen Vereinheitlichung des Ostreichs im Zeichen des gemäßigten Monophysitismus oder wenigstens einem modus vivendi zwischen den griechischen Verfechtern des Chalcedonense und den orientalischen Anhängern der Einnaturenlehre. Im Jahre 512 brach in Konstantinopel ein besonders heftiger Aufstand los, als der Liturgie der Sophienkirche eine monophysitische Zusatzformel einverleibt wurde. Dergleichen war in der Hochburg des rechtgläubigen Griechentums noch nicht möglich, und so mußte der Kaiser einige Tage darauf das Volk um Ruhe bitten. Er tat das in einer Form, die den byzantinischen Despotismus in eigenartigem Lichte erscheinen läßt. Er erschien ohne Krone im Hippodrom und bot seinen Rücktritt an. Die Massen begnügten sich mit blutdürstigen Verwünschungen gegen andersdenkende Minister, ließen sofort von ihren Schmähungen gegen den Kaiser ab. Es war dies eigentlich nur eine besonders eindrucksvolle und nicht ungefährliche Form des Plebiszits, dem sich jeder Kaiser dieser Epoche bei seinen ständigen Hippodrombesuchen immer von neuem zu unterwerfen hatte. Diese fortgesetzten Unruhen im Zeitalter Zenos und des Anastasios brachten noch mehr als die bedeutende Rolle des Senats eine gewisse Einschränkung der Kaisergewalt zum Ausdruck, die wohl durch rücksichtsloses Dreinschlagen im Stil der Soldatenkaiser ausgeschaltet, aber auch durch die Macht der Persönlichkeit und des Charakters zur Probe und Bewährung erhöht werden konnte. Der in Syrien beheimatete Ostpräfekt Marinus und der Stadtpräfekt Plato, beide maßgebliche Befürworter der herrschenden Religionspolitik und ersterer darüber hinaus leitender Kopf der Steuer- und Finanzreform, hatten die Mißfallensstürme der hauptstädtischen Massen auf sich gezogen und die Leidenschaften des Hippodroms, dieses gespenstischen Schattens der griechischen Agora, des römischen Forum, von der Person des Kaisers abgelenkt. Den Parteien der Rennbahn, den politischen und sozialen Gruppen, die jeweils hinter ihnen standen, dienten solche Ausbrüche als Ventil für lang angestaute Leidenschaften. Im Kampf der religiösen Bekenntnisse tobte sich der Egoismus der Gruppen auf einer höheren Ebene aus, doch schützte das nicht vor Entgleisungen. Im Hippodrom herrschte der unklare Massenwahn ordinärer Schreier, freilich gemildert durch gelegentlichen Aufschwung zu altrepublikanischer Talmigröße. Kaiser Anastasios hat sich diesen Regeln noch gefügt, obwohl auch er um drastische Verbote von einzelnen Spielen und festlichen Veranstaltungen, an denen das Feuer der Leidenschaft sich zu entzünden begann, durchaus nicht herumkam. Alles in allem regierte er demokratischer als Iustinian. Er zog in wohltätigem Wechsel die Zügel an und ließ sie locker, nie zu fest und nie leichtsinnig, immer vermittelnd, alles berücksichtigend, mehr werbend und lockend als rücksichtslos dekretierend. Obwohl er die Regierung erst als Sechziger angetreten hatte und im höchsten Greisenalter starb, fehlte ihm der doktrinär unelastische Zug seiner Nachfolger, verriet er in jeder seiner Handlungen die höfische Zucht des Diplomaten und Reichsbeamten.

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I. Einleitung

Auf Grund der Urteile Prokops und des Johannes Lydos zollte man Kaiser Anastasios besondere Anerkennung für seine Finanzpolitik. Diese Urteile müssen um so mehr auffallen, als gerade Prokop die Schmälerer gutsherrlicher Belange grimmig haßt. Und Anastasios scheint durchaus nicht immer Rücksicht auf die Landmagnaten genommen zu haben. Den unteren Klassen kam die Abschaffung des Chrysargyron zugute, indirekt wohl auch die Vermehrung der Krongüter durch Beschlagnahme isaurischen Eigentums und andere Maßnahmen. Vielleicht nähert man sich einer Einsicht in die Triebfedern der prokopschen Urteilsbildung bei Gelegenheit der Reform der Naturalsteuer, die unter dem Namen annona im Reichshaushalt den ersten Platz einnahm. Anastasios verfügte, daß diese Steuer wie in alter Zeit wieder durch Pächter einzutreiben sei, die dieses Recht meistbietend ersteigerten. Von dieser Regelung war nur eine in Syrien und Palästina beheimatete Menschenklasse, die das Hauptkontingent der persönlichen Bekannten Prokops stellt und der sowohl er wie des Anastasios Prätorianerpräfekt Marinus ihrer Herkunft nach angehören dürften, im höchsten Maße angenehm betroffen. So würde es sich erklären, daß zwar ein anderer Großgrundbesitzer, der Kirchenhistoriker Euagrios, lebhaft über die Bedrückung seiner Standesgenossen klagt, Prokop dagegen, der eigentlich dieselben Ansichten vertritt, dennoch durch andere einträglichere Interessen von einem absprechenden Urteil über Anastasios zurückgehalten wurde. Zumindest was die Finanzpolitik dieses Kaisers anlangt, denn die vorsichtige Außenpolitik mußte ihm ohnehin zusagen. Jedenfalls ist es Anastasios gelungen, den Staat vor dem finanziellen Zusammenbruch zu retten, der namentlich nach dem Scheitern der Vandalenexpedition des Basiliskos nur eine Frage der Zeit schien, ja, seinem Nachfolger die Summe von 320 000 Pfund Gold zu hinterlassen. Nimmt man hinzu, daß gerade sein Zeitalter in der Kunst, das bare Geld auf eine innenpolitisch unverfängliche Weise in gutes Blut umzusetzen, obenanstand, vielleicht sogar für die ganze Militärgeschichte der Byzantiner grundlegend war, so dürfte das ausreichen, um Kaiser Anastasios unter die großen Vorläufer der Weltgeschichte einzureihen, die Philipp von Makedonien, die Pipin, Louis X I I I und Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Sein Werk war die Akkumulation der Machtmittel, die den gewaltigen Kraftausbruch des Ostreichs unter Iustinian ermöglichten. Es liegt in der Natur dieses Verhältnisses, daß der Wegbereiter Iustinians lediglich für das Kräftepotential als solches, nicht für die etwaige Fehlleitung, die dessen eigenste Sache war, verantwortlich sein kann. Blickt man vom ernüchternden Ende der Herrschaft Iustinians auf die Regierung des Anastasios zurück, so liegt der historische Reiz dieses Auftakts in der Ballung ungeheurer Möglichkeiten, deren anastasianisch maßvolle Verwirklichung Sache eines Bluts- und Geistesverwandten dieses Kaisers gewesen wäre. Man findet in Rom und Byzanz selten Kaiserregimente von größerer Gegensätzlichkeit. Einem Zeitalter des unbedingten Primats der Außenpolitik ging eine Zeit voran, die Angriffskriege grundsätzlich vermied und neben unumgänglichen Abwehrkämpfen nur von Bürgerkriegen heimgesucht wurde. Die Auseinandersetzung mit den Isaurern dauerte fünf Jahre. Zenos Bruder Longinus entfesselte in Konstantinopel einen Aufstand, der große Teile der Stadt und das Hippodrom dem Feuer preisgab. Schließlich verlagerte sich der Krieg, nachdem Anastasios bezeichnenderweise das Heer des Gegners durch größere Geldsummen bestochen hatte, nach Phrygien, aber erst 498 wurden die letzten Rebellen in ihren isaurischen Schlupfwinkeln gestellt, in unzugänglichen Burgen und Felsennestern ausgeräuchert. Ein Teil der Besiegten mußte sich die Umsiedlung nach Thrakien, dem Versuchsfeld schwer zu behandelnder Föderaten, gefallen lassen.

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Von 493 bis 502 rasten drei Bulgareneinfälle über die Balkanländer, denen 517 ein weiterer Streifzug bis zu den Thermopylen folgte. Gewiß hat der Bau der großen anastasianischen Mauer wenigstens Konstantinopel vor den Folgen des Vakuums, das die Goten im Balkan hinterlassen hatten, bewahrt und f ü r alle Zukunft gesichert, mehr als jede andere M a ß n a h m e zu der einzigartigen militärischen Rolle dieser Stadt beigetragen. Aber schon die Verwüstung Kappadokiens durch die Sahiren, die 515 über den Kaukasus eingedrungenen H u n n e n des Kubantales, mußten den Heermeistern des Reichs f ü r die Gefahr hunnischer Umfassungsbewegungen, die eines Tages zu Zweifrontenkriegen auswachsen konnten, im Verein mit den Persern dann tatsächlich unter Herakleios zur Zernierung der H a u p t s t a d t geführt haben, ernstlich die Augen öffnen. N i m m t man den kurzen aber energischen Verteidigungskrieg gegen die Perser, den Anastasios 402—406 zu führen hatte, hinzu, so runden sich die Aufgaben, die auf die Nachfolger warteten, zum geschlossenen Bild. Anastasios hinterließ den A u f t r a g zur raumgerechten Sicherung des endlich in seiner Begrenztheit aber damit audi in seiner Bündnisfähigkeit nüchtern beurteilten Ostreichs. Er war vorangegangen mit dem Ausbau der „Tschataldschalinie" und Gründung der Bastion Dara in Nordmesopotamien. Gewaltige Aufgaben blieben im Balkan, in Armenien und dem Kaukasus ungelöst. Die Große Mauer, die das H e r z des Reichs gegen den Norden und das Völkertor am Karpatheneck deckte, war der erste Schritt zum gigantischen Bauprogramm Iustinians und belastete es dodi mit der Illusion von der errungenen Sicherheit der Balkanländer, die in Wahrheit einem bequemen Verzicht gleichkam. Die Mauer gewährte einen Aufmarschraum und eine sichere Rochadestellung f ü r jeden Verteidiger Südosteuropas, der über genügend mobile K r ä f t e verfügte. Da diese K r ä f t e von Iustinian während entscheidender Jahre anderen Räumen zugewiesen wurden, einer imperialistischen Angriffspolitik dienen mußten, verurteilte er seine trotz allem unleugbaren Bemühungen um den Balkan von vornherein zur Erfolglosigkeit, denn Bauten allein konnten einen so gefährdeten Raum nicht sichern. Unter Theoderich dem Großen, den sein Lobredner als den neuen Traían begrüßte, w a r Italien zu neuem Glanz erwacht und wirkte noch einmal wie eine lebensj sendende Zentralsonne in das endlich wieder sinnvolle System seiner Nachbarräume hinein. Es scheint, als habe Kaiser Anastasios diesen Versuch nicht so sehr künstlicher Galvanisierung als einer tatsächlich, geistig und moralisch neuartigen Durchblutung Westroms nicht grundsätzlich abgelehnt, zumal Theoderidi ihm jahrzehntelang die ideelle H e r r schaft über das „andere Italien" ungeschmälert überließ, soweit das angesichts der religiösen Dissonanz zwischen Kaiser und Papst überhaupt geschehen konnte. Zu einer wirklich freundlichen und wohlwollenden Haltung hat sich auch Anastasios nicht durchringen können, denn dergleichen war aus ideologischen Gründen unmöglich. Aber er hat auch nicht hinterlistig sein Gold gehäuft, um bei passender Gelegenheit loszuschlagen, er dachte überhaupt nicht daran, eines Tages aufs Ganze zu gehen. Seine Politik paßte sich mit ausgeprägtem Wirklichkeitssinn jenem Föderalismus an, den Theoderidi kraft eines gleichwertigen Gefühls f ü r Realitäten und weit überlegenem Schöpfergeist zum Leitmotiv des Zeitalters und Vorklang des germanisch romanischen Europa der Zukunft erhoben hat. Der greise Anastasios übersprang innerlich das Jahrhundert Iustinians und verhielt sich nicht anders, als spätere Kaiser von Byzanz sich wohl oder übel verhalten mußten. Er rechnete mit den vorhandenen Mächten und verzichtete, so vertraut ihm auch die Weltreichsideologie seines hohen Amtes sein mochte, grundsätzlich auf eine iustinianische Donquichoterie, nahm aber dafür jede Chance wahr, um den Gegner oder Freund diplomatisch zu überspielen, wie das unter gleichberechtigten Staaten und Staatensystemen üblich ist.

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I. Einleitung

Den ersten Zusammenstoß provozierte Theoderich selbst, indem er es zuließ, daß sein General Pitzias 5 0 4 beim K a m p f gegen die Gepiden die bulgarischen Verbündeten des Ostreichs angriff. Das Mißverständnis wog doppelt schwer, weil sein Schauplatz der balkanische Spannungsraum war, auf den das Ostreich bei aller Gleichgültigkeit niemals verzichten konnte. Anastasios reichte dem sehr viel tätigeren Gegner Theoderichs, dem Franken Chlodwig, die H a n d und brach 5 0 6 im Einverständnis mit den Vandalen in Unteritalien ein. Sieht man die Dinge von Norden, enthielt diese K o m bination zweifellos alle Keime der iustinianischen Einkreisung und Aggression. Ein erstes Zittern ging durch den Riesenbau der hegemonialen Idee Theoderichs. Stellt man sich auf den Standpunkt von Byzanz, so bleibt die Tatsache bestehen, aber ihr Ausmaß reduziert sich unwillkürlich. Es bleibt eine maritime Strafexpedition, die beim ersten diplomatischen Einlenken Theoderichs sinnlos wurde. In der T a t sind keine weiteren Verwicklungen aus diesem Konflikt entstanden. Eine neue Abkühlung des Verhältnisses zwischen Kaiser und König trat 515 über der leidigen Kirchenfrage ein. Wieder einmal setzte sich der immer friedfertige, überlegen vermittelnde Theoderich für die Interessen des Papsttums ein und befürwortete die Wiederherstellung der Kirchengemeinschaft zwischen R o m und Byzanz. Anastasios spielte die kürzlich zum Katholizismus übergetretenen Burgunder gegen Theoderich aus und knüpfte die verräterischen Verbindungen mit dem Senat Altroms enger. D e r G o t e antwortete nicht mit unfreundlichen Handlungen, sondern überließ der Zeit und seiner geschickten Diplomatie die Beilegung des Zerwürfnisses. Es ließ sich freilich nicht verleugnen, daß nach Zeiten eines fast herzlichen Einvernehmens zwischen Osten und Westen nun auch abgesehen von einzelnen mehr oder weniger rasch beigelegten Zwischenfällen eine leichte Abkühlung eingetreten war. Seit Jahren fanden Standespersonen aus Italien, die mit der gotischen Regierung gebrochen hatten, im Ostreich eine auffallend begeisterte Aufnahme. M a n konnte von einer politischen Emigration sprechen, deren Tätigkeit einstweilen nodi durch den religiösen Zwiespalt zwischen Kaiser und Papst gehemmt war, im Falle seiner Beilegung, die Theoderich gleichwohl großherzig förderte, leicht die Hetzer und Schürer eines neuen Krieges stellen konnte. Sie waren die V o r k ä m p f e r des anderen Italien, das dem Kaiser freilich nicht nur auf diese illegale Weise zu Gebote stand, sondern ihm gesetzlich Untertan war. Denn so wenig Theoderich das Bild des Kaisers von den Münzen verbannte, so wenig beschnitt er den Verkehr der Senatoren, Römer, Italer mit ihrem kulturellen Mittelpunkt Byzanz, solange dieser Verkehr nicht ausgesprochen hochverräterische Formen annahm und auf gesetzlich unzulässige konfessionelle oder politische H e t z e hinauslief. Tausend Einzelheiten der gotischen Innenpolitik, vor allem die T o n a r t der gotischen Kanzlei, die dem Kaiser eher zu viel als zu wenig Ehre zukommen ließ, beweisen die Vielfalt der Möglichkeiten, die dem Ostreich innerhalb des Gotenstaates zu Gebote standen. Theoderich hatte das Westreich wieder auferstehen lassen, hatte die verlorenen Provinzen durch seine politische und moralische Fernwirkung, vor allem durch seine dynastische Heiratspolitik, zu einem föderativen System vereinigt, für das wohl die weltgeschichtliche Stunde, aber nicht das Verständnis in B y z a n z gekommen war. Iustinian versagte da k r a ß , aber vielleicht wäre auch Anastasios als jüngerer M a n n in dieselbe Kriegspolitik hineingeraten. Den ideologischen Einwirkungen seiner Stellung und Kanzlei unterlag auch er, obwohl längst nicht in dem Ausmaß wie der Kompilator des römischen Rechtes. Das Ostreich besaß zwei Möglichkeiten, auf den Gotenstaat einzuwirken. Einmal als Bündnispartner des realen Machtgebildes, zum anderen als stimmberechtigter Teilhaber an der innenpolitischen, geistigen und religiösen Auseinandersetzung innerhalb seines mehrschichtigen Staats- und Volkskörpers. Diese Möglichkeiten wogen schwerer als das angeblich rassenreine Römertum

Tafel 1

Hagia

Sophia

(Fossati)

Tafel 2

a) Anastasius Konsul $ιγ lon: Kaiser Anastasios).

(im

Giebelmedail-

Diptychon

b) lustinianus, Konsul ¡21.

Diptychon

3. Konstantius bis Anastasios

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der jüngstvergangenen Verfallszeiten. Ein Diplomat von geistigem Gewicht hatte jederzeit die Aussicht, den Ostgotenstaat vor seinen Wagen zu spannen und mit seiner Hilfe den schwach gewordenen Arm des Römerreichs nodi einmal bis zu den Säulen des Herkules zu recken. Das Ostreich hatte mit der Gelegenheit zu religiös propagandistischer Einwirkung alle Trümpfe in der Hand. Nutzte es sie richtig, summierten sich die Chancen. Nutzte es sie falsch, so mußte der Westen auf die Dauer nicht nur machtpolitisch, sondern auch innerlich verloren gehen, mit Ausnahme von vorgeschobenen Stützpunkten im Sinne des altgriechischen Küstendenkens und mittelalterlicher Burgenherrlichkeit. Der Preis, den Iustinian für s e i n e n Weg nach Gibraltar zahlte, war zu hoch. Das Verhältnis zwischen dem Ostreich und dem Gotenstaat blieb also während der letzten Jahre des Kaisers Anastasios leicht gespannt. Die hinhaltende Politik Theoderichs wurde nun in einem wichtigen Fall, in der Frage der Anerkennung seines Sohnes Eutharich als Nachfolger, gegen ihn selbst angewandt. Darüber starb aber Anastasios, und es gehört zu den Grotesken der Weltgeschichte, daß die Dynastie des Vernichters der Vandalen und Goten zunächst nicht nur ein erträgliches Verhältnis, sondern eine herzliche Freudschaft der beiden Reiche wiederherstellte. Im Jahre 518 hat nicht nur Iustinus das Gegenteil von allem getan, was ihn und seinen Nachfolger vom Vorgänger unterscheidet, sondern dasselbe tat auch Theoderich in einer fast selbstmörderischen Lust an der Vereinigung der bisher verfeindeten Kirchen in Rom und Byzanz. Selten hat diesen Großen die charismatische Sicherheit des Denkens und Handelns so völlig verlassen wie in diesem Augenblick. Und doch ehrt es ihn und hebt ihn hoch über den Eigennutz der Byzantiner, wenn er den zweifellos auch anders zu erlangenden Augenblickserfolg einer vermeintlichen Sicherung der Nachfolge mit dem Zugeständnis der Erfüllung grundsätzlicher Notwendigkeiten der Weltgeschichte bezahlte. In der von den Goten aufgegebenen Balkanhalbinsel saßen zwar noch andere germanische Stämme, darunter die Gepiden, aber die Einfälle aus dem Nordosten, das immer stärkere Einfiltrieren von seßhaften Siedlern bulgarisch-slavischer Herkunft zeigte, wie sehr der ethnische Charakter des Nordens der Halbinsel in diesem Sinne verändert wurde. Obwohl der Aufbruch der Slaven um Generationen hinter dem der Germanen im Rückstand war, ließ schon dieses erste Stadium feindlicher oder freundschaftlicher Beziehungen zum Reich erkennen, daß ihre Erscheinungsformen den wohlbekannten Vorgängen der germanischen Völkerwanderung nicht allzu unähnlich sein würden. Im letzten Jahrfünft des Kaisers Anastasios schlossen sich die vielen religiös oder sozial unzufriedenen Elemente dem Föderatenführer Vitalianus an, dessen geistiger Ort weit eher in der jungen Tradition der beiden Theoderich als in der uralten römischer Gegenkaiser zu suchen ist. Er besaß zunächst die Dienststellung eines comes foederatorum und seine Macht beruhte offensichtlich auf Bulgaren, Slaven, balkanischen Restgoten und sonstigen Germanen. Alles spricht dafür, daß er nicht nur dienstlich, sondern durch enge Familienbande auch persönlich an die Bulgaren und Slaven gebunden war. Man darf Vitalian gewiß nicht neben den Amaler Theoderich stellen, den nicht nur kühne Taten, sondern der Zauber uralten Herrscheradels schon als Jüngling mythisch verklärte. Der Grad der landsmannschaftlichen oder wenigstens verwandtschaftlichen Bindung an das hunnoslavische Hauptkontingent der Anhänger entsprach wohl nicht einmal dem Verhältnis des Theoderich Strabo zu seinen Anhängern. Dafür lebte er weit selbstverständlicher in der römischen Tradition als die beiden Theoderiche. Sein Aufstieg zum Würdenträger des Ostreichs wirkt glaubhafter. Und doch stempelt ihn gerade das zum frühen doppelgesichtigen Vorläufer des slavisch-bulgarisdien Zeitalters der Balkanländer. Rubin, Iustinian IV

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I. Einleitung

Der Aufstand begann nicht anders als unzählige Gotenrevolten der beiden vergangenen Jahrhunderte. Es ging um den Unterhalt, den Hypatios, der Neffe des Kaisers, also eine ungewöhnlich exponierte Persönlichkeit, in seiner Eigenschaft als magister militum Thraciae an die föderierten Truppenkontingente abzuführen hatte. Die örtlich begrenzte Kritik an einer Person entwickelte sich rasch zur Kritik am System. Vitalians Versuch, einen allgemeinen Aufstand im Ostreich zu entfachen, scheiterte freilich, denn ungeachtet diplomatischer Fernwirkungen der Bewegung bis Rom und Ravenna und allen Beeinflussungsversuchen zum Trotz reagierten die nichtbalkanischen Gebiete des Ostreichs nur schwach. Und dies, obwohl Vitalian neben den Volksbelangen und Dienstproblemen seiner Föderaten die universalste, für den westlichen Teil des Ostreichs vordringliche Sache zur seinen gemacht hatte, indem er für die Kirchenunion im Sinne des Chalcedonense eintrat. Unbeschadet der Augenblickshilfen, durch die Anastasios gefährliche Lagen meisterte, hat man den Eindruck, daß der Genius von Byzanz im Sinne jener senatorischen Barbarenfeindlichkeit, die Synesius klassisch formuliert hat, abermals von Männern und Methoden abrückte, die den Lebensrhythmus des erwachenden Romäertums für Eigennutz und Gruppenehrgeiz opferten. Vitalian beseitigte 513 zwei hohe Offiziere, die seinen Absichten im Wege standen, und konnte nach ersten Erfolgen mit gewaltig verstärktem Heer vor der Hauptstadt erscheinen. Der Kaiser begegnete dem Schlag zunächst nicht militärisch, sondern ließ den Heermeister der Präsenztruppen, Patricius, mit dem Aufrührer verhandeln. Er zog die Offiziere Vitalians durch Bestechung so weit auf seine Seite, daß sie ihren Herrn zur Rückkehr nach Mösien bestimmten. Anastasios wollte Zeit gewinnen, Truppen sammeln, die Moral von Kleinasien festigen und auf die Empörer propagandistisch einwirken. Er senkte die Steuer für die Lebensmittelimporte nach Bithynia und Asia um den vierten Teil. Die Truppen Vitalians wurden von der Mauer herab durch Wort und Schrift propagandistisch beeinflußt. Vor allem gestand er zu, daß die Entscheidung über das Schisma in Rom fallen solle und setzte Hypatios ab. Dessen Nachfolger wurde nach einigen Anfangserfolgen bei Nacht erschlagen. Dann brach Hypatios mit zahlreichen Truppen auf, errang gleichfalls einen unbedeutenden Erfolg und bezog bei Varna ein Lager in der Form der Wagenburg, wo sein Heer vernichtend geschlagen wurde und er selbst in Gefangenschaft geriet. Später erbeutete Vitalian auch noch das Lösegeld für Hypatios und verbrachte den Winter unangefochten in dem Bereich der Provinzen Moesia und Scythia, die ihm mit allen Städten und Festungen zugefallen waren. Im Jahr darauf sammelte er eine Flotte von 2000 Schiffen und besetzte den Bosporus. Mit solchen Faustpfändern trat er erneut in Verhandlungen, erpreßte ein nochmaliges Lösegeld und seine Ernennung zum Heermeister von Thrakien. Der Kaiser beraumte unter dem Druck Vitalians für 515 ein Generalkonzil nach Heraclea an, das aber nie zusammentrat, weil der Briefwechsel mit Papst Hormisdas die Unversöhnlichkeit der Standpunkte nur noch klarer hervortreten ließ. Überdies veränderte sich die militärische Lage rasch zugunsten der Zentralgewalt. Die kombinierten Operationen Vitalians zu Wasser und zu Lande erweckten bei der Bevölkerung zweifellos den Eindruck einer Wiederaufnahme der Absichten der beiden Theoderiche, insbesondere des Strabo. Aber trotz eines geringfügigen Aufstandes im Hippodrom zeigten sich Volk und Regierung verhältnismäßig krisenfest. Wenn auch Vitalian zweifellos über größere Vertrautheit mit der Mentalität der Hauptstadt verfügte als die Gotenführer, so konnte das den Eindruck, den seine Truppen machten, niemals verwischen. Dem Westlertum des Bekenntnisses widersprach die östliche Physiognomie der Bekenner. Als Vitalian 515 den Herzstoß führte, glitt seine Hand

4. Iustinus

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ab und kein Verräter kam ihm zu Hilfe. E r stieß mit seiner Flotte bis ins Goldene Horn nach Syke-Galata vor, hoffte, die Hauptstadt im Handstreich zu überrumpeln. Seine guten Verbindungen zu den Heermeistern bei Hofe nützten ihm wenig, denn beide verzichteten auf den Oberbefehl, um im Falle einer Niederlage den Verdacht des Hochverrats auszuschalten. Die Gesamtleitung der Operationen wurde, unendlich bezeichnend für Anastasios, einem Zivilisten übertragen. Marinus entledigte sich der ungewohnten Aufgabe mit dem gewohnten Geschick und lieferte eine Schlacht, der die Anwendung neuartiger Kampfmittel ein zukunftsweisendes Gepräge verlieh. Hier wurden im erstmaligen Einsatz einer Art griechischen Feuers Methoden durchexerziert, die für die Verteidigung gegen Araber und Slaven zum Vorbild werden sollten. Zweifellos hat sich der Freundschaftsbund des allmächtigen Ministers mit dem athenischen Forscher und Erfinder Proklos glänzend bewährt und den archimedischen Punkt der künftigen Reichsverteidigung zum erstenmal bewußt gemacht. Auf einem Schnellsegler kommandierte Iustinus, der kommende Kaiser. Er führte den entscheidenden Gegenstoß gegen die Flotte Vitalians, brachte sie in Verwirrung und schuf so eine Lage, die Marinus unentwegt nachstoßend zur völligen Vernichtung des Gegners ausnutzte. Vitalian floh bei Nacht nach Anchialos, wo er sich in den nächsten Jahren unangefochten, aber seiner Machtgrundlage beraubt, aufgehalten hat. Er kann als der große Lehrmeister der Hunnen und Slaven des iustinianischen Zeitalters gelten. E r enthüllte ihnen die Verwundbarkeit des Reiches, gewöhnte sie an das Erpressen von Geldern, unterwarf die Massen ihrer Westsiedler militärischem Drill und gab ihren Führern ein unvergeßliches Beispiel für kombinierte Operationen zu Lande und zur See. Drei Jahre nach diesem Erfolg ist Kaiser Anastasios hochbetagt gestorben. Das Reich atmete auf, denn sein Regiment war nicht streng, aber genau. Die Nachfolger sollten bald zeigen, was der oströmische Staat aus sich herausholen konnte und haben das bis zur Erschöpfung der letzten Kräfte und Reserven getan. Die bleibenden Leistungen, die sie trotzdem vollbrachten, sind aber mit ein Verdienst des Kaisers Anastasios des Ersten, der unabdingliche Grundlagen und Voraussetzungen der renovatio imperii geschaffen hat. 4. Die

Begründung

der durch

iustinianischen Iustinus

Dynastie

Auch des Kaisers Anastasios Bild schwankt zwischen H a ß und Gunst der Parteien. Doch gerade der heftigste Meinungsstreit, den keine andere Instanz als die gesamte Christenheit ausfocht, verlohnt nicht der Mühe, notiert zu werden, denn es ging nicht um Wert oder Unwert des Mannes. Die Meinungen standen je nach dem zufälligen Bekenntnis des Urteilenden von vornherein fest. Wer die Grundsätze des Konzils von Chalkedon auf seine Fahnen geschrieben hatte, rief dreimal Wehe über den Ketzerkaiser. Immer wieder rasten Aufstände durch Hauptstadt und Provinzen, die dem besonnenen Greis das Regieren schwer machten und meist nicht starr und sauertöpfisch niedergeknüppelt, sondern mit all der nachgiebigen Zähigkeit eines durch zahllose Anfechtungen gegangenen Hofbeamten beschwichtigt wurden. Schon eher richtete sich die Kritik an der Sozialpolitik oder auch an der Außenpolitik gegen die Persönlichkeit des Kaisers. Hier wurde nicht nur seine Gesinnung, sondern die Fähigkeit in Zweifel gezogen. Doch ließ die Rechtfertigung nicht lange auf sich warten. Die Opposition gegen Kaiser Iustinian hat die Oppositionellen der Zeit des Anastasios aufs Energischste Lügen gestraft. Man schoß sogar über das Ziel hinaus und verklärte mit all der Romantik, die dem frondierenden Senat Zeit seines Bestehens nicht weniger eigen war als etwa dem unverbesserlichen Romantiker und Weltverbesserer Iustinian, IV·

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I. Einleitung

verklärte und überzuckerte selbst die Schwächen des nüchternen Anastasios. Die Rechtgläubigkeit sah sich, einmal im gefahrlosen Besitz der Macht, zum selbstverständlichen Gut des Alltags herabgewürdigt und erlebte in den Reihen der eigenen Gläubigen kritische Ausbrüche aus tausend zumeist nicht einmal religiösen Gründen. Ausbrüche, die nicht etwa die Sache des Glaubens, sondern die Persönlichkeit seiner Verfechter betrafen, also vor der Person des Vorkämpfers aller Gläubigen, Iustinian, am wenigsten haltmachen konnten. Das Erbe der Regierungen des Anastasios und Iustinians erweist sich auf dem ideengeschichtlichen Seziertisch reich an der inneren Widersprüchlichkeit politischer Antinomie. Es fehlt nicht an tragikomischen Frontverwechslungen. Aber die große Linie ist da, sowohl unter dem vorsichtigen Anastasios wie erst recht unter dem ungestümen Neuerer Iustinian. Das verleiht dem Wechsel der Regierungen im Jahre 518 die Dramatik eines Systemwechsels. An einem Tage war alles erledigt, der neue Herrscher Iustinus gewählt und bestätigt 17 . Es ging turbulent genug zu, doch scheint es, daß die Politik des Anastasios nicht eigens umgebracht zu werden brauchte. Sie starb mit ihrem Verfechter eines natürlichen Todes. Denn weshalb hat der 88jährige Anastasios keinen Nachfolger bestimmt? Er mußte zweifellos die öffentliche Meinung berücksichtigen, und hier dominierte trotz aller Erfolge der Monophysiten und der vermittelnden Partei des Henotikon seit Zeno und seinem Patriarchen Akakios zumindest in der Hauptstadt die rechtgläubige Partei der Anhänger von Chalkedon. Darum muß die wahre Entscheidung in der Zeit unmittelbar vor dem Tode des Kaisers Anastasios gesucht werden. Es ist schwer, dieser Zusammenhänge habhaft zu werden, denn im Gegensatz zur Diktatur pflegen monarchische Regierungen ihre illegalen Anfänge mit schamhaftem Schweigen zu übergehen. Auf die Erwähnung Vitalians darf man in diesem Zusammenhang fast verzichten. Dieser Gote machte aus dem Herzen keine Mördergrube und war ein offener Gegner. Gefährlicher waren die Freunde des alternden Kaisers. Noch vor seinen eigentlichen Mitarbeitern, den hohen Reichsbeamten und Ministern, zählen seine Blutsverwandten zu den Anwärtern auf die Nachfolgeschaft. Warum hat Anastasios keinen von ihnen zum Nachfolger bestimmt? Da war zunächst der langjährige Heermeister Hypatios, Neffe des Kaisers und Gegenstand eifriger Lobpreisungen im Panegyrikos Priskians 18 . Und er war nicht der einzige. Noch Prokop und Euagrios verzeichnen unwillig, daß die zahlreichen Verwandten des Anastasios beim Thronwechsel des Jahres 518 um die Macht betrogen wurden. Hypatios war der Höchststehende aus diesem Kreis, aber er hatte mit seinem Ansehen schlecht gewirtschaftet. Schon im Perserkrieg genoß er zweifelhaften Ruf und wenn er auch half, Amida von den Persern zu befreien, und an der Donau nicht ohne Auszeichnung gegen die Barbaren kämpfte, so ging seine Reputation beim Bürgerkrieg Vitalians völlig in die Brüche. Vermutlich hat der Gote schon im Gedanken an die Nachfolge es darauf angelegt, den Neffen des Kaisers verächtlich zu machen. Nach der unsicheren Lesung des syrischen Zachariastextes hat ihn Vitalian in einem Schweinestall gefangen gehalten und vor der ganzen Armee verhöhnt 19 . So unwahrscheinlich das nach den ungeschriebenen Gesetzen des Zeitalters auch sein mag, es genügte schon, daß der alte Kaiser seinen Neffen für die unglaubliche Summe von 5000 Pfund Gold auslösen mußte. Hypatios hatte damit die Anwartschaft auf die Krone verspielt, mit Gewißheit in den Augen der Menge, vielleicht auch beim Kaiser, der freilich nodi andere Ursachen hatte, dem Neffen seine Gunst zu entziehen. Denn es ließ sich nicht verheimlichen, Hypatios liebäugelte mit den Orthodoxen. Wenige Jahre nach der Niederlage setzte er die in höchster Not gelobte Wallfahrt zum heiligen Grabe in die Tat um. Kyrillos von Skythopolis, der Biograph des hl. Saba, verzeichnet mit Genugtuung die ablehnende Haltung des hochgeborenen Palästinapilgers gegen den Patriarchen Severus von Antiocheia,

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den Führer der Monophysiten im Kampf gegen die rechtgläubigen Feinde des regierenden Kaisers 20 . Wenn Hypatios sich in religionspolitischen Angelegenheiten als unzuverlässig herausstellte, so bereiteten die übrigen Verwandten des Anastasios noch größere Enttäuschungen. Des Kaisers Neffe Pompeius 21 stand im Briefwechsel mit dem Papst und zählte zu den eifrigsten Anhängern der Orthodoxie, ebenso seine Gattin Anastasia und deren Freundin Iuliana, eine Tochter des weströmischen Kaisers Olybrius 22 . Diese beiden Damen besuchten schon im Jahre 512 den Hl. Saba bei seinem Aufenthalt in Konstantinopel und bekannten sich damit zum Chalcedonense. Im selben Jahr wurde Areobindos, der Heermeister des Ostens und Gatte Iulianas, bei orthodoxen Unruhen in Konstantinopel zum Gegenkaiser ausgerufen. Das Haus des Pompeius wurde bei demselben Anlaß von Aufrührern verbrannt. Man sieht, welche Querverbindungen es gab und wie audi innerhalb der Herrscherfamilie die Fronten unheimlich rasch wechseln können. Pompeius und Probus, beide Neffen des Kaisers, wurden auch unter dem Nachfolger als Heerführer verwendet. Es waren nicht die einzigen Beziehungen des Hauses Anastasios zur neuen Dynastie, dodi fallen sie am meisten in die Augen und stellen der Loyalität der Familie ein schlechtes Zeugnis aus. Eine andere Iuliana war Tochter des mit Anastasios verwandten Consularen Magnus und wurde Schwägerin des Kaisers Iustinus. Nicht einmal schimpflicher Tod der Vorfahren konnte dem Glanz dieser Prinzen etwas anhaben. So hat Kaiserin Theodora einen Enkel des 532 im Nikaaufstand hingerichteten Hypatios von dessen Sohn Pompeius mit ihrer Nichte Preiecta verheiratet. Auch Caesaria, die Schwester des Kaisers Anastasios, unterhielt unter seinem Nachfolger Beziehungen zu dem flüchtigen Monophysitenführer Severus, blieb also der Religionspolitik des Bruders treu, behielt aber ihre einflußreiche Stellung in der Hauptstadt. Damit haben wir im Familienarchiv des Anastasios genug gestöbert. Als Lehre ergibt sich von selbst, daß die religiöse Spaltung (ähnlich wie Prokop über die Zirkusparteien seufzt) mitten durch die Familien, nicht zuletzt auch die kaiserliche, hindurchging23. Aber die Sache war nicht so tragisch, wie man glauben könnte, denn die Familie wurde dadurch keineswegs zerrissen. Die herrschende Schicht teilte den Fanatismus der Menge durchaus nicht. Gewiß beruhte die religiöse Einstellung des Einzelnen, abgesehen vom Zufall der Geburt, oft auf freier Gewissensentscheidung. Auch die Glaubensfanatiker unter den Gebildeten und erst recht die Großen dieser Welt besaßen einige Eigenschaften, die für jeden, der sich im Diesseits zurechtfinden wollte, so gut wie unentbehrlich wahren: Toleranz, gesellschaftliche Rücksichtnahme und politischen Opportunismus. Das Blutvergießen überließ man der fanatischen Menge. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß Kaiser Anastasios und seine orthodoxen, also von seinem Standpunkt aus häretischen Verwandten, nicht viel anders als Iustinian und Theodora, die sich öffentlich zankten und heimlich zuzwinkerten, mit den Konfessionen Katz und Maus gespielt haben. Aber wie dem auch sein mochte, der Name Anastasios war ein Programm. Unzweifelhaft hat die politische Opposition sich auch der christlichen Gesinnungsgenossen unter der Umgebung des Kaisers bedient. Wieder hält man unwillkürlich inne. Sollte der Kaiser nicht absichtlich die Spaltung geduldet oder gar gefördert haben, um seiner Familie auf jeden Fall die Nachfolge zu sichern? Es lagen genug Anzeichen vor, daß der bisherige Kurs nicht zu halten war. Wer weiß, ob nicht die guten Katholiken im Familienschoß für diesen Fall als strategische Reserve dienten? Die zweideutige Haltung des Favoriten Hypatios, der sich beide Möglichkeiten offenhielt, scheint das zu bestätigen.

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Aber mit unendlicher Klugheit und Mäßigung hat Anastasios keinen Finger für seinen Neffen Hypatios gerührt. Er wußte nur zu gut, was es mit der Abstammung des wackeren Generals von Pompeius dem Großen auf sich hatte. U n d der letzte Gassenjunge wußte es ebenfalls. Den Hofbeamten aus Dyrrhachium (Durazzo) umwitterte nicht das Geheimnis der großen Herrscherhäuser. Die Siege, die seinem Geschlecht den Zulauf der Menge und den Jubel der barbarischen Soldateska hätten sichern können, waren ausgeblieben, für immer verscherzt vom Prinzgeneral Hypatios. Die Geschichte hat nun einmal für kluge Säckelführung und frostige Tugenden kein Verständnis. Sie läßt einen Anastasios und sein Werk unter den flüchtig verzeichneten Vorläufern verschwinden und erhebt den Verschwender Iustinian auf den Schultern Beiisars in den Himmel der Unsterblichkeit. A m H o f e Theoderichs erzählte man eine Anekdote, die den N a g e l auf den K o p f trifft. Einst wollte Kaiser Anastasios die Nachfolgefrage durch ein Gottesurteil klären. Er lud seine Neffen Pompeius, Probus und Hypatios zu Gast und wies ihnen zu später Stunde drei Betten an, deren eines zu Häupten wohlverborgene Insignien der Kaiserwürde trug. D a aber zwei der Neffen aus brüderlicher Liebe ein Bett teilen wollten, blieb das Lager des künftigen Kaisers leer. Nüchterner ausgedrückt: Man wußte in Ravenna, daß die Anastasiosneffen sich zwischen alle Stühle gesetzt hatten, keinen Rückhalt in Volk und Armee besaßen 24 . U n d doch gab es audi für diese Partei nodi eine Möglichkeit. Sie gründete sich auf die Macht der Eunuchen im Kaiserpalast und bestand im Verzicht auf eigene K a n d i datur zugunsten eines Strohmannes des Großkämmerers Amantios. Es sollte sich zeigen, ob diese extrem zivile Lösung sich durchsetzen würde. Die ernsthaftesten Kandidaten mußte der Kreis der Generale und Minister stellen. Wie gewöhnlich kamen nur die am H o f e tätigen Würdenträger in Frage. Trotzdem lohnt sich ein Seitenblick auf den Exgeneral Vitalianus, der seit seiner Niederlage in einer thrakischen Kleinstadt lebte, aber erst recht seinen Schatten auf die Weltpolitik warf. Als Thronkandidat kam der Gote und Rebell wohl kaum in Betracht. Doch mußte er allein durch den Schrecken seines Namens beschleunigend auf den Wahlakt wirken. J e rascher die K u n d e vom neuen Träger der kaiserlichen Gewalt nach seinem Sitz Anchialos eilte, dem nördlichen Sperrfort der Bucht von Burgas im heutigen Bulgarien, desto sicherer war man vor unangenehmen Überraschungen. Denn Vitalianus zählte zu den angesehensten Vorkämpfern des katholischen Christentums. Vielleicht verbanden ihn allgotisdie Realitäten (nicht Träume) mit dem großen Theoderich. Jedermann weiß, wie weit die landsmannschaftlichen Beziehungen der Goten damals reichten: vom Atlantik bis ins Schwarzmeergebiet, von Skandinavien bis zur Sahara. Tatsache ist seine unaufhörliche Zusammenarbeit mit dem Papst, dem er als Werkzeug gegen den schismatischen Kaiser diente. Er wird noch immer über gewaltige Summen verfügt haben. Männer wie er konnten Armeen aus dem Boden stampfen, zumal mitten im thrakischen Menschenreservoir und unweit der Donaugrenze. Seine Verbindungen zu den katholischen Kreisen der H a u p t s t a d t machten ihn zum einflußreichen Faktor bei der Wahl. So hat audi er während der letzten Monate des Kaisers Anastasios seine Fäden gesponnen 2 5 . D a s Finanzgenie Marinus dürfte auf eine Kandidatur verzichtet haben. Er scheint von allen Prominenten dem alten Kaiser noch am ehesten geistesverwandt und hatte seinen zivilen Erfolgen soeben den militärischen Triumph über Vitalianus hinzugefügt. Obwohl das Volk gegen ihn murrte oder vielleicht gerade darum galt er den Nachfolgern für loyal. Der 517 bezeugte Prätorianerpräfekt des Ostens, Sergius, scheint

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um diese Zeit des Thronwechsels noch sein Amt innegehabt aber keine politische Rolle gespielt zu haben. Er wird nirgends erwähnt, dürfte als ausgesprochener Fachminister zu werten sein26. Aber es gab zwei Männer, deren Stellung bei Hofe besondere Möglichkeiten in sich schloß. Das waren die Kommandanten der Leibwache, Celer und Iustinus. Der erste ein berühmter General, ja eigentlich Generalissimus 'im Perserkrieg, einer der Erfolgreichen, die sich nicht ohne Berechtigung über den Unglücksprinzen Hypatios erhaben fühlten 27 . Er vereinigte als magister officiorum die Befugnisse von mehr als einem neuzeitlichen Minister in seiner Hand, dodi war seine Stellung vorzugsweise ziviler Natur. Nebenbei kommandierte er die Scholaricr und Kandidaten, Nobelgarden des Palastes ohne militärische Bedeutung28. Mit einem Celer konnte sich Iustinus nicht vergleichen. Er stand auf der höfischen Rangleiter wesentlich tiefer, aber ihm war die eigentliche Begleittruppe des Kaisers unterstellt. Als comes excubitorum 29 hatte er kürzlich im Entscheidungskampf gegen Vitalianus den Stoß geführt, der den Sieg brachte. Wenn es damals eine Prätorianergarde gab, dann waren es die excubitores, und ihr Führer Iustianus wußte um die Möglichkeiten dieser Schlüsselstellung. Nach späten Chronisten soll er in den letzten Tagen des Anastasios konspiriert haben und wie sein Neffe Iustinian mit knapper Not dem Tode entgangen sein30. Das klingt zunächst unwahrscheinlich, da ihm gerade der Hauptbewerber am Wahltag Vertrauen schenkte, also keinen Vorstoß von dieser Seite erwartete. Dodi darf es als sicher gelten, daß Iustinus und Iustinian ihren Schritt zumindest heimlich von langer Hand vorbereitet hatten. Ihr Verhalten nach dem Sieg beweist, daß sie mit Vitalian in Verbindung standen. Zweifellos liefen die Fäden der Opposition gegen Kaiser Anastasios in der Hand Iustinians zusammen. Die ersten Wochen der Herrschaft Iustins waren nichts anderes als ein Sammeln aller Elemente, die das vergangene Regime bekämpft hatten. Im entscheidenden Augenblick warf Iustinus seine Stellung und sein militärisches Verdienst in die Wagschale. Er konnte das nur, weil er gemeinsam mit Iustinian das Gelände sondiert und die ausschlaggebenden Persönlichkeiten schon vorher auf seine Seite gebracht hatte. Und da scheint er vor allem mit Celer im Bunde zu stehen. Der äußere Ablauf der Dinge zeigt die beiden zwar als Konkurrenten. Aber Celer war päpstlich gesinnt und stand Vitalianus nahe. Er gehörte zu den Männern, auf die Kaiser Anastasios zählen konnte, wenn es die Reichsangelegenheiten galt, die aber in religionspolitischen Dingen starke Vorbehalte machten. Und in der Nachfolgefrage wogen die konfessionellen Gesichtspunkte schwer. Celer war dem Kaiser persönlich ergeben, geriet aber durch seine Stellung in seelische Konflikte, so etwa, wenn er die Verbannungsstrafe an dem katholischen Patriarchen Makedonios zu vollstrecken hatte. Offen bleibt die Frage, warum er nicht selbst die Hand nach dem Purpur ausstreckte. Vermutlich war er zu alt. Hätte er ernstlich andere Bewerber unterstützt, so wäre sein Schicksal in den ersten beiden Jahren nach der Machtergreifung Iustins anders verlaufen. Es bleibt nur der Schluß, daß die Konkurrenz der beiden Palastkommandanten gut gespieltes Theater war. Doch es wird Zeit, dem Ablauf der Dinge selbst zu folgen, soweit die Quellen das gestatten. Wir besitzen einen offiziellen Bericht aus der Feder eines Nachfolgers des magister officiorum Celer. Es war Theodoras Vertrauter Petros Patrikios, der diese wohlunterrichtete Beschreibung hinterlassen hat, ein Meister in der Kunst das Detail zu überliefern, die wahren Vorgänge zu verschleiern31. Notizen aus der oppositionellen Literatur gegen Iustinian, die in späte Chronisten übergegangen sind, gestatten es, wesentliche Berichtigungen anzubringen 32 . Die Personalien der Hauptbeteiligten haben soeben gezeigt, welche Querverbindungen bestanden haben müssen, welche Intrigen

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gesponnen wurden. Das meiste bleibt wie immer bei solchen Anlässen im geschäftigen Dämmer der Palastkorridore und Boudoirs verborgen. In der Nacht, da der hochbetagte Kaiser Anastasios starb, flammten die goldenen Kreuze der Kirchen von Konstantinopel gespenstisch im Gewittersturm. Es war, als hätten sich die Elemente verschworen, um den ehrwürdigen Palast Konstantins aus den Angeln zu heben. Aber die Männer, die es anging, lagen wie geschmeidige Raubkatzen auf der Lauer. Es galt den Kampf um die Macht 33 . Der Greis starb seinen schweren Tod. Wer weiß um die Geheimnisse der letzten Stunden? Später fabelte man, Gott hätte das Gewitter gesandt, um den Ketzer zu strafen, wahnsinnige Furcht den Elenden durch die Palastgemächer getrieben, bis ihm die Kräfte versagten. Keiner der Propheten dachte an die Zukunft, deren grausige Kriegswirren dieser Aufruhr der Elemente würdig einleitete. Kaum war der Herzschlag des Kaisers erloschen, flackerte die Hofmasdiinerie nervös pulsierend. Der erste Eunuch des kaiserlichen Schlafgemachs, Großkämmerer Amantios, war kraft seines Amtes anwesend. Die Generale Celer und Iustinus trafen sofort ein. Auf Celers Befehl eilten die Scholarier im Sturmschritt von ihrem Quartier im Vorraum der Apostelkirche zum nahen Appellplatz in der Chalke des Palasteingangs. Zur gleidien Zeit befahl Iustinus die verfügbaren Kommandeure der Linientruppen, vor allem aber die Offiziere seiner Exkubitoren in den Palast und teilte ihnen kurz und bündig mit, daß Gott vom Herrn des irdischen Reichs den Tribut aller Menschen gefordert habe und nun gemeinschaftlich ein ihm wohlgefälliger und dem Staate zuträglicher Nachfolger zu wählen sei. Ähnlich äußerte sich Celer vor den Scholariern34. Der Großkämmerer Amantios durfte als Eunuch nicht selbst kandidieren. Er hoffte aber, seinen Neffen Theokritos zum Schattenkaiser zu machen und im Bunde mit seinen Hintermännern von der Anastasiospartei das Heft in der Hand zu behalten. Für diesen Schachzug glaubte er keinen geeigneteren Vermittler zu finden als Iustius. Das zeigt, wie glänzend Iustinus und sein Neffe Iustinian trotz aller Aktivität ihre Absichten zu verbergen verstanden. Sie hatten sogar den Verdacht zu entkräften gewußt, der sie im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen getroffen hatte. Der Kämmerer händigte also Iustinus die Geldsumme aus, die er zur Bestechung der maßgeblichen Kreise notwendig erachtete. Noch in der Nacht muß Iustinus seine Vertrauensleute ausgesandt haben, die das Geld richtig an den Mann brachten. Nur eines vergaß der Ehrenmann, und das war der Name des Schützlings und Prätendenten seines Auftraggebers. Doch konnte er sich an den eigenen Namen erinnern und das genügte denn auch35. Es war der 9. Juli 5 1 836. Nach dem nächtlichen Gewitter brannte die Sonne nur um so heißer vom flimmerndem Himmel Konstantinopels. Seit den frühesten Morgenstunden strömte das Volk in unübersehbaren Massen zum Hippodrom. Die Rennbahn flankierte den Kaiserpalast, stieß wie ein Ozeanschiff mit der kühn gekurvten Masse ihrer Unterbauten von der ansteigenden Stadt zum Ufer des Marmarameeres. Auf der Höhe des Start- und Zielplatzes schnitt die Kaisertribüne in Fortsetzung einer Hauptgruppe des Palastes durch die Sitzreihen hindurch. In der Säulenhalle vor dem Großen Triklinion, unweit jener Tribüne, nahmen inzwischen alle in der Hauptstadt ansässigen Senatoren auf rasch herbeigeschafften Bänken Platz 37 . Unter ihnen prangte Patriarch Johannes in vollem Ornat. Ein bedeutsamer Zufall hatte diesen nachgiebigen Kirchenfürsten, wohl nicht ohne Nachhilfe der Opposition, wenige Monate vor dem Ableben des Kaisers in sein hohes Amt gerufen. Den Senatoren sah man die Eile, mit der die schreckliche oder je nach Einstellung audi freudige Botschaft sie in früher Morgenstunde aus dem Hause getrieben hatte, noch deutlich an. Sie trugen mausgraue oder bunte Gewänder, was kaum zur strengen

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Traueretikette paßte 38 . Unverzüglich begannen die Wahlverhandlungen. Namen schwirrten durch die Luft, wurden unter kräftiger Mitwirkung der überall auftauchenden Palastwachen niedergeschrien, von anderen übertönt, denen es nicht besser ging. Das erlauchte Gremium verkörperte auch in diesen späten Zeiten des Römertums nodi eine moralische Macht. Jeder Senator war sich der unermeßlichen Tradition seiner Stellung bewußt, er fühlte sich als sittliches Korrektiv der Alleinherrschaft. Aber die Gelegenheiten zur befreienden Tat wurden immer spärlicher. Gewiß hat der Senat nicht selten beim Wahlakt das entscheidende Wort gesprochen. Von Konstantius bis ins Zeitalter Theodosius' II. sah er sich auf formale Rechte und das Spiel hinter den Kulissen beschränkt. Die Kaiserwahl schien Sache des Heeres, dessen hohe Offiziere freilich auch dem Senat angehören konnten, wodurch etwaige Gegensätze nicht gemildert, aber schwerer durchschaubar wurden. Von Marcianus ab (450) redinet die Forscherin Christophilopulu die Epoche uneingeschränkter Senatsherrschaft, doch wird man ihren verdienstvollen Induktionen aus formalen Tatbeständen nicht ohne Vorbehalt folgen dürfen. Denn nicht die mehr oder weniger normativ vom Staatsrecht vorgeschriebene Verfahrensweise, sondern das lebendige Kräftespiel des Augenblicks gibt den Ausschlag und drückt dem Günstling der Tyche auch gegen die Regel die Krone auf das Haupt. Selbst in einer Zeit scheinbarer Senatsherrschaft war das Heer die Macht im Hintergrund, die jeden Augenblick die Führung an sich reißen konnte. Nicht nur das Gebrüll der Soldateska von der Leibwache, das Donnergrollen der Elitetruppen der Wehrmacht, die Hysterie der Zirkusparteien und Milizen bedrohten die verbrieften Rechte der Reichsrepräsentanten, versetzten die stolze Versammlung in Aufruhr oder unterwarfen sie dem Willen einer siegreichen Gruppe. Noch viel gründlicher hat die neue Tradition der Erbmonarchie und ihre spätere Überspitzung im Vorzugsrecht der Purpurgeborenen über die alte Freiheitstradition römischer Senatoren gesiegt39. Auch an diesem 9. Juli gab der Senat die Initiative aus der Hand. Das Volk war noch anderer Meinung. Die Stimmung im Hippodrom stieg auf den Siedepunkt. Das Tosen des Menschenmeers im staubig heißen Zirkusrund brandete durch die Säulenwälder der Paläste und verhallte erst über dem glatten Spiegel des Marmarameeres. Von Zeit zu Zeit verwandelte sich das wimmelnde Oval in ein Urweltwesen, das ein Instinkt, ein Wille, ein Schrei durchtobte. Dann schollen rhythmische Akklamationen verständlich herüber: Lang lebe der Senat! Römischer Senat! Du wirst siegen! Wir wollen unseren Kaiser von Gottes Gnaden für das Heer! Wir wollen unseren Kaiser von Gottes Gnaden für die Welt! Celer richtete ein ernstes Wort an die Versammlung. Ob es ihm damit wirklich ernst war? Hatte nicht auch er unsichtbare Drähte in der Hand, an denen Marionetten tanzten und einander die goldenen Bälle zuspielten? Aber die Ratschläge hören sich gut an. Faßt rasch einen Entschluß, ihr patres conscripti, oder euer Verzicht auf das Gesetz des Handelns wird offenkundig. Handelt ihr nicht rasch, so werden euch andere auf Wege führen, die ihr ungern wandelt 40 . Klingt es nicht wie Spott durch den wohlgemeinten Rat? Wie lässiges Säbelrasseln des Offiziers, der genau weiß, in welchen Pferch die Zivilistenherde gehört und sie mit geduldiger Ironie sich sträuben und bocken läßt, bis sie es müde ist und Beifall blökt? Wenn der hochedle Senat nicht auf der Stelle den Gewünschten nominiert, nun, so wird er den Segen erteilen, wenn härtere Männer gehandelt haben. Und es wird gehandelt. Sdiolarier fliegen zwischen Keler und Iustinian hin und her. Stichworte fallen. Exkubitorordonanzen rasen zum Hippodrom. Dort lagern die alarmierten Präsenztruppen und die Masse der Exkubitoren im tiefen Sand der Rennbahn. Die Disziplin ist leicht gelockert. Der gemeine Mann fühlt sich heute groß und

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wichtig, denn audi auf seine Stimme kommt es an. So glaubt er wenigstens. Herablassend fraternisiert er mit den Zivilisten, unter denen alamodische junge Gecken und die jugendlichen Schreihälse der Zirkusparteien das Wort führen. Plötzlich Unruhe unter den Exkubitoren. Alles schart sich um einen hühnenhaften Tribunen, Kameraden reißen ihn hoch, heben ihn auf die Schultern: Basileus! Basileus! Da werden die Ränge lebendig. Flüche, Verwünschungen, Wurfgeschosse hagelt es von den Sitzen der blauen Partei. Nieder mit dem Tyrannen! Der Tribun merkt, woher der Wind weht und verschwindet schleunigst, seinen Hals in Sicherheit zu bringen. Iustinus läßt ihn später laufen, gibt ihm sogar das Bistum Herakleia. Also Versuchsballon 41 . Darüber geraten die Scholarier in Aufruhr. Celer hat sie längst nicht in der Hand wie Iustinus die Exkubitoren. Auf die erste Kunde aus dem Hippodrom huldigen sie einem General von patrizischem Rang und schleppen ihn halb wider Willen ins Große Triklinion. Die Kaiserrufe gehen in wüstem Tumult unter, denn schon sind die Exkubitoren zur Stelle, reißen den Günstling der Nobelgarde von seinem erhöhten Standort herunter, jagen die eben zur Torqueskrönung ansetzenden Scholarier auseinander und stürzen sich schäumend vor Wut auf den Unglücklichen. Nur ein Wink Iustinians, der als Kandidat und Parteigänger des Iustinus bei Scholariern und Exkubitoren in gleichem Ansehen stand, rettete den General vor dem Schicksal, von Freund und Feind zerrissen und abgeschlachtet zu werden. Iustinian ließ ihn verhaften und von Exkubitoren ins Wachlokal am Eingang des Palastes abführen 42 . Ob der energische Zugriff Iustinian unvermutete Freunde gewonnen hat oder alles abgekartete Sache war, jedenfalls konnte er sich kaum vor den stürmischen Wünschen der Exkubitoren retten, die jetzt ihm die Kaiserwürde antrugen. Iustinian lehnte kategorisch ab, denn für ihn war es noch zu früh. N u r ein General, dem volle Autorität, Kommandogewalt über die Truppen und Beliebtheit beim Volke zu Gebote standen, durfte die Hand nach der gefährlichen Frucht ausstrecken43. Im Verlauf der Auseinandersetzungen wurden noch viele Namen genannt. Wir wissen aber nicht, ob es sich um ernsthafte Prätendenten handelte. Vor allem wissen wir nicht, ob Theokritos einen Versuch unternahm, die Macht an sich zu reißen. Vermutlich zuckte sein Gönner Amantios vorsichtig zurück, als er erfuhr, welche Verwendung sein Geld gefunden hatte. Der höfisch gesinnte Chronist von Antiocheia berichtet ganz naiv und schreibt es Gottes Willen zu, wenn nun die Volksseele, wie zu erwarten, überkocht und alle aus innerster Überzeugung Iustinus die Kaiserwürde antragen 44 . Seltsamerweise spricht in diesem entscheidenden Augenblick kein Berichterstatter von Soldaten. Auf einmal existiert nur noch der Senat, der sich in der Tat wie durch ein Wunder des Himmels geeinigt hat und den Exkubitorführer Iustinus nominiert 45 . Es geht nicht ohne Zwischenfall ab. Eine Gruppe Scholarier stürzt sich auf den Prätendenten, einer spaltet ihm mit wuchtigem Faustschlag die Lippe. Die Exkubitoren ziehen blank und drängen die Tobenden aus dem Palast oder machen sie nieder. Davon schweigt die Höflichkeit unseres Gewährsmannes. Der Tumult ist unbeschreiblich. Alles wimmelt von Exkubitoren, auf jeden Zivilisten scheinen zwei zu kommen. Sie geben die Einsätze der rasenden Akklamationen. Auch die Männer des oströmischen Senats sind von den Sitzen aufgesprungen und jubeln dem künftigen Kaiser zu. Aber dem Ehrenmann scheint das schrecklich. Er fleht die Andringenden an, die Bürde auf eine andere Schulter zu legen. Der alte Fuchs weiß nicht übel Bescheid mit den Anstandsregeln einer Kaiserkür4®. Was er selbst nicht weiß, souffliert der geschäftige Neffe Iustinian. Die gut gespielte Ablehnung vergrößert das Toben, steigert die rhythmischen Zurufe der Soldaten und Zivilisten, die eben im Hippodrom ein brüllendes Echo wecken, zu frenetischen Stürmen. Der Hühne Iustinus wischt das

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Blut aus dem Gesicht. Er sträubt sich noch immer, aber seine Augen glühen in wildem Triumph. Jetzt heben die verschworenen Kampfgefährten den Feldherrn auf die Schultern und zeigen ihn der jubelnden Menge. Hippodrom und Palast verwandeln sich in einem riesigen Sprechchor: Basileus! Basileus! Iustinus Basileus! Gefolgt von Patriarch und Senat setzen sich die Exkubitoren in Bewegung. Sie tragen Iustinus auf den Schultern zum Hippodrom. Das zehntausendköpfige Tier scheint den Atem anzuhalten. Iustinus betritt die Kaisertribüne. Wieder einmal wird das Steuer der Weltgeschichte auf Gegenkurs geworfen. Sieg für Rom und den Papst, Sieg für die Orthodoxie! Da bricht es ohrenbetäubend los. Erbitterte Feinde fallen sich um den Hals, Blaue und Grüne vergessen die Feindschaft, Soldaten aller Waffengattungen, stolze Senatoren, Bürger und Bettler vereinigen ihre Stimmen zur Akklamation des neuen Kaisers der zivilisierten Welt. Jetzt waren die Vorbehalte zerstoben, der Kaiser gehörte allen. Vergessen die Intrigen und Hintertüren, vergessen das schlüpfrige Geld, denn hier und heute dröhnte die Stimme der römischen Freiheit ihr selbstvergessenes Ja. Das Volk hatte gesprochen. Ordonnanzen eilten zu den Privatgemächern des Kaiserpalastes. Abermals pochte es gegen die Elfenbeintore. Jetzt hätte sich Großkämmerer Amantios vergeblich gesträubt, wie er zuvor bei jedem Prätendenten getan. Des Volkes Stimme war Gottes Stimme und so erscholl an die Eunuchen unwilliger Befehl, den Purpur und die Kaiserabzeichen auszuliefern. Im Hippodrom schritt man unverzüglich zur Krönung 47 . Die höchsten Offiziere und Beamten des Reichs bildeten das Gefolge des Kaisers und teilten den Ehrenplatz auf der Tribüne. Unmittelbar davor hielten Stabsoffiziere und höhere Beamte die Ehrenwache. Es schlossen sich die im Andenken an den toten Kaiser wie ein gefällter Wald zu Boden gesenkten Fahnen des Heeres an. Jetzt trat zur militärischen Torqueskrönung nach altem Brauch der Campidoctor vom palatinischen Traditionsregiment der lanciarli seniores an den Kaiser heran. Es war der Gote Godila. Er legte, wie es einst dem Jüngling Iulian durch plötzliche Eingebung eines Waffengefährten als erstem geschehen war, dem Kaiser einen gewundenen Schlangenreif um die Stirn. Nach römisch-germanischem Brauch auf den Schild gehoben, grüßte der Imperator seine Armee und sein Volk als oberster Kriegsherr 48 . In diesem Augenblick schnellte der Fahnenwald in die Höhe, durchzuckten silberne Blitze das Hippodrom. Unter schmetterndem Spiel genoß man im riesigen Rund die Unüberwindlichkeit der römischen Waffen, den Glanz der Gesetze und die Macht der Tradition. Tausende junger Bauernsöhne aus den Balkangebirgen, aus Kleinasien und dem fernen Armenien, aber auch Barbaren aller Länder, Germanen und Hunnen grüßten den Imperator, der nach Herkunft und Schicksal einer der ihren war. Auf der Spitze ihrer Schwerter trugen sie das Schicksal des Reiches, und ihrem Zuruf verdankte der Kaiser in Wahrheit die Bestätigung seiner Würde. So trat Iustinus im Vollbesitz der erhabenen Weihe eines Augustus zum Patriarchen, der neuerdings die Krönung mit dem Diadem vollziehen durfte. Für gewöhnlich legten die Kaiser im engeren höfischen Kreise des Triklinion den Purpur an und empfingen dort auch das Diadem. Heute hatte man nach allem Tumult zu eilen und behalf sich echt militärisch. Das Gefolge bildete ein Schilddach und entzog so den Kaiser den Blicken. Unter solchem Schutz legte er die rituellen Gewänder an, empfing vom Patriarchen das Diadem und ergriff Schild und Lanze. Die Schildträger wichen auseinander, der Kaiser trat an den Rand der Tribüne und zeigte sich dem Volk. Von neuem flammte der Jubel auf und alle riefen: Iustinus Augustus, du wirst siegen! Das Volk war durch Hof und Kirche für solche Gelegenheiten unvergleichlich geschult. Es gab in den rhythmischen Akklamationen kein Durcheinander. Im Gottesreich von Byzanz zelebrierte man die Politik wie eine Messe. Mochte der Pöbel noch so gemei-

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nen Instinkten frönen, in Sachen der Religion besaß er vielleicht größeren Ernst als die nüchternen Gebildeten. Und Religion war alles, erst recht die Ernennung eines Augustus 49 . Jetzt gebot der Kaiser mit einem Wink Schweigen für die Thronrede. Der Libellarius trat vor und verlas mit weithin hallender Stimme die Zusicherung des Donativs in Höhe von fünf Goldstücken und einem Pfund Silber für die Truppen. Der Soldat hatte die erste Stimme bei der Wahl, dem Soldaten gebührte die erste Amtshandlung des Kaisers, er vor allem durfte seine Sorge und Freigiebigkeit beanspruchen. Von Amts wegen wären der Quaestor oder zumindest der magister officiorum für die Verlesung zuständig gewesen. Der erste war gerade abwesend und Celer schien im Tumult eine Beinverletzung davongetragen zu haben. So entspann sich ein liturgischer Wechselgesang zwischen dem Volk und des Kaisers Sprecher. Kein Mißton trübte die Feier an einer geschichtlichen Stätte, die so oft respektlos höhnische, wenn nicht revolutionäre Wechselreden zwischen Volk und Kaiser gesehen hatte. Der Sprecher intonierte: „Imperator Caesar Iustinus victor semper Augustus." Durch die Entscheidung des allmächtigen Gottes, durch eure gemeinsame Wahl sind wir zur Kaiserwürde gelangt und flehen nun die himmlische Vorsehung an." Die Menge antwortete: „Uberfluß für die Welt. Herrsche wie du gelebt hast. Überfluß für den Staat. Himmlischer König beschütze die Welt. Iustinus Augustus, du wirst siegen. Lang lebe der neue Konstantinus. Wir sind Knedite des Kaisers." Nach Anrufungen Gottes und weiteren Wechselreden versichert der Sprecher die Menge unaufhörlicher Fürsorge des Kaisers, der symbolisch jeden einzelnen Anwesenden in seinen persönlichen Schutz nimmt. Rufe antworten: „Kaiser, du bist würdig der Dreieinigkeit, würdig des Reiches, würdig der Stadt 50 ." Endlich verabschiedet sich der Monarch mit einem Segensspruch und begibt sidi in feierlicher Prozession, gefolgt vom Patriarchen und allen Würdenträgern, zur Sophienkirche. In einem kleinen Raum, dem Mutatorium, waltet Großkämmerer Amantios zum letztenmal seines Amtes 51 . Er nimmt dem Kaiser die Krone vom Haupt und legt sie ehrfürchtig in seine Hände. Kein Zucken verrät die Gefühle des Betrogenen. Er meistert sich wie ein Diplomat alter Schule. Nicht anders der schlaue Fuchs Iustinus, dessen bärbeißiges Soldatengesicht zur Maske erstarrt ist, die nichts von den Gedanken verrät, die ihn durchjagen. Er ergreift die Krone, gebietet seiner Begleitung, die kostbaren Geschenke aufzunehmen und schreitet langsam zum Hochaltar. Als bescheidener Knecht tritt der Herr dieser Welt dem Allmächtigen gegenüber, um den ersten Gottesdienst zu feiern und Dank zu sagen für die Gnade dieses Tages. Überirdische Klänge schwingen durch die Basilika Konstantins des Großen, die heilige Erz- und Mutterkirche des Reiches. Alle Anwesenden wissen, daß hier ein großer Sieg erfochten wurde. N u r die Feinde der Orthodoxie bangen um ihren Glauben und blicken düster in die Zukunft. Auf dem Altar legt der Kaiser die Krone nieder, läßt die im Lichterglanz auffunkelnden Kostbarkeiten für den Kirchenschatz darbringen und die Inthronisationsmesse nimmt ihren Lauf. Das Geheimnis des göttlichen Mysteriums, die Entzückungen der Liturgie, der Zusammenklang von Schönheit und Pracht des rauschenden Gottesdienstes, von Würde und Bedeutung der Versammelten schmelzen die Verbissenheit des kampfreichen Tages auch aus den trotzigsten Gemütern. Der Patriarch segnet den Kaiser, das Volk erfleht die Gnade des Himmels für die kommende Ära. Die letzten Klänge der Feier verrauschen. Der Kaiser tritt wiederum zum Hochaltar, ergreift die Krone und wird im Mutatorium für die Prozession zum Palast eingekleidet. Der prächtige Auf zug verläßt die Kathedrale, überquert den Augustaionplatz. Vor der Chalke erweist die angetretene Exkubitorgarde klirrende Ehrenbezeugung. D e r K a i s e r n i m m t in e i n e m d e r riesigen D i e n s t r ä u m e u n w e i t des P a l a s t e i n g a n g s als

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erste zivile Amtshandlung die Bestallung des neuen Stadtpräfekten von Konstantinopel vor. Dann springt die Verwaltungsmaschine an, Befehle über Befehle folgen, bis die verantwortlichen Dienststellen in allen Teilen des Reichs Nachricht und erste Anweisungen erhalten haben. Der alte Beamtenstab arbeitet geräuschlos, erledigt alles Erforderliche fast von selbst. Aber auch die Geheimschreiber haben zu tun, es gilt die Freunde zu benachrichtigen, Eilboten an Vitalian und andere gefährliche Persönlichkeiten zu senden. Iustinian tastet unterdessen Geheimpolizei und Agentenwesen ab, soweit sie ihm nodi Geheimnisse bieten. Er greift die ersten Oktaven, zieht die längst erwogenen Kopplungen auf dem Registerwerk der Reichsverwaltung. Die Nachtstunden gehören einem festlichen Empfang der Spitzen aller Behörden, insbesondere der militärischen Freunde und Kameraden. Damit endet der Staatsakt. Schon die nächsten Tage brachten den Reformwillen der Regierung unerbittlich zum Ausdruck. Unterdessen raste die Nachricht von Stadt zu Stadt, stachelte die Neugier, weckte Furcht und Erwartungen. Wer war dieser Leibwächtergeneral Iustinus? Gewiß hatte der Name seit jener ersten Seeschlacht im Weichbild Konstantinopels sieghaften Klang. Aber man wußte in den maßgeblichen Kreisen nur zu gut, daß der erfolgreiche Soldat an der Schwelle des Greisenalters stand und nicht im entferntesten jene allseitige Ausbildung herrscherlicher Fähigkeiten besaß, die seit der Überwindung des Barbarenregimes als eine unerläßliche Voraussetzung für den Griff nach der Krone erschien. Den Militärs machte das nicht viel aus. Sie hatten nichts zu fürchten und konnten dem Kaiser ohne innere Vorbehalte gegenübertreten. Anders stand es mit den hohen Beamten und dem Senat. Hier wurde in erster Linie nach der Partei gefragt. Und selbst die Orthodoxen, denen nun bald die Welt zu gehören schien, waren durch tausend Bande mit dem alten Regime verknüpft. Die lange Regîérungszeit des ehemaligen Hofbeamten Anastasios hatte das zivile Element unverkennbar in den Vordergrund geschoben. Überdies besaß Anastasios einen mächtigen Rückhalt am Gedanken der Erbmonarchie. Erst vor drei Jahren war seine Gemahlin Ariadne verstorben, die als Tochter des Kaisers Leo ein halbes Jahrhundert monarchischer Tradition verkörperte 52 . Obwohl sie Anastasios die Rolle eines Prinzgemahls ersparte, bedeutete das keineswegs Verzicht auf jeden Einfluß. Wie sie oft die Stimme zugunsten der päpstlichen Richtung erhob, hat sie auch personalpolitisch im Sinne der Uberlieferung gewirkt. Wenn im Senat nicht nur die Großen der anastasianischen Ära, sondern in erheblicher Zahl auch ältere Familien vertreten waren, wird das nicht zuletzt auf ihren Einfluß zurückgehen. Die unaufhörlichen Revolutionen hätten Vorwand genug für personelle Veränderungen geliefert, doch war es Iustinian vorbehalten, der Tradition einen ernstlichen Stoß zu versetzen. Der Tod der Kaiserin Ariadne ist zumindest symbolisch eine noch schärfere Cäsur als selbst die Thronfolge der Iustinus und Iustinian. Gewiß verkörperten die Anastasiosneffen noch bis zum Nikaaufstand das konservative Element. Aber das bedeutet nur, daß der Abgrund sie schon im fünften Regierungsjahr Iustinians verschlang. Die Frauen des neuen Regimes besaßen womöglich noch weniger Tradition als die Herrscher. So waren Iustinus und Iustinian von vornherein frei von vielen Bindungen, in denen ihr Vorgänger mit unbewußter Selbstverständlichkeit lebte. Die Aristokratie besaß eine feine Witterung für ihre Gegner. Wie gewöhnlich machte sie gute Miene zum bösen Spiel und suchte, gestützt auf ihren unfreiwilligen Anteil an der Wahl, möglichst wichtige Positionen zu besetzen. Aber insgeheim begann sie schon am ersten Tage gegen die Regierung zu sticheln. Es kann kein Zufall sein, daß die Geheimgeschichte Prokops ihre Vorwürfe gegen Iustinian verhältnismäßig oft mit Ereignissen aus Iustins Regierungszeit belegt. Seine Datierungsgewohnheiten zeigen überdies, daß die Konservativen die neun Jahre der Regierung Iustins mit

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grimmiger Ironie einfach zu der Iustinians hinzurechneten. Den Neffen respektierte selbst der adlige Bildungssnob als ernstzunehmenden Gegner. Vielleicht war das ein billiger Trick, doch erleichterte er der Opposition das Gesicht zu wahren und eine gewisse Konsequenz zur Schau zu tragen. Iustinus wurde nicht entlastet, sondern für unzurechnungsfähig erklärt. Iustinian erhielt neben seinen eigenen Fehlern auch nodi die des Vorgängers aufgebürdet. Ein Wunder, daß man ihm nur versteckt die Mitverantwortung, nicht offen die Alleinschuld am Umsturz zuschob. Von diesen Anfängen her gewinnt man den richtigen Blickpunkt für die Leistung Iustinians, der nicht nur die Konservativen bändigte oder ausschaltete, sondern erst recht das Militär gefügig hielt. Wenn von dritter Seite immer wieder versucht wurde, Iustinus zu verkleinern, so kann das nur ein Ausfluß jenes Hasses sein, der die ohnmächtigen Gegner ergriff, wenn sie die wahre geschichtliche Rolle des Vorläufers ahnten. Denn der General Iustinus spielte dem Zivilisten Iustinian, dem dergleichen von sich aus niemals gelungen wäre, langsam aber sicher (denn der Aufstieg Iustinians hat schon vor dem Umsturz begonnen) die oberste militärische Befehlsgewalt in die Hand. Auf der Basis der militärisch fundierten Anfänge der Dynastie hat dann Iustinian weitergebaut und seine zivile Herrschaftsgewalt so vorsichtig gesichert, daß von dieser Position aus wiederum der militärische Oberbefehl krisenfest wurde. Man hat daher von vornherein damit zu rechnen, daß Iustinus und Iustinian nicht nur in kurzlebigen Palastintrigen, sondern im großen Wurf ihrer politischen Konzeption glänzend zusammengearbeitet und sich ergänzt haben. Es war also Ressentiment, wenn der Chor der Benachteiligten Iustinus als Trottel verzollte und Iustinian die neronischen Ehren eines Antichrist zuteil werden ließ. Dodi stand das einstweilen noch nicht auf der Tagesordnung. Nicht die Schläge der ersten Stunden, sondern lange Jahre der Verbitterung brachten jene apokalyptischen Gesichte zur Reife. Jetzt konnte noch keiner ahnen, welch fanatische Opposition gerade diese Regierung herausfordern würde. Selbst die allzeit bereite Flüsterpropaganda verfügte zunächst über einen redit mageren Stichwortvorrat. Es mußte sich nodi zeigen, ob offene Gegner sich hervorwagen würden. Aber wenigstens einen Makel konnten die hochwohlgeborenen Kritiker dem neuen Kaiserhaus von vornherein nachsagen, und das war die Herkunft. Hier knüpfte sofort die Legende an. Es war in den Tagen des alten Kaisers Leo, etwa um das Jahr 470, so erzählte man sich mit sichtbarem Behagen, da wanderten drei armselig gekleidete Bauernburschen nach der Wunderstadt Byzanz, um als Rekruten ihr Glück zu versuchen53. Sie trugen Pelze wie richtige Hirtenjungen vom Balkan. Zwiebadt und Wasser war ihre ganz und gar nicht herrschaftliche Nahrung. Alle drei stammten aus Illyricum. Vom jungen Iustinus weiß man sogar den Heimatort Bederiana, dodi steht immer noch nicht fest, ob ein Dorf bei Skoplje in Macédonien oder bei Nisch im heutigen Serbien gemeint ist. Ob sie nun erst auf der Höhe von Serdica-Sofia oder weiter südlich das Gebirge überquerten, um ins weitausladende Maritzatal hinabzusteigen, auf jeden Fall lernten sie die schönsten Teile der Balkanlandschaft kennen. Es wäre ein merkwürdiges Zusammentreffen gewesen, wenn sie etwa Germania berührt hätten, die Geburtsstadt Beiisars an der waldreichen Strecke, die über das heutige Samokov und den Tschamkoripaß nach Philippopel führt. Nun ging die Wanderung durch die fruchtbaren Ebenen von Thrakien, das ähnlich wie Illyricum dem Reich die besten Soldaten lieferte. Man hat geglaubt, den Kaiser Iustinus überhaupt für das thrakische Volkstum beanspruchen zu müssen, doch besagen die Widersprüche der Nachrichten nicht viel. Auch w e r den Kaiser einen T h r a k e r aus I l l y r i c u m n e n n t , also zwischen V o l k s t u m u n d

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politischer Zugehörigkeit unterscheidet, hat damit nichts gewonnen. Denn abgesehen von der Belanglosigkeit der Volkszugehörigkeit in diesen völkisch gemischten Durchgangsgebieten sprechen die Zeugnisse in jeder Hinsicht für sein Illyrertum 54 . So ging es von Dorf zu Dorf auf der dicht besiedelten Ebene zwischen dem gastlichen Balkan und der abweisenden Rhodope nach Südosten. Auf der Heerstraße nach Konstantinopel strömten seit alters ehrgeizige Burschen zusammen, die das große Abenteuer der Hauptstadt und ihre glänzenden Möglichkeiten dem langweiligen Dienst in den Provinzgarnisonen vorzogen. Wenn die Heere der oströmischen Welteroberer in ihrer Gesinnung schwankend wurden, konnte es geschehen, daß der Feldherr die Soldaten an der Ehre packte und ihnen das Bild vor die Seele rief, wie sie als halbwüchsige Burschen in kurzer Tracht so ganz und gar nicht ehrfurchtgebietend nach Byzanz gewandert waren, und wie sie dort in Zucht und Lehre zu Männern wurden, die jetzt das Schicksal des Römischen Reiches in ihren Fäusten hielten 55 . Es wäre verwunderlich, wenn nicht ehrgeizige Träume von ferner Kriegsgefahr, Beute und unermeßlichem Ruhm die drei Jünglinge in ungestümer Ahnung berauscht hätten. Sie waren bärenstark und gesund, im harten Alltag des bäuerlichen Balkan herangewachsen — heute stand ihnen die Welt offen, lachte die Zukunft in tausend rosigen Farben und morgen mußten die Träume reifen, der Sieg ihnen gehören. Die erste größere Station, die den Wanderern an der schäumenden Maritza gastlich Halt gebot, war die liebliche Hügelstadt Philippopolis. Der Name allein war ö l ins Feuer der Phantasie unserer Jungen. Denn hier hatte schon einmal ein Rekrut in ihrem Alter seinen Dienst angetreten. Aus dem Rekruten war der Kaiser Marcianus geworden, der erst vor wenigen Jahren die Augen geschlossen hatte 56 . Von den Enden der Welt hallte das Echo seines Ruhms. Und doch war der Gewaltige vor einem knappen Menschenalter genauso ein Neuling gewesen wie sie selbst. Gewiß lebten irgendwo im Balkan noch seine Verwandten. Eine Laufbahn wie diese gab Stoff für manchen Winterabend, lockte mehr als einen jungen Burschen aus dem warmen Nest ins ungewisse Abenteuer. Die drei Wanderer kannten ihr Ziel. Nicht einmal Philippopolis und seine stolze Garnison konnte sie locken. Sie strebten nach Byzanz, wo vielleicht schon die eine oder andere Verbindung geknüpft war. Nach langem Marsch im Tal der Maritza erreichten sie Adrianopel und kamen ins klassische Land der Pferdezucht, das mit seinen öden Steppen keine Freude für Fußreisende war. Aber dann wuchs wie eine schuppenstarrende Urwaldschlange die dreifach gestaffelte Mauer der Weltstadt langsam aus dem Horizont. Atemlos staunend sahen die Jünglinge das Wunder. Zur Rechten breitete sich das Marmarameer, dessen ungewohnter Glanz die Wanderer schon ein gutes Wegestück begleitete. Jetzt schritten sie auf der Grabenbrücke des Goldenen Tors durch immer höher aufragende Riesentore, bis sie endlich den Theodosiusbogen passiert hatten und in der Wache Rede und Antwort stehen mußten. Soweit die Legende von den drei Jünglingen. Prokop überliefert sie im Rahmen des Hofklatsches, soweit eine solche Bezeichnung für die sorgfältig auf Wirkung berechnete Propaganda von Widerständlern nicht zu harmlos ist. Wer die Anfänge des Iustinus schildern will, kann nicht umhin, das Positive herauszuschälen und muß, ob er will oder nicht, die fehlenden Züge ergänzen, verzeichnete berichtigen. Die Kameraden meldeten sich nun beim zuständigen Offizier der Linientruppen und durften die Probezeit abdienen. Nach ihrem Ablauf winkte ihnen zum erstenmal das Glück und sie wurden zur kaiserlichen Leibwache übernommen. Die Gefährten Iustins haben es sicher weit gebracht. Zumindest ist wahrscheinlich, daß Zimarchos mit einem hohen Beamten dieses Namens identisch ist57. Iustinus bewies auf seine Weise, daß es nicht verlogen war, was in Konstantinopel die Spatzen von den Dächern

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pfiffen: wer bei den Exkubitoren dient, der trägt noch mehr als den Marschallstab im Tornister. Leon hatte diese Formation erst vor kurzem als Gegengewicht gegen die germanischen Söldner geschaffen58. Der Dienst unter den Augen des Kaisers bedeutete nicht nur eine Auszeichnung für die jungen Soldaten, er konnte für Auserwählte das Sprungbrett einer atemraubenden Laufbahn werden. Iustinus hielt sich eisern in Zucht. Die Lockungen der Metropole nahmen gewiß auch ihn gefangen. Unzählige Schmetterlinge umschwärmten diese Götterjünglinge von der Wachtparade am Augustaionplatz. So mancher schwüle Nachtfalter lockte den täppischen Bären aus dem Marmorreich der Chalke in den strudelnden Hexenkessel der Weltstadt. Iustinus kann in jungen Jahren kein Kostverächter gewesen sein. Dafür zeugt das Temperament seines illustren Neffen. Es bedarf jedoch keiner verwandtschaftlichen Rückschlüsse. Die Herkunft aus dem Moravatal oder gar dem Vardargebiet sagt jedem Kenner des Balkan genug. Die südländische Sinnenfreude muß in diesem Einschmelzbecken unzähliger Rassen schon lange vor der Türkenzeit ein unverkennbar orientalisches Parfüm ausgestrahlt haben, in dessen seltsamem Duft sich kultische Einflüsse uralten Thrakertums und bleibende Eigenschaften des Raums vereinigen. Iustinus sah manchen Landsmann und Kameraden in schmeichelnden Armen, Trunk und Spiel verkommen. Er selbst behielt den Kopf klar, denn zur Schönheit und Kraft seiner Erscheinung gesellte sich unerbittlicher Wille zur Macht. Der Palastdienst und seine unvermeidlichen Intrigen wechselte mit Frontverwendung, langjährigen Feldzügen oder Besichtigungsreisen durch die Provinzen 59 . Denn der Pflichtenkreis des ehemaligen Rekruten erweiterte sich unaufhaltsam. Seine Laufbahn führte in langen Dienstjahren durch alle Offiziersränge hindurch bis in die engste Umgebung des Kaisers 60 . Wenn die Männer, die später seine Geschichte schrieben, auch zweifellos vom Glanz und den vermeintlichen Missetaten des Nachfolgers geblendet waren, so entlastet sie das nicht vom Vorwurf des völligen Mißverstehens eines Iustinus. Weder der Aufstieg des Generals noch seine unleugbaren Verdienste um das Reich werden gewürdigt. Wir erfahren von den blasierten Hofkreisen, die entweder selbst Geschichte schrieben oder den Stoff lieferten, nur mit größter Mühe das Gerippe der äußeren Tatsachen. Und selbst diese nicht um ihrer selbst willen, sondern als eine Sammlung böswilliger Anekdoten. So kämpfte Iustinus als dux der candidati iuniores im Isaurerkrieg, doch wissen wir nur, daß der Feldherr Johannes Kyrtos (der Bucklige) ihn wegen eines „Verbrechens" ins Gefängnis warf und angeblich durch ein Traumgesicht zur Freilassung bewogen wurde®1. Solche Weissagungen liefen über Iustinus in relativ größerer Zahl als über andere Kaiser um, auch das nur eine Folge des Hasses der Opposition gegen Iustinian. Dodi zeigt uns die Nachricht, daß Iustinus kein bequemer Untergebener war. Je älter er wurde, desto erbarmungsloser setzte sich der illyrische Bauernschädel durch. Er ging auf Biegen und Brechen, nahm keine Rücksicht auf seine Stellung. Und es war nicht der deux ex machina des Orakels, der ihn immer wieder heraushieb, sondern seine eigene unergründlich schillernde Schlauheit, die, mit der richtigen Dosis von Brutalität gepaart, die schon geknüpfte Schlinge immer wieder zerriß. Und zweifellos war Iustinus ein tapferer Soldat, ein guter Kamerad und einer der glänzendsten Truppenführer seiner Zeit. Über seine Rolle im Perserkrieg und schließlich im Bürgerkrieg des Vitalianus mußten die Hämischen wohl oder übel etwas mehr sagen, doch ist auch das wenig genug. Er bekleidete nie das höchste Feldherrnamt, gewann aber mit Glück und Geschick die entscheidende Position und erntete den Ruhm eines blitzschnell zupackenden Taktikers. Besonders wenn, wie zuletzt, der Höchstkommandierende ein Zivilist war, vereinigten sich die Dankbarkeit des Volkes und

Tafel 3

Tafel 4

b) Konstantinopel.

Stadtmauer

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die Liebe der Soldaten auf ihn, der Führungsgenie und persönliche Tapferkeit vorbildlich vereinigte 62 . Zu guter Letzt gönnt man uns noch die Nachricht aus der Zeit vor der Thronbesteigung, audi diese wieder mit wahrhaft erschrecklichen Orakeln verbrämt. Iustinus soll mit seinem Neffen Iustinian wegen Hochverrat zum Tode verurteilt, also natürlich eifriger Intrigen in der Nachfolgefrage überführt worden sein. Stimmt das, so kann es nur heißen, daß Iustinus in diesen ungewissen Wochen vor dem Tode des längst überfälligen Greises nicht nur vom Heer und der öffentlichen Meinung zum Handeln gedrängt wurde, sondern in alter Verachtung der Gefahr von sich aus das Glück zu korrigieren suchte. Denn man darf über dem Glanz einer Kaiserkür nie vergessen, daß diese Stunden für jeden Beteiligten ein Spiel mit dem Tode bedeuteten, der unvermeidlich auf das Mißlingen folgte und dem Sieg den heroischen Hintergrund gab. Dem greisen Kaiser Anastasios soll im Traum ein Mann von fürchterlicher Erscheinung befohlen haben, die Hochverräter zu schonen, da sie von Gott zu gegebener Stunde benötigt würden. Soweit ist das unverfänglich und in der Tat spricht ein zweiter Traum des Kaisers nun ihm selbst 14 Jahre seines Lebens ab. Aber gleich darauf heißt es, daß dem Großkämmerer Amantios zur selben Stunde ein Traum erschienen sei, als stürze ein großes Schwein auf ihn los, während er beim Kaiser stand, und zerfleische ihn mit seinen Hauern. Also haben wir es trotz aller Kritik an Anastasios mit Erzeugnissen der Opposition gegen den rechtgläubigen Iustinian und seinen nicht minder rechtgläubigen Vorgänger zu tun. Die Menschheit dankte also die Immunität dieser Unzertrennlichen nicht Gottes Huld, sondern durfte dem Schöpfer für eine neue ägyptische Plage Dank sagen. Und der alte Prätorianergeneral erhielt vom beleidigten Hofklüngel den Ehrentitel einer balkanischen Wildsau 63 . Das harte Urteil stützte sich nicht zuletzt auf das Analphabetentum Iustins. Hämisch flüsterte man, daß der Kaiser nicht einmal in der Lage sei, seinen Namen zu schreiben. Er bediene sich zu diesem Zweck einer Schablone64. Wie könne ein soldier Mensch zum Regieren taugen? Das Argument eignete sich glänzend, um seinen Verfechtern den logischen Sprung vom bärbeißigen General über den ungehobelten Naturburschen zum hilflosen Trottel zu ermöglichen, dem armseligen Zerrbild eines Esels, der in Menschengestalt seinem Lenker Iustinian unter ständigem Ohrenschütteln folgte, wohin dieser wollte. Damit hatte man auch gleich die Antwort an die Besonneneren, die an Iustins unermüdliche Sorge um die Ausbildung seines Neffen Iustinian erinnerten. Es läßt sich natürlich nicht entscheiden, ob gemeiner Neid, H a ß oder sachliche Gegnerschaft den Spöttern ihre Argumente auf die Zunge legten. Die tieferen Beweggründe werden untrennbar verfilzt und verwoben sein. Es steht aber fest, daß die Kritik über das Ziel hinausschoß und dem alten Iustinus wirklich unrecht tat. Die oberen Zehntausend jener Zeit glaubten für Zivilisation und Geist ihre Lanzen zu brechen und versündigten sich doch nur an den primitivsten Anstandsgeboten der menschlichen Natur. Sie warfen dem Kaiser sein Alter vor und vergaßen, daß ihr Idol Anastasios nodi wesentlich älter war. Um ihn zu erreichen, hätte Iustinus noch zehn Jahre länger regieren müssen als ihm beschieden war. Es war taktlos, den wetterharten und kriegsversehrten Soldaten als einen „Grabesgreis" durch die Gossen zu schleifen. Mit Vorliebe wühlten Adel und sonstige Gegner in der Kluft, die seit jeher die erste und zweite Generation von Selfmademen (homines novi) voneinander trennt. Wenn auch Iustinus das Land der Verheißung wie Moses nur schauen, nicht mehr betreten durfte, so muß man ihm lassen, daß er seine Neffen Iustinian und Germanus für ihre geschichtliche Aufgabe glänzend vorbereitet und damit sein eigenes Leben um ein halbes Jahrhundert verlängert hat. Dem Berufssoldatentum Iustins stand der Verzicht Iustinians auf aktive Teilnahme an der Kriegführung gegenüber, Rubin, Iustinian V

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ein Mangel, der durch Paladine wie Germanus und Sittas, Beiisar und Narses, mehr als ausgeglichen wurde. Wir würdigten bereits die Verdienste Iustins um die Sicherung der späteren Position Iustinians. Die Verzichte des Kaisers und seines Neffen bedeuten in der Mentalität der damaligen Zeit ein Opfer, das nicht gering war. Sie fanden einen tatklosen Kritiker, der damit aber nur seine Voreingenommenheit im Dienst persönlicher Interessen preisgab. Das neue System rief ernste und berechtigte Klagen hervor. Aber in diesem grundsätzlichen Anklagepunkt hat der Kritiker sich selbst bloßgestellt. Er unterschlägt mit schulmeisterlichen Argumenten die weltgeschichtliche Rolle Iustins, mißdeutet aber auch die wohlweisliche Selbstbescheidung Iustinians und verrät damit, daß nicht sachliche Gründe, sondern Parteigeist sein Urteil bestimmen. Natürlich fand audi das Privatleben des Kaisers seine wohlwollenden Rezensenten. Vor allzu reger Neugier der Zeitgenossen sdiützte ihn freilich das Alter. Er segelte mit seiner Gemahlin Euphemia, wenn man so sagen darf, auf der Leeseite des Entrüstungsstturmes, der uns noch heute aus den Blättern der Geheimgeschichte Prokops atemraubend entgegenschlägt. So vermerkt Theodoras erbarmungsloser Sittenrichter nur am Rande, daß Kaiser Iustinus keine standesgemäße Ehe geschlossen hatte. Seine Gattin Euphemia war von Haus aus eine Barbarin von leider unbekannter Nationalität und hieß bis zur Krönung Lupicina 65 . Die bösen Zungen hielten sich für äußerst witzig, wenn sie den Namen mit Lupae (Prostituierten) und Lupanaren (öffentlichen Häusern) in Verbindung brachten. Die Parallele ist stark übertrieben, denn sonst hätte Iustinus beizeiten für Änderung des anstößigen Namens gesorgt. Überdies muß es zahllose Frauen gegeben haben, die so hießen, ohne das geringste Ärgernis zu erregen. Die Namen Lupus, Lupicinus und zahlreiche Abwandlungen und Koseformen waren sehr häufig. Sollten die uns bekannten Konsuln und Generale dieses Namens das cognomen nicht auf die Töchter, in besonderen Fällen vielleicht sogar auf die Gattin, übertragen haben 66 ? Wäre der Name verpönt gewesen, so hätte Lupicina auch als Kommandeuse und Generalin nicht mit ihm auftreten können. Man erinnert sich hier mit Vergnügen, wie audi die berühmteste aller Wölfinnen einen Streit der Meinungen entfesselte. Wenn Livius die „Amme" der Gründer Roms für eine ebenso zweideutige wie zweibeinige Dame erklärt, so hat man ihn in seinem wesentlich hellhörigeren Zeitalter darum nodi lange nicht zum Gotteslästerer oder Hochverräter gestempelt. Die Wölfin war wohl Gottheit und Staatssymbol, doch dachte man in Sachen der meretrices viel zu großzügig, um sich über jene Respektlosigkeit aufzuregen. Der christliche Apologet Lactanz stampft bereits mit klobigen Stiefeln einher und schlachtet Livius als Beweis der Verworfenheit der heidnischen Götter aus67. Und wieder zeigt die Gattin Iustins, daß dergleichen wohl zu beachten war, wenn es um das Eindringen eines Namens in den Bannkreis des heiligen Palastes ging, daß aber im Alltag solche Rücksichten keine Rolle spielten. Es wirft aber ein bezeichnendes Licht auf den Charakter Iustins, daß er dieser Frau treugeblieben war, an die ihn keine äußeren Vorteile fesselten. Die Geschichte ihrer Liebe ist höchst romantisch und die Kürze ihrer Überlieferung widerspricht ihrer ungetrübten Dauer im Leben. Sie nimmt den orientalischen Märdientraum der Leidenschaft Iustinians vorweg, eröffnet die weltgeschichtlichen Mesalliancen einer Dynastie. Irgendwo in Feindesland, auf seinen dienstlichen Reisen oder gar in Konstantinopel selbst muß der glänzende Offizier die junge Barbarensklavin erblickt haben. Die näheren Umstände bleiben der Phantasie überlassen. Er kaufte sie, nahm sie in sein Haus oder Zelt und verlor sein Herz. Er besdiloß Lupicina zur Gemahlin zu erheben und heiratete gewiß unter dem Druck von dienstlichen Vorschriften zunächst einmal in der Form des Konkubinats. Das war rechtlich einwandfrei, benachteiligte aber die

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Frau und degradierte sie zu einer Gattin zweiten Ranges. Bei diesem Stand der Dinge verweilten die Feinde des Herrscherhauses natürlich mit Behagen. Aber zweifellos dauerte der Zustand nicht lange und Iustinus konnte sich erlauben, auch die standesgemäße Ehe zu schließen. So erlebte Lupicina an der Seite ihres Mannes den gesellschaftlichen Aufstieg bis zur Höhe der Senatoren- und Patriciuswürde. Politiseli trat sie nicht hervor, beharrte aber, wie ihre Unversöhnlichkeit gegen Theodora zeigt, in Familienangelegenheiten auf ihrer Meinung. Damit wäre der Hintergrund gewonnen, um Prokops hartes Urteil über Iustinus zu mustern. Er meint, der Kaiser hätte seinen Untertanen weder Gutes noch Böses antun können. Denn er war von großer Gutmütigkeit, überhaupt nicht wortgewandt und von äußerst bäurischen Umgangsformen. Schließlich kommt die Kritik darauf hinaus, daß Iustinus nur noch ein hilfloser Greis und eine Marionette in den Händen seines Neffen war 68 . Die Geschichte der Regierung Iustins gestattet uns nicht, dieses Urteil zu widerlegen, denn in der Tat war Iustinian allgegenwärtig und vom ersten Augenblick an im Guten und Bösen die treibende Kraft. Doch wird man sich angesichts der eben skizzierten Entwicklung des Mannes, der die Macht erobert hat, kaum einem so gehässigen Urteil anschließen dürfen. Denn es dient den Zwecken einer Parteischrift, die zumindest Iustinian mit tödlichem H a ß verfolgte. Iustinus kam nur deshalb etwas besser weg, weil er tot, also kein greifbarer Gegner mehr war. Prokop bezeichnete übrigens auch Iustinian als gutmütig, ja geradezu umgänglich und leutselig. Hier macht er sich die Mühe, psychologisch tiefer zu schürfen und unterscheidet Schein und Sein. Vielleicht nicht ganz mit Unrecht, denn dem General stand die gutmütig populäre Maske natürlicher zu Gesicht als seinem Neffen, der die Welt vom grünen Tisch aus regierte. Doppelleistungen zweier Männer geben immer zum Rätselraten Anlaß. Hier entscheidet noch in höherem Maße als bei der Einzelleistung der Erfolg. Und über diesen läßt sich in unserem Falle nicht streiten. Überdies trieb hier alles zur gegenseitigen Ergänzung: Jugend und Alter, erste und zweite Generation, Onkel und Neffe, Frontgeneral und Salonoffizier, Militär und Verwaltungsmann, gesunder Menschenverstand und höchster Bildungsstand, biedere Standfestigkeit und geschäftige Allgegenwärtigkeit. Die Verwandtschaft ersetzte oder vertiefte das gewohnte Vorgesetzenverhältnis. Denn Iustinus war als Militär enge Zusammenarbeit gewohnt. Die sogenannte militärische Ehe hat es auch in damaligen Zeiten gegeben. Adjutantendienste waren selbstverständlich. Wie ein Feldherr mit Zivilisten zusammenarbeitete, zeigt das Verhältnis Beiisars zu Prokop. Also bestanden auch hier alle Voraussetzungen, daß Iustinus den Mitarbeiter richtig benutzte, ohne die eigene Persönlichkeit aufzugeben. Dem alten Hofgeneral fiel die kaiserliche Haltung leichter als Anastasios, leichter als Iustinian, denn er war als langjähriger Chef der Leibwache Fachmann für militärische Repräsentation. Darüber hinaus besaß er den Instinkt des geborenen Könners für alle Fragen der reinen Macht. Man hat das joviale Auftreten als Schwäche gedeutet. Iustinus zeigt, daß er die Tradition seines Berufs zu wahren wußte. Er selbst hatte wohl etwas vom biederen Soldatenvater, den seine Truppen lieben, für den sie durchs Feuer gehen. Das Unpopuläre und Kleinliche des Gamaschendienstes bleibt den Offizieren überlassen. So überstrahlte Iustinus auch als Kaiser mit Biedermannsmiene das „Heerlager" seines Reiches und war sich doch bewußt, daß die ausführenden Organe, allen voran seine rechte Hand Iustinian, mit nicht weniger schneidender Schärfe ihre Pflicht versahen wie einst seine Adjutanten in der Exkubitorgarde. Das leise und doch exakte Spiel des Staatsapparats erforderte von einem solchen Manne nicht Wort, sondern Wink. Für die langen Reden waren die Minister da. Kein Wunder, wenn Senat und übergangene Höflinge murrten und im militärischen Zuschnitt nur schlechte Manieren sahen. In diesen Kreisen empfand man das Regime als ν»

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revolutionär. Es muß sich zeigen, ob dieser Vorwurf die Ziele oder die Methoden der neuen Männer trifft. Die Macht war gewonnen. Jetzt galt es zu handeln. In diesem Augenblick erscheint die Kirche auf der Bildfläche. Gewiß hatten Iustinus und sein Neffe längst mit ihrer Hilfe intrigiert und verdankten audi geistlichem Einfluß den Sieg im Hippodrom. Jetzt wurde das orthodoxe Bekenntnis des Kaisers zum Faktor der Innenpolitik. Die geplanten Maßnahmen mußten als Wunsch des Volkes erscheinen. Und das Volk sträubte sich keineswegs gegen die Rolle des Statisten. Die siegreiche Kirchenpartei stellt den Politikern die allzeit bereite Claque und macht Revolution auf Bestellung. So wechselt die Szene vom Hippodrom zur Hagia Sophia. Am 15. Juli 518, also nodi keine Woche nach der Wahl, bedrohte das Volk den Patriarchen in seiner Kirche und forderte stürmisch die Verdammung des Monophysiten Severus von Alexandreia. Die Schreier versprachen ihrem Kirchenfürsten ein Konklave zu bereiten und ihn nicht von der Stelle zu lassen, bis er sich entschieden hatte. Patriarch Johannes hatte schon bei der Kaiserwahl gezeigt, daß er kein Glaubensheld war. Er gab den Forderungen statt und konnte die Kirche unbehelligt verlassen. Sein Verhalten fand Spott und Verachtung von Seiten der Anhänger des Anastasios. Die Verwandten scheinen sich abwartend und vorsichtig verhalten zu haben. Großkämmerer Amantios dagegen äußerte sich offen über die schändliche Gesinnungslosigkeit des Patriarchen. Seine Sarkasmen eilten blitzschnell durch die Stadt und die Regierung benutzte die günstige Gelegenheit zu einem Schlag gegen die Andersdenkenden, der zugleich nach orientalischen Gepflogenheiten den Mitbewerber um die Herrschaft ausschaltete. Schon am nächsten Tag wiederholten sich die Radauszenen in der Sophienkirche, und diesmal war nicht der Patriarch, sondern Amantios die Zielscheibe. Die Schreihälse brachten die Parole vom gotteslästerlichen Ketzer und Manichäer Amantios, dem neuen Tzuma, auf, womit sie sagen wollten, daß er dieselben Ansichten vertrat wie der Organisator der Räubersynode Chrysaphius, den Kaiser Marcianus hatte hinrichten lassen. Iustinus ließ sich insbesondere das letztere Omen nicht zweimal sagen und nodi vor Ablauf des zehnten Tages nach dem Umsturz war Amantios mit seinem gesamten Anhang ein Mann des Todes. Den Vorwand für die Hinrichtung gaben die Äußerungen gegen Patriarch Iohannes ab und tatsächlich feiern die monophysitisdien Schriftsteller Amantios als Märtyrer ihres Glaubens. Iustinus ging es natürlich um die Ausschaltung des Thronanwärters. Daher tötete man auch den bei der Wahl kürzlich vorgeschobenen Strohmann des Eunuchen, eben seinen Neffen Theokritos, sowie den Cubicularius Andreas und verbannte die Cubiculare Misael und Ardabur nach Serdica-Sofia. Dadurch war die Macht der Eunuchenclique des verflossenen Regimes ein für allemal gebrochen. Am Tag darauf wurden die Namen des Papstes Leo der Große sowie der orthodox gesinnten Patriarchen Euphemios (490—496) und Macedonius (496—511) in das eucharistische Gebet aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit dürfte Iustinian durch geschickte Lenkung der Volksseele sein Probestück abgelegt haben. Iustinus blieb wohlweislich im Hintergrund, denn er hatte ja soeben beschworen, daß er als Kaiser einen Strich unter die Vergangenheit ziehen, insbesondere keinen Konkurrenten oder Feind aus früheren Jahren verfolgen werde. Seit dieser ereignisreichen Woche, so heißt es bei Prokop, zitterten die Gegner vor dem Schreckensmann Iustinian 69 . Später folgte noch die Verbannung des Senators Patricius, doch sind die Gründe nicht ersichtlich70. Der Geheimdienst war auf der Hut und es dürften noch manche Maßnahmen erfolgt sein, die sich unserer Kenntnis entziehen. Die Wut der Demonstranten von der Sophienkirche hatte neben Amantios auch dem Finanzminister des verstorbenen Kaisers gegolten. Marinus hatte sich die Gunst des Volkes durch seine ausgezeichneten Fähigkeiten verscherzt, was bei einem Fachminister für das Steuer-

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wesen nicht gerade verwunderlich ist. Vielleicht hatten die Einpeitscher der Volksseele von höherer Stelle den Auftrag, bei dieser Gelegenheit durch Stimmungsmache den Minister des verflossenen Regimes zu treffen und Popularität für die neue Regierung zu haschen. Marinus verlor sein Amt, doch erhielt es der Unentbehrliche bald von neuem übertragen, eine auffallende Parallele zu den Ereignissen um Johannes den Kappadoker im Nikaaufstand 532. Marinus steht unter den Zeugen für die Weiterverwendung hochqualifizierter Fachkräfte an erster Stelle71. Unter den positiven Maßnahmen stand die Rehabilitierung der Gegner des Anastasios an erster Stelle. Sofort rief man die vertriebenen Orthodoxen zurück, so etwa den Bischof Iohannes aus seinem Verbannungsort Petra. Ähnlich erging es auch den illustren Zivilbeamten und Militärs. Jetzt wurde der ägyptische Feudalherr Apion von dem unfreiwillig getragenen Priesterkleid erlöst. Anastasios hatte ihn höchster Ehren gewürdigt. In jener Entsatzarmee für Amida, die unter vier gleichrangigen Oberbefehlshabern zu keiner einheitlichen Handlung kommen konnte, leitet er das Heeresnachschubwesen und war im Gegensatz zu den Generalen mit vizekaiserlichen Vollmachten für alle wirtschaftlichen Belange ausgestattet. Nach dem Scheitern des Feldzuges hatte Anastasios ihn fallen lassen. Iustinus zog den alten Kriegskameraden sofort an sich heran und übertrug ihm nach seinem Bekenntnis zur Rechtgläubigkeit die Prätorianerpräfektur in comitatu. Der ehemalige Heermeister Philoxenos wurde 520 vermutlich in Nachfolge Iustinians zum comes domesticorum ernannt und bekleidete 525 den Konsulat. Ein weiterer in Ungnade gefallener Heermeister des alten Regimes war Diogenianos, dem jetzt der Befehlsbereich Orient übertragen wurde 72 . Die personalpolitische Neuorientierung konnte keinen Einsichtigen befremden. Allenfalls forderte der Gesinnungswechsel des einen oder anderen Würdenträgers zu heimlicher Kritik heraus. Es blieb ja zunächst genug beim alten. Da schlug die Nachricht von der Ernennung des Rebellen Vitalianus zum magister militum praesentalis zweifellos wie eine Bombe ein 73 . Verdankte doch Iustinus seinen militärischen Ruhm und damit auch die Krone nicht zuletzt dem Triumph über Vitalianus. Das für einen kleinen Kreis von Eingeweihten schon damals kaum überraschende Verhalten der Regierung wirft ein Schlaglicht auf die turbulenten Frontwechsel jener Tage, kennzeichnet aber auch das Landsknechtstum der Troupiers vom Schlage eines Vitalianus. Man erlebt immer wieder, daß eine gewisse Schicht durch ritterliche Kameraderie verbunden war, die zwar keine überhaupt erdenkliche Treulosigkeit ausschloß, aber dennoch allen Auseinandersetzungen etwas von ihrer Schärfe nahm. Das spätere Schicksal der Familie Vitalians beweist das geradezu klassisch. Im Augenblick war von dem Geschlagenen wohl nichts zu befürchten. Dafür sorgte die rasche und reibungslose Absolvierung der Kaiserwahl, vielleicht auch frühere Querverbindungen zwischen Vitalian und lustin durch kirchliche Mittelsmänner. Von einem Condottiere, der über beträchtlichen Reichtum verfügte — man denke an die Hypatios abgenommenen Schätze und Lösegelder — und vor allem vom populärsten Vorkämpfer der Einigung mit Rom und dem Papst war jedoch auf die Dauer nur unbequeme Konkurrenz, im günstigsten Falle eine recht selbstbewußte Mitarbeit zu erwarten. Man gab also Vitalian den einflußreichen Posten, gewann damit zunächst Rückenfreiheit an der Balkanfront des Reiches und vor allem die Möglichkeit, den gefährlichen Mann ständig in Reichweite zu halten. Viel wog die Sicherheit der neubefriedeten Balkanländer, viel wog aber auch die Resonanz Vitalians unter der gläubig katholischen Bevölkerung. Wie zu erwarten, beschränkte sich der Hofgeneral nicht auf seine militärischen Aufgaben. Er stand schon 515 im Briefwechsel mit dem Papst und widmete sich jetzt erst recht der Durchführung der religiösen Reformen. Sein Ansehen stempelte

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I. Einleitung

ihn zum zweiten Mann im Reich. So zeichnete er sich in der Verfolgung des Patriarchen Severus durch Fanatismus aus, verlangte sogar körperliche Verstümmelung. Bei der feierlichen Einholung der päpstlichen Gesandtschaft in Konstantinopel nennt ihn der Bericht noch vor dem AnastasiosnefFen Pompeius und ebenfalls vor Iustinian. Der Papst nennt Vitalian und Iustinian seine geliebten Söhne. Die Haltung der Regierung legt den Verdacht nahe, daß sie Vitalians Temperament und Einfluß bei den Volksmassen für die Durchsetzung des kirchenpolitischen Umschwungs ausnutzte und den H a ß der Betroffenen weitgehend auf ihn konzentrierte. Zumindest entsprach dies dem Ablauf der Dinge. Vitalian übernahm nodi den Konsulat für das Jahr 520, wurde aber im Juli dieses Jahres ermordet. Insbesondere trugen die von ihm inszenierten Unruhen skythischer Mönche zur Katastrophe bei. Denn die Beziehungen Vitalians zu den Balkanländern und vor allem zum Ausland dürften gerade nach seiner Übernahme in den Reichsdienst der neuralgische Punkt seines Verhältnisses zur Regierung gewesen sein. Es heißt nicht umsonst, daß kurz vor seinem Auftauchen in der Hauptstadt verschiedene Völker auf seine Seite übergegangen waren 74 . Nach den glaubwürdigsten der in diesem heiklen Falle besonders widerspruchsvollen Berichte endete Vitalianus bei einer Einladung in den Kaiserpalast. Er soll kurz nach seinem heftigen Vorstoß gegen Severus in die Hauptstadt gekommen sein, um in den Thermen zu baden, erhielt bei dieser Gelegenheit zusammen mit Iustinian eine Einladung in den Palast und fiel beim Überschreiten eines Hofes unweit des Delphax unter den Streichen der Mörder. Vielleicht hat Iustinian den Mord nicht durch Soldaten, sondern durch fanatische Monophysiten ausführen lassen. Nach außen stand er für den Augenblick unbelastet da, wurde aber allgemein als Urheber angesehen. Doch zeigt das literarische Echo, daß Vitalian in der Hauptstadt seit jenem Bürgerkrieg außergewöhnlich viele Feinde hatte, die ihm die damals angerichteten Verwüstungen, die Verluste an Toten und die Schädigung des römischen Ansehens im Auslande nicht vergaben. Auch die mit dem Ereignis verbundenen Volksunruhen lassen vermuten, daß Iustinian die Aktion ähnlich vorbereitet hat wie im Falle des Großkämmerers Amantios. Der unvermutete Schlag machte auf Freund und Feind tiefen Eindruck. Unüberbrückbar schien der klaffende Widerspruch zwischen den heiligen Schwüren, die der Herrscher mit Vitalian getauscht hatte, und dem heimtückischen Charakter der Mordtat. Die Ansichten der Opposition über die Persönlichkeit Iustinians erhielten gefährliche Nahrung. Und doch hat die Tragödie ein versöhnliches Nachspiel. Die Familie des Ermordeten wurde in keiner Weise benachteiligt. Selbst eine radikale Vermögensbeschlagnahme scheint nicht erfolgt zu sein. Vor allem läßt die militärische Laufbahn der Söhne und Neffen Vitalians nichts zu wünschen übrig. Sein ehemaliger assessor Hermogenes, vermutlich ebenfalls gotischer Herkunft, brachte es unter Iustinian zum magister officiorum. Von seinen Söhnen Kutzes und Buzes avancierte der eine (früh gefallene) zum dux, der andere zum Heermeister des Orients. Die zahlreichen Neffen und selbst einer von deren Söhnen sind in einflußreichen Stellungen bezeugt. Johannes, der Neffe Vitalians, gehört zu den erfolgreichsten Truppenführern des iustinianischen Zeitalters und heiratete eine Nichte des Kaisers. Darin kommt neben dem unleugbaren militärischen Talent der Familie audi der Respekt zum Ausdruck, den der Name Vitalian bei den Feinden des Reiches genoß. Das Herrscherhaus war nicht gesonnen, auf die Kraft dieses Namens ganz zu verzichten. Aber selbst die abstoßendsten Ereignisse aus der Skandalchronik dieser Jahre ordnen sich in die große Linie eines Programms. Der Sieg Iustins bedeutete die Einigung mit Rom. Die Zwischenfälle verraten die Methode. Der Kaiser und sein Neffe zeigten sich den Feinden schrecklich und überwachten die Freunde in unerschöpflichem M i ß t r a u e n , w a r e n e i f r i g u n d s k r u p e l l o s bestrebt, d i e I n i t i a t i v e f ü r sich allein

zu

4. Iustinus

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sichern. Vor allem war es Iustinian, der die gesamte Politik auf die Nachfolgefrage abstellte, kein Mittel demagogischer Beeinflussung der Massen scheute. Die Kreise, die an der Überlieferung hingen, stöhnten unter dem Terror der von ihm aufgeputschten Großstadtjugend. Die Zirkusparteien fühlten sich unentbehrlicher denn je. Wenn Iustinian die Blauen unterstützte, mußte er sich über die Folgen klar sein. Grundsätzlich war sein Verhalten nicht neu. Auch frühere Kaiser hatten sich auf eine Partei festgelegt und Iustinian hatte nodi keine offiziellen Rücksichten zu nehmen, besaß nicht einmal auf die Thronfolge Rechtsanspruch. Immerhin waren seine Absichten zumindest seit dem Tode Vitalians ein öffentliches Geheimnis. So mußte sich die demagogische Förderung einer Partei verhängnisvoll auswirken. Das Alltagsleben wurde in ungewohntem Ausmaß politisiert und bald verübten die Terroristen unter politischem Mäntelchen kriminelle Verbrechen. Wie gewöhnlich schlichen sich Raufbolde und Verbrecher ein, die das zweideutige Verhalten der Polizeiorgane für ihre gänzlich unpolitischen Absichten ausnutzten. Iustinian hat, wie die beweglichen Klagen Prokops beweisen, seine Absichten erreicht. Konservative und Anhänger der alten Dynastie, überhaupt die reiche Oberschicht, wurden gründlichst eingeschüchtert. Kein Widerstand wagte sich hervor. Sobald er im Sattel saß, die Nachfolge gesichert war, änderte er den Ton und sorgte im Zirkus und auf der Straße für Ordnung. Die Rechnung wurde im fünften Jahre nach der Thronbesteigung im Nikaaufstand präsentiert. Wenn er auch gesiegt hat, die Folgen der politischen Sittenverwilderung waren während der ganzen Regierung Iustinians zu spüren. Die Bedenkenlosigkeit der neuen Männer gereichte ihrer Sadie fürs erste nicht zum Schaden. Die Liquidierung der Religionspolitik der Kaiser Zeno und Anastasios wurde mit größter Betriebsamkeit und unleugbarem Erfolg in Angriff genommen. Der Patriarch hatte sich unter dem Druck der Terroristen rasch zur Anerkennung der Synode von Chalkedon bewegen lassen. Unmittelbar nach der Ermordung der Eunuchen mußte er eine Synode einberufen, die dem Kaiser in einer Petition nahelegte, das Geschehene gesetzlich zu verankern (20. Juli). Die Rolle der Kirchenversammlung entspradi etwa der des Parlaments einer autoritären Regierung unserer Tage. Mit dem gewünschten Dokument des Mehrheitswillens in der Hand erließ Iustinus sofort den Rundbefehl, der die Kirchenpolitik Ostroms einheitlich ausrichtete. Die Vita des Hl. Saba überliefert die begeisterte Aufnahme des Erlasses in Palästina, wo er am 6. August unter großem Zulauf von Mönchen feierlich verkündet wurde 75 . Der Erlaß stellte das monophysitische Bekenntnis und selbstverständlich alle sonstigen Ketzereien unter Strafe und wies die Provinzgouverneure zu entsprechenden Maßnahmen an. Die Folge war wüster Terror, der vor allem die Monophysiten traf. N u r in Ländern von absoluter Mehrheit der Andersdenkenden wagte die Regierung nicht, auf buchstäbliche Verwirklichung ihrer Forderungen zu dringen. Überall, wo die Orthodoxen sich stark genug fühlten, ging eine Flut von Verfolgungen über die Monophysiten nieder. Ihre fanatischsten Anhänger, insbesondere die Mönche, wanderten kurzerhand in die Wüste und gründeten eine Reihe von Emigrantensiedlungen, die der Staatsgewalt unerreichbar blieben 76 . Der Führer der Monophysiten, Patriarch Severus von Antiocheia, floh am 29. September 518 nach Ägypten, wo er zumindest vor den handgreiflichen Absichten des fanatischen Katholiken Vitalianus sicher war. 54 Bischöfe wurden abgesetzt und verbannt; unter ihnen entfaltete Philoxenos von Mabbug die erfolgreichste literarische Tätigkeit. Severus wuchs in Alexandrien zum großen Heiligen der koptischen Kirche empor. Selbst die Zwistigkeiten unter den Anhängern seines Bekenntnisses, die das Werk Iulians von Halikarnass und seiner extremen Auffassung von der Göttlichkeit des Leibes Christi waren, konnten seiner Autorität auf die Dauer nichts anhaben.

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I. Einleitung

Sofort wurde das Gespräch mit R o m über die Beseitigung des Schismas aufgenommen. Drei Wochen nach dem Regierungswechsel ging die Siegesbotschaft an den Papst ab (1. August 518). Am 7. September reiste der Gesandte Gratus nach R o m und überbrachte Schreiben des Kaisers, des Patriarchen und Iustinians. Bei dieser Gelegenheit wurden nicht nur Briefwechsel und gegenseitige Gesandtschaften zum Ziel rascher Einigung eröffnet, sondern darüber hinaus der Papst nach Konstantinopel eingeladen. Es war Iustinian, der den Papst hier an eine in anderem Zusammenhang gegebene Zusage erinnerte. Als Privatmann durfte er am weitesten gehen, dodi handelt es sich hier um mehr. Iustinian verrät gleich in seinem ersten diplomatischen A k t lange vor dem T o d e Theoderichs des Großen die Tendenz seiner P o l i t i k : Fußfassen im Westen und schmeichlerische Unterjochung des Papstes 7 7 . D e r Ablauf der Einigungsverhandlungen zeigt mit wünschenswerter Deutlichkeit, daß die oströmische Regierung zwar die von Anastasios verteidigten Lehrmeinungen widerrief, aber seine autoritative Haltung gegenüber dem Papst trotz scheinbarer Unterwürfigkeit beibehielt. A m Anfang des folgenden Jahres ging eine starke päpstliche Legation, deren gewichtigste Persönlichkeit der D i a k o n Dioskuros von A l e x a n drien war, nach Konstantinopel ab. Sie wurde von Vitalian, Pompeius und Iustinian sowie dem gesamten Senat am 2 5 . M ä r z zehn Meilen vor der Stadt feierlich eingeholt. Das V o l k gab mit brennenden Kerzen das Geleit 7 8 . D i e Gesandten waren mit genauesten Instruktionen versehen und konnten nach Abschluß der Verhandlungen im M ä r z 5 1 9 einen vollen Erfolg nach R o m melden. Immerhin hatten sie sich gegen ihre Vorschriften auf Auseinandersetzungen einlassen müssen. D e r Patriarch war nicht gesonnen, das römische D i k t a t ohne zumindest symbolische Diskussion anzunehmen. U n d der Historiker des Papsttums bemerkt mit Recht, daß der Triumph der römischen Lehrmeinung nicht entfernt mit den Tagen eines Leo I. zu vergleichen war. Diesmal w a r es nicht der Papst, sondern der Kaiser, der die Initiative hatte und die Kirche streng auf den geistlichen Bereich verwies 7 9 . Schon die nächsten Ereignisse verrieten, wie die Dinge in Wirklichkeit standen. Gleich nach der Einigung bedrohte das Vorgehen einer mit Vitalian in Verbindung stehenden Gruppe von Mönchen aus der Provinz Scythia (Dobrudscha) den kirchlichen Frieden. Iustinian nahm zunächst gegen die Unruhestifter Stellung, änderte aber bald seinen Standpunkt, indem er sich in der Hoffnung wiegte, daß die theopaschitische Formel „Einer aus der Dreieinigkeit hat im Fleische gelitten" bei der Versöhnung zwischen Katholiken und Monophysiten gute Dienste leisten würde. Sein überraschender Frontwechsel gestaltete die Lage für die römischen Kirchenpolitiker äußerst unübersichtlich 80 . Noch klarer offenbarte ein Zwischenfall in Thessalonike die Schwäche des Papstes. H i e r forderte der Legat Johannes als Sonderbeauftragter der immer noch in Konstantinopel weilenden Gesandtschaft von Bischof Dorotheus die Unterschrift unter den päpstlichen Libellus. I m Zusammenhang mit der Verweigerung dieser päpstlichen Forderung kam es zu Ausschreitungen, und der Pöbel schreckte nicht vor Bluttaten zurück. Zwei Diener des Legaten und sein Gastgeber wurden erschlagen, er selbst kehrte mit schweren Verwundungen zur Hauptgesandtschaft in Konstantinopel zurück. D e r Papst war natürlich sofort unterrichtet, verhielt sich aber überaus vorsichtig. E r überließ die Bestrafung des Verbrechens dem Kaiser und äußerte lediglich den Wunsch, Dorotheus solle zwecks dogmatischer Belehrung nach R o m gesandt werden. Selbst das war vergeblich und in Kürze hatte sich Dorotheus aus der U n t e r suchungshaft in Heraclea befreit und verwaltete wieder sein thessalonisches V i k a r i a t 8 1 . Noch übler ging es dem Papst bei seinen Versuchen zur Einmischung in die kirchliche Personalpolitik des Ostreiches.

4. Iustinus

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Die Legation traf nach reichlich einjährigem Aufenthalt wieder in Konstantinopel ein. Sie überbrachte neben den üblichen offiziellen Dokumenten auch einen temperamentvollen Brief Iustinians. Er empfahl dem Papst weise Beschränkung in der Frage des Verdammungsurteils über die Nachfolger des Patriarchen Acacius. Dagegen forderte er Entschlossenheit in der Frage der Skythenmönche, damit endlich alle Streitpunkte beseitigt würden. In seiner Antwort auf die von der Legation überbrachten Schreiben nahm Hormisdas wiederum ausweichend zu den schwebenden Fragen Stellung, erkannte aber mit um so klareren Worten die Initiative des Kaisers, sein alleiniges Verdienst um die Einigung, an 82 . Der oströmische Kaiser hat zwei seiner Vorgänger, Zeno und Anastasios, aus den Diptychen streichen lassen und, wenn auch nicht mit gleicher Konsequenz, die Patriarchen dieses Zeitraums desavouiert. Natürlich war die Streichung jener Kaiser eine Maßnahme, die lediglich kirchenpolitische Bedeutung hatte. Ihre Gesetze blieben in Kraft, ihr Andenken und nicht zuletzt die Nachkommen hochgeehrt. Das Kaisertum hat sich die moralischen Opfer, die es der Einigung brachte, teuer bezahlen lassen. Hätte Hormisdas länger gelebt, wäre er gewiß noch selbst in die Lage gekommen, am Hofe zu Konstantinopel seine Aufwartung zu machen. Theoderich der Große wußte das genau und zwang den Nachfolger Johannes I. zu Briefträgerdiensten. Dann hat Iustinian wie selten ein Kaiser das Papsttum an die Kandare genommen. Er trieb in dem knappen Jahrzehnt der Regierung Iustins gemeinsam mit seinem hohen Verwandten und Gönner die zielbewußteste Religionspolitik. Wer darin nur theoretisches Interesse an dogmatischen Fragen sah, hätte durch die kommenden Katastrophen belehrt werden müssen. Die rauchenden Trümmer Italiens, die Vernichtung zweier Germanenvölker, die Verarmung und empfindliche Dezimierung der alteingesessenen Bewohner des Westreichs waren dazu angetan, jedermann über die Hintergründe der oströmischen Religionspolitik die Augen zu öffnen. Seltsamerweise ist dem repräsentativen Historiker des Zeitalters, Prokop, dieser Zusammenhang nicht aufgegangen. Er hat zwar gelegentlich ein religionsgeschichtliches Supplement seiner profangeschichtlichen Werke versprochen, doch lassen die einschlägigen Äußerungen seiner Kriegs- und Geheimgeschichte selbst da, wo er Iustinians theologische Spitzfindigkeit verspottet, keine Einsicht in den Zusammenhang zwischen Religion und Politik erkennen. So kann auch die Ansicht moderner Beurteiler, daß die Religionspolitik ohne expansive Absichten eingeleitet worden sei, nicht überzeugen. Iustinus stand am Anfang seiner Regierung im siebenten, Iustinian im vierten Jahrzehnt seines Lebens. Schon dieser Umstand läßt vermuten, daß ihre grundsätzlichen Überzeugungen feststanden. Überdies stammten beide aus Illyricum und waren schon dadurch für die Westpolitik prädestiniert. Papst Hormisdas hat diesen Ausdruck sogar selbst in seinem prophetischen Brief an Iustinus gebracht88. Er liefert hier den Beweis, daß Iustinus und Iustinian schon vor dem Regierungswechsel mit Rom konspiriert hatten. Nur in einem Punkt irrt der Papst. Den Lorbeer des Friedebringers haben Iustinus und sein Nachfolger später verscherzt. Vom Kirchenfrieden Iustins führt ein gerader Weg zum Gotenkrieg Iustinians. Bei näherem Zusehen nimmt man den Vorwurf freilich zurück. Es war ja hier nicht die Rede von einem pazifistisch völkerbeglückenden Frieden. Daß die Sache der Einheit zunächst so ausgelegt werden konnte und sicher auch von der Öffentlichkeit so verstanden wurde, gehört freilich zu den unwillkürlichen Unaufrichtigkeiten auch dieses Systems in seinen Anfängen. Es geht vielmehr um das Kampfbündnis einer weltlichen und einer geistlichen Macht, das sich so oder so eines Tages gegen die arianischen Goten auswirken mußte. In diesem Sinne zitiert Papst Hormisdas in einem Brief an den Kaiser mit Recht das so oft pazifistisch

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I. Einleitung

mißdeutete Bibelwort: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede herrsche auf Erden für alle Menschen guten Willens." Kurz gesagt: Friede für die Gesinnungsgenossen, Krieg und Terror für die Andersdenkenden 84 . Zunächst herrschte freilich eitel Friede und Freude im Verkehrston zwischen Ravenna und Byzanz. Das berechtigte Mißtrauen Theoderichs des Großen wurde mit diplomatischem Geschick eingelullt. Iustins erster Gesandter an den Papst hat sich zuvor in Ravenna seinen selbstverständlichen Pflichten gegenüber dem Staatsoberhaupt des Westreiches unterzogen und als Preis für die Unterstützung der religiösen Einheitspolitik vermutlich die Anerkennung des Gotenreichs als Erbmonarchie überbracht 85 . Theoderichs Thronfolger Eutharich wurde von Iustinus durch Waffenleihe adoptiert und bekleidete gemeinsam mit dem Kaiser den Konsulat des Jahres 519. Aber schon nach wenigen Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den Reichshälften. Seit den Erfolgen der byzantinischen Diplomatie im Vandalenreich war es um Theoderichs Ruhe geschehen. Die Ermordung seiner Schwester Amalafrida öffnete ihm die Augen für das dämonische Einkreisungswerk Iustinians. Der neue Papst Johannes I. konnte sich nicht wie der gutherzige und bei aller Verschlagenheit etwas naive Hormisdas das Vertrauen beider Parteien sichern. Berechtigtes Mißtrauen erntete und verdiente der Senat. So kam es zu den tragischen Mißverständnissen um Boethius und Symmachus. Die Kluft: wurde immer tiefer. Das Ostreich verfolgte die Arianer, während Theoderich den Katholizismus schärfer zu überwachen begann. Kaiser und Papst hatten längst einen Besuch geplant. Jetzt erzwang ihn ein Dritter. Johannes I. reiste im Auftrag Theoderichs nach Byzanz, um die Einigung der Reichshälften auf der Grundlage religiöser Toleranz durchzusetzen. Aber dort rieb man sich die Hände über Theoderichs Fehler. Der Empfang des Papstes wurde zum überwältigenden Bekenntnis des religiösen Einheitsgedankens gestaltet und keinem der Anwesenden konnte entgehen, daß im Untergrund die Sehnsucht nach der politischen Wiedervereinigung der Reichshälften mitschwang. Der Bittgang wurde zum Triumphzug. Nur triumphierte hier nicht der Gesandte Theoderichs, sondern der Papst als der natürliche Verbündete des oströmischen Kaisers. Um so kühler empfing man den Heimkehrenden am Hof zu Ravenna. Selbst seine Erfolge erregten Argwohn. Über diesen Nervenproben ist der von der Reise geschwächte Papst in Ravenna gestorben, auch das ein Schlag für Theoderich, dem man die Schuld gab. Bald darauf verhalf der Tod des Gotenkönigs dem Osten zu einem weit gewaltigeren Triumph. Theoderichs Sohn und geistesverwandter Thronerbe Eutharich lebte nicht mehr. Die Regierungsgewalt ging in die Hände einer Frau über, die innerlich auf der Seite von Byzanz stand. Fürs erste war nur ein Nachlassen des gotischen Selbstbewußtseins zu spüren. Aber der Name Iustinian gab dem greisen Kaiser des Ostreichs die Gewißheit weiterer Erfolge. Die letzten Monate seines Lebens waren vom Bewußtsein erfüllt, daß zwei mächtige Reiche des Westens steuerlos ins Fahrwasser der oströmischen Politik gerieten. Ob er im Gespräch mit dem Neffen das Schicksal der Vandalen und Goten voraussah, wissen wir nicht 8 '. Die von Haus aus ressortwidrige, aber für das neue Regime so charakteristische Gleichung zwischen Außenpolitik und Kirchenpolitik beschränkte sich in ihrer Geltung keineswegs auf das westliche Einflußgebiet von Byzanz. Doch hatte man im Osten mit Gegnern von ganz anderer Struktur zu rechnen. Das Perserreich und erst recht die zahllosen Barbarenvölker gehörten, von einzelnen Einbrüchen abgesehen, weder dem römischen Erdkreis noch der christlichen Religion an. An die Stelle machtbewußter Kirchenpolitik trat hier die unsicher tastende Mission. Gelegentlich rückte auch diese in die Sphäre der großen Politik und half historische Entscheidungen vorzubereiten oder ergriff von der Beute der weltlichen Gewalt in einem höheren Sinne Besitz. Und

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doch bestätigen diese Ausnahmen nur die Regel. Die Gleichung des byzantinischen Interventionismus im Westmittelmeer enthüllte sich an der Schwelle Asiens als groteske Ungleichung. Der Schwäche des Missionsgedankens entsprach hier der Primat der Außenpolitik. Wo der Reichsgedanke auf den noch älteren Anspruch des Orients prallte, verloren die religiösen und politischen Ideologien der Mittelmeerwelt auf der Waagschale der Macht ihr Gewicht. Im Westen konnte es geschehen, daß Päpste und Bischöfe zwischen den Machtzentren der Erde vermittelten. Dagegen wäre es lächerlich, die Gesandtschaftsreise eines Patriarchen von Konstantinopel an den Hof des Perserkönigs auch nur als Möglichkeit auszudenken. Im Osten beschränkten sich Religion und Ideologie auf die schmückende Begleitung. Die Stimmführung kam dem Diplomaten und, wenn dieser verstummte, dem Soldaten zu. Daher ist der östliche Strahlungsbereich des frühen Byzanz nicht zuletzt die Schule seines Selbsterhaltungstriebes, das Versuchsfeld seiner Realpolitik. Auf dem Boden des alten Orient waren die Herrschaftsformen entstanden, deren geistige Ausstrahlung bis tief in jenes weltbeherrschende Römertum hineinreichte, dessen verjährter Anspruch wie eine Haschischwolke das klare Denken der Nachfahren schwächte. Aber im Boden des Orients brodelten auch die Jungbrunnen nationaler Bewährung. Die Natur ist hier von Stein und ändert sich nicht. Die Quellen jener ältesten Lebenskraft sind für Freund und Feind unversieglich, wenn er sie zu nutzen versteht. Wer die Forderung des Tages, die in Wahrheit die Forderung uralter Wirklichkeit war, überhörte und sich weltweiter Zersplitterung der Kräfte ergab, dessen Werken mangelt es in den Jahrhunderten der Bewährung am Wasser des Lebens. Unter der Regierung Iustins ließ sich auch die Orientpolitik nicht übel an. Im Kaukasus drang das Reich zunächst missionarisch, dann diplomatisch bis nach dem heutigen Georgien vor. Eine wichtige Pufferzone wurde für immer dem byzantinischen Einfluß erschlossen. Dem entsprach die Aktivität auf der Nordseite des Schwarzen Meers, in Abessinien und Südarabien. Die Beziehungen mit den arabischen Satelliten Persiens gestalteten sich trotz ihres Raubzugs vom Jahre 519 friedlich. Persien suchte sogar die Freundschaft des Reiches. Erst als man die Hand des Großkönigs Kawä 2 4 . 204 Ρ An 22ff. Dazu PvK 281 ff. = RE 23 Sp. 557ff. Stein II 747fr. 761fr. 205 Ρ An ι, 2; 25,19. Dazu die Verliese und Verstecke in Theodoras Palästen mit ihrem Personal. 208 Ρ An 3, 10; 4, 25; 4, 10. 207 Ρ An ι, 9. Aed I 1,53. K o r n e m a n n , Große Frauen 29fr. G. G o o s s e n s , La reine Semiramis, de l'histoire à la légende. Leiden 1957. 208 K o r n e m a n n , Große Frauen 396. 209 Ρ An 15, 8. 17. 200

M1

III. Reichsidee und Kaiserkritik 2. Die

Rechtsgrundlagen

des

Herrschertums

T r e i t i n g e r 53. Ρ An 9,52. 212 Ρ An 10,9. 213 Ρ An 10,7. 214 Const. Porph. De caerimon. I 93 (429, 18 Bonn). 215 ep. LXXII, 3 (v. 520) Mansi VIII 503 D. Thiel S. 92of. E n s s l i n , Gottkaiser 91. 211 Theophyl. Simok. III 11, 8. Theoph. A M 6070 = I 248, i8f. E n s s l i n , Gottkaiser 92. 217 Das Verhältnis zwischen dem Alten Orient und Byzanz bedarf noch gründlicher Untersuchung. Vgl. E n s s l i n , Gottkaiser 7 f r . , H. F r a n k f o r t , Kingship and the Gods: A Study of Ancient Near Eastern Religion as the Integration of Society and Nature. Chicago 1948. W. v. S o d e n , Herrscher im Alten Orient. „Verständliche Wissenschaft" Bd. 54. Berlin 1954. F. T a e g e r , Alexander der Große und die Anfänge des hellenistischen Herrscherkults. Hist. Zeitschr. 172 (1951) 228f. H. J a c o b s o n , Die dogmatische Stellung des Königs in der Theologie der alten Ägypter. Glückstadt 1939. F r a n k f o r t - W i l s o n - J a c o b s e n , Frühlicht des Geistes. Stuttgart 1954 8off. (ägyptischer König). R. L a b a t , Le charactêre religieux de la Royauté assyro-babylonienne. Etudes d'Assyrologie 2. Paris 1939. J. E n g n e l l , Studies in Divine Kingship in the Ancient Near East. Upsala 1943. H. G r o s s , Weltherrschaft als religiöse Idee im Alten Testament. Bonn 1953. M. B l o c h , Les rois thaumaturges. Straßburg 1924. Α. F a l k e n s t e i n , W. v o n S o d e n , Sumerische und akkadische Hymnen und Gebete. Zürich 1953 (Bibliothek der Alten Welt). A. M o r e t , Du caractère religieux de la royauté pharaonique. Thèse. Paris 1902. Ders. : La Royauté dans l'Égypte primitive: totem etPharaon. Chalon-sur-Saône 1913. G. W i d e n g r e n , Sakrales Königtum im Alten Testament und im Judentum. Stuttgart 1955. W. S t a e r k , Die Erlösererwartung in den östlichen Religionen. Stuttgart 1938. M. B u b e r , das kommende Königtum Gottes. Berlin 1932. E. P e t e r s e n , „Heis Theos." (Epigraph., formgesch. u. religionsgesch. Unters, z. Rei. u. Lit. des Α. T. und Ν. Τ. Ν. V. Heft 24). Göttingen 1926. Zur Einwirkung des Alten Orients auf Kaiserzeit und Spätrom liegt eine reiche Literatur vor ( A l f ö l d i , L ' O r a n g e u.a.). Die Konsequenzen für Gesamtbyzanz versucht in vorläufiger Skizze zu ziehen: Α. M. S c h n e i d e r , Das byzantinische Zeremoniell und der alte Orient. Jahrb. f. kleinasiat. Forschung 2 (1952/3) 154/66. Zuletzt: L a r e g a l i t à s a c r a / The Sacral Kingship.Leiden 1959 ( = Supplements to Numen Bd. 4). Enthält 56 Referate zum Thema Sakralkönigtum vom VIII. Internationalen Kongreß für Religionsgeschichte in Rom 1955). Mit dem Alten Orient setzt sich auch ständig auseinander: F. T a e g e r , Charisma. Studien zur Geschichte des antiken Herrscherkultes. Bd. 1 (Stuttgart 1957) Hellas; Bd. 2 wird Rom behandeln. L. C e r f a u x , J. T o n d r i a u , Un concurrent du christianisme: Le culte des 210

211

jOuverains d a n s la civilisation gréco-romaine. P a r i s 1 9 5 7 (Bibliothèque d e théologie I I I 5). 218 W . S c h u b a r t , Die religiöse Haltung des frühen Hellenismus. Der Alte Orient 35, 2 (1937) 15. F. Taeger a. O. betont die Spontaneität Alexanders. 2,8 K o r n e m a n n , Große Frauen 1 3 0 f r .

224

Rechtsgrundlagen des Herrschertums

395

Amm. Mate. X V I io, 9 talem se tamque immobilem, qualis in provineiis suis visebatur, (Constantius). m Attila: Priskos F H G I V 78. Französiche Bischöfe des Konzils zu Frankfurt 794: Libri Carolini, M P L 98, 1014. E n s s l i n , Gottkaiser 77. B r é h i e r , Inst. 62. 222 Exod. 20, 2 223 T r e i t i n g e r i2Öf. 220

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ostenden

Inst. 1 2 , 6 Sed et quod principi placuit, legis habet vigorem, cum lege regia, quae de imperio eius lata est, populus ei et in eum omne srnrn imperium et potestatem concessit. Digest. I 4,i (Ulpianus) : Quod principi placuit, legis habet vigorem: utpote cum lege regia, quae de imperio eius lata est, populus ei et in eum omne suum imperium et potestatem conférât. Quodcumque igitur Imperator per epistulam et sübscriptionem statuit vel cognoscens decrepit νel de plano interlocutus est vel edicto praeeepit, legem esse constat: haec sunt, quae vulgo constitutiones ¿î/>/>î//ô/ûwj. Vgl.auchNov. 69 und Nov. 72. praef. Nach O.Th. Schulz (Das Wesen des römischen Kaisertums der ersten zwei Jahrhunderte=Studien zurGeschichte und Kultur des Altertums 8, 2 [Paderborn 1916] 57, Anm. 124) ist regia byzantinische Interpolation. Dazu noch : Gaius I 5 . . . cum ipse Imperator per legem imperium aeeipiat. Cod. lust. VI 23, j (Alexander a. 232): Licet enim lex imperii sollemnibus iuris imperatorem solverit. Auf die lex {regia) nehmen natürlich Bezug: Nov. 62 pr. : Postea vero quam ad maiestatem imperatoriam ius populi Romani et senatus felicitate rei publicae translatum est . . . Nov. 105 pr. : ύστερον δέ ό χρόνος εΙς τήν των εύσεβεστάτων αύτοκροττόρων μεταστήσας τό πολεμεϊυ τε καΐ είρήνην άγειν . . . Bezeichnenderweise stehen beide Stellen am Eingang von Gesetzen, die sich mit Senatoren und Konsuln beschäftigen. Iustinian hat aber die Rechtfertigung seiner Gewalt aus der lex regia nicht nötig, liebt es nur im Sinne seiner „archaistischen Tendenz" mit der römischen Vergangenheit zu kokettieren. Zu der in Wirklichkeit für ihn allein maßgeblichen Idee des Gottesgnadentums vergleiche man Ensslin, Gottkaiser 61 ff. und aus der Vielzahl der Zeugnisse zeitgenössischer Rechtsquellen etwa Nov. 137 pr. : ε! τούς πολιτικούς νόμου;, ών τήν Ιξουσίαν ήμϊν ó θεός κατά τήν αύτοΰ φιλανθρωπίαν έπίστευσε, βεβαίους διά πάντων φυλάττεσθαι ττρός άσφάλειαν των υπηκόων σπουδάζομεν Literatur: Schulz a. O. Mommsen, Rom. Staatsrecht II 876, 2 (Tribonian). 909fr. O. Lenel, Palingenesia iuris civilis . . . Ulpian 1916 (hält regia für Glosse). F. K n i e p , Der Rechtsgelehrte Gaius und die Ediktskommentare (Jena 1910) 38. Kreller, Sav.-Ztschr. Roman. Abt. 41 (1920) 265 ff. P. de Francisci, Bull, dell' Ist. di dir. rom. 34 (1925) 328 hält V i c o für den Urheber: Scienza nuova App. Ragion II c. 1 ed. Niccolini 1145. Giovanni Battista V i c o , Principii di una scienza nuova d'intorno alla commune natura delle nazioni, Neapel 1725 und öfter. Deutsch von Weber, Leipzig 1822. L e v y - R a b e l , Index Interpolationum quae in Iustiniani digestís inesse dicuntur I (Weimar 1919) 7. Suppl. I (Weimar 1929) 3. Filippo Messina Vit rano, La lex de imperio e il diritto pubblico giustiniano. Studi in onore di Pietro Bonfante 3 (1930) 253/9. Vocabularium iurisprudentiae Romanae (Berlin 1903ff.) 5, 1, 58, 28. Wenger, Quellen 378, 395, 4245. Das im Wahlakt manifestierte Gottesgnadentum als primäre und die lex regia als sekundäre, gewissermaßen stillschweigend inbegriffene Rechtsgrundlagen übertragen dem Kaiser mit der gesamten Staatsgewalt auch das Gesetzgebungsrecht. Unbeschadet der genannten den Vorrang behauptenden Begründungen des Gesetzgebungsrechtes sind im Corpus iuris civilis zwei Verhaltensweisen zum Gesetzgebungsakt zu beobachten, die als weitere sekundäre aber gleichfalls nicht unwichtige Teile des Gesamtapparates der Kaiserlichen Macht und ihrer religiösen, staatsrechtlichen und philosophischen Begründung anzusehen sind. Es handelt sich um die Vorstellungen νόμο; βασιλεύς und νόμος έμψυχος. Für Iustinian existieren beide einander widersprechenden aber unter gewissen Gesichtspunkten auch harmo-

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nierenden Begründungen des rechtlichen Aktes der Gesetzgebung nebeneinander. Der Kronjurist Iohannes Lydos bekennt sich in einer nicht ad hoc gemachten Äußerung zur Linie νόμος βασιλεύς, ohne aber die andere dadurch auszuschließen: έστί γάρ βασιλέως μέν τρόπος ό νόμος, τυράννου δέ νόμος ό τρόπος (De mag. 13 = 10, 10 Wünsch). Zu seinem Vorbild Synesios (Περί βασιλείας 6 d = 15. 4.) vgl. Karayannopulos 380. Vgl. Η. E. Stier, Nomos basileus. Diss. Berlin 1927. A. Steinwenter, Nomos empsychos. Zur Geschichte einer politischen Theorie. Anzeiger Akad. Wiss. Wien. Phil. hist. Kl. 83 (1946) 250fr. Unsere Probleme werden namentlich durch die letztgenannte Arbeit berührt, der ich noch einiges Material in Anwendung auf die hier untersuchten Fragen entnehme. Nomos basileus im Corpus iuris: Dig. I 1, 8 Marcìanus libro primo institutìonum : Nam et ipsum ius honorarium viva vox est iuris civilis. Nach Riccobonos Interpolationsvermutung stand hier nicht ius honorarium sondern praetor. Nach der Originalfassung wäre also der Prätor nomos empsychos gewesen. Als nomos empsychos bezeichnet sich Iustinian in Nov. 105. Der Kaiser ist das „lebendige Recht" in Person. Juristisch bedeutet das zwar eine Verbeugung vor dem römisch angelsächsischen Gedanken des Vorrangs der Präzedenzfälle, politisch dagegen eine weitere Stärkung des Kaisergedankens, da ja der Kaiser es ist, der Codices, neue Gesetze und Einzelentscheidungen als viva vox, als lex loquens und nomos empsychos von der Konzipierung bis zur Publikation verantwortlich (nicht willkürlich ! vgl. Lydos) gestaltet. Die (im Gegensatz zum Westen) schwache Nachwirkung in Byzanz kennzeichnet sowohl lex regia wie nomos empsychos. Die Ursache ist die gleiche : das Kaisertum hatte weder juristische noch philosophische Begründungen seiner Gesetzgebungsgewalt wie seiner politischen Gewalt nötig, wenn es auch wie im vorliegenden Falle gelegentlich wohlwollend davon Gebrauch machte. Zu den philosophischen und allgemein literarischen Grundlagen ferner zur Nachwirkung vergleiche man das reiche Material bei Stier und Steinwenter a. O., ferner die Bemerkungen von J. K a r a y a n n o p u l o s , Der frühbyzantinische Kaiser. Byzantin. Zeitschr. 49 (1956) 369/84 (Fortsetzung geplant). Seine Auffassung, daß der Nika-Auftsand von 532 eine entscheidende Phase des Übergangs von der juristischen zur mystischen Denkweise darstellt, trifft sicherlich für das persönliche Verhältnis Iustinians zum Senat, nicht aber für das frühbyzantinische Kaisertum als solches zu. Juristische und mystische Denkweise durchdrangen sich vor und nach Iustinian. Unter lustin II. und Tiberius lockerte sich manches und Senatstendenzen blieben bis in die Spätzeit lebendig. Mittelbyzantinisch: Treitinger 215 ff. Vgl. jetzt auch die wichtige Arbeit von M. G i g a n t e : Νόμος βασιλεύς. Napoli 1956 (Ricerche filologiche ed. M. Gigante. 1.) 226 Z u r Rechtsgrundlage des Kaisertums auch die klaren Ausführungen bei V a s i l i e v , Justin the First 7 8 f . 228 Grundlegend für das Wesen der Akklamationen sind A . A l f ö l d i , Die Ausgestaltung des monarchischen Zeremoniells am röm. Kaiserhofe: Römische Mitteilungen 49 (1934) 79/88; Treitinger 7 1 ff. V g l . F . C a b r o l , Acclamations: D A C L i , 1 240/4; A . S t u i b e r , Beifall: R A C 2 (1954) 92/103. Zuletzt: I n s t i n s k y , Kaiser und E w i g k e i t 79fr. N a c h seinen Ergebnissen zeigt die Entwicklung schon im 1. Jahrh. Ansätze (Nero, Domitian!) und gewinnt im 2. anBoden, die Inschriften Caracallas zeigen sie zum erstenmal in hohem Ausmaß, sie setzt sich durch das 3. Jahrh. hindurch fort, bis sie unter Diokletian und seinen Nachfolgern schließlich vorherrschend wird und fortan das zeremonielle Verhältnis zwischen den Untertanen und ihrem Herrn zum Ausdruck bringt. Das geht so weit, daß in vereinzelten Fällen selbst in Inschriften die Dedikation die F o r m der Akklamation aufnimmt und diese sogar in die Formulare der Meilensteine eindringt. Mit den Akklamationen eng verwandt und teils mit ihnen vereint, teils getrennt v o n ihnen kommt der Beifall durch Klatschen und ähnliche Zustimmungsäußerungen v o r (vgl. C. S i t t e l , Die Gebärden der Griechen und Römer [1906] 55/65). Musikbegleitung erwähnen Tac. ann. 16, 4 ; D i o 7 } , 2f. Die Künstlerlaufbahn Neros förderte und verquickte Beifall und Herrscherakklamation besonders wirksam: D i o 6 3 , 2 0 , 4 — 5 ; S u e t . N e r o 2 5 , ι . Im Senat der Kaiserzeit wurden die Akklamationen vielfach vorher genau abgesprochen: D i o

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7 2 , 2 0 ; H . P e t e r , D i e geschichtl. Lit. über die r ö m . K a i s e r z e i t . . . I ( 1 8 9 7 ) 2 0 8 . Z u r Rolle des Zirkus u n d seiner Faktionen als einer Brutstätte des Akklamationswesens sei n u r auf zwei Zeugnisse verwiesen: D i o 7 3 , 4 , ι und Coripp. laud. Just. 2 , 3 0 8 f r . Selbstverständlich haben die christlichen Gottesdienste auch über den Predigtbeifall hinaus allein durch die Liturgie u n d ihre Wechselgesänge zur Ausbildung auch des politischen Akklamationswesens beigetragen. Hierzu namentlich A . S t u i b e r im RAC. E . S t a u f f e r , Christus u n d die Cäsaren ( H a m b u r g 1 9 4 8 ) 1 7 1 . Weiter sei verwiesen auf: G. M i l l e t , Les n o m s des auriges dans les acclamations de l ' H i p p o drome. Mélanges N . K o n d a k o v 1 9 2 6 . P. M a a s , Metrische Akklamationen der Byzantiner. Byzantin. Zeitschr. 2 1 ( 1 9 1 2 ) 2 8 / 5 1 . Interessantes Akklamationsmaterial enthalten die Konzilsakten. Vgl. auch J o h . F l e m m i n g , A k t e n der Ephesinischen Synode v o m J a h r e 4 4 9 . Syrisch mit G e o r g Hoffmanns deutscher Übersetzung u n d seinen A n m e r k u n g e n . ( = Abhandlungen, Göttinger. Phil. hist. Kl. N F 15 N r . 1) Berlin 1917, besonders S. 16f. Bernhard O p f e r m a n n , Die liturgischen Herrscherakklamationen i m Sacrum I m p e r i u m des Mittelalters. Weimar 1 9 5 3 . Dazu ree. S t u i b e r , D L Z 1 9 5 5 , 2 0 1 m i t Lit.

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227 Wichtige Erkenntnisse z u m christlichen Herrscherbild u n d seinen klassischen G r u n d l a g e n bringen zwei Aufsätze v o n F. D ö l g e r : „ D i e Kaiserurkunde der Byzantiner als A u s d r u c k ihrer politischen A n s c h a u u n g e n " . „ R o m in der Gedankenwelt der Byzantiner". Beide zuletzt erschienen i n : „Byzanz u n d die europäische Staatenwelt" 5 ff., 7off. Z u m P r o b l e m „Kaiser u n d Christentum" a u c h : K. M. S e t t o n , Christian attitude towards t h e emperor in t h e f o u r t h century, especially as s h o w n in addresses t o the emperor. N e w Y o r k 1 9 4 1 . Dazu E n s s l i n , Gottkaiser; S t r a u b 7 6 f r . („göttliche B e r u f u n g " ) , T r e i t i n g e r 32fr. u n d öfter. G u t z w i l l e r 1 7 3 . Die F o r m e l christianissimus imperalor d ü r f t e zuerst geprägt sein v o n Ambrosius (ep. 1 , 1 M P L 1 6 , 9 1 4 ) Beatissimo augusto Grattano et ebristianissimo principi Ambrosius episcopus. . . . ebristianissime prineipum-, nihil enim babeo, quod hoc venus et gloriosius dicam . . . Syrische Kleriker: Coll. A v . 2 3 2 A ( 7 0 3 Günther). 228 Coll. A v . 2 3 3 ( 7 0 7 Guenther). 228 Cod. lust. I 5. 230 Cod. lust. I 6. 231 N o v . 1 3 2 v o m 4 . IV. 5 4 4 . 232 N o v . 1 4 1 . Bibelzitate: Ezechiel. 3 3 , 11. E v a n g . Matth. 3 , 8 . Homosexualität: Levit. 2 0 , 1 3 vgl. 18, 2 2 . Lex dei sive mosaicarum et romanorum legum collatio tit. V De stupratoribus. (Iurisprudentiae anteiustinianae quae supersunt ed. Huschke, Leipzig 1 8 8 6 S. 6 6 3 ) . 233 V e r g l e i c h s m a t e r i a l z u m H e r r s c h e r b i l d d e r i u s t i n i a n i s c h e n G e s e t z g e b u n g a u s d e n t h e o d o s i a n i s c h e n u n d p o s t t h e o d o s i a n i s c h e n N o v e l l e n . Theodosiani libri X V I ed. T h . M o m m s e n et P. M. Meyer. T. II Leges novellae ed. P. M. Meyer Berolini 1 9 0 5 . ( G r u n d sätzlich wird n u r e i n e Belegstelle ziziert.) a) dementia (Theodosius I, 1) sacra nostri numinis iussione ( T h . IV) perennitas ( T h . IV) divinis sensibus ( T h . V I I , 2 ) bumanitas (Th. V I I I ) humanis sensibus (Th. X I V ) . imperatoriae maiestatis (Th. X I V ) nostrae serenitatis ( T h . X V , 2 ) aeternitas (Valentinianus I, 3 ) p i e t a s (V. II, 3 ) . b) conscientia largitatis et benefaciendi provincia . . . inter imperatorias primasque virtutes obtinet prineipatum (Th. V), numinis nostri auetoritati (Th V I I , τ), provisionum maiestate (Th. V I I , 3 ) , nostrae humanitatis (Th. VIII), moderamen (Th. X I ) officium . . . provtdere (Th. X I V ) Ita prodest gentes barbaras nostri numinis imperio maneipari, ita nostrae victoriae videbuntur oboedientibus fruetuosae, si pads commoda legum regulis componantur. (Th. X V I ) , pio nostro proposito . . . liberalitatibus nostris . . . imperatoriae provisionis ( T h . X V I I , 1), nostris dispositionibus (Th. X V I I , 2 ) , solita nobis . . . Providentia (Th. 2 2 , j) prodesse cunctis, obesse nemini (Th. X X I I , 2 ) , p r o v i d a d i s p o t i t i o n e (Th. X X I I , 2 ) p r ó v i d a m e n t e (Th. XXVIII)praecipuam... curam (Th. X X I V ) , conpetenti temperatione disponere (Th. X X V ) , nobis... causa . . . efficacitas cordi est (Th. X X I I I ) , perfecta ac plena liberalitas (Th. X X V I ) , iu.titiae . . . proximum („Valentinianus 1,1"), banc bumanitatem (Valentin. I, 3 ) , prona benignitate (V. I, 1), aequum est . . . (V. VII, 3 ) , utili aequitate (V. I X ) , bonum commune (V. I X ) , medicinam nostrae curationis (V. X X I I ) , nostro saeculo (V. X X I I ) , pietatis et religionis amore (V. X X I I I ) , boni prineipis cura vel prima vel maxima est quietem provincialium propitia sollicitius mente tractare (V. X X V I I ) , gloriae titulum (V. X X V I I ) , benevolentiam — virtutum suarum — conscientia nostra (V. X X V I I ) , prudentiae—reverentiam (V. X X X ) , puolicae devotionis (Maiorian u s I), nostrae mansuetudinis . . . bumanitas (M. II) providentiam sensumque (M. II) sacrae providentiae adtentione (M. Il) sincerissime (Marcianus I), sacra nostra indulgentia (Marc. II) exeubet circumspecti prineipis favor (Anthemius I). c) prosperitatis humanae (Th. III), opem atque auxilium ( T h . IV), commoditatis iacturam (Th. IV), publicam utilitatem (Th. V, 2 ) saluti provincialium ac imperii nostri felicitati (Th. V , 3 ) , commoditatem publicam-legum auctoritatem—legem saluberrimam ( T h . V I I , ζ), provider! remediis sanetionum ( T h . X V , 2 ) pacts commoda legum regulis (Th. X V I ),pro eorum quiete (Th. X V I I , 1) salubriter pro humano genere sanximus

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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(Th. XVII, 2), ab omni iniquitate defendere (Th. XVII, 2) semper nobis aliqud emendandum (Th. X X ) , beneficiorum foniibus genus amplificetur humanuni (Th. XXII), in perpetua felicitate versori (Th. XXIII), revocandae pristinae beatitudinis (Th. XXIII), amputando tristitia (Th. XXVI), salus — commoditas — sospitas (Th. XXVI), necessitatibus subvenire (Valentinianus II, 3), temeritas persequenda (V. VIII, 1) Gesetze der Vorgänger: renovamus (V. Vili, ι), disciplina publica . . . ingenuitatis modestia (V. IX) utilitati et concordiae bumani generis profuturam (V. XIV). aeternamfirmitatem(V. X X I , 1), severitatem novare (V, XXIII), iuris aequitas (V. XXV), quietem studiosa diligentia custodiri (V. X X V I I , subiectorum angustiti in tempore subvenire (Maiorianus II), nobis rem publicam moderantibus (Maior. IV). Hierzu auch Codex Theodosianus. Vgl Otto G r a d e n w i t z , Heidelberger Index zum Theodosianus, Berlin 1925, unter den einzelnen Stichworten. Das vollständige Stellenmaterial befindet sich in Otto G r a d e n w i t z , Ergänzungsband zum Heidelberger Index zum Theodosianus, Berlin 1929 (I. Theod. u. nachtheod. Novellen S. 1—92 insbesondere Wörterliste S. 3—88 und Titel S. 92). 234 Schildtugenden: Mon. Anc. 34 clupeus aureus in curia lulia positus, quem mihi senatum populumque Romanum dare virtutis clementiaeque iustitia et pietatis causa testatum est per eitts clupci inscriptionem. (Ergänzungen nach griech. Text). Vgl. A. v. D o m a s z e w s k i , Die philosophischen Grundlagen des augusteischen Prinzipates. Festgabe für Gothein. München 1925. Capelle, Griech. Ethik und römischer Imperialismus. Klio 25 (1932) 86ff. 235 Th. U l r i c h , Pietas (pius) als politischer Begriff im römischen Staate bis zum Tode des Kaisers Commodus (Histor. Unters. 6) Breslau 1930 S. 34. Die Arbeit wertet den Thesaurus L. L. und das Münzmaterial aus, ist aber in letzterer Hinsicht mit Vorsicht zu benutzen. Vgl. L i e g l e , Ztschr. f. Numismatik 42 (1935) 86ff. Franz Christ, Die römische Weltherrschaft in der antiken Dichtung (Stuttgart 1938) 149fr. Zuletzt Carl K o c h , Pietas: R E 20, 1221/32. In welchem Maße z. B. die Vorstellung vom pius Aeneas bei einzelnen Gebildeten der iustinianischen Ära noch lebendig war, lehrt Iohannes Lydos. Bei ihm läßt sich, obwohl das pius-cognomen nicht begegnet, eine deutliche Konfrontierung der griechischen und kleinasiatischen Kulturträger Euandros und Aeneas mit dem tyrannischen und gewalttätigen Romulus, dessen Beiname Quirinus sogar von κύριοξ abgeleitet wird, nachweisen. Aeneas, der Träger der alten Pietas-Theologie, gewinnt in solcher Sicht symbolische Kraft als lebendige Brücke zwischen Osten und Westen. Darüber hinaus ermöglichen gerade diese archaischen Gestalten dem Osten eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der westlichen (römischen) Erscheinungsform des Weltherrschaftsgedankens. loh. Lyd. De mag. I ι—5 (auf Dionys. Hai., unbekannten Aeneiskommentaren und anderen Quellen fußend). 238 Ulrich a. O. 60. 237 Nov 78, 5. 238 v. Rohden R E 2 Sp. 2436F. Caracalla führt ebenfalls den Namen Antoninus Pius, so daß Nov. 78, 5 durchaus zutrifft. Uber die Herkunft des pius-cognomens bei Antoninus Pius besteht in der Forschung noch keine Einigkeit (Instinsky, Kaiser und Ewigkeit 348, 1). 238 T r e i t i n g e r 52. 240 T r e i t i n g e r 40. Divus, θειος wird erst seit dem 4. Jahrh. auf den noch lebenden Kaiser angewendet. Vgl. Bréhier, Inst. 61. ΙσόΘεοξ ist lediglich Metapher, und zwar ohne Unterschied in Panegyricus und Schmähschrift (An 10, 6 Aed I 10, 19). 241 E n s s l i n , Gottkaiser 71. G r a d e n w i t z , Heidelberger Index zum Theodosianus 65f. 212 Cod. V 16, 26 divinus tmperator. Ensslin, Gottkaiser 74. 243 Coll. Av. 143 (588 Guenther). 244 E n s s l i n , Gottkaiser 50 246 Nov. 47, ι 'Ιουστινιανού του θειοτάτου Αυγούστου καΐ αύτοκράτορος. Cod. lust. V 16, 26 divinus imperator. Vgl. E n s s l i n , Gottkaiser 73f. 246 T r e i t i n g e r 146. 247 L. B e r l i n g e r , Beiträge zur inoffiziellen Titulatur der römischen Kaiser. Diss. (Breslau 1935) 8off. T r e i t i n g e r i2of. Der f«ra-Topos betont väterliches Weltregiment und Weltfürsorge des Kaisers analog dem stoisch kynischen pater-Iuppiter-Bild. Vgl. rector et pater für Iuppiter und Augustus. Damit hängt eng zusammen die Genesis des Titels pater patriae (von Augustus seit 2 v. Chr., von den Kaisern des Prinzipats bald nach Regierungsantritt, von Pertinax erstmalig bei Regierungsansantritt geführt). Dazu pater orbis der Dichter (ζ. Β. Ov. fast. 2, 130). Auf die Nachwirkung des vom Zeusbild geformten väterlichen Königs bei Homer (namentlich gegenüber der xenophontisch-persischen Vaterkönigsfamilie) hat A. A l f ö l d i soeben verwiesen (Die Geburt der kaiserlichen Bildsymbolik. Kleine Beiträge zu ihrer Entstehungsgeschichte. 3. Parens patriae. II. Teil Die griechischen monarchischen und religiösen Aspekte des Landesvaterbegriffes. Museum Helveticum 1 1 [1954] i4of.). Vgl.auch: A. A l f ö l d i , Parens Patriae,IMus. Helv.9 (1952) 204fr., 10 (1953) 103 ff. Für die Ara Iustinians ist namentlich zu achten auf die Parallele πατήρ δ' ώζ ήπιος Od. 2,47· 232; 5, 11 f. (Zeus und König Odysseus), vgl. Stob. 48,9 und Ρ Aed I 1,15 wo Kaiser Iustinian in derselbenForm gehuldigt wird. Nov. 13 epil. πατρική ν ... πρόνοιαν. A l f ö l d i a. 0 . 1 4 9 zeigt, daß

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d i e g r i e c h i s c h e V e r s i o n d e s v ä t e r l i c h e n R e t t e r s s c h o n i m 1. J a h r h . v . C h r . v o n G r i e c h e n a u f b e r ü h m t e H e l d e n d e r r ö m i s c h e n G e s c h i c h t e a n g e w e n d e t w u r d e , z. B . D i o n y s . H a l . X 4 6 , 8 ü b e r L . S i c c i u s D e n t a t u s : π α τ έ ρ α καΐ σ ω τ ή ρ α καΐ 6εόν . . . Z u der v o n Κ . P r ä c h t e r u n d H . M e r k i nachgew e e s e n e n stoischen G r u n d l a g e ebda. 150. Z u d e n „ g r i e c h i s c h e n u n d g a r n i c h t m o n a r c h i s c h e n W u r z e l n " w ä r e e t w a die V e r g ö t t l i c h u n g d e r T y r a n n e n m ö r d e r z u v e r g l e i c h e n : D e m o s t h . X I X 280 ( i , i 426 e d . Blass 4 ). A l f ö l d i 152. V o n d e r s p ä t e n R h e t o r i k w u r d e d e r H a u s v a t e r - H e r r s c h e r - T o p o s ü b e r b e a n s p r u c h t , s o e t w a bei Plin. P a n e g . 2,} ; P a n e g . Lat. V I I I 20, 1 ; D i o v. P r u s a , Aelius Aristides u . a. A u f s e i n e R o l l e b e i A u g u s t i n u s v e r w e i s t F u c h s , A u g u s t i n u . d . a n t i k e F r i e d e n s g e d a n k e 7 4 f. 7 9 f . W e i t e r e H i n w e i s e : K a e r s t , H e l l e n i s m u s 22 B u c h V , V I . V o g e l s t e i n , K a i s e r i d e e - R o m i d e e 23 f. F . C h r i s t , D i e r ö m i s c h e W e l t h e r r s c h a f t i n d e r a n t i k e n D i c h t u n g ( S t u t t g a r t 1 9 3 8 ) 123 ( z u m c u r a - T o p o s m i t D i c h t e r b e i s p i e l e n : V e r g . G e o r g . 1, 2 5 f . ; Sil. ital. 14, 6 8 6 ; C l a u d i a n . p a n e g . d e tert. cos. H o n . 7). 248 N o v . V c . 2 , 3 . P l a t . l e g . I V 709 Β τ ύ χ α ς δ ' είναι σ χ ε δ ό ν ά π α ν τ α τ ά ά ν θ ρ ώ π ι ν α π ρ ά γ μ α τ α . Cie. T u s e . V 9, 25· H e r z o g - H a u s e r , T y c h e . R E 7 A S p . 1644. E r g ä n z u n g e n z u d i e s e m A r t i k e l u n d F o r t f ü h r u n g i n f r ü h b y z a n t i n i s c h e Z e i t : P v K 57fr. = R E 23 S p . 3 3 i f f . 24 » B e r l i n g e r 83/5. 250 V g l M e n a n d e r , R h e t . G r a e c i I I I 3 7 6 S p e n g e l . 251 J . V o g t , D i e a l e x a n d r i n i s c h e n M ü n z e n . S t u t t g a r t 1924. M . P . C h a r l e s w o r t h , P r o v i d e n t i a a n d A e t e r n i t a s . H a r v a r d T h e o l o g i c a l R e v i e v 29 ( 1 9 3 6 ) i o 7 f f . W . S c h u b a r t , D a s G e s e t z u n d d e r K a i s e r i n g r i e c h i s c h e n U r k u n d e n . K l i o 3 0 ( 1 9 3 7 ) 59. 262 N o v . 7 8 epil. 253 M a n vergleiche namentlich die N o v e l l e n mit „ P u b l i k a t i o n s v o r s c h r i f t e n " ( A n m . 334, A b s c h n i t t 4). 264 L i t e r a t u r : F . C u m o n t , L e s d i e u x é t e r n e l s d e s i n s c r i p t i o n s latines. R e v . a r c h é o l . 3 s é r . 11 ( 1 8 8 8 ) 134fr. D e r s . : L ' é t e r n i t é d e s e m p e r e u r s R o m a i n s . R e v u e d ' h i s t o i r e et d e l i t t é r a t u r e r e l i g i e u s e s ι (1896) 435/52. D e r s . : A e t e r n u s (deus) R E 1 S p . 6 9 6 f . A u s t , A e t e r n i t a s . R E 1 Sp.694. W . K o e h l e r , Personifikationen abstrakter Begriffe auf r ö m i s c h e n M ü n z e n (Diss. K ö n i g s b e r g 1910) 2 3 / 4 3 . B e r l i n g e r 2 5 / 4 2 . F . S a u t e r , D e r r ö m i s c h e Kaiserkult beiMartial u n d Statius. T ü b i n g e r Beiträge z u r Altert u m s w i s s e n s c h a f t 21 ( S t u t t g a r t 1 9 3 4 ) i i j f f . C h a r l e s w o r t h a. O . ; F . C h r i s t , D i e r ö m i s c h e W e l t h e r r s c h a f t i n d e r a n t i k e n D i c h t u n g . T ü b i n g e r B e i t r ä g e z u r A l t e r t u m s w i s s e n s c h a f t 31 ( S t u t t g a r t 1938). J . G a g é , L e „ t e m p l u m U r b i s " et les origines d e l'idée d e „ R e n o v a t i o " : A n n u a i r e d e l'Ins t i t u t d e P h i l o l o g i e et d ' H i s t o i r e o r i e n t a l e 4 ( 1 9 3 6 ) = M é l a n g e s F r a n z C u m o n t 1 5 1 / 8 7 . T r e i t i n g e r 1 2 2 f . S t r a u b 91. W . E n s s l i n , G o t t k a i s e r 7 4 f r . C a r l K o c h , „ R o m a a e t e r n a " . G y m n a s i u m 59 ( 1 9 5 2 ) 128/43. H . U . I n s t i n s k y , Kaiser u n d E w i g k e i t . H e r m e s 7 7 (1942) 313/55. V . P ö s c h l , Tacitus u n d d e r U n t e r g a n g d e s r ö m i s c h e n R e i c h e s . W i e n e r S t u d i e n 69 ( 1 9 5 6 ) 3 1 1 / 2 0 . M . S e i d l m a y e r , R o m u n d R o m g e d a n k e i m Mittelalter. Saeculum 7 (1956) 395/412. E . v. I v á n k a , Z u r Selbstdeutung des römischen Imperiums. Saeculum 8 (1957) 17/31.

265 M . V a l . M e s s a l a ( K o n s u l 53 V. C h r . ) n a c h d e n F r a g m e n t e n b e i M a c r o b . s a t . ι , 9, 1 4 u n d J o h . L y d u s m e n s . 4 , 2 ( 6 6 , 1 W ü n s c h ) . S a s s e R A C 1, 1 9 7 . C a r l K o c h , ( „ R o m a a e t e r n a " i 3 8 f . ) m a h n t zur Vorsicht, da weder f ü r Alexandreia der Titel „ e w i g e Stadt" n o c h f ü r J a n u s die alexand r i n i s c h e U m p r ä g u n g s i c h e r b e z e u g t ist. 254

Silv. I V ι , I i . V g l . i 7 f . ( J a n u s a n G e r m a n i c u s ) : Salve,

magne parens

mundi,

qui

saecula

mecum instaurare paras, talem te cernere semper mense meo tua Roma cupit·, sic tempora nasci, sic annos intrare decet. Da gaudia Fastis continua·, . . . D i e A n f a n g s w o r t e s t e l l e n d i e B e z i e h u n g z u m S o n n e n k u l t h e r : aperit

Germanicus

annum

atque

oritur cum sole novo (2 f.). 257 Y g i V e r g . G e o r g . 1 ; H o r a z , e p o d . 16, c a r m . saec. Z u r I V . E k l o g e ( 4 0 v . C h r . ) : H o l l , G e s . A u f s ä t z e z u r K i r c h e n g e s c h i c h t e I I 123fr. N o r d e n , D i e G e b u r t des K i n d e s 2 4 f t W . W e b e r , D e r P r o p h e t u n d s e i n G o t t . L e i p z i g 1925. S a s s e , R A C 1, 198. Z u r M ü n z b e z e u g u n g d e r A i o n S y m b o l i k des A n t o n i u s (38 v. C h r . ) : G r u e b e r , Coins of t h e R o m a n R e p . I 582f. N r . 4276/7. A . A l f ö l d i , H e r m e s 65 ( 1 9 3 0 ) 3 7 7 ^ C a r l K o c h , „ R o m a a e t e r n a " i 3 9 f . 258 Ο ν . F a s t . 3 , 421 f. S a u t e r 124. S p a n i s c h e M ü n z e n d e r a u g u s t e i s c h e n Z e i t m i t A u f s c h r i f t A e t e r n i t a t i A u g u s t a e : R e i t z e n s t e i n , E r l ö s u n g s m y s t e r i u m 2 2 0 / 3 . Sasse, R A C 1, 199. 259 260 261

V e r g . A e n . 1, 2 7 8 f . Sil. I t . 7 , 4 7 6 . Z u den Dichtern namentlich: F. C h r i s t , Die römische Weltherrschaft.

I n s t i n s k y 3 1 6 . A u c h C a r l K o c h ( „ R o m a a e t e r n a " 196fr.) b e z w e i f e l t d i e v o r a u g u s t e i s c h e E w i g k e i t s b e d e u t u n g v o n K a p i t o l , Vestafeuer u n d Palladium. W i c h t i g sein H i n w e i s , d a ß a u c h republikanisch bezeugte A u s d r ü c k e wie ignis sempiternus, ignis aeternus keine damalige Absolutheit d e s e r s t seit H o r a z (c. I I I 5, 11) g e l ä u f i g e n A n s p r u c h e s d e r V e s t a a e t e r n a b e z e u g e n , w e i l d i e E w i g keit jederzeit d u r c h religiöse neglegentia verscherzt w e r d e n k a n n . 262

400 283

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

263

Zusammenfassend zu den pignora: Karl G r o ß , Die Unterpfänder der römischen Herrschaft. Neue deutsche Forschungen Abt. Alte Geschichte 1 (Berlin 1935). In justinianischer Zeit verrät Johannes Lydus beachtliche Kenntnisse der Unterpfänder-Überlieferung. 264 Tim. 37 D . 245 Man vergleiche die „Ewigkeit" orientalischer Sonnengötter: CIL III 988. 1286. 1301 a. 1783. 3158 b. 3327. 5788. 6758. Die Beispiele ließen sich häufen. Auf Teil El-Armarna-Inschriften eignet dem Sonnengott das Attribut samas dâritum (ewig). Vgl. A. y. D o m a s z e w s k i , Die Religion des römischen Heeres (Trier 1895) 38. 266 c. 33. Vgl. V . P o e s c h i , Rom. Staat und griech. Staatsdenken bei Cicero (Berlin 1936) 99. Grundsätzlich wichtig: de republ. 3, 23 debet enim constituía sic esse chitas, ut aeterna sit. Ciceros an griechischer Philosophie geschultes doch sehr persönlich gefärbtes Ewigkeitsdenken läßt „Kosmos und Imperium zusammenrücken". Die Methaphysik des republikanischen Systems beruft sich auf eine römische Strukturanalogie zur kosmischen Ordnung und die daraus erschlossene potentielle Ewigkeit. Die unkosmische Aeternitas der Augusteer assoziiert allein Begriffe wie Stadt, Gründungsaugurien usw. Vgl. Carl K o c h , „Roma aeterna" 136. 267 Arist. Polit. V E 1 3 1 2 b, 13x3 a ττολυχρόνιοζ—σώζονται — διέμεινεν Cie. pro Marc. 22. 288 I n s t i n s k y 326. Polyb. 6, 10, 7 (διαμένη) für Lykurg und seinen Staat gebraucht, jedoch in Gedanken an die römische Analogie, wie 6, 10, 13 lehrt). Zur aetemitas des römischen Kaiserhauses für den O s t e n schon im frühen Prinzipat: Carl K o c h , „Roma aeterna" 133. 269 Tib. 2, 5, 23. 270 61, 21, ι . 271 I n s t i n s k y 328. Carl K o c h , „Roma aeterna" 133fr. erwähnt im Zusammenhang mit der Aion-Mystik den Rom-Hymnus der Griechin Melinno, schließt sich der Datierung ins 2. Jahrh. v. Chr. an. F. C h r i s t (Rom. Weltherrschaft 179ff.) will den bei Stobaios 3, 7, 12 überlieferten Hymnus mit O l d f a t h e r ( R E Art. Melinno) sogar ins 3. Jahrh. setzen. Damit wäre das früheste Zeugnis für dichterische Verkündung römischer Weltherrschaft und ein früher Beleg für die AionMystik gewonnen. Doch bleibt das unsicher, solange die Datierung nicht einwandfrei feststeht. Als erste inschriftliche Bezeugung der Roma aeterna ist die des Aion-Bildes in Eleusis zu erwähnen (Ditt. Syll. 3 1 1 2 5 , 8. S a s s e , R A C 1 , 197). 272 Die bekannten aeternitas-Steilen bei Plinius erklären sich aus seiner griechischen Vorlage bzw. Umwelt: Carl K o c h , „Roma aeterna" 133. I n s t i n s k y 336. 273 I n s t i n s k y 314, A E T E R N I T A S A U G U S T I : seit Gordian III. regelmäßig auf Münzen verwendet, zögernde Versuche seit Vespasian. Vgl. C u m o n t , L'Éternité 438ff., 445 f. A l f ö l d i , Insignien 9of., E n s s l i n , Gottkaiser 4 i f . 274 Bei Aurelian tritt die Aeternitas-Theologie etwas zurück: R E S T I T U T O R O R I E N T I S , R E S T I T U T O R S A E C U L I , R E S T I T U T O R ORBIS. Sehr häufig begegnet unter ihm: R O M A E A E T E R N A E . Dagegen nur einmal: A E T E R N I T A S AUGusti (in der von der damaligen Münzreform noch unberührten Münsztätte Cycicus. Vgl. Fritz M a n n s , Münzkundliche und historische Untersuchungen über die Zeit der Illyrerkaiser. Aurelianus. Diss. Berlin 1939 S. 18). Auch hier weist der Erneuerungsglaube auf die Zarvan-Aion-Theologie. Aurelians Rolle als Initiator des Solkultes ist bekannt. E r gab 273 den Befehl heraus, in allen Münzstätten und Offizien des Reiches vorläufig nur das Bild des Solinvictus zu prägen. Beispiel: Festprägung Serdica: Rs. A U R E L I A N U S AUGustus CONServator. Kaiser links opfernd am Altar. Vs. 4 Au. SOL D O M I N U S I M P E R I R O M A N I . Aurelian wird als Erhalter, Sol als Herr des römischen Reiches gepriesen. M a n n s a. O. 44 f. Nach Durchsetzung der Solverehrung werden wie üblich auch die übrigen Bildtypen wieder berücksichtigt. Für das Gottkaisertum Aurelians ist wichtig: Serdica, Offizin Γ IMP D E O E T DOMINO A U R E L I A N O A U G Offizin Δ D E O E T D O M I N O N A T O A U R E L I A N O A U G Andere Münzen zeigen die üblichen Beischriften pius, felix, inclitus usw. M a n n s a. O. 56fr. Zur Beurteilung der Soltheologie verweist Fritz M a n n s S. 46 mit Recht auf das Alter das Helioskultes im illyrischen Kulturkreis, wo er schon vor den Perserkriegen nachweisbar ist. „Die altertümlichste Form, in der der Gott verehrt wurde, war die eines an einem Stab befestigten Diskus. Daß dies dieselbe Art der Verehrung ist, wie sie vom Trundholmer Sonnenwagen bekannt ist, leuchtet ein." Vgl. S. 295. Der Heimatglaube des Illyrers Aurelian ist wichtig als indogermanisches Substrat seiner orientalisch anthropomorphen Solvorstellung. Z u Aurelian auch: A l f ö l d i , Insignien 93, 4 und E n s s l i n , Gottkaiser 41 f. mit Lit. 275 Η. W e r n e r , Der Untergang Roms. Studien zum Dekadenzproblem in der antiken Geistesgeschichte. Forsch, z. Kirchen- und Geistesgeschichte 17 (Stuttgart 1939). Hier werden die philosophisch-historischen Dekadenzlehren der Griechen und Römer in umfassender Überschau vorgeführt. Es sei namentlich auf die Ausführungen über Polybios, Poseidonios, die römische Kaiserzeit und das Dekadenzproblem im eschatologischen Geschichtsbild verwiesen. Man vergleiche die Skizze zu Polybios und den Dekadenzbefürchtungen der späten Republik bei W. W e b e r , Der Prophet und sein Gott. Eine Studie zur vierten Ekloge Vergils. (Leipzig 1925) 55 ff. Zu den Dichtern

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Geistiges Waffenarsenal

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auch: F. C h r i s t , Die römische Weltherrschaft 196fr. Y . P o e s c h l , Tacitus und der Untergang des römischen Reiches. Wiener Studien 69 (1956) 311/20. E. v. I v á n k a , Zur Selbstdeutung des römischen Imperiums. Saeculum 8 (1957) 18. 276 Vgl. o. S. 235 mit Anm. 647. 277 Tac. ann. III 6. Die Antithese „ewiger Staat — sterbliche Führer" ist bereits livianisch (Carl K o c h , „Roma aeterna" 132). Die Aeternitas Roms steht bei Livius im Zeichen der auctoritas Scipionis (Koch 208 Anm. 43). 278 G. G e r n e n t z , Laudes Romae. Diss. Rostock (1918) 40/6. F. D ö l g e r , Rom in der Gedankenwelt der Byzantiner. Ztschr. f. Kirchengeschichte 56 (1937) 1/42. Jetzt in: Byzanz und die europäische Staatenwelt (Ettal 1953) 70/115. 279 Bei der Gründung von Konstantinopel hat man mit den übrigen Ewigkeits-Prodigien auch die Ianus-Aion-Deutungen zusammengetragen. Carl K o c h , „Roma aeterna" 142 Anm. 25. 280 Konst. Manasses (1187 gest.) Chronikon V 2546fr. ( 1 1 0 B . ) spricht von der Plünderung Roms durch Geiserich: „Dies geschah mit dem alten Rom; unser Rom aber blüht, wächst, ist kräftig und jung; möge es e w i g wachsen, o Herr, Herrscher der Welt, da es einen solchen Kaiser hat." Der alte Ewigkeitsgedanke begegnet hier und öfter in der Gestalt eines optimistischen Ewigkeitsglaubens, der für das Zeitalter des Imperialisten Manuel I. Komnenos überhaupt charakteristisch ist. Vgl. F. D ö l g e r a. O. 26 (jetzt 96). Die Selbstbezeichnung von Konstantins Namengebung als „ewig" beweist nichts, da es sich einfach um die geläufige Phrase bei Nennung des Kaisernamens durch die Kanzlei handelt. Cod. Theod. X I I I 5, 7 Pro commoditate urbis, quam aeterno nomine iubente deo donavimus . . . Ähnlich steht es mit der Verleihung des Ehrennamens Flavia Constans an die umbrische Stadt Hispellum (CIL X I 5265 civitati Hispello aeternum vocabulum nomenque venerandum de nostra nuncupatione concessimus, scilicet ut in posterum praedicta urbs Flavia Constans vocetur). Es handelt sich hier keineswegs um bewußten Vergleich mit Roma aeterna wie Victor S c h u l t z e glaubt (Altchristliche Städte und Landschaften I. Konstantinopel [324—450] Leipzig 1913 S. 6). Vgl. J . B u r c k h a r d t , Die Zeit Constantins des Großen 3 1898 S. 439. Seine Deutung des nomen aeternum als Geheimname nach dem Muster von Rom = Flora = Anthusa dürfte abwegig sein (Joh. Lydus, De mens. I V 75 = 126,51 Wünsch ; Chron. pasch. 528). Dagegen ist ein Zusammenhang der anfänglichen Absicht, die neue Weltstadt in der Gegend des alten Troja zu gründen mit der Aeneas-Theologie des Ostens, wie sie noch Johannes Lydus (Der mag. Einleitungskapitel) bezeugt, durchaus möglich. Als Unterpfand der Ewigkeit ist natürlich die Volkssage vom römischen Palladium zu werten, das unter der Konstantinssäule (der heutigen verbrannten Säule) erhalten sei, zumal die von Konstantinos Rhodios bezeugte Inschrift den Weltherrschaftsgedanken Roms anklingen ließ. Das liegt auf der Ebene des seit Konstantin dem Großen (Sokr.116 = MPG67, Ii6)überreich bezeugten secunda Roma-Nía 'Ρώμη-Topos. S c h u l t z e a. 0 . 9 ff. J . V o g t verweist aber mitRecht darauf,daß das zweite Rom „keinen Tempel des kapitolinischen Jupiter,keinFeuer der Vesta, kein Priesterkollegium" erhielt. Auch das Palladium fristete nur in der Volkssage sein unterirdisches Leben. Das christliche Konstantinopel wurde auch in der Münzprägung ( A l f ö l d i ) dem heidnischen Rom gegenübergestellt und im Inschriftenfragment des zum Meer herabführenden Tores wird dem Kaiser von Christus Sieg und Weltherrschaft verliehen (J. V o g t , Constantin der Große und sein Jahrhundert. München 1949 S. 222Í.). 281 Ammian. Marc. X V 1 , 3 gegen Constantius II. vgl. Sauter 127, Berlinger 26. Doch kennt Ammianus die positive Seite des Glaubens an die Roma aeterna·. Capitolium quo se venerabilis Roma in aeternum attollit ( X X I I 1 6 , 12). Weitere Belege bei Ammianus und im Codex Theodosianus : Moore, Urbs aeterna and urbs sacra. Transactions of the American Philological Association 25 (1894) }6f., 38f. 282 bell. Gild. 1, 49 fr. und weitere Stellen. Meist wird Stilicho als Reichsretter gepriesen. Claudii Claudiani Carmina ed. L. Jeep, Lpz. 1876, ed. J . Koch, Lpz. 1893, ed. et angl. transtulit M. Platnauer 1, 2 London 1956 (The Loeb Classical Library). Vgl. P. F a r g u e s , Claudien. Études sur sa poésie et son temps. Paris 1933. 283 G. T e i l e n b a c h , Römischer und christlicher Reichsgedanke in der Liturgie des frühen Mittelalters. SB Heidelberg 1934. Nur ein Beispiel (S. 54) aus dem Gelasianum von 492/6, das in zahlreiche mittelalterliche Liturgien übergegangen ist: Deus, cuius regnum est omnium saeculorum, supplicationes nostras clementer exaudí et Romanorum regnum tibi subditum protege prineipatum, ut in tua virtutefidenteset tibiplaceant et super omnia regnapraecellant. M. B o v i n , Die christlichen Vorstellungen vom Weltberuf der Roma aeterna. Diss. Münster 1922 (Maschinenschrift). N. R e i t t e r , Der Glaube an die Fortdauer des römischen Reiches im Abendland (5. und 6. Jahrh.) Diss. Münster 1900. F. K a m p e r s , Roma aetema Sancta Dei ecclesia. O. K l u g e , Der Romgedanke von der Antike bis zur Renaissance. Gymnasium 52 (1941) 52ff. H. W e r n e r a. O. 128 mit Anm. 447. M. S e i d l m a y e r , Rom und Romgedanke im Mittelalter. Saeculum 7 (1956) 395/412. 284 Die Abkehr von der Ewigkeit des Kaisers wurde wohl grundsätzlich vollzogen, doch sind zahlreiche Relikte zurückgeblieben in den erwähnten Polychronien, aber auch im Nachleben von

Rubin, Iustinian X X V I

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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divus imperator, aeternitas tua usw. in chiistlicher Zeit: Ditt. Or. 580, 1 ; 722, 2; 723, 1. Beispiele aus Cod., Theod., aber auch noch Cod. Iust. bei T r e i t i n g e r I 2 2 f . , E n s s l i n , Gottkaiser 74fr., C u m o n t L'Éternité 455/52. G a g é 151/87. S a s s e , R A C 1, 200. 286 V g l . o. S. 28 ' Civ. Dei II 29 lllic enim tibi non Vestaiis focus, non lapis Capitolinus, sed Deus unus et verus nec metas rerum nec tempora ponit, imperium sinefinedabit. Vgl. auch Sermo 105 (MPL 38, 622/3). Hieron. ep. 1 2 1 , 1 1 , 1 1 . Civ. Dei X X 19 wo Ewigkeit und Vergänglichkeit des Römerreiches sub specie aeternitatis Dei und seines Werkzeuges, des Antichrist, betrachtet werden. H. W e r n e r a. O. Anm. 442, 446. Die christliche Kritik an der römischen Ewigkeitstheologie berührt das Verhältnis Staat — Kirche, das schon Jesus Christus selbst bewegt hat (Math. 22, 21). Selbst ein Tertullian bringt es fertig, für das Reich zu beten (Carl K o c h „Roma aeterna" 128). In Sachen der Aeternitas drückt er sich freilich noch mit großer Zurückhaltung aus: apol. 32, ι Romana diurnitas begrenzt durch clausula saeculi. Nach der Christianisierung wird sich dieses Reich so unauflöslich an den neuen Glauben binden, daß der Mission außerhalb seiner Grenzen nicht nur die üblichen religiösen, sondern darüber hinaus auch noch politische Schwierigkeiten entstehen. 287 Cod. lust. I 27,1. Nov. 35, 1 1 ; 143 epil. 288 Harry E n k e l l , Augustus, Felicitas, Fortuna. Lateinische Wortstudien. Diss. Göteborg 1952. Ree. Carl K o c h , Gnomon 26 (1954) 23fr. O t t o R E 6, 2163/6. V o g e l s t e i n 4 1 , 2; 4 3 ; io8ff. B e r l i n g e r 2ff., 7fr., 15fr. E n s s l i n , Gottkaiser 4 1 . 289 Ρ ν Κ 57H". = R E 23 Sp. 3 3 1 ff. Hier die Literatur zur Frage. 280 Cicero bei Ammian. Marc. X X I 16, 1 3 . B e r l i n g e r 4. 291 B e r l i n g e r 7. 282 Xvarsnah: B e r l i n g e r ioff. E n s s l i n , Gottkaiser 1 2 mit Lit. C h r i s t e n s e n , L'Iran 3 1 , 35. 146. 508· 283 Corippus, Laudes Iustini I 250 ( M G H A A III 2 S. 123). 284 Corippus a. O. II 147fr. J . Straub 1 3 4 und 248 Anm. 283. 295

Z. B. Nikolaos Eirenikos und Manuel Holobolos im 13. Jahrh. Vgl. T r e i t i n g e r 115fr. H. P. L ' O r a n g e , Studies an the Iconography of Cosmic Kingship in the Ancient World. Instituttet for sammenlignende kulturforskning. Serie A : Forelesninger X X I I I . Oslo 195 J. L ' O r a n g e versucht 88ff. und 103ff die Vorgänge bei der Thronbesteigung des persischen und byzantinischen Herrschers, insbesondere die byzantinische Schilerhebung, als Zeugnisse des Sonnenkultes zu deuten. Er sieht im Schild das orientalische Sinnbild des Weltalls, erinnert etwa an die Imago Mundi auf dem Schild des Achilles. Bekannt ist die schildförmige Darstellung des Sonnensymbols in Ägypten. Auf achämenidischen Siegeln steht Ahuramazda inmitten eines Schildes, der die Welt bedeutet. Auf einem dieser Siegel finden wir Ahuramazda mit Allmachtsgebärde, der ausgestreckten rechten Hand, darunter den Großkönig im Schild, ebenfalls mit Allmachtsgebärde. Damit sind der himmlische und der irdische Weltherrscher als solche ausgewiesen. Für den Gott im Schild werden angeführt: Helios auf den Terrakotta-Schilden von Eretria, Jupiter inmitten des Tierkreises, ebenso Mithra. In ähnlicher Weise erscheint auf einem Konsulardiptychon des 6. Jahrh. Christus Kosmokrator inmitten eines clipeus caelestis. Auf römisch byzantinischen Sarkophagen finden wir mit der Zeit den clipeus-Y^ttis, nicht nur für Kaiser und Heroen, sondern für jeden Toten verwandt. Sobald nicht die kaiserliche Imago, sondern der Kaiser in eigener Person auf den Schild tritt, keinen gedachten, sondern einen realen Soldatenschild, so ist nach L'Orange der Fall einer Gleichsetzung des kaiserlichen Kosmokrator mit dem Sonnengott gegeben. Zumindest sollen hier die Wurzeln einer Sitte liegen, die die byzantinische Ikonographie des Kaisers wie auch Gottvaters und Christi beherrscht. Die Deutung der Schilderhebung durch L'Orange ist abzulehnen, weil die germanischen Wurzeln dieses Brauches zu offen zutage treten. Allenfalls könnte man ihm zugestehen, daß die Sonnen-Analogie bei den Orientalen, die der Zeremonie beiwohnen, gefühlsmäßig mitschwingt. Wertvoller sind seine Verweise auf die

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Geistiges Waffenarsenal

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Kaiser und Großkönig gemeinsame „Herrschaft über die Natur", die bereits im Prinzipat durch kosmische Allegorie und Behandlung des Thronsaales als Planetarium zum Ausdruck gebracht wird. Damit hängt die regelmäßige Anlage der persischen Residenz zusammen, in der Thron und Thronsaal in die Mitte weitläufiger Anlagen geordnet werden. Die Domus aurea Neros in Rom enthielt einen Kuppelsaal mit rotierendem Planetenwerk. Kaiser Septimius Severus sitzt auf der Fassade seines Palastes auf dem Palatin inmitten der Planetengötter. Ebenso war die Gerichtshalle dieses Palastes mit astronomischen Figuren, Horoskopen usw. geschmückt. Der Kaiser identifiziert sich also in seiner Funktion als Richter mit dem Schicksal. Ähnliches berichtet Philostratus über die Gerichtshalle am Arsakidenhof zu Babylon (Vita Apoll, i, 25). Konstantin wird von Eusebios in dem TricennalienPanegyrikus mit dem auf αψίδες ουράνιοι thronenden Gott verglichen. Die Vorstellungen gehen in die Ikonographie der Kaiserbilder und in die Tracht über: der Sternenmantel der deutschen Kaiser, das Sonne-Mond Siegel Friedrichs II. usw. Der orientalische Herrscher wird vielfach auf einem Wagen dargestellt. Im achämenidischen und sasanidischen Persien beobachten wir eine weitere kosmische Beziehung des Königs, der sich mit dem Wagen in die Lüfte schwingt und so mit der Sonne identisch wird. In der Praxis sieht das so aus, daß der Großkönig ζ. B. am Nauroz-Fest von seinen Vasallen auf die Schultern gehoben wird und als neue Sonne über ihnen thront. In der bildenden Kunst wird eine regelrechte Himmelfahrt im Stil der Alexandersage daraus. Adler und Flügelpferde dienen als Begleittiere. Auch der Feuerwagen und die Feuerpferde des Elias wurzeln in einer Vorstellung, die den orientalischen Monarchen vertraut war. Sie glaubten von ihrer Schutzgottheit im Wagen zum Himmel entführt zu werden. Dasselbe begegnet bei Nero und erst recht nach dem Einbruch der orientalischen Religionen im 3. Jahrh. n. Chr. Im Westen wird der Wagen vielfach von Greifen gezogen, die dem Sonnen-Apollo dienen. Auf den Sarkophagen tragen diese Greife den Toten durch den Raum. Sol, Sarapis und Jupiter selbst fliegen auf den götter- und seelenführenden Tieren. So entspricht auch der Mythus vom Adler des Zeus und Ganymed östlichen Quellen. Der römische Kaiser wird bei der Apotheose von einem Adler gen Himmel getragen. Wie Alexander und Kaikaus so träumt Septimius Severus von seiner Himmelfahrt mit vier Adlern. Der Adler wird zum Symbol der Unsterblichkeit, später auch im christlichen Sinne. Einen seelenführenden Adler zeigt die Capeila Palatina in Palermo. Auf sasanidischen Textilien reiten die Könige auf Flügelpferden und Greifen. Der persische Großkönig wird also auf die Schultern gehoben, um als Sonne über seinem Gefolge zu schweben, er kennt darüber hinaus die Apotheose durch Himmelfahrt und erlebt auf seinem Thron sitzend täglich, sei es bewußt, sei es gewohnheitsmäßig so etwas wie eine Sternenfahrt inmitten der in ein Planetarium verwandelten Thronhalle. An dieses östliche Vorbild hätten wir nach L'Orange zu denken, wenn der byzantinische Kaiser, wie es besonders plastisch Ottos des Großen Gesandter, Liutprand von Cremona, geschildert hat, auf seinem Thron von Theatermaschinen durch die Lüfte getragen wird, den staunenden Gesandten bald nah und bald fern erscheint. Der bewegliche Thron im „Planetarium" der Sasaniden gab hierfür ein Vorbild ab, das im Orient und Okzident gleiches Aufsehen erregt hatte und auf getrennten Wegen in die westliche und östliche Literatur eingegangen war. Diese zumindest im Falle der Schilderhebung über das Ziel hinausschießenden Thesen von L'Orange wurden kurz referiert, da sie bei Beurteilung des Herrscherbilds im Zeitalter Iustinians zweifellos Anregungen geben. Zur Sonnensymbolik bei der Schilderhebung könnte auf den uralten germanischen Sonnenglauben verXXVI·

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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wiesen werden. M a n denke an die Rolle des Goldes im germanischen Kult, an den Sonnenwagen v o n Trundholm und Funde wie die Goldhüte von Avanton, Schifferstadt und Etzelsdorf bei Nürnberg. Dergleichen kann eine Empfänglichkeit für alle Formen der Sonnenverehrung begründet haben. Fritz M a n n s (Münzkundliche und historische Untersuchungen über die Zeit der Illyrerkaiser. Aurelianus. Diss. Berlin 1939 S. 46) hat mit Recht daraufhingewiesen, daß der schon v o r der Zeit der Perserkriege im illyrischen Kulturkreis nachweisbare Helioskult der Empfänglichkeit des Kaisers Aurelian für Übernahme des anthropomorphen Sonnenkultes des Sol invictus sicher den Boden bereitet hat. V g l . o. A n m . 274 und S. 135 ff. mit Anm. 2 9 8 — 3 1 1 . Das Verhältnis zwischen dominierender Weltanschauung und mitschwingendem Substrat läßt sich übrigens auch beimStudiumderphilosophischenSonnen-Metaphern der ausgehenden Republik beobachten. Cie. rep. 6 , 1 7 : . . . sol... dux et princeps et moderator luminum reliquorum, mens mundi et temperatio, tanta magnitudine, ut cuneta sua luce lustret et compleat. „ A u f dem U m w e g e über die Metapher konnte später die Identifizierung erreicht werden" ( V o g e l s t e i n 9, 2 ; 3 8 f . C h r i s t 136fr). E i n derartiger Vergleich aus byzantinischer Zeit: Nikephoros Bryennios I V 5 p. 1 3 5 , 7 Bonn: πολλούς στρατηγού; τε άμα γενναίους καΐ ττολυττειροτάτους, ών καθάττερ αστέρων ήλιος έξήρχεν ό βασιλειών. D o c h liegt im Falle der Schilderhebung der nüchtern militärische Charakter zu sehr auf der Hand, um Spekulationen zu gestatten. D e r bewegliche T h r o n könnte bereits für das Zeremonienwesen unter Iustinian v o n Interesse sein. E r ist hier zwar nicht bezeugt, muß aber erheblich älter sein als seine erste mittelbyzantinische Erwähnung. V g l . G . B r e t t , The automata in the „Byzantine Throne of Salomon". Speculum 29 (1954) 477/87. 296 Ν ο ν v i l i Notifia ι und öfter. 297 Verg. Aen. V I 479 inclutus armis Partenopaeus. II 241 incluía bello momia Dardanidum. Colum. rustie, ι , 41, 2 Dux inclutissimus. Ennius bei Varrò, rustic. 1, 2 incluía . . . Roma. Vergil und Lucrez benutzen inclufus in Nachahmung des Ennius immer an gleicher Stelle. Vgl. E. N o r d e n , P. Vergilius Maro Aeneis Buch V I (Leipzig 1916) S. 259 zu Vers 479. Sript. hist. Aug. Tyr. Trig. 15, 7 tenafu memorabili semper inclilus (Jagdruhm) Probus 3, 7 (militärische Leistung in früher Jugend) nisi qui puer seminario viriutum generosiore concretus aliquid incliíum designasse!. 298 S a u t e r I53ff. B e r l i n g e r 2off. H. v. S c h o e n e b e c k , Beiträge zur Religionspolitik des Maxentius und Constantin (Leipzig 1939). ( = Klio, Beiheft 43 = N. F. 30) 24. 289 Die persönliche Natur der Beziehungen Konstantins zur „Sonnenreligion" hat S t r a u b 131 temperamentvoll betont. Straub ist sich der Bedeutung des von Fritz Manns für Aurelians Solvorstellung hervorgehobenen Illyrertums auch eines Konstantin bewußt. Vgl. auch W. W e b e r , Die Vereinheitlichung der religiösen Welt. In: Probleme der Spätantike (Stuttgart 1930) 300 Damit rücken die Namen unterworfener Völker in Inschriften und Gesetzesüberschriften in die Nähe der literarischen Tradition der Völkerkataloge. Zu diesen unten Anm. 583. 301 Konst. Porphyr. De caerimon. I 93 (p. 429,10 Reiske). 302 B e r l i n g e r 24, S a u t e r 154. 303 Vgl. etwa M a t t i n g l y - S y d e n h a m , The Roman imperial coinage V 1 (P. H. Webb, London 1927) 157 No. 297 VICTORIA A E T (Gallienus). V 2 (P. H. Webb, London 1933) 235 No. 149 VICTORIA A E T E R N A (Diokletian). Ferner etwa CIL X I V 2257 (Elagabal). 304 Statius IV ι , 39/42; 3, 153—163. Sauter 154. 305 W r o t h , Cat. Brit. Mus. Pl. IVff. J. S a b a t i e r — H. C o h e n , Description I Tafel X l l f f . Zur germanischen Umdeutung der schwebenden Victoria in einen göttlichen Siegeshelfer: Karl H a u c k , Herrschaftszeichen eines wodanistischen Königtums. Jahrbuch für fränkische Landesforschung 14 (1954) 41 ff., 59. 306 Vgl. Anm. 120. 307 T r e i t i n g e r 170, 173 Anm. 40. 308 Ulrich K n o c h e , Der römische Ruhmesgedanke. Philologus 89 (1934) 102/24. 309 ^ W e b e r , Zur Geschichte der Monarchie. Tübingen 1919 (Antrittsrede) S. 19. 310 Z. B. in den Script. Hist. Aug. öfter. 311 B e r l i n g e r 24. So ist auch der Charakter des ägyptischen Königs als Oberster Kriegsherr kaum zu trennen von seiner Eigenschaft als Mensch gewordener Schöpfergott. Sein Siegertum kraft Amtes wird nicht zuletzt betont durch die kultischen Kämpfe, die sogar dann stattzufinden

Propagandamethoden

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haben, wenn der Pharao sich im „Fenster der Erscheinungen" zeigt. Vgl. J a k o b s o h n , Die dogmatische Stellung des Königs in der Theologie der alten Ägypter. Glückstadt 1939. Bei der „militärischen" Einschätzung der persischen Königsglorie Xvaranah ist zu beachten, daß es einen speziellen Kriegs- und Siegesgott gibt: Vsraôrayna. 312 Zu pacare = ausrotten vgl. die Parallelen bei F. C h r i s t i i i f f . H. F u c h s , Augustin und der antike Friedensgedanke (Berlin 1926) 201, 1. W. N e s t l e , Der Friedensgedanke in der antiken Welt (Leipzig 1938) 61 geht an dem Problem vorbei. Auf die Literatur zur Ara Pacis Augustae sei nur am Rande verwiesen. Zum Dekadenzproblem (Polybios, Scipio) W. W e b e r , Prophet 5 5 f. H. W e r n e r , Der Untergang Roms 86ff. 313 J . S t r a u b , Vom Herrscherideal in der Spätantike. (Stuttgart 1939) 155. Ebenso die Stoa: U. K n o c h e , Magnitudo Animi (Leipzig 1935) 51. 314 Auch an die Rolle der iustitia als „Schildtugend" des Augustus sei erinnert (zusammen mit virtus, dementia, pietas). Vgl. F. C h r i s t 153. 315 Ρ Aed. 1 1 , 1 5 Odyss. II 47 X V 152. Stob. 48, 9. Aristot. Eth. Nie. 8 , 1 0 , 3. Vgl. o. Anm. 159.

4. 315

Propagandamethoden

a Die Erfindung der Schrift. Nach chinesischen Legenden erzählt von Werner H e i w i g .

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In den 30er und 40er Jahren dieses Jahrhunderts fand der Kampf zwischen totalem Staat und Demokratie seinen Niederschlag in einer kaum jemals in solcher Intensität dagewesenen Propaganda. Der ehemalige Journalist Mussolini war ein Meister der propagandistischen Massenführung. Hitler stand ihm nicht nach. Die Achse Berlin — Rom führte einen Zweifrontenkrieg gegen westliche Demokratien und Bolschewismus. Die UdSSR hatte längst Propagandamethoden entwickelt, die denen des Nationalsozialismus nicht nachstanden. Der Westen hatte den positiven und angriffsfreudigen Schlagworten der totalen Staaten zunächst nichts Gleichwertiges entgegenzustellen, seine Propaganda krankte noch am Erbe des ersten Weltkrieges mit seiner rein negativen Lügen- und Greuelhetze. Erst seit der Atlantikcharta Roosevelts begann er aufzuholen und mit einem Arsenal positiver Schlagworte seinen Bombengeschwadern den Weg durch propagandistisches Trommelfeuer zu bereiten. Im Bereich des Nationalsozialismus zeichnete sich Propagandaminister Joseph Goebbels durch seinen an Lenin erinnernden messerscharfen Intellekt, durch pausenlos massierendes Trommelfeuer eines alle Instinkte mitreißenden nationalen Werbefeldzuges aus, er lieferte in einer zweifellos einmaligen Wortsintflut einen massenpsychologisch äußerst gekonnten Kommentar zur Generallinie Hitlers. E r brachte das Kunststück fertig, sich neben dem Vulkan Hitler zu behaupten und die Massen trotz einer zur Schau getragenen Verachtung der Intelligenzschicht mit intellektuellen Methoden fortzureißen. Wie Goebbels als propagandistischer „Außenminister" so entfaltete der „Stellvertreter des Führers" Rudolf Heß gewissermaßen an der inneren Front der N S D A P eine interessante Tätigkeit. Obwohl im Vergleich mit dem „Lenin" der N S D A P gehemmt, entfaltete Heß als Stellvertreter Hitlers in Parteisachen fast hohepriesterliche Eigenschaften und stand vor allem bei den Reichsparteitagen aber auch bei anderen Gelegenheiten wie ζ. B. seinen bekannten Weihnachtsansprachen in einem Brennpunkt der Ausgestaltung des quasireligiösen nationalsozialistischen Mythos zu einer von politischen Großwürdenträgern zelebrierten Liturgie, die eingestandenermaßen das religiöse Gefühlszentrum anzusprechen bestimmt war. In denselben Jahren schlug Stalin den Weg des heroischen Realismus ein, der bald in einen rückhaltlosen Führerkult und ein an spätrömische Verhältnisse gemahnendes Akklamationswesen ausartete. Die Neigung zu Spruchbänderparolen, Führerbildern und Huldigungsadressen bestimmte das Gesicht der Sowjetunion und ihres Zeitungswesens. Die Parallelen zu gewissen Erscheinungen des Nationalsozialismus und den Propaganda- und Reklamemethoden moderner Massenführung überhaupt, lagen auf der Hand, ebenso aber die erstaunliche Ähnlichkeit zahlloser Situationen in spätrömischer und byzantinischer Zeit, womit

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

316

keineswegs das längst widerlegte Schlagwort vom speichelleckerischen Byzantinismus aus der Versenkung hervorgeholt werden soll. Wer in den Jahren vor Stalins damnatio memoriae eine sowjetische Zeitung zur Hand nahm, fühlte sich auf den ersten Blick von einer Propagandamaschine angesprochen, die überraschend viel mit der politischen Liturgie von Byzanz gemeinsam hatte. Kurzparolen, zu Topos-Phrasen geformte Loyalitätsbezeugungen und Demonstrationen des politischen Glaubens in rhythmischen Akklamationen haben auch das Erscheinungsbild des Nationalsozialismus weitgehend geformt. Weitere Parallelen zu Spätrom ergaben sich aus dem hierarchischen Führerprinzip der NSDAP, aus dem Neben- und Gegeneinander von Militär und zahlreichen milizähnlichen Formationen, aus Zusammenarbeit und Konkurrenz von Polizei, Gestapo, SD (agentes in rebus) und militärischem Geheimdienst. Die SS konnte als Muster einer Prätorianergarde gelten. Die Kamarilla der „Letzten Tage," die den „volksverbundenen Führer" dem Volk entzog, hätte jedem Cäsarenhofe Ehre gemacht. Es gehörte zu den aufwühlendsten Erlebnissen für jeden geschichtlich Denkenden, die politische Antinomie zwischen den Anfang der 20er Jahre noch dominierenden deutschvölkischen Wurzeln der „Bewegung" und ihrer römisch hierarchischen (faschistischen) Komponente zu beobachten und Rückschlüsse auf die inneren Spannungen des Staatsgefüges zu ziehen. Dem entsprach außenpolitisch der Widerspruch zwischen dem unleugbaren Friedensgedanken einer Sammlung aller Deutschen unter den Fittichen des Reiches und den römisch imperialistischen Methoden der Durchführung. Das zeitgenössische Schauspiel und Schicksal steht im Rahmen dieses Werkes nicht zur Diskussion. Es versteht sich aber von selbst, daß eine ganze Historikergeneration hellhörig wurde und aus dem Erlebnis einer Zeit heraus gewisse heuristische Hilfen für das Aufspüren verwandter Situationen mitbekam. Diese Sicht dürfte nicht nur Rom und Byzanz, sondern der Beschäftigung mit der Weltgeschichte schlechthin zugute gekommen sein. Auch die vorliegende Arbeit bekennt sich in dieser Hinsicht zum Strom ihrer Zeit und Gegenwart, ihr Verfasser weiß sich, je kostspieliger die Lehre für ihn persönlich war, um so nachdrücklicher in die Schule eines tragischen Ablaufs genommen. Die Rolle der P r o p a g a n d a im Leben der Staaten und Religionsgemeinschaften ist nur eine von vielen Einsichten, die ein bewegtes Jahrhundert seinen Zeitgenossen vermittelte. Aber zweifellos eine naheliegende und unausweichliche Einsicht, die den Blick schärft für Entsprechungen in der Vergangenheit, energisches Zupacken bei Bewertung früherer Herrschaftsideologien nahelegt. Wir fassen hier zweifellos die eine Wurzel der erfolgreichen Diskussion um das „Herrscherbild" von Altertum und Mittelalter. Die z w e i t e W u r z e l dürfte erklären, weshalb diese Diskussion gerade in Deutschland so ergiebig und erfolgreich war. Der U n t e r g a n g der M o n a r c h i e mußte zwangsläufig den Historiker auf den Plan rufen, der nun seines Amtes waltete und die Sektion an der Leiche vornahm. Wilhelm W e b e r s Tübinger Antrittsvorlesung kurz nach Heimkehr aus dem ersten Weltkrieg „ Z u r Geschichte der Monarchie" kann als symptomatisch gelten, freilich mehr als das, weil in kühnem Zupacken ein Forschungsfeld umrissen wurde. Damit soll das Verdienst Älterer wie Fritz K e r n nicht geschmälert werden, ohnehin war es auch Weber nur vergönnt, durch eigene und Schülerarbeiten an den Fundamenten einer künftigen Gesamtgeschichte des Problems mitzuarbeiten. Die Antriebe der 20er Jahre wurden für die Augenzeugen der nationalsozialistischen Ära in ihrer Wirkung vervielfacht. Die zahlreichen Untersuchungen rund um die Probleme „Herrscherbild", „Kaiser- und Reichsidee", „Romgedanke", alle diese Versuche zur politischen I d e e n g e s c h i c h t e beweisen, daß ihre Verfasser bei

Propagandamethoden

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407

der Analyse vergangenen Gedankengutes auch ihrer Zeit gewisse Antriebe verdankten. Die Literatur zum Herrscherideal ist zur Genüge zitiert worden, es sei lediglich noch auf einige herausgegriffene Arbeiten verwiesen, die das Interesse an der P r o p a g a n d a der Vergangenheit beleuchten: H. V o l k m a n n , Kleopatra. Politik und Propaganda. München 1953. M. K r ü g e r , Caesars Bellum Gallicum ein Meisterstück der Propaganda, nachgewiesen an Buch I (in Radke-Bork, Beiträge für Altertumskunde I 1949). W. L e h m a n n , Die Methode der Propaganda in Caesars Schriften. Diss. Marburg 1951. J. H. C o l l i n s , Propaganda, ethics and psychological assumtions in Caesar's writings. Diss. Frankfurt/ Main 1952. Kenneth S c o t t , Octavian's propaganda and Antony's de sua ebrietate. Classical Philology 24 (1929) S. 133ff. Ders. : The political propaganda of 34—30B.C. Mem. of the American Academy of Rome 11 (1933) S.yff. M . P . C h a r l e s w o r t h , The virtues of a Roman emperor. Propaganda and the creation of belief. Proceed, of the British Academy 23, London 1937. A. A l f ö l d i , Die Kontorniaten. Ein verkanntes Propagandamittel der stadtrömischen heidnischen Aristokratie in ihrem Kampf gegen das christliche Kaisertum. Budapest 1942/3. S. M a z z a r i n o , La propaganda senatoriale nel tardo impero. Doxa 4 (1951) 121/48. J. M o r e a u Vérité historique et propagande politique chez Lactance et dans la Vita Constantini. Annales Univers. Sarav. 4 (1955) 89—97 Β. Ζ. Bd. 49, 1956, H. 1, S. 191. M. C a n a r d , L'impérialisme des Fatimides et leur propagande. Annales de l'Inst. d'ét. Orient. 6 (1946) 156/93. Kurzer Hinweis auf das Problem bei H. Bengtson, Einführung in die Alte Geschichte. München 1949, S. 56. Die oben angeführten zeitgeschichtlichen Gesichtspunkte sind leider vernachlässigt bei C.-M. E d s m a n (Uppsala) in: La regalità sacra (Leiden 59)

3Λ7·

Z u r R o l l e v o n Propaganda, A g i t a t i o n u n d Reklame in der politischen Willensbildung vergleiche man etwa A l f A h l b e r g , D i e Befreiung des D e n k e n s . B r a u n s c h w e i g c. 1950. Z u m O s t e n : A . W . J u s t , Z e i t u n g und W a n d - Z e i t u n g als A u s d r u c k der öffentlichen M e i n u n g . O s t e u r o p a 2 (1953) 26 ff. 318 V g l , F . S c h u l z , Prinzipien des römischen Rechts ( M ü n c h e n 1934) 56. 3 1 9 Script. Hist. A u g . A l . Sev. 6, 2 ; v g l . P r o b . 2, 1. H . P e t e r ( D i e geschichtl. Litt, über die röm. Kaiserzeit bis T h e o d o s i u s I. u n d ihre Quellen. L e i p z i g 1897) I 217 w i l l aus der A u f s t e l l u n g v o n Gesetzen auf Marmortafeln v o r d e m A t r i u m der Peterskirche in R o m (Cassiodorus E n d e 5 3 3 im N a m e n Athalarichs V a r . 9, 16, 3) schließen, daß die A c t a damals nicht mehr existierten. Derselbe S c h l u ß ließe sich mit gleichem Recht f ü r die Kaisetzeit ziehen, beweist überdies nichts für die Verhältniese i m Osten. 320 H . P e t e r a. Ο . I 209fr. K u b i t s c h e k , R E 1, 29off. O . H i r s c h f e l d , D i e römische Staatszeitung und die A k k l a m a t i o n e n im Senat. S B Berlin (1905) 930fr. = K l e i n e Schriften 682®. Hirschfeld b e m ü h t sich (gegen H u e b n e r und andere) namentlich u m den N a c h w e i s , daß Caesars A n o r d n u n g nicht eine Sonderpublikation der acta senatus neben die bereits vorhandenen acta diurna stellen wollte, sondern daß seine A n o r d n u n g lediglich b e z w e c k t e , die V e r h a n d l u n g e n des Senats und V o l k e s nach T a g e n geordnet zusammenstellen u n d veröffentlichen z u lassen. E s g a b nur eine G e s a m t publikation. A u f einer anderen E b e n e liegen natürlich die neben der Staats- und Stadtzeitung kursierenden privaten Sammlungen, w i e sie namentlich durch Caelius' B r i e f e an C i c e r o b e z e u g t sind. H i r s c h f e l d a. O . 932 b z w . 685fr. 3 2 1 Suet. Caesar 20. 3 2 2 Suet. A u g . 36 auctor fuit, ne acta senatus publicarentur. 3 2 3 Petron. 53. Z u r Rolle der acta diurna als publicum instrumentum·. Suet. Calig. 8. D i e G i e r nach Nachrichten w i r d v o n Cicero drastisch geschildert: A t t . 2, 21, 4 Itaque Archilochia in illum edicta Bibuli populo ita sunt iucunda, ut eum locum, ubi proponuntur, prae multitudine eorum, qui legunt, transiré nequeamus. H . P e t e r a. O . I 210. 324 K u b i t s c h e k , R E 1, 290fr. K e i n e K o n k u r r e n z z u den acta diurna (acta publica) stellten in der Kaiserzeit die commentarti — υ π ο μ ν ή μ α τ α des Kaiserhofes dar, die auf die Tradition der Ephemerides Alexanders und der hellenistischen Staatenwelt z u r ü c k g e h e n dürften. Zahlreiche in die commentarii Caesars (sein Testament) a u f g e n o m m e n e n V e r o r d n u n g e n w u r d e n (nicht o h n e Zusätze und Fälschungen) v o n A n t o n i u s auf Erztafeln (tabulae aeneae) öffentlich proponiert (Cie. Phil. II 37. V I i . 92. A . v. P r e m e r s t e i n , R E 4, 735). Dergleichen blieb aber A u s n a h m e , denn die 317

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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commentarti principis stellten eine Art Hof- und Geschäftsjournale dar (U. Wilcken) und wurden abgesehen vom eigentlichen Hofjournal für jedes Ressort einzeln geführt. Historisch bedeutsam sind die militärischen commentari!. Jedoch waren diese Unterlagen nicht zur Publikation bestimmt und wanderten nach Ablauf ihrer Aktualität in das Archiv. Für Einsichtnahme und teilweise Publikation war ähnlich wie bei den acta tenatus von Fall zu Fall kaiserliche Erlaubnis erforderlich. 325 Zu den Münzen vergleiche man W r o t h , S a b a t i e r - C o h e n , T o l s t o j usw. (o. Anm. 120). 326 Der Geist der panegyrischen Literaturgattung des iustinianischen Zeitalters muß (abgesehen von den panegyrischen Stellen in anderen Literaturgattungen) aus den kurz vorher und nachher überlieferten Stücken „interpoliert" werden. Vor allem: Ennodius, Panegyricus dictus clementissimo regi Tbeoderico (c. 507). Priscianus, De laude imperatori! Anastasii (c. 512) (CSHB Bonn, 1829, 517fr.). Procopius Gazcnsis, Panegyricus in Anastasiwn (c. 512/5) (CSHB Bonn 1829 490fr.). Vgl. K. K a m p e n , Procopii Gazaei in imperatorem Anastasium panegyricus. Diss. Bonn 1918. Fl. Cresconius Corippus: I. Johannis sen de bellis libycis (c. 549/50) 2. Panegyricus in laudem Iustini Augusti minoris (c. 567) begleitet von einem Panegyricus in laudem Anastasii quaestoris et magistri in 51 Hexametern. (CSHB Bonn 1836). Die Werke haben dichterisch nur formalen, historisch dagegen beträchtlichen Wert und sind sämtlich kritisch herausgegeben von J. Partsch (MGH Auct. antiquiss. III 2). ZurTopik der älteren panegyrischen Literatur (XII Panegyrici latini, Script. Hist. Aug., Themistios u. a.) sowie zum Schema Menanders vor allem J. S t r a u b , Vom Herrscherideal in der Spätantike 146 ff. Ferner vergleiche man den vorbildlichen Kommentar von H. G u t z w i l l e r : Die Neujahrsrede des Konsuls Claudius Mamertinus vor dem Kaiser Julian. (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 10) Basel 1942. Die Form des Kommentars gestattet erschöpfende Behandlung aller philologischen, literarhistorischen, historisch politischen und geistesgeschichtlichen Probleme. Sie wurde vom Verfasser bei Untersuchung Prokops benutzt und ist für sämtliche vorhandenen Quellen ein dringliches Desideratum, stößt aber des Umfanges halber auf Schwierigkeiten in der praktischen Durchführung. 327 Vgl. u. S. 172 f. Anm. 390—404. 328 Vgl. u. S. 171 Anm. 389. 329 Ammian. Marc. X V 1, 3. Sauter 127. 330 Hauptfundorte: Codex Iustinianus Buch I, die Kirchengesetze der Novellen, die thieologischen Schriften und Erlasse (vgl. K r u m b a c h e r , Gesch. d. byz. Lit. 2 57fr.) und die theologschen Bemerkungen der Proömien und der gesamten Gesetzgebung. 331 Cod. I 4,33 ò aCrròs βασιλεύς τοις τταυταχοΰ γης θεοφίλεστάτοις έτπσκόποις (vom 1. XI. 534)· 332 Nov. 6 epil. ι. 333 recitata séptimo miliario huius inclitae civitatis in novo consistorio palatii Iustiniani (Imp. Iustinianus A. Demosthenipp.—d. III k. Nov. Decio ve. cons.) (Kaiser Iustinian dem Prätorianer-präfekten Demosthenes am 30. Χ . 529). Cod. I 2, 22; 1 1 4 , 12; I I 5 5, 4; IV 1, 12; IV 34, 1 1 ; V 12, 30; V 30, 5; V I 4, 3; V I 30, 19; V I 42, 30; V I 61, 6; VII 45, 13.14; VIII 53, 34; X I 48, 20. 331 Die Publikation im römischen Recht und ihr religiöser Hintergrund: Eine Studie zur Technik derpolitisch propagandistischenNebenabsichten der Reichsgesetzgebung. ι. p r o p o s i t i o i n a l b o E s lassen sich zahlreiche historische Wurzeln der Veröffentlichung v o n G e setzen durch Aushang bzw. Ausstellung angeben. Zunächst pflegten Privatleute wie Händler, Gewerbetreibende ihre Erwerbs- und Veräußerungswünsche durch rasch improvisierte Inschriften oder Zettelaushang bekanntzugeben. Natürlich machte auch der Staat frühzeitig v o n der Mitteilung durch öffentlichen Aushang Gebrauch. Als endlich auf diesem W e g e wichtigste offizielle Schriftstücke der B e h ö r d e n bekanntgemacht wurden, war bereits eine lange Entwicklung vorausgegangen. Das mündlich (in contiene) oder schriftlich durch Aufstellung auf weißen Holztafeln (in albo proponere) ausgeübte ius edicendi der höheren republikanischen Magistrate gilt der Bekanntmachung von einzelnen Anordnungen. A u c h priesterliche Edikte kommen vor, ζ. B. v o n den quindeeimvirisacris faciundis. ( K i p p 49). Die Zivilgerichtsbarkeit ging allmählich dazu über, daß die mit dem ius edicendi ausgestatteten Magistrate (Prätoren und kurulische Ädilen in Rom, Statthalter und Quästoren in den Provinzen) beim Amtsantritt ein ausführliches edictum (sofern für das ganze Jahr gültig perpetuum) erließen, um sich selbst auf gewisse Verfahrensregeln festzulegen, Formulare vorzuschreiben und die Bevölkerung mit den Grundlinien der Rechts-

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sprechung in mehr oder weniger autoritativer Form bekanntzumachen. Jahresedikte wurden immer, Einzeledikte zumeist auf weißen Holztafeln bekanntgemacht {album, λεύκωμα). Für die Gesetzeskraft der Edikte war, wie schon der Name sagt, die mündliche Publikation ausschlaggebend, sie war auch im Zeitalter der Schriftlichkeit erforderlich ( M o m m s e n , Staatsrecht I 3 205 fr.). Die bildliche Darstellung eines albumfindenwir auf einer Wandmalerei in Pompeji. Vgl. D a r e m b e r g - S a g l i o , Diet, des antiquités grecques et romaines, Art. Album Fig. 209 ( W e n g e r , Quellen 58). Gaius Inst. I V 47 formulae in albo proponuntur. Ulpianus, Dig. II 1, 7 quod iurisdictionis perpetuae causa . . . in albo vel in charta vel in alia materia propositum erit. Vgl. Dig. II ι, 9. Zusammenfassend informieren die Artikel „Album": Joh. S c h m i d t R E 1, 1332fr. G u i l l a u m e - S a g l i o - H u m b e r t bei Daremberg-Saglio, Diet. E. de R u g g i e r o , Dizionario epigrafico. M o m m s e n , Staatsrecht I 3 (1887) 202ff. O. K a r I o w a , Römische Rechtsgeschichte I (1885) I 46of., 472. Wichtig zu den griechischen Grundlagen: Ad. W i l h e l m , Beiträge zur griechischen Inschriftenkunde. Sonderschrift des österr. archäol. Inst. Wien 7 (1909) 239fr. E. W e i s s , Studien zu den römischen Rechtsquellen (1914) 119ff. Ders.: R E Suppl. Bd. 3, 854^ (Grundbuch). Ders.: Sav. Ztschr. Rom. Abt. 49, 765. Fritz, Freiherr v o n S c h w i n d , Zur Frage der Publikation im römischen Recht. Mit Ausblicken in das altgriechische und ptolemäische Rechtsgebiet. Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 39. München 1940 (grundlegende Monographie). Eine zusammenfassende Überschau verdanken wir dem monumentalen Werk: Leopold W e n g e r , Die Quellen des römischen Rechts. Wien 1953. Kurze Einführung: Th. K i p p , Geschichte der Quellen des römischen Rechts. (Leipzig 1919 4 ) 49. Auf einem album wurde auch die jährliche Stadtchronik des Pontifex maximus aufgezeichnet, deren historische Bestimmung langsam aus der ursprünglich praktischen Zwecken der Priesterschaft dienenden Pontifikalkalendertafel hervorgegangen war. Cicero (De oratore II 5 2) schildert Wesen und Entwicklung der Annalen sehr anschaulich : erat enim historia nihil aliud nisi annalium confectio ; cuius rei memoriaeque publicae retinendae causa ab initio rerum Romanarum usque ad P. Minucium pontificem maximum res omnis singulorum annorum mandabat litteris pontifex maximus referabatque in album et proponebat tabulam domi, potestas ut esset populo cognoscendi·, eique etiam nunc annales maximi nominantur. Man denke auch an diese religiös-politischen Dokumente der Tätigkeit der römischen Oberpriester und würdige ihre Rolle als Vorbild und Fundgrube nicht etwa nur der ältesten römischen Geschichtsschreibung, sondern als Vorläufer herrscherlicher Tatenberichte wie der res gestae divi Augusti. Auch die christliche Ära kennt noch diese Feierlichkeit allgemeinverbindlicher Deutung der Ereignisse. Der religiöse Einschlag erscheint in den politischen Rechenschaftsberichten, die die Gesetze Iustinians durchziehen, womöglich in einer noch beherrschenderen Rolle. Der Vergleich dieser späten Formeln des Romgedankens mit den frühesten schriftlichen Äußerungen Roms wirft ein Streiflicht auf Publikationsweise und politisch propagandistische Absicht. Ob als Endzweck oder Nebenzweck, gemeinsam war Rom und Byzanz in diesem Falle die amtliche propositio in albo des vom Staate gewünschten Geschichtsbildes. 2. L e e r e r T h r o n , lectisternium,

sellisternium,

solisternium.

Neben dem Aushang sind namentlich der Vorstellungskreis um den Leeren Thron sowie die Lectisterniensitte als Bestandteile der bei der Publikation der

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Kaisergesetze mitschwingenden Imponderabilien zu berücksichtigen. Zum „Leeren Thron" referiere ich (mit Ergänzungen) Charles Picard, Le trône vide d'Alexandre dans la cérémonie de Cjinda et le culte du trône vide à travers le monde grécoromain. Cahiers Archéologiques 7 (1954) 1/18. Ferner F. Honigmann, R E 6 A 613/8. Die Verehrung von Bergspitzen als Götterthrone in Asien, aber auch in Teilen Europas, ist alt. Die Sumerer verpflanzten die Sitte in die Ebene und errichteten Türme als Götterthrone, mehrstufige Zikkurate mit Gipfelkapellen, die einen Stuhl als Göttersitz enthielten. Hethiter und Perser schlossen sich dem Brauch an (Honigmann 6i6f.). Zu den orientalischen Vorstufen des L. Th.: Hélène Dussaud in: Mél. syriens R. Dussaud 2 (1939) 5 57/66. Das Alter des Gedankens vom Leeren Thron in Indien ist noch umstritten. Nach Picard 1 1 mit Anm. 2 ist die Datierung von Kaushtâki Upanishad c. 600—400 v. Chr. zu berichtigen und damit der Verdacht westlicher Herkunft der entsprechenden indischen Vorstellungen gegeben. Er führt namentlich die eleusinischen Goldlamellen, die durch die Aschenume von Pharsalus ins 4. Jh. v. datiert werden, als Gegenzeugnis an. Vgl. zum indischen Material: Jeannine A u b o y e r , Le culte du trône et son symbolisme dans l'Inde ancienne. Cahiers archéologiques 6 (1949) 1—9. Zur ethnologischen Grundlage: G. Frazer, Golden Bough 3 I 365. Auch in kretisch-mykenischer Zeit ist der L. Thr. bezeugt: Charles Picard, Les religions préhelléniques. In: Mana. Introd. a l'histoire des religions (Paris 1948) II 1, 1. Picard verweist hier auf den Thronsymbolismus im Thronsaal von Knossos und die in Mykene und an anderen Orten bezeugten Götterthrone (Mana 112), ferner auf die mykenischen Tonfiguren von winzigen Gottheiten auf relativ großen Thronen (Mana 247). Der L. Th. ist präarchaisch im ganzen griechischen Raum von Troja bis Lakonien bezeugt. Wichtige Beispiele sind der Thron des Hermes Perpheraios in Ainos (Thrakien) und ein ähnlicher Thron im Kabirenheiligtum in Samothrake, ferner der monumentale „Thron" von Amyklai bei Sparta, ein ganzer Gebäudekomplex (c. 530 v. Chr.) mit ξόανον-Statue des Apollon Amyklaios auf Hyakinthos-Heroengrab. J . Β abelo η studierte die leeren Dioskurenthrone : Les Dioscures à Tomi (Mél. Ch. Picard I 1949, 24/30 = Rev. Arch. 29/30, 1949). Den Danaosthron der Agora von Argos erwähnt Pausanias (II 19, 5). Weiter: Ajaxthron von Salamis, Zeusthron zu Olympia, von Arimnos, König von Etrurien, gestiftet (Pausan. V 12, 5). Im „Ludovisithron" (Meergeburt der Aphrodite) lebt vermutlich ein mykenischer Kult fort (Picard, Cyinda 4). Der Übergang zum Herrscherkult wird von Alexanders des Großen Feldherrn Eumenes von Kardia organisiert. Die Thronzeremonie von Cyinda (318 v. Chr.) legte den Grund zu Alexanders Verehrung mittels des Leeren Thrones, der zunächst im fiktiven Feldherrnzelt des toten Königs seinen Platz fand. Diod. Sic. 18, 6of.; Polyaen. IV 8, 2; Plut. Vit. Eumen. 13; Com. Nepos Eumen. 7. Picard, Cyinda 4 f. Namentlich in Ägypten-Alexandrien zeigte sich der Kult des Leeren Thrones traditionsbildend. Vgl. L a u n e y , Recherches sur les armées hellénistiques. II (1950) 855f. Er verweist auf Theokrit (Έγκώμιον eiç ΡτολεμαΤον ed. Legrand, coll. G. Budé 143 f.), der Ζ. ι6—20 von den Thronen des Lagiden Ptolemaios, Alexanders und des Herakles spricht. Diese himmlische ευωχία der vergöttlichten Heroen erinnert an das himmlische und irdische Bankett der Dioskuren, für deren Theoxenie man Lectisternien vorbereitete. Picard, Cyinda 8. Vom Herrscherkult der Alexanderzeit sticht die derbe Persiflage ab, die sich Philipp von Makedonien mit Menekrates erlaubte. Diesem angeblichen Zeus wurde ein Theoxenion bereitet, das ihn aber als Menschen entlarvte und der Lächerlichkeit preisgab. Vgl, O. Weinreich, Menekrates Zeus und Salmoneus. Religionsgeschichtliche Studien zur Psychopathologie des Gottmenschentums in Antike und Neuzeit. Tü-

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binger Beitr. z. Altertumswiss. 18 (Stuttgart 1933) 24f. In hellenistischer Zeit rückte der Thron zum Symbol der verstorbenen Könige auf (H. H e r t e r , Rhein. Mus. 74 [1925] 164/73. A. H u g R E 6 A 6i6f.). L a u n e y II 856 glaubt, daß in jedem ägyptischen Gymnasion eine Kapelle des Herrscherkultes mit einem leeren Thron vorhanden war. Noch Kosmas Indikopleustes beschreibt einen Thron in Adulis mit Herakles· und Hermesfiguren, vor dem noch im 6. Jh. die Hinrichtungen vollzogen wurden (108 D ed. Winstedt 76). P i c a r d , Cyinda 10. Eine in ältesten griechischen und hellenistisch-römischen Bräuchen wurzelnde Sitte war das lectisternium, ein Göttermahl, bei dem man die Götterbilder auf ein Polster {pulvinar) setzte und ihnen opferte. (Cie. de domo sua ad pontífices 136, de harnspicum responso 8, Tuse. IV 4). Göttermahle konnten in Tempeln wie in Privathäusern stattfinden. Hier verliehen sie der Gastlichkeit die höhere Weihe. Die in Rom ältere Kollektivbewirtung mehrerer Gottheiten ist von der Einzelbewirtung einer Gottheit zu unterscheiden. Das älteste bezeugte und im staatlichen Bereich wohl wirklich älteste lectisternium duodeeim deorum fand bei Gelegenheit der Supplikation statt, die in Rom nach der Niederlage am trasimenischen See auf Anordnung der sibyllinischen Bücher gehalten wurde. Vgl. Carl K o c h , Untersuchungen zur Geschichte der römischen Venus-Verehrung. Hermes 83 (1955) 35f. Die bei den Griechen vereinzelt übliche Götterbewirtung auf 0póvos statt κλίνη wurde in Rom für die weiblichen Gottheiten übernommen. So kam es zur Sellisterniensitte, die bei Kultfeiern der Matronen besondere Bedeutung gewann (Tac. ann. 15, 44; Val. Max. II i, 2). Vgl. W i s s o w a R E 12, 1108/15. K l o t z R E 2 A 1322. Entsprechend dem Gedanken vom Leeren Thron ließ man in der Frühzeit die pulvinaria bzw. sellae meist leer oder begnügte sich mit Symbolen. Später bevorzugte man Götterbüsten oder setzte ganze Statuen auf die Polster. Interessant sind hier namentlich die Zweige und geflochtenen Götterkronen, die als Symbole Verwendung fanden, da sie bei der Gedankenverbindung „Thron und Szepter" vermutlich mitspielten. Festus p. 64 M. (56, 12 Lindsay) capita deorum appellabantur fasciculi facti de verbenis; p. 346 (473, 4 L.) struppi vocabantur in pulvinaribus fasciculi de verbenis facti, qui pro deorum capitibus ponebantur. Dazu Festus p. 313 M. (410, 6 L.). W i s s o w a R E 12, I i 14. Ferner Masurius bei Serv. Aen. II 225 Antiquifelicium arborum ramos cortice detracta in effigies deorum formabant. J . B a b e l o n (Les Dioscures à Tomi 29 und Fig. ι, 7—8) erinnert mit Recht an Thron und Szepter der Faustina (Gattin des Antonius) auf Münzen. Vgl. S. E i t r e m , Trône et Sceptre. From the Coll. of the Ny Carlsberg Glypt. 3 (1942). Älteres Synonym für sellisternium war solisternium (Fest. p. 298 M. = 386, 1 L.), das aber noch bei Tertull. ad nat. II 10 begegnet und bei der Bezeichnung des θρόνος Gottes eine Rolle spielt. Zu diesem namentlich H. P. L ' O r a n g e , Studies of the Iconography of cosmic Kingship in the Ancient World (Oslo 1953) 37ff., 48ff., 5 iff., 124fr. Bei der Vergöttlichung des r ö m i s c h e n H e r r s c h e r s wurde die Gedankenwelt des Leeren Thrones und die Lectisterniensitte auf ihn übertragen. Damit ging ein orientalisch-hellenistisches Erbe in den Kaiserkult über, das von Antonius im Falle eines Sieges jedenfalls noch rascher und nachdrücklicher herausgestellt worden wäre. Romulus, der geheimnisvoll verschwundene und als Quirinus zu den Göttern entrückte Gründer Roms (Cie. rep. II 10, 17) hatte ein pulvinar inne (Ovid. met. 14, 827) und vermittelte so zwischen Göttern und Herrschern. Die Tradition vom Orient bis zum Hellenismus, namentlich die Cyinda-Affäre des Alexanderkultes, waren bekannt. Cäsar erhielt als erster römischer Magistrat das pulvinar und andere ausdrücklich als göttliche Abzeichen verstandene Insignien (Cie. Phil. II 43, 1 1 0 ;

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Sueton, Caesar 76, i), er wurde σύνναος des Nationalgottes Quirinus. Vgl. E. Beurlier, Le culte impérial, son histoire et son organisation depuis Auguste jusqu'à Justinien (Paris 1891) 69. H e i n e n (Klio 1 1 , 129fr.) 133. H e r z o g - H a u s e r , R E Suppl. 4, 819. Bei Augustus machte der Senat nach seinem Tode Schwierigkeiten, aber von Caligula ab wurde die Sitte feststehend. Der Leere Thron des Caligula stand auf dem Kapitol. Commodus spielte seine Herakles-Rolle nicht ohne den mit der Löwenhaut bedeckten Thron (Dio Cass. 72, 17). Septimius Severus ließ drei Leere Throne im Theater zum Gedächtnis des Pertinax aufstellen (Dio Cass. 74, 4). Vgl. P i c a r d , Cyinda 10. H e r z o g - H a u s e r , Kaiserkult. R E Suppl. 4, 819. A l f ö l d i , Insignien 136fr. Jean C o l i n , Les trônes Ludovisi-Boston et les temples d'Aphrodite Erycine. Rev. arch. 25 (1946). 139/72. Die bildlichen Darstellungen der Römerzeit mustert P i c a r d , Cyinda 1 1 f. Wichtige Monumente sind die Leeren Throne von einem Magna Mater-Tempel der Augustuszeit, von Ravenna, Herculanum (Casa dei Cervi), Palazzo Ducale zu Mantua. Ins 3. Jh. fällt vermutlich die Büchse des Louvre, ins hohe Mittelalter die Stoffe aus Montpezat und Regensburg. Hier hebt P i c a r d , Cyinda 15f. ebenso wie auf der Himmelfahrt Alexanders des Großen in S. Marco (10., 1 1 . Jahrh.), die thronende Haltung des Entrückten hervor und möchte damit weitere späte Zeugnisse für die zentrale Bedeutung des Thrones gewinnen. Sollte sich die Möglichkeit einer solchen Gleichsetzung von Himmelswagen und Thron bewahrheiten, so wird man auch an den beweglichen Thron des oströmischen Kaisers denken. Über diesen Näheres bei A. A l f ö l d i , Zur Geschichte des Throntabernakels. La Nouv. Clio 1/2 (1949/50) 537/66. In christlicher Zeit wurde die orientalisch-hellenistisch-römische Vorstellungswelt übernommen und um neue Gedanken bereichert. Das römische Solisternium kehrte, auf den Thron Gottes (mit Kreuz und Krone) angewendet, zu seinem orientalischen Ursprung zurück. Vgl. A l f ö l d i , Zeremoniell 60. Die Väter des Konzils von Ephesos hielten ihre Sitzungen in Gegenwart eines Thrones, auf dem eine Bibel lag (A. G r a b a r , L'empereur 214). Weiteres bei A. P i g a n i o l , Recherches sur les jeux romains. (Notes d'archêol. et d'hist. rei. Straßburg 1923) 139/40. T r e i t i n g e r 32ff. Das Mittelstück des Triumphbogenmosaiks in S. Maria Maggiore (c. 432/440) zeigt einen Thron mit Herrschaftsinsignien, das Mosaik im Baptisterium der Arianer zu Ravenna (c. 5 20) einen Gemmenthron mit Kreuz und Purpurmantel. Vgl. J . W i l p e r t , Die römischen Mosaiken, (Freiburg 1916) I 58fr. und Tafeln 70/72, 101. D e R o s s i , Bull, di arch, crist. II S. 3 (1872) 125 Taf. I X 3. CIG 908. G. B o v i n i , Die Mosaiken von Ravenna (Milano 1956) Tafel 17: Symbolischer Thron der Etimasia. Der Thron des Kaisers und der Thron Gottes haben eine interessante Parallele im (leeren) Thron Christi und dem Brauch der παναγία. Der Kaiser ließ, wie freilich nur für das 10. Jahrh. sicher bezeugt ist, an Sonn- und Festtagen die rechte Seite seines Thrones für den „ewigen König" Christus frei (Const. Porph. De caerim. 8 ff. und 520, Scholion. Treitinger 32). Der Brauch der παναγία geht auf eine apokryphe Erzählung zurück, nach der die Apostel nach der Himmelfahrt Christi einen Platz freiließen und Brot darauf legten, das sie nach der Mahlzeit genossen. Das gab Anlaß zur Klostersitte des „heiligen Brotes", das auch der Kaiser bei den convivía publica aß (N. N i l l e s , Kalendarium manuale utriusque ecclesiae orientalis et occidentalis (Oenipotente 1896/7 II 327fr.) und Symeon v. Thess., de sacr. prec. c. 359 (MPG 155, 665) T r e i t i n g e r 32fr. und i o i f . mit Anm. 283). Vom Leeren Thron über die Sellisterniensitten bis zur παναγία zeigt sich also eine Fülle ver-

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wandtet Vorstellungen, deren Nachleben in christlicher Zeit wieder einmal beweist, mit welcher Kraft die ältesten Vorstellungen vom Mana des Gottes und des Herrschers sich im Denken und Fühlen der Menschen behaupteten. 3. Zusammenhang zwischen A u s h a n g , Leerem Thron und Gesetzespublikation Das Christentum hat namentlich die Begriffe sellisternium-solisternium ihrer femininen Bezogenheit weiter entkleidet und erst recht die Tendenz der Spätantike zur monotheistischen Sublimierung aller religiösen Hilfsvorstellungen auch des „Herrscherbildes" vorangetrieben. Die Berührung der Begriffswelt um den „Leeren Thron" mit der Gesetzespublikation fällt noch in die vorchristliche Zeit. Die Notifia Dignitatum belegt für das 4. Jahrhundert die zweifellos schon vorher übliche Ausstellung von kaiserlichen Befehlen (Edikten usw.) an die Statthalter der Provinzen auf drapiertem Gerüst. Die Vorstellung vom „Leeren Thron" und die Gefühlswelt der alten Lectisterniensitte schafft hier zusammen mit dem Kaiserkult direligiöse Weihe des staatlichen Hoheitsaktes. Eine ganz besondere Steigerung erfuhe die staatliche Schaustellung hier einmal durch die persönliche Abwesenheit der Gottkaisers, zum anderen durch den Wegfall aller „demokratischen" civilitas-ΤτΆditionen gerade in den östlichen Provinzen. Es genügt, auch für die Gesetze nochmals an Ammians klassische Formel zum „orientalischen" Auftreten des Konstant e s zu erinnern: qualis in provinciis suis visebatur (Ammian. X V I 10, 9 Straub 182fr.). Auf diesen Gerüsten waren -— eine weitere Parallele zur Lectisterniensitte — die Kaiserbilder unentbehrlich, deren allgemeine Rolle als staatliches Hoheitszeichen und Propagandamittel namentlich durch die Laurata belegt wird. Diese leicht anzufertigenden Bildtafeln dienten nicht nur als Propagandamaterial, sondern wurden z. B. beim Regierungsantritt einem Mitkaiser offiziell übersandt. Zu den Kaiserbildern vgl. T r e i t i n g e r 204fr. (Laurata: 208 und A l f ö l d i , Zeremoniell 72fr.). 4. Z u r Publikation der Kaisergesetze Was die durch die Vorstellungswelt des Leeren Thrones und das drapierte Gerüst (man vergleiche übrigens die äußeren Formen des Stalinkultes in seinem Spätstadium) für die politisch religiösen Imponderabilien bei der Gesetzespublikation bedeuten mußten, liegt auf der Hand. Zunächst sind aber bei Betrachtung der Publikationsweise die Verwaltungsbedürfnisse der Kanzlei und propagandistische Absichten streng zu trennen. Die Bekanntmachung von Kaiserkonstitutionen, die nur für private Adressaten von Interesse waren, konnte durch Insinuation, also direkte Zustellung, erfolgen. Es lag jedoch für die überlastete Kanzlei nahe, auch solche Konstitutionen durch Aushang zu publizieren, um dem Petenten die Mühe der Abschrift zu überlassen. Über den Ort des Aushangs von Kaiserkonstitutionen und behördlichen Erlassen sind sichere Aussagen nicht möglich (v. Schwind 157fF. zu den Edikten, 164fr. zu Dekreten, i66f. zu Mandaten, 167fr. zu Reskripten. 167 Anm. ι Literatur. Wenger, Quellen 443). Aushang von Edikten in Rom, Alexandreia, im wandernden Heerlager ist bezeugt. Daher dürften Edikte jeweils am Residenzort des Kaisers bekanntgemacht worden sein, Dekrete und Reskripte ebendort sowie am jeweiligen Regierungssitz des Statthalters. Stets können jedoch erhaltene Texte, soweit nicht ausdrücklich Angaben vorliegen, auch vom Kanzleiexemplar kopiert sein. Vgl. Wenger, Quellen 445 fr. Bei allen Gesetzgebungsakten von allgemeiner innen- oder außenpolitischer Bedeutung liegt die Rolle von Aushang und Ausstellung als Propagandamitteln auf

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der Hand. Die Buchstaben PP. (erstmalig bei Antonius Pius 150 n. Chr. Cod. II 12, 1) am Ende eines Gesetzes deuten an, daß es ordnungsgemäß ausgehängt worden war (proposita epistola bzw. constitutif»). Der Vermerk — nicht die Sache — war unter Iustinian selten geworden (z. B. Nov. 159, dazu Wenger, Quellen 661). Noch im 5. Jahrh. hieß es gelegentlich: data III id. Mart. Romae, proposita in foro Trat ani Maximo II et Paterio vv. cc. conss. (Nov. Val. III 11, 1). data . . . Ravennae . . .proposita in foro Traiano ... sub edicto praefecti praetorio (Nov. Val. III 26, ι). Unter Iustinian lautet die Subskriptionsformel etwa: Data . . . Constantinopoli dv. Iustiniano dn. pp. Α. IIIconsule. Vgl. Heumann-Seckel, Handlexikon zu den Quellen des römischen Rechts9 (Jena 1914) 470 s. v. proponere. Die Epiloge der Novellen Iustinians enthalten meist Bestimmungen über die Bekanntmachung des betr. Gesetzes in Konstantinopel und den übrigen Städten. Die Publikation durch propositio in albo wird nicht mehr ausdrücklich erwähnt, wird aber durch gleichzeitige westliche Gebräuche (Kanzlei Theoderichs) und die unten zu betrachtenden Zeugnisse des Malalas belegt. Vgl. Edictum Theoderici regis (publiziert vor 507) prooem. : praesentia iussimus edictapendere Zur Publikation in justinianischer Zeit bieten namentlich die Epiloge der Novellen Material. Vgl. Zachariae, Sav. Ztschr. Rom. Abt. 8, 245 fr. Wenger, Quellen 660 ff. Nov. ι vom Jahre 535 an den praefectus praetorio Johannes bezeichnet im Epilog den erbrechtlichen Gesetzesinhalt als gemeinsamen Nutzen aller Menschen und beauftragt den Adressaten mit Bestätigung und Publikation durch Edikte (κηρύγματα, auch προγράμματα, προστάγματα) an alle Provinzialstatthalter. Propagandistisch wird betont, daß sowohl die alten Reichsgebiete wie die von Iustinian neu gewonnenen Gebiete zu berücksichtigen seien (Mehrer des Reiches). Die άρχοντες μητροπόλεων hätten das Gesetz „entsprechend der früheren Verordnung" an die Städte weiterzuleiten, damit kein Untertan mit einem Gesetz unbekannt bleibe, das weder Armut noch Furcht zuläßt. Bei der „früheren Verordnung" Iustinians handelt es sich zweifellos um eine verlorene Publikationsvorschrift, die über den Geschäftsgang der amtlichen Bekanntmachungen und damit auch über eine wichtige Sparte der staatlichen Propaganda näheren Aufschluß gab (Zachariae, Wenger a. O.). Die Gesetze Iustinians enthalten in der Regel zumindest eine Durchführungsvorschrift an den Adressaten, in zahlreichen Fällen auch eine darüber hinausgehende Publikationsvorschrift sowie gelegentlich die Angabe, an welche Dienststellen das Gesetz weiterzuleiten ist. Die Publikationsvorschriften sind im Cod. Iust. ähnlich wie bereits im Cod. Theodos. zumeist weggelassen worden. Die posttheodosianischen Novellen bringen dagegen ihre recht häufigen Publikationsvorschriften, ζ. B. Nov. Theod. I: Quod restât, Fiorenti p(arens) k [arissime) a(tque) amantissime), inlustris et magnìfica auctoritas tua, cui amicum, cui familiare est piacere principibus, edictis (prop (ositis) in omnium populorum, in omnium provinciarum notitiam scita maiestatis augustae nostrae faciat pervenire. (15. 2. 438) Theod. III: Inlustris igitur et magnifica auctoritas tua, cui cordi est cum divinis tum principalibus adhibere iussionibus famulatum, quae insatiabili catholicae religionis honore decrevimus, propositis excellentiae suae sollemniter edictis, in omnium faciat pervenire notitiam, provinciarum quoque moderatoribus praecipiat intimari, ut et eorum pari sollicitudine cunctis civitatibus atque provinciis quae necessario sanximus innotescant. (31. 1. 438). Am vollständigsten: Nov. Valent. 23. Seeck, Regesten 9fr.: „Das Gesetz ist als Brief an den Präfekten Albinus gerichtet und enthält zum Schluß die übliche Aufforderung, er möge es durch Edikt bekanntmachen. Dahinter steht : data III id. Mart. Romae, accepta VI Kai. April. Romae Calepio v.c. cons., proposita in foro Traiani VIII Id. April., antelata edicto Albini viirt) inl(ustris) IIp(raefecti) p(raetori)o et patricii. Was das

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Propagandamethoden

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antelata edicto bedeutet, erkennen wir aus dem Gesetz gegen die Pelagianer, das Honorius am 30. April 418 an den Präfekten Palladius richtete. Hinter dem Datum steht hier : Exemplar edicti Iunii Quarti Palladii. Iunius Quartus Palladius, Monaxius et Agricola iterum, praefectipraetorio, edixerunt. Dann folgt der Text des Ediktes". Die Kaisergesetze werden ,, mit einem vor- oder nachgestellten Edikt der Öffentlichkeit vom Präfekten, Provinzialstatthalter oder Vikar durch Aushang bekanntgemacht, so daß das Volk wie in alter Zeit eigentlich nur durch das Edikt gebunden war" (P. C l a s s e n , Studien zur Entstehung der germanischen Königsurkunden auf römischer Grundlage. Diss. Göttingen 1950 S. 47). Vgl. CIL III 12043 f. und Μ o mm s en CIL III Suppl. 2,2044fr., gegen dessen Ansicht, daß keine Beamtenedikte erhalten seien, Classen 47 ff. einige Beispiele aus Mansi beibringt. Publikationsvorschriften (Pv.) der Gesetze Iustinians. Cod. I 3, 42 (1. 3. 528) Kirchengesetz an Erzbischof und Patriarch Epiphanius Pv. Cod. I 3, 44 (18. ι. 529) Kirchengesetz an pr. pr. Menas. Pv. an kirchliche und weltliche Behörden (§ 11). Const. Summa (7. 4. 529). Pv. betr. Bekanntmachung des Cod. Iust. und der in ihm enthaltenden Gesetze (§ 5). Cod. I 3, 51 (1. Ii. 531) Kirchengesetz: an pr. pr.Or. Joh. Pv. ( E t hoc non solum in vetere Roma vel in hac regia civitate, sed in omni terra, ubicumque Christianorum nomen colitur, obtinere sancimus). Cod. I 1,6 (15. 3, 533) Kirchengesetz an Konstantinopolitaner mit Angabe weiterer Städte als Adressaten aber ohne Pv. Nov. 6 (16. 3. 533). Zur Klerikerwahl an Patriarch Epiphanius. Ein Dokument der Staatsaufsicht über die Kirche. Mit eindringlicher Pv. und Verteilerplan an die Patriarchen von Alexandreia, Antiocheia, Jerusalem, pr. pr. Or. et III. Cod. I 1,7 (26. 3. 533). Kirchengesetz an Patriarch Epiphanius. Pv. Const. Omnem (16. 12. 533). Studienordnung an die Professoren der Rechtswissenschaft. Ohne Pv. § 7 untersagt Benutzung von Institutionen, Digesten und Codex zu Lehrzwecken außerhalb der Reichshauptstädte und Berytos. Const. Tanta = Cod. I 17,2 (16. 12. 533). Über Digestenpublikation an Senat und alle Völker. Pv. Cod. I 27,1 (534) Organisation Afrikas: Archeiao pr. pr. Africae Pv. Vgl. § 43 edictis publicis omnibus innotescant. Cod. V I 51 (1. 6. 534) Erbrecht: an Senate von CP und Rom. Pv. Vgl. § 16 Haec omnia ad vos, patres conscripti, duximus esse sancienda, ut nemini maneat incognitus nostrae benevolentiae labor, sed edictis ex solemnitate a nostris magistratibus propositis omnibus innotescat. Nov. 152 (1. 6. 534) Dienstweg kaiserlicher Verfügungen: an pr. pr. Or. Johannes. Keine Pv. aber wichtige Bestimmung zur Publikation : sacrae formae haben nur Kraft, wenn vom pr. pr. gegengezeichnet. Cod. I 23 (endgültige Gesetzeskraft dieser Bestimmungen mit Cod. rep. prael. am 16. Ii. 534). Enthält ältere Bestimmungen zur Publikation: 23,3 (31. 3. 292). Die Originale und nicht die Abschriften der Reskripte sind weiterzuleiten. 23,6 (27. 3. 470) sacri adfatus (Kaisererlasse) sind nur mit Purpurtinte zu schreiben. 23,7 (23. 12. 477) Pragmatische Sanktionen sind nur an Korporationen, nicht an Einzelpersonen auszufertigen. Nov. ι (1. ι. 535) Ertschaftswesen: an pr. pr. Or. Johannes. Pv.

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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Nov. 36 (1. ι. 535) Erbrecht in Afrika: an pr. pr. Africae Salomon. Pv. (Inhalt durch Edikte in ganz Afrika bekannt zu machen). Nov. 2 (16. 3. 535) Eherecht: an mag. off. Hermogenes. Pv. Nov. 4 (16. 3. 535) Darlehnsrecht: an pr. pr. Or. Johannes. Pv. Nov. 5 (17. 3. 535) Klosterwesen: an Patriarch Epiphanius. Pv. Der Dienstweg von Patriarch zu Erzbischöfen, Bischöfen und Klöstern wird bezeichnet. Die weltliche Obrigkeit hat auf Durchführung des Gesetzes zu achten. Nov. 9 (14. 4. 535) Kirchliche Verjährungsfristen: an Johannes Patriarch von Rom (Papst). Keine Pv.,doch Bestimmung, daß das Gesetz bei den hl. Gefäßen der Kirche (zu Rom) aufzubewahren ist. Vgl. Classen a. O. 106ff. Nov. 7 (15. 4. 535) Immobiler Kirchenbesitz: an Patriarch Epiphanius. Keine Pv, doch werden Patriarchen, Erzbischöfe, Kleriker und Zivilbehörden als Empfänger genannt. Nov. 8 (15. 4. 535) Ämterkauf: an pr. pr. Or. Joh. Pv. als Beilage 1 : Edikt an sämtliche Bischöfe und Patriarchen (17.'4. 535) mit Pv. im Prooimion statt wie gewöhnlich im Epilog und wichtigen weiteren Mitteilungen zum Publikationswesen : Das Edikt soll von Bischöfen und Patriarchen den Provinzbewohnern bekannt gemacht werden durch öffentliche Aufstellung und dann bei den hl. Gefäßen der Kirchen deponiert werden. Noch besser soll es auf Tafeln bzw. in Stein eingegraben und in den Vorhallen der Kirchen zu öffentlicher Einprägung aufgehängt werden. . . . τόν ύποτεταγμένον υόμον εγράψαμεν, ôv δή τ η στ) όσιότητι, καΐ δι' αύτής carotai τοϊ; τηç επαρχίας της σης ποιήσαι φανερόν καλώ; εχειν έυομίσαμευ (p. 7®> 2 3 SchoellK r o l l ) . Έπειδάν δέ ό νόμο; δημοσία προτεθείη καί -j νεωτερίσα5 . . . είχε τ ό Δαλματίας Kpòrros· 461 Ρ III 6, 2 αυτοκράτορα τ ο υ πολέμου . . . βασιλείας έκτόπως έρώντα . . . 6, ίο έθελοκακήσας 6, 23 προδοσίας. 462 ρ m j άοκνος, was kurz darauf von Iustinian (als Mitarbeiter und rechte Hand des Iustinus) gesagt wird (P III 9, 25). Iustinian wird über solche Stellen, die besonders nachdrücklich an seine Methode, die Kriege durch Feldherrn führen zu lassen, erinnerten, wenig erbaut gewesen sein. 4β3 ρ m 2 g όμολογίαν. σττονδαί . . . απέραντοι. 464 Ρ III 8, iff. 465 ρ m j γέγονε 6è Ό ν ώ ρ ι χ ο 5 ês TOUS âv Λιβύη Χριστιανούς ώμότατο5 καί άδικώταTOS α ν θ ρ ώ π ω ν α π ά ν τ ω ν . Die Katholiken sollen mit Feuerstrafe und Zungenabschneiden verfolgt Wörden sein (Zungenwunder von Tipasa). Über das Umschwenken Gunthamunds zugunsten der Katholiken c. 486 ist Prokop nicht unterrichtet. Daher muß seine der Tendenz nach an den christlichen Polemiker Victor Vitensis erinnernde Quelle vor c. 386 abgefaßt sein. Vgl. G i e s e c k e a. O. 169 11 . 466 ρ m jg· ττράος. τ ά δέ âs τον πόλεμον μάλθακός τε λίαν. φίλος ες τ α μάλιστα Ί ο υ σ τ ι ν ι α ν ώ καί Ξένος έγένετο. 467 Ρ III 9. 6ff. Gelimer: δ ε ι ν ό ς τε ήν καί κ α κ ο ή θ η 5 καί π ρ ά γ μ α σ ί τε νεωτέροις καί χρήμασιν έπιτίθεσθαι άλλοτρίοις έξεπιστάμενος. 468 Ρ III 9, ioff. 469 Ρ III 21, 2. PvK 100 = R E 23 Sp. 374. 470 P i l l 10, iff. 471 Ρ III 10, 6 ν ε ω τ έ ρ ω ν π ρ α γ μ ά τ ω ν ήθελον δια κινδύνων άλλοτρίων θεαταΐ γενέσθαι. 472 ρ m Ι 0 ; ç, 0 ύ5έ τ ω άντειπόντι χ α λ ε π ώ ς εχεις, άλλα μόνω τ ω της διανοίας άκραιφνεϊ π ά ν τ α σταθμώμενος. Freilich ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß Prokop den unbeliebten, längst gestürzten Minister dazu benutzt, um die von Beiisar gemeisterten Gefahren plastisch hervortreten zu lassen. 473 Ρ III 10, I i μηκυνομένης σοι της α γ ω ν ί α ς τ η ν εμήν παραίνεσιν εύδοκιμήσαι ξυμβήσεται. 474 Ρ III 10, ι6 λελυμένων ήδη σοι τ ω ν σ π ο υ δ ώ ν . 475 Am deutlichsten formuliert in dem Brief Iustinians an die Unterführer Gelimers, ein Schanddokument, das sein verräterischer Überbringer bezeichnenderweise nur seinen engsten Frenden mitzuteilen wagte (P III 16, 13ff.). Vgl. auch den geschickten Schachzug Beiisars: Ρ III 19, 5 τ ο τ ώ ν Βανδίλων Ις τον σφών α υ τ ώ ν τ ύ ρ α ν ν ο ν εχθος. Wie im Gotenkrieg hat man auch hier die dynastischen Parteifronten ausgenützt. 476 Nov. 78 c. 4 υπέρ τε της τ ώ ν υ π η κ ό ω ν ελευθερίας. Ρ III 16, 3 oi Λίβυες, 'Ρωμαίοι τ ό άνέκαθεν όντες. Ρ III 20, 19 und zahlreiche ähnliche Äußerungen, die Afrika und Italien betreffen. Das Reich spekulierte natürlich auf die kaiserfreundlichen Gefühle der ehemaligen Untertanen des weströmischen Reiches. Man besaß aber Selbsterkenntnis genug, um einzusehen, daß man diese äußerst vorsichtig behandeln mußte. Vgl. Ρ III 16, 4 τούς γ ά ρ Λίβυας δ ή π ο υ κατηλλάξατε (wiederversöhnenI) τοις Βανδίλοις, είς ύμδς αυτούς ήδη τ ή ν τ ο ύ τ ω ν π ε ρ ι α γ α γ ό ν τ ε ς δυσμένειαν Ρ III 17, 6 αύτός τε (Beiisar) π ρ α ό τ η τ α καί φιλανθρωπίαν π ο λ λ ή ν ένδεικνύμενος ο ύ τ ω τούς Λίβυας π ρ ο σ ε π ο ι ή σ α τ ο . Es gelang den Oströmern in Afrika wie in Italien in überraschend kurzer Zeit, das noch vorhandene Reichsbewußtsein der ansässigen Bevölkerung schwer zu erschüttern, eine Folge der gnadenlosen Steuerpolitik Iustinians. In Afrika drückte namentlich 449

XXVIII»

436

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

477

das Verhalten der Funktionäre Tryphon und Eustratios auf die öffentliche Meinung (Ρ IV 8, 25), während in Italien Alexandras Psalidios (Ρ VII 1, 30; An 26, 29) eine womöglich noch schlechtere „Presse" fand. 477 Die Formulierung Prokops scheint aber auch einen Stachel gegen den Kaiser zu enthalten: κατέχειν την διάνοιαν ούκέτι εδύυατο (III 10, 21). 478 NOT. 78,4 πολέμους ύττέρ τε της όρθης προς Θεόν δόξης. 479 P i l l 12, iff. 480 ρ m Ι 2 ) 2. Theodosius stammte aus Thrakien und war von Haus aus Eunomianer. Ρ An ι , 15. Vgl. Comparetti, Le Inedite 318 s , Bury L R E II 60. 481 Ρ III 2 2 . 482 Ρ I V 6. 483 Mit Ausnahme der Heruler. Vgl. u. Anm. 519. 184 ρ I v 2 2 485 PvK 154fr. 486 ρ γ ι , 29 Aóycü μέν τύραννος, εργω δέ βασιλεύς άληθής. Formales Vorbild: Isokrates. Vgl. Isokr. 5, 154; 8,91. W. Woessner, Die synonymische Unterscheidung bei Thukydides und den politischen Rednern der Griechen. Diss. Berlin 1937. F. Heinemann, Nomos und Physis. Herkunft und Bedeutung einer Antithese im griechischen Denken des 5. Jahrhunderts. Schweizer Beiträge zur Altertumskunde H. 1, 1942. E. B u c h n e r , Der Panegyrikos des Isokrates. Eine hist.philolog. Untersuchung. Wiesbaden 1958. Vgl. Anm. 830 (Thuk. II 65). 487 Ρ V ι , 7. 488 p y i ) 20 ρήξ διεβίου καλούμενος (ούτω γ α ρ σφών τούς ηγεμόνας καλεΐν οΐ βάρβαροι νενομίκασι) ι , 29 λ ό γ ω μέν τύραννος. 489 Theoderich war mit dem Reich verbündeter rex, erhielt 497 von Kaiser Anastasios die ornamenta imperii und das Recht Purpur zu tragen. Seine Zeitgenossen und nicht zuletzt Prokop empfanden die Diskrepanz zwischen diesem „Königtum" und der tatsächlichen Kaisergewalt Theoderichs sehr tief. Uber Theoderichs rechtliche Stellung: F. F. K r a u s , Die Münzen Odovacars und des Ostgotenreichs in Italien. Münzstudien 5. Halle 1928. A. N a g l , R E 5 A 1745 ff. G. V e t t e r , Die Ostgoten und Theoderich. Stuttgart 1938. W. E n s s l i n , Theoderich der Große. München 1947. 78ff. Zu den staatsrechtlichen Problemen wird im „Gotenkrieg" ( Bd. II) Stellung genommen. Hier interessieren die Dinge lediglich um ihrer Stellung in der Reichspropaganda willen. 490 Ρ VI 6, 23 f. 491 PVi.çff. 492 Ρ V 5, ι . Vgl. auch Ρ V 24,1. 493 Ρ V I 6, 28. Ρ V 5 , 2. i l . 495 Ρ V 5, 6f. i2f. 496 ρ v 6 , 1 0 σπουδή πολλή.. . Ίουστινιανω δέ βασιλεϊ 'Ρωμαίων γενναίω είναι. . . εκείνον δέ χώρας μεταποιήσασθαι ούδέν άπεικός άνωθεν τ η ύπαρχούση αύτω προσηκούσης αρχή. Theodahad: Α. N a g l , R E 5 Α Sp. 1705fr. 497 Ζ. Β. Ρ V 8, 14 ελευθερία, δουλεία 8, 27 βαρβάρων τυράννων την Ιουστινιανού βασιλείαν άλλαξαμένοις, έλευθέροις τε είναι . . . 498 Über den unmittelbaren Anlaß zur armenischen Insurrektion vgl. S. 319 fr.. 499 ρ h 2> Uber die zahlreichen Topoi der Reden derArmenier und Goten vgl.u. Anm. 583 500 Ρ II 3, 3 2 f r . 601 Vgl. Jen Bericht Prokops (VII 32, 7fr.) über die Verschwörung des Artabanes gegen das Leben Kaiser Iustinians. Arsakes, ein von Iustinian gemaßregelter Arsakide, hetzte den prominenten General Artabanes auf, indem er die Erinnerung an die militärische und steuerliche Bedrückung Armeniens wachrief sowie an die Vergewaltigung des Arsakidengeschlechtes und seine Zerstreuung in Söldnerdiensten über das ganze römische Weltreich erinnerte: της μέν πατρίδος oí φρουρουμένης τε ένδελεχέστατα και δασμοίς έκτετηκυίας άήθεσι . . . παντός δέ του ξυγγενοΰς δεδουλωμένου τε καί σκεδαννυμένου άεΐ πανταχόσε της 'Ρωμαίων αρχής. 602 vgl. Noy. j ! (Neuordnung von Römisch Armenien) vom 18. III. 536 und namentlich die erbrechtliche Nov. 21 vom gleichen Datum, sowie Ed. 3 vom 22. 9. 535. Das Feudal- und Eherecht ist eingehend gewürdigt in der dankenswerten, wenn auch kritisch zu benutzenden Arbeit von N. A d o n e , Armenija ν epochu Justiniana. S. Peterburg 1908. Adone stellte die verheerenden Auswirkungen von Nov. 21 auf das innere Gefüge Armeniens klar heraus. Zur ersten Orientierung vergleiche man etwa: Sirarpie Der Nersessian, Armenia and the Byzantine Empire. Cambridge Mass. 1947. Eine eigene Untersuchung zur Frage (c. 6 Bogen) ist durch Kriegseinwirkung vernichtet. 603 p i I 2 . Di e Aktion gegen Bosporus (Kertsch) gehört eigentlich in die Zeit des Iustinus. Die Expedition wurde vom Patricius Probus, dem Neffen des Kaisers Anastasios, geleitet. " 4 Vgl. Ρ I i 9 . 20. PvK 100ff. = R E 23 Sp. 3 7 4 f f . 4 9 4

Prokops „Kriegsgeschichte"

525

437

sos v g l . ρ j ïç). 20. Zur Sache auch Malalas 433. 4 j 6 f . see Vgl. P I 1 9 , 9ff. 6 0 7 Ρ II 2, 14 f. 608 ρ VIzo, 15 ff.

509 ρ V I 20, 22ff. P v K 25, 173, 187, 2I6 = R E 23 Sp. 298, 447, 461, 491.

610 ρ v i 18,28. Die Ansichten gehen auseinander επί τ ω συμφέροντι τ η ημετέρα πολιτεία. Ein halbwegs erträgliches Verhältnis der Feldherrn und Aktionsfähigkeit der Truppen wurde erst erreicht als Iustinian αυτοκράτορα π α ν τ ό ς τ ο υ πολέμου Βελισάριον κ α τ ε σ τ ή σ α τ ο (Ρ VI 22,4). 5 1 1 Ρ VI 2 ΐ . 5 1 2 Zum Folgenden: Ρ VII 9. 513 ρ v i l h , 3 τ η ν Περσών έπικράτησιν περί ελάσσονος τ ο ύ τ ω ν ποιούμενος ά π ο σ τ ε ΐ λ α ί με τ α ν ϋ ν είς Ομάς εγνωκεν (sc. βασιλεύς). 6 1 4 Ρ VII 2 ΐ , iff. sis ρ v i l 3 3 f. und natürlich auch Ρ VII 21, 12 ff. sie ρ v u 21, 12 ff.

617 ρ v i l 33f. Zur Datierung vgl. H a u r y , Procopiana. Progr. Augsburg 1891. B u r y LRE II

420 2 .

518 Weiteres bringt die Rede der gepidischen Gesandschaft, durch die Prokop die seiner Ansicht nach den Staat ruinierende Freigiebigkeit Iustinians gegen die Barbaren lächerlich machen will: „Dein Reich hat so viele Städte und so viel Land, daß Du (Kaiser) Menschen zur Besiedlung suchen mußt. Wer könnte Deine Geschenke an Franken, Heruler und Langobarden zählen, ob Städte oder Landgebiet ? Also haben wir im Vertrauen auf Deine Freundschaft das getan, was Du gewünscht hast" (όπερ έβούλου). Ρ VII 34, 36—38. 6 1 9 Die H e r u l e r sind der einzige germanische Volksstamm, den Prokop leidenschaftlich haßt. Der Grund dieses Hasses dürfte in der engen Verbindung zwischen Narses und den Herulern zu suchen sein. Die enge Verbindung zwischen dem Gefolgsherrn und seinen Bucellariern im Sinne des germanisch illyrischen Gefolgschaftsgedankens ist bekannt. So kann es nicht auffallen, wenn die auf Narses eingeschworenen herulischen Kontingente sich förmlich weigern, unter Beiisar zu dienen (Ρ VI 22, 5). Außerdem ist es im Sinne der üblichen Kritik Prokops am Kaiser zu werten, wenn er (VI 14, 36) die Heruler in Übersteigerung seiner gewohnten Superlative brandmarkt als π ο ν η ρ ό τ α τ ο ι α ν θ ρ ώ π ω ν α π ά ν τ ω ν καΐ κακοί κακώς άπολούμενοι. Ferner bringt er obszöne Greuelmärchen vor (VI 1 4, 36 μίξεις ούχ όσίας τελοϋσιν, άλλας τε καί ανδρών καΐ όνων . . .) und das alles im A nschluß an die Mitteilung, daß Iustinian sich sofort nach Regierungsantritt mit den Herulern verbündete, ihnen gutes Land und viel Geld schenkte und sie zum Christentum bekehrte. Zum Topos π ο ν η ρ ό τ α τ ο ι α ν θ ρ ώ π ω ν vgl. J. H a u r y , Prokop und der Kaiser Iustinian. Byzantin. Ztschr. 37 (1937) iff. und PvK 72f. = RE 23 Sp. 346. 620 ρ v i n i8, 18. Die Episode wird geradezu im Stil der Aedificia eingeführt: βασιλεύς δέ 'Ιουστινιανός έπενόει τάδε. Die persönlichen Sticheleien des Jahrzehntes, in dem es nicht vorwärts und nicht rückwärts gehen wollte, gipfeln im Vorwurf, daß Iustinian sich um dogmatische Spitzfindigkeiten mehr kümmert als um die Reichspolitik (Ρ VII 35, 11 βασιλεύς δέ 'Ιταλίας μέν Ι π η γ γ έ λ λ ε τ ο προνοήσειν αύτός, άμφΐ δέ τ ά Χ ρ ι σ τ ι α ν ώ ν δ ό γ μ α τ α έκ τ ο υ επί π λ ε ί σ τ ο ν διατ ρ ι β ή ν είχεν, ευ διαθέσθαι τ ά έν σ φ ί σ ι ν αντιλεγόμενα σ π ο υ δ ά ζ ω ν καί διατεινόμενος μ ά λ ι σ τ α , τ α ύ τ α μέν έν Β υ ζ α ν τ ί ω έπράσσετο. Im Schlußakt des Gotenkrieges betont Prokop endlich wieder die Initiative des Kaisers, noch kritisch verhalten im Fall des Bessas, mit nur geringem Vorbehalt (feldherrliche φιλοτιμία) bei der neuerlichen Bestallung des Narses. Die innere Uberleitung bringt nicht ohne Geschick der Satz „nachdem der Kaiser Iustinian diesen Krieg zuvor stark vernachlässigt hatte, betrieb er die Rüstung zuletzt in erstaunlicher Weise" (Ρ VIII 26, 7). Es geht freilich nicht ohne die Stichelei ab, daß Narses ihn aus feldherrlicher φιλοτ ι μ ί α beträchtlich unter Druck gesetzt habe. Aber gerade die Bestellung des Narses war ja des Kaisers ureigenste Entscheidung, die allgemeines Rätselraten (in der Hauptsache wohl bei den Belisarianernl) hervorrief. Freilich „einen Entschluß des Kaisers ohne seinen Willen zu ergründen ist unmöglich" (Ρ V I I I 2 1 , 7 βασιλέως γ α ρ βούλευμα εκπυστον ότι μή α ύ τ ο ΰ έθελουσίου άμήχ α ν ά εστίν). Iustinian war so entschlossen wie je im Jahrzehnt des Auf bruches. Prokop verfolgt seine Bemühungen mit aller Reserve, die der eingefleischte Belisarianer sich gegenüber den Erfolgen eines Narses vorbehält (PvK 242ff. = RE 23 Sp 517fr.). 521 ρ v i l i 15, iff. Vgl. VIII 17, 10 (Chusrö wirbt mit den von Iustinian gezahlten Geldern sabirische Söldner für die Lazikatruppe des Mihr Mihroe an). 522 ρ v i n i j , η 623 ρ V i l i 15, 13 ff. 624 Ebda.: καί ε! μέν δικαίαν τ ι ν ά η ά λ ό γ ι σ τ ο ν έποιοϋντο τ ή ν μέμψιν, οίά γε τ ά τ ω ν αρχομένων, ουκ εχω ειπείν. 525 ρ v i l i 33, 2 4 .

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

438

526

626

Ρ V I I 20, 26. Ob dieses Charakterbild des Bessas, eines hervorragend tapferen Goten aus Thrakien (Ρ I 8, 3 V I I 16, 2), zutrifft, steht dahin. Verdächtig ist das Urteil über seinen GeÌ2 immerhin, denn Bessas gehörte in entscheidender Stunde zur Narsespartei (Ρ V I 29, 29), fällt damit unter die π ο ν η ρ ό τ α τ ο ι α ν θ ρ ώ π ω ν α π ά ν τ ω ν , wie Prokop alle Leute, die er ablehnt, freigiebig tituliert. E s gibt auch zu denken, daß er den entsprechenden Charakterfehler des Germanus, den Malalas stark betont (φιλαργυρία), nicht für erwähnenswert hält, ja in seinem „Feldherrnbild" des Germanus (VII 40, 9 ff.) dieFreigiebigkeit des Feldherrn unterstreicht. Zum Topischen vergleiche man die Taktiker, die bis in die Spätzeit von Byzanz „Formulare" für dergleichen bringen. 527 Ρ V I I I 1 8 , zo. 528 ρ V i l i 18, 22. 529 ρ Y i n 21, 7. 630 ρ V i l i 21, 22. 531 ρ v i n 2 3 . 532 ρ V i l i 24, 5. 532ap V i l i 24, 13. 533 Ρ V i l i 30, 5. 534 ρ V I H 30, 9. 536 ρ v i n 32, 29 έξ ού προσηκόντων. 53β ρ VIII 3 3 , 1 .

637 ρ v i l i 34» iff538

Weniger konstant waren, wie wir sahen, das offizielle und das persönliche „Herrscherbild", das Prokop von Iustinian entwirft. Hier trafen wir widerspruchsvolle Urteile. Bald war die Initiative des Herrschers betont, das souveräne Herrentum seiner Entschlüsse herausgestellt, bald das saumselige Nachlassen der Zügel, das Nichzuendeführen des Angefangenen, die Lockerung der Disziplin namentlich beim Offizierskorps mit bitteren Worten getadelt worden. Prokop wird leicht ungerecht. Er stellt die lähmende Wechselwirkung der Kriege in Osten und Westen, die Behinderung der Verteidigung des Ostens durch den Einsatz in Italien und umgekehrt, nicht klar genug heraus. Insbesondere erleichtert die geographische Zerreißung des Stoffes jedes Bestreben, den Herrscher in ein ungünstiges Licht zu setzen. Andererseits rafft sich Prokop nie zu wirklich grundsätzlicher Kritik der geistigen Grundlagen der Angriffspolitik auf, wenn auch die Fadenscheinigkeit der Kriegsgründe Iustinians noch so sehr sichtbar wird. Seine beste kritische Leistung bleibt doch das nüchterne Aussprechen dessen, was geschehen ist und was er persönlich gesehen und erlebt hat. Wenn ein günstiger Wind die Segel der Belisarianer schwellt und alles vorwärts geht, ist auch er gleich wieder dabei, Kritik und Pessimismus sind dann ebenso rasch vergessen, wie sie bei Rückschlägen der Reichspolitik und namentlich der persönlichen Stellung Beiisars sich sofort wieder einstellen. In seinem Mitgefühl mit den Kriegsopfern beweist er jedoch einen seiner beharrlichsten und zweifellos erfreulichsten Züge; es hebt ihn turmhoch über die Masse der Historiker, die sich als blinde Anbeter des Erfolges ausgewiesen haben. Eine wichtige Wurzel der prokopschen Urteilsbildung muß noch angeführt werden: seine hohe Einschätzung aller germanischen Völker, mit denen er dienstlich in Berührung gekommen war. Als einzige Ausnahme wurden die Heruler genannt, die für eingeschworene Belisarianer durch ihr Gefolgsschaftsverhältnis zu Narses „belastet" waren. Felix Dahn hat mit Recht bermerkt, wie sehr Gelimer, Witichis und Totila in ihren Briefen und Reden die religiösen, sittlichen und juristischen Scheingründe der staatsrechtlichen Argumentation Iustinians bloßstellen (vgl. F. D a h n , Procopius von Cäsarea. Berlin 1865, 100). Freilich vergißt er, daß auch Prokop die Axiome der Kaiser- und Reichsidee grundsätzlich anerkennt und lediglich die bei der praktischen Durchführung befolgten Methoden vom Standpunkt des Belisarianers aus kritisiert.

538

Prokops „Kriegsgeschichte"

439

Noch durchschlagender überzeugt uns aber die Tonart der „Personalakten", die Prokop über die germanische Führerschicht seiner Zeit anlegt. Ohnehin läßt die Darstellung der militärischen Ereignisse die hohe Einschätzung der Vandalen und namentlich der Goten deutlich hervortreten. Neben der beherrschenden Gestalt Beiisars sind die Gotenkönige Totila und Teja die wahren Helden der Erzählung. Die „Schlacht am Vesuv" beendet wie den Krieg so das Geschichtswerk in unerhört ritterlichem Ton. Vergegenwärtigt man sich, daß hier der Gegner schreibt, so muß man sich doch fragen, ob einer so kritischen Persönlichkeit wie Prokop nicht der Gedanke kam, ob es vielleicht besser sei, mit den Germanen, die sich nach seinem eigenen Zeugnis loyal in die überlieferten Formen gefügt hatten, zumindest in Italien zusammenzuarbeiten. Wenn übrigens wie schon flüchtige Lektüre lehrt, der „Vandalenkrieg" Prokops unter stärkerem imperialistischem Druck steht als der „Gotenkrieg", so geht das abgesehen von der Kürze jener glanzvollen Conquista vor allem darauf zurück, daß Beiisar dort noch mehr als „Held" der Erzählung im Mittelpunkt steht. Prokop stand selbst viel zu stark unter dem geistigen Bann der Reichsidee, um den Gedanken einer Zusammenarbeit mit den germanischen Nachfolgestaaten Westroms — etwa in den Anekdota — klar aussprechen zu können. Um so mehr mußte aber seine praktische Weltoffenheit bewirken, daß gewisse Beobachtungen, die sich aus der Begegnung mit den damaligen germanischen Völkern zwangsläufig ergaben, auch literarischen Niederschlag fanden. Die Wurzeln einer gewissen Unsicherheit des prokopschen „Römertums" dürfen wir weder allein im Belisarianertum noch ausschließlich im innenpolitischen Bereich der „senatorischen" Kaiserkritik erblicken. Nur selten findet er scharfe Worte über die germanischen „Barbaren". Gewiß behandelt er diese Barbaren nicht nur als gleichberechtigte Gegenspieler, nimmt sie ernst und stellt ihre Führer wie Theoderich oder Totila und Teja zwar als Menschen, die dem Irrtum unterworfen sind, aber zweifellos als bewundernswerte Vorbilder hin. Er verrät darüber hinaus durch gewisse Bemerkungen, daß ihm nicht anders als bereits einem Tacitus der Kontrast zwischen der Dekadenz der Mittelmeerwelt und den jungen Völkern bewußt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der illyrisch germanisch hunnische Charakter der oströmischen Streitkräfte, also ihr ebenfalls weitgehend „barbarisches" Substrat, diesen Kontrast stark verwischen mußte. Trotzdem geht der Kritizismus Prokops mit auf den Augenschein zurück, denn keiner hat die M e n s c h e n seines Zeitalters, Freund oder Feind, in allen Lebensbezirken und auf allen Schauplätzen des Geschehens (P Aed I ι , ι χωρίων έττΐ τη έμττεφίςί.) gekannt wie er. Die literarische Spiegelung dieser Lebenstatsache offenbart sich also nicht nur in der mit Recht berühmten Objektivität seiner Sicht des Gegners, sondern auch in einzelnen Momentaufnahmen. So wurden etwa nach der Schlacht bei Trikamarum die armen Teufel in Beiisars Heer mit einem Schlag Herren großer Reichtümer und der „blühenden und herrlich schönen Körper" der vandalischen Frauen und Mädchen (Ρ I V 4, 3). Recht bezeichnend ist auch Prokops Bericht über die Empörung der Gotinnen beim Einzug Beiisars in Ravenna. Sie hatten Übermenschen erwartet und wurden jetzt vom Augenschein über die körperliche Unterlegenheit des Gegners belehrt (Ρ V I 29, 34). Dann rühmt der Historiker noch einmal bei der abschließenden Charakteristik Beiisars (im topischen aber darum nicht unhistorischen „Feldherrnbild") die Schönheit der vandalischen und gotischen Frauen. Er bleibt damit der Sprache treu, die er bereits im ethnologischen Unterbau seiner Germanenkriege spricht. Dort hieß es von den gotischen Völkerschaften, zu denen er auch die Vandalen zählt: „Sie alle haben weiße Leiber und Blondhaar, sie sind groß von Statur und sehen prachtvoll aus" (P III 2, 4). Das ist gewiß nicht neu und doch ganz anders als die

440

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

539

Germanenmode der augusteischen Zeit oder die seherische Mahnung eines Tacitus. Solche literarischen Überlieferungen und die ethnographische Schulung des „Griechen" erklären nur das Handwerkliche an seiner schriftstellerischen Kunst. Hier wie überall beherrscht der Z w e c k die Mittel der Aussage: Prokops Gerechtigkeit, die Anerkennung, die er den Südgermanen seiner Zeit zollt, die unverhohlene Teilnahme an ihrem Unglück, selbst die nebensächlichsten Mitteilungen über ihre äußere Erscheinung sind zumindest als Einschränkung seiner Zustimmung zur Würgepolitik Iustinians zu werten. Die Einschätzung der Angegriffenen und das Rundgemälde der verwüsteten Welt bestätigen sich gegenseitig. dd) Prokops „Geheimgeschichte" 539 Zur Komposition und zur genus-Frage der Anekdota: P v K 252fr. = R E 23 Sp. 527fr. Kurzer Sachkommentar: P v K 2 5 7 f r . = R E 23 Sp. 533fr. Zu den politischen Grundfragen: P v K 7 5 fr. = R E 23 Sp. 349. Zur Psychologie: P v K 72t. = R E 23 Sp. 3 4 4 f r . Zum politischen Weltbild Prokops und dem politischen Hintergrund der Anekdota: P v K 7 5 f r . = RE 2 3 Sp. 3 4 9 f r . , ferner B. R u b i n , Der Fürst der Dämonen. Ein Beitrag zur Interpretation von Prokops Anekdota. Byzantin. Ztschr. 44 (1951) 469/81 ( = Festschrift F. Dölger). Ders. : Zur Kaiserkritik Ostroms. Atti del V i l i Congresso di Studi Bizantini I ( = Studi biz. e neoell. VII) 1953, 4 5 3 / 6 2 . ( = o. S. 234ff.) 540 Grammatik und Stil Prokops: P v K 3 7 f r . , 255f. = R E 23 Sp. 3 1 0 f r . , 531.

641 Prokops Belisarkritik in den Anekdota soll hier kurz zusammengestellt werden. Beiisar trug immerhin die Verantwortung dafür, daß Theodosius, Geliebter seiner Gattin Antonina, sich an der Kriegsbeute in den Königspalästen v o n Karthago und Ravenna in Höhe v o n 100 Zentenarien G o l d bereichern konnte (1, 33). Dergleichen war wohl Teil der privaten Ehetragödie Beiisars, doch gehören finanzielle Veruntreuungen in solcher Höhe auch abgesehen v o n den Querverbindungen des Pärchens Antonina—Theodosius zur Kaiserin Theodora in den Bereich der großen Politik. Das gleiche gilt für den Weichselzopf der ehelichen und höfischen Intrigen einer Antonina. D o c h handelt es sich hier lediglich um indirekte Schuld Beiisars und Schuld durch Gewährenlassen. A n politischen und speziell militärischen Versäumnissen wird folgendes unterstellt: 2, 18ff. wird die Affäre Sisauranon behandelt ( P v K 26, 119, 193f., 259 = R E 23 Sp. 299, 393, 467Í., 534), Beiisars Rückzug aus Persien (541) als vorzeitig bezeichnet und die Kritik der öffentlichen Meinung erwähnt. Beiisar hätte Ktesiphon erreichen und die gefangenen Antiochener in die Heimat zurückführen können. Ferner wäre der Angriff Chusrö's auf Lazika verhindert worden. Letztere Schuld teilt Beiisar mit Kaiserin Theodora, die Chusrö einen recht deplazierten Brief zugehen ließ (2, 3 2 ff.). Beim 3. Persereinfall ließ Beiisar aus Furcht oder Feigheit die Wegnahme v o n Kallinikos zu (3, 31). Es heißt freilich nur δόξαν όπτήνεγκεν, d. h. Prokop referiert lediglich die Meinung der Öffentlichkeit oder der Offizierskreise. Überdies steht die Bemerkung bereits unter dem Oberbegriff πολέμια τά προ; του θεοί/, womit der Verrat an Photios gemeint ist, also wieder private Dinge in die hohe Politik hereinspielen. Die Mißerfolge im zweiten Italienfeldzug Beiisars werden herausgestellt, wiederum der Anschein der Unberatenheit in sehr vorsichtiger Ausdrucksweise hervorgehoben (4, 43 âv T0Ï5 άττοβαίυουσι κακοτυχοϋντι τά πολλά è; αβουλίας δόκησιν αϋτω άπεκρίθη) und das ganze unter die bekannte Zorn-Gottes-Theorie gestellt, die in diesen Kapiteln der Geheimgeschichte private und politische Sphäre zu verbinden bestimmt ist. Kap. 5 beginnt mit Schilderung von Schmach und Schande des zweiten Italienzuges, zeigt wie Beiisar und das Römerheer sich furchtsam hinter Mauern verstecken müssen, während Totila nach einer Feldschlacht lechzt. Beiisar verliert Rom und so gut wie ganz Italien, legt Geldgier und schändliche Gewinnsucht an den T a g , w e i l er v o m K a i s e r k e i n G e l d f ü r d i e K r i e g f ü h r u n g e r h a l t e n h a t .

546

Prokops „Geheimgeschichte"

441

So kommt es nach Verlust von Spoleto und Perugia zum Gesuch um Abberufung. Klassisch ist die Bitterkeit und Ironie, mit der Prokop den Abschied von Italien schildert: άσμενοξ ευθύς άτπών φχετο, χαίρειν ττολλά τω τε 'Ρωμαίων στρατω καΐ TOTS 1 Ιταλοί; φράσας, καΐ τα μεν πλείστα ίητοχείρια TOÏÇ πολεμίου όητολιττών . . . (5, 17)· Man sieht, daß selbst in den bittersten und verfänglichsten Bemerkungen entweder dem Kaiser die Schuld zugeschoben wird oder die Zorn-Gottes-Theorie den Feldherrn und Politiker Beiisar entlastet, was wiederum bedeutet, daß der Privatmann Beiisar jede etwaige Schuld des Feldherrn auf seine Schultern nimmt. Die innerlich loyale Haltung Prokops zu Beiisar wird namentlich durch Bemerkungen wie 4, 16 und 4, 35 belegt, wo man so richtig sieht, wie dem alten Belisarianer sich das Herz umdreht, wenn die Hofeunuchen in Byzanz über die Bucellarier Beiisars das Los werfen und das Kaiserpaar nach Schröpfung des riesigen Vermögens des Generalissimus immerhin die „Strapazen des Mannes" als mildernden Umstand berücksichtigt. Überhaupt ist der Zusammenstoß Beiisars mit Kaiser und Staatsgewalt in Kapitel 4 mit so großer Anteilnahme geschrieben, daß man Prokop dafür manche bissige Bemerkung nachsieht. Dahin gehört auch der erschütternde Bericht über Beiisars Verlassenheit während der kaiserlichen Ungnade (ebda.). Andererseits wird gezeigt, wie Beiisars Freunde an ihm verzweifelten, als er nach Theodoras Tode keineswegs daran dachte, sich an Antonina zu rächen. Damit schließt Prokop expressis verbis den Bericht über „Beiisars Schandtaten" (5, 27), verbleibt auch hier ganz in der privaten Sphäre. 642

Offizielle wie private Zeugnisse Iustinians bestätigen, wie oben S. n o f f . bemerkt, den Einfluß der Kaiserin Theodora auf die Regierungsgeschäfte. Prokops Geheimgeschichte rechnet als politisches Pamphlet fast noch leidenschaftlicher mit Theodora ab als mit Iustinian. Die Pornographie ihres Vorlebens wird mit genußvoller Ausführlichkeit behandelt. Wie gefährlich die Frau war, kann man nicht zuletzt daran ermessen, daß die Kriegsgeschichte Prokops zahllose Vorstufen der Iustiniankritik in der Geheimgeschichte aufweist, dagegen keine Andeutung einer Kritik an Kaiserin Theodora. Diese wird nur an zwei Stellen ausführlicher erwähnt : I 24 wird ihre Rolle im Nikaaufstand panegyrisch hervorgehoben, I 25 gezeigt, wie sie mit Hilfe von Beiisars Gattin Antonina den mächtigen Prätorianerpräfekten Johannes den Kappadoker stürzt. Davon abgesehen begegnet nur noch ein kürzerer Passus über ihre Parteinahme für die Gattin des Artabanes (VII 3 1 , 1 4 ) und zwei sehr kurze Notizen über ihr Ende (II 30,49 VII 30,4). Allerdings bittet hier Antonina die Kaiserin um Fürsprache für Truppensendungen nach Italien. Beim Empfang der Töchter des Vandalenkönigs Ilderich erscheint nur ihr Name (IV 9,13). Die bekannte Nika-Episode ist noch vor ihrem Tode zu Papier gebracht. Der Passus wurde spätestens 545 abgefaßt (J. H a u r y , Procopiana. Progr. Augsburg 1891, 4. Procopiana II. Progr. München 1893, 5. B u r y L R E 4202. P v K 80 = R E 23 Sp. 354). Chronologisch wäre also nicht von der Hand zu weisen, daß Prokop durch die Herausstellung von Theodoras Haltung im Nikaaufstand die Eifersucht des Kaisers stacheln wollte. Angesichts der eindeutigen Haltung Iustinians liegen jedoch keine Anzeichen dafür vor, daß ein solcher Hintergedanke auch nur die geringste Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. 543 844 515

546

Ρ A n j , 30; 4, 4 2 ; Ρ V I I 1 5 , 1 5 f f . ; 2 1 , 6ff. Ρ A n 4, 40 E n s s l i n , Gottkaiser 79ÎÏ.

Die „Apokalypse" des Prokopios von Kaisareia : Antichristmythos, Geheimgeschichte und politische Theologie des 6. Jahrhunderts.

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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In der Stellungnahme zum alttestamentlichen, jüdisch apokalyptischen, neutestamentlichen, patristischen, darüber hinaus mittelalterlichen und neuzeitlichen (namentlich reformatorischen und antibolschewistischen) Gedanken v o m Antichrist läßt sich wissenschaftsgeschichtlich eine katholische und eine protestantische Hauptströmung beobachten. Damit soll die Kompliziertheit der Forschungsgeschichte keineswegs vereinfacht werden. Der Grund wurde in den riesigen katholischen Apokalypsenkommentaren der R i b e i r a , A l c a s s a r , B e l l a r m i n und M a l v e n d a gelegt ( B o u s s e t , Antichrist 83). Für die katholische Stellungnahme wäre heute auf R i g a u x (das Hauptwerk) und A u d i n o (als jüngste Übersicht) zu verweisen, für die protestantische auf die grundlegende Arbeit von B o u s s e t (1895). Die katholische Deutung bevorzugt eine transzendente oder kollektive Erklärung der Antichristgestalt, während die protestantische auf den Spuren F r i e d r i c h D e l i t z s c h s die iranische und babylonisch jüdische Echatologie zur Vertiefung des geschichtlichen Hintergrundes heranzog. Selbstverständlich handelt es sich nur um Grundtendenzen, die in vielfältigster Weise von anderen, namentlich rationalistischen Strömungen (Hauptwerk E. R e n a n 1873) durchkreuzt werden. Bei der katholischen Zurückhaltung gegenüber den politisch individuellen Deutungen des Antichrist dürfte eine bis heute nachwirkende Schreckreaktion aus (dem Investiturstreit ? und) der Reformationsära mitspielen. Die Waffe wurde zu oft gegen die Persönlichkeit einzelner Päpste oder das Papsttum als solches erhoben (namentlich von den Katharern, Hussitten und Luther). So ist es lehrreich zu beobachten, wie der Katholik G e l i n das Material des Dictionnaire de Théologie Catholique über den Antichrist nach den Gesichtspunkten zu ordnen sucht: 1. Transzendente Opposition gegen das Reich Gottes, 2. Menschliche Kollektivopposition (z. B. Völker: G o g Dan 7. Jüdische Deutungen auf Rom: 4 Esr I i (Adler), Ape Baruch (Wald). Christliche Deutungen auf Rom: Ape 13). 3. Individuum als Repräsentant der Opposition (z. B. individuell zu deutender Gog). A u d i n o will im Gefolge von B. R i g a u x (275/87) sämtliche NT-Stellen in kollektivem Sinne deuten, läßt als einzigen Beleg für einen individuellen Antichrist 2 Thess 2,3—12 gelten. A n Väterzeugnissen für Deutung als Kollektivwesen und in übertragenem Sinne führt er z. B. an Orígenes (In Matth. 48), Lactantius (Inst. 7,19), Tyconius und Augustinus (Civ. Dei 20,19). In unserem Zusammenhang interessiert lediglich die politische Deutung des Antichristmythos vor dem Zeitalter Iustinians. Die Frage nach dem theologischen Wahrheitsgehalt liegt auf einer anderen Ebene als das Forschen nach Gebrauch oder Mißbrauch des Mythos im historischen Raum. Schwerlich aber lassen sich religiöse Assoziationen aufzeigen mit noch größerer Durchschlagskraft im Bereich der Politik. Vorwegzunehmen ist aber ein Wort über die Identifizierung des Antichrist mit der Satansgestalt, die B o u s s e t (Antichrist 86ff.) schon bei Paulus (2 K o r 6,15) zu finden glaubte. So wäre etwa Celsus (Orig. C. Cels. 6,42) in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Hieronymus (inDan. 7,8) hat dieser Auffassung im Westen, Joh. Chrysost. (Ad Thessal. II 2 Horn. 2) im Osten ein Ende bereitet, wobei Fortleben der Anschauung in nichttheologischen Kreisen der Spätantike selbstverständlich ist. Die Gruppe moderner Forscher, die die Rolle iranischer und babylonischer Elemente des Mythos betont, bekennt sich zu weitgehender Identifikation von Satan und Antichrist, z . B . H. G u n k e l , W. B o u s s e t , M. F r i e d l ä n d e r , teilweise auch R. H. C h a r l e s (vgl. A u d i n o ) .

546

Prokops „Geheimgeschicbte"

443

Unbeschadet älterer babylonischer Schichten des Antichristmythos ( G u n k e l , Bousset) ist seine literarische Gestaltwerdung und politische Nutzanwendung als Werk des jüdischen Geistes anzusehen. Nach jüdischer Tradition stammt der Antichrist aus dem Stamme Dan. Vgl. Test. XII Patr. 5,6 (dazu R i e ß l e r 1 3 3 7 ) ; Haggada über Gen 4 9 , 1 7 und Deut 2 3 , 2 2 . Die Väterstellen bestätigen das (vgl. etwa Iren. V 3 0 , Hippolyt. Antichr. c. 15 = 11, 18 Achelis; S o p h o c l e s , Lexicon 192 und Audino). Der ägyptische Pharao (aber nicht nur der Zeitgenosse eines Moses sondern jeder Nachfolger) kann als Typ des Endfeindes im Sinne der politischen Antichristprägung gelten. Man vergleiche Ezechiel 29 ff. und die literarische Nachwirkung des „Exodus" von Ezechiel dem Tragiker ( 1 9 3 — 2 4 2 Zeit: 1. Jh. v. Chr.? R i e ß l e r 3 4 3 ) über die Weltliteratur bis zu heutigen Monstrefilmen im Stile eines De Mille. Weitere Herrschergestalten im Sinne der späteren Legende sind Sanherib und Nebukadnezar, den Ezechiel (c. 590V.) ebenso anführt wie den Fürsten vonTyrus, die unbeschnittenen Könige und Gog. Gog wird gelegentlich als Individuum gewertet, zumeist steht aber das Begriffspaar Gog und Magog (Nordvölker) in apokalyptischem Zusammenhang. Vgl. Jubiläen 9,8; Buch des Elias 7 (Rießler 237). Als grundlegend für die Genesis der Antichrist-Gestalt dürfen wir, wenn auch im einzelnen die Deutung umstritten bleibt, die Prophetie der ältesten jüdischen Apokalypse betrachten (Dan 8,23 ff., vgl. PsSal. Zeit: c. 166/5 v.). Während Daniel den Seleukiden Antiochos IV. Epiphanes mit apokalyptisch dunklen Worten bekämpft, werden dieselben politischen Vorgänge im Makkabäerbuch in klarer historischer Erzählung wiedergegeben (Dan 7,8; 8 , 9 — 1 4 ; 1 Makk 1 , 5 4 ) . Besonders wichtig ist im Zusammenhang der Antichristerwartung die Formel βδέλυγμα τη; ίρημώσεωΐ (Dan 8,13; 9 , 2 7 ; 12,11; ι Makk 1 , 5 4 ; Mt 24,15; Mc 1 3 , 1 4 ) . Ähnliche Besorgnisse wie Antiochos IV. erweckte Pompeius. Weiter erweckt Herodes d. Große apokalyptische Erwartungen (Ass. Mosis 6,2; Ape Esra 4,11). Die allgemeine Antichristerwartung der vorchristlichen Zeit wird in 4 Esra 5,6 ausgesprochen: „Zur Herrschaft kommt, auf den die Erdbewohner nimmer hoffen". Nach Rieß 1er 1282 entstammt diese Verkündung des „Unerwünschten" einer alten Esraapokalypse vielleicht um 30 v. Chr. In der geistigen Nachfolge Daniels spricht die Johannesapokalypse nun von den 7 Hörnern des Tiers, worunter 7 römische Kaiser zu verstehen sind. Einen ähnlichen Kaiserkatalog finden wir in Sibylline 5,1 ff. Mustern wir die Stellung der einzelnen römischen Kaiser im apokalyptischen Schrifttum unter ständigen Rück- und Seitenblicken auf die jüdische Apokalyptik. Caligula (37—41) gab als Strafe für den Aufstand des Jamnia dem Petronius den Befehl, seine Statue im Tempel aufzustellen. Der Auftrag wurde zwar nicht ausgeführt, doch hielten die Juden den Fall des βδέλυγμα της έρη μώσεω$ schon durch die Absicht für gegeben und reagierten mit Unruhe, die sich vermutlich in der von Mc 13 und Mt 24 benutzten jüdischen Apokalypse spiegelt. Vgl. S c h ü r e r , Gesch. d. jüd. Volkes i 4 ( 1 9 0 7 ) 503/5. Ferner wird die gematrischeZahl6i6 Ape 13,18 gelegentlich als Γάϊ; Καϊσαρ (sic!= Caligula) gedeutet. Die der politischen Messiaserwartung entsprechende politische Deutung des Antichristgedankens in AT und jüdischer Apokalyptik wird von Paulus im Sinne der unpolitischen Messiasbotschaft Christi überwunden. 2 Thess 2 ist der Antichrist nicht mehr politisch sondern ideal zu verstehen, eine Auffassung, die auf Didache 16,4 und selbst die Johannesapokalypse einwirkt. Vgl. B o u s s e t (EncRelEth 579)

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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und J.-B. C o l o n (DThCath 11,2394): L'antéchrist, cet être malfaisant, perd sa signification politique pour prendre une signification morale. Gegen diese unjüdische spezifisch christliche „Vergeistigung" und Entpolitisierung des Antichrist wirkt sich aber die Aufpeitschung der religiös politischen Leidenschaften in der Nero-Ära, insbesondere der Mythos vom Nero redivivas aus. Die weiterwirkende jüdische Apokalyptik bot zu solcher Rückentwicklung immer die beste Handhabe, z. B. die Sibyllinen, Apokalypse und Bücher Esra, Ape Baruch, Ase Iesaiae usw. Auch einzelne Proben aus den Qumrän-Texten bestätigen die geistige Lage, ζ. Β. 1 Qp Hab, der „Mann der L ü g e " , „Frevelpriester" und die von Yadin herausgegebene Schlachtordnung eines apokalyptischen Krieges zwischen den „Söhnen des Lichts" und den „Söhnen der Finsternis". In diesem strategischen Grundriß will Yadin römische, andere makkabäische Einflüsse sehen, unbestritten ist die apokalyptische Natur des Kampfes. A n römische Lauratapropaganda gemahnen die Spruchbänderparolen auf den Bannern dieser apokalyptischen Kampfgruppen, z. B. : „ D e r Sitz der Herrschaft der Gottlosen wird zerstört werden durch die Macht Gottes". Vgl. J . M. A l l e g r o , Die Botschaft vom Toten Meer. Frankfurt 1957 (Fischer-Bücherei) 105 fr. So gilt es also zunächst die N e r o - L e g e n d e zu mustern. Der Sagenkreis um die Wiederkunft Neros wird durch östliche und westliche Quellen belegt. Tacitus (Hist. I 2 II 8 f.) und Sueton (Nero 5 7) erwähnen Pseudo-Nerone, von denen einer bei den Parthern sein Glück machte. Dem letzten Drittel des 1. Jh. wird Buch 5 der Sibyllinen zugeschrieben, das 28 ff. und 363 fr. vom Muttermörder Nero spricht, der aus Babylon wiederkehrt, um (vergeblich) die Hand nach der Weltherrschaft auszustrecken. Nach der Himmelfahrt Isaias inkarniert sich Beliar in Nero redivivus (3, 13—4,18). Apokalyptische Zahl A m populärsten war die von der heutigen Forschung weitgehend zugunsten Domitians aufgegebene Deutung der Zahl des Tieres Ape 13,18 (666, nach zahlreichen Hss auch 616) auf Nero. Zu den älteren gematrischen Deutungen vgl. man die Übersicht in Z a h n s Kommentar sowie E . R e n o i r , Chiffre de la bête. Die NeroDeutung beruht auf hebräischer Zählung und Namensform (Neron Kesar). Daran hängt natürlich die gesamte Deutung von Ape 13 und 17. Uns interessiert in diesem Zusammenhang lediglich der politische Eifer, mit dem die Nerothese vertreten wurde und ihre lange Nachwirkung. Im Barnabasbrief heißt Nero (4,9) ό Μ έλα; (Zeit: vor 100 η. oder c. 130). Wiederkehrender Muttermörder: 8 Sib. 70ff. (Zeit: etwa Marcus Aurelius). Ähnlich Dio Cass. L X I I 18,4 L X I V 9. Ferner begegnet Nero redivivus im Apokalypsenkommentar Viktorins von Pettau um 300 (Comm. in Apoc. 17,9—16 = C S E L 49, 122). Auch Commodianus im Carmen apolog. 825, 933 fr. spricht von Nero und dem Mann aus dem Osten, die je y j 2 Jahre herrschen werden. Vgl. Inst. I 41,7. Zeit unbestimmt (3. oder 5. Jahrh.). Einige weitere Zeugnisse sind: Lactant., De mort, persecutorum 2,8 (314?), Kyrillos von Jerusalem und Theodoretos, Graec. affect, cur. III (MPG 83,871). Vgl. G e f f c k e n , Z a h n , B o u s s e t (Komm. Offenb., Sibyllen, Antichrist), Nordmeyer. Bald nach 70 ist die syrische Baruchapokalypse anzusetzen, die (36.39) ihre Romfeindschaft durch Gleichsetzung Roms mit einem Wald tarnt. Kap. 40 wird der Antichrist als letzter Herrscher bezeichnet, der dann vom Messias getötet wird. Wichtiger sind die gematrischen Deutungen der Zahlen 666 (616) auf Domitian, denen in Anbetracht ihrer Nachwirkung im 6. Jh. besondere Aufmerksamkeit gebührt.

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Prokops „Geheimgeschichte"

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Domitian, Antichrist und Iustinian

Seit S c h ü t z und S t a u f f e r steht die Deutung von 666 (6i6) auf Domitian im Vordergrund des Interesses. Ζ. B. argumentiert S c h ü t z (gestützt auf Münzlegenden) zunächst mit dem lateinischen Zahlenwert: D{pmitianus) Ciaesar) ( = 6oo) und rechnet das Jahr der Ermordung als Regierungsjahr X V I hinzu. Die Summe 6i6 bringt er mit der in den Hss dominierenden Summe 666 in Beziehung durch Umsetzung ins Griechische und abermaliges Hinüberlesen ins Lateinische mit spielerischer Beibehaltung des Jahreszeichens L : AKLis = D C L X V L Vgl. S c h ü t z 65. S t a u f f e r summiert die Zahlenenwerte der Anfangsbuchstaben der amtlichen Titulatur Domitians. Für diese Thesen lassen sich nun aus der Iustinianforschung weitere Argumente erbringen. Nach der Quellenlage sieht es nämlich so aus, als ob Prokop bzw. seine geistlichen Gewährsmänner bei ihrer Verteufelung Iustinians ebenfalls die berüchtigte Antichristgestalt Domitian im Auge haben. Sollte sich das bestätigen, so wären bedeutsame Argumente für die Domitianinterpretation der Johannesapokalypse gewonnen. Eine wichtige Quelle ist die Eliasapokalypse (vor etwa 100 n.), die ähnlich wie die Esraapokalypse einen förmlichen Steckbrief des Antichrist gibt (3 3ff.): Ich will euch seine Zeichen sagen, damit ihr ihn erkennt : E r ist nur wenig alt, jung, dünnbeinig und vorn auf seinem Kopf ist eine Stelle weißen Haares, sonst eine kahle Glatze und seine Augenbrauen reichen bis zu seinen Ohren; auf seinen Händen vorn ist Aussatzgrind. Er wandelt sich vor denen, die ihm zuschauen. Bald wird er alt, bald wieder jung; E r wandelt sich mit seinen Zeichen ; nur seines Kopfes Zeichen kann er nicht verwandeln. Daran erkennet ihr, daß er der Sohn der Sünde ist. ( R i e ß l e r 120). Die Schilderung des Antichrist wird fortgesetzt bis zu seinem apokalyptischen Ende (Kap. 42). Bemerkenswert in unserem Zusammenhang ist noch Kap. 40, das den Antichrist in seiner Wirkung auf die Elemente zeigt: Die Vögel fallen auf den Boden tot herab, Die Erde trocknet aus auch die Gewässer in dem Meer (Die Anhänger rufen:) Weh uns, daß wir dir folgten) Wir werden jetzt von Hungersnot erfüllt. ( R i e ß l e r 123). Das Gegenstück steht im Buch des Elias, das erheblich späterer Zeit entstammt und den Antichrist mit Odenathus = Gigit (Weinschlauch) gleichsetzt. Die Odaenathusversion besagt natürlich nichts gegen domitianische Herkunft des Motivs, gibt vielmehr eine interessante Vorstufe zur iustinianischen Übernahme. És zieht der Perserkönig gegen das römische Reich drei Jahre hintereinander, und schließlich breitet er sich drin zwölf Monate aus. Drei Helden ziehen ihm vom Meer entgegen; doch fallen sie in seine Hand.

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Der niedrigste der Könige, der Sprößling einer Sklavin, Gigit, zieht ihm vom Meer entgegen. Und dies sind seine Malzeichen so, wie ihn Daniel (???) sah: Sein Angesicht ist lang; an seinem Vorderkopfe hat er eine Glatze und ist von hohem Wuchs. Und lang sind seine Füße und seine Unterschenkel dünn. In jener Zeit reckt er die Hände gegen ein getreues Volk, erregt in jener Zeit drei Kriege. (Rieß/er 235). Die niedere Herkunft Odenaths bezeugt auch Agathias IV 24 = 260, 3 Bonn {Rießler 1279). Ein weiterer jedoch völlig abweichender „Steckbrief" des Antichrist steht in der Esraapokalypse 4,30: Es gleicht sein Angesicht dem eines Wilden. Sein rechtes Auge gleicht dem Morgenstern; das andere ist unbeweglich. Sein Mund ist eine Elle breit und spannenlang sind seine Zähne. Und seine Finger sind wie Sicheln; zwei Spannen lang sind seine Fußtapfen, und auf der Stirn steht geschrieben „Antichrist". (Rießler 132). Das Stück gehört zu den christlichen Einschüben in den jüdischen Grundstock. Kyrillos von Jerusalem (Catech. X V 12 = M P G 33, 885) bezeichnet den 1 1 . römischen Kaiser als Antichrist, eine Angabe, die auf Domitian führt. In der DölgerFestschrift (Fürst der Dämonen) 478f. zitierte ich bereits: Vita S. Dionysii Areopagitae bei Symeon Metaphrastes (MPG 1 1 5 , 1044B): eis òtKoàs ήκει τό πράγμα Δ ο μ ε τ ι α ν ω , Δομετιανω τω πάντα δεινω, Δ α ι μ ο ν ι α ν ω δε μάλλον είττείν οίκειότερον, τ ω λαλήσαντι κατά του θεοϋ άδικίαν, εν ύπερηφανίςί καΐ έξουδενώσει, καί χείρα θεομάχον κατά της των χριστιανών άραντι πίστεως. Οΰτος οΟν τί μηχανδται, μδλλον δέ τί παρά του πατρός αύτοϋ Σατδν εκπαιδεύεται . . .

Vom Daemonianus führt, wie der Zusammenhang zeigt, eine Verbindungslinie zum Antichrist, eine andere zum daemoniarius oder archon daemonum im besonderen Sinne eines heidnischen Priesters. Vgl. aus der orientalischen Literatur über Dionysius Areopagita die Form archon daemonum, worunter der „Kultvorsteher" AriusPagus verstanden wird (P.Pfeeters], La Vision deDenys l'Aréopagite àHéliopolis, arabisch, Anfang 9. Jh., Anal. Boll. 29 [1910], 317. Id., La Version ibéro-arménienne de l'autobiographie de Denys, l'Aréopagite, Anal. Boll. 39 [1921], 2 9 4 ^ 297). Vgl. Chron. Pasch. 701, 9 Bonn ό ταξεώτης του έπαρχου πόλεως, ό επιλεγόμενος άπό Δαιμονιαρίων. Es handelt sich wohl um einen mit Betreuung der Götterbilder oder dem Opferwesen (als victimarius) beschäftigten apparitor des praefectus urbi. Zu den apparitores der p. u. : Cod. Theod. I 6,8 u. öfter; Cod. lust. X I I 53. Zu den apparitores der Priesterkollegien: M a r q u a r d t , Staatsverwaltung III 2 225ff. Zu den victimarii: Liv. 40, 29,14; Val. Max. 1, 1, 12; CIL 6,971 (129 n.); 2201 u.a. Inschriften. Zum daemoniarius ist sprachlich zu vergleichen daemonicola = Heide. Der Archon daemonum zu Athen wird dem Subalternbeamten des p. u. im Maß-

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stab einer Provinzialhauptstadt entsprechen (Statthalterbehörde oder Dekurionenkollegium). Endlich sei noch an die Erwähnung Domitians bei Theodoretos erinnert (Graec. affect, cur. III = M P G 83,871). Es dürfte an der Zeit sein, die Parallelen zu Iustinian zu ziehen. Prokop schildert An 8,12 die äußere Erscheinung Iustinians und krönt seine Charakteristik durch den Vergleich mit Domitianus, dessen schlechten Charakter die Römer dergestalt belohnten, daß sie ihn nicht nur zerstückelten und damit ihrem Zorn gegen ihn Genüge taten. Nein, darüber hinaus erging noch ein Gebot des Senats gegen schriftliche Überlieferung seines Namens und bildliche Verewigung seiner Gestalt. Mit diesen Bemerkungen scheint sich Prokop völlig auf der Linie der Kaiserkritik senatorischer Prägung zu halten. Man horcht nur unwillkürlich auf, wenn er ausgerechnet beim apokalyptisch vorbelasteten Domitian so lange verweilt und die Legende von Zerstückelung und Wiederherstellung des Leichnams sowie die Geschichte der einzigen erhaltenen Statue ausführlich erzählt. Das muß um so mehr auffallen, als äußere Ähnlichkeit zwischen Iustinian und Domitian in Wirklichkeit kaum bestand (vgl. o. Anm. 120 zu den Münzbildern). Zur Domitianlegende vgl. auch C o m p a r e t t i , Maldicenze Procopiane I: Giustiniano equiparato a Domiziano (Raccolta di scritti in onore di Giacomo Lumbroso [Milano 1925] 68—72). In P v K 265 bemerkte ich Prokop hätte die Legende kritiklos aus dem Munde seiner römischen Bekannten senatorischen Standes übernommen. Heute glaube ich nicht mehr recht daran, daß hier Zufall waltet, sehe vielmehr einen absichtsvoll herbeigeführten Brennpunkt, in dem die Strahlen der senatorischen und christlichen Kaiserkritik sich kreuzen. Die neuen Deutungen der apokalyptischen Zahl sowie die Vätertradition sprechen dafür, daß Prokop (bzw. seine Gewährsleute geistlichen Standes) zumindest über Domitians Rolle als „Antichrist", wenn nicht gar über die Bedeutung der apokalyptischen Zahl Bescheid wußten. Aber nicht nur der allgemein dämonologische und apokalyptische Charakter der Anekdota und ihres theologischen Hintergrundes, nicht nur der seltsame Hang zur Domitiangestalt, auch Einzelindizien sprechen dafür. Prokop berichtet An i2,2off. zunächst von einem Fall plötzlicher „Kopflosigkeit" Iustinians, anschließend von einem Besucher, der den Kopf zwar erblickte aber in raschem Wechsel bald als gestaltlosen Fleischklumpen, bald wieder normal sah. Endlich der Schrei des Mönchs, er habe den Dämonenfürsten auf dem Thron erblickt, auch das Ausfluß einer (natürlich fingierten) optischen Vision. Die Verwandlungsszene lasen wir eben in der Eliasapokalypse, wo sie freilich von den Erklärern vordergründig auf Domitians Haarwasser- und Perückenkünste statt auf seinen dämonischen Antichristcharakter und die damit gegebene Proteusnatur bezogen wird: Er wandelt sich vor denen, die ihm zuschauen. Bald wird er alt, bald wieder jung; Er wandelt sich mit seinen Zeichen; nur seines Kopfes Zeichen kann er nicht verwandeln. Daran erkennt ihr, daß er der Sohn der Sünde ist. (ApEl }4,i ff., R i e ß l e r 120). Die Konfrontierung der „Steckbriefe" in Eliasapokalypse und Buch des Elias mit Suetons Personalbeschreibung (Domitian 18) durch S c h ü t z (S. 53) kann also dankbar akzeptiert werden und findet eine gewisse Ergänzung durch die Verwandlungszüge bei Prokop. Religionsgeschichtlich deutet sich im Verwandlungsmotiv nicht nur der Antichristmythos sondern darüber hinaus der halbbewußte Gehalt der Gedanken- und Gefühlskreise rund um den Widersacher-Trickster an. Als Ergebnis

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darf festgehalten werden, daß Antichristinterpretation Prokops und Domitiandeutung der Johannesapokalypse sich gegenseitig stützen. Spätere Antichrist-Zeugnisse Wir verlassen Domitian, um weitere Antichristzeugnisse der Väter namentlich in ihrem Zusammenhang mit der Politik zu betrachten. Für Ape 13 ist der Antichrist der große Lästerer gegen Gott, der sich göttlich verehren läßt, zweifellos ein Ausfall gegen den Kaiserkult. So wird das Römerreich gelegentlich als Teufelreich bezeichnet. Hermas (Sim. I Zeit c. 140/55 n. Chr.) ist in dieser Hinsicht umstritten, die Zweideutigkeit jedoch sehr bezeichnend. Andererseits vermeiden die Apologeten des 2. J . n. gern vom Teufel als dem „Herrn dieser Welt" zu reden mit Rücksicht auf den Kaiser. In das Jahr 166 n. gehört eine Nachricht der Vita S. Potiti Martyris (ex Ms. M. Velseri) Acta SS. Januar. 1, 755 wonach der Teufel (Diabolos) S. Potitus als Christus erschienen sei. Sicherer dürfte die von Theodoretus überlieferte Nachricht sein, daß auch Commodus (180—192) mit dem Titel eines Antichrist bedacht wurde (Graec. affect. Cur. III M P G 83,871). Anschließend haben wir Irenaeus Lugdunensis (c. 140/202) für die Antichristfrage zu durchmustern. Statt der mir im Augenblick unzugänglichen Ausgabe von A . S t i e r e n (S. Irenaei episcopi Lugdunensis quae supersunt omnia. Leipzig 1853) benutze ich den auf der vorbildlichen Ausgabe des Mauriners M a s s u e t (gest. 1716) beruhenden Nachdruck bei Migne. Adversus haereses beschäftigt sich V 25fr. mit dem Antichrist bei Daniel und der Johannesapokalypse. Kap. 25 charakterisiert den Antichrist allgemein und stellt die zentrale Bedeutung des βδέλυγμα της ερημώσεως Daniels heraus, Der A. wird als iniquus zWocbezeichnet. Kap. 28 wird u.a. Ape 13,2 ff. ausgeschrieben. Kap. 29 spricht das von Nebukadnezar aufgerichtete Bild als vorweggenommene Abbildung der Ankunft des Antichrist an (όλη γαρ ή είκών εκείνη προτύττωσιςήντήςτοΰ άντιχρίστου παρουσίας). Ferner sind die Begriffe άττοστασία, άδικία, πονηρία zu bemerken. Kap. 3 ο polemisiert Irenaeus zunächstgegen die selbstgefällige Eitelkeit der Namensdeutungen der apokalyptischen Zahl und erwähnt mit Berufung auf Jeremias 8,16die Herkunft des A . aus dem Stamme Dan. Zu den Deutungen bemerkt er realistisch, es ließen sich viele Namen mit dem Zahlenwert 666 beibringen. Die Deutung ΕΥΑΝΘΑΣ lehnt er ab, bezeichnet dagegen die Deutung ΛΑΤΕΙΝΟΣ als erheblich glaubwürdiger : et valde verisimile est, quonìam novissimum regnum hoc habet vocabulum. Latini enim sunt qui nunc regnant ; sednon in hoc nos gloriabimur. Aber auch die Deutung T E I T A N wird von Iren, als wahrscheinlich bezeichnet: Sed e TEITAN, prima sjllaba per duas Graecas vocales ε et 1 scripta, omnium nominum quae apud nos inveniuntur, magis fide dignum est. Interessant ist hier die mythologische Interpretation von Titan als Sol (Sonnengott) und als Formel für heidnische Götterbilder. Zur Titan-Deutung heißt es weiter: Et alias (?) autem et antiquum, et fide dignum, et regale, magis autem et tyrannicum nomen. Mit dieser Betonung der Affinität der Antichristgestalt zum „königlichen, tyrannischen" genus leistet Irenaeus ebenso wie mit seinem Lateinos = Rom einen beachtlichen Beitrag zur politischen Seite der Antichristerwartung. Doch zieht er sich — selbstverständlich nicht im antik philosophischen Sinne — auf den Standpunkt des Agnostizismus zurück, ohne damit eine Vergeistigung oder zumindest Kollektivierung des A. zu verbinden: „Wir haben nicht die Absicht, uns wegen des Namens des Antichrist auf etwas einzulassen, indem wir uns darauf versteifen. Hätte unser Zeitalter seinen Namen offen erfahren sollen, so wäre er vom Seher der Apokalypse erwähnt worden. Denn sie ist ja vor nicht langer Zeit geschaut worden, vielmehr fast in unserem Zeitalter — am Ende der Herrschaft Domitians".

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Festzuhalten ist also, daß Irenaeus am Ende des zweiten Jahrhunderts das römische Weltreich dem Antichrist gleichsetzt, indem er die Lesung ΛΑΤΕΙΝΟΣ als die wahrscheinlichste bezeichnet. Zur Kennzeichnung der Abfassungszeit des wichtigsten Schriftdenkmals zum Antichrist benutzt er die Gestalt des Kaisers Domitian. Vgl. M P G 7,1205 und die wichtigen Bemerkungen von Fr. F e u a r d e n t (Köln 1596) nachgedruckt M P G 7,1822fr. Auch die Pseudoklementinen (Homil. 2 M P G 2,88) sprechen vom Antichrist (Grundschrift c. zoo, Redaktion Anfang 4. Jh.). Die Hauptschrift und einzige Monographie von Altertum und Mittelalter über den Antichrist verdanken wir Hippolytos (c. 202 n.). Für ihn ist der A. kein anderer als der inkorporierte Satan, ein Teufelssohn so wie Christus Gottessohn. Theoretisch erhellen die politischen Möglichkeiten des Antichristgedankens etwa aus seiner Charakteristik (c. 15 = I 2 p. 1 1 , 1 8 Achelis) τύραννος καΐ βασιλεύς, κριτή; δεινός, ύιός του διαβόλου. Auch Hippolytos erwähnt neben Τείταν und Ευάνθας die „politische" Deutung der apokalyptischen Zahl auf Λατεΐνος (c. 5 0 = 34,7 Achelis = M P G 10,770). Weiter verdienen in unserem Zusammenhang Interesse die Stellen: c. 6 διά το τυραννικόν αύτοΰ κα( βίαιου — ό πλάνος — βασιλεύς ό Χριστός, καΐ βασιλεύς ό Αντίχριστος. — έν σχήματι ανθρώπου έφάνη ó Σωτήρ,

καΐ αύτός (der Antichrist) εν σχήματι ανθρώπου έλεύσεται. Es handelt sich hier um überzeugende Belege für die Auffassung des A. als menschliche Person und speziell Tyrann. Tyrannisch kriegslüsterner Charakter wird ihm ferner in Hippolyts Danielkommentar zugeschrieben (Schol. in Dan. IV 48 Achelis) : αναιδής, πολεμοτρόφος καΐ τύραννος . . . ύπέρ πάντας βασιλείς κσΐ "πάντα θεον".

Mit einer gewissen Zurückhaltung urteilt Orígenes (c. 185/254), immerhin stellt er dem Gottessohn Christus Antichrist den Satanssproß gegenüber (c. Cels. 6,45 = M P G I i , 1368f.). Im Matthäuskommentar bekennt er sich nur mit Einschränkung zur Individualtheorie, läßt die Möglichkeit der Aufspaltung der Antichristgestalt offen, leistet aber der Streuung politisch propagandistischer Auslegungen eher Vorschub : Generaliter enim unus est Antichristus, species autem illius multae (in Matth, comm. ser. 47 M P G 13,1668). Zu einer handfesten Politisierung des Mythos gab die Person des Odenathus von Palmyra (c. 260) Anlaß. Ein vermutlich wenig späterer Passus des Buches des Elias (c. 2 = R i e ß l e r 23 5) benutzt den etwas abgewandelten Domitian-„Steckbrief", um Odenathus = Gigit = Weinschlauch, den Sohn einer Sklavin, als A. hinzustellen. Vgl. Agathias I V 24; M. B u t t e n w i e s e r und W. B o u s s e t (EncRelEth 580). Ferner wird der A. erwähnt von Viktorin von Pettau (gest. 3 04) (Comm. in Apoc. 1 7 , 1 1 = CSEL49 (1881)122. AmAnfang des vierten Jahrhunderts (c.314) erzählt Lactantius den Mythos (De mort. pers. c. 2 C S E L 27 (1897) 173fr.). Er ist bereits sehr skeptisch {quidam deliri credunf) und konzentriert seine Aufmerksamkeit mehr auf Nero als Domitian. In seinem Bericht über das Verschwinden Neros hängt er vermutlich ab vom Marcellustext der apokryphen Apostelakten (Act. app. apocr. post Tischendorf denuo edd. Lipsius et Bonnet 1 Lipsiae 1891). Vgl. S t a u f f e n b e r g 215 Anm. 77. In seinem Verfolgerkatalog nennt Lactanius alle Kaiser, die im Zusammenhang mit dem Antichristmythos genannt werden können: Nero, Domitian, Decius, Valerian, Aurelian (kurz) und ausführlicher: Diokletian, Maximian, Galerius, Severus, Maximinus. In der Mitte des vierten Jahrhunderts überhäufte Bischof Lucifer von Calaris seinen kaiserlichen Herrn mit den wüstesten Schmähungen. Ausgabe: G. Härtel C S E L 14 (1886). Kaiser Konstantius ist für ihn nicht nur dux Antichristi, praecursor Antichristi (113,20 138,10 168,15 I 7 3 > 1 1 182,18 220,15 262,28 273,15 276,12), Rubin, Iustinian X X I X

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sondern geradezu der Antichrist selbst: 106,7 qui merearis numerari inter antichristos, 238,12 te repperim operibus tuis esse unum ex iis de quibus beatus Iohannes : audistis quia antichristus venit·, nunc autem anticbristi multi sunt; am deutlichsten 276,2 scriptum est de antichristo cui tu similaris aut ipse esse iudicaris. Hier ist der Mythos fast zum politischen Schimpfwort ausgeartet, das Lucifer im Kampf gegen den Arianerkaiser Konstantius gebraucht (106,6 cognoscimus etenim vos Arríanos esse temporis nostri antichristos). Die Pluralität der Antichristpersonifikationen kommt dieser Entwicklung, wie man sieht, entgegen. Andererseits war der Mythos doch so tief verwurzelt, daß ihm diese Herabwertung zur Scheidemünze, die schon die Häufigkeit des Plurals (antichristi) anzeigt, nichts anhaben konnte. Vielmehr wurde der Legende gerade durch diese Profanierung ähnlich wie im 1. Jahrhundert durch die Verbindung mit Nerosage und damnatio memoriae Domitians ein neues Feld gefährlicher politischer Wirksamkeit eröffnet. Wir behalten im Gedächtnis, daß es hier gegen Arianer ging. Den allgemein dämonologischen Grundlagen der Propaganda Lucifers gehört seine Beschimpfung des Kaisers Konstantius als templum omnium daemonum an (100,30). Vgl. zu Lucifer auch S t r a u b 136. Zur Tonart des Kampfes gegen Iulian vergleiche man Ephram den Syrer (c. 306—373) „Über Julian den Apostaten" II. Lied (Bibl. d. Kirchenväter Bd. 37 Übs. S. E u r i n g e r ) S. 220 „ E r war ihnen Opferbock und Opferpriester zugleich. Seinen Bart weihte er der Schande; er ließ ihn wachsen und neigte ihn herab, damit derOpferrauch ihn durchdringe". Gregor von Nazianz (329—390) läßt Iulian mit zwei Heeren, einem von Soldaten, einem von Dämonen, dem er mehr vertraut, nach Persien aufbrechen (Or. 5 Contra Iulianum II c. 8 = M P G 35,673). Ders.: Carm. theolog. c. 34 = MPG 37,963 'Αντίχριστος . . . άνήρ δυνάστης . . . παγκάκιστος άρτίως άποστάτης (Iulian). An anderer Stelle bezeichnet Gregor den Kaiser als πονηρού τό πλήρωμα = diaboli complementum und άπανθρωπότατος (Or. II Apologetica c. 87 = M P G 35,492). Einige weitere Antichristzeugnisse: Basil. M. (379 gest.) Ep. Classis II ep. 264 (MPG 32,984) τά vöv γενόμενα προοίμιά έστι της εισόδου τοϋ 'Αντίχριστου. Tyconius (afrikanischer Donatisi, um 390 gest.) Comm. in Ape (um 380) Spicilegium Casinense 3,1 (Monte Cassino 1897) 263—331. Priscillian (385 gest.) tract. 6 (CSEL 18 (1889) 81. Gregor v. Elvira (nach 392 gest.) (P. Battifol, A. Wilmart, Tractatus Origenis de libris SS. Scripturarum (Paris 1900) 195,16. Ambrosius (397gest.)in Epist. Pauli ad Thessal. II ed. Venet. III col. 341 Β). Ferner sei daran erinnert, daß die auf das 4. Jahrh. zurückgehende Tiburtinische Sibylline Konstans als den letzten Kaiser erwähnt, der vor der Ankunft des Antichrist die Weltherrschaft gewinnt (Bousset, EncRelEth). Wichtigste Mitteilungen zur politischen Legende verdanken wir Kyrillos von Jerusalem (386 gest., Catechesis X V de secundo Christi adventu M P G 33). Kap. Ii Sp. 884f.: άγει τινά άνθρωπον μάγον, καΐ της âv φαρμακείας καΐ έπαοιδαϊς απατηλής κακοτεχνίας έμπειρότατον" αρπάζοντα μέν έαυτω τη5 'Ρωμαίων βασιλείας την Ιξουσίαν, ψευδώς δέ Χριστόν εαυτόν άποκαλουντα. Kap. 12 begegnet die schon erwähnte Aufzählung von 10 römischen Kaisern, deren elfter als Antichrist angesprochen wird. Vgl. oben über Domitian. Kap. 13 Sp. 888 heißt es: βλάσφημος ό άνήρ καί παράνομος, ούκ έκ πατέρων λαβών τήν βασιλείαν, άλλ' έκ της μαγικής τό άρχειν άρπάσας. Ferner Kap. 14. Sp. 888 : τοϋτο αΐνιττόμενος ότι ό Σατανάς όργάνω κεχρηται εκείνω (Antichrist) αύτοπροσώπως δι' αύτοΟ ένεργών. Den ersten Jahrzehnten des fünften Jahrhunderts gehören zwei ausführlichere Zeugnisse an, das naiv gläubige des Sulpicius Severus und das überlegen kritische

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des Augustinus. Severus erzählt nochmals den Volksglauben von Tod und Wiederkunft des Nero (Chron.II 29 = C S E L 1,83 Halm). Die Romfeindschaft spielt bei ihm keine Rolle mehr. Die Kirche befand sich ja nicht mehr in der Opposition. Augustinus (Civ. Dei X X 19) lehnt die Nerosage und damit alle derartigen Auslegungsversuche der Apokalypse ab. Hieronymus (420 gest.) setzt sich in seinem Danielkommentar (abgefaßt 407) für Menschengestalt des Antichrist und scharfe Trennung von Satan und A. ein: Dan 7,8 ne eum (Antichr.) putamus . . . diabolum esse vel daemonem sed unum de hominibus in quo totus Satañas habitaturus sit corporaliter. Vgl. Β o u s s e t, Antichrist 8 8 f. Politisch bedeutungsvoller ist die Identifizierung Geiserichs mit dem Antichrist durch Hieronymus. Die Äußerung ist zufällig in seiner stark überarbeiteten Ausgabe des Apokalypsenkommentars des Viktorin von Pettau erhalten. Sie gibt ein Gerücht wieder, das damals umlief und das uns nach der Bekanntschaft mit Bischof Lucifers wilden Ausbrüchen gegen Konstantius nicht überraschen kann, denn Geiserich war ebenfalls Arianer. Die Erfolge des Vandalen lenkten ein Trommelfeuer orthodoxer Propaganda auf ihn, dessen Nachwirkung sich noch in Prokops Greuelberichten spüren läßt. Hierfür war der Antichristmythos gerade gut genug. In dem Kommentar wird die Stelle Ape 13,18 besprochen. Bei der gematrischen Ausdeutung der apokalyptischen Zahl setzt Hieronymus 666 = γενσήρικος : Item aliud eius nomen gothice quodper se licebit, id est γενσήρικος, quod eodem modo graecis litteris computabis γ tres, ε quinqué, ν quinquaginta, σ ducenti, η odo, ρ centum, ι decern, κ viginti, ο septuaginta, s item ducenti·, quae ut supra dictum est sexcenti sexaginta sex faciunt. Aus naheliegenden chronologischen Gründen kann die Stelle weder von Viktorin selbst (304 gest.) noch von dem Bearbeiter Tyconius (3 90 gest.) stammen. Hieronymus hat vor allem den der Theologie seiner Zeit nicht mehr genehmen Chiliasmus, der inViktorins Kommentar herrschte, getilgt. (CSEL49 ( J . H a u ß l e i t e r 1916) 123,5; 124,1; 125,1). Vgl.Ps.Hieronymus, de monogramma Christi (G. M o r i n , Anecdota Maredsolana 3,3 Maredsous 1903) 195. Ferner begegnen Identifizierungen Attilas mit dem Antichrist. In diese Zeit gehört auch Papst Leo, der gegen seinen geistlichen Mitbruder Timotheos das Schlagwort Antichrist ins Feld führt: Zach. Rhet. IV 7 (31 A.-K.). Auch der für Dämonologie und gnostische Häretiker so ergiebige Theodoretos erwähnt in seiner Kampfschrift (Graec. affect, cur.) die Kaiser Nero, Domitian und Commodus im Zusammenhang mit dem Mythos (MPG 83,871). Dazu 82,6646 über den Antichrist : άνθρωπο; έστι τήν φύσιν, πδσαν εν έαυτω τοϋ διαβόλου δεχόμενος την ένέργειαν. Die Chronica Ravennatia des 5. Jh. (ed. Frick M G H A A Chron. min. I 380) wissen vom Verschwinden des Kaisers Nero (Capitone et Rufo (67). His cons. Nero de imperio non comparuit. Vgl. Cicero, de re publica II 10,17 über Romulus: cum subito sole obscurato non comparuisset. Ähnlich Aurelius Victor, Eutropius). Die Quelle verrät ebenso wie Lactantius (s. o.) Kenntnis der apokryphen Apostelakten. Vgl. S t a u f e n b e r g 215 Anm. 77. Weiter: Anonymus, Uber genealogus (MGH A A 9 p. 194) hie Nero ipse est, cuius nomen Iohannes in Apocalypsi voeavit DCXVI. hic sapientia vertitur, ut conputetur per eras nomen illius (eius F). Es handelt sich hier um eine afrikanisch donatistische Quelle, die in Rezensionen von 427, 438, 45 5 und 463 vorliegt. Weiter: Caesarius 542 gest.), expositio de Ape S. Iohannis (G. M o r i n , S. Caesarii opera omnia 2 (Maredsous 1942) 247, 1 7 . 2 1 . Hier liegen Exzerpte aus Tyconius und Viktorin von Pettau vor. Primasius von Hadrumetum (gest. vor 567) benützt in seinem Commentarius in Ape (um 552) ebenfalls Tyconius (MPL 68,883 D zu „666"). Der auf den Namen Pacian (Bischof von Barcelona 390 gest.) überlieferte aber jedenfalls von Eutropius (Bischof von Valencia 589 gest.) stammende Traktat XXIX·

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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De similitudine carnis peccati enthält ebenfalls eine Auseinandersetzung mit Ape 13,18 (G. M o r i n , Études, textes, découvertes ι , (Maredsous 1913) 125,19. Endlich sei von späten Zeugnissen noch genannt: Beda (735 gest.) MPL 93,172 Β (zu Ape 13,18). Ebenso Beatus, commentarius in Ape ( H . A . S a n d e r s , Beati in Ape libri 12; American Academy Rom 1930) 6,4,89.90 (p. 496) 105 (499); 6,4,112 (500); 6,6,9 (503); 6,4,89.105 aus Hieron. in Ape; zu 6,4,90.112 vgl. Caesarius. Die Redaktionen dieser relativ wertlosen Kompilation stammen von 776, 784, 786. Aus unbekannter Zeit sei ferner zu Ape 13,18 notiert: Anonymus, Traktat zur Ape Iohannes in einer Pergamenths. der k. Bibliothek in Bamberg (ed. K . Härtung Bamberg 1904) 17. Den Abschluß dieser Sammlung bilde die Identifizierung Kaiser Friedrichs II. des Staufers mit dem Antichrist: A A SS Mail 7,135 De B. Joachimo Abb. Florensi. Die Sammlung wurde absichtlich bis ins Zeitalter Iustinians und etwas darüber hinaus fortgeführt, um ähnlich, wie in meinem „Fürst der Dämonen" für die allgemeine Dämonologie durchgeführt, so hier für den speziellen Antichristmythos das Fortleben bis ins 6. Jh. zu belegen. Dabei versteht sich von selbst, daß ein theologisch uninteressierter Laie vom weltanschaulichen Habitus Prokops (PvK 56 fr.), nicht nur von der Verpönung der primitiven Mönchsdämonologie durch die Kappadokier und Iohannes Chrysostomos keine Notiz nimmt, sondern auch an der Frage der Vermischung oder Trennung von Antichrist und Satan völlig uninteressiert ist. E r nimmt den Legendenstoff, wo er ihn findet, und münzt ihn, ohne nach Feinheiten zu fragen, für seine politisch propagandistischen Zwecke aus. Was den Neromythos betrifft, so wird sein Fortleben in später Zeit durch zahlreiche oben angeführte Zeugnisse gesichert. Wenn auch aus der Spätzeit keine wesentlichen Neufassungen des volkstümlichen Stoffes erhalten sind, so waren die vorhandenen Niederschriften doch weit verbreitet und vielen bekannt. Darüber hinaus mag es Volksbücher gegeben haben, die auch von den Gebildeten gebraucht wurden und dergleichen Legenden, z. B. Jungfrauenopfer bei kaiserlichen Stadtgründungen und Tempelstiftungen, berichteten. Hierzu S t a u f f e n b e r g 215 fr., der sich mit Recht wundert, daß ein Volksbuch wie Malalas auf die Nerosage verzichtet hat. In dem erwähnten Aufsatz bezweifelte ich noch die Möglichkeit die Vermischung der Vorstellungen von Dämonenfürst und Antichrist unmittelbar zu beweisen. Die oben angeführten Parallelen zwischen Domitianinterpretation der Apokalypse und dem domitianisch gefärbten Iustinianbild der „Geheimgeschichte" lassen diese Ausdrucksweise als zu vorsichtig erscheinen. Auch die späteren Zeugnisse über Weiterleben der Domitianauslegung legen das nahe, vor allem auch Wendungen wie „ungerechter Richter", unmenschlicher, kriegslüsterner Herr, sämtlich Leitmotive Prokops. Auch das für die Antichristgestalt entscheidende Schlagwort β δ ί λ ν γ μ α Tfjs έ ρ η μ ώ σ ε ω ; bei Daniel und im N T , verglichen mit der Priskos entliehenen aber unheimlich bedeutungsgesteigerten Formel έρημος ά ν θ ρ ώ - π ω ν bei Prokop legen es nahe, die „Geheimgeschichte" als eine „Apokalypse" Prokops zu betrachten. Der theologische Charakter des von Prokop verarbeiteten Nachrichtenmaterials wurde von dem für die Feinheiten der Christenlehre nur oberflächlich interessierten Historiker abgeschwächt zu synkretistischer Dämonologie, wobei die politischen Bezüge (Domitian!) weniger in Mitleidenschaft gezogen wurden als der eigentliche Antichristmythos. Prokop verzichtet zwar auf das Wort Antichrist und das von ihm vermittelte theologisch literarisch geprägte Bild, weiß aber nur um so sicherer im Leser das Chaos chiliastischer Erwartungen zu erwecken und vor allem mit der Person Iustinians in Beziehung zu setzen. Wie die jüdischen Apokalyptiker hätte er neben so manchen Satz seiner Geheimgeschichte den Ausruf setzen dürfen: Wer Ohren hat zu hören der höre. Das Judentum, dem

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Prokops „Geheimgeschichte"

453

der Antichristgedanke entstammt, hatte in seiner Apologetik das Bild v o m Herrscher als eines „gewaltigen den Erdkreis beherrschenden T y r a n n e n " geformt. Paulus hat diese Tradition grandios aber nicht unbedingt erfolgreich uminterpretiert. Der Verfolger Nero rückte in den Vordergrund der Enderwartungen wieder die Politik, der Paulus selbst zum Opfer fiel. D o c h ist bei einer überdurchschnittlichen Politisierung des Antichristgedankens oder verwandter Gedankenkreise stets auch an den Einfluß jüdischer Tradition und Geisteshaltung zu denken, nicht zuletzt bei Prokop. In diesen Zusammenhang gehört etwa die Deutung des Antichrist durch die unvermindert romfeindlichen Juden auf Romulus (Armillus) noch im 7 . — 8 . J h . ( B o u s s e t , Antichrist 66). Die mittelalterlichen und neueren Identifikationen des Antichrist seien nur im Vorübergehen erwähnt, so etwa Mohammed, Friedrich II. (der Staufer), einzelne Päpste, aber auch Luther, Napoleon, Stalin, zweifellos auch Hitler. Mit besonderer Inbrunst huldigt der slavische Geist dieser F o r m des Chiliasmus (Mereschkowski, Berdjajev, F. Ossendowski). A b e r auch in der westlichen Hemisphäre treibt er (erheblich seltsamere) Blüten, man vergleiche etwa die moderne Politisierung Daniels in den konfusen Lehren der Zeugen Jehovas (The new world. Brooklyn Ν . Y . ohne Jahr). Ich schließe diese Übersicht mit einem W o r t des Kenners K . R a h n e r (Lex. Theol. u. Kirche 1 ( 1 9 5 7 ) 636), der den primo motore des Antichristmythos für alle Geschichtslagen gültig umreißt: „Diese Lehre gibt dem Christen immer das Recht nicht nur in abstracto widerchristliche Mächte und Ideen zu bekämpfen, sondern konkrete Menschen und Mächte als deren Vertreter zu kennzeichnen und zu fliehen". Einzige namentliche Erwähnung des Antichrist in der Heiligen Schrift: 1 J o 2, 18. 22; 4, 3; 2 J o 7. Die weiteren Bibelstellen bei A u d i n o u. a. Die geplante Heranziehung des dem Vetus LatinaUnternehmen zugrundeliegenden Zettelkatalogs der Väterstellen von J . D e n k konnte nicht mehr durchgeführt werden, doch hatte Herr W a l t e r T h i e l e , Assistent am Vetus Latina-Institut des Klosters Beuron, die Freundlichkeit mir die Stellen zu Ap 13,18 auszuziehen. Diese sind hier mit verarbeitet. B. A l l o , L'Apocalypse (Paris 1921) C X I — C X X I , 182/6, 198/214, 277/9. A. A u d i n o Anticristo. Enciclopedia Cattolica ι (1948) 1433/41. E. B e r n h e i m , Mittelalterliche Zeitanschauungen in ihren Einfluß auf Politik und Geschichtschreibung. 1 Tübingen 1918 (7off.). W. B o u s s e t , Der Antichrist in der Überlieferung des Judentums, des Neuen Testamentes und der Alten Kirche. Göttingen 1895. Ders.: Die Offenbarung Johannis. Göttingen 1896 (Meyers Krit.-exeget. Komm. ü. d. N T 5. Aufl.). Ders.: Antichrist. Enc. of Rei. and Ethics (J. Hastings) ι (1908) 578/81. Ders.: Die Religion des Judentums im späthellenistischen Zeitalter, herausg. v. H. G r e s s m a n n . 1926 3 . Ders.: Sibyllen und sibyllinische Bücher. Haucks Realencyklopädie f. prot. Theologie u. Kirche 3 18 (1906) 265/80. C. B o u s t o n , Le chiffre apocalyptique 666 et l'hypothèse du retour deNéron. Revue théol. 1880. D. B u z y , Antéchrist. Dict.de laBible. Suppl.I 297/305. C. C h a u v a i n , Histoire de l'Antéchrist d'après la Bible et les Saints Pères. Paris 1903. C h r i s t S c h m i d t - S t ä h l i n , Geschichte der griechischen Literatur. 2 (1924) 609 Anm. 2. H. D i e l s , Sibyllinische Blätter. Berlin 1890. Th. D i e t e r , A. in: Calwer, Kirchenlexikon. Stuttgart 1937 S. F. D o r n s e i f f , Das Alphabet in Mystik und Magie. Leipzig 1929. Fr. F e u a r d e n t , Anmerkungen zu seiner Irenaeus-Ausgabe Köln 1596 (Nachdruck 1639), abgedruckt bei Migne MPG 7 (1857). Hier namentlich Sp. 1822if. zu Iren. c. 30 über 666-Deutungen. B. F i s c h e r , Vetus Latina. Die Reste der altlateinischen Bibel. I (Freiburg 1949) Verzeichnis der Sigel für Handschriften und Kirchenschriftsteller. B. F r i e d l ä n d e r , Der Antichrist in den vorchristlichen jüdischen Quellen. Göttingen 1901. H . F u c h s , Der geistige Widerstand gegen Rom. Berlin 1938. Dazu Philol. Wochenschrift 1941, 524fr. J . G e f f c k e n , Studien zur älteren Nerosage. Göttinger gelehrte Nachrichten (1899) 47ff., 446 £f. Ders.: Römische Kaiser im Volksmund der Provinz, ebda 1901 (1/13). A. G e l i n , Antéchrist. Diet, de Théol. Cath. Tables généraux (Lieferung ι , 1951) I79f. J . G ö t t s b e r g e r , Das BuchDaniel (Bonn 1929) 93. A. G r a f , Roma nella memoria e nell' imaginazione del medioevo. Turin (1882) ι S. 332/61, 2 S. 507/63. H. G u n k e l , Schöpfung und Chaos in Urzeit und Endzeit (1895) Göttingen 2 1921. Α. H i l g e n f e l d , Nero der Antichrist. Zeitschr. f. wiss. Theologie 12 (1869) 421/45. H o h l , Domitius (Nero). R E Suppl. 3 Sp. 393f. A. 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Anmerkungen : Reichsidee und Kaiserkritik

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547

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548

Ρ A n 12, i 8 f .

Nach C o m p a r e t t i (Le Inedite 234) beeinflußte die unbefleckte Empfängnis der Maria die Konzeptionstheorie Prokops. In Wirklichkeit handelt es sich um uraltes orientalisches Sagengut, das hier auf Iustinian bezogen wird. Der Mythos vom göttlichen Ursprung des Herrschers, den Prokop hier ins Teuflische verkehrt, hat eine ägyptisch-babylonische und eine griechische Wurzel. Bereits im Alten Reich herrschte eine Priestertheologie, die den Thronfolger als Sohn des Re bezeichnete. Das Mittlere Reich besitzt eine volkstümliche Erzählung (c. 2000 v. Chr.), daß Re mit dem Weibe seines Priesters zu Sachebu die ersten Könige der Fünften Dynastie zeugte. Vgl. A. E r m a n n , Die Literatur der Ägypter (Leipzig 1923) 64!!, namentlich 72. W. W e b e r , Der Prophet und sein Gott (Leipzig 1925) 95 f. Ed. N o r d e n , Die Geburt des Kindes 2 (Leipzig 1931) 83. Eine häufige Erscheinungsform des Gottes ist später in hellenistischer Zeit die S c h l a n g e . Hier fassen wir die griechische Wurzel des Mythos. Zur Bedeutung der Schlange in der griechischen Dämonologie: K ü s t e r , Die Schlange in der griech.

55°

Prokops „Geheimgeschichte"

455

Kunst und Religion. Gießen 1913. Nach Plutarch (Alex. 2) hat ein Drache Alexander gezeugt. Seine Mutter Olympias erscheint auf makedonischen Münzen mit einer Schlange, und Plutarch (Alex. 2) bestätigt ihren Umgang mit Schlangen bei orphischen und dionysischen Feiern. Der Alexanderroman (Pseudo-Callisthenes in : Arríanos, ed. Dübner-Müller, Paris 1877) vereinigt die den Griechen seit Herodot (I 181 f.) wohlbekannte ägyptisch-babylonische und die griechische Auffassung. Schon Herodot berichtet nicht ohne Skepsis über den in Babylon und Ägypten üblichen Tempelbeischlaf der Gottheit. Zum Bericht des Pseudo-Callisthenes vgl. etwa O. Weinreich, Der Trug des Nektanebos (Leipzig 1 9 1 1 ) 8/12. Wenn auch hier von arglistiger Täuschung im Sinne der vielbelachten Novelle Boccacios die Rede ist, so sind die Bestandteile, mit denen gearbeitet wird, sowohl die Schlange als die Annahme der Zeugung durch den Gott Ammon. Die Fabel vom Verkehr Zeus Ammons mit Olympias ist offenbar die ältere, das Traumbild der Olympias von ihrer Befruchtung durch den Blitz des Zeus die jüngere Version. Parallelen sind die Geburtslegenden Piatons (Diog. L. 3, 1, 2) und die unbefleckte Empfängnis der Maria (E. M e y e r , Urspr. ι , 1922, 54ff.), doch hat der pneumatologische Hintergrund des christlichen Mythos nur noch allgemeinste Berührungen mit antiker Mythologie und Dämonologie. Zu den geistigen Voraussetzungen auch E. N o r d e n und W. W e b e r a. O. Plutarch (Alex. 2) berichtet über rationalistische Erklärungsversuche. Dazu gehört die Deutung der vom Ammonpriester ausgesprochenen Zeussohnschaft als sprachliches Mißverständnis bei der Begrüßung Alexanders (Alex. 27). Olympias selbst wird neben zustimmenden Äußerungen auch Spott nachgesagt: ετεροι δέ φασιν αυτήν άφοσιοϋσθαι καΐ λέγειν ,,οϋ παυσεται με διαβάλλων 'Αλέξανδρος ττρόξ την Ήραν"; (Plut. Alex. 3)· Man vergleiche die Uberlieferung desselben Witzes durch Eunapios (Const. Porph. Exc. de sent. fr. 26 ed. Boissevain 82). Zur Alexanderlegende: H. E. S t i e r R A C 1, 267 und die 1, 270 genannte Lit. E. K o r n e m a n n , Große Frauen 109; S t r a ß b u r g e r , Olympias. R E 18 (1939) i79f. U. W i l c k e n , Alexander d. Gr. (1931) 116, 308. Zur orientalischen Schlangen-Mystik vergleiche man S c h e f t e l o w i t z , Altpalästinensischer Bauernglaube in religionsvergleichender Beleuchtung (Hannover 1925) 17 fr. Die Sage eroberte früh die lateinische Welt. Man flüsterte über Scipio, sein Vater sei eine ungeheure Schlange gewesen, und erklärte damit den magischen Zauber, mit dem sich dieser bewußt fromme Feldherr umgab. Vgl. Livius, perioch. X X V I {Novam Carthaginem expugnavit, cum haberet annos XXIV videreturque divina stirpe creatus, quia et ipse, postquam togam acceperat, cotidie in Capitolio erat, et in cubiculo matris eius anguis saepe videbatur). Auch mit Augustus wurde die Legende in Zusammenhang gebracht. In einer christlichen Umwelt mußte sich die göttliche Zeugung naturgemäß in eine teuflische verkehren. Die Großartigkeit der älteren Anschauung wandelt sich ins Grausige. Iustinian ist vom Dämon gezeugt (An 12, 18). Theodora pflegt geschlechtlichen Umgang mit ihnen (An 12, 28). So ist es kein Wunder, daß ihnen die Elemente dienen (An 12, 17; 18, 3Óf.). 649 Zach. Rhet. I X (175, 6 A.-K.) Etwas abweichend Mich. Syr. 188f.: „ L a mère de ce prince (Chosroes) possédée du démon, souffrait cruellement, et ni les mages, ni les devins ne pouvaient parvenir à la soulager. Elle n'obtint sa délivrance que par le christianisme qu'elle embrassa et par le baptême qu'elle reçut des mains du solitaire Siméon". (a. O. 368). 550 Ρ A n 6 , 5 — 9 ; Zonar. X I V 4 (III 142/3 B . W . ) ; Kedren. I 635, 9; Ioh. Moschos,Prat.Spirit. 38 ( M P G 87/288). Anschließend wird der Tod des Kaisers Anastasios berichtet. KedrenosZonaras: Blitzschlag. Vgl. H . D ( e l e h a y e ) , Saints de Chypre. 8. Laudatio S.Gennadii archiep. CP. (Anal.Boll.26 [1907] 227f.) Der Bericht des Chronisten ist hier noch ausgeschmückt: Anastasios sei nur scheintot gewesen, hätte aus dem Sarg heraus Aufnahme in ein Kloster begehrt und seine Arme und Schuhe vor Hunger verzehrt. Zum Motiv vgl. auch Passio SS. Martyr. Nicomediensium c. 6 (Acta

Sanctorum Sept. 1, 363 A): subito Constantius, areptus a daemonio, coepit alienari, et manus suas

comedere.

456

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

551

5 5 1 Ρ A n 12, 20—23. Der Wechsel der Gesichtszüge erscheint als Umkehrung des Vorganges bei der Verklärung: Luc. 9, 29. 552 Ρ A n 12, 24 ff. 653 Ρ A n 12, 27. 654 Ρ A n 12, 28 ff. 855 Ρ A n 12, off. 3 666 Ρ A n 1 2 , 1 4 f r . 557 P v K 56/70. G . D o w n e y , Paganism and Christianity in Procopius. Church History 18 (1949) 89/102. 658 Horn. II. V 31,455. Clem. A l . Protr. I I 2 9 , 2 = 1 2 1 , 1 9 Stählin "Apes, "Apes, βροτολοιγέ, μιαιφόνε, τ ε ι χ ε σ ι π λ ή τ α und II 42, ι = I 31, 16 St., wiederholt bei Euseb., Praep. ev. I V 16, τζί. V g l . Or. Sib. V i l i 390. R u b i n , Der Fürst der Dämonen (Byzantin. Zeitechr. 44 (1951) 471.

659 R u b i n a. O. Christus kommandiert die gestaltlose Masse der Dämonen mit herrischer Verachtung (Mt 16, 23; Mc 5, 9), führt aber die at. und spätjüd. Entwicklung der Satangestalt folgerichtig weiter, folgt darüber hinaus dem internationalen Gesetz des „Dienstweges" in der Dämonologie: er hält sich nicht mit den niederen Dämonen auf, sondern setzt sich mit ihrem Anführer auseinander. So erhält der exorzistische Einzelakt seinen soteriologischen Zusammenhang. Die Individualnamen von Dämonen treten im Gegensatz zur hellenistischen wie jüdischen Dämonologie zurück, auch Satan wird nicht ständig als Beelzebub, Beliar usw. gespalten. Beelzebub begegnet im Munde der Pharisäer (Mc 3, 22). Dagegen entspricht die Versucherrolle Satans (Mc 1, 12) dem Zeitgeist, ähnlich etwa „Leben Adams und Evas" (80/100 n. Chr.) und rabbinische Parallelen, aber auch die Versuchung Zoroasters (Vend. 19). Langton 176 f. Johannes gebraucht den Begriff Dämon selten infolge Betonung der hierarchischen Funktion Satans und des Sündenbegriffes: Ev. Joh. hat 3 mal σατανάς, einmal διάβολο;, 3 mal „Fürst dieser Welt" bzw. „Weltfürst" (entspricht dem synoptischen Dämonenfürsten und pauHnischen „Fürsten des Luftreiches" (Eph. 2, 2). Vgl. Hebr. Henoch (3, 2; 30, 2 auf Matatron bezogen). Auch der synoptischen Versuchungsgeschichte (Mc 1, 12) muß der Ausdruck κοσμοκράτωρ vorgeschwebt haben. Paulus erwähnt als einziger Beliar (2 Cor 6, 14). Seine dämonologischen Ausdrücke erinnern an Joh. und Henochbuch. Als Herr des Todes erscheint der Teufel Hebr 2, 14. Vgl. jüdische Apokalyptik (Todesengel im Test. Abrahams) und weitere NT-Belege ( L a n g t o n 210f.). A p e 9, 16 spricht von 200 Millionen Dämonen (Kämpfern zu Pferde). Die Dämonen-Heuschrecken Ape 9, I i haben einen „Engel des Abgrundes" zum Führer: Abaddon-Apollyon. Vgl. L a n g t o n 216. Ape 16, 13: Satan-Drachen, aus dessen Munde einer der drei unreinen Geister ausgeht.

Patristik und Hagiographie verraten die Weiterarbeit der Väter an der hierarchischen Ausgestaltung der Dämonologie. Die Apostolischen Väter halten sich im Rahmen des N T , bevorzugen paulinische und johanneische Bezeichnungen des Teufels. Die Apologeten betonen unter spät jüdischem, griechischem und iranischem Einfluß das hierarchische Prinzip. lust. Mart, setzt Satan = διάβολο; = Schlange = Löwe = Dämonenführer (Apol. 1, 28). Der Löwe (früher Begleittier von Attis, Kybele) wird seit 1. Petrusbrief dem Teufel gleichgesetzt. Dagegen erscheint im Physiologos (älteste Fassung 4. Jahrh.) Christus = Löwe, Teufel = Wal. Tatian kennt Satan als πρωτόγονο; δαίμων (Or. Graec. 7 = 6, 34 O.), charakterisiert ZeusJupiter als Dämonenführer (der dämonisierten Heidengötter) vgl. a. O. 8 (6, 36). Dasselbe gilt für Clem. Al. (Protr. 3, 24, 1; Strom. 5 c. 14; 92, 5), der von Euseb. v. K . benutzt wird (praep. ev. 4, 16, 12). Bei Origines ist jedes größere Laster durch einen Hauptdämon vertreten (F. J. D ö l g e r , Exorzismus 34f.), er setzt (c. Cels. 6, 43) Satan — Azazel = Belial, (8, 25) = Beelzebub. Im übrigen zeigt er die bekannte Zurückhaltung gegenüber dem Dämonenglauben. Die Lehre des Porphy-

559

Prokops „Geheimgeschichte"

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ríos von Sarapis-Pluto und Hekate als Dämonenfürsten interessiert wegen des Widerspruches der Väter (z. B. Eusebios von Kaisareia, Theodoretos). Pistis Sophia (gnostisch) nennt 5 άρχοντε; δαιμόνων: Παραπλήξ, Άριουθ, 'Εκάτη, Παρέδρων— Τύφων, Ί α ν α χ θ α ν α β α ξ ( j weiblich, 2 männlich). Lactantius kombiniert Henoch, Jubiliäenbuch und eigene Phantasie, wenn er von den im Dienst des Menschen depravierten Schutzgeistern spricht, deren Söhne als Schadengeister auf der Erde wirken. Beide Geistergruppen stehen im Dienst des Teufels (Div. inst. 2, 15). Eusebios v. K. führt (nach Polemik gegen Porphyrios) die Äquivalente der hebräischen Dämonenfürsten an: Drache, Schlange, Bestie, Löwe, Reptil (praep.ev. 7,16). Als Dämonenführer nennt er den Großen Dämon (μεγαλοδαίμωυ vgl. Is. 10, 13. demonstr. ev. 4, 9). Kyrillos von Jerusalem spricht den Dämonenfürsteri als Tyrannen und Paradiesesschlange an, der in der Dämmerung des Westens wohnt (Cat. 19, 3, 4). Athanasios läßt den Teufel als Fürsten, Christus als Despoten der Dämonen auftreten (Or. de incarn. verbi = MPG 25, 181/4). Basilius Magnus bezeichnet Christus als archistrategos und Satan als Dämonenführer im Generalsrang (αξίωμα δέ άρχικόν, Horn, quod deus non est auctor malorum c. 9 = MPG 31, 3 49 f.). Bei den hochgebildeten Kappadokern tritt mit dem Dämonenglauben auch der hierarchische Gedanke zurück, doch kennt auch Johannes Chrysostomos das teuflische Dämonenheer. Nach Gregor von Nyssa irrt Satan mit seinen Engeln Tag und Nacht durch den Luftraum, um Böses zu tun (de paup. am. MPG 46, 456). Er setzt Teufel = Beelzebub = Mammon = Fürst dieser Welt = Menschenmörder = Vater der Lüge. Maßgeblich für Jahrhunderte blieb die Vita S. Antonii des Athanasios. Der Dämonenfürst des Antonius trägt die Züge des Typhon und Leviathan. Vgl. R a h ne r (1942) 103 f. Ebenso aufschlußreich ist die Historia Lausiaca des Palladius (ed. Butler). Hier ist (18 = 49, 27 B.) von 70 Dämonen die Rede. Ferner erscheint (25 = 79, 22 B.) ein Dämon bei Nacht in Christi Gestalt mit 1000 Engeln, die Lampen und ein feuriges Rad mit sich führen. Theodoret polemisiert im Gefolge des Eusebios v. K. gegen Porphyrios, erkennt nur Satan als Dämonenfürsten an. Am Ende der Antike faßt Martin von Braga (corr. rust.) die Höllenhierarchie nochmals zusammen, steht aber ganz in der Tradition. Die Vorstellungen leben im ganzen Mittelalter weiter, wie z. B. die dämonologischen Schriften des Michael Psellos zeigen (namentlich de operatione daemonum, MPG 122), die in Auseinandersetzung mit der dualistischen Euchiten-Sekte zahllose sonst nicht mehr bezeugte Vorstellungen des Offenbarungszaubers und der Volksdämonologie der Spätantike überliefern. Vgl. D. O b o l e n s k y 183 ff. Literatur: ι . zum Namen: E. O. E. O w e n , Δαίμων Journal of Theological Studies 32 (1930/1) 133/53; 33 (1931/32) 132/50· 265/79; 35 (1934) 368/79; 37 (1936) 265/83. 39°/4°4· F ö r s t e r , Art. Δαίμων in Kittel, Theolog. Wörterb. z. NT Bd. 2 S. iff. (mit Lit.). 2. vorchristlich (nur einige Anhaltspunkte): B o n n e t , Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Bd. 1 (1952). K. E b e l i n g , Reallexikon der Assyriologie 2, 107/12. A. C h r i s t e n s e n , Essai sur la démonologie iranienne. Kopenhagen 1941. H. D u h m , Die bösen Geister im A T (Diss. Tübingen 1904). A. L o d s , Les origines de la figure de Satan, ses fonctions à la cour céleste. Mélanges Dussaud (1939) 649/60. A. J i r k u , Die Dämonen und ihre Abwehr im AT (1912). S c h e f t e l o w i t z , Altpalästin. Bauernglaube in religionsvergleichender Beleuchtung (1925). L. J u n g , Fallen Angels in Jewish, Christian and Mohammedan Literature: Jewish Quarterly Reviev 15, 16 (Philadelphia 1926).

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

559

F. A n d r e s , Art. Daimon: R E Suppl. Bd. 3 (1918) 267/322. Fr. P f i s t e r , Daimonismos: R E Suppl. Bd. 7, ioof. T a m b o r n i n o (s. u.) H. H e r t e r , Böse Dämonen im frühgriechischen Volksglauben: Rhein. Jahrb. Volksk. 1 (1950) 112/34. G . S o u r y , La démonologie de Plutarque (Paris 1942). 3. christlich (Auswahl) F. A n d r e s , Die Engellehre der griech. Apologeten des 2. Jahrh. und ihr Verhältnis zur griech.-röm. Dämonologie (1914). Ders.: Die Engel- und Dämonenlehre des Klemens von Alexandrien: Rom. Quartalschr. 34 (1926) 13/27; 129/40; 307/29. 0 . B a u e r n f e i n d , Die Worte der Dämonen im Markusevangelium (1927). R. B e r g e , Exeget. Bemerkungen zur Dämonenauffassung des Minucius Felix (Diss. Freiburg 1929). K . B e t h , Einführung in die vergi. Religionsgesch. 34f. Bibel-Lexikon, Herausg. Haag (Zürich 1951). J. B i d e z , Michel Psellus. Catalogue des manuscrits alchimiques grecs (Brüssel 1928) Bd. 6 (S. iooff.). W. B o u s s e t , Die Religion des Judentums 3 (1926). Ders.: Der Antichrist (1895). Ders.: Gnosis, Gnostiker: R E 7,1503/47. W . Β r e h i e r , Les idées philosophiques et religieuses de Philon d'Alexandrie 2 (Paris 1923). F . C . B u r k i t t , The Religion of the Manichees (Cambridge 1925). C. B u t l e r , The Lausiac History (1898/1904). C. C l e m e n , Religionsgesch. Erklärung des N T (1909). M. D i b e l i u s , Die Geisterwelt im Glauben des Paulus (1909). D a u s c h , Synoptiker i53f. (Lit.). A . D i e t e r i c h , Nekyia 2 (1913). F. J. D ö l g e r , Der Exorzismus im altchristl. Taufritual (1909). Ders.: Des Teufels Großmutter: Antike und Christentum 3 (1932) 153/76. S. E i t r e m , Some Notes on the Demonology in the N T : Symb. Osi. Suppl. 12 (1950). K . F e n n e r , Die Krankheit im N T (1930). J. G e f f c k e n , Z w e i griech. Apologeten (1907) 2 i 6 f . H. G r e ß m a n n , Ήκοινωνίατών δαιμονίων: Zeitschr. f. nt. Wiss. 20 (1921) 224/30. J. A . H i l d , Démon: Daremberg-Saglio, Dictionnaire 2, 9/19. K . H o l l , Enthusiasmus und Bußgewalt beim griech. Mönchtum (1928). J ü l i c h e r - B e r t h o l e t , Exorzismus: Die Religion in Geschichte u. Gegenwart 2, 274. H. J. K o r n , Peirasmos (1937). J. K r o l l , Gott und Hölle (1932). G . K u r z e , Der Engels- und Teufelsglaube des Apostels Paulus (1915). H. K u s c h , Cornelius Labeo: R A C 3, 429. E. Langton, La démonologie (Paris 1951, auch engl. Ausgabe), v . d. L e e u w , Geister: Die Rei. 1. Gesch. u. Gegenwart 2, 959f. E. L o h m e y e r , Die Versuchung Jesu: Zeitschr. f. systemat. Theol. (1937). M c C o w n , Testamentum Salomonis (1922). E. M a n g e n o t , D é m o n : Diet, de Théol. Cath. (Paris 1939) 321/409. B. Noack, Satanas und Soteria (Kopenhagen 1948). D . O b o l e n s k y , The Bogomils. A Study in Balkan Neo-Manichaeism. Cambridge 1948. T . K . O e s t e r r e i c h , Possession, Demoniacal and Others among Primitive Races, in Antiquity, the Middle Ages, and Modern Times (New Y o r k 1930). Ders.: DieBessesenheit (1921). C. P e d i c i n i , Demonologia e instaurazione del regno di Dio nel pensiero dei più antichi scrittori christian*: Rendiconti dell'Acad. Napoli 28 (1953). E. v. P e t e r s d o r f f , Dämonologie (1953). E. P e t e r s e n , Engel- und Dämonennamen. Nomina barbara. Rhein. Mus. 75 (1926) 393/421. P f i s t e r , Die στοιχεία του κόσμου in den Briefen des Apostels Paulus: Philologus 69 (1910) 411/27. Ders. Art. Beschwörung: R A C 2, 169^ M. P o h l e n z , V o m Zorne Gottes (1909). A . P o l z , Das Verhältnis Christi zu den Dämonen (1907). K . P r ü m m , Religionsgesch. Handbuch für den Raum der altchristl. Umwelt (1943) 386f. G . v. R a d , diabolos: Kittel, Theol. Wörterb. z. N T . H. R a h n e r , Pompa Diaboli (1931) 239/73. Ders.: Mysterium Lunae: Zeitschr. f. Kath. Theol. 63 (1939) 311/49; 64 (1940) 61/80, 121/31; Ders.: Antenna Crucis: Z K T h 64 (1940) 65 (1941) 123/53, 66 (1942) 89/118, 75 (1953) 129/73, 385/410. R. R e i t z e n s t e i n , Historia monachorum u. Historia Lausiaca (1916). R i e s e , Aberglaube: R E 1 (1893) 29/93.

5 6?

Prokops „Geheimgeschichte"

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R o s k o f f , Gesch. d. Teufels (1869). B. R u b i n , Der Fürst der Dämonen: Byzantin. Zeitschr.44 (1951) 469/81. Ders.: Prokopios von Kaisareia (1954) 59 = R E 2 } S p . 333· S a t a n . Études carmélitaines (Paris 1948). E. S c h n e e w e i s .Angels andDemons according to Lactantius (Washington 1954). C. S c h n e i d e r , Geistesgeschichte des antiken Christentums (1954). J . H . S c h o e p s , Aus frühchristlicher Zeit (1950). J. S c h ü m m e r , Die altchristl. Fastenpraxis (1933). S c h w a r t z k o p f , Der Teufels- und Dämonenglaube Jesu: Zeitschr. f. Theol. u. Kirche 8 (1897) 281/330. J. S m i t , De Daemoniacis in historia evangelica (Rom 1913). E. S t a u f f e r , Die Theologie des N T (1941) J. S t i g l m a y r , Die Engellehre des sog. Dionysios Areopagita: Compte rende du 4 e congr. intern, des catholiques (Fribourg/Suisse). 403/14. G. S u l z e r , Die Besessenheitsheilungen Jesu (1921). G. S w o b o d a , La démonologie de Michel Psellos (Brünn 1927). H. T a m b o r n i n o , De antiquorum daemonismo (1909). P. T i l l i c h , Das Dämonische (1926). J. de T o n q u é d e c , Les maladies nerveuses ou mentales et les manifestations diaboliques (Paris 1938). P. T o u r n i e r , Bibel und Medizin (Zürich 1953). J.H. W a s z i n k (E. S t e m p l i n g e r ) , Art. Besessenheit: R A C 2, 183F. M. W e l l n h o f e r , Die thrakischen Euchiten und ihr Satanskult im Dialoge des Psellos: Τιμόθεος ή περί των δαιμόνων. Byzantin. Zeitschr. 30 (1929/30) 477/84· Η. W e i n e l , Die Wirkungen des Geistes und der Geister (1899) J. W e i ß , Dämonen, Dämonische: Herzog-Hauck, Realenz. f. protest. Theol. u. Kirche. C. Z e r v o s , Un philosophe néoplatonicien du XI è m e siècle: Michel Psellos. (Paris 1919) 202. Für die allgemeine (auch außereuropäische) Dämonologie sind heute noch wichtig die Länderartikel in: Encyclopedia of Religion and Ethics (Art.Demonology). Für die Vorgeschichte vergleiche man etwa: W ö l f e l in: Christus und die Religionen der Erde. Für Ethnologie und Folklore: J. G. F r a z e r , The golden bough (Ausgabe 1951 in 13 Bd.). Über die vorgeschichtlichen und ethnologischen Grundlagen hinaus ( F r a z e r , W ö l f e l a. O.) sind Medizin und Psychologie an der Erforschung der Dämonologie beteiligt. Es genügt, an die Auswirkung der Freudschen Lehren und die zahlreichen Arbeiten von C. G. J u n g auf diesem Gebiet zu erinnern. Etwa: C. C l e m e n , Die Anwendung der Psychoanalyse auf Mythologie und Religionsgeschichte (1928) (als Probe aus der Freudschen Ara). C. G. J u n g , Symbolik des Geistes (Zürich 1948) (mit einem wichtigen Beitrag von R i w k a h S c h ä r f über die Entwicklung der jüdischen Satanlehre). Tibetanisches Totenbuch. Herausg. v. W. Y . Evans-Wentz (1936) (mit einer Einleitung von C. G. J u n g ) . O. H a e n d l e r , K o m plexe Psychologie und theologischer Realismus. Ein Literaturbericht über C. G . Jung und seinen Kreis. Theolog. Literaturzeitung 78 (1953) 199/216. Wichtigste Materialsammlung für „Besessenheit": J. S m i t a. O . 660

561 E. L a n g t o n (La démonologie. Paris 1951) hat nachdrücklich auf die energische Tonart des synoptischen Jesus gegenüber Dämonen und Besessenen aufmerksam gemacht. 562 Mt 9, 34 Mc 3, 22 Lc I i , 15. i8f. 563 Iran: C h r i s t e n s e n a. O. Indien: H. O l d e n b e r g , Die Religion des Veda 4 (1923). Älterer Uberblick in: Encycl. of Religion and Ethics. Zur Entartung vergleiche man namentlich die Spezialliteratur über den Mahayana-Budhismus und die Entwicklung in Tibet. 564 o. Anm. 559 mit Lit. 565 o. Anm. 559 mit Lit. 566 R. H e i n z e , Xenokrates (1892). Gute Ubersichten bei F. A n d r e s a. O. (namentlich R E Suppl. Bd. 3, 267fr.) und Th. H o p f n e r , Griech. ägyptischer Offenbarungszauber (1922/24).

667 Jubiläen: äthiopisch und lateinisch überliefert, vermutl. 2. Jahrh. v. Chr. aramäisch oder neuhebräisch abgefaßt. Vgl. K a u t z s c h , Apokryphen und Pseudepigraphen 2, 34. Die Stellen: 10, 8 = Kautzsch 2, 58. 11, 5. 11 f. = Kautzsch 2, 60f. Gute metrische Übersetzung bei P. R i e ß l e r , Jüd. Schrifttum außerhalb der Bibel

460

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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(Augsburg 1928) 567, 570). Vgl. R. C h a r l e s , The Book of Jubilees (London 1902). Ders. : The Book of Enoch (London 1912). F. M a r t i n , Le livre d'Henoch (Paris 1906). Zur spätjüdischen Dämonologie und ihrer „Hierarchie" sollen wegen der grundlegenden Bedeutung für die christliche Entwicklung noch einige Nachweise folgen. Rabbinisches, pseudepigraphisches und tannaitisches Judentum stimmen trotz unterschiedlicher Auf fassung in Einzelfragen mit dem altsemitisch verwurzelten Volksglauben überein, daß die ganze Welt von unzählbaren Dämonenscharen bevölkert ist. Vgl. S t r a c k - B i l l e r b e c k , Kommentar z. N T aus Midrasch und Talmud 4, 506. Noack a. O. 15 f.). Nach rabbinischer Ansicht sind die D. spezifische Schadengeister, als maßgeblicher Dämonenfürst gilt nicht Satan, sondern Aschmudai (Asmodaeus). Von größter Bedeutung wurde für N T und Patristik die Dämonologie der Pseudepigraphen (Henochbücher, Jubiläen, Testamentum Salomonis, Test. XII Patr. usw.). Hier herrscht ausgebildete Hierarchie der unter Satan und anderen Dämonenfürsten zentralisierten, im Unterschied von AT und rabbinischer Literatur durch Verführerrolle charakterisierten Schadengeister. Die at. Entwicklung des Theodizee-Problems wird weitergeführt, Gott endgültig von der Urheberschaft am Bösen entlastet. Die Grenze zur Angelologie bleibt wie im AT unscharf, D. und Engel sind nicht nur genetisch durch die Lehre vom Engelfall (1 Henoch 12, 4; 13, 3; 39, 1), sondern durch animistische Züge verknüpft. Die Wind- und Wolkengeister (Jub. 2, 2), die Geister des Meeres, Reifes, Nebels usw. (1 Hen. 60, 16 f.) seien herausgegriffen. Das Henochbuch baut die Anregungen von Gen. 6 und Hiobprolog mythologisch großartig aus durch seine berühmte Herkunftshypothese: Engelfall, Giganten. Neben der Herkunftslehre hat die Hierarchie der Dämonen am nachhaltigsten gewirkt, ohne vom ursprünglich nüchterneren Christentum je wieder in ihrer wirren Phantastik erreicht zu werden. Wichtigste Dämonenfürsten sind: 1. Satan. Funktionen: Verführer, Ankläger, Henker. Er bleibt weiterhin die populärste Gestalt. 2. Mastema. Vgl. Bousset, Religion d. Judentums 333. 3. Belial (Beliar) 4. Sammael (Erfinder des Weinbaues, Paradiesesschlange, Erzsatan). Eine förmliche Liste von Dämonenfürsten bringt 1. Hen. 6, 7: Semjaza, Arakiba, Rameel, Kokabiel usw. Ähnliche Liste 1 Hen. 69, 1 mit Anführern über 100, 50 und 10 Dämonen. Im sog. Test. Sal. treten zahlreiche Dämonen auf: Ornias, Epiphas (Wind), Asmodaeus, Beelzebub usw. Vgl. H o p f n e r , Offenbarungszauber 1, 41. Hier werden die Dämonen der Dekansterne erwähnt. Test. Sal. zeigt hierarchisch besonders klar die Unterordnung jedes einzelnen Dämon unter einen Engel. Test. XII Patr. und Asc. Is. behandeln die D. psychologisch als Personifikationen schlechter Eigenschaften, Belial an der Spitze. Sie arbeiten damit der modernen Psychologie vor. Kaum vorhanden sind Dämonen in den Makkabäerbüchern und Jesus Sirach mit ihrem hellenistisch-philosophischen Einschlag. Vgl. L. G i n z b e r g , The Legends of the Jews 1/6 (London o. J.). 568

ι Hen. 69, 4 ; 6, i f . 40, 7 ; 53, 2 und öfter. Bengt S e e b e r g , Die Geschichtstheologie Justins des Märtyrers. Berlin 1939. R u b i n , Der Fürst der Dämonen 474. Zum Uberblick über die Entwicklung vergleiche man den historischen Abtiß bei Mangenot a. O. 570 M a n g e n o t a. O. 571 R u b i n a . O. 476. 6,2 Orig. Cels. 8, 63. 573 Athenag. Supplie, c. 24 = V I I 130 Otto. R u b i n a. O. 475. 571 Rubin a. O. 478. 575 M P G i i j , 1 0 4 4 B . R u b i n a. O. 478 576 Martyr. S. Acindyni et soc. M P G 116, 32. Sym. Metaphrastes. R u b i n a. O. 479. 669

583

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577

Ein Überblick des Verfassers über die Probleme der Dämonologie ist in Vorbereitung (RAC, Art. Geister, Dämonen).

878 Vgl. unten den Schluß von Kap. 18 der Geheimgeschichte, in dem Prokop enthüllen will, was der Kaiser „aus verborgener Macht und dämonischer Natur den Menschen Böses antat". Man 2weifelte, ob allein die Gegenwart und das Wirken des kaiserlichen Dämon alles Übel entfessle, oder, ob die Gottheit (τό θείον Herodots) im Zorn über seine Taten verderblichen Dämonen Raum gab. Es folgt die Aufzählung von Naturkatastrophen, selbst die Pest wird angeführt. P v K 25, 72, 173 f. 236, namentlich i22f. In der Kriegsgeschichte beobachtete Prokop nicht weniger exakt als Thukydides und ermöglichte es, die Pest von 5 42 nach dem Stand der heutigen Loimologie als Bubonenpest festzulegen. Vgl. Benno von H a g e n , Die Pest im Altertum, Jena 1939. T. Lucretius Caras (rer. nat. V I 1088ff.) schreibt die Peststoffe dem Luftreich zu. Da der Luftraum zu den bevorzugten Aufenthaltsorten der Dämonen gehört, ergibt sich eine weitere dämonologische Ätiologie der Seuche. Das Gegenstück zur Auffassung Prokops findet sich in den Novellen Iustinians (77 c. 1), wo der Kaiser seine Untertanen ermahnt, vom Schwören bei Gott und allen gotteslästerlichen Reden abzulassen, weil wegen derartiger Vergehen Hungersnot, Erdbeben und Pest entstehen. Die Novelle ist ohne Unterschrift überliefert, wird von der Epitome Theodori auf das Konsulatsjahr Beiisars (535) datiert. Dem schließt sich Zachariae an, während F. A. B i e n e r (Geschichte der Novellen Iustinians. Berlin 1824) an das Jahr 538/39 dachte. Auf jeden Fall stammt die Novelle noch aus der Zeit v o r der großen Pest des iustinianischen Zeitalters, was den Wert der Aussage noch erhöht. Theod. : ΈξεφωνήΘη μηνΐ ίουυίω ύττατεία Βελισαρίου. Die Epitome ist verfaßt von Theodoras Scholasticus Hermupolitanus Thebanus, einem Advokaten in Konstantinopel, der seinen Auszug c. 572—602 verfertigte. Vgl. W e n g e r , Quellen 672. Die Väter schreiben den Dämonen Wissen um geheime Naturkräfte und die Zukunft zu, doch werden Einschränkungen gemacht: das Wissen des Teufels und der bösen Dämonen sei beschränkt (so lust. Mart, bei Iren., Adv. haer. 5, 26). Für Naturkatastrophen werden Dämonen verantwortlich gemacht, doch hängt das nur teilweise und indirekt mit vorchristlicher und christlich nachwirkender animistischdynamistischer Dämonologie der Urzeit zusammen. Die christliche Dämonologie ist anthropologisch eingestellt und leitet das Wirken der Dämonen in Natur und Menschenwelt von den menschenmörderischen Absichten des Teufels ab. Darüber hinaus knüpft sie eine enge Beziehung zwischen Dämonenwirken und Sündhaftigkeit des Menschen, zwar noch nicht voll ausgeprägt beim synoptischen Christus, dagegen fast überbetont beim johanneischen. So illustrierten Prokop und die erwähnte Novellenstelle durchaus die volkstümliche christliche Auffassung vom Wirken der Dämonen in der Natur. 679

Ρ An 6, 18—25. Vgl. Anm. 583. 681 Suidas-Suda s. ν. τεκμήριον spricht zwar von Theodora, doch ergibt sich aus der Fortsetzung eindeutig, daß Iustinian gemeint ist. 582 p v K 2 ? 5 = R E 2 2 S p . 5 5 o f > 680

583

Nachweise zur Topik des Kapitels 18 der Anekdota

ι. das „Rundgemälde der verwüsteten Welt" und die literarische Tradition der Völkerkataloge Die Anlage des Kapitels 18, ebenso wie der Rede der Armenier (Ρ II 3) erinnern nicht nur an die von Appian entlehnte geographische Einleitung der prokopschen Werke (namentlich „Kriegsgeschichte" und „Bauwerke") nach Kriegsschauplätzen bzw. Landschaften. In der hier vorhegenden Ballung zum „Rundgemälde" offenbart

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Anmerkungen : Reichsidee und Kaiserkritik

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sich formale Abhängigkeit von literarischen Mustern. Wir können das Schema der „Völkerkataloge" nächst den Dichtern am besten bei Flavius J o s e p h u s und bei T a c i t u s beobachten. Die Rede des A g r i p p a (Jos. bell. jud. II 16 [345—401]) läßt die den Römern im ersten nachchristlichen Jahrhundert unterworfenen Völker aufmarschieren. Agrippa warnt vor dem geplanten bewaffneten Aufstand und erinnert zunächst an das Schicksal der eigenen jüdischen Vorfahren. Dann beruft er sich auf die Romhörigkeit altberühmter Kulturvölker und der kraftvollsten „Barbaren": Athen, Lakedaimon, das Makedonien eines Philipp und Alexander erscheinen vor dem geistigen Auge. Kelten, Germanen, Hellenen, Makedonen und die (ehemals makedonischen) fünfhundert Städte Asiens — sie alle dienen Rom. Nun wird die Übersicht streng geographisch. Das Schwarzmeergebiet: Heniocher, Kolcher, Taurer, Bosporaner, die nomadischen Völkerschaften um Pontos und Maiotis. Kleinasien: Bithynien und Kappadokien, die Pamphylier, Lykier, Kilikier. Der Balkan: Thraker, Illyrer, Daker, Dalmater. Spanien: Die Iberer, von denen die Lusitaner und Kantabrer genannt werden. Es folgen die Germanen und Britannier, wobei der Blick zu den anderen halbgezähmten Reichsfeinden, den tributhörigen Parthern, schweift. Afrika : Das Ende der Karthager zuckt auf, der Reigen der Unterworfenen schließt mit den Kyrenäern, den Marmariden, Nasamonen, Mauren und den unzähligen Nomaden, den Äthiopern und Ägyptern. Vgl. F r i e d l ä n d e r , Index lectionum. Königsberg 1873. R i t t e r l i n g R E 12, 1361. W. W e b e r , Josephus und Vespasian (Stuttgart 1921) 85 fr. Wilhelm W e b e r macht in hohem Maße wahrscheinlich, daß die sachlichen Angaben der Agripparede dem einleitenden Abschnitt der commentarli des Vespasianus entstammen (a. O. 15 4 , 86, 108, 124). Der Rede liegt ein libellus von der Art des 23 n. Chr. von Tiberius abgelegten Rechenschaftsberichtes (s. u.) zugrunde. Es bleibt fraglich, ob diese Vorlage von Josephus unmittelbar benutzt wurde oder mittelbar, indem die tiberianische (oder spätere) Reichsübersicht dem Anfang der commentarli einverleibt war (W. W e b e r , Princeps I. Stuttgart 1936. Anm. 310). Die Eingangskapitel der commentarli des Vespasianus hätte man sich nach Analogie des Anfangs von Tacitus' Historien zu denken. Das Schema des T a c i t u s entspricht dem des Josephus. Im Kapitel 2 des 1. Buches der Historien steht zunächst ein kurzer Rundblick: prosperae in Oriente, adversae in Occidente res: turbatum Illyricum, Galliae nutantes, perdomita Britannia et statim otnissa: coortae in nos Sarmatarum ac Sueborum gentes, nobilitatus cladibus mutuis Dacus, mota etiam prope Parthorum arma falsi Neronis ludibrio, iam vero Italia novis cladibus vel post longam saeculorum seriem repetitis adflicta. Ebenso wie im Kapitel 18 der Anekdota wendet sich die Übersicht hierauf der Innenpolitik zu. Kapitel 3 setzt odio et terrori der innerrömischen Angelegenheiten zunächst einige exempla der immerhin nicht ganz ausgestorbenen virtutes entgegen und lenkt den Blick von den rerum humanarum casus auf die prodigia der Götter. Die Kapitel 4—11 wiederholen und erweitern Kapitel 2 als großzügige Überschau des rerum Romanorum status. Davon schildern die Kapitel 8—Ii den habitusprovinciarum, entsprechen also inhaltlich der Rede des Agrippa—freilich mit umgekehrtem Vorzeichen. Dort elogium Flavianum des jüdischen Renegaten — hier nüchternes rationarium eines skeptischen Römers. Tacitus behandelt Spanien, Gallien, die „germanischen Heere", Britannien, Illyrien, den Orient mit Syrien und dem bellum Iudaicum, das vizekönigliche Ägypten, Afrika und schließlich ganz kurz die kleinen prokuratorischen Provinzen, die beiden Mauretanien, Raetien, Noricum und Thrakien. Damit schließt die Einleitung der Historien, die dem Leser in zweimaligem Anlauf die Lage des Reiches in entscheidender Zeit vor Augen führte.

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Prokops „Geheimgeschichte"

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Die zweifellos offizielle Herkunft all dieses Materials lenkt den Blick zurück zu den hochoffiziellen T e s t a m e n t s S c h r i f t e n des A u g u s t u s . Z u diesen W . W e b e r , Princeps 58ff. Die erste ordnet das Begräbnis (Sueton, Aug. 101, 4; Cass. Dio 56, 33, 1). Die zweite (Sueton und Cass. Dio a. O.) ist der berühmte Tatenbericht, die inschriftlich in Ankyra, Antiocheia und Apollonia erhaltenen Res gestae divi Augusti. Die dritte Schrift, die in diesem Zusammenhang hauptsächlich interessieren würde, ist wie die erste leider verloren. Es war das breviarium totius imperii (Sueton, Aug. 101, 4 vgl. Tacitus ann. I n , Cass. Dio 56, 33, 2) und verzeichnete die Steuern, Heeres- und Flottenstärke, Truppendislokation, insbesondere aber quot . .. regna, provinciae. Eine vierte Schrift enthielt politische Ratschläge, also das eigentliche politische Testament (Cass. Dio 33, 3—6; W e b e r , Princeps 67ft.). In diesem Zusammenhang ist auch an den ebenso praktischen wie propagandistischen Wert der verlorenen Weltkarte des Agrippa zu erinnern. Vgl. hierzu F. C h r i s t , Die römische Weltherrschaft in den antiken Dichtung, (Stuttgart 1938) 8. Den Verlust des breviarium ersetzen einigermaßen die Kapitel 26—-33 der Res gestae divi Augusti. Der Kaiser erweiterte die Grenzen aller Provinzen, die an nicht unterworfene Völkerschaften stießen. Er nennt Gallien, Spanien und das Alpengebiet, pocht auf das fast gleichzeitig erfolgte Vordringen ins Kumbernland, nach Äthiopien und Arabia felix, die Erwerbung Ägyptens und die Suzeränität von Armenien. Alle Provinzen östlich der Adria und Kyrene, die schon zum großen Teil im Besitz von Königen waren und schon vorher das im Sklavenkrieg besetzte Sizilien und Sardinien hat er zurückgewonnen. Weiter spricht Augustus von zurückeroberten römischen Feldzeichen (Spanier, Gallier, Dalmater, Parther), vom Sieg über die Pannonier, der Ausweitung der Grenzen von Illyricum bis an die Donau und den Niederlagen der Daker. Gesandtschaften und Freund schaftsgesuche schickten Könige aus Indien, die Bastarner und Skythen, die Könige der transtanaitischen Sarmaten und die Könige der Albaner, Iberer und Meder. Als Flüchtlinge kamen Könige der Parther, Meder, Adiabener, Britanner, Sugambrer, Markomannen, Sueben. Der Partherkönig Phraates sandte aus Freundschaft seine Kinder und Enkel nach Italien zu Augustus. Zahlreiche Völker, mit denen es vorher keinen Austausch von Freundschaft und Gesandtschaft gegeben hatte, lernten unter diesem Prinzipat die fides des römischen Volkes kennen. Schließlich empfingen die Parther und die Meder Könige von Augustus. Trotzdem wiegt der Verlust des breviarum schwer. Wir besitzen die selbstbiographische, vermissen die sachliche Quelle, die das geographische Rundbild der Völkertafel zweifellos weit nüchterner, gründlicher und gleichmäßiger zeichnete. Eine Schrift von der Art des breviarium mit Übersicht über die Provinzen muß auch das rationarium imperii (Sueton, A u g . 28, 1; Cass. Dio 53, 30, 1) gewesen sein. Nach dem Zeugnis des Cass. Dio enthielt dieses Biblion Angaben über Truppenstärke und öffentliche Einkünfte. Augustus übergab es seinem Mitkonsul Piso, als er23 v. Chr. totkrank und bereits von denÄrzten aufgegeben war. Da Augustus wieder gesundete, wird das Werk kaum jemals veröffentlicht worden sein (W. W e b e r , Princeps I 61 f.). Dagegen hat man die rationes imperii ab Augusto proponi sólitas sed a Tiberio intermissas (Sueton, Cal. 16, 1; Cass. Dio 59, 9, 4) lediglich als R e i c h s - K a s s e n b e r i c h t e aufzufassen. Tiberius hat zum letztenmal im Jahre 23. n. Chr. eine ratio imperii herausgegeben. Aus Anlaß der Decennalien seines Imperium proconsulate maius erfolgte die Veröffentlichung in wesentlich erweiterter Form, die dem augusteischen breviarium totius imperii (14 η. Chr.) entsprach (W. W e b e r , Princeps I 66f.).

464

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

583

T a c i t u s hat diesen Rechenschaftsbericht in einem Exkurs des vierten Buches seiner Annalen verarbeitet. E r spricht nicht von Decennalien, sondern begründet die Reichsübersicht mit dem Plan des Tiberius, im Jahre 23 η. Chr. in die Provinzen zu reisen. Der Exkurs zerfällt in zwei Teile, deren erster als militärischer habitus provinciarum (numerum legionum et quasprovincias tutarentur . . . quae tunc Romana copia in armis, qui sodi reges, quanto sit angustius imperitatum. Ann. IV 4) den betreffenden Teilen des breviarium entspricht {quantum civium sociorumque in armis quot classes regna provinciae . . . Ann. I 11). Es werden genannt die Streitkräfte bzw. Bundesverhältnisse von Italien, Gallien und Germanien (rheinische Legionen), Spanien, den Mauren, dem übrigen Afrika, Ägypten, Syrien bis zum Euphrat, Iberern, Albanern und weiteren Schutzkönigreichen, Thrakien, Pannonien, Mösien, Dalmatien und schließlich der Hauptstadt (Tac. ann. IV 5). Zum Princeps zuletzt: L. W i c k e r t , R E 23 (1957) 1998/2296. Mit diesen Andeutungen ist ein Teil der r ö m i s c h e n Wurzeln der, wenn man so sagen darf, mit geographischen Mitteln weitergeführten Politik Prokops aufgezeigt. Die Linien erschöpfend nachzuzeichenen, wäre gleichbedeutend einer Geschichte der griechischen und römischen Ethnographie sowie des römischen Rechnungswesens. Zu den griechisch-hellenistischen Grundlagen vergleiche man die Bemerkungen von E. N o r d e n (Rhein. Mus. 54 [1899] 466f.). Die wichtigste Reichsübersicht der Spätzeit besitzen wir in der berühmten Notitia Dignitatum. Für das Zeitalter Iustinians ist auch die Spiegelung von Statistik und Rechnungswesen in der Notitia der Novelle 8 zu beachten. Neben den Geographen bzw. ihrer Tendenz zur „Politischen Geographie" wären namentlich die geographischen Exkurse aller Historiker zu untersuchen. Aber auch die Dichter steuern seit dem „Schiffskatalog" Homers reiches Material zur Verquickung von Geographie und politischer Propaganda bei. Es genügt, an das von F. C h r i s t gesammelte Material zu erinnern (Die römische Weltherrschaft in der antiken Dichtung. Stuttgart 1938 S. 29—46). Die römischen Völkerkataloge beginnen mit V e r g i l (Georg. 3,24). Vgl. weiter: Aen. 8, 722; H o r a z , carm. 4, 14, 41 ff., T i b u l l , Panegyricus Messallae i 0 7 f f , 135 ff.; S e n e c a , apoc. 12 (die Feldzüge nach Britannien werden hier ebenfalls satirisch behandelt). L u c a n u s , Pharsalia 7, 426ff. (mit Aufzählung aller n o c h nicht unterworfenen Völker); C l a u d i a n u s , Paneg. Prob, et Olybr. cos. 131ÎÏ. (völlig rhetorische und fiktive Gegenüberstellung der Grenzen des Reiches); Paneg. de quart, cos. Hon. Aug. 24fr., z ^ f t . (fingierter Fürstenspiegel des Theodosius): tu licet extremos late dominere per Indos, te Medus, te mollis Arabs, te Seres adorent. Am häufigsten werden als Grenzvölker die Germanen und Parther genannt. Strab. 17, 3, 24 und Philo, leg. ad Gaium 10 verstehen den orbis Romanus als οίκουμένη im eigentlichen Sinne, alles außerhalb als wild und barbarisch. Für Schriftsteller wie Josephus und Prokop, die aus syrisch-palästinensischer Umwelt stammen, ist ferner zumindest gefühlsmäßig mit einem Einfluß des j ü d i schen W e l t h e r r s c h a f t s g e d a n k e n s zu rechnen. Insbesondere ist zu beachten, daß der verwandte Universalismus zu verwandten literarischen Ausdrucksformen geführt hat. Auch die hebräische Literatur kennt, selbstverständlich unabhängig von der griechisch lateinischen, das Ausdrucksmittel des Völkerkatalogs. Man vergleiche die Völkertafel 10, 1—32 und „Buch der Jubiläen" 8, 12—9, 15 (P. R i e ß l e r , Jüd. Schrifttum außerhalb der Bibel. Augsburg 1928 S. 563ff.). Unwillkürlich denkt man an Moses auf dem Berg Nebo (Deuteron. 3, 27; 34, 1) und an Satan, der Jesus die Reiche der Welt und ihrer Herrlichkeit zeigt (Mt 4, 8; Lc 4, 5). Zum jüdischen

58;

Prokops „Geheimgeschichte"

465

Weltherrschaftstraum: H. G r o ß , Weltherrschaft als religiöse Idee im Alten Testament. Bonn 1953. Geo W i d e n g r e n , Sakrales Königtum im Alten Testament und im Judentum. Stuttgart 1955. Die Arbeiten von Theologen über diesen Gegenstand leiden freilich durchgehend an Unterbewertung und Verzeichnung der politischen Aspekte. Weiteres Material o. Anm. 217. 2. Sonstige wichtigere Topoi Beispiele für den vielgebrauchten Topos der „Neuerungssucht" (novis rebus studens, νεωτεροποιός, νεωτερίζειυ) erübrigen sich fast. Vgl. Ρ An 18, 12 ού γαρ μένειν έν τοις καθεστωσί ποτέ ΐσχυεν, άλλά ξυγχεϊν τε καΐ άναθολοΰν έπεφύκει πάντα. Ρ An 6, 21 καΐ φυλάσσει ν μέν των καθεσταμένων ουδέν ήξίου, άπαντα δέ νεοχμοϋν Is άεΐ ήθελε, και τό ξύμπαν είπεϊν, μέγιστο? δέ ούτος (ήν) διαφθορεύς των εύ καθεστώτων. Ρ An i l , 2 όπως δή άπαντα νεωτερά τε και αϋτοΟ επώνυμα είη. Ρ II 6 ό μέν γάρ νεωτεροποιός τε ών φύσει και των οϋδ' όπωστιοϋν αύτφ προσηκόντων έρών, μένειν τε ού δυνάμενος έν τοις καθεστωσί. . . Vgl. Thuk. I ηο νεωτεροποιοί I 97 ξυμμάχους νεωτερίζοντα; Cicero, Catil. I ι, 3; Caesar, bell. Gall. I 9, 3; Tac. hist I 5, usw. Neben dem geographischen Aufbauprinzip des Anekdotakapitels 18 und der Rede der Armenier Ρ II 3 ist vor allem das Motiv des Nichtgenügens, der Unersättlichkeit, altüberliefertes Formengut. Der Wert der Aussage für das Zeitalter Iustinians wird aber hierdurch nicht angetastet. Vgl. Ρ II 3, 42 ή γή τόν άνθρωπον ού χωρεί ξύμπασα" μικρόν έστιν αύτω πάντων όμοΰ των ανθρώπων κρατεϊν. ό δέ καΐ τον αΙθέρα περισκοπεΐ και του; υπέρ τόν ώκεανόν μυχούς, άλλη ν αΰτω τίνα οίκουμένην περιποιεϊσθαι βουλόμενος. Vgl. los., bell. lud. II 16 (363) ού γάρ έξήρκεσεν aÚTOís όλο; 'Ευφράτης υπό την άνατολήν, ουδέ των προσαρκτίων ό "Ιστρος, ή τε μεσεμβρινή μέχρι των άοικήτων έρευνηθείσα Λιβύη, καί Γάδειρα προς έσπέραν' άλλ' ύπέρ ώκεανόν έτέραν è ζήτησαν οίκουμένην, καΐ μέχρι των ανιστόρητων πρότερον Βρεττανών διήνεγκαν τα όπλα. Tac. Agricola 30 raptores orbis,postquam cuneta vastantibus defuere terrae, mare scrutantur: si locuples hosfis est, avari, si pauper, ambitiosi, quos non Oriens, non Occidens satiaverit: soli omnium opes atque inopiam pari adfectu concupiscunt. auferre trucidare rapere falsis nominibus imperium, atque ubi solitudinem faciunt, pacem appellant. Mit solitudinem klingt zuletzt selbst der Entvölkerungsgedanke Prokops an. Das Motiv der Unersättlichkeit fehlt in den Anekdota vielleicht, weil das aristophanische Zitat hier auf die dogmatische Tiftelei Iustinians angewandt wird: Ρ An 18, 29 περισκοπών μέν τα μετέωρα, περίεργος δέ άμφΐ τη του θεού φύσει γινόμενος. Ρ II 3 > 43 αΙΘέρα περισκοπεΐ. Aristoph. Neph. 225 άεροβατώ καί περιφρονώ τόν ήλιον; 228 τα μετέωρα πράγματα; 360 μετεωροσοφιστών. Vgl. Ρ An 13, 1 1 επειθον γάρ αύτόν ot κολακεύοντες ούδενί πόνω ότι μετέωρος άρδείη καί άεροβατοίη. Ρ An 20, 22 (über Konstantinus) άεροβατων τε καί πάντας άνθρώπους περιφρονών. Vgl. C o m p a r e t t i , Le Inedite 265. Zum literarischen Motiv der „Luftfahrten": P v K 271. Zum Aristophaneszitat auch: Paulos Silentiarios Ekphr. 125 κυαμοτρώξ 'Αττικός (Ar. equ. 41). Der Terminus σμικρολογία = Kleinigkeitskrämerei (P An 18, 29) wird auch zur Brandmarkung des alten Generals Bessas gebraucht (Ρ V I I I 1 3 , 1 1 ) . Er bezeichnet den denkbar größten Gegensatz zur μεγαλοψυχία des offiziellen Herrscherbildes. Vgl. Polybios 32, 13, 16 καταπεπληγμένοι μέν τήν τοϋΣκιπίωνος μεγαλοψυχίαν, κατεγνωκότες δέ της αύτών μικρολογίας. Besonders häufig setzt Platon den Ausdruck, z. Β. rep. V I 486. Im Zusammenhang mit dem Kaiserbild wird er besonders bei der Charakterisierung des „Kümmelspalters" Antoninus Pius verwendet σμικρολογία, ακριβολογία, κυμινοπρίστης Iulian. Caes. 312 A , Dio ep. 70, 3, 3. Vgl. Marc, είς á. I 16 τωνέλαχίστων προδιοικητικόν. Ρ. ν. R o h d e n , R E 2, 2609f.; W. W e b e r , Rom, Herrschertum und Reich (Stuttgart 1937) 235. Rubin, Iustinian X X X

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserktitik

584

Der Topos έρημος ανθρώπων (Entvölkerungsgedanke) durchzieht Kriegs- und Geheimgeschichte und findet seine höchste Steigerung in Kap. 18. V g l . P v K 29, 72, 76, 1 3 2 , 1 5 2 , 1 5 4 , 275. Dort erinnerte ich ( 1 3 2 ) an Priskos fr. 1 (Exc. de leg. I 1 2 4 , 1 2 D e Boor) als mögliches Vorbild Prokops. Daneben ist jedoch auch an die Formel βδέλυγμα τήξ έρημώσεως in A T , N T , patristischer sowie vor- und nachchristlicher jüdischer Literatur zu denken: Dan 8,13 9,27 1 2 , 1 1 ; 1 Macc 1 , 5 4 ; M t 24,15 M c 1 3 , 1 4 usw. So verzahnt sich der T o p o s mit dem Antichristgedanken. 584 Ρ An 8, 13—21. Vgl. R u b i n , Der Fürst der Dämonen 478, 480. Das Motiv des Schindens war der damaligen Welt vertraut durch die Sagen um Marsyas, durch die Legenden um den Apostel Christi S. Bartholomaeus und die Hinrichtung des „Häretikers" Mani in Gundïshâpûr (BethLapäth), der Hauptstadt der persischen Provinz Uazaine (Susiane, Ahwäz, Hüsha, Elymals, heute Chüzistan) vgl. R u b i n , Uazaine. R E 8 A Sp. 525 f. 585 Ρ An 8, 24. 586 Zonaras X I V 16. 587 P v K 73f. = R E 23 Sp. 346ff. 588 Ρ An 8, 23—33. 689 Ρ An 1 3 , 1 — 3 . 690 Ρ An 22, 30. 591 Ρ An 27, 2. 592 Ρ An ι , 9 Σεμιράμιδος άκόλαστον βίον ή την Σαρδαναπάλου καΐ Νέρωνος μανίαν. 593 Ρ An ι , 9· Nero wird hier weder als Antichrist noch als Dämonenfürst, sondern als Beispiel eines Rasenden (μανίαν) angeführt. Dank den (auch Prokop bekannten) Sibyllinischen Büchern und anderen Erwähnungen in der Literatur war Neros Antichristeigenschaft vielleicht noch mehr in aller Munde als die Domitians. Ein Widerspruch besteht da nicht, da jeder schlechte Herrscher den Antichrist verkörpern kann. Die oben besprochenen Erwähnungen Domitians bei Prokop legen jedoch nahe, daß der Antichrist Domitian (schon als gleichzeitige Zielscheibe der Senatspropaganda) ihm noch vertrauter war als der Antichrist Nero. 694 Ρ An 9 f. 595 Vgl. o. Anm. 150. 696 Ρ An 30. P v K 297. Die vor allem in Iran übliche Proskynese wurde bereits von Herodot (I 136) eindeutig als Vergöttlichung des Herrschers herausgestellt. Alexander d. Gr. versuchte sie im Frühjahr 327 in das Hofzeremoniell einzuführen. E r drang nicht durch, doch wurde dem toten Alexander bzw. seinem „Leeren Thron" die Proskynese erwiesen (Diod. Sic. 18, 61 ; vgl. Ch. P i c a r d , Le trône vide d'Alexandre dans la cérémonie de Cyinda et le culte du trône vide à travers le monde gréco-romain. Cahiers archéol. 7 [1954] 7; K r o l l , R E Suppl. Bd. 5, 518; Lily R o s s T a y l o r , Journ. Hell. Stud. 74 [1927] 53fF. A. J. F e s t u g i è r e , Rev. Philol. [1947] 23). Unter dem Prinzipat begegnete die Proskynese noch großer Zurückhaltung, wenn auch Caligula bereits eindeutig orientalischhellenistisches Zeremoniell einzuführen versuchte. Entscheidend wurden für die endgültige Einführung die 60er Jahre des 3. Jahrh. ( A l f ö l d i , Zeremoniell 58), und vor allem die Umformung des Zeremoniells unter Diokletian und Konstantin. Die Kirche bekämpfte mit dem Gottkaisertum auch die Proskynese, mußte sich aber nach dem Siege in diese Formen bequemen. Bezeichnend ist, daß die Kritik an dem alten orientalisch-hellenistischen Brauch, wie auch Prokop lehrt, in späterer Zeit nicht mehr von der Kirche, sondern ausschließlich von der senatorischen Opposition getragen wurde. Die Kirche übernahm die höfischen Formen ebenso wie die Amtstracht vielmehr für den eigenen Bedarf. So erscheint heute der Papst als institutionell überlebender Träger zahlloser Traditionen, unter anderen auch der Proskynese des iranischen Großkönigs. Vgl. auch P v K 297. 597 Ρ An 1 5 , 1 6 . 598 Ρ An 1 5 , 1 8 . 699 Ρ An 2, 31. 600 Ρ An 6, 25, 601 Die Umformung des älteren Juristen- und Kaiserrechtes durch Iustinian und seine Kommissionen ist einmal durch die „Interpolationsanweisungen" der oben behandelten Procmien, sodann durch die moderne Interpolationenforschung erwiesen. Iustinian würde das bis 1900 geltende Pandektenrecht und die damit verbundenen wissenschaftlichen Bemühungen zweifellos begrüßt haben mit Ausnahme eines Seitentriebes: der Interpolationenforschung, die den voriustinianischen Zustand der Uberlieferung wiederherzustellen sucht. Uber diese zuletzt : Wenger, Quellen, passim (Index S. 926). 602 Ρ An 6, 27. tos Zirkusparteien: Ρ An 7 und I 24. P v K 263f. mit Literatur. = R E 23 Sp. 538f. 604 Ρ An 19, 1—3. P v K 276f. = R E 23'Sp. 552.

(ί2ο

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Ρ A n 2o. P v K 2 7 8 f . = R E 23 Sp. 553 t. Ρ A n io, 20; 2 1 , 5 — 1 5 . 807 V o r b i l d f ü r die T o p o i : T h u k . Ι Π 8 3 . 608 T o p o s poneros: P v K ηζί.= R E 23 Sp. 609 Ρ A n 2 2 . P v K 2 8 1 f. = R E 23 S p . 5 5 7 L 610 Ρ A n 2 2 f. 611 Ρ A n 1 8 , 5 ; 2 4 , 1 — 6 . P v K 2 7 5 , 289. = R E 23 Sp. j j o f . , 5 6 4 ^ 612 Ρ A n 26, 1 8 f f . P v K 2 9 3 , 4 2 (Stil). = R E 25 Sp. 568, 3 1 4 613 Ρ A n 27. 614 Ρ A n 28 f. 815 P v K 56fr. = R E 23 S p . 324fr. 616 P v K 6 i f . = R E 23 Sp. 334fr. βΐ7 p vili 4 , Ii είτε δέ τ η s ' Α ρ ε ί ο υ δ ό ξ η ς έ γ έ ν ο υ τ ό π ο τ ε oi Γ ό τ θ ο ι ο ύ τ ο ι , ώσττερ καΐ τ ά ά λ λ α Γ ο τ θ ι κ ά έθνη, είτε καΐ ά λ λ ο τ ι άμφΐ τ η δ ό ξ η α ύ τ ο ϊ ς ή σ κ η τ ο , ούκ ε χ ω ε ί π ε ΐ ν , έττεί ο ύ δ έ α υ τ ο ί ί σ α σ ι ν , ά λ λ ' άφελεία τ ε τ α υ ΰ ν καί ά π ρ α γ μ ο σ ύ ν η ττολλή τ ι μ ώ σ ι τ η ν δ ό ξ α ν . Ρ I ΐ 2 , 3 Χ ρ ι σ τ ι α ν ο ί τ ε είσι καί τ ά νόμιμα τ η ς δ ό ξ η ς φ υ λ ά σ σ ο υ σ ι τ α ύ τ η ς π ά ν τ ω ν μ ά λ ι σ τ α ά ν θ ρ ώ π ω ν ώ ν ημείς ΐσμεν. Ferner das „ C r e d o " seines undogmatischen Christentums: Ρ V 3, 6 ( P v K 65). 618 Ρ A n 9, 3 2 . 619 Ρ An 14,14. βοβ

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J . H u i z i n g a , Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Jetzt bequem zugänglich in Rowohlts deutscher Enzyklopädie Bd. 21 (Hamburg 1956). Die hier angedeuteten Zusammenhänge werden allerdings kaum berührt. Hermann H e s s e notierte 1927: „Was mich betrifft, so glaube ich, daß kein anständiger und arbeitsamer Mensch mir mehr die Hand geben würde, wenn er wüßte, wie wenig Wert die Zeit für mich hat, wie ich Tage und Wochen, ja Monate vergeude, mit welchen Spielereien ich mein Leben vertue". Hier ist freilich nicht von einem „arbeitsamen" Glasperlenspiel sondern von jener höheren „Faulheit" des Genies die Rede, die auch Theodora nach dem Zeugnis Prokops für sich in Anspruch nahm. In Indien wie in Hellas spielen Götter und Menschen. Piatons „Gliederpuppe", Kleists Aufsatz „Über das Marionettentheater" wie die Bemerkungen Schillers in seinem Essay „Über die ästhetische Erziehung des Menschen sind allgemein bekannt. Vgl. zumeist H u i z i n g a und die Literaturhinweise der genannten Ausgabe. Doch sollen hier noch einige Nachweise für den byzantinischen Bereich folgen: S. Clem. Const. Apost. VIII 2 αλλήλους γαρ άττατώσι· καθάττερ oi τάς τταιδιάς γέλωτος ενεκα έπιδεικνύμενοι. Tatiani Assyrii Or. adv. Graecos c. 9 (MPG 6, 825). Von den Dämonen wird hier gesagt, daß βίετήν ειμαρμένη ν ώρισαν εύαρεσθοΰσι δέ... αύτοΐς οΐ έτττά πλανήται, ώσττερ οί êv τοις ττεσσοϊς άθύροντες. Bei Prokop selbst wird der ludus-Gedanke übrigens auch durch den von ihm überlieferten Ausruf Gelimers beim Triumph in Byzanz angedeutet: vanitas vanitatum vanitas. Zur Stelle (Eccles. I 2) wären die v o r Erscheinen des betr. Bandes der Vetus-Latina-Ausgabe durch den Beuroner Zettelkatalog leicht zu erfassenden Väterzitate zu vergleichen. Eine Rede über den betr. Text hielt ζ. B. Ephräm der Syrer (Bibl. d. Kirchenväter 37, 87 fr.). Der ludus-Gedanke steckt wohl auch in einer Äußerung des Zosimos (IV 5 = 162, 25 Mendelssohn) über den Gegenkaiser Prokopios, der beim ersten Auftreten angeblich wie einTheaterkönig erschien (έθεώντοΠροκότπον ώσττερ άττό σκηνής βασιλέα σχεδιασθέντα.). In die Zeit der Kaiser Theophilos und Michael (9. Jahrh.) gehört die Vita S. Euaristi hegum. Constantinopolitani: AnalectaBollandiana4i (1923) 291. Dort heißt es ^4:τταιδιδς δέ καΐτών άλλωντώνέν σκηνή καί θεάτροις όσατοίς νέοις άλογίστως σπουδάζεται, έττΐ τοσούτον κατεγέλα τε καί κατέτταιζεν είς όσον των Ιερών μαθημάτων καί των ττρός άρετήν καί εύσέβειαν φερόντων σπουδαίως έπεμελεϊτο. Hier handelt es sich also nicht um Sublimierung, sondern um sauertöpfische Ablehnung des Spielgedankens. Ähnlich die folgende Äußerung: Vita S. Babylae (MPG 114, 976) c. 9 καθάπερ êv σκηνή τταίζων ή δράμα ύττοκρινόμενος ό ανόητος.Vita S. Joannis Chrysostomi (MPG 114, 1048) c. 1 : XXX·

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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παΤς ών έτι τήν ήλικίαν, ού κατά τταΐδας είχε τό φρόνημα. Acta SS. Eudoxii, Romuli etc. (MPG 1 1 5 , 628) c. 12. Diese Stimme kommt dem Bereich des überhöhten Spielgedankens sehr viel näher: 'Αμελεί καΐ ττρός αύτόν ό μάρτυς- Παίζεις έχων, ήγεμών, Ιφη. Παίδων έγώ ταν/τα ήγημαι μορμολύκεια, προς τάς έκείθεν όρων άμοιβάς, καΐ μόνης της φιλοτίμου δεξιάς του εμού άγωνοθέτου Χρίστου έκκρεμάμενος . . . τά δέ σα ταΰτα, παιδιά πάντως έμοί . . . της δέ κοσμικής ταύτης φαντασίας, και όλίγω ύστερον οΰκ έσομένης, τά έστώτα καί είσαεί διαμένοντα. Die Welt und ihre Qualen sind also dem Märtyrer bzw. seinem Biographen nur eine κοσμική φαντασία. Die drei letztgenannten Stellen stammen aus der umfangreichen Sammlung von Heiligenleben des Symeon Metaphrastes (10. Jahrh.), gehen natürlich auf ältere Zeit zurück. Dem 12. Jahrhundert entstammt die byzantinische Erwähnung des Dichterwortes παίζε παϊζ' έπί συμφοραίς beim Erzbischof Eustathios von Thessalonike (Hist 4 1 0 , 1 Bonn bzw. 54 der Übersetzung von H. Hunger in: Byzantinische Geschichtsschreiber Bd. 3 Die Normannen in Thessalonike. Graz 1955. Dieser Band ist von mir besprochen in: Jahrbücher für Gesch. Osteuropas 3 (195 5) 245/7). Der Spielgedanke erscheint hier als gute Miene zum bösen Spiel. Endlich erinnert uns Nikephoros Gregoras, der größte Polyhistor des 14. Jahrhunderts, mit seinem Piatonzitat an die kommende Renaissance: Hist. VII 8: iraíyviov 0εοΰ τά άνθρώπινα κατά Πλάτωνα (I 257 Bonn). Mit diesen Zufallsnotizen sei lediglich eine Linie angedeutet, eine durchaus nicht flüchtige Figur des ludus spirituaüs für Byzanz belegt, die G o e t h e als Urphänomen, C. G. J u n g als Archetypus werten würde und deren Erkenntnis im geschichtlichen Raum J . H u i z i n g a zu verdanken ist. 621

Zu einigen Stimmen der Literatur über die Probleme der Abfassungszeit, der Nachrichtenquellen, der Publikation, Uberlieferung und etwaigen Wirkung auf Zeitgenossen sei hier noch Stellung genommen. Die Frage der Abfassungszeit dürfte in den mehrfach erwähnten Programmen von J . H a u r y endgültig geklärt sein. Die von Prokop viermal genannten 32 Regierungsjähre sind, so darf man hinzufügen, eine ausgesprochen polemische Datierung, durch die Iustinian die Verantwortung für die Regierung des Iustinos zugeschoben wird (An 18, 33; 23, 1 ; 24, 29. 33 und dazu Ρ III 9, 5 ; An 6, 19; Aed I 3, 3). Die Polemik wird unterstrichen durch die Tatsache, daß seit 537 alle Kaisererlasse mit dem Regierungsjahr des Kaisers datiert wurden (Nov. 47, 1) und seit 538 die Reichsmünzen aller Metallsorten groß und deutlich das Herrscherjahr zur Schau trugen. Die Deutung der 32 Jahre wird auch dadurch nahegelegt, daß Prokop in den Anekdota die Ereignisse der fünfziger Jahre übergeht. So argumentiert auch B u r y L R E II 422 a . Ferner nimmt Prokop in seiner Einleitung ausdrücklich auf den Tod der Kaiserin Theodora Bezug und erklärt, daß die Abfassung seiner Schrift durch ihn überhaupt erst ermöglicht wurde. Die Bemerkung wäre bei dem früher üblichen 10 Jahre späteren Ansatz der Schrift schon im Augenblick der Niederschrift antiquiert gewesen. Die kritische Lage der Reichspolitik um 550 spiegelt sich im außenpolitischen Pessimismus; freilich atmet das nach dem Endsieg im Westen beendigte Buch VIII der Kriegsgeschichte denselben Geist eines kritischen Pessimismus. C o m p a r e t t i (Le Inedite. Rom 1928 X X X V f f . ) ignoriert die These der Abfassung um 550 und behauptet, die Geheimgeschichte sei von einem kranken und sehr alten Mann geschrieben. Es ist nicht einzusehen, weshalb Prokop erst als Dreißiger und nicht schon als Zwanziger seine Stellung bei Beiisar angetreten haben soll. Darüber wird man freilich niemals Klarheit erhalten. Anders steht es mit der „Krankheit" Prokops die ihr Dasein lediglich einer verfehlten Auslegung des Schlußsatzes der Geheimgeschichte verdankt: „Wenn Iustinian aus dem Leben scheiden wird, sei es

621

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als Mensch oder als Dämon, dann werden die Überlebenden die Wahrheit erfahren". Nach Comparetti heißt es : „die dann noch am Leben sein werden", wodurch Prokop krankheitshalber seine baldige Todeserwartung ausspreche. Der Zusammenhang zeigt aber, daß hier noch einmal der alte Mordgedanke auftaucht: Prokop läßt sarkastisch die Möglichkeit offen, daß es Justinian gelingen wird, bis zu seinem Tode auch noch den Rest der Menschheit auszurotten. Damit schließt er die Schmähschrift wirksam und folgerichtig ab. Weiter wird die Frage nach der Publikation gestellt, d. h. ob die „Geheimgeschichte", so paradox es klingt, jemals „veröffentlicht" wurde. Hier tappen wir womöglich noch mehr im Dunkeln. Der Verfasser hat zweifellos an Publikation gedacht, denn er hofft ausdrücklich, daß seine Schrift künftigen Tyrannen zur Warnung dienen soll (i, 8f.). Prokop hat längere Zeit geschwankt, die Schrift zu verfassen und nachträglich das Vorwort geschrieben, da er hier auf das gesamte vorliegende Werk Bezug nimmt. Etwas weiter führt uns seine Befürchtung, man werde ihm bei der Nachwelt (τοί; δτπσθεν γενησομένοις) keinen Glauben schenken, namentlich wenn der Strom der Zeit das, was heute lebendiges Bewußtsein sei (i, 4 τήν άκοήν) antiquiert erscheinen lasse. „Ich fürchte, daß ich den Ruf eines Märchenerzählers ernte und zu den Tragödiendichtern gezähl twerde. Ich schrecke jedoch nicht vor der Last des Werkes zurück im Vertrauen darauf, daß meine Rede nicht ohne Zeugen ist. Die Mitlebenden werden als die kundigsten Zeugen der Geschehnisse zuverlässige Gewährsleute jener (Taten des Iustinian und der Theodora) für die Nachwelt sein". Damit ist klar gesagt, daß Prokop sich an die Jugend seiner Zeit wendet und sie auffordert, zu gegebener Stunde d. h. nach dem Tode Iustinians für die Richtigkeit seiner Mitteilungen in der Geheimgeschichte zu zeugen. Das muß nicht unbedingt heißen, daß Prokop um 550 bereits 70 oder 80 Jahre alt war. Jedoch ergibt sich mit aller wünschenswerten Klarheit, daß er mit einer Publikation der Geheimgeschichte innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte rechnete. Stephanus Antonius M o r c e l l u s hält in den Erläuterungen zu seiner Ausgabe des Ecclesiastica-Kommentars des Gregor von Girgenti (2. Hälfte 6. Jhdt.) eine Stelle dieses Kommentars für die erste Erwähnung der Anekdota. Davon kann nicht die Rede sein, da es sich lediglich um ein Zeugnis für die bei zahllosen Historikern nachweisbaren topischen Formen der Kritik am Kaisertum und den einzelnen „Tyrannen" handelt. Vgl. P v K 254. Euagrios kann die Geheimgeschichte gekannt haben, da zahlreiche kritische Äußerungen aus seiner Feder überraschend an die Tonart Prokops erinnern. Er kann aber ebenso wie Johannes von Antiocheia auf andere Quellen zurückgehen. Selbst Zonaras im 12. Jhdt. kann trotz starker Anklänge nicht als sicherer Zeuge gelten. Anders steht es mit Suda-Suidas (um 1000) und Nikephoros Kallistos Xanthopulos (14. Jhdt., Hist. eccl. XVII). Die Lücke bis 1000 n. Chr. wird nicht einmal von der sonst selten versagenden „Bibliothek" des Patriarchen Photios ausgefüllt. Die ältesten überlieferten Handschriften gehen in dieselbe Zeit zurück wie Nikephoros — ins 14. Jhdt. Es spricht also manches für C o m p a r e t t i s Annahme (Le Inedite X L I X ) , daß die Anekdota überhaupt nicht offiziell veröffentlicht, sondern in einigen wenigen orientalischen Klöstern insgeheim überliefert wurden. Prokop selbst scheint nach dem Gesagten an Publikation unter dem Nachfolger Iustinians gedacht zu haben. Wir werden unten die Zeugnisse für eine Iustiniankritik unter seinen nächsten Nachfolgern kennenlernen. Diese Kritik hielt sich aber durchaus im dynastischen Rahmen, sie besagte lediglich, daß Iustinian aus Altersgründen etwas nachgelassen habe. Sehr viel weiter als zu dieser allerhöchst durchaus genehmen „Kritik" hätten sich die damaligen Literaten wohl kaum vorwagen dürfen. Mit der Zeit lockerten sich selbst-

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verständlich die Bindungen und Rücksichten, da die Dinge, wie Prokop mit Recht voraussah, vom Strom der Zeit antiquiert wurden und nun zwar nicht ihre Schärfe im Sinne der Kaiserkritik, aber wohl ihre unmittelbare Aktualität verloren. Aber selbst wenn man Zeugen wie Euagrios und Gregor von Girgenti berücksichtigt, ergibt sich kaum die Möglichkeit, eine etwaige Publikation der Geheimgeschichte vor dem Zeitalter des Phokas anzusetzen. Für die Hoffnung Prokops, seine Geheimgeschichte in Kürze (nach dem Tode Iustinians) publiziert zu sehen, ja darüber hinaus als Mahnmal in tyrannos aufgerichtet zu sehen, bleibt kaum eine andere Erklärung als die eine: daß er mit dem gewaltsamen Sturz der Dynastie Iustinians rechnete. In der Tat hatte Iustinian auch nach 550 noch gefährliche Revolutionen abzuwettern. Wie dem auch sei, wir müssen damit rechnen, daß die Rätsel, die diese Schrift aufgibt, niemals vollständig gelöst werden. Wüßten wir genaueres über die Publikation, so wären vielleicht auch Rückschlüsse auf eine etwaige Wirkung der Geheimgeschichte zumindest auf ausgewählte zeitgenössische Leserkreise möglich. Es ist klar, daß es sich hier nur um vertrauliche Zirkel von politischen oder religiösen Oppositionsgruppen handeln konnte. Den Buchtitel Anekdota überliefert nur Suda-Suidas, der es seinen Lesern überläßt, den Widerspruch zwischen Prokops expressis verbis ausgesprochenem Publikationswunsch und dem Titel der Schrift aufzulösen. Der Widerspruch dürfte nur scheinbar sein, da der literarische Gattungscharakter des schon Cicero und anderen bekannten Begriffes Anekdota (PvK 2 5 5 = R E 23 Sp. 5 30) nur den zeitweiligen, nicht aber den dauernden Verzicht aufPublikation einschloß. H a u r y betont gewiß nicht mit Unrecht den Supplementcharakter der Schrift, den sie (wenn auch nicht den Fortsetzungscharakter) mit dem berühmten 3. Band von B i s m a r c k s „Gedanken und Erinnerungen" teilt. Darüber hinaus wird die Schrift aber schon vom Buchtitel her als ausgesprochene Oppositionsliteratur ausgewiesen. Wir kennen leider — es liegt in der Natur der Sache — nur wenige Beispiele aus der Antike. Eines der wichtigsten, Theopomp, entspricht in seiner massiven Aggressivität ganz der Tonart der Geheimgeschichte, während Cicero sowohl für Geheimhaltung wie für Polemik das gegebene Vorbild war. Nicht gerade Vorbild Prokops, der kein Verhältnis zur klassischen Latinität besaß, wohl aber Indiz für die im 6. Jhdt. zweifellos noch besser bekannte AnekdotaTradition der griechischen Literatur. Es ist kaum denkbar, daß etwa ein Atticus die Anekdota Ciceros nicht gekannt hat. Freilich besaß die Republik noch in ihrer Agonie tausend legale Möglichkeiten zum Austausch oppositioneller Ansichten, während die Existenz eines Exemplares der Gattung Anekdota im Zeitalter Iustinians keine alltägliche Sache war. So ist damit zu rechnen, daß die Geheimgeschichte als Werkzeug der Flüsterpropaganda eines zunächst gewiß sehr engen, vielleicht mit der Zeit anwachsenden Kreises von Vertrauten, Parteifreunden und politisch interessierten Standesgenossen diente. Zumal der totalitäre Druck nach Theodoras Tod, wie Prokop in der Einleitung eingesteht, erheblich abgenommen hatte, auch im Falle der Entdeckung kaum mehr Gefahr für Leib und Leben bestand. Man hat nun nicht ohne Grund an geistliche Oppositionskreise als Mitwisser gedacht. Freilich wirkt C o m p a r e t t i s Annahme (Le Inedite XL), daß es sich um Orthodoxe in Palästina handele, doch etwas hergeholt. Er hält die Orthodoxen für Gegner Iustinians, weil der Kaiser durch seinen Kampf gegen die Häretiker aller Schattierungen politische Unruhen hervorrief, unter denen auch die rechtgläubige Kirche zu leiden hatte. Eine solche Konstruktion verkennt die religiösen Leidenschaften jener Tage doch zu sehr. Berichtigt man aber diese Ungereimtheit, so darf

òzi

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die Vermutung einer Fühlungnahme von oppositionellen Politikern mit Mönchen und Geistlichen häretischer Richtung immerhin Beachtung beanspruchen. B o n f a n t e hat diesen Gesichtspunkt in einem, soviel ich sehe, nur auszugsweise veröffentlichen Vortrag zur Geltung gebracht. Allerdings entschied er sich beim Versuch einer näheren Bestimmung dieser „Häretiker" ausgerechnet für die Arianer, die im Osten des Reiches, w o die Überlieferung der Anekdota vor sich ging, kaum vertreten waren. Vgl. P. B o n f a n t e , Sul movente della historia arcana di Procopio. Sunto. Atti del I I congresso nazionale di studi romani 3 (Roma 1 9 3 1 ) 68. Für ein (geheimes) Arianertum Prokops könnte allenfalls sein dogmatischer Indifferentismus sprechen, sein Verzicht auf religiöse Polemik, also sein charakteristischer Toleranzgedanke, doch erklären sich diese Erscheinungen sehr viel glaubwürdiger aus dem skeptischen Agnostizismus des Autors, zu dessen Weltanschauung P v K 56fr. = R E 23 Sp. 329fr. zu vergleichen ist. Gegen ein Arianertum sprechen die mehrfachen orthodoxen „Glaubensbekenntnisse" ( P v K 62 = R E 23 Sp. 336) Prokops. Weitere Beweismittel im Sinne der Bonfante-Hypothese wären: ι. Das Verhalten Prokops beim Bericht über arianische Völker. 2. die Arianer-Stellen in seinen Werken. Als arianische Völker stehen vor allem die Vandalen und Goten vor den Augen Prokops. O f t genug wurde betont, wie milde, ja fast freundschaftlich der enge Mitarbeiter ihres Henkers Beiisar sie beurteilt. Aus dieser Tatsache allein ließe sich freilich eine Neigung Prokops zum Arianismus nicht wahrscheinlich machen, obwohl seine politischen (und charakterlichen) Reserven gegenüber den katholischen Franken immerhin zu denken geben. Betrachten wir daher die verstreuten Notizen über Arianismus und Arianer. Ρ I I I 2, 4f. steht nach schmeichelhafter Schilderung der gotischen Völkerschaften die sachliche Bemerkung, daß sie alle derselben Konfession, der arianischen, angehören. — Der Arianer Aspar lehnt den Religionswechsel ab, wodurch ihm die Kaiserwürde entgeht (III 6, 3). Eine Ausdrucksweise, die einem heimlichen Parteigänger der Arianer kaum zuzutrauen wäre, begegnet III 2 1 , 25: και ol μέν των Αρειανών Ιερείς φεύγοντες ωχοντο, Χριστιανοί δέ, ois τά Is την δόξαν ορθώς ήσκηται. . . Gelimer opfert seinem Glauben die verheißene Patriciuswürde (IV 9. 14). Aus der Arianerverfolgung erwächst der große Soldatenaufstand in Afrika (IV 14, I2ÍF.), wobei Prokop auch mit der Heraushebung der ihm wie Beiisar verhaßten Heruler nicht gerade Parteinahme für die Aufständischen verrät, die ja Beiisars Werk in Afrika weitgehend vernichteten. — Ferner wird V I I 9, 21 die Ausweisung der arianischen Priester aus Rom berichtet, die im Verdacht standen, mit einigen Senatoren gegen das Ostreich konspiriert zu haben. Prokop lehnt es ab, die Schuldfrage zu klären. Die Geheimgeschichte enthält ( 1 1 , 16 ff.) naturgemäß einen ausführlichen Bericht über die Gewaltmaßnahmen Iustinians gegen die Arianer. Schlüsse sind daraus nicht zu ziehen, denn die übrigen Sekten, vor allem die Samaritaner, erfahren dieselbe Würdigung. Gerade hier spricht Prokop nicht die Sprache der Zuneigung, sondern überlegener Toleranz. Die Wendung A n 1 1 , 14 και όσαις άλλαις ττλανδσθαι ai των ανθρώπων εΐώθασι γνώμαι, mit der die Häretiker abgetan werden, gilt auch den Arianern. Im Anschluß daran schildert der Historiker die vermögensrechtliche Auswirkung der von Iustinian für die Häretiker verkündeten Erbhindernisse und hebt den sogar den römischen Senat übertreffenden Reichtum der arianischen Kirchen ohne das geringste Zeichen von Neid und Mißgunst hervor. E r betont vielmehr die tolerante Haltung der Vorgänger Iustinians und verweist — wie so oft — auf die von einer solchen Wirtschaftsmacht abhängigen Existenzen a u c h orthodoxer Konfession ( 1 1 , 18 και ταύτα δόξης όντες όρθή5, vgl. III 2 1 , 25

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Χριστιανοί δέ, ois τά âs τήν δόξαν όρθώζ ήσκηται). Die „heimischen Bräuche" sind es, denen wie allenthalben so auch im Falle der Arianer Prokops tolerantes Wohlwollen gilt. Im übrigen interessiert ihn am Schicksal der Häretiker weniger das religiöse Problem als der materielle Schaden, der dem Reich aus seinen Zwangsmaßnahmen erwächst. Der Mordgedanke der Anekdota dominiert natürlich auch hier ( 1 1 , 23 πδσα τε άττ' αύτοΰ ή 'Ρωμαίων αρχή φόνου τε ήν καί 2ο) ούκ εχω λέγειν (die von Prokop besonders häufig gebrauchte „agnostische" Formel) V 1 0 (206, 25) άτπών ώχετο. V ι8 ( 2 1 3 , 9) άλιτήριος δαίμων. Z o n a r a s X V 6 (III 269, 12 B.-W.). συρφετώδη όχλον, X V i j ( 3 1 3 , 8) συρφετώδους όχλου, vgl. Ρ Aed. I ι , 20 "Ανδρες άγελαϊοί ττοτε καί ό συρφετός δλος vgl. Haury I I I 2 p. 8, 595, 52 ( = Aed. I I 16 συρφετός όλος). Zon. X V I I 1 3 (581, 12) έσπουδάκει περί τα αφροδίσια (vgl. PAn 1 2 , 27). Zon. X V I I 13 (582, 10) ή βασιλίς έπυρπολεΐτο τήν ψυχήν. X V I I ι8 (6ο6, 9) έκ τ ρ ό π ω ν κακότητος. (6ο6, 14) δουλοπρεπής (vgl.PAn 1 5 , 16 δουλοπρέπειαν). X V I I ι8 (6ο6, 15) ανελεύθερος. X V I I 2 1 (617,10) αυτός τ ω ν λόγων ακρω μόνω δακτύλω τ ό του λόγου γευσάμενος vgl. PAn 1 3 , 28 σχεδόν τι ακρω δακτύλω άπογευσάμενος dazu die Urteile über die Bildung lustins I. Zon. X V I I 21 (620, 2) Erst schämt er sich, dann lebt er nicht mehr mit ihr wie mit einer Geliebten oder Gattin linker Hand, sondern wie mit einer richtigen Gattin zusammen (vgl. PAn 9, 47—51). Zon. X V I I 21 (620, 15) καί ώνομάζετο δέσποινα (vgl. PAn 10, 7 ; 1 5 , 27; 30, 26). Zon. X V I I 23 (628, 1 3 ) βωμολοχίας (vgl. PAn 9, 15). Zon. X V I I I 1 0 (685, 10) ούκ εχω λέγειν (s. o.). X V I I I 23 (743, 10, 16, 19) σατανδν . . . κακοδαίμονα . . . πονηρίας.

Die „Kriegsgeschichte', Prokops wird von Zonaras häufig zitiert (vgl. III 933 Ind. auct. B.-W.). Die gelegentlichen Anklänge an den Wortschatz der Anekdota und die Gesamteinstellung zur Kaiserkritik sprechen für Einfluß Prokops auf die stilistischen und Auswahltendenzen des Zonaras. Vgl. o. 6 9 2 Die grammatischen und lexikalischen Übereinstimmungen zwischen Prokop und Kinnamos wurden untersucht von F. H ö r m a n n , Beiträge zur Syntax des Iohannes Kinnamos, Diss. München 1938. Hier sollen einige Topoi aus loh. Kinn, folgen, die ein Urteil über beider verwandte Kaiserkritik zu bilden erlauben. Iohannes Kinnamos (Bonn) 140, 20 Roger von Sizilien: άπανθρώπως (nach Tyrannenart) vgl. PAn. 8, 1 3 , 1 8 ; 1 3 , 1 8 ; 1 5 , ι , 2 1 ; 2 6 , 4 4 . Kinn. 1 4 4 , 2 1 άπανθρωπίας . . . κακοδαίμονι vgl. V I I 20, 26. Kinn. 158, 7 μοχθηρούς zum Bettelbrief Manuels vgl. Beiisars Brief an Iustinian Ρ V 24. Kinn. 184, 18 κακοδαίμων; i88, 4 δουλοπρέπειαν (vgl. PAn 1 5 , 1 6 ; 30, 30). Kinn. 204, 3 αύτονόμω έχρήτο τ η γνώμη (vgl. PAn 6, 1 3 ; 14, 5). Kinn. 205, 1 δαιμονίως (vgl. PAn 1 2 , 27; 20, 17 und öfter). Kinn. 2 1 3 , 9 ακολάστου γλώσσης; 2 1 3 , 14 τοϊς τ ω ν ανθρώπων πονηροτάτοις (vgl. PAn 2 1 , 9 und öfter). Kinn.214,11 „agnostische" Formel (s. o.) Kinn.220,20 βωμολοχία (vgl. PAn 9, 1 3 , 1 5 ) ; τρόπος μικροπρεπής καί ανελεύθερος (vgl. PAn 18, 29 ϋπό σμικρολογίας). Kinn. 229, i l τά του νεωτερισμού (betrifft Friedrich Barbarossa). 232, 13 δαιμονίω τινι τ ρ ό π ω . . . τόν κακοδαίμονα (betrifft Friedrich Barbarossa). Kinn. 235, 14 κακοήθει . . . άβεβαίω τήν γνά>μην (vgl. PAn. ι , 23). Kinn. 2 5 1 , 5 κακοδαίμων; Kinn. 2 5 1 , 15 τήν θεοΰ φύσιν . . . πολυπραγμόνων (vgl. P V 3, 6—9) ferner Kinn. 256, I 2 f f . , wo Manuels Verhalten als dem prokopschen Ideal entsprechend bezeichnet wird. Kinn. 2 6 1 , 2 ανθρώπων . . . ερημον (vgl. PAn 18, 4, 1 3 , i8, 23 und öfter). Kinn. 268, 1 κακοδαίμονος; Kinn. 265, 16 άγελαϊοί τίνες καί όχλικοί (vgl. PAn 4, 2 1 ; 1 7 , 8). αλαζονεία: 285, 6; 1 4 . 6 9 8 Haury's Ausgabe I I I 1 prol. p. X X X f. Vgl. Anm. 6 9 4 Agathias V 14 (3o6f. Bonn). Vgl. o. S. 227. 6 9 5 Menandros Exc. leg. 1 (442, 18 de Boor) E x c . leg. 9 (196 f.). 696

Abgesehen von seiner eigenen kritischen Haltung überliefert T h e o p h y l a k t o s S i m o k a t t e s Beispiele von Demut und Selbstkritik der Kaiser, die urkundlichen Wert besitzen. So fußt sein Bericht über die Amtseinführung des Maurikios durch den erkrankten Kaiser Tiberios auf amtlichem Material. Zunächst benutzt der Historiker die übliche Formel, daß der Kaiser dem allgemeinen Gesetz der Natur unterliegt, auch er nur ein Sterblicher ist (I 1, 1, 3 1 = 38, 22 de Boor τω κοινω ύπείκειν νόμω της φύσεως). Gedanke und Stimmung liegen dem Oströmer nahe. Bei den kurzen Regierungen jenerJZeit erlebte das Volk wohl häufig die feierliche Begräbniszeremonie: „Zieh hinaus,5 Kaiser, es ruft dich der König der Könige und der Herr der Herren". Vgl. T r e i t i n g e r 155. Die Tiberiosrede (durch Sprecher vorgetragen) ist

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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Schulbeispiel kaiserlicher Demut. Nachfolger sollen immer besser regieren als ihre Vorgänger, damit deren Fehler ausgebessert werden. Maurikios solle seine Kaiserherrschaft zum schönsten Grabmal des Vorgängers gestalten, er solle dieses Grab mit seinen Tugenden schmücken, denn wahrhaft hehr und erhaben sei das Kaisertum (41, 9 κάλλιστον ήμϊν Ιτπτάφιον τήν σήν βασιλείαν ττεποίησο). Man fühlt sich hier an den berühmten Ausruf der Kaiserin Theodora auf dem Höhepunkt des Nikaaufstandes erinnert: das Kaisertum sei ein schönes Grab (Ρ I 24, 37 καλόν έντάφιον ή βασιλεία έστί). Was Demut und Selbstkritik betrifft, so dürfte die Rede des Tiberios eines der seltenen Zeugnisse für die Aufrichtigkeit solcher Erklärungen beim Regierungswechsel darstellen. Nach der Lehre der Philosophen, so heißt es nun weiter, bedeute das kaiserliche Szepter nicht Freiheit zur Zuchtlosigkeit, sondern eine glorreiche Knechtschaft. Wir fassen hier das stoische Ideal vom ersten Diener des Staates. Auch der Kaiser ist wie die Bienenkönigin (bzw. nach antiker Auffassung Bienenkönig) mit einem scharfen Stachel ausgerüstet. Doch ist dieser Stachel nicht tyrannisch sondern dem Volke nützlich und gerecht. Die Kaiserkritik gilt bei Theophylaktos namentlich Iustinos II. und Phokas. Iustinos wird mit schärfsten Worten als Imperialist und Kriegsbrandstifter verurteilt. „Der Krieg, dieses Sammelgefäß allen Unheils", sei von den Römern dank dem Leichtsinn des Kaisers entfesselt worden. Der Wahnsinn dieses Mannes brachte dem Staat nichts ein als die Belastung mit der Kriegsschuld (III 9, 3ff. = i28f. insbesondere 9, 9 = 129, 8 αίτίας). Vor diesen Hintergrund wird die Abdankung des Kaisers gestellt, die von seinem sicher authentischen Schuldbekenntnis begleitet wird. Zunächst wendet sich Iustinos mit der allgemeinen Demutsformel an seinen Nachfolger Tiberios : „Siehe, Dein Wohltäter ist Gott. Diese Stellung verleiht Dir Gott, nicht ich. Ehre sie, damit Er Dich ehrt... Ich habe wie ein Mensch ausgezahlt bekommen (denn ich strauchelte) und habe meinen Sünden entsprechend empfangen". (III u , 8 = 132, 26ff. Vgl. Kedren. I 685, 22). Auch hier wird das Gottesgnadentum mit seltener Überzeugungskraft unter den Gedanken der humilitas gestellt. Persönlich sind Iustinos und Tiberios verhältnismäßig streng beurteilt worden. Von Maurikios läßt sich das nicht sagen und doch wird auch er mit einer Demutsbeteuerung vom Leser verabschiedet. Er betet kurz vor seiner Hinrichtung durch den Tyrannen Phokas: „Gerecht bist Du, Herr, und gerecht ist Dein Urteil" (VIII 1 1 , 3 = 305, 8 (ό μέν ούν Μαυρίκιος φιλοσοφώ ν το δυστύχημα τόν àtri πάντων άνεκαλεΐτο θεόν και ττυκνότερον εττεφθέγγετο" „δίκαιος εί, κύριε, καΐ δικαία ή κρίσις σου".) Auch er weiß um das Wort: wer sich erniedrigt, soll erhöht werden, wenn auch weder er noch sein Historiker es wie im Falle der Vorgänger zur Rehabilitierung benötigen. Der Tyrann Phokas lebt und stirbt dagegen in frecher Überheblichkeit. 697 Für die Geschichte der Opposition und ihre Gegenpropaganda, besonders auch für die Beurteilung der Geheimgeschichte Prokops und ihrer Terminologie besitzen wir eine besonders aufschlußreiche Quelle und Vergleichsmöglichkeit in den Fragmenten, die von der Weltgeschichte des Johannes von Antiocheia überliefert sind. Wenn wir auch so gut wie nichts über die Person des Verfassers aussagen können, der im 7. oder 8. Jahrhundert, also lange nach Prokop, gelebt hat, so können wir dank dem vorzüglichen Material, auf das der Autor sich stützt, sein Werk unbedenklich als vollwertige Quelle für die senatorische Opposition betrachten. Mehr als jeder andere Historiker beweist er die lange Nachwirkung und noch im byzantinischen Staat des Mittelalters vorhandene Durchschlagskraft der ältesten politischen Ideen des Römischen Reiches. Denn er hat seine Gewährsmänner nicht gedankenlos exzerpiert oder mechanisch aneinandergereiht, sondern mit politischem Verständnis

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Ostroms Kaiserkritik

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und zweifellos auch mit politischen Absichten zu einem Ganzen von großer Eindringlichkeit verwoben. Schon Romulus ragte als König der Römer zwar durch Kriegstüchtigkeit hervor, stieß aber die Bürger und ganz besonders die Senatoren vor den Kopf. Er zeigte sich den Soldaten freundlich, gab ihnen Land und Anteil an der Beute, behandelte aber den Senat nicht in gleicher Weise. Er fiel daher (wie später Cäsar) einer Verschwörung zum Opfer und fuhr zum Himmel auf, um dort als Gott Quirinus weiterzuregieren (fr. 6 de ins. 60,21 de Boor = fr. 3 2 Müller). Wir haben es also mit dem Urbild aller Soldatenkaiser zu tun. Einen ähnlichen Charakter zeigte Tarquinius Superbus, dessen gleichnamiger Sohn sich an Lucretia verging. Er verlor seine Herrschaft durch einen Aufstand unter Führung des Brutus, eines „populären und tyrannenfeindlichen Mannes". Damit hörte die Tyrannis auf und in Zukunft regierten die Konsuln (fr. 9 de ins. 61,24 de Boor = fr. 37 Müller). „Im neunten Jahre der Freiheit" machte der Senat „eine neue Art der Führung" ausfindig, indem er aus Furcht vor dem Angriff des mit Tarquinius verschwägerten Mamilius den ersten Diktator ernannte (fr. 14 de ins. 63, 13 de Boor = fr. 45 Müller). Unter Cäsar wandelte sich das Schicksal (Tyche) des Volks (Demos) der Römer von aktiver Führung und Herrschaft zu passiver Untertanenschaft und Unterwerfung. Männer wie der Philosoph (!) Cato stemmen sich dem vergeblich entgegen. Als es zum Entscheidungskampf kam, überführte der Senat Recht und Gesetz nach Thessalonike und nahm von dort aus die Geschäfte wahr. Im Stellungskrieg bei Dyrrachium erlebte Cäsar einen gefährlichen Rückschlag: zu keiner anderen Zeit als an jenem Tag hätte er in die Hand der Gegner fallen können. Nach der Ankunft des geschlagenen Pompejus in Ägypten läßt sich Ptolemaios von dem Rhetor Theodot von Chios, einem Menschen von schlechtem Charakter, aus Liebedienerei gegen die Siegerpartei zum Mord an dem unglücklichen Freund bewegen. Pompejus weiß edel zu sterben. Cäsar kehrt nach Beendigung des Bürgerkrieges triumphierend nach Rom zurück, brüstet sich und frevelt in sittenwidriger Prahlerei gegen die römische Freiheit. Ganz offensichtlich sympathisierte er mit königlichen oder richtiger tyrannischen Bestrebungen, entwickelte sich über die römische Vergangenheit hinweg zum Übermenschen und Gott. Sein hochfahrendes Wesen ruft die senatorischen Verschwörer auf den Plan, die sich vom Neid auf das, was Cäsar gebührte und vom Haß gegen den Vorgezogenen leiten ließen. Unter ihnen war Brutus, der Abkömmling des Siegers über einen Tyrannen und ersten Konsuls der Römer. Der Senat begrüßte die Mörder nach vollbrachter Tat als Vorkämpfer der allgemeinen Freiheit (fr. 30 de ins. 70, 5—75, 33 = fr. 72, 74 Müller). Auch Caligula bekam es zu spüren, daß er kein Gott war. Er wurde von Leuten, die ihn sogar in seiner Abwesenheit fußfällig verehrt hatten, bespien und abgeschlachtet von solchen, die ihn zuvor in Wort und Schrift als Zeus und Gott gepriesen hatten. Seine Statuen und Bilder fielen der Vernichtung anheim, als das Volk sich seiner Gewalttaten erinnerte (fr. 34 de ins. 76, 25 ff. = fr. 84 Müller). Kurz zuvor war er als der schlechteste und unheiligste, ehebrecherischste aller Menschen bezeichnet worden (fr. 23 de virt.et vit. ed. de Boor 178,6 = fr. 82 Müller). Claudius wird dagegen als krank und unfähig, aber längst nicht so schlimm geschildert (fr. 24 de virt. et vit. 179, 15 = fr. 85 Müller). Es folgen Glück und Ende Neros, der sich durch höchste Geburt und schändlichste Erziehung auszeichnete (fr. 37 de ins. 79, 27 = fr. 91 Müller). Vitellios regierte schlecht und schändlich (fr. 40 de ins. 8o, 18 = fr. 98 Müller). Dann wird Domitian wegen seiner mörderischen und viehischen Sinnesart vom eigenen Gefolge, dem er sich zutiefst verhaßt gemacht hat, ermordet.

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Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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Apollonios von Tyana sagt das Ende des Tyrannen voraus : Gut, Stephanus, trefflich, Stephanus, gib dem elenden Mörder den Stoß. Da! Getroffen! Verwundet! Tot! (fr. 44 de ins. 82, 3 = fr. 107 Müller). Kaiser Marcus formuliert das bekannte Programm der Senatskaiser mit den Worten: die Herrschaft von Senatorenblut rein halten. (fr.47de ins. 84, 19 = fr. 118 Müller). Sein Sohn Commodus besaß dagegen einen schlechten Charakter, schätzte die Angeber und verfolgte die Reichen durch Raub und Mord. Er behandelte alle Menschen als Feinde schlechthin, zeigte sich auch nur selten dem Volk (fr. 48 de ins. 84, 26 = fr. 1 1 9 Müller; vgl. fr. 38 de virt. et vit. 189, 13 μιακρουίαν = fr. 120 Müller, Suda s. v. Komodos). Kaiser Pertinax wird als Mann des Senats hoch ausgezeichnet. Selbst die verschworenen Gardisten schrecken einen Augenblick vor seiner Würde und Weisheitsliebe zurück (fr. 50 de ins. 90, 1 = fr. 122, 4. 124. 126. 128 Müller). Kaiser Antoninus Caracalla wird als mordlustiger Verbrecher abgestempelt (fr. 51 de ins. 94, 16 und fr. 42 de virt. et vit. 190, 11). Maximinus figuriert als halbbarbarischer Thraker ganz im Sinne des eben besprochenen Symmachusfragments, während seinem Vorgänger Severus Alexander eine ebenso philanthropische wie unblutige Herrschaftsführung bescheinigt wird. Dafür betrug sich Maximinus um so unmenschlicher und mordlustiger gegen seine Untertanen. Er plünderte die reichen Familien restlos aus und vergriff sich nach deren Verarmung sogar an den öffentlichen und städtischen Mitteln (fr. 55 de ins. 101, 1 1 . 102, 30 = fr. 141 Müller, fr. 48 de virt. et vit. 194, 17 = fr. 145 Müller). Kaiser Julian muß sich als Christenverfolger die Beinamen Misotheos und Misochristos gefallen lassen. Sein Charakterbild wird jedoch erstaunlich positiv gezeichnet. Selbst Zosimus und Ammianus hätten ihm kein sehr viel schmeichelhafteres Denkmal setzen können (fr. 61 de virt. et vit. 199, 14 = fr. 179 Müller). Nun erfahren wir ganz im Stil des Zosimos von den Räubereien der Rufinus und Stilicho (fr. 67 de virt. et vit. 202, 19 fr. 188 Müller). Unter Kaiser Arkadios frevelt Eutropius durch Ämterverkauf und Bruch des kirchlichen Asylrechts (fr. 68 de virt. et vit. 203, 3 = fr. 189 Müller). Der jüngere Theodosius besaß weder zivile noch kriegerische Talente. Seine Nachgiebigkeit gegen die Eunuchen führte zu schweren Untertanenplünderungen (fr. 69 de virt. et vit. 203, 18 = 191 Müller). Er kaufte den Frieden durch Geldzahlungen an die Feinde statt die Waffen zu gebrauchen (fr. 72 de virt. et vit. 204, 20 = fr. 194 Müller). Unter ihm stand Chrysaphios allen Geschäften vor, plünderte allen Besitz und wurde von allen gehaßt (fr. 83 de ins. 123, 30 = fr. 198 Müller). Besonders interessant sind die Äußerungen über Iustins Vorgänger Anastasios. Die positiven Urteile überwiegen zwar, doch scheinen wie beim Tiberiusbild des Tacitus verschiedene Entwicklungsstufen des Charakters unterschieden zu werden. Es wäre zu überlegen, ob es sich dabei um Klagen über die Senilität des ungewöhnlich langlebigen Kaisers handelt, also dieselbe Erscheinung wie beim alternden Iustinian vorliegt, oder ob es sich in beiden Fällen um Redensarten der Widerstandsbewegung handelt. Wahrscheinlich trifft beides zu. Die Altersschwäche der Herrscher gab der Opposition und ihrem überlieferten Phrasenschatz willkommene Nahrung. Es wird also zunächst zugegeben, daß Anastasios dem Delatorenunwesen entgegentrat und sehr anständig und milde regierte (fr. 100, 101 de ins. 140ff. = fr. 214 b, c Müller). Dann aber „verschlechterte sich sein Charakter und er stürzte die ganze Aristokratie des Staates auf einmal, verkaufte alle Ämter, war den Rechtsverletzern willfährig und ergab sich unersättlicher Geldgier, so daß die Provinzen aus diesem Grunde von Truppen entblößt wurden und die Männer über das ungewohnte und fremdartige Gehaben entsetzt waren. Denn er wehrte die andringenden Barbaren

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Ostroms Kaiserkritik

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nicht mit den Waffen ab, sondern kaufte den Frieden stets für Geld. Überdies eignete er sich raffiniert die Vermögen der Verstorbenen an und beschenkte alle mit der gleichen Armut. Wem er das Vermögen genommen hatte, dem machte er nicht lange danach unter dem Namen der Frömmigkeit ein Geschenk. Und er erneuerte die Mauern von Städten, die er von den Bewohnern entblößt hatte, so daß er die also Ausgezeichnete sorgfältig schmückte und mit drei Kränzen umgab", (fr. 73 de virt. et vit. 205, 6 = fr. 215 Müller). 698 Hierzu auch A . Schenk von S t a u f f e n b e r g , Die römische Kaisergeschichte bei Malalas (Stuttgart 1 9 3 1 ) 94f. mit A n m . 42. 699 Georg. Synk. 600 Bonn (Herodes) 642 ff. (Nero)649f. (Domitian) 680 (Maximinos) 725 (Diokletian). Herodes heißt μιαιφονώτατοξ. Besonders abschätzig werden die Christenverfolger Nero, Domitian, Maximinus gekennzeichnet, während Diokletian in auffälliger Weise als guter Herrscher herausgehoben wird. Bei Theophanes wird auch dieser ungünstiger beurteilt, insbesondere sein freiwilliger Rücktritt gehässig interpretiert. 700 Während der Abfassung des Werks (zwischen 8 1 0 / 8 1 1 und 8 1 4 / 8 1 5 ) herrschte freilich der bilderfreundliche Michael Rangabes ( 8 1 1 — 8 1 3 ) und auch der Nachfolger Leon V . ergriff erst 8 1 4 bilderfeindliche Maßnahmen. Seine Einstellung war jedoch zweifellos bekannt. Wenn Theophanes auf Polemik gegen ihn verzichtet und das eidliche Versprechen des konfessionellen status quo gegenüber Patriarch Nikephoros beim Regierungsantritt hervorhebt, die kaiserkritischen T o p o i auf K r u m beschränkt ( 1 5 0 3 ) , so will er Kaiser Leon damit auf die neutrale Linie festlegen. Die scharfen Ausbrüche gegen Konstantin Kopronymos (nicht nur beim Bericht über dessen Regierung, sondern auch am Schluß des Gesamtwerks) dienen! der Einschüchterung Leons V . (Konstantin: I 504 ò τ ά ρ τ α ρ ο ν οίκων μετά δ α ι μ ό ν ω ν . . . Ί ο υ δ α ι ό φ ρ ο ν α ) .

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T h e o p h a n e s C o n f e s s o r übernimmt in seiner Chronik (c. 810/15) die Schuldbekenntnisse und demütigen Versicherungen Iustins II. von Theophylaktos und Euagrios. Auch der Haß des Pöbels gegen Maurikios wird im Anschluß an Johannes von Antiocheia erwähnt, ebenso die Versäumnisse dieses Kaisers beim Loskauf von Kriegsgefangenen. Phokas erscheint natürlich als klassischer Tyrann. Perserkönig Chusrö wird mit einem Ausdruck, der stark an Prokop erinnert, als überheblich und neuerungssüchtig charakterisiert (302, 27 έτταρθείΐ γαρ -rr¡ νίκη οΰκέτι εν τω καθεστώτι είναι ήδύνατο). Kaiser Konstans trägt sich, um dem Haß der Byzantiner zu entgehen, mit dem Gedanken einer Verlegung der Hauptstadt nach Rom (351, 24). Iustinian der Jüngere (Rhinotmetos) gilt als unberaten, unvernünftig, unsinnig. Sein Vertrauter Stephanos, ein blutdürstiges wildes Tier, tut das seine, um allgemein wilden Haß gegen den Kaiser zu entfesseln. Er muß mit abgeschnittener Nase fliehen, kehrt mit Hilfe des Feindes zurück und wütet nun erst recht. Jetzt redet Theophanes bzw. sein Gewährsmann nur noch von der Tollheit des Kaisers (378, 18; 379, 15). Kaiser Leon III. trägt als Bilderfeind natürlich das Brandmal des „Gottlosen" und vielleicht noch mehr sein Sohn Konstantinos Kopronymos (399, 27 δυσσεβέστερος), der „Vorläufer des A n t i c h r i s t " (400, 1). Um den Ursprung des satanischen Dogmas (402, 7) der Bilderfeinde zu erklären, wird eine gewagte Anekdote aufgetischt, wonach ein Jude aus Palästina das Ganze ursprünglich ausgeheckt habe, um die Araber zur Unterdrückung des Christenglaubens im Orient zu veranlassen. Der gottlose Leon war also ein „Sarazene" von Gesinnung (σαρακηνόφρων), ein unwissender schlechter Mensch, Frevler gegen die Gesetze, Tyrann und Vorläufer des Antichrist, ein neuer Ischarioth, sinnloser Wüterich, neuer Pharao (405/10). Sein Tod gibt noch einmal Anlaß zur Heerschau der Topoi der Kaiserkritik (413 f.). Sie lassen sich natürlich durchweg auch auf den Thron- und Gesinnungsnachfolger Konstantinos anwenden, diesen „Feind des Guten" (446, 12). Auch er wird bei seinem Tode, der wie so oft bei mißliebigen Kaisern, selbst wenn sie hoch in

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Anmerkungen : Reichsidee und Kaiserkritik

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die achtziger und neunziger Jahre kommen, als Strafe Gottes verbucht wird, restlos verketzert und in Grund und Boden kritisiert. E r gleiche Diokletian und den früheren Tyrannen in allen Qualitäten eines blutigen Christenverfolgers (448, 27). Die Bilderfeinde werden also unumwunden in eine Reihe mit den Kaisern der Verfolgungszeit von Nero bis Diokletian gestellt. Um so höher ist jedes Zeichen von objektiver Wertung der militärischen und Verwaltungstätigkeit dieser nicht nur von Mönchschronisten, sondern von der communis opionio der nachikonoklastischen Zeiten verurteilten Kaiser anzuerkennen. Wir sahen, daß Georgios Synkellos Diokletian durchaus nicht nur kritisiert und für die gerechte Würdigung von einzelnen Leistungen der Gegner gibt es auch für spätere Zeiten zahlreiche Beispiele. Es ist klar, daß selbst der Feind sich der positiven Leistung nicht völlig verschließen konnte. An zwei Stellen gebraucht Theophanes ganz im Sinne der Geheimgeschichte die Fortsetzung des politischen Kampfes bis in den Schoß der Familie als Mittel zur Steigerung der Erzählung (418, 7; 464, 10). Kaiserin Eirene wird wegen ihrer Verdienste um den Bilderglauben herausgestrichen, ihr Nachfolger Nikephoros, der keine grundsätzlich andere Stellung einnahm, dagegen mit Haß verfolgt. Wir wissen, daß dies nicht der allgemeinen Ansicht der Orthodoxen entsprach (G. O s t r o g o r s k y , Gesch. d. byzantin. Staates 2 1 5 1 = 129 der 1. Aufl.). Das geniale Reformprogramm schildert Theophanes als die „zehn Übeltaten". Sehr interessant ist der Bericht über einen Attentäter, der nach seiner Ergreifung das Recht des „Narren in Christo" in Anspruch nahm (488, 18 δαιμοναν) und von niemand denunziert wurde. Auch das soll natürlich auf die allgemeine Stimmung gegen Nikephoros ein Licht werfen. Theophanes' Zeitgenosse Nikephoros Patriarcha benutzt bekanntlich vielfach die gleichen Quellen und berührt sich in seiner Haltung zur Kaiserkritik eng mit dem ausführlicheren Chronisten. Die Aussagen des Theophanes über die Ära des Bilderstreits bedürfen noch gründlicher Untersuchung. Wichtig ist die nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, von den sowjetischen Byzantinisten aus der Schublade gezogene Arbeit: Prof. Κ . N. U s p e n s k i j , Oöerki po istorii ikonoboröeskogo dvizenija ν vizantijskoj imperii ν V I I I - I X v v . Feofan i ego chronografija (Skizzen zur Geschichte der ikonoklastischen Bewegung im Byzantinischen Reich im 8., 9. Jahrhundert. Theophanes und seine Chronik). Vizantijskij Vremennik 3 (1950) 393/438 4 (1951) 210/62. Ferner vergleiche man zu Nikephoros Patriarcha: E. E . L i p S i c , Nikifor i ego istoriceskij trud (Nikephoros und sein historisches Werk). Vizantijskij Vremennik 3 (1950) 85/105. 702 Auch im Corpus der Fortsetzer des Theophanes ( T h e o p h a n e s c o n t i n u a tus Bonn) finden wir eine kritische Bemerkung über die Steuerpolitik des Nikephoros (I 3 = 8, 17). Kaiser Leon wird sehr gerecht als ein energischer und mit einem wahren Wespenstachel ausgerüsteter Herrscher gewürdigt (I 19 = 30, 9). Der Kaiser ist selbst über materielle Dinge erhaben und zieht die unbestechlichsten aller Menschen in seine Umgebung, ein Mann von untadeliger Gerechtigkeitsliebe (I 19 = 30, 17). So regiert er stark und mannhaft zum allgemeinen Besten (I 26 = 40), steht aber dank seiner Bilderfeindschaft doch unter dem Gesetz der „Verfolger". Seine ώμότης in religiösen Dingen wird betont ( 1 1 9 = 3 o f.) und selbst missionarische Verdienste wie die Bekehrung von Bulgaren gehässig umgedeutet. Erdbeben treffen das Reich als Strafe. Der Kaiser wird nach berühmten Mustern als „Schwein" bezeichnet (I 21 p. 33, 19). Der Nachfolger Michael von Amorium erhält ebenfalls ein vernichtendes Endurteil. Versager auf der ganzen Linie, goldlüsterner doppelzüngiger Drachen von Babylon! (II 28 = 84). Zu Theophilos vgl. vor allem III 17

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Ostroms Kaiserkritik

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= 107. Kaiser Michael III. wird Verrücktheit und Ehrsucht am falschen Platz vorgeworfen, der Abfall von Volk und Senat mit seiner schlechten Verwaltung des Reiches begründet (IV 21 = 172). Dagegen singt Konstantinos Porphyrogennetos, der erlauchte Verfasser des nun folgenden Lebensabrisses seines kaiserlichen Ahnen Basileios I., natürlich ein Loblied ohne Mißtöne (Buch V). Dann heißt es wieder von Kaiser Alexander, daß er ein schwelgerisches Leben führte, zuviel auf die Jagd ging, mit Dummheiten und Gaukeleien seine Zeit vergeudete und den frühen Tod als Strafe Gottes empfing (VI 2—3 = 378f.). Konstantinos Porphyrogennetos selbst wird von den ihm zweifellos politisch nahestehenden Chronisten wohl begeistert gelobt, aber auch kritisch gewürdigt, wobei auf unkriegerische Weichlichkeit, Liebe zu Tafelfreuden und alkoholische Genüsse angespielt wird. 703

Theoph. cont. I 21 (33, 19)

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Theoph. cont. III 17 (107)

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G e o r g i o s M o n a c h o s (ed. de Boor) erwähnt die μιαιφονία Domitians (11444,4) und den παραβάτης Iulian (539). Wieder fungiert Phokas als klassischer Tyrann (662), dessen übler Ruf zudem auf seine kappadokischen Landsleute abfärbt (666). Freilich hatten die Kappadoker seit alters unter Spottversen und charakterlichen Verdächtigungen zu leiden. Der Prophet Mohammed wird nun mit ähnlichen Topoi bedacht wie römische Tyrannen, ein Vorgang der auch bei Theophanes in Anwendung auf Kalifen beobachtet werden konnte. Iustinianos Rhinotmetos wütet gegen das Leben seiner Untertanen und gegen Leon III. werden ähnliche Beschuldigungen erhoben wie bei Theophanes, insbesondere auch die Anekdote von der jüdischen Herkunft des Ikonoklasmus aufgewärmt: der allerchristliche Kaiser hätte mit den Hebräern unter einer Decke gesteckt (738, 7). Wenn Leon, von den üblichen Topoi zu schweigen, als Drache bezeichnet wird, so gibt sein Verhältnis zum Sohn Konstantinos Kopronymos zu einer oft wiederkehrenden Wendung Anlaß: aus dem Leo-Löwen sei ein Pardel, aus dem Schlangensamen eine Natter und Schlange geworden, der wahre A n t i c h r i s t aus dem Geschlechte Dan (750). Wir geraten hier wieder in die Nähe der Antichrist-Version und Geburtslegende Iustinians in der Geheimgeschichte. Kaiser Nikephoros wird auch hier kritisch beurteilt. Jesus Sirach zeuge gegen ihn und seine Finanzreform: Es hat das Gold ja viele schon verderbt, das Herz von Königen sogar verkehrt! (775 vgl. Sir. 8, 2). Der Bilderfeind Leon der „Armenier" gilt im Sinne Iulians als abtrünniger Überläufer (777 παραβάτης). Erst sein Nachfolger wird milder beurteilt, freilich als Staatsmann getadelt. Dagegen fungiert Kaiser Theophilos als neuer Belsazar, Gottesfeind, neuer Herodes, neuer Nebukadnezar usw. 706

G e o r g i u s c o n t i n u a t u s (in: Theoph. cont. Bonn). Diese Fortsetzung schlägt einen sehr fanatischen Ton an. Leon der „Armenier" heißt wiederum gottloser Überläufer und neuer Saul. Leo und seine unmittelbaren Nachfolger, d. h. die Herrscher der ikonoklastischen Reaktion werden wüst beschimpft, wobei jedoch bemerkenswert ist, welche Rolle die senatorischen Topoi neben den mönchisch christlichen spielen. Es werden nicht nur biblische Vergleiche bemüht, an einem Höhepunkt auch die Apokalypse zitiert, sondern reichlich die Topoi der kaiserzeitlichen Herrscherkritik herangezogen. Der Herrscher wird der Mordlust (μιαιφονία) und Unmenschlichkeit (απάνθρωπος) beschuldigt, als Halbbarbar (μιξοβάρβαρος) und ungebildeter Kleinbürger (ανελεύθερο;) bezeichnet (768). Seinem schlechten Charakter (769 το δύστροπον και κακόηθες), seinem schlechten und verderblichen Wesen und Handeln (769) entspricht die Raublust (τό άρπακτικόν 770), die Gottlosigkeit und Verdorbenheit, dämonische Gesinnung und Schlechtigkeit (770 Rubin, Iustinian X X X I

Anmerkungen: Reichsidee und Kaiserkritik

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άφιλοθείαζ καΐ πονηρίας . . . δαιμονιώδη γνώμην καΐ πονηρίαν). Er ähnele dem Vorgänger Kopronymos und vertraue verbrecherischen und restlos schlechten Menschen sein ganzes Leben an (770 μιαροϊ; τισΐ και τταμττονήροΐζ άνθρωποι; τό πδυ τη; ζωη; καταπιστεύει). Diese und weitere Topoi zeigen, wie sehr die senatorischen Phrasen der prokopschen Anekdota und ihrer literarischen Vorgänger selbst bei mittelbyzantinischen Volksschriftstellern noch nachwirken (771,1 γόησι καΐ φαρμακοϊ; καΐ λαοπλάνος . . . δείλαιο; καί ταλαίπωρο; . . . ηηζ άλαζονευόμενον 11 ζ , 17 ό μωρό; μωρά λαλήσει vgl. Eph. 5> 4 Hiob, 34, 35 Hiob ι , ζζ Prov. 26, 5) PAn, 8, ζ ζ . m , 4 άλάστωρ, αιμοβόρο; 8οι, 4 άττάνθρωττον α ϋ τ φ τό φιλάνθρωττον 807, 3 άλιτήριο;. 809,22 θεομισή;). Ein großer Teil der genannten Topoi kehrt in der Geheimgeschichte häufig wieder. Von den in obiger Übersicht bereits einbegriffenen Nachfolgern Leons ist noch Theophilos hervorzuheben, der als zweiter Nektanebos anges] »rochen wird (799), seinen Gegnern angeblich Verse auf die Gesichter schreiben läßt (807, 8) und einen randalierenden Mönch laufen lassen muß, weil das Volk mit diesem sympathisiert und ihm als „Narren in Christo" Straffreiheit sichert (8 31). 707 Nach J o s e p h G e n e s i o s hält sich Leon der Armenier böswillig von der Entscheidungsschlacht gegen den Bulgaren Krum fern, um hinterlistig die Gelegenheit zur Erschleichung der Herrschaft zu nutzen (I 4,9 Bonn σκαιοβούλω; . . . καιροφυλακοϋντο;). Er wird jedoch, obwohl δυσσεβή;, in seiner Eigenschaft als Staatsmann nicht ohne Gerechtigkeit beurteilt (17, 18 ff.). Bei Michael von Amorion sind wiederum die Anfänge tragbar, vermutlich dank αγροικία und naivem Stolz auf die neue Würde (II = 50, 8). Er entartet bald zum Wüterich. Kaiser Theophilos leidet an unbändigem Stolz, bildet sich viel auf seine persönlichen Vorzüge ein, schmückt sich mit fremden Federn, indem er auf die erneuerten Mauern seinen Namen schreibt, verschmäht aber keineswegs unrecht Gut (φιλοκερδέ;κακοκερδέ;). Ein Schiff, das seiner Gattin gehört, läßt er verbrennen, um nicht Schiffsreeder zu heißen, und überhört geflissentlich die Bitten des Stadtrats um Übereignung des wertvollen Objekts (III 75). Auch stiftet er in der Kirche Unfrieden, doch wird erst dem Nachfolger Michael III. ausdrücklich ein Sakrileg vorgeworfen. Dieser führt beiWagenkämpfen ein Marienbild mit,um es zu entweihen (IV102,15). 708 L e o n D i a k o n o s (Bonn) erwähnt die Ausschweifungen des jugendlichen Romanos und seiner Zechgenossen nur kurz (12 = 6) und zeichnet eindrucksvolle Feldherrn- und Herrscherbilder der beiden Großen Phokas und Tzimiskes. So berichtet er nur sachlich über die Mißstimmung gegen Phokas. Ein Scheingefecht im Hippodrom führt zur Panik und läßt die schwelende Kritik zum Durchbruch kommen. Auch Leon Kuropalates, Verwandter des Kaisers, stiftet durch Habsucht und Spekulation böses Blut (IV 6 = 64). So kommt es zu Unruhen, zum Aufstand, doch bleibt Phokas unbeweglich, quittiert selbst Steinwürfe mit schweigender Verachtung. Seinem Mörder und Nachfolger Tzimiskes wird zwar sein gottesfrevlerisches und unheiliges Verbrechen vorgeworfen, auch werden bei der Musterung der virtutes et vitia des Kaisers seine Tafel- und Liebesfreuden erwähnt, doch ist das alles beim Nachruf (X 11 = 178) längst vergessen und allein die virtutes behaupten das Feld. 709

Michael Psellos, Hist. (Konst. I X c. 26 = Renauld I 130). Michael Attaleiates (Bonn) 284, 286, 287, 292. 711 Nikephoros Bryennios (Bonn) II 1 (55, 14). 712 Leo Allatius.DeSymeonibus diatriba 149, vgl. F. Hörmann a. O.XIIImit weiteren Zeugnissen. 713 Niketas Choniates (Bonn) 73, 74, 79 über Manuel I., 356 über Andronikos I. 714 Georgios Akropolites (Heisenberg). Theodor II. Laskaris: I 3 1 , 124, 130, 153fr. (Demut), 156. Michael VIII. Palaiologos: 184 F. (Demut). 715 Nikephoros Gregoras (Bonn) I 127, 258, 4 3 1 . 488, 564, II 6 1 1 , 922, 1015, 1021, 1028, ΕΠ 63, 127, 242, 252. 710

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Abriss der römischen Ostpolitik

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Socinenija knjazja Kurbskogo t. I Socinenija original'nye ed. G. Z. Kuncevic. S. Peterburg 1914 (Russkaja istoriceskaja biblioteka t. X X X I ) . Lebenszeit: 1528—1583. Als weiterer wichtiger Emigrant wäre G. K . K o t o s i c h i n zu erwähnen (c. 1630—1667). Seine Schmähschrift: O Rossii carstvovanie Alekseja Michajlovica. SPB 1840 (1906 4).

IV. Politik und Kriegführung im Osten ι. Abriss der römischen Ostpolitik 717 Zusammenfassende Darstellungen oder Skizzen zur Geschichte des Ostens in römisch byzantinischer Zeit: Th. M o m m s e n , Römische Geschichte 5 (Berlin 1894) Kap. I X (339—445). J . B u r c k h a r d t , Die Zeit Constantins des Großen. Leipzig 3 1898. Phaidon-Ausgabe Wien o. J . Bury, L R E Bd. 1. E . S t e i n , Geschichte des spätrömischen Reiches. Wien 1928. W. S c h u r , Die orientalische Frage im römischen Reich. Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Bildung 2 (1926) 273fr. W. E n s s l i n , Die weltgeschichtliche Bedeutung der Kämpfe zwischen Rom und Persien. Ebda. 4 (1928) 399/415. Fr. S p i e g e l , Eranische Altertumskunde. 1—3. Leipzig 1871—1878. E . K o r n e m a n n , Weltgeschichte des Mittelmeer-Raumes. 1—2. München 1948/49. A. C h r i s t e n s e n , L'Iran sous les Sassanides2. Kopenhagen 1944. R. G h i r s h m a n , L.' Iran. Des origines à l'Islam. Paris 1951. F. A l t h e i m , Niedergang der Alten Welt. Eine Untersuchung der Ursachen, ι—2. Frankfurt a. M. 1952. F. A l t h e i m , R. S t i e h l , Ein asiatischer Staat. Feudalismus bei den Sasaniden und ihren Nachbarn. Wiesbaden 1954 (hierin S. 51—128 die wichtige Untersuchung von R. G ö b e l : .Aufbau der Münzprägung"). Dies.: Finanzgeschichte der Spätantike. Frankfurt a. M. 1957. N. P i g u l e v s k a j a , Goroda Irana ν rannem srednevekove (Die Städte Irans im frühen Mittelalter). M.-L. 1956. Für die geographischen Grundlagen ist von besonderer Bedeutung: E. H o n i g m a n n , Die Ostgrenze des byzantinischen Reiches von 363 bis 1071 nach griechischen, arabischen, syrischen und armenischen Quellen. Brüssel 1935 ( = A. A. Vasiliev, Byzance et les Arabes 3). Von den Gesamtgeschichten des Oströmischen Reiches sind für die vorliegenden Fragen von besonderer Bedeutung: E . G i b b o n , History of the decline and fall of the Roman Empire I—VI London 1776—88 (ed. with introduction,notes, appendices and index by J . B . B u r y I—VII. London 1896— 1900, 19095 3 ). Ch. L e B e a u , Histoire du Bas-Empire I — X X X . Paris 1757—84. N o u v e l l e édition, revue entièrement, corrigée et augmentée d'après les historiens orientaux par M. de Saint M a r t i n et continuée par M. B r o s s e t I — X X I . Paris 1824—1836. The Cambridge Medieval History. Weitere Gesamtgeschichten sind zusammengestellt bei G. M o r a v c s i k , Byzantinoturcica I (Budapest 1942) 22ff. Berlin, 1958 2 , 15ff. Wertvolle Bemerkungen enthält auch R a n k e s Weltgeschichte. 718 Pseudoklementinen. Vgl. B o u s s e t , Zur Dämonologie der späteren Antike. Arch. f. Rel.Wiss. 18, 163. 719 B. R u b i n , Die Entstehung der Kataphraktenreiterei im Lichte der chorezmischen Ausgrabungen. Historia 4 (1955) 264/83 (Festschrift W. Ensslin). 720 W. S c h u r , Die Orientpolitik des Kaisers Nero. Klio, Beiheft 15 (1923). H o h l , R E Suppl. Bd. 3 Sp. 379/94 (Nero). S t e i n , ebda Sp. 394/410 (Corbulo). W. G é r a r d , Nero. Freiburg-Zürich 1957. Ferner sind die Arbeiten von O. V. K u d r j a v e c zum Thema heranzuziehen: 1. Rimskaja politika ν Armenii i Parfii ν pervoj polovine pravlenija Nerona. (Die römische Politik in Armenien und Parthien in der ersten Hälfte der Regierung Neros.) Vestnik drevnej istorii 1943 No 3, 52—65. 2. Vostocnaja politika Rimskoj imperii ν nacale pravlenija Nerona (Kritiöeskij obzor istoriografii voprosa). (Die Ostpolitik des Römischen Reiches am Anfang der Regierung Neros. Kritischer Überblick über die Historiographie des Problems.) V D I 1948 No. 2, 83—95. 3. Rim, Armenija i Parfija vo vtoroj polovine pravlenija Nerona. (Rom, Armenien und Parthien in der zweiten Hälfte der Regierung Neros.) V D I 1948, No 3, 46—62. 721 w . W e b e r , Rom, Herrschertum und Reich (Stuttgart 1937) 88ff., io8ff. 722 K . G ü t e r b o c k , Byzanz und Persien in ihren diplomatischen Beziehungen im Zeitalter Iustinians. Berlin 1906. R. H e l m , Untersuchungen über den auswärtigen diplomatischen Verkehr des römischen Reiches im Zeitalter der Spätantike. Arch. f. Urkundenforsch. 12 (1932) 375ff. F. D ö l g e r o. Anm. 723 C h r i s t e n s e n 2 97fr. (L'organisation de l'empire). 724 C h r i s t e n s e n 262. 726 R. G ö b e l bei A l t h e i m - S t i e h l , Asiat. Staat 103f. 725a Finanzgesch. 317. 726 W. E n s s l i n , Zur Ostpolitik des Kaisers Diokletian. Sitz.-Ber. Bayer. Akad. Wiss., Phil. Hist. Abt. 1942, ι . München 1942. Ders. Valerius Diocletianus, R E 7 A, 2479/95. Ders., Zu den Kriegen des Sassaniden Schapur I. Sitz.-Ber. Bayer. Akad. Wiss. Phil. hist. Kl. 1947, 5. München 1949. 727 A. P o i d e b a r d , La trace de Rome dans le désert de Syrie. Le „Limes de Trajan à la conquête arabe. Paris 1934. Ders.: Mission aérienne de Sir Aurei Stein en Irak (Mars-avril 1938). La

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Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

728

Géographie 70 (1938) 103/4. P. M o u t e r d e , A. P o i d e b a r d , Le Limes de Chalkis. Organisation de la Steppe en Haute Syrie Romaine. Documents aériens et épigraphiques. Paris 1945. S. P. T o l s t o v , Auf den Spuren der altchoresmischen Kultur. 14. Beiheft zur „Sowjetwissenschaft" Berlin 1953. Ferner sind die „Luftausgrabungen und Bereicherungen der diesbezüglichen Methodik" vom Engländer C r a w f o r d und Amerikaner E. Schmidt zu vergleichen. B. R u b i n , Das neue Bild der Geschichte Eurasiens. Ein Bericht über S. V. K i s e l e v , „Geschichte Südsibiriens im Altertum". Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 2 (1954) 89—120. 728

Christensen 267. Amm. Marc. X V I I 5 , iff. X V I I I 6, 22 C h r i s t e n s e n 238fr., R. G ö b e l bei A l t h e i m - S t i e h l , Asiat. Staat 107 ff. 730 Amm. Marc. X V I I 5, 3—14. 731 Amm. Marc. X V I I 5,5. 732 Themistios, Or. IV 57b; vgl. or. XIII 179c. Dazu die Note des V a l e s i u s in seiner Ammianusausgabe, auch in der erweiterten Ausgabe von Wagner-Erfurdt (cum notis Frid. Lindenbrogii, Henr. et Hadr. Valesiorum et lac. Gronovii) II (Leipzig 1808) 267. 733 C h r i s t e n s e n 258—315 (Les chrétiens de l'Iran). 734 Ρ I 3 f. P v K 88. 735 Η. G r é g o i r e , Mélanges Ch. Diehl 1, io7f. A l t h e i m - S t i e h l , Asiat. Staat 191. 736 A l t h e i m - S t i e h l , Ein asiat. Staat i89ff. Zu den Mazdakiten: Pigulevskaja, Goroda Irana 27 9 f f . 737 Ρ I 7,i. Anders A l t h e i m - S t i e h l , Ein asiat. Staat 33. Jos. Styl. c. 47f. 738 A. R o s e , Kaiser Anastasius Ι. (I: Die äußere Politik des Kaisers) Halle a. S. 1882. W.G. H o l m e s , The age of Justinian and Theodora2. I (London 1912). B u r y L R E II. E. Stein II 77fr. Friedensschluß : November 506. 739 P v K 304. U. Anm. 740 Ρ An 19,5 προνοητικώτατόζ τε άμα καΐ οίκονομικώτατος πάντων αυτοκρατόρων. 729

2. Kaiser Iustinus und der Beginn des 741

Perserkrieges

Den Chronisten des Ostens waren die Zusammenhänge durchaus geläufig: Zach. Rhet. VII 14 (138,17 A.-K.). „Ein Gesinnungsgenosse des Glaubens der Bewohner von Rom, weil er aus dieser Herrschaft war". Ähnlich V I I I 1 (140,36). Vgl. Mich. Syr. I X 2. „Comme les Thraces, ses concitoyens, les Romains et les gens d'Italie, à cause de Léon, étaient partisans du Synode de Chalcédoine, il s'imagina que si tous les pays acceptaient le synode, il n ' y aurait q u ' u n seul e m p i r e " . Gerade diese späten monophysitischen Quellen verraten überraschende Einsicht in die Zusammenhänge zwischen Religion und Politik. Vgl. weiter Victor Tonn, zum Jahr 518,2; Theod. Lect. (MPG 86,204); Theoph. A M 6011 (164,31—165,1); D u c h e s n e in: Byzantin. Zeitschr. 1 (1893)531. E. S t e i n : R E 10 Sp. 1316. Zur Ostpolitik Iustins: A. S o l a r i , La politica estera orientale durante l'impero di Giustino. Atti Acc. Naz. dei Lincei, Rendic. Cl. Se. M., L. e Fil. VIII 3 (1948) 350—359. ï42 Zach. Rhet. VIII 2 (141), V i l i 4 (156fr.). Ebda. 157: „Aus diesem Grund siedelten sich auch in der Wüste vier bis fünf Vereinigungen von Einsiedlern an . . . " ; 159: „die Wüste . . . flöß von der Menge der Gläubigen über, die sich dort aufhielten, und von anderen, die, teils weil sie ihre Brüder in christlicher Liebe besuchten, teils aber weil sie von den Bischöfen in den Städten von Ort zu Ort verfolgt wurden, täglich zu ihren Brüdern hinzukamen und an Zahl wuchsen, daß sie gewissermaßen ein Staatswesen (πολιτεία) von edlen und gläubigen Priestern und der erlauchten Bruderschaft bei ihnen wurden". Zu den nationalen Tendenzen im Konfessionskampf schon unter Diokletian vgl. etwa M. V o g e l s t e i n , Kaiseridee — Romidee und das Verhältnis von Staat und Kirche seit Constantin (Breslau 1930) 74. Zum Mönchtum in Nordsyrien: E. H o n i g m a n n , Nordsyrische Klöster in vorarabischer Zeit. Zeitschr. f. Semitistik u. verwandte Gebiete (1922) 15/32 mit einer Karte der Klöster, ferner die Anm. 818 genannte Literatur zur christlichen Archäologie Syriens und R. D e v r e e s s e , Le Patriarcat d'Antioche (Paris 1945) i6off. Vgl. Anm. 820. 743 Malalas 412, i6ff. Chron. pasch. 613f., Stein II 267. 744 Malalas 4 1 4 , 1 7 f r . , Chron. pasch. 6 1 4 f r . 745 Adoptions Verhandlungen: P I 1 1 , 2ff. Theoph. A M 6013 (167, 24) ZonarasXIV 5, 24 (III148 B.-W.) C h r i s t e n s e n , L'Iran sous les Sassanides2 (358/61). Exemplum-praeiudicium unter Yazdgard I. : P I 2 (PvK 88). C h r i s t e n s e n 270. B u r y L R E II 2 und Spätere sehen den ganzen Adoptionsplan als ein zu nichts verpflichtendes Kompliment an. Zur Adoption Eutharichs durch Waffenleihe: Cass. Var. VIII 1,3. /actus est per armafiltus.Stein, R E 10, I323f. O. M e y e r , E15 τόν ρήγα Σαζωνίας Festschrift Α. Brackmann (Weimar 1931) 133. R. H e l m , Untersuchungen über den auswärtigen diplomatischen Verkehr des römischen Reiches im Zeitalter der Spätantike. Archiv für Urkundenforschung 12 (1932) 325 ff. F. D ö l g e r , Die „Familie der Könige" im Mittelalter. In: Byzanz und die

75°

Kaiser Iustinus und der Beginn des Perserkrieges

485

europäische Staatenwelt (Ettal 1953) g ff. Proklos: Ρ I I i , 11 άνήρ δίκαιος τε καΐ χρημάτων διαφανώ; άδωρότατος. Ρ An 6, 13 αύτονόμω γνώμη άπαντα επρασσεν. loh. Lydos, De mag. III 20 (108, 24) Πρόκλος ó δικαιότατος. Zu den persischen Titeln C h r i s t e n s e n 99, 131. spähbadh = General, Armeeführer; arteshtäränsälär entspricht nach Christensen vermutlich demErän-spähbadh (Oberkommandierenden der gesamten persischen Streitkräfte), eine Stellung, die von Chusrö I. abgeschafft wurde. Übrigens liegt hier die Parallele zu Iustinians Bedenken, Beiisar nach den Erfahrungen von 534 und 540 nochmals zum Generalissimus zu ernennen, auf der Hand. 746 Ρ I Ii, 28 γήν δέ τήν Κολχίδα, ή νυν Λαζική επικαλείται, Σεόσης ελεγε Περσών κατήκοον τ ό ανέκαθεν οόσαν βιασαμένους λ ό γ ω ούδενί "Ρωμαίους εχειν. 747 V i t a l i a n u s , „ein Gote" Zach. Rhet. V I I I 2 (141,23) „aus Thrakien" Ρ I 8, 3; 13, io. Er wird 520 (in seinem Konsulatsjahr) auf Betreiben Iustinians gewaltsam beseitigt. Ρ An 6, 2 j t . Malalas 412, 10 Hermes VI 375 Marceli, com. zum J. 519f. lord. Rom. 361 Zach. Rhet. VIII 2 p. I 4 i f . (dazu Krüger S. 354) Vict. Tonn. z. J. 522. 523, 3. Euagr. IV 3 (154 Bid.-Parm.) loh. v. Nikiu 502 Theoph. A M 6011 p. 165, 3—9 (de Boor) A M 6012 p. 166, 19—21 R E 10, 1317. H e i m o g e n e s , einstiger πάρεδρος des Vitalianus Ρ I 13, io; „ein Skythe" Malalas 445, 18. Einflußreicher Sondergesandter und Mitfeldherr Beiisars 530 bei Darà. K u t z e s , Malalas 441,21 dux von Damascus, fällt 528 als Befehlshaber der Libanontruppen, Ρ I 13, 5. B u z e s , Sohn des Vitalianus, Ρ I 13, j , steigt bis zum magisterium militum Orientis auf. Sein Schwestersohn (Zach. Rhet. I X 4 p. 172, 8) D o m n e n t i o l o s ist 549/55° Festungskommandant von Messina Ρ VII 39, 2. E r wurde 530/531 gegen Izdegerd, den Neffen des Vitaxa von Arzanen, ausgetauscht. Zach. Rhet. I X 5 p. 172, 16, 173, 9. J o h a n n e s , Neffe des Vitalianus, Ρ VI 5, 1 VIII 35, 34. Nächst Beiisar und Narses bedeutendster Feldherr des Gotenkriegs, heiratet die Tochter des Germanus (Vetters Iustinians) Ρ V I I 12, I i . Sein Neffe B o n u s (Βόνος) ist 544/545 Festungskommandant in Genua. Domnentiolos' Sohn J o h a n n e s (Menander frg. 15 Mü. = 188, 18 de Boor) verhandelt nach Abschluß des endgültigen Perserfriedens als Gesandter des Iustinus mit den Persern über das Schicksal Swanetiens. Damit verglichen sind die Schicksale der nachweisbaren Verwandten des Kaisers Anastasius überschattet, doch werden auch sie zu wichtigen Unternehmungen herangezogen, die freilich meist sehr kläglich auslaufen. H y p a t i o s , Neffe des Anastasios, Ρ I 8, 2; 11, 24, hatte persönliche Differenzen mit Vitalianos, dessen Frau er nach Angabe des Zach. Rhet. VII 13 p. 137, 10 ff. VIII 2 p. 141, 32 vergewaltigt haben soll. Er wurde zu den Adoptionsverhandlungen verwandt Ρ I I i , 24, Zach. Rhet. VIII 5 p. 157, 35, oben Anm. 745, war zweimal magister militum Orientis Ρ I 11, 31—39 Malalas 423, 13 Theoph. A M 6016 (170, 30). Hypatios wurde nach den Adoptionsverhandlungen abgesetzt aber schon 527 wieder zum mag. mil. ernannt. Er endete als Usurpator im Nikaaufstand. P r o b u s , Neffe des Anastasius, Ρ I 12, 6 Malalas 438, 21 Zach. Rhet. VII 10 p. 131, 25 „dem Probus und dessen Verwandten". Mißglückte Gesandtschaft nach Bosporos (Kertsch). Vgl. S. 261 f., Ρ I 12, 6; Zach. Rhet. X I I 7 p. 255, 10. P o m p e i u s , Neffe des Anastasius, Ρ I 24, 19; Malalas 442, 14 (Πόμπιος) patricius, Führer eines Heeres, über dessen Erfolge freilich nichts bekannt wird. Seine Frau Anastasia und deren Nichte Magna sind bezeugt. Ein weiteres Mitglied der Familie ist J o h a n n e s , der von Theodora mit ihrer Nichte Preiecta verheiratet wird (Ρ VII 31, 14, vgl. loh. v. Eph. p. 55). I u l i a n a , Tochter des Konsularen M a g n u s aus dem Geschlecht des Kaisers Anastasius und Schwägerin des Kaisers Iustinus, loh. v. Eph. p. 56. . . . und die Consularen I o a n e s und P e t r u s aus der Familie des Kaisers Anastasius . . . loh. v. Eph. p. 238; Men. frg. p. 120. Caesaria, Schwester des Kaisers Anastasios, loh. v. Antiochia frg. 214b § 2, F H G V ι, 30; loh. v. Nikiu 502. 748 Ρ I 12, ι—4. Κ. K e k e l i d s e , Die Bekehrung Georgiens zum Christentum. Morgenland, Darstellungen aus Gesch. u. Kultur des Ostens, H. 18. Leipzig 1928. P. P e e t e r s , Les débuts du christianisme en Géorgie d'après les sources hagiographiques. Analecta Bollandiana 50 (1932) 5/58. M. T a r c h n i s c h w i l i , Die Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Autokephalie Georgiens. Kyrios 5 (1940/41) 177/93. G. T o u m a n o f f , Christian Caucasia between Byzantium and Iran: new light from old sources. Traditio 10 (1954) 109/89. 749 Zu den persischen Religionsgebräuchen Ρ II 28, 25 (μονότροποι). Agathias III 8—14. C. C l e m e n , Die griech. u. lat. Nachrichten über die persische Religion. J . J . M o d i , Religious ceremonies of the Parsees. Bombay 1922. B e n v e n i s t e , The Persian Religion. Paris 1929. L o m m e l , Perser, Parsen religionsgeschichtlich: Die Religion in Gesch. u. Gegenwart 4, 2 (1930). v. W e s e n d o n k , Das Weltbild der Iranier. 1933. M. N. D h a l l a , History of Zoroastrianism. New York 1938. Ders.: Ormazd et Ahriman. Paris 1953. A. C h r i s t e n s e n , Essai sur la démonologie iranienne. Kopenhagen 1941. Ders.: L'Iran sous les Sassanides2 (Kopenhagen 1944) 141 ff. Ferner E. ν. L e h m a n n in: Lehrbuch der Religionsgeschichte (Saussaye) 2 (Tübingen 1925) 248ff. F. K ö n i g , Die Religion des Zarathustra. In: Christus und die Religionen der Erde 2 (Wien 1951) 607/63. J . L a b o u r t , Le christianisme dans l'Empire perse sous la dynastie sassanide. Paris 1904. 750 Vgl. H. G e i z e r in Zach. Rhet. (Ahrens-Krüger) S. 383.

486

Anmerkungen : Politik und Kriegführung im Osten

751

751

Ρ I 12, 6; Zach. Rhet. X I I 7 (254—256; 383) S t e i n R E 10 Sp. 1326. Zur UnZuverlässigkeit der Sahiren: Malalas 414, 17 (Zilgibi). Bosporos: A . A . V a s i l i e v , The Goths in the Crimea (Cambridge Mass. 1936) 7of. 752 P I 12, 9; 18, 6; II 15, 6. 753 Ρ I 12, io. Über Vahrïz Bôê vgl. M a r q u a r t Z D M G 49, 637 n. 6. C h r i s t e n s e n 2 336, 6. Z u m Namen Gurgenes: J u s t i , Iran. Namenbuch 355. 754 Ρ I 12, i 4 . 755 ρ ν π ί i 3 , i 5 , Σκάνδα, Σαραττανί;. Strabo X I 49 8» 5 0 0 τ ά Σαραττανά. Menander frg. 1 1 , F H G I V 216 ( = 1 8 6 , 23 de Boor) Σκάνδείξ, Σάραττα. N o v . 28 pr. Σκάνδίξ, Σαροατανίΐ· Über Sarapana am Fluß Kwirila mit den Ruinen der Festung Sarapani vgl. K o c h , das Riongebiet. Petermanns Mitteilungen (1856) 327f. K i e p e r t F O A VII. H e r m a n n R E Ι Α Sp. 2392. A u f heutigen Karten wird der Ort als Station Sorapani der Bahn Tiflis-Batum geführt.

3. Erste 756

Kampfhandlungen

in Armenien

und

Nordmesopotamien

Ρ 1 1 2 , 20—24. 757 Ρ I 12, 23. Haury möchte Libelarius mit dem Goten Liberarius bei Zach. Rhet. V I I I 4 p. 154, 2 zusammenstellen. Das Jahr 525 (836 — III nach Zach. V I I I 4 p. 154, }) unter dem Liberarius erwähnt wird, paßt ausgezeichnet, ebenso die Angabe Prokops, daß Libelarius aus Thrakien stammt; es würde sich also um einen thrakischen Goten handeln. Vgl. auch Zach. Rhet. I X 6 p. 175, 13 „ i m Jahre I V (526) zur Zeit des dux Liberarius". Doch ist zu berücksichtigen, daß Libelarius einfach ein Titel des von Zacharias I X 1 p. 168, 28 erwähnten dux Timostratos sein kann. Timostratos wird von los. Styl, bestätigt, ζ. B. 97 p. 74 (Wright). Man hat also evtl. mit einem dux Osrhoenae Timostratos zu rechnen, der ehemals Vorstand des scrinium a libellis war. Z u Zach. Rhet. V I I I 5 S. 157 vgl. Stein, R E 10, Sp. 1325 und Honigmann, R E 17, 753. Die Ansicht von Krüger (Zach. Rhet. p. 361), wonach die Adoptionsverhandlungen gemeint seien, wird abgelehnt und entweder eine von Prokop nicht erwähnte Friedensverhandlung im Jahre 527 oder Verwechslung mit den Verhandlungen von 531 angenommen. Im ersteren Falle würde die „Schädig u n g " von Nisibis und Arzanene (VIII 5 S. 157, 35) sich mit den von Prokop überlieferten Zügen des Beiisar, Sittas, Libelarius decken. Da beides noch unter Iustinus berichtet wird, würde es der Identifizierung von Zach. Rhet. I X 1 p. 168, 26 (Nisibis — Tebeth) mit Prokop chronologisch vorzuziehen sein, weil Nisibis-Tebeth erst um die Zeit (Zach. Rhet. 168, 27) des Thronwechsels belagert wurden. Doch ist die Datierung von Zach. I X 1 p. 168, 26ff. so allgemein, daß man ebensogut an das letzte Jahr Iustins denken kann. Auch die Beiläufigkeit, mit der die „Schädigung" erwähnt wird, spricht für Kontaminierung mit Zach. 168, 30. E . S t e i n (II 272 a ) sieht in Timostratos und Libelarius zwei Personen, von denen Timostratos und nicht Libelarius der Vorgänger Beiisars als dux Mesopotamiae war. E r hält Timostratos für einen magister militum vacans. Vgl. auch W. E n s s l i n , R E 6 A Sp. I322f. 758 Tebeth (Zach. Rhet. I X 1 p. 168, 32 nach Tab. Peut. Thebeta 33 Mill, von Nisibis, 52 von Singara am Nordabhang des öebel Singar, M i l l e r , It. Rom. 7 7 1 ; 15 Parasangen von Dara nach Zach. 169, 1 ; es spielte eine Rolle im Partherkrieg Traians (Steph. Byz. [nach Arrian Πάρθικα έν β ι β λ . ι ζ ' I i . Buch]), vgl. Müller F H G II 588 f r g . i o ; A . G . R o o s , Studia Arrianea, 1 9 1 2 , 56; ebenso im Perserkrieg des Iulian 363, Amm. Marc. X X V 9, 3 ad Hibitam stationem. Not. Dign. Or. X X X I V § 1 7 ( 1 9 3 ; vgl. II 4 1 4 Böcking)Equités . . . Thibitenses. Theoph. Simoc. III 10 (134, 9B.) τόΘεβοΘών (Θηβηθών loh. Epiph.) ; Byzantion I X (1934) 479. 759 Zach. Rhet. I X 2 p. 169, 24. 760 Ρ I 12, 21. 761 Solche Unternehmungen charakterisiert Prokops ττολυανθρωττία τ ε χ ν ι τ ώ ν (I 1 3 , 3). 762 Zach. Rhet. I X 2 p. 169, 10 ff. 763 P A e d II 6, 15. 764 N ö l d e k e Z D M G 33 (1879), 157—165. Dazu K r ü g e r in Zach. Rhet. S. 365. 765 Über das Adelsgeschlecht Mihran, in dem das Armeekommando vermutlich erblich war, vgl. I u s t i , Namenbuch S. 214 s. v. Mi]?räna, C h r i s t e n s e n 2 S. 105 Anm. 3. Μέραν (Malalas 441, 20) wird wohl identisch sein mit Μηράμ ò π ρ ώ τ ο ; ε ξ α ρ χ ο ; τ ώ ν Περσών (Malalas 45 2> 22 )> σ τ ρ α τ η γ ό ς δέ ε!$ ά π α σ ι ν έφειστήκει. Πέρση; άνήρ, μιρράνη; μεν τ ο αξίωμα (ούτω y à p τ η ν α ρ χ ή ν καλοϋσι Περσαι), Περόζης δέ όνομα ( P I 1 3 , 6), also dem Führer der Perser bei Dara, der demnach auch bei Thannuris das tatsächliche Oberkommando hatte. Der gegen Lazika eingesetzte Königssohn Përôz ist von diesem Mihran Peröz zu trennen, da er als Sasanide nicht gut ein Mitglied der Familie Mihran sein konnte. Peröz hieß auch sein Großvater, der Vorgänger Kawä6s. 766 Zach. I X 2 p. 169, 10 — 170, 20; Ρ 1 1 3 , 5—8; Malalas 441, 13 — 442, 7. Die stark detaillierte Erzählung des Zacharias zwingt dazu, mit dem Text Prokops hart zu verfahren: Dieser tut das Jahr 528 kurz ab, übergeht das Jahr 529 vollständig, bringt die für Beiisar schmeichelhafteren Ereignisse

778

Erste Kampfhandlungen in Armenien und Nordmesopotamien

487

des Jahres 530 bei Dara desto ausführlicher. Das ist um so unverzeihlicher, als er dank seiner damaligen Stellung als ξυμβουλεύς Beiisars in Dara ( P I 12, 24) über diese Dinge genau Bescheid wußte. Über die Parteilichkeit Prokops ist auch anläßlich der Schlacht bei Kallinikos zu reden. Zacharias IX 6 ρ. 174,8 —12 bringt die Einschätzung der Ereignisse im Orient, die Prokop geschickt zugunsten Beiisars zu retuschieren versteht: „Belisarios aber war, weil er wegen der Vernichtung des römischen Heeres durch die Perser bei T a n n û r î n und am Euphrat vom Kaiser getadelt war, abgesetzt worden und zum Kaiser gegangen, und sein Nachfolger in Dara war Konstantinos geworden." Thannuris und Kallinikon waren also Begriffe von gleichem politischem Stimmungsgehalt, die den Ruhm Beiisars natürlich nicht schmälerten, aber damals gerade im Orient peinliche Erinnerungen waren. Man darf sich nicht (wie Bury L R E I l 8 i ; A n m . i ) auf die beschränkte Verantwortlichkeit Beiisars berufen. Vgl. PvK 92ff. = R E 23 Sp. 368. 767 Ρ I 13, 5 ; Malalas 441, 21 ; Zach. 170, 2 (A-K). 7C8 Ρ I 13, 5 . 769 Malalas 441, 21. 770 Malalas 441, 22. 771 Malalas 441, 23; Zach. Rhet. 170, 2 (Basil). 772 Zach. Rhet. 170, 2. 773 Malalas 441, 24; Zach. Rhet. IX 2 p. 170, 3 ('Atfar). 771 Zach. Rhet. IX 2 p. 170,3—12. Zum Grabensystem bei Dara vgl. Ρ I i j , 13fr. Persische Gräben werden auch erwähnt bei Gabbula, Kallinikos und Martyropolis. Malalas 461, 21; Zach. Rhet. IX 4 p. 171, 24; IX 6 p. 174, 3 (A-K). 775 Prokop erwähnt die Fallgrubentaktik zuerst I 4,7 als eine von den hephthalitischen Hunnen im Kampf gegen Großkönig Përôz angewandte Kriegslist. Hier wurde in einem Tal ein tiefer und breiter Graben ausgehoben und mit Rohrgeflecht und Erde zugedeckt. In der Mitte ließ man eine Erdbrücke frei, die von zehn Reitern gleichzeitig passiert werden konnte. In der Schlacht hielt sich die Masse hinter dem (unkenntlichen) Graben, während ein Teil der hephthalitischen Reiter vor dem Graben in Angriffstellung ging, die Perser Zur Attacke verlockte und sich so wie zuvor einexerziert über die Erdbrücke in Sicherheit brachte, während die Perser großenteils mit Mann und Roß einbrachen. 776 Ρ Aed II 6, 15. 777 Ρ I 13, 2; Zach. IX 5 p. 172, 18—25 ; 366f. ( = Land, Anecdota Syriaca II 259 = CSCO Scr. Syr. Ser. III t. VI 96, 2 0 = 66 Übs. Brooks); E.Honigmann,Ostgrenze I7f. Hier wird die Schlacht am Melabas ins Jahr 530/31 gesetzt, während Zacharias die 5. Indiktion (bis 1. IX. 527) angibt. Dieser hält sich bekanntlich nicht streng an die Chronologie. Das 9. Buch enthält zunächst die Schilderung des Thronwechsels und anschließend in zeitlicher Reihenfolge : ι . 168, 26 — 169, 9 Krieg des Timostratos gegen Nisibis und Tebeth („in dieser Zeit"). 2. 169, 10—24 Bau von Tannûrîn. Überfall der Kadisäer und Araber („zu Lebzeiten des Kaisers Iustinian"); gleichzeitig den Ereignissen unter 1. 3. 169, 32 — 170, 20 Grabenkrieg bei Tannûrîn; nach Amtsantritt Beiisars. 4. 172, 18—25 Bau von Biddön; 5. Indiktion (526/527) Schlacht am Melabas. 5. 170, 21 — 171, 17 Schlacht bei Dara. 6. 171, 19 — 172, 14 Schlacht bei Kallinikos; 9. Ind. 530/31. 7. 172, 30 — 173, 7 Gadar gegen Bessas; 9. Ind. 530/31. 8. 173, 10—14. 9. 173, 28 — 175, 5 Belagerung von Martyropolis; Hunnen; „Anfangs des Jahres X " „Tesrin des Jahres X " (Okt. Nov. 531). 10. 175, 27 — 176, 28 Friede von 532 „im Jahre X I " , vgl. 173, 7—10 „Nach dem Friedensschlüsse im Jahre X " . Zu ι—4 ist zu betonen, daß auch die letzte Zeit Iustins gemeint sein kann, insbesondere natürlich die Zeit der Doppelherrschaft. Die Angabe 172, 21 führt auf August—September 5 27. Malalas bringt Nr. 3 unter dem Jahr 528. Die Lokalisierung von Minduos (Ρ I 13, 2), Biddön (Zach. 172, 21 erfolgte erst durch Hoffmann (Auszüge aus den syrischen Akten persischer Märtyrer, Leipzig 1880, 174 n. 1348) auf Mindon (vielmehr Mirdon) an der Mündung des Nymphios (Batman Su) in den Tigris. E. Honigmann (Ostgrenze S. 14,18) versucht Mindon mit Prokops Βιρθόν (Aed. II 4, 20) zu identifizieren. Biddön müsse auf dem linken Tigrisufer gesucht werden, weil die Schlacht am Melabas (Asit Dagh) stattfand, also entweder gegenüber Mirdon in Osmänköi oder tigrisabwärts gegenüber Hasankëf. Freilich kann Mirdon, zumindest für einen syrischen Autor, durchaus noch zur Umgebung des Asit Dagh rechnen. Zu den Kadisäern — Kadisenen vgl. Haussig bei AltheimStiehl, Finanzgeschichte der Spätantike (Frankfurt a. M. 1957) 107. loh. Antioch. fr. 98 De ins. (139, 6 De Boor). Demnächst F. A l t h e i m (Hunnen II) : ein Hunnenstamm. 778 Malalas 442, 7—17.

Anmerkungen : Politik und Kriegführung im Osten

488

779

Malalas 441, 16 ό γ ά ρ ΤΤερόζη; ό μείζων ulò; αύτοϋ (desKawäS) εττι τ η ν Λαζικήν και τ η ν Περσαρμενίαν έπολέμει μετά βοηθείας π ο λ λ ή ς : Parallelunternehmung zur mesopotamischen des Xerxes und Mihran (Thannuris); die Kargheit der Bemerkung widerspricht ihrer Bedeutung (μετά βοηθείας πολλής). 780 Ρ I 12, 9. 781 Malalas 427, ι—13 Große Verluste (επεσον έξ αμφοτέρων πολλοί). 782 Πέτρου σ τ ρ α τ η λ ά τ ο υ (Malalas 427, 11); für die Dienststellung (dux) vgl. P I 12, 8; 18, 6. 783 pür Kontaminierung von Malalas 427 und 441, 16 spricht die Stellung von 427 im Zusammenhang des Malalas. Der Chronist hat Notizen über östliche Randgebiete des Reichs zusammengestellt und sich vielleicht 441 nicht wiederholen wollen. E r bringt 426 die Befestigung von Palmyra, 427 Lazika, Martyropolis, Übertritt des Herulers ins Reich, 428 Chronologisches, 429 Sittas in Armenien, 431/432 Sabirisches und Bosporanisches, 433/434 Abessinisches und Südarabisches, 435 Sarazeneneinfälle. Während er 427 kein Wort über die persische Führung sagt, übergeht die Notiz 441, 16 die der Römer. 784 Malalas 426; 441, 20. Ρ Aed. II 11, 10—12. Hierzu die bedeutsamen Ausführungen von A. A l t , Der limes Palaestinae im sechsten und siebenten Jahrhundert n. Chr. Ztschr. Dt. Paläst.Ver. 63 (1940) 129/42. Ders. : Die letzte Grenzverschiebung zwischen den römischen Provinzen Arabia und Palästina. Ebda 65 (1942) 68/76. A l t weist im Gegensatz zu Sauvaget nach, daß die südlichen Limeszonen nicht ausschließlich der Verteidigung durch die arabischen Satelliten überlassen waren, sondern auch unter Iustinian noch mit Truppen besetzt waren. Vgl. Anm. 799, 820. 785 Cod. lust. I 29, 5. Vgl. Nov. 8, not. § 23. Mansi IX 391. Ρ Aed. III 1, 17. S t e i n II 289, 5 (gegen Bury). 786 Novelle 31 vom 18. III. 536. 787 Dem magister militum unterstanden bereits 531/532 duces in Martyropolis (Zach. Rhet. I X 6 p. 175, i Besas d. h. Βέσσας) umbenannt in Iustinianopolis (Malalas 427, 15) und Kitharizon (Zach. Rhet. 175, 4) also im nominell neutralen Gebiet der gentes. Vgl. Ρ Aed. III 2, 1 E. H o n i g m a n n Ostgrenze S. 16 f. 788 Malalas 430, 9; Theoph. 175, 10 Vict. Tonn. a. 527. Ρ An 9, 3. 9. Die Verlobung erfolgte in Konstantinopel im Hause des (sonst unbekannten) Antiochos am Hippodrom. 78β Ρ I 15, it)ff. II 3, 39; 29, 14 Aed III 6, 6—26. Tzanen im Reichsdienst: Ρ II 29, ioff. Sondername eines Tzanenstammes : (Οκενίται (Ρ Aed III 6, 18. 21). S t e i n II 291. Zum Überfall 505/6 Theod. Lector II 19 (MPL 86, 193). 790 Ρ I 15, Ii 24, 17. 795 Cod. lust. I 29, 5 : non tarnen qmntitatem eorum agminum minmntes: sed quia plttres eis addidimus sine rei publicae gravamine et sine augmento sumptuum, aliquantos subtraximus, ita tarnen, ut et post banc subtractionem ampliores remanserint, quam usque ad nostra feliciora fuerant tempora. 792 Malalas 431, 16 — 433, 2; Theoph. 125, 24 — 176, 17. 793 Malalas 432, 1. 791 Arrian. Peripl. 12, 9 τ ό 'Ιερόν τ ο ϋ Διός τ ο υ Ούρίου διέχει ά π ό Βυζαντίου σ τ α δ ί ο υ ; είκοσι καΐ έκατόν. Καΐ εστί στενότατον τ α ύ τ η τ ό στόμα τ ο υ π ό ν τ ο υ καλούμενον, καθότι εισβάλλει είς τ η ν π ρ ο π ο ν τ ί δ α . ΐ2, ι τ ο ύ τ ο δέ τ ό χωρίον, άρετήριον εστί τοις είς τόν Πόντον πλέουσιν; Vgl 25, 4; Ρ III 1» 8 μέχρι τ ω ν π ά λ α ι κυανέων λεγομένων π ε τ ρ ώ ν où καΐ νυν 'Ιερόν ονομάζεται; Oberhummer, R E 3 Sp. 75 2 Nr. 92. Κ. M ü l l e r , Geogr. gr. min. II 75ff. 795 Theoph. 176,12 bringt zusätzlich τόν ά π ό υ π ά τ ω ν Ί ω ά ν ν η ν , τόν iyyovov 'Ιωάννου τ ο ϋ Σκύθου, uiòv δέ τ ο υ πατρικίου 'Ρουφίνου . . . Bei Prokop I 11, 24 ist der patricius Rufinus ein Sohn des Silvanus. Mit Iohannes, dem Sohn Vitalians, hat dieser mindestens um eine Generation ältere Konsular nichts zu tun. Es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der späte Theophanes Iohannes versehentlich auf die Reise gehen läßt. Nach Malalas residierte Iohannes in Hieron, und die Flotte führte ein ungenannter Exarch nach Bosporos. 796 Vgl. K u l a k o v s k i j , Prosloe Tavridy (Kiev 1914) 60. 737 Malalas 432, 3 ήν δέ έν τ ή πόλει συναλλαγαί 'Ρωμαίων τε και Οΰννων; Theoph. 176, 2 συναλλάγματα πολλά. 798 Malalas 4 3 ° . 2 0 — 43 τ · Ι5'> Theoph. 175, 1 2 — 2 3 Βωαρήξ, Βαλάχ, Στύραξ, Γλώνη; Kedrenos 644. 779

4. Arabische

S atellitenstämme

im Vorfeld der

Großmächte

C a u s s i n d e P e r c e v a l , Essai sur l'histoire des Arabes avant l'islamisme. Paris 1847/48. O. B l a u , Arabien im sechsten Jahrhundert. Z D M G 23 (1869). Th. N ö l d e k e , Die Ghassänischen Fürsten aus dem Hause Öafnas. Abh. Akad. Wiss. Berlin. 1887 G. R o t h s t e i n , Die Dynastie der Lahmiden in al-Hïra, Berlin 1899. R. D u s s a u d , Les Arabes en Syrie avant l'Islam. Paris 1907. J. G u i d i , L'Arabie antéislamique. Paris 1921 (dazu W. Ensslin in: Bursian 213 (1927) 75f.). 799

8θ2

Arabische Satellitenstämme im Vorfeld der Großmächte

489

A i g r a i n , Diet, d'hist. et de géogr. ecclés. 3 (1924). G. O l i n d e r , The kings of Kinda of the family of Äkil al-Murär. Lund 1927. (Lunds Universitets Àrsskrift. N. F. 1. Abt. Bd. 23). H. G r é g o i r e , Mahomet et le Monophysisme. Mélanges Diehl I (1930) I09fï. H. C h a r l e s , Le christianisme des Arabes nomades sur le Limes et dans le désert Syro mésopotamien aux alentours de l'Hégire. (Bibl. des Hautes Études. Sc. rei. vol. 52) Paris 1936. S i r A u r e l S t e i n , Note on remains of the Roman Limes in North-Western Iraq. Geograph. Journ. 92 (1938) 62/6. J. S a u v a g e t , Les Ghassanides et Sergiopolis. Byzantion 14 (1939) 115/30. C. A. N a l l i n o , Raccolta di scritti editi ed inediti III : Storia dell' Arabia preislamica — Storia e istituzioni Musulmane. Rom 1941. R. D e v r e e s s e , Le christianisme dans la province d'Arabie. Vivre et Penser, II. sér. (Paris 1942) no/6. Ders.: Arabes-perses et Arabes-romains. Lakhmides et Ghassanides. Vivre et Penser,II. sér (Paris 1942) 263/307. Ders.: Le patriarcat d'Antioche. Depuis la paix de l'Église jusqu'à la conquête arabe. Paris 1945, S. 241ff.W. S meat on, The beginnings of Ghassân. Chicago, 111. 1943. 16 pages Lithoprinted (part of a Phil. D. thesis). (Vgl. Library of Congress, Ref. Dep.: The Arab. Peninsula Wash. 1951 No. 376). P. G o u b e r t , Le problème ghassanide à la veille de l'Islam. Actes VI. Congrès d'Ét. Byz. (Paris 1948) 1 (1950) 103/18. H. v. W i s s m a n n , M. H ö f n e r , Beiträge zur historischen Geographie des vorislamischen Südarabien. Akad. Wiss. u. Lit. Mainz, Abh. geistes- u. sozialwiss. Kl. 1952, 4. F. A l t h e i m , R. S t i e h l , Asien und Rom. Neue Urkunden aus sasanidischer Frühzeit. Tübingen 1952. Dies. : Ein asiatischer Staat. Wiesbaden 1954. S i d n e y S m i t h , Events in Arabia in the 6 t h century A. D. Bull, of the School of Oriental and African Studies. Univ. London 16, 3 (1954). W. C a s k e l , Entdeckungen in Arabien. Wiesbaden 1954 (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Geisteswissenschaften. Heft 30). I. K a w a r , Arethas, son of Jabalah. Journ. Amer. Orient. Soc. 75 (1955) 205/16. R. D u s s a u d , La pénétration des Arabes en Syrie avant l'Islam. Paris 1955. F. A l t h e i m , R. S t i e h l , Finanzgeschichte der Spätantike. Frankfurt a. M. 1957. I. K a w a r , Procopius on the Ghassanids. Journ. Amer. Orient. Soc. 77 (1957) 79/87. Ders. in: Byzantin. Zeitschr. 50 (angekündigt). Wichtige Grundlagen vermittelt: M. F r e i h e r r von O p p e n h e i m , Die Beduinen. Bd. I—III Leipzig 1939if. Ferner sind die (zur Zeit noch nicht in 2. Auflage verfügbaren) Artikel der Enzyklopädie des Islam heranzuziehen: J. S c h l e i f e r , Bakr. I (1913) 628ff. Fr. B u h l , Djadhïma I 1034. H. L a m m e n s , Djudhäml 1105fr. Ders.: Djäbiya I 1030. J. S c h l e i f e r , Ghassän II (1927) 150. Fr. B u h l , al-Hïra. II 333. Fr. K r e n k o w , Kinda. II 1094. H. L a m m e n s , Lakhm. III (1936) 12. H . H . B r ä u , Ma'add. III 62. Ders. : Tha'laba IV (1934) 796. Vgl. einstweilen auch: Isiàm Ansiklopedisi (türkisch). 800 C h r i s t e n s e n , L'Iran sous les Sassanides2 (1944) 274. 81,1 Zur bequemeren Übersicht sei die lahmidische Herrschertafel hergesetzt: Zunächst nach R. D u s s a u d (La pénétration des Arabes en Syrie avant l'Islam. Paris 1955) 65 : c. 270—300 'Amt I. b. 'Adì 300—328 Imru'ulkais I. b. 'Amt 328—358 'Amt II. b. Imru'ulkais 358—363 Aus b. Kalläm 363—388 Imru'ulkais II. 388—418 an-Nu'män I. b. Imru'ulkais Bei Smith, Events 430 wird für diesen 405—43 3 als Regierung eingesetzt und die Tabelle fährt fort mit 430—473 Mundir I. b. Nu'man 474—493 Aswad b. Mundir 494—500 Mundir II. b. Mundir 500—503 Nu'män II. b. Aswad 503—505 Abu Ya'fur b. 'Alkama 505—553 Mundir III. b. Nu'män 554—569 'Amr b. Mundir 577—580 Kabüs b. Mundir Suhrab 580—583 Mundir IV. b. Mundir 592—604 Nu'män III. b. Mundir 604—626 persische Gouverneure —631 Mundir b. Nu'män König auf Bahrain (Nach S m i t h , Events in Arabia 430. Vgl. die EI-Artikel Anm. 799). Die Gassanidenherrscher entnehme man den Zusammenstellungen bei Nöldeke-Tabari und N ö l d e k e , Gassaniden. Eine neuere Aufrechnung der relativen Regierungszahlen arabischer Quellen bei F. A l t h e i m und R. S t i e h l , Asien und Rom. Neue Urkunden aus sasanidischer Frühzeit. (Tübingen 1952) 51. 802 R o t h s t e i n und EI (Anm. 799).

490 803

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

803

O l i n d e r und E I (Anm. 799). 491/2 hatten die Razzien der Araber begonnen mit dem Vordringen eines näher nicht bekannten Stammes nach Emesa (Phoenicia Libanensis). Vgl. Cyrill. Scythop. V. Abramii 244, 2 Schwartz. Stein II 91. 804 Theoph. A M 5990 = 498 (I 141,1—9). O l i n d e r (Anm. 799) S. 51. Olinder will hier mit Recht die christliche Jahresrechnung des Theophanes berichtigen, übersieht aber, daß die (alexandrinische) Weltjahrzählung mit 498 in die Nähe des richtigen Wertes kommt. Freilich muß das Datum mit Rücksicht auf die Regierungszeit Nu'mäns noch etwas später angesetzt werden (Smith, Events 443). Zur (übertriebenen) Spiegelung der Razzien bei den Arabern vgl. Abü 'Ubayda in *Ikd al-farïd III 77, 28 (Olinder 57). 806 Theoph. 1 1 4 1 , 6—9. S m i t h , Events 445. Nach diesem bezieht sich die Genealogie „Arethas" auf den Vorfahren Hugr b. 'Amt b.Mu'äwiya b. al-Härit al-asgar. Stein I I 92 hält Ma'dikarib (den Sohn) für den Vorgänger des Härit b. 'Amt. 806 Theoph.1141,9—17. S m i t h , Events444· Vermutlich waren Ab ü-Karib und Härit b. Gabala Brüder und Iustinian suchte sie kurz nach 527 als antilachmidische Familie auszunutzen. Zu Jotabe auch Stein II 91. 807 Theoph. I 143, 21—25. O l i n d e r 51. 808 Theoph. I 144, 3—6. O l i n d e r 52. los. Styl. c. 57. Die bakritische Tradition übertreibt die von Härit erzielten Erfolge, bestätigt aber die vom Styliten berichteten Ereignisse (Olinder 61). 8 9 » O l i n d e r 61 ff. A A S S 19. Febr. III 132. 810 O l i n d e r 62. 811 Ρ 1 1 7 , 4 3 f. Euagr. I V 1 2 (162 Bid.-Parm.) Nonnosos F H G IV179. Anecd. Syr. I 13 Land. Elias von Nisib. I 5 Brooks. Symeon von Bëth Arsäm (unweit Seleukeia-Ktesiphon) Brief vom J . 524: 1. G u i d i , La lettera di Simeone vescovo di Bëth Arsäm sopra i martiri omeriti (mit Kommentar und Ubersetzung) Atti della R. Accademia dei Lincei 278 Serie III. Mem. della classe di science morali, storiche e filologiche. VII Roma 1881 S.471—515. In kürzerer Fassung ist der Brief indirekt überliefert bei Zach. Rhet. VIII 3 = 142—153 A.-K. = 192—203 Brooks-Hamilton, ferner im 3. Teil des Ps.Dionys v. Teilmahre nach Joh. v. Ephesos (Baumstark, Syr. Lit. 145) sowie Mich. Syr. I X 8 = II 184 Chabot. Vgl. V a s i l i e v , Justin the First 24. P v K 102 = R E 22 Sp. 376. Stein R E 10 (1919) Sp. 1323. R o t h s t e i n (Lahmiden 79) glaubt an persische Anstiftung Mundirs, die nach der Sachlage ausgeschlossen ist. 812 Ab -1-Farat, Kitäb al-agânï VIII 63. O l i n d e r 63. 813 O l i n d e r 64. 814 Uber die inneren Schwierigkeiten der Perser vgl. Malalas 444, 5—19; 472, 3—10. N ö l d e k e T a b a r i , Gesch. d. Perser 462ff. C h r i s t e n s e n , Le règne du roi Kawädh I et le Communisme mazdakite. Kopenhagen 1925 (D. Kgl. Danske Vidensk. Selsk. Skrifter. Hist.-fil. Meddelelser I X 6) 124. O l i n d e r 65. C h r i s t e n s e n , L'Iran 2 passim. A l t h e i m - S t i e h l , Ein asiatischer Staat passim (vgl. oben Anm. 799). P i g u l e v s k a j a , Goroda Irana ν rannem srednevekove (M.-L. 1956) 279fr. O. K l i m a , Mazdak, Geschichte einer sozialen Bewegung im sassanidischen Persien. Prag 1957. Zeitbestimmung für die durch arabische Quellen (Olinder a. a. O.) gesicherte Herrschaft Härit über Hïra: 1. Terminus post quem: Mundir empfängt in Hïra dieAnm. 811 erwähnten Gesandtschaften aus Byzanz und aus al-Yaman (letztere im Auftrage des Dü Nuwäs). 2. TodHärit 528 (Malalas 435, 1. Identifizierung des Αρέθαζ mit al-Härit b. 'Amr durch G u t s c h m i d . Vgl. N ö l deke, Die Ghassanischen Fürsten 171). R o t h s t e i n , Lahmiden 80. Olinder nimmt vorübergehend freundschaftliche Beziehungen (c. 500—525), ja selbst Lehnsverhältnis zwischen Härit b. 'Amr und Persien an. Hitti (History of the Arabs, London 1956) läßt Härit Hïra nach dem Tode KawäSs, der 529 erfolgt sei, verlieren. Ähnlich urteilte Fr. K r e n k o w , Enzykl. d. Islam 2 (1927) 1095. Chronologisch unmöglich (Härit starb 528, KawäS 531) geht das auf die lebhafte Tätigkeit des Thronfolgers Chusrô zurück. Wie KawäS in den Hintergrund trat, veranschaulicht auch Malalas 441, 18 und bezeugt damit für Persien eine ähnliche innenpolitische Lage, wie sie in Byzanz während der letzten Jahre Iustins I. bestand: ò γ α ρ π α τ ή ρ αυτών Κωάδη; èv αύτω τ ω καιρώ ούκ ήλθεν έττΐ τά 'Ρωμαϊκά. 815 Malalas 434» 2 1 els τό ενδότερου λίμιτον επί τά 'Ινδικά. Theoph. 1 1 7 9 . 1 7 eis το έσώτερου λιμιτόν vgl. Auct. Marc. com. ad a. 536 limitem Eufratesiae {= Strata Diocletiana). Malalas 303, 426, 434, 445,463. Die Theophanesstelle I 179, 17 soll als Verballhornung des Malalas ebenso wie I 178, 15 vernachlässigt werden. Vgl. R. D e v r e e s s e , Le Patriarcat d'Antioche depuis la paix de l'église jusqu' à la conquête arabe. (Paris 1945) 27of. Anm. 1 und unten Anm. 820. Mit einiger Einschränkung kann seine Dreiteilung des Limesbegriffes akzeptiert werden (1. Militärgrenze 2. politische Grenze 3. Grenzzone bzw. Grenzstraßensystem). Für χ verweist er auf Sextus Rufus (Breviarium c. 14) limes orientalis der traianischen, limes der diokletianischen Ära, beide supra ripam ñumims Tigridis. Für 2 zitiert er Auct. Marc. Com. ad a. 536 (limitem Eufratesiae) sowie Malalas 426 (Limes von Palmyra). Für 3 verweist er auf Amm. Marc. 23, 5 (interiores limites Diokletians bei Gelegenheit der Befestigung von Kirkesion). Zu diesem Typ rechnet Devreesse die verwandten Be-

8ι8

Arabische Satellitenstämme im Vorfeld der Großmächte

491

Zeugungen eines inneren bzw. äußeren Limes bei Malalas, Theoph. Ebenso möchte er gegen Poidebard die Stelle Chron. Pasch. 271 = I 504/5 (Bonn) „ z i v i l " interpretieren. Poidebard und Mouterde dürften jedoch den militärischen Charakter des hier erwähnten „Limes von Chalkis" zur Genüge erwiesen haben. Devreesse unternimmt den Versuch den „äußeren Limes" mit der „inneren Wüste" (Patr. Or. V I 5 § 33) gleichzusetzen. Daran dürfte richtig sein, daß jene Wüstengürtel, in die sich Mundir oder Härit im Bedarfsfall zurückzogen, für die Großmächte als praktisch unbetretbare Niemandsländer galten. Daraus wird man jedoch nicht folgern dürfen, daß ζ. B. die spärlichen Wasserstellen solcher Gebiete herrenlos waren. Je knapper die Substistenzmittel jener Limeszonen am Rande Indiens, d.h. Arabiens anzusetzen sind, desto leichter war die Beherrschung des jeweiligen Einflußgebietes durch den zugehörigen Araberstamm. Längere Aufenthalte der Phylarchen in solchen Räumen finden ihre Parallele in den Jahren, die Ibn Sa'üd bei den Murra der Rub 'el Chali verbrachte. Die unantastbare Freiheit der Murra im „leeren Viertel" Arabiens beruht ebenfalls auf ihrer Herrschaft über die spärlichen Lebensmöglichkeiten dieses Raumes. 8 1 6 Malalas 434, 19—435, 17. Z u m Datum vgl. N ö l d e k e , Ghassaniden 11 Anm. 3. Theoph. 179, 15—27 ordnet chronologisch falsch ein. Nach Malalas fiel Härit in der Schlacht. Die arabische Überlieferung divergiert. Malalas verquickt die Flucht Härit mit dem Diomedeszwischenfall. V g l . N ö l d e k e , Ghassaniden 11. O l i n d e r 53; 65—68. B. A i g r a i n , Diet, d'hist. et de géogr. ecclés. 3 S. 1198. 1203. S m i t h (Events 446) datiert „ u m 525", berücksichtigt aber Theophanes nicht, sondern stützt sich ausschließlich auf die Chronologie des Malalas. 8 1 7 S m i t h , Events 446 Anm. 2. 818 Uber die Ausdehnung dieses Zuges läßt sich Genaueres sagen, wenn die Limesforschungen der französischen Forscher im früheren Mandat Syrien auf'Irak ausgedehnt und damit die vordersten persischen Verteidigungslinien festgestellt werden. Einstweilen ist die Episode dieser Wüstenexpedition ein wichtiges Zeugnis für die beiderseitige militärische Durchdringung des Hamad, der nordarabischen Wüste, und die vier Kastelle dürften entweder einem „äußeren Limes" der Perser angehören oder wenigstens persische Posten jener großen Wüstenstraßen sein, wie sie römischerseits für die Strecken von Bostra, Emesa und Palmyra nach ö ö f und Hït bezeugt sind. Z u r Einführung in die Probleme der Grenzverteidigung der Großmächte, der Bemühungen um die Herrschaft in der Wüste sowie die Bautätigkeit im syrischen Raum sei hier eine kurze B i b l i o g r a p h i e S y r i e n u n d L i m e s f r a g e n angeschlossen. Z u beachten ist jedoch, daß in den bahnbrechenden Lufterkundungen A . Poidebards mangels nachfolgender Spatenforschung vielfach auch Kastelle aus islamischer Zeit zum römischen und byzantinischen Limessystem gezählt werden (J. S a u v a g e t , Les Ghassanides et Sergiopolis. Byzantion 14, 1939, 124 Anm. 2). T e x i e r et P u l í a n , L'architecture byzantine. London 1864. M. D e V o g ü é , Syrie centrale, Architecture civile et religieuse du I e r au Vilume siècle. Paris 1865/77. B e n z i n g e r , Chalkis. R E 3 (1899) Sp. 209if. Th. U s p e n s k i j , Altsyrische Architektur. Bull. Inst. russ. Arch. v. Kosp. 7. 1902. V . C h a p o t , Antiquités de la Syrie du Nord, B. C. Η. ζ6 (1902) 184. 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Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

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280. J.-G. F é v r i e r , La religion des Palmyréniens. 1931. Ders.: Essai sur l'histoire politique et économique de Palmyre. 1931. Honigmann, Sura. R E 4 A (1931) Sp. 953/60. Ders.: Neue Forschungen über den syr. Limes. Klin (1932) 132/40. F. M. A b e l , Géographie de la Palestine, χ. ζ. Paris 1933/38· ( = Études bibliques). Vgl. namentlich Bd. 2 S. 171 ff. Verwaltung und militärische Organisation in byzantinischer Zeit. 184 fr. Das byzantinische Arabien. Karte X Palästina und Arabien in byzantinischer Zeit. A. Poidebard, La trace de Rome dans le désert de la Syrie. Le „Limes" de Trajan à la conquête arabe. Paris 1934, insbes. S. 96—105. J. L a s s u s , Inventaire archéologique de la région au Nord-est de Hama. Documents d'études orientales de l'Institut français de Damas IV ι, 2. Damaskus o. J. (1935). E. Honigmann, Die Ostgrenze des byzantinischen Reiches. Brüssel 1935. Carte Levant 1:200000 = Levant 1:200000 Beyrouth, Bureau topographique des Troupes françaises du Levant. B. T. 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Paläst.Ver. 71 (1955) 82—94. 819 Rothstein, Lahmiden 94. Olinder 7off. mit EI. Zum angeblichen Versuch des Dichters seine Macht mit Hilfe Iustinians wiederzugewinnen: Stein II 298f. Smith, Events 44Öf. Fr. R ü k kert, Amrilkais, der Dichter und König. Stuttgart 1843. Die These ist überholt. 820 Litargon: Theoph. I 178, 10 Λίταργον Malalas 347, 6 Λύταργον Identisch mit Iulians Litarbai, bei ihm noch eine κώμη Χαλκίδοζ (ep. 27; Amm. Marc. X X I I I 2, 6) Honigmann, R E 13 Sp. 739 Σκαφαθών των κτημάτων bei Sermïn. τά εξω Χαλκηδόνος (Chalkis, jetzt Kinnesrïn). Vgl. Σκαφαθών κτήμα Honigmann R E 3 A Sp. 439. Σέρμιον κτήμα heute Sermïn. Honigmann R E 2 A Sp. 1736. κυνηγία χώρα damals zuAntiocheia gehörendes Gebiet um Sermïn. Zu Mundirs Terror vgl. Zach. Rhet. VIII 5 (158 A.-K.). Opferung von 400 Jungfrauen. In der Frage des „inneren Limes" bei Theoph. I 174, 14 (Malalas 426, 1 spricht hier einfach vom Limes von Palmyra, und zwar als eindeutig militärischer Einrichtung) 178,15 ( = Malalas 445,6

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εξωτέρου λιμίτου) 179, τη ( = Malalas 434, 21 ενδότερου) wird man die Ansicht des Theophanes kaum, wieDevreesse (o. Anm. 799) will, bagatellisieren dürfen, da allenfalls 178, 15 (Μ εξωτέρου > εσωτέρου bei Theoph.) als Kopistenfehler zu erklären wäre. Die Ersetzung von 179, 19 έσώτερον durch ένδότερον zeigt jedoch, daß es sich um einheitliche Stilisierung handelt. Den mittelbyzantinischen Kompilator interessiert nur der Limes als solcher, die feineren Unterscheidungen des zeitgenössischen Chronisten von Antiocheia lassen ihn kalt. Doch ist sein Votum für Palmyra und die erwähnten „Rückzugsgebiete" als Teile eines „inneren Limes" nicht zu überhören. Zumindest für diese Zeit glaubt man Devreesse gern die Gleichung „innerer Limes" = „innere Wüste" (a. O. 27of. Anm.). Während der Jahrhunderte der Araberherrschaft konnten die militärischen Spezialbedeutungen des östlichen Limesbegriffes durchaus mit der Volks- und Kircheninterpretation zusammenfallen, wie sie etwa bei Evagrios VI 22 (Ducange, Gloss, s. ν. Λιμητόν) schon bezeugt ist. Stellt man Amm. Marc. X X I I I 5 interiores limites (= strata Diocletiana ab Circesium) mit Malalas 445, 6 (Rückzug Mundirs durch äußeren Limes) zusammen, so spricht das für Geltungsbereich des „inneren Limes" bis zur militärischen und politischen Grenze des Staatsgebietes, während der „äußere Limes" nur die Polizeistationen, vorgeschobenen Wüstenforts umfaßt, deren Aufgabe nicht intensive Herrschaft, sondern extensive Überwachungstätigkeit und Nachrichtenübermittlung war. Zur Limesfrage vgl. Fabricius in R E 13 Sp. 655; A. Musil, Palmyrena (New York 1928) 247fr.; Poidebard (im Hauptwerk) 118/28. Devreesse a. O. 27of. Wenn Devreesse für eine „zivile" Deutung überlieferter Limes-Nachrichten plädiert und der archäologische Befund ihm zumindest außerhalb des Raumes von Chalkis und Palmyra recht zu geben scheint, verdanken wir J. Sauvaget eine eindrucksvolle Widerlegung solcher Auffassungen. Nach seiner Darlegung (Byzantion 14 [1939] 124) trügt der Schein einer „Entmilitarisierung" jener Zonen. Vielmehr oblag die Verteidigung der Gebiete von Damaskus—Bostra—Palästina und der Wüste bis zur südlichen Palmyrene herab den gassanidischen Phylarchen, während Ostrom seine Anstrengungen auf den Norden konzentrierte. Zur Limessicherung auf den Angriffsrouten Kirkesion—Antiocheia vgl. die Karte bei Sauvaget a. O. 123. Vgl. Anm. 784. Zwischenfälle wie der Streit zwischen Härit und Mundir um die strata (Diocletiana) (P II 1, 6) zeigen, wie streng die militärische Überwachung der Wüste war. Eine Überschreitung der Einflußsphäre um 15 Meilen (Auct. Marc. com. ad a. 536, vermutlich 3 Jahre zu früh angesetzt) führte bereits zu Konflikten, durch die die Weltmächte in einen langwierigen Krieg verwickelt werden konnten. 821 Man vergleiche das Zeugnis Euagr. V I 22 über Klöster usw. der Limesgebiete, die von Patriarch Gregor von Antiocheia im Zeitalter des Maurikios besucht wurden. Gregor stellt das Überwiegen des monophysitischen (severianischen) Bekenntnisses fest. E. Honigmann, Nordsyrische Klöster in vorarabischer Zeit. Ztschr. f. Semitistik und verwandte Gebiete (1922) 15/32. Devreesse (Patriarcat d'Antioche 161) verweist ferner auf Theodoret IV 28, 1—2 und Schwartz, Act. conc. oecumen. III 263. R. Mouterde et A. Poidebard, Le Limes de Chalcis (Paris 1945) 238: Jeder verlassene Posten der Limitanei wird Mönchsrefugium und damit Stützpunkt einer anderen „Armee". 822 R. Mouterde et A. Poidebard, Le Limes de Chalcis (Paris 1945) 21 ff. 823 Mouterde-Poidebard a. O. 229fr. 824 Mouterde-Poidebard a. O. 236fr. 825 Die Verleihung des Titels steht natürlich fest: Ρ 117,47 αξίωμα βασιλέως αϋτω περιθέμενος, où ιτρότερον τοϋτο εν γε 'Ρωμαίος γεγονός ττώποτε. Zur Bestallung eines άρχιφύλαρχοξ vgl. N ö l d e k e , Gassaniden 12; Olinder 66. I. K a w a r , Procopius and Arethas. Byz. Zeitschr. 50 (1957) 39/67, 362/82. I. K a w a r , Arethas, son of Jabalah. Journal of the American Oriental Society 75 C1955) 205/16· 826 P I 17, 45 ff. Bei Malalas 466, 20 wird Mundir als βασιλίσκοζ bezeichnet. Vgl. nach Theoph. I 244, 16 u. öfter. 827 ζ. B. Theoph. I 64, 13. 828 Abü-l-Farag, Kitäb al-Agânï X I X 127, 23 al-Härit al-malik (b. 'Amt) al-Mal>sur. Über die Nabatäer zuletzt vor allem: R. Dussaud, La pénétration des arabes en Syrie avant l'Islam (Paris 1955) 21 ff. Zur Grabschrift von an-Nam ra vgl. J. Cantineau, Le Nabatéen 2, 49Í.; AltheimStiehl, Finanzgesch. d. Spätantike 143. 829 Otto Friedrich Winter, Antike Königserhebungen und ihre Weiterbildung durch das byzantinische Kaisertum. Diss. (Maschinenschrift) Wien 1941. Ders. : Klientelkönige im römischen und byzantinischen Reich. Jahrb. d. österr. byz. Ges. 2 (1952) 35/50. Zur Bequemlichkeit des Lesers referiere ich kurz Winters Ausführungen, die auch für das Theoderich-Bild (u. Bd. II) von Wichtigkeit sind. Beim Übergreifen auf den Ostmittelmeerraum ist Rom mit zahllosen kleinen und kleinsten Königreichen zusammengestoßen, Fürstentümern, Stadtstaaten, wie z. B. Edessa. Man hat all diese politischen Gebilde nicht sofort kassiert, sondern sie zunächst geduldet und nur von Fall zu Fall

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eingezogen. Der klassische Fall ist Pergamon, mit seiner traditionellen Romfreundschaft der Attaliden. Die legitimen Herrscherhäuser dieser abhängigen Staatenwelt erfahren vom römischen Senat eine Anerkennung in der Form von sodi et amici populi Romani [vgl. Hellenismus, Südarabien]. So übt der Senat auch das Recht der Königseinsetzung im Osten, was auf römische Verhältnisse bezogen wie eine coniradictio in adiecto anmutet. Man nennt das geschäftsmäßig reges appellare. Rom verteilt die Königsthrone, ohne seine Zustimmung gibt es keine rechtmäßigen Könige. Der entscheidende Rechtsakt war die durch den Senat ausgesprochene appellalio regis. Häufig begegnet außerdem die Verleihung von Geschenken an den König. Es handelt sich meist um die toga praetexta oder purpurea, um die tunica palmata, die sella curulis, den Scipio eburneus, die corona aurea und kostbare Gefäße oder Waffen. Die Abzeichen des antiken Königtums waren Purpurgewand, Thron, Szepter und Krone. Die Übereinstimmung fällt sofort auf. Der Senat verleiht also königliche Ornate, aber nicht in jedem Fall, sondern als besondere Ehrung für den Betreffenden. Diese Würde ist zudem nicht erblich, sie muß von Fall zu Fall nachgesucht werden. Die Titelverleihung wird als besondere Ehrung gebucht, sie kann zusätzlich noch erhöht werden durch die Verleihung der Insignien. In späterer Zeit werden die Insignien häufiger verliehen, unbedingt erforderlich sind sie aber nie. Die einzelnen Abzeichen werden auch in Rom selbst verwandt, als Abzeichen des Konsuls. Damit übt der König seiner Herrschaft gewissermaßen pro consule aus, fast wie der Statthalter einer römischen Provinz. Sallust und Cicero klagen aber bereits über die Häufigkeit der Königserhebungen und die Willkürlichkeit mit der dabei verfahren wird. Außerdem wird das Recht der Königsernennung, das dem Senat zusteht, oft von einzelnen Machthabern umgangen, etwa Pompeius und Caesar. Im Konsulatsjahr Caesars 59 wurden ζ. B. Ariovist und Antiochus Commagenus durch Königsgeschenke ausgezeichnet. In denselben Bahnen ging die Entwicklung unter Augustus weiter. Der Princeps nimmt das Recht, Könige einzusetzen, für sich in Anspruch. Antonius hatte Herodes ein Königsdiadem verliehen, beim Zusammentreffen mit Augustus in Rhodos legt er es ab und erhält es neu zurück. Auch Polemon von Pontus und ein thrakischer Fürst haben den Königstitel von Augustus erhalten. Ebenso hat etwa Nero den Tiridates von Armenien gekrönt. Tiridates mußte nach der Niederlage durch Neros Feldherrn Corbulo im Lager vor dem Bilde Neros sein Diadem ablegen. E r erscheint in weißer Toga eines Privatmanns vor Nero in Rom, um abermals investiert zu werden: Tacitus: Nero curuli residens apttd rostra triumphantis habitu inter signa militaría atque vexìlla precanti tiara deducía diadema imposuit. Nero thronte im kurullischen Triumphatorgewand an den Rostra zwischen Fahnen und Feldzeichen und setzte dem Bittflehenden nach Ablegung der Tiara das Diadem auf. Solche Könige waren wie sich denken läßt keine souveränen Fürsten, sie waren dem Römerreich mit Haut und Haaren verschrieben. Während in Rom die zivile auctoritas des Princeps in den Vordergrund gestellt wurde, verehrten die Königreiche des Ostens Augustus bereits als praesens deus. Im römischen Reich haben z. B. die Dichter diese Entwicklung für Rom eifrig vorweggenommen. Kaiser Konstantin trägt als erster selbst die weiße Königsbinde, unter ihm ist die Entwicklung zum Dominât und byzantinischen Kaisertum abgeschlossen. Das Römerreich hat unter Prinzipat und Soldatenkaisern fast alle ehemaligen Königreiche der Klientelfürsten aufgesogen und in Provinzen verwandelt, aber doch nicht alle. So sind auch unter Vespasian, Domitian und Traian noch abhängige Könige bekannt. Traian gelingt es für kurze Zeit sogar den Parthern einen abhängigen König zu geben, also der einzigen wirklichen Konkurrenz Roms im Osten (reges regum). Auf Münzen des Antoninus Pius z. B. heißt es Rex Armeniis (Quadis) datus. Die alte Sitte blieb namentlich am Rande des Orbis Romanus bestehen: Arabisches Nabataerreich, Kaukasus (Lazika, Iberien), Bosporus, Dakien-Dekebalus, Markomannen-Quaden usw. Das Recht wird also ab 2. J . im V o r f e l d , in der Zwischenzone, dem Niemandsland geübt. Das christliche oströmische Reich hat ebenso wie das für anderthalb Jahrhunderte noch bestehende weströmische Reich eine interessante Stellung zur Schaffung von Klientelkönigreichen eingenommen. Im Osten hat man die bisherige Praxis weitergeführt, im Westen ist man dagegen den Germanen gegenüber sehr vorsichtig gewesen, um den römischen Anspruch auf die von ihnen besetzten Gebiete nicht zu gefährden. Die Königseinsetzungen sind nicht in Vergessenheit geraten, sondern sie werden Germanenfürsten gegenüber bewußt vermieden. So wendet sich Theoderich der Große in seiner Eigenschaft als oströmischer magister militum nach seinen ersten Erfolgen in Italien an den Kaiser: ab eodem sperans vestem se induere reff am. Der Kaiser ging darauf nicht ein, worauf sich Theoderich von seinem Volk nach germanischem Recht zum König erheben ließ. Die Erfolge Theoderichs zwangen Kaiser Anastasios aber dann doch zur Anerkennung als König, jedoch in einer modifizierten Form. Im Jahre 497 wurden Theoderich königliche Gewänder (sacra vestís) von Byzanz übersandt. Von Ostrom her wurde ihm damit die tatsächliche Unabhängigkeit aber geistige Hörigkeit gegenüber dem allein maßgeblichen Kaisertum zugestanden bzw. auferlegt. Vgl. Näheres Winter, Diss. Kap. II.

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Bei Chlodwig liegt der Fall so, daß ihm Ostrom zunächst den Titel Exconsul und Patricius verleiht. Dann bekommt er noch Purpurchlamys, Tunika und Diadem. E r erhält die Insignien aber nicht den Titel. Chlodwig wird also nicht als König, insbesondere nicht als souveräner König anerkannt, denn bei Klientelfürsten sind die Insignien immer selbstverständlich. Das Entscheidende ist, daß die Ernennung nicht erfolgt. Die Annahme der Geschenke und Insignien begründet vielmehr nach oströmischem Staatsrecht gerade die Abhängigkeit von Byzanz. Es handelt sich also bei Theoderich und Iustinian um eine Insignienverleihung ohne die rechtlich allein maßgebende appellatio regis. Der germanische Partner hielt sich jedoch an die Symbole und kümmerte sich nicht um die römische Auffassung, sondern sah darin sein germanisches Königsrecht, das aus der Wahl durch die Volksversammlung und dem Heil des Königsgeschlechts hervorgegangen war, auch von Rom her bestätigt und überhöht. In diesem Zwiespalt steckte der Keim zu späteren kriegerischen Verwicklungen. In den östlichen und afrikanischen Grenzgebieten besteht dagegen die Sitte der Klientelkönige mit ausdrücklicher appellatio ungebrochen weiter. Das bedeutet natürlich keine Auszeichnung, sondern eher die Bestätigung der relativen Ungefährlichkeit dieser Lahmiden, Gassaniden, Kinditen, Lazen uws. Freilich die Araber sollten eines Tages die Welt eines Besseren belehren. Ein Beispiel ist etwa die Erhebung des Lazenkönigs Tzath durch Iustinos 522. Tzath kam nach Konstantinopel, ließ sich taufen, wurde mit einer Senatorentochter vermählt, erhielt als βασιλεύς die ξύμβολα της αρχής: weißseidene Chlamys mit goldenem Besatzstück mit dem Kaiserbild, ebensolche Tunika und Diadem. Also im Grunde derselbe Vorgang wie einst, neu ist die Taufe. Auch im 9.—11. J . bedienten sich die byzantinischen Kaiser noch dieser Formen zur Durchsetzung ihrer Herrschaftsansprüche. Die Sitte durchsetzt sich mit lehnsrechtlichen Komponenten und geht, teils vom Abendland beeinflußt, teils auf dieses stark zurückwirkend, auf den Westen über. Papst Innozenz II. und Kaiser Heinrich VIII. haben ζ. B. die Lehnshoheit über Armenien beansprucht, ein durchaus vergleichbarer Vorgang. Vom 12. J . ab haben in Byzanz die komnenischen Kaiser diese im Abendland durchdrungenen Formen des Klientelkönigtums auf feudaler Basis rezipiert und bei ihren Versuchen zur Widerherstellung der Einheit des Mittelmeerraumes benutzt. Das Weiterleben dieser leicht abgewandelten Formen der antiken Königserhebung gehört zu den Bekundungen des oströmischen Weltherrschaftsglaubens, der die gesamte Protokollordnung des byzantinischen Hofzeremoniells durchzieht. 830 Trotz seiner östlichen Herkunft, die einiges Wissen um frühere arabische Klientelkönige vermuten läßt, empfindet Prokop die Würde Härit als ungewöhnlich (I 17, 47 où ττρότερον τοϋτο έν γ ε 'Ρωμαίοις γεγονός πώποτε. Auf die Bestellung zum Oberphylarchen, nicht zum βασιλεύς bezogen besteht dieses Urteil zweifellos zu Recht. Auch in seiner berühmten Theoderich-Stelle zeigt Prokop, daß er trotz Reichsideologie die schriftstellerischen Qualitäten besitzt, um die Wirklichkeit nicht Zu kurz kommen zu lassen. Vgl. zur Frage rex — βασιλεύς die Stellensammlung bei G. V e t t e r , Die Ostgoten und Theoderich (Forsch, z. Kirchen und Geistesgeschichte 15. Stuttgart 1938) 109/11. Theoderich: S c h m i d t , Ostgermanen 280. Die Feststellung, daß bei den gleichzeitigen Lateinern regnum auch für das imperium gebraucht wird, hat für die Beurteilung der griechischen Quellen nichts zu bedeuten (bei Malalas strenge Scheidung). Ρ V 1, 29 λ ό γ ω μέν τύραννος. Zur Form Thuk. II 65 λόγφ μέν δημοκρατία, εργω δέ ύττό τοϋ π ρ ώ τ ο υ ανδρός αρχή. Vgl. Anm. 486 (Isokrates). Zur Frage der Anerkennung Theoderichs durch Anastasios: W. E n s s l i n , Theoderich d. Gr. 7 8 ff. und seine Besprechung von Vetters Buch (Byzantin. Ztschr. 40 [1940] 168ff.). Vgl. zur Frage auch I. K a w a r (Arethas son of Jabalah. Journ. Americ. Orient. Soc. 75 [1955]) 212f., der mit Recht auf Odenathus als teilweise Vergleichsmöglichkeit verweist, jedoch die Materialien Winters (Anm. 829) hätte berücksichtigen müssen. 831 R. D u s s a u d , La pénétration des arabes en Syrie avant L'Islam (Paris 1955) u f f . Karten und geographische Literatur o. Anm. 818. Vorgeschichte: A. J i r k u , Die Ausgrabungen in Palästina und Syrien. Halle 1956. 832 p I 17, 48 ού γ ά ρ π ω σαφές τι άμφ' αύτω ϊσμεν. Vgl. Prokops Urteil II 28, 13 im Anschluß an Mundirs Frevel gegen einen der Söhne Härit : καΐ άττ* αύτοϋ έγνώσθη ού καταττροίεσθαι τα 'Ρωμαίων π ρ ά γ μ α τ α Πέρσαις Άρέθαν. Zur Rolle der Gassaniden als Beschützer der Dichter und ihrem Nachruhm: I. K a w a r , Procopius on the Ghassanids. Journ. Amer. Or. Soc. 77 (1957) 60 Anm. 13. 833 Mich. Syr. I X 29 f. 833a K a w a r , Procopius and Arethas. Byz. Zeitschr. 50 (1957) 379. 834 Malalas 466, 19—22. Ρ II 1, 1 3 ; 3, 47; 10, 16. 835 Ρ I 17, 40ff. Die „Rechtfertigung" Härit durch K a w a r (namentlich) Byz. Zeitschr. 1957 enthält wertvolle Hinweise. Doch ist dem Nachweis römischer „Linientreue" der Araber deren Irrelevanz für die Sonderinteressen der vorislamischen Stämme entgegenzuhalten. 838 Malalas 445. Theoph. I 178, 15. Nov. 24c. 1 (535). Die Herkunft der Lykokraniten ist nicht uninteressant. Sie gehörten zu einem unruhigen Gebirgsvolk in Phrygien, das Iustinian in seiner

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Novelle zur Reorganisation von Pisidien nicht gerade liebevoll erwähnt : Große und menschenreiche Dörfer gebe es in Pidisidien, die dauernd gegen die staatlichen Steuern rebellieren. Diesen Orten des Raubes und des Mordes, die auf einem Berg namens λύκου κεφαλή (Wolfskopf) liegen und „Sitz der Lykokraniten" (Λυκοκρανιτών te οίκητήριον) genannt werden, wolle man folgende Obrigkeit geben. Man entschließe sich nicht im normalen Verfahren, sondern wie bei einem feindlichen Einfall zu diesem Schritt. Die Befehlsgewalt werde zusammengelegt, Zivil- und Militärgewalt (gesamte Exekutive) auf einen Mann übertragen, dem die gesamten Truppen der Provinz und dazu das gesamte zivile officium (Provinzialpräsidium) unterstehen. Die Charakterzeichnung der Bevölkerung würde mutatis mutandis auch auf Isaurer und Tzanen passen. Nur zu Soldaten waren diese „Unholde" recht, ähnlich wie die Isaurer, bei denen die Vereinigung von Zivil- und Militärgewalt aus ähnlichen Gründen seit längerer Zeit durchgeführt war. Auch hier offenbarte sich der Charakter des Reichsregiments, das außer dem Kauf fremden Blutes die letzten Winkel seiner Gebirgstäler ausfegen mußte, um die völkischen Kraftreserven zu mobilisieren, die in hinterwäldlerischer Vergessenheit teils vom Konkurs des Weltreichs verschont, teils (wie die Tzanen) überhaupt noch nicht vom römischen Anspruch erfaßt waren. Da bald auch die letzten Reste des alten Orients in Kleinasien zivilisiert sein werden, möge noch ein Stimmungsbild aus dem ersten Weltkrieg hier Platz finden: L. S c h r a u d e n b a c h , Muharebe (Münch. 1925) 168 . . . im Dersim, mitten im wildesten Kurdengebiet. „Dort führen unsere Truppen nicht Krieg gegen die Russen, sondern gegen die Kurden, die doch Untertanen des Sultans sind. Nach harten Kämpfen sind die Kurden gegenwärtig auf die türkische Seite gebracht. Wie lange das anhält, weiß niemand. Nur mit starker Bedeckung kann ich selbst in den Abschnitt der 12. Division. Dann wird ein Kurdenhäuptling nach dem anderen zur Unterredung eingeladen, und während wir uns unterhalten wird ein Säckchen mit Goldstückchen in eine Fensternische gestellt, so daß der Kurde es sieht. Dann ist wieder einige Zeit Ruhe, bis die Überfälle auf unsere Transporte, auf unsere Patrouillen von neuem anfangen."

/. Das Jahr 837

jßo. Beiisar

und Sittas gehen in

Führung

Hypatios, der während der Doppelregierung zum zweitenmal das magisterium militum Orientis übernahm, um „den Osten gegen die Einfälle der Sarazenen zu schützen" (Malalas 423, 13—15), hatte versagt und wurde noch im Jahre 529 durch Beiisar ersetzt (Malalas 445, 13—17). Prokop bestätigt I 13, 9 den Zeitpunkt der Ernennung Beiisars (nach 528, d. h. wenn Malalas zur Ergänzung herangezogen wird, 529). Die genaue Datierung gibt Theoph. A M 6021 (I 178, 15): April 529. 838 Malalas 445, 10. Theoph. I 178, 19. 27. S t e i n (II 287 Anm. 1) hält Hermogenes offenbar nur für einen „Landsmann" der Provinz Scythia. 839 Malalas 445, 19—447, 21. Theoph. I 178, 22. Cram. An. II 110. Ρ An 1 1 , 1 1 — 2 9 ; 18, 34. Ρ Aed V 7, 17. Exc. de ins. fr. 44 (171 de Boor). Cyrill. Scyth. V. Sabae c. 70 (171/3 Schwartz). Chron. Pasch. 6i9f. Zach. Rhet. I X 8 (176 A.-K. mit Anm. S. 368). Choricius, laud. Arat. et Steph. 10—19. laud. Summi 1 1 — 1 5 . Vgl. S t e i n II 288 Anm. 1. P v K 268f. = R E 22 Sp. 543f. I. K a w a r (Arethas, son of Jabalah. Journal of the American Oriental Society 75 [1955] 207/9) entscheidet sich wohl mit Recht dafür, den bei Malalas erwähnten (anonymen) Phylarchen nicht mit dem Phylarchen von Palaestina III Abü Karib zu identifizieren. E r nimmt an, daß Härit damals zusätzlich zum Phylarchat von Arabia das in Palaestina II erhielt. 810 Trachon: das heute el-Lega genannte Lavaplateau und die angrenzende Landschaft. Die Höhlen des Gebietes (Strab. X V I 2, 20 p. 756) dienten von jeher als Zufluchtsorte. Vgl. G. H ö l s c h e r , R E 6 A Sp. 1865f. Zum „Arparizis" vgl. Ρ Aed V 7, 2 Γαριζίν. Α. M. S c h n e i d e r , Rom. u. byz. Bauten auf dem Garizim. Beitr. z. bibl. Landes- u. Altertumskunde (1946/51) 211/34. A. A l t , Der Stadtstaat Samaria. Berlin 1954 (SB Leipz. 1 0 1 , 5). 841 Malalas 455, 10. Theoph. I 179, 1 . Ρ I, 13, I i ; 16 iff. H e l m , Arch. f. Urkundenforschung 12 (1932) 433 Anm. 842 Malalas 448, 22. 813 Ρ I i3, ίο καί oi "Ερμογένης ξυνδιακοσμήσων τον στρατόν εκ βασιλέως άφίκετο. Während Prokop den militärischen Gesichtspunkt in den Vordergrund stellt, gibt Malalas 452, 15 die vom Hof für die Öffentlichkeit bestimmte Version, gewissermaßen den „Zeitungsbericht". Nach ihm sind Hermogenes und Rufinus im März 530 in Antiocheia eingetroffen und von dort als Gesandte an den Großkönig über Dara weitergereist, wo sie aber bleiben mußten, weil Chusrö die von Dara aus nachgesuchte Reiseerlaubnis verweigert und seine Grenzorgane entsprechend instruiert hatte. Vgl. Theoph. I 180, 21. Zur Quellenkritik P v K 94ff. = R E 23 Sp. 367fr. 844 Malalas teilt über den Verbleib des Rufinus nichts weiter mit. Nach der zuverlässigen Mitteilung des Augenzeugen der Schlacht bei Dara (Ρ I 13, 1 1 ) hatte er aber in Hierapolis die Ent-

Das Jahr 530. Beiisar und Sittas gehen in Führung

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wicklung der Dinge abgewartet, um nach dem Waffengang schnellstens zur Verhandlung bereit zu sein. 845 Zum Namen: dära (vgl. Ma'sal) = Kessel mit steilen Wänden, der in ein Felsmassiv hinein, aber nicht wieder hinausführt. W. C a s k e l , Entdeckungen in Arabien. (Köln 1954) 7 ( = Arbeitsgemeinsch. f. Forsch, d. Landes Nordrhein-Westfalen. Heft 30). Zur Lage: Karte der Umgebung von Mardin und Nesibin. Kartographische Abteilung der preußischen Landesaufnahme. 1:200000. Carte du Levant 1:500000 Blatt 3 Beyrouth 1936. E . S a c h a u , Reise in Syrien und Mesopotamien (Leipzig 1883) 398 mit Planskizze von Dara. F r a e n k e l , R E 4 Sp. 2150. C. P r e u s s e r , Nordmesopotamische Baudenkmäler altchristl. u. byz. Zeit (Leipzig 1 9 1 1 ) 44. 846 Ρ I 12, 2 4 ; Aed II i, 4—3, 26; 847 Euagr. III 37 (136 B.-P.). C o l l i n e t , Une ville neuve byzantine en 507: La fondation de Dara (Anastasiopolis) en Mésopotamie = Mélanges offerts â G. Schlumberger (Paris 1924) I 55. W. E n s s l i n , Zur Gründungsgeschichte von Dara — Anastasiopolis. Byzantin. Neugriech. Jahrbücher 5 (1927) 342/7. E. B i r k , Dara-Anastasiopolis. Eine unerforschte Ruinenstadt in Mesopotamien. In: Der Erball 3 (129, 6) 201/25. H o n i g m a n n , Ostgrenze 10 und öfter. Eine an den Namen geknüpfte Legende überliefert Fredegar (Chronik II 62 M G H SS rer. Merov. 2, 1888 S. 85, 32). Et ille )sc. rex Persarum) respondebat: „Non dabo". Iustinianus dicebat: „Daras". Ob hoc loco ilio, ubi haec acta sunt, civetas nomen Daras fundata est iusso Iustiniano, quae usque hodiernum diem hoc nomen nuncupatur. Ähnlich Almoin de Fleury, Gesta Francorum. Vgl. Euagr. III 37, der den Namen von der Niederlage des Dareios durch Alexandras ableitet. Dara (Dareium) hieß übrigens auch die älteste Hauptstadt und Festung der Parther in Apavarktikene ostwärts vom Kaspischen Meer. Durch Iustinian wurde Dara umbenannt in Iustiniana nova. Vgl. R. D e v r e e s s e , Le Patriarcat d'Antioche (Paris 1945) 122. P v K 304 = R E 23 Sp. 579. 8ä8

Ρ I 13, 12. Ρ 1 1 3 , 14. Die Beschreibung dieses Mittelstücks ist allerdings nicht ganz eindeutig. Es konnte nicht anders als rückspringend sein. Vielleicht waren die beiden seitlichen Verbindungsgräben nicht rechtwinklig, sondern schräg angesetzt. 850 Das Datum bei Theoph. I 180, 30. 851 Ρ I 13, i 9 . 852 Ρ I 13, 25—28. 853 Ρ I 14, 33; vgl. die Karte bei Sachau. 398. 854 Ρ I 14, 29—32. 855 Ρ I 14, 35—43. Satala: J . G. C. A n d e r s e n , A Journey of Exploration in Pontus. Studia Pontica II. Bruxelles 1906. 856 Ρ I 14, 44 ff. 857 Ρ 1 1 4 , 44. Es ist so gut wie ausgeschlossen, daß die entscheidende Flankierung vom ä u ß e r e n Ende des rechten Flügels aus erfolgte, da 849

1. der Weg dorthin für die Garde Beiisars und erst recht für die 600 Hunnen des Sunikas und Aigan im entscheidenden Augenblick reichlich weit war und 2. aus der Verwendung des Wortes γ ω ν ί α für den linken Grabenknick zu erschließen ist, daß es in demselben Sinn auch für den rechten Grabenknick, nicht aber für die rechte Flügelflanke des Gesamtheeres gebraucht wird: „Außerhalb des Grabens, an der Ecke (κατά τ η ν γωνίαν), die der gerade Flügel (der linke) und die von da (rechtwinklig oder etwas schräg) abzweigende Gerade bilden, standen die Hunnen Sunikas und Aigan mit 600 Reitern" Ρ I 13, 19. „ A n der rechten Ecke (ές γ ω ν ί α ν δέ τήν èv δεξιά) wurden 600 Reiter unter den Hunnen Simmas und Askan aufgestellt" (Ρ I 13, 21). Prokop hat, lediglich um eine Wiederholung zu vermeiden, nicht nochmals nachdrücklich auf die Abzweigung des Grabensystems an der betreffenden γ ω ν ί α hingewiesen. Immerhin ist festzuhalten, daß die Position von Simmas und Askan und damit die Richtung, aus der die Attacke der mit der Garde vereinigten 1200 Hunnen erfolgte, nicht mit absoluter Sicherheit angegeben werden kann. Zu den „Unsterblichen" (αθάνατοι) C h r i s t e n s e n 2 208. 858 Ρ I 14, 52; 17, 26. Von Vernichtung sprechen auch Malalas 452 ( = Theoph. I 181). Der Mihran wurde von KawäS empfindlich bestraft, er verlor das Recht zum Tragen des Diadems, was dem Verlust der Stellung als nächster Berater des Großkönigs gleichkam. Ρ I 17, 26—28. 859 Ρ I 14, 53. 860 Ρ I 15, iff. Vgl. S t e i n R E 3 A Sp. 405. 861 Über den Grenzverlauf vgl. die Karten bei H o n i g m a n n , Ostgrenze. 862 P I 15,18. 26ff. Zur Lage von Bolon und Pharangion u.Anm. 923. Theodosiopolis : R E 5 Sp. I923ff. M. Nikolas A d o n e hält mit guten Gründen die Brüder Narses, Aratios und Isaak für Angehörige der Familie Kamsarakan, obwohl die bei Lazar von Pharp (c. 59, 63, 76 bei L a n g l o i s , Coli, des hist, de l'Arménie II 329, 337, 355) erwähnten Namensvettern ein halbes Jahrhundert früher lebten. Vgl. Stein II 292 Anm. 1.

Rubin, Iustinian X X X I I

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

498

863

863

R u f i n u s : Basileus! Mich hat dein König gesandt in gerechtem Unwillen, daß die Perser ohne Ursache bewaffnet in sein Land einbrachen. Es würde jedoch einem großen und so einsichtigen Basileus besser anstehen statt des Krieges Frieden zu stiften als aus bester Ordnung heraus überflüssigen Aufruhr für sich und die Nachbarn anzuzetteln. So bin ich voller Hoffnungen gekommen, damit in Zukunft beide Teile die Wohltaten des Friedens genießen. (Ρ I 16, 1—3). KawäS : Sohn des Silvanus ! Versuche nicht die Kriegsschuldfrage zu verdrehen ! Du weißt von allen am besten, daß ihr Römer an aller Unruhe die Hauptschuld tragt. Wir haben die Kaspischen Tore zum Besten der P e r s e r und der R ö m e r besetzt und die dort ansässigen Barbaren unterworfen, weil der römische Autokrator Anastasios, obwohl, wie Du selbst weißt, in der Lage sie für Geld zu kaufen, das nicht wollte, um nicht gezwungen zu sein, dort für ewige Zeiten ein Heer zu unterhalten und Unsummen für b e i d e auszugeben. Deshalb haben wir dort so viele Truppen stationiert und bis zur gegenwärtigen Stunde unterhalten und euch ermöglicht jene barbarischen Gegenden ungeplündert zu bewohnen und ohne die geringste Rücksicht auf die Barbaren euer Eigentum zu besitzen. Als ob euch das nicht genügte habt ihr die große Stadt Dara als Bollwerk gegen die Perser errichtet, obwohl das in dem Vertrag, den Anatolios mit den Persern abschloß, ausdrücklich untersagt war: und deshalb mußten zwei Heere unter Strapazen und Kosten die Sache der Perser verderben, teils damit die Massageten das Land beider nicht nach Belieben verheeren können, teils damit wir eure Einfalle zurückweisen. Als wir kürzlich darüber Beschwerde führten und forderten ihr sollt euch für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden, daß entweder die Armee für die kaspischen Tore von beiden gestellt wird, oder die Stadt Dara geschleift wird, da habt ihr nicht die Lehre aus dem Gesagten gezogen, sondern euch entschlossen, die Nachstellung gegen die Perser durch noch größeres Übel zu verstärken, wenn wir etwa an den Bau von Minduos erinnerten. Und nun können die Römer den Frieden haben oder die Waffen wählen, entweder uns Gerechtigkeit widerfahren lassen oder den entgegengesetzten Weg einschlagen. Die Perser werden die Waffen nicht vorher ruhen lassen, bevor ihnen die Römer nicht entweder die Tore gerechterweise und ordnungsgemäß bewachen helfen oder die Stadt Dara schleifen werden. Ρ I 16, 4—9.

6. Das Jahr

jßi.

Der persische

Pyrrhussieg

von

Kallinikos

864

P I 17, 3 o ff. Nach P r o k o p I 18, i f . überschritten die Perser den Euphrat êv 'Aacrupioiç, durchquerten die Wüste und erschienen überraschend in der Provinz Kommagene—Euphratesia. Diese reichte bei Sura und Resäfa-Sergiopolis ziemlich weit nach Süden ( K u h n , Städt. u. bürgerl. Verfassung d. röm. Reiches 2 S. 323. H o n i g m a n n R E 12 Sp. 194). Beiisar sicherte Mesopotamia durch Besatzungen, stieß zu dem „übrigen Heer" (also den duces), überschritt mit diesen den Euphrat und erreichte im Gewaltmarsch Chalkis. Die Perser befanden sich 1 1 0 Stadien entfernt in Gabbula, wagten nun nicht mehr in Richtung Antiocheia weiterzuziehen. Den Euphrat zur Linken zogen sie nach Sura. Den 1 1 0 Stadien entsprechen c. 48 km Luftlinie laut Karte, während die Rechnung nur 23 km ergibt. Die Entfernungsangabe Prokops scheint also nicht zuverlässig. M a l a l a s 461, 8 ff. notiert zunächst ohne geographische Angaben den Einfall des Azarethes (Exarath) auf römisches Gebiet (έττί τ α 'Ρωμαϊκά). Alamundaros bzw. Mundir begab sich mit seinem Kontingent über Kirkesion nach Kallinikon. Beiisar kommt daraufhin mit 8000 Mann und vereinigt sich mit den duces. Die Perser dringen „mit ihren Sarazenen" bis Gabbula vor, verschanzen sich in der Nähe. Hier kann Sunikas in einem Scharmützel Gefangene machen und von diesen wertvolle Aussagen erhalten. Hermogenes erreicht Hierapolis, hört daß die Perser lagern (also schon bei Gabbula sind), trifft Beiisar sowie die Exarchen Stephanos, Apskal und den dux Simma mit 4000 Mann in Barbaisissos (Barbalissos), versöhnt hier Beiisar mit dem eigenmächtigen Sunikas. Die Perser erzielen kleine Erfolge im Räume von Gabbula, geben Zu verstehen, daß sie einer Entscheidungsschlacht nicht abgeneigt sind, ziehen sich aber plötzlich fluchtartig zurück. Beiisar und die Exarchen folgen ihnen, stellen den Feind bei Sura. 865

Nach Malalas scheinen Mundir und Azarethes verschiedene Anmarschwege benutzt zu haben. Man ist zunächst versucht an eine nördliche Route des Azarethes (etwa Singara — Thannuris — Wüste — Sura — Barbalissos — Gabbula) zu denken. Deutlich ausgesprochen hat Malalas das aber nicht. Daher zwingt die von Prokop so überzeugend geschilderte Rolle Mundirs als Führer durch die Wüste dazu, einen gemeinsamen Marsch der Perser und Sarazenen anzunehmen. Das stimmt vorzüglich zum überraschenden Auftauchen der Perser in der Euphratesia, da diese bis nach Sura' herabreicht. Nun steht aber Aussage gegen Aussage: Prokop versetzt Beiisar nach Chalkis, Malalas dagegen plädiert für Barbalissos. DiePerser verbrachten mehrere Tage (vielleicht sogar 1—2 Wochen) im Räume Gabbula. Blitzritte Beiisars könnten seine Anwesenheit an beiden Orten während dieser Zeitspanne erklären. Das läßt sich kaum eindeutig entscheiden, doch scheint Prokops Chalkis im

8γ8

Das Jahr 531. Der persische Pyrrhussieg v o n Kallinikos

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Zweifelsfall den V o r z u g zu verdienen. Als eine wahrhafte Klisure beherrscht die Festung auf dem weithin das Vorland beherrschenden Nebi'ïs die Nachschublinien jedes Angreifers von Antiocheia. Z u m Namen Azarethes (astabaS, persischer magister officiorum mit Titel hazäraft) vgl. S t e i n 11 292, 2 ( = 293). 866 ρ ι I 8 ) 8 έττεί τε ες Χαλκίδα π ά λ ι ν άφίκοντο, ενστρατοπεδευσάμενοι αύτοΟ εμενον. 867 Malalas 462, 16 Βεσελαθών καΐ Βατνών καί τ ω ν πέριξ πόλεων. Es handelt sich umBathnai (Bathna, heute Β b) zwischen Hierapolis und Beroia ( B e n z i n g e r R E 3 Sp. 124. H i l l e r , Itineraria Romana 776). Dagegen kommt Batnai (Batnis) nicht in Frage (in Osroene, 35 km südwestlich v o n Edessa, vgl. F r a e n k e l , R E 3 Sp. 140. Miller a. O . 769). Vgl. auch H o n i g m a n n R E 12 Sp. 191. Zur Topographie der gesamten Gegend auch M o u t e r d e - P o i d e b a r d , Le Limes de Chalcis. Paris 1945. G . T c h a l e n k o , Villages antiques de la Syrie du Nord. Paris 1953. 868 Malalas 462, 21 f. 869 Malalas 462, 6 — 1 1 . 8 7 0 P I 18, 9. Prokop läßt Beiisar erst im letzten Augenblick unter dem Druck des Heeres, der Unterführer (wie aus dem Zwischenfall um Sunifcas eigenmächtigen Angriff bei Gabbula zu erschließen) und des magister officiorum und Gesandten Hermogenes (Ρ I 18, 16 ταΟτα γ ά ρ oí καί 'Ερμογένης έγίνωσκεν άρτι επί πρεσβεία έκ βασιλέως ήκων) den Entschluß zur Schlacht fassen. Bezeichnend ist der Passus seiner Rede: κ ί ν δ υ ν ο ν αίρεϊσθαι ύμϊν αύτοΤς ο ύ κ ά ν α γ κ α ϊ ο ν βουλεύεσθε. Z u r Quellenkritik: Ρ ν Κ 99f- Prokop häuft Entschuldigungen, um den Feldherrn zu entlasten. 8 7 1 Die Ansetzung des Schlachtfeldes zwischen Sura und der Euphratenge verbietet sich infolge der klaren Nachrichten, daß die Marschleistung des Heeres am T a g der Schlacht verhältnismäßig hoch war. Auch hätten sich die Geschlagenen in diesem Fall nicht über den Euphrat nach Kallinikon, sondern ohne die hohen Verluste durch Ertrinken in das benachbarte Sura gerettet. Der Marsch des Heeres von Sura bis zum Schlachtfeld betrug etwa 13 km. Vgl. die Karten : Karte von Mesopotamien (vorl. Ausg.) königl. preuß. Landesaufnahme 1917; Herzfeld, Routen-Karte im Euphrat und Tigris-Gebiet 1:200000 (in Sarre-Herzfeld, Archaeologische Reise im Euphrat- und TigrisGebiet Bd. ι , Berlin 1911). 872 Ρ I i8, 5 ff. 26 Malalas 463. Die Heeresaufstellung bei Malalas stimmt im allgemeinen mit der des Prokop zusammen. Sotiriades verkehrte die Fronten in ihr Gegenteil, da er ohne Karte arbeitete. Nach ihm ist der „nördliche Flügel" des Malalas der rechte Prokops, was einer inversen Stellung der Heere (Perser westlich, Römer im Osten) entspricht. Ein völlig unmöglicher Verlauf. V g l . G . S o t i r i a d i s , Zur Kritik des Johannes von Antiochia, Jahrb. f. klass. Phil. Suppl. 16 (1888) 123. Die Heeresstärken diskutiert S t e i n II 292, 2. P v K 99 = R E 23 Sp. 373. 873 Ρ I i8, 26. 874 Malalas 464, 11. Ρ I i8, 49. In dieser Gegend vermutet man den Ort des Euphratübergangs Alexanders des Großen bei Thapsakos. V g l . zum Thapsakosproblem E . H o n i g m a n n R E 5 A Sp. 1272/80. 8 7 5 Ρ I 18, 15. 37. 8 7 6 Malalas 463, 17. 8 7 7 Malalas 463, i8f. ύφ' εν γενόμενοι Πέρσαι; hier ist die Bewegung übertrieben, als ob es sich um das ganze persische Heer handle. Richtiger Ρ I i8, 35 ξυμφρονήσσντες, όσοι δ ή άριστοι εν τ φ Περσών στρατεύματι ήσαν . . . 8 7 8 Ρ 1 1 8 , 3 6 δόξαν ά π ή νεγκαν ότι Πέρσαις τ α 'Ρωμαίων π ρ ά γ μ α τ α προύδοσαν. Malalas 464,6 Ύ π έ λ α β ο ν δέ τίνες ότι κατά π ρ ο δ ο σ ί α ν τ ω ν φ υ λ ά ρ χ ω ν α ύ τ ώ ν δέδωκαν ν ώ τ α φανεροί τ ω ν Σαρακηνών. I. K a w a r (Procopius and Arethas, Byzantin. Zeitschr. 50 (1957) 40) hält vielleicht nicht mit Unrecht den „Verrat" des Härit für einen Bestandteil der Versuche Prokops Beiisar v o m Odium der Niederlage von Kallinikos zu entlasten. O b es sich bei den v o n Malalas überlieferten Verdachtsmomenten gegenüber den arabischen Unterführern (Phylarchen) um Insubordination oder Verabredung handelt, wird sich kaum klären lassen. D o c h ist bei den Sarazenen verdächtig oft die Rede davon, daß sie bei Auseinandersetzungen verhalten kämpfen, um sich dem Sieger beim Plündern anzuschließen. Wenn Kawar von moralischer und militärischer Ehre der arabischen Satelliten spricht, glaube ich nicht daran, daß diese Begriffe sich bei den Großmächten und ihren arabischen Vasallen deckten. Was die öffentliche Meinung v o n Byzanz und Persien als „ V e r r a t " bewertete, kann aus arabischer Sicht als freieres Lebensgesetz undVorahnung künftigenAufbruchs verstanden werden. Kawar betont S. 54 mit Recht Härit eifriges (monophysitisches) Christentum. O b aber angesichts des religionspolitischen Doppelspiels zwischen Iustinian und Theodora die Kampfstellung gegenüber Feuerreligion und Heiden dadurch verstärkt wurde, steht dahin, zumal in Persien und Hîra mit bedeutenden christlichen Bevölkerungsanteilen zu rechnen ist. Die Situation wird dadurch noch undurchschaubarer. Zur Taktik verweist Kawar (S. 55) mit Recht auf drei Gesichtspunkte, die für H ä r i t und gegen Prokops προδοσία-Verdacht sprechen: Kallinikos war die erste reguläre Feldschlacht Härit überXXXII*

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Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

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haupt, ferner sein erstes Treffen seit Ernennung zum „ K ö n i g " , so daß zur Eifersucht und Insubordination der Phylarchen noch eine gewisse Unerfahrenheit kommt. Immerhin zeigt die Tatsache, daß Araber gegen Araber standen, zur Genüge, daß die Oberkommandierenden beider Heere die nationalen Kampfmethoden der Sarazenen in Rechnung stellten. 879 Malalas 463, 22. 880 Diese Maßnahme wurde von den Zeitgenossen als taktisches Bravourstück anerkannt. Vgl. Prokops ausführliche Schilderung (I 18, 43 αύτός τε τον ππτον άφήκε . . .) und das Werturteil des Malalas, der freilich gerade dieses Verdienst Sunikas zuschreibt (Malalas 464, 17 τακτικώ; χρησάμενοι)· 881 Erst hier, und auch hier noch zu Unrecht, wäre an des Malalas kindliche Taktik zu denken : ύφ' εν γενόμενοι (463, 17). E r vereinfacht die Dinge unerträglich. 882 Nach Malalas flohen zuerst die „Phryger", α) nachdem ihr Führer „Apscal" ß) gefallen und sein Feldzeichen von den Persern erbeutet war. Daraufhin hätten die römischen Sarazenen mit Ausnahme des Härit die Flucht ergriffen. Deren Beispiel seien wieder die „Isaurer" gefolgt, die sich in den Euphrat stürzten, um das Ostufer zu erreichen. Unter dem Eindruck der allgemeinen Katastrophe habe Beiisar gleichfalls seinen Posten verlassen, um auf einem Fahrzeug nach Kallinikos überzusetzen. Die Truppen seines unmittelbaren Befehlsbereiches (Zentrum) hätten sich ihm angeschlossen, wobei die meisten wegen Mangels an Fahrzeugen ertrunken seien. Sunikas und Simma hätten durch kluges Operieren (worunter Prokop das Absitzen der Reiter versteht) den Rückzug gedeckt, drei persische Einheitsführer zu Fall gebracht, bis zum Abend durchgehalten, die Perser bei ihrem Abzug noch 2 Meilen (3 km) verfolgt. Trotz der Namenliste prominenter Gefallener sind die Mitteilungen des Chronisten wegen mangelnder Differenzierung seiner Standortsangaben verdächtig. Prokop hält bis ins Endstadium des Kampfes an der Unterscheidung zwischen den einzelnen Flügeln und dem Zentrum fest, während Malalas im Widerspruch zu seinen einzelnen Angaben über die Truppenteile und ihre Führer eine Rauferei zweier formloser Haufen beschreibt. Der Bericht des Malalas ist von manchen Historikern (ζ. B. Bury L R E I I 2 , 85) bevorzugt worden, weil er viele Namen bringt. Prokops Oberflächlichkeit in dieser Beziehung geht auf seine flüchtige Mitteilung zurück, die Reiterführer bei Kallinikos seien dieselben wie in Dara gewesen ( P I 18, 6), ferner auf Beiisars Verstimmung gegenüber dem Unbotmäßigen. In allen taktischen Dingen aber ist er unvergleichlich überlegen. Es ist längst bemerkt, daß Malalas gegen Beiisar eingenommen ist. E r bzw. sein Gewährsmann schließt sich der Meinung der Unterführer an, die in Antiocheia und bei Hofe geteilt wurde; die Antiochener hatten allen Grund, dem Reichsregiment zu grollen, das durch Beiisar im Osten vertreten wurde, und die halben Maßnahmen zu kritisieren. Der Kaiser war weit, also richtete sich der Unwille über die Bedrohung der Küstenlande gegen den magister militum, den sowohl die öffentliche Meinung wie die von ihr beeinflußten Provinzialbefehlshaber (duces) zu energischem Vorgehen trieben. Es war vielleicht Beiisars schwerster Fehler, daß er dieser Stimmung nachgab und die Schlacht überhaupt annahm. Nach der Niederlage war alles bemüht, über den Feldherrn herzufallen, nicht nur seine Fähigkeiten, sondern seine persönliche Ehre anzuzweifeln. Sunikas und Simmas hatten zweifellos große taktische Verdienste um die Sicherung des Rückzuges, doch wird man Prokop folgen müssen, der nichts von einer vorzeitigen Flucht Beiisars weiß. α) Die Phryger dürften das Produkt einer Verwechselung sein. Die „Isaurer" des Malalas waren nach Prokop zum größten Teil frisch angeworbene Lykaonier, zum kleineren Isaurier. Es ist möglich, daß dieses kleinasiatische Kontingent auch die „phrygischen Lykokraniten" (vgl. Anm. 836), die aus den Kampfhandlungen des Jahres 529 bekannt sind, umfaßte, falls diese nicht auf dem linken Flügel beim Fußvolk unter Petros standen. Festzuhalten ist, daß es sich um eine einzige Truppe handelt und Malalas zu Unrecht zwischen „Isaurern" und „Phrygern" unterscheidet. Asean kommandierte eine schneidige Truppe von 800 Reitern, jedenfalls Hunnen, in deren Nähe die Isaurier-LykaonierPhryger unter Longinos und Stephanakios (Prokop), Dorotheos und Mamantios (Malalas) standen. Da der Tod Ascans das Signal zum Rückzug an die Euphratstellung gab, hielt ihn Malalas für den Führer eines (phrygischen) Teils jenes kleinasiatischen Kontingents, über dessen Zugehörigkeit er, abgesehen von den allgemein umlaufenden Nachrichten über seine schlechten militärischen Leistungen und frühe Flucht, sich im einzelnen nicht klar war. ß) Auch der Name Apscal ist verdächtig. Sollte er mit Asean identisch sein? Der Gleichklang des Namens, dessen Entstellung bei Malalas nicht weiter verwunderlich wäre, weist darauf hin. Beide fallen. Bei Prokop tritt Beiisar beim Tod Ascans den Rückzug zum Fußvolk an, bei Malalas löst sein Fall die Flucht der Phryger, Sarazenen und Isaurer aus. Ferner werden schon vor Gabbula (Malalas 462) Apscal und Simmas nebeneinander genannt, sie befinden sich in Barbalissos in der Umgebung des aus Mesopotamia anrückenden Beiisar. Ebenso muß ihm Sunikas hier Rede und Antwort stehen (Malalas 462,12). Prokop erwähnt Asean und Simmas als hunnische Reiterführer, Befehlshaber über 600 Mann in der Schlacht bei Dara. In derselben Stellung erscheinen Sunikas und Aigan ( P I 13, 21). Auch am Tage von Kallinikon wird Asean, der 800 Reiter befehligte, von Prokop

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Das Jahr 531. Der persische Pyrrhussieg von Kallinikos

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rühmend erwähnt. Er übergeht zwar Sunikas, hat aber dafür schwerwiegende Gründe persönlicher Art. Malalas verbürgt die Anwesenheit des Sunikas, der militärisch rascher avanciert war und bei Gabbula 4000 Reiter unter sich hatte, um so nachdrücklicher. Der Personenkreis Asean, Simmas, Sunikas ist nach dem Gesagten so charakteristisch, daß an der Identität des Apscal bei Malalas mit Prokops Asean nicht zu zweifeln ist. 883 Ρ I 18, 50. Malalas 465, 3—6. 884 P I 18, 5 iff. Vgl. Herodot IV 81 (Zahl des Volkes wird aus gesammelten Pfeilspitzen ermittelt). 885 P I 21, i. 886 Malalas 461, 8f. Κατεπέμφθη ό μάγιστρος 'Ερμογένης âv τοις άνατολικοίς μέρεσιν ενεκεν τ ο υ Περσικού πολέμου. 887 Malalas 46}, 6—8. Καΐ μαθών πάντα τα γενόμενα έν τ ω ττολέμω ó μάγιστρος, έδήλωσε τ ω βασιλεϊ 'Ρωμαίων. 888 Ρ I 2ΐ, 3· ώς φυλάξων την έωαν. Malalas 465» 1 ° καταλαβείν την άνατολήν προς συμμαχίαν. 889 Malalas 465» 1 1 παρελθών δέ δ(α των 'Αρμενίων όρέων είσήλθεν είς Σαμόσατα. 890 Malalas 465. 1 2 έκελεύσθη δέ καΐ Κωνσταντίολος καταλαβεΤν τήν άνατολήν, γνώναι την άλήθειαν του πολέμου. 891 Ρ I 2ΐ, 2. Malalas 466, 13—17· 892 Malalas 466, 17· 893 Malalas 45τ» 4 f - ¡ Theoph. I 219, 4ff. Marc. Com. (ad a. 530). Ρ I 24, 4of. Zum angeblichen Abruf Beiisars wegen des bevorstehenden Vandalenkriegs vgl. Ρ I zi, 2. III 9, 25. E n s s l i n , R E 16 Sp. 560. Stein II 293. 894 Malalas 465, 21. Άβγερσάτον τό κτισθέν ϋπό Άβγάρου, τοπάρχου της Όσδροηνών πόλεως. Die Lage ist unbekannt. Der Name Abgar erinnert an die Könige von Osroene zwischen 132 v. und 216 (244) n. Chr. Vgl. A. v. Gutschmid, Untersuch, üb. die Geschichte des Königreichs Osroene, Mém. de l'Acad. de St. Pétersbourg 35, 1 (1887) v. Rohden, R E 1 Sp. 93fr. 895 Zu diesem Zweck κατεπέμφθη eìs τά άνατολικά Δημοσθένης; er reiste über Antiocheia nach Osroene. Malalas 467, 19 f. 896 Malalas 467, 7—14. Helm, Arch. f. Urkundenforsch. 12 (1932) 375ff. 897 Malalas 466, 18—22; 467, 7 f. 8j8 Malalas 467, 3 Rufinus führte die Verhandlungen. 899 Malalas 468, 10; 469, 3. Für die geographische Weitherzigkeit des Malalas ist seine Bemerkung bezeichnend, daß die Dinge sich „in der Gegend" von Amida abspielten (Diarbekr am Tigris) ήσαν γαρ σκη νώσαντες elç τα μέρη ΆμΙδης παρά τφ λεγομένη Νυμφίω ποταμφ. Martyropolis (Maiferkat) liegt am Nikephorios (Farkin-Sü), 12 km oberhalb seiner Mündung in denNymphios (Batman-Sü), der seinerseits nach 30 km in den Tigris fließt. Der bequemste Weg führt heute über Dijärbekr nach Maiferkat. Falls das persische Korps von Nisibis kam, konnte es über Amudis bzw. Thamaudi — Arcama — Mardin — Aquae frigidae — Sardebar ein gutes Stück dieser Straße benutzen, den Abschnitt Sardebar — Adipte — Sitae — Thaliasaris — Martyropolis. Vgl. Miller, Itin. Rom. K. 239, 240. Freilich muß, zumal bei der Gleichsetzung von Martyropolis mit Tigranokerta, der alten Hauptstadt Armeniens (RE 1 A Sp. 981 ff.)angenommen werden, daß auch der kürzere Weg von Osten her für das Invasionsheer gangbar war. Es handelt sich um die Straße Maiferkat — Arzn (bei Miller noch Tigranokerta) — Zanserio — Cymiza — Bitlis — Wan-See usw., vgl. M i l l e r , K. 242. Über eine direkte Verbindung von Martyropolis mit Nisibis nymphiosabwärts ist nichts bekannt. Zwischen dem Nikephorios und dem Nymphios wird Malalas kaum unterscheiden können, so daß die Perser den Nymphios vielleicht gar nicht gesehen haben. Vgl. K i e p e r t , Karte v. Kleinasien. Berlin 1914. Ferner Karte 1 bei Honigmann, Ostgrenze. 900 Bei Malalas 469, 4 heißt es zwar Δωρόθεος ό της 'Αρμενίας στρατηλάτης, doch spricht er anläßlich des unmittelbar folgenden zweiten Einfalls der Perser von der Hilfeleistung des Sittas (Ζίττα στρατηλάτου 'Ρωμαίων κατερχομένου προς βοήθειαν. Malalas 47°> τ ί)· Als magister militum Orientis wäre Sittas nicht persönlich nach Armenien gekommen. Prokop kennzeichnet das Verhältnis deutlich: ετύγχανε δέ 'Αρμενίας μέν στρατηγός Δωρόθεος ών, άνήρ ξυνετός τε καΐ πολέμων πολλών έμπειρος. Σίττας δέ άρχήν μέν τήν στρατηγίδα έν Βυξαντίω είχε, παντί δέ τ φ έν Άρμενίοις στρατφ έφειστήκει, P I 15, 3 Dorotheos ist also der zweithöchste Militär Armeniens und damit Stellvertreter des Sittas. Diese außerordentlich selbständige Stellung erklärt die Verwendung des Wortes στρατηγός, στρατηλάτης, das meist nur den magister militum bezeichnet, für Dorotheos, der nur im Rang eines dux stehen konnte. Theodosiopolis (Erzerum) war der Standort des Höchstkommandierenden (PAed. III 5,2). Melitene war militärisch die zweite Stadt Armeniens, somit der Aufenthalt des zweithöchsten Militärs in Armenien, also damals des Dorotheos. Insofern ist für Dorotheos der Titel dux Armeniae secundae (Melitensis) anzunehmen. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, daß die Kommandantur Melitene verwaiste, wenn der dux in

502

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

901

Vertretung des infolge seiner Doppelstellung (als magister militum praesentalis) in Byzanz oder zur außerordentlichen Hilfeleistung (nach der Schlacht bei Kallinikos) in Samosata weilenden magister militum Armeniae nach dessen Standort Theodosiopolis reisen mußte. Doch wird die außerordentliche Bedeutung der ehemaligen Reichsgrenzfestung und damaligen Etappenzentrale Melitene das verhindert haben. Die unvermeidlichen Provisorien dieses Zustandes und die Reibereien mit den Zivilbehörden wurden durch die 5 36 erfolgte Neuordnung der armenischen Verhältnisse beseitigt. Unter dem Comes Iustinianus Thomas wurden Zivil- und Militärverwaltung der neugeschaffenen Provinz Armenia III (Melitene) vereinigt. Nov. 31 c. 1,2 (18. III. 536). Auch hier kommt wieder in seinem Aufsichtsrecht über die restlichen drei armenischen Provinzen die Sonderstellung von Melitene zum Ausdruck. Nov. 31 c. 2: προνοεϊν δέ καΐ των άλλων όττόσα αν α ύ τ ω [ή] δια θείων έπιθρέψαιμεν commonitoricov είτε έττΐ της επαρχίας ήν α ύ τ ω παραδεδώκαμεν είτε καΐ έ π ' άλλαις; e. III τον της τρίτης 'Αρμενίας κόμητα ού ττολιτικόν μόνον, αλλά καΐ στρατιωτικόν πεποιήκαμεν άρχοντα. In Theodosiopolis half man sich durch Verlegung der Zivilbehörde in die neu gegründete Landeshauptstadt Iustinianopolis (Tzumina — Dgimin). Als Parallele für die Doppelstellung des Sittas, der 535 im Balkan kämpfte (Marc. Com. ad a. 535. 3), mag das Verbleiben Beiisars im magisterium militum Orientis während seines Italienzuges gelten. Stein II 291 hält Dorotheos für den Nachfolger des Sittas als mag. mil. per Armeniam. 901 Es ist zu beachten, daß Malalas unter καστέλλιον sehr wohl eine Stadt verstehen kann. Vgl. 470, 2. 14 τ ό αύτό καστέλλιον . . . έν τ ω καστελλίω, womit er Martyropolis meint. Μαρτυρόπολις = Ίουστινιανόπολις, Malalas 427, 15. 902 Ρ I 2i, 4ff. Malalas 469, 18 — 470, 15. 903 Χαναράγγης, Άσπεβέδης, Μερμερόης. kanärang ist nicht Individualname, sondern entweder eine Amtsbezeichnung oder (wahrscheinlicher) der Name des Feudalgeschlechtes, in dem dieses Amt erblich war. Prokop hat die an die Familie gebundene Amtsnachfolge anschaulich geschildert (Ρ I 6, I 2 f f . Zach. Rhet. VII 4 [ 1 0 7 , 16. 2 5 ; 108, 7 ] ) ; vgl. C h r i s t e n s e n 2 , 1 0 7 Anm. 3. Aspähbadh ist der Name eines alten „parthischen" Feudalgeschlechtes von arsakidischem Blut, vgl. C h r i s t e n s e n 104 Anm. 1. Über die Familie des Mihr-Mihröe, der besonders durch seine Feldzüge in Lazika hervorgetreten ist, weiß man nichts. Christensen 131 gibt unrichtig an, er sei einmal als Gesandter nach Byzanz gegangen. 904 Malalas 469, 20 ηλθον πλησίον Μαρτυρουττόλεως. Ρ I 21, 4. Πέρσα: . . . êç Μεσοττοταμίαν . . . έσέβαλον. έττεί τε αύτοϊς έτόλμα ούδείς ές χείρας ΐέναι, Μαρτυρόπολιν έγκαθεζόμενοι έπολιόρκουν, ου δή Β ο ύ ζ η ς τε καΐ Β έ σ σ α ς τεταγμένοι επί τ η φυλακή ετυχον. Vgl. Mich. Syr. IX 21, wo es heißt „Perser u n d H u n n e n . . . belagerten Martyropolis." Iac. Edess. ad ann. 203. 905 Ρ Aed III 2 , I i . 906 Malalas 470,13. Vgl. Zach. Rhet. (228 Hamilton Brooks = 1 7 4 A.-K.), der den Gässaniden Härit als Feldzugsteilnehmer erwähnt. 907 Ρ I 2i, 9· 908 Malalas 472, 15 — 473, 4. 909 ρ ι 2 I ) u f f . Die Geschichte ist, wenn nicht wahr, doch gut erfunden; die Spionagetätigkeit der beiden Großstaaten war in Krieg und Frieden sehr rege. Sie nahm z. B. nach dem Frieden von 561 sprunghaft zu (Agathias IV 23 p. 256, 4), was ebenso für die Jahre nach dem „Ewigen Frieden" von 532 anzunehmen ist. Für diesen Zweck waren natürlich vielsprachige Eingeborene der armenischkaukasischen Durchgangsländer besonders geeignet. Sittas wird als magister militum nicht zuletzt auch aus diesem Grunde die Einstellung von Landeskindern in sein officium sich ausbedungen haben (Malalas 429, 21 — 430, 3). Die Verhältnisse an der Nordgrenze Britisch-Indiens waren ähnlich.

7. Der

Thronwechsel

in Per sien: Chusrô

Anösarvän

Malalas 471, 4 — 10. Vgl. zum Datum des Thronwechsels S. H. T a q u i z a d e h , Some chronological data relating to the Sassanian Period, Bull. School Or. Stud. Univ. London 9 ( 1 9 3 7 ) 125 ff., der die Thronbesteigung des Chusrô etwa 25 Tage früher ansetzt. 911 Fr. S p i e g e l , Erânische Altertumskunde. Bd. 3 (Leipzig 1 8 7 8 ) 4 1 6 / 6 3 . C h r i s t e n s e n 2 , 3 6 3 / 4 4 0 . F. A l t h e i m , R. S t i e h l , Ein asiatischer Staat 1 (Wiesbaden 1 9 5 4 ) . Finanzgeschichte der Spätantike. Frankfurt a. M. 1957. 912 A l t h e i m - S t i e h l , Ein asiatischer Staat 4fT. (Staatshaushalt); Finanzgeschichte 5—81, insbesondere 3 5 ff. 913 C h r i s t e n s e n 2 369. E. Stein, Ein Kapitel vom persischen und byzantinischen Staate. Byzant'n.-neugriech. Jbb. 1 ( 1 9 2 0 ) 50/87. A l t h e i m - S t i e h l , Finanzgeschichte 57ff. 914 Ρ II 8, 6. 910

η ί

Ρ II Ii, 3iff.

Das Schicksal der Anlieger des Roten Meeres

503

916 A l t h e i m - S t i e h l , Ein asiatischer Staat ι S. 2ooff.; Porphyrios und Empedokles. Tübingen 1954; Finanzgeschichte 275fr.; F. A l t h e i m , Neue Rundschau (1955) 917 Agathias II 29. 918 Ρ I 21, u f i . Prokop ist über die Ausdehnung des Einfalls vielleicht deshalb nur flüchtiger unterrichtet als der antiochener Chronist, weil er sich damals mit Beiisar in Byzanz aufhielt. Ρ I 21,28 δι* ολίγου τήν έτπδρομήν ττοιησάμενοι FIT' οϊκου οστεκομίσθησαν άτταντες. Malalas 472> 1 5—ΐ9 Kai α ύ τ ω τ ω χρόνω Ούννοι Σάβηρες ττεράσαντες δ là τ ω ν Κασττίων ττυλών άνεφάνησαν âv τοϊζ 'Ρωμαϊκοί^ μέρεσι, ττραιδεύουτες έττΐ τήν ' Α ρ μ ε ν ί ω ν χ ώ ρ α ν καΐ άττλώσαντεξ έαυτον/s κατέσχον εωξ τη s Ε ύ φ ρ α τ η σ í a s καΐ τη s δ ε υ τ έ ρ ο υ Κ ι λ ι κ ί α ς και των Κυρηστικών. 919 Malalas 47Γ> 1 1 — 47 2 , 9· 920 Malalas 472, 9—τ4· 921 ρ ι 2 2 2u den Friedensvertrzgen Iustinians: Güterbock, Byzanz und Persien in ihren diplomatisch-völkerrechtlichen Beziehungen. Berlin 1906. Helm, Archiv für Urkundenforschung 12 (1952) 375 ff. 922

Ρ I 22, 2.

Βώλον (Ρ I 15, 18. 32; 22, 3. 18 V i l i 13,19). Bol, Bol-berd imBezirk Phasiane. Hier wurden die Frauen der kamsarakanischen Fürsten gefangen gehalten, die unter Waan Mamikonid von den Persern geraubt wurden. Die Lage von Βώλον ist umstritten. Es wird vielfach auf Hasan kale, das mittelalterliche Walarsakert, bezogen. Militärisch wäre die den wichtigen Weg von Erzerum zum Araxes beherrschende Lage am Fuß des keilförmig ins Pasinovatal ragenden Hasankaie Dag einzigartig. Vgl. Lehmann-Haupt, Armenien einst und jetzt. II 2 (Berlin 1931) 731. Adone (Armenija ν èpochu Justiniana. SPb 1908 S. 24f.) hält die heutige Festung Bua-hala im Kargabazar Dag nordostwärts Erzerum für das alte Bolon. Vgl. Lazar von Pharp (bei L a n g l o i s , Coli, des hist. del'Arménie c. 69 S. 345) nach A d o n e und S t e i n II 292 Anm. 1. P h a r a n g i o n : Ρ I 15, z6: „Überschreitet man die Grenze der Tzanen, so kommt man in eine tiefe und sehr steile Schlucht, die bis zum Kaukasusgebirge reicht. Dort gibt es menschenreiche Dörfer, der Weinstock und sonstige Früchte gedeihen zur Genüge. Und höchstens drei Tagereisen weit gehört die Schlucht den Römern, von da ab folgt persarmenisches Gebiet; dort liegt auch das Goldbergwerk, das ein Einheimischer mit Namen Symeones im Auftrag des Kawä6 verwaltet." Ρ II 29, 14: „Der Fluß Boas tritt in der Nähe der tzanischen Grenze heraus bei den Armeniern, die um Pharangion wohnen." Vgl. Ρ I 15, 18. 29; 22, 3. 18; II 3, 1. 7; 29, 14; VIII 13, 19. Der Fluß, den Prokop hier unter den Namen Boas-Akampsis erwähnt, ist der Coroch, der nordwestlich von Erzerum entspringt und bei Baibert scharf nach Osten umbiegt, um beim heutigen Batum ins Schwarze Meer zu münden. Vgl. Tomaschek RE 3 Sp. 575. Am Coroch befanden sich zahlreiche Edelmetallbergwerke, insbesondere in der Landschaft Hyspiratis, beim heutigen Ispir. Vgl. Strab. XI14 (744Meineke) : „Goldbergwerke gibt es in der Syspiritis, in der Gegend vonKavalla" (Μέταλλα δ* êv μέν t t ¡ Συστπρίτιδί εστί χρυσού κατά τ ά Κάβαλλα). A d o n e (a. O. 25) stellt die Gleichung auf Σύστπρίζ = armenische Ortschaft Sper. Pharangion = (pers.) farhang = Bergwerk. Die Mitteilungen des Malalas (455, 20 — 456, 7) über das Goldbergwerk sind stark entstellt. 924 Ρ I 22, i6ff. 926 ρ ι 2 2 ) jg κ α ι 'ρ ω μαΐοι μέν τό τε Φαράγγιον καί Βώλον τό φρούριον ξύν τοϊς χρήμασι Πέρσαΐζ εδοσαν. Es handelt sich bei den hier erwähnten χρήματα entweder um die von Symeones gehorteten Bergwerkserträge (Ρ I 15, 29) oder um die von Narses nach Byzanz geschafften Schätze eines persischen Kastells, vielleicht Dwin. Schließlich können auch die 110 Zentenarien des vorliegenden Vertrages gemeint sein. 926 Dion. Hal. ant. VI 95. 927 Malalas 477, 21. Vgl. Bury LRE II 88 Anm. 3. 928 Ρ I 23, ι. Vor allem II 9,8ff. Ρ An 18,28. P. Roussel, Un monument d'Hiérapolis Bombyké relatif à la paix „perpétuelle" de 532 ap. J.-C. = Mélanges offerts à René Dussaud. Paris 1939.1 366f. 923

S. Das Schicksal

der Anlieger

des Roten

Meeres

Eine Bibliographie der wichtigsten Schriftquellen und Literatur zu diesem Kapitel befindet sich in PvK 102 ff. = RE 23 Sp. 3 76 ff., doch wurde dort auf Quellensammlungen und Literatur zu den südarabischen Inschriften verzichtet. Nachstehend werden Ergänzungen geboten, die den Zugang zur Spezialliteratur erleichtern sollen. W. F. A l b r i g h t , The chronology of ancient South Arabia in the light of the first campaign of excavation in Yatabän. Bull. Americ. Schools of Oriental Research, No. 119, 1—15. Baltimore 1950. F. Altheim, Niedergang der Alten Welt. Eine Untersuchung der Ursachen. Frankfurt a. M. 1952. Ders.: Gesicht vom Abend und Morgen. Von der Antike zum Mittelalter. Frankfurt a. M. 1955. F. A l t h e i m , R. Stiehl, Finanzgeschichte der Spät929

504

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

930

antike. Frankfurt a. M. 1957. M. A. A n a s t o s , The Alexandrian origin of the Christian Topography of Cosmas Indicopleustes. Dumbarton Oaks Papers 3 (1946) 73—80. R. E. B r i i n n o w , A. v. D o m a s z e w s k i , Die Provinzia Arabia. 1—3 Straßburg 1904/09. E . A. W. B u d g e , A History of Ethiopia I. 2 London 1929. G. B a r d y , Cosmas Indicopleustes: Catholicisme 3 (1952). C. B r o c k e l m a n n , Arabische Grammatik. Leipzig 13 1953. Die Ausgaben des Martyrium Arethae sind P v K 102 genannt. Es sei hier lediglich nochmals verwiesen auf die Bedeutung der Ausgaben, Kommentare und historisch kritischen Synopsen von E d u a r d C a r p e n t i e r in den Acta Sanctorum anläßlich der Biographien der S. Arethas (Oct. X 661—762) S. Elesbaas (De S. Elesbaa rege et sanctis novem monachis in Aethiopia commentarius historicus. Oct. XII296—337) und S. Frumentius (Oct. X I I , 257/70). W. C a s k e l , Entdeckungen in Arabien. Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Geisteswissenschaften, H. 30 Köln 1954. Ders.: Die Bedeutung der Beduinen in der Geschichte der Araber. Arbeitsgemeinschaft H. 8. Ders. : Lihyan und Lihyanisch. Sprache und Kultur eines früharabischen Königreiches. Arbeitsgemeinschaft H. 4. J . B. C o u l b e a u x , Histoire politique et religieuse de l'Abyssinie. 1—3. 1929. Corpus Inscriptionum Semiticarum. I V Inscriptiones Himyariticas et Sabaeas continens 1—3 (1889/1931). Tabulae 1—3 (1889/1932). R. D e v r e e s s e , Le christianisme dans la péninsule sinaitique. Rev. bibl. 49 (1940) 205—223. Epigrafika vostoka (Orientalische Ephigraphik). Akad. Nauk. SSSR 1947fr. A . F a k h r y , Les antiquités du Yemen, un voyage à Sirwäh, Märib et el-Gôf. LeMuséon (61) 3—4, 215 fr. G. F o u q u e t , Mer rouge. Paris 1946. G. W. F r e y t a g , Einleitung in das Studium der arabischen Sprache bis Mohammed und später. Bonn 1861. E . 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Das Schicksal der Anlieger des Roten Meeres

954 831

505

J . R y c k m a n s , L'Institution monarchique . . . A l b r i g h t , Chronology. 933 J . Ryckmans, Institution 156ff. 934 J . R y c k m a n s , Institution 5iff. Zum Damm von Ma'rib: G r o h m a n n , Enzyklop. d. Islam 3 (1936) 3 0 4 f r . 936 J . R y c k m a n s , Institution i o i f f . 936 J . R y c k m a n s , Institution 75. 937 J . R y c k m a n s , Institution 79. P i g u l e v s k a j a , Vizantija na putjach ν Indiju 130, 135. 938 F. A l t heim, Gesicht von Abend und Morgen. Von der Antike zum Mittelalter. Frankfurt a. M. 1955 (Fischer Bücherei) 76ff. J . R y c k m a n s (Institution 136) spricht von Himyar und Dü Rajdan als zwei verschiedenen Stämmen und will ihnen die Organisation einer Seekonkurrenz gegen den Landhandel der Weihrauchstraße zuschreiben. 939 Hippalos: W. O t t o , R E 8 Sp. 1660. R. H e n n i g , Terrae incognitae. Bd. 1. Leiden 1936. 940 R o s s i n i , Storia 9 i f f . , 1 0 9 Ι Ϊ . 941 R o s s i n i , Storia 121 ff. Eine besondere Rolle spielte stets der Kampf gegen die Seeräuber. Der Peripl. mar. Erythraei (c. 20) bezeichnet die arabische Küste von Leuke Kome bis zu den verbrannten Inseln als Einflußgebiet gefährlicher Seeräuber, der Ichthyophagai und Kanraitai. Vgl. S m i t h , Events 429. Ichthyophagai: Ptol. V I 7, 14. Vgl. die betr. RE-Artikel, zur Lokalisierung von Leuke Kome (wesentlich weiter nördlich als bisher): R. D u s s a u d , La pénétration des Arabes en Syrie avant l'Islam (Paris 1955) 150ff. 942 R o s s i n i , Storia 124. 943 R o s s i n i , Storia 125. F. A l t h e i m (Niedergang der Alten Welti (Frankfurt 1952, 157fr.) betont die Bedeutung des Uberganges zur Dromedarreiterei. 944 W. C a s k e l , Entdeckungen in Arabien (Köln 1954) 6. J . H. M o r d t m a n n , E. M i t t w o c h , Sabäische Inschriften (Hamburg 1931) 4 und Anm. 5. Neue Inschrift: G. R y c k m a n s , Muséon (69) I52f. J . Pirenne, ebda 167, 170. A l t h e i m - S t i e h l , Finanzgeschichte der Spätantike 143. 946 Ibn Haldün S. 77—80. P i g u l e v s k a j a a. O. 266. Nach demselben Historiker (S. 71) führte ein himj ari tischer König Dü Ii als erster Seide und Brokat ein, führte den ersten Krieg mit Rom. P i g u l e v s k a j a a. O. 265. Doch sind die Historikernachrichten mit äußerster Skepsis zu bewerten. 946 J . R y c k m a n s , Institution 210. 947 J . R y c k m a n s , Institution 2 i i f . 948 R o s s i n i , Storia i28ff. 948 R o s s i n i , Storia 130/9. P i g u l e v s k a j a 262 stellt als Voraussetzung für die Aktivität Äthiopiens in Südarabien die Hypothese der Vereinigung eines Küstenstaates Adulis mit Aksum auf. 960 R o s s i n i , Storia 141/65. L i t t m a n n , Aeth. Inschr. I26f. Ders. in: Die Religion i. Gesch. u. Gegenwart i 2 (1927) 55. R E Suppl. Bd. 7 (1940) 75/80. Stein II 103 Anm. 2, 3. Während der von Athanasios geweihte Bischof Abessinien im Sinne des Nicaenum missionierte, hatte unter Konstantes ein arianischer Bischof ähnliche Erfolge. Eine der Inschriften Ezanas enthält eine monotheistische Formel, die Littmann christlich deutet, während B. A. T u r a e v (Istorija drevnego vostoka 2 SPb 1914 S. 354f.) dies ablehnt. 951 Der Große Brockhaus 1 (Wiesbaden 1952) 17. Zur Bedeutung des jüdischen Elementes für die äthiopische Religionsgeschichte der Frühzeit vgl. E. C a r p e n t i e r , De Sancto Elesbaa, confessore. A A SS Oct. X I I 302 fr. 952 R y c k m a n s , Institution 212, 220/3. Inschrift Ry 445. 952 a C a r p e n t i e r a.O. 307. 952 b Nach E. C a r p e n t i e r (AASS Oct. X I I 310) errang 478/9 Alameda von Äthiopien einen Sieg über Hassan von Südarabien, auf den sich die von Malalas und Johannes von Ephesus für Aidog-Andas berichteten Ereignisse beziehen sollen. E r stützt sich für die genaue Datierung auf die überholten Herrscherlisten von Caussin de P e r c e v a l , der bekanntlich den arabischen Historikern noch großes Vertrauen schenkte. Doch kann er für die äthiopische Aktivität in Südarabien vor der Regierung Iustins I. eine Reihe weiterer Zeugnisse anführen. Auf die Zeit um 480 möchte C a r p e n t i e r (a.O. 3 1 2 f r . ) auch das Auftauchen der neun ägyptischen Kleriker beziehen, mit dem die zweite Welle der Missionierung Äthiopiens in Zusammenhang gebracht wird. 963 R o s s i n i , Storia 168. Auf die Bedeutung des christlichen Elementes in Südarabien gegenüber dem füher für allein maßgeblich gehaltenen jüdischen hat namentlich Tor Andrae (Der Ursprung des Islam und das Christentum 7—24) hingewiesen. Femion: Tabari-Nöldeke 178, 181. Chabsa: A. M o b e r g , The book of the Himyarites (Lund 1924) S. 31a, C X X I I . P i g u l e v s k a j a 275. S m i t h , Events 462f. J . R y c k m a n s , Institution 214. Zum Zusammengehen Yüsufs mit den Juden Nordarabiens: A l t h e i m - S t i e h l , Finanzgeschichte 156. Zu den Beziehungen der Gassaniden mit N a g r ä n ebda 156, Anm. I 2 i f . 854 P i g u l e v s k a j a 273 und Smith 462 überschätzen die Verweise der Schriftquellen auf Tiberias und (das übrigens antijüdische) Samaria. Wichtiges Material bei: Hayyim Ze'eb H i r s c h b e r g , 932

506

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

955

Yisra'el ba- 'Arab (The Jews in Arabia from the fall 'of the second Temple until the Crusaders) in modernem Hebräisch. C a s k e l betont in diesem Zusammenhang den propagandistischen Charakter der syrischen Schriftquellen über Südarabien. Einen perserfreundlichen politischen Einfluß der Nestorianer in Südarabien bestätigt Martyrium Arethae 728. 955 O l i n d e r , The kings of Kinda . . . Inschrift Ryckmans 509. C a s k e l , Entdeckungen in Arabien 8 ff. 966 Inschrift R y c k m a n s 510. V g l . C a s k e l , Entdeckungen loff. D a das in der Inschrift erwähnte Eingreifen des Südarabers Ma'dïkarib J a ' f u r in den Frieden zwischen Byzanz und Persien fällt,könnte die Digression nach C a s k e l auf einer Verabredung mit Mundir III. von Hïra beruhen. Herausgekommen ist auf dem Feldzug nichts. Interpretation fraglich. 957 C a s k e l , Entdeckungen 26. 958 C a s k e l , Entdeckungen i 4 f . Inschriften R y 508, 507. Der inschriftliche Bericht wird durch Himyaritenbuch (Moberg) und Martyrium S. Arethae ergänzt. Bei P i g u l e v s k a j a liegt eine Darstellung auf Grund der Schriftquellen vor, da die Inschrift noch nicht bekannt war. 958 a Zuletzt J . R y c k m a n s , L a persécution des chrétiens himyarites au sixième siècle. Istanbul 1956. Eine ausführliche Besprechung dieser Arbeit ist von W. C a s k e l zu erwarten. J . R y c k m a n s rechnet 109 v. Chr. als Beginn der südarabischen Ära. Vgl. weiter: A . F. L . B e e s t o n , Notes on the Muraighan Inscription. B S O A S 16 (1954) 389/92. Ders. : Problems of Sabaean Chronology. B S O A S 16 (1954) 37/56. 959 Dasselbe gilt für die Zahlen des zweiten Feldzuges. Bezeichnend ist die Stärke der Truppen, die Jemen 570 den Todesstoß versetzten: 600 Mann. Allerdings waren das Kataphrakten, so daß den Abessiniern größere, wenn auch effektiv bei weitem nicht so schlagkräftige Truppenmengen zuzubilligen sind. Doch sind auch für 525 Kataphraliten bezeugt. Z u den inschriftlich überlieferten Zahlen bemerkt Prof. C a s k e l mündlich, daß es sich vermutlich um Lesefehler handelt. 960 Martyr. Arethae §29. A A S S Octobr. X 747. Datum : Kosmas Indikopleustes 72. Justins 5. Regierungsjahr: Martyr. Arethae 721. V a s i l i e v , Byzantin. Zeitschr. 53 (1933) 7off. 961 p i g u l e v s k a j a 283. 962 M o b e r g , The book of the Himyarites. 7a, C V . Alle Einzelheiten mit Skepsis zu bewerten. 963 Moberg a. O. 964 Moberg a. O. P i g u l e v s k a j a 282. 965 Moberg 7 b , C V . 19 a, C X I I . 966 C a s k e l , Entdeckungen 22fr. 967 C a s k e l : „ u m einen Aufstand der fast ausschließlich christlichen Bevölkerung der Oase zu verhindern" (Entdeckungen 22 f.). 968 R y c k m a n s 508 und 507 behandeln vermutlich dasselbe Ereignis. Nach R y 507 fordert Yüsufs Stellvertreter Geiseln und erhält 100. Es folgt die Gesamtbilanz: 1000 Tote, 1500 Gefangene; 10000 Stück Vieh erbeutet. Militärischer Ablauf nach Inschrift: Im März, April (523) [Ry 508] blockiert Sarah'il den Norden von Nagrän. Zwischen Juli und September [Ry 507] wird die Bedrohung verschärft, im November vereinigt sich der König mit dem Heer seines Stellvertreters vor Nagrän zum entscheidenden Angriff. 969 C a s k e l , Entdeckungen 24. 970 C a s k e l , Entdeckungen 26. 971 Matyr. Arethae 723 ff. Alle Einzelheiten sind mit Vorsicht zu bewerten. 972 Moberg L X X X I V — X C V I I . P i g u l e v s k a j a 287ff. 973 Moberg 24b—26b, C X V I — C X V I I I . dü Yasan des Himyaritenbuches = Stammeschef Sarah'il Yakbul dü Yaz'an. ' 974 Moberg" 5 b, CHI. 9,5 Martyr. Arethae 742. 976 Martyr. Arethae 742. Moberg L X V I . Guidi, L a lettera di Simeon Bctharä., J . G u i d i , Kaiser Mundhir III und die beiden monophysitischen Bischöfe. Z D M G (35) 145. P i g u l e v s k a j a 294, 297. 977 Simeon Bethars. Chron. Ps.-Dionys. II, 57—58. 9,8 Martyr. Arethae 742. 979 Martyr. Arethae 743. 980 Tabari-Nöldeke 188. Tabari ed. De Goeje 927. 881 Tabari-Nöldeke 189. E r stützt sich auf die christlichem Milieu entstammende Tradition von Ibn Ishäk und Hisäm. 982 P i g u l e v s k a j a 300f. Vgl. L i t t m a n n , Exp. 52. 983 Moberg X X X V , 45 b, 46a, C X X X I V f. Martyr. Arethae 755. Tabari-Nöldeke I94f. Tabari ed. D e Goeje 929. P i g u l e v s k a j a 303, C a s k e l , Entdeckungen in Arabien. 984 Moberg 52 a, C X X X I X , 54 b—56 a, C X L I — C X L I I I . Man vergleiche die Kreuztätowierungen der Türken Mittelasiens. Theophyl. Simok. V 10, 1 3 — 1 5 . P i g u l e v s k a j a 305.

Das Schicksal der Anlieger des Roten Meeres

995

507

»85 M o b e r g L X I I . P i g u l e v s k a j a 306. 986 P i g u l e v s k a j a 3 0 7 L S m i t h , E v e n t s 4 3 1 , A . F . L . B e e s t o n , B S O A S 1 6 (1954) 3 7 — 4 0 . D i e U n s i c h e r h e i t d e r C h r o n o l o g i e d e r N a g r ä n - A f f ä r e sei n o c h m a l s b e t o n t . V i e l v e r s p r e c h e n d e r s c h e i n t B e e s t e n s U m d a t i e r u n g d e r s a b ä i s c h e n Ä r a ( 1 1 0 v . C h r . ) , d i e es g e s t a t t e t , R y 507/8 auf c. 523 z u bestimmen. Das paßt i m m e r h i n z u den chronologischen A n g a b e n des ( w e n n a u c h n o c h so u n zuverlässigen) M a r t y r i u m Arethae, die hier k u r z zusammengestellt seien: Mart. 721 spricht v o m 5. J a h r K a i s e r I u s t i n s = 2. I n d . = 835 a n t i o c h e n . = 523/4 ( I n d i k t i o n ! ) a l s Z e i t p u n k t d e s W i e d e r e r s t a r k e n s Y ü s u f s n a c h a n f ä n g l i c h e r N i e d e r l a g e i m e r s t e n F e l d z u g d e s N e g u s . M a r t . 737 n e n n t a l s T a g d e s M a r t y r i u m v o n N a g r ä n d e n 24. O k t o b e r d e r 2. I n d i k t i o n ( d . h . 523). W e i t e r s i n d v o n B e l a n g d i e A n g a b e n : K i r c h e n v e r s a m m l u n g A l e x a n d r e i a A p r i l 3. I n d i k t i o n (524); W i n t e r r ü s t u n g e n 3. I n d . (524/5); P f i n g s t a u f b r u c h (525) E i a A s h e b a s n a c h S ü d a r a b i e n . D a z u p a ß t d i e A n g a b e 20. K a n u n 835 ( a n t i o c h e n . ) = 20. J a n u a r 524 f ü r d a s T r e f f e n i n H ï r a ( S i m e o n B e t a r s . , C h r o n . P s . D i o n y s . I I 57f.). D a s M a r t y r i u m A r e t h a e v e r f ü g t b e t r . S ü d a r a b i e n ü b e r e i n e e n t w i c k e l t e r e C h r o n o l o g i e als P r o k o p . Dieser zieht die v o m M a r t y r i u m schon K a p . 1 erwähnten „ständigen K r i e g e " v o r 525 i n e i n e n z u s a m m e n u n d d a t i e r t d i e s e n i n d i e Z e i t d e s e r s t e n P e r s e r k r i e g e s (I 20, 1). W e n i g n ü t z l i c h s i n d d i e A n g a b e n d e s K o s m a s I n d i k o p l e u s t e s , d e r v o n „ r u n d 25 J a h r e n " s p r i c h t , d i e d e n A u s z u g d e s N e g u s v o n d e r ( d a n k E r w ä h n u n g v o n S o n n e n f i n s t e r n i s s e n 547 a n z u s e t z e n d e n ) G e g e n w a r t t r e n n e n . V g l . 1 0 1 C (72 W i n s t e d t ) u n d E i n l e i t u n g S . 5 A n m . 2. F ü r d i e l a n g e D a u e r d e r V e r f o l g u n g d e r C h r i s t e n v o n N a g r ä n s p r i c h t s c h l i e ß l i c h i h r e E r w ä h n u n g i m B r i e f d e s 521 v e r s t o r benen Jakob von Sarug. 987

Ρ I 20, 9. Z u r D a t i e r u n g P i g u l e v s k a j a 324. T a b a r i ( e d . D e G o e j e i , 9 5 8 ) . D a z u R y c k m a n s 506 ( 6 6 2 = 5 5 2 ? ) ' A m r , S o h n M u n d i r s , w i r d z u m Statthalter über die M a ' a d d ernannt. A l t h e i m - S t i e h l in Festschrift Redslob 2f. ( = Finanzg e s c h i c h t e 143). S m i t h , E v e n t s 442. Ρ I 2o, 9 — 1 3 s t e l l t d i e W i r t s c h a f t s p o l i t i k ( S e i d e n h a n d e l ) i n den Vordergrund der Politik der zwanziger Jahre, spricht v o m Angriff Abrahas gegen Persien ( 2 1 , 13). K a i s o s ' H e r r s c h a f t ü b e r d i e M a ' a d d w a r o f f e n s i c h t l i c h n u r v o n k u r z e r D a u e r , d a d i e s c h o n i m 3. J a h r h u n d e r t a l s H e r r e n ü b e r M e d i n a b e z e u g t e n L a b m i d e n v o n C h u s r ö I. i n d e r H e r r s c h a f t ü b e r O m a n , Bahrain, u n d J a m a n a bis T ä ' i f u n d d e n ü b r i g e n Teilen des H i g ä z bestätigt w u r d e n . V e r s t e h t m a n A b r a h a s Z u s a g e u n d s e i n e n F e l d z u g a l s A n g r i f f auf G e b i e t e u n t e r l a h m i d i s c h e r ( a l s o indirekt persischer) Kontrolle, so hat er sein Versprechen i m m e r h i n gehalten. Beiisars Stab scheint h i e r d i p l o m a t i s c h e M a ß n a h m e n I u s t i n i a n s g e h ä s s i g Zu i n t e r p r e t i e r e n . — Z u r f r ü h e r e n D a t i e r u n g v o n R y 506 = 547 v g l . B e e s t o n a . O . 888

C 8 ä M a l a l a s 458. A l s B e r a t e r I u s t i n i a n s w i r d d e r P a t r i c i u s R u f i n u s e r w ä h n t , d e r d i e s e R o l l e a u c h schon bei den früheren Gesandtschaften gespielt haben kann. 990 ρ J j g — 2 0 M a l a l a s 45 y f. P i g u l e v s k a j a 309fr. ( S . 3 1 4 l ä ß t s i e d e n N e g u s d a s H a u p t d e s G e s a n d t e n n a c h K o n s t a n t i n o p e l s e n d e n ) . S m i t h ( E v e n t s 450) w i l l i m A n g a n e s d e s M a l a l a s - T e x t e s nicht Eia Asbeha, sondern einen südarabischen Kleinkönig sehen. Sein Hauptargument sind die Tracht u n d Herrschaftsinsignien des Anganes, die mit d e m asiatischen Zeremonialwesen, nicht mit d e m s p ä t e r e n a b e s s i n i s c h e n , ü b e r e i n s t i m m e n (449 A n m . 5). E r s i e h t s i c h d a d u r c h z u r A n n a h m e e i n e r K o n t a m i n i e r u n g zweier verschiedener Gesandtschaftsberichte in der Malalas-Stelle g e z w u n g e n . Assyrisch sasanidische Einflüsse auf das abessinische Zeremoniell scheinen jedoch ebensowenig ausgeschlossen wie die leichte K l e i d u n g (nicht Nacktheit) des Negus. 9 9 1 T a b a r i - N ö l d e k e 2oof. T a b a r i e d . D e G o e j e 1, 930—933. P i g u l e v s k a j a 315. Die Strafe x p e d i t i o n e n w e r d e n 530 u n d 5 3 1 a n g e s e t z t ( J . R y c k m a n s , p e r s é c u t i o n ) . 992 P i g u l e v s k a j a 328. 993 P i g u l e v s k a j a 326. 994 f h G 179. P i g u l e v s k a j a 3 2 4 ^ 995 R y j 0 g _ C a s k e l , E n t d e c k u n g e n 2 7 f t A l t h e i m - S t i e h l , R e d s l o b - F e s t s c h r i f t 3 = F i n a n z geschichte I44f. C a s k e l verweist auf die 5 J a h r e vorher bei A b r a h a erschienene Gesandtschaft d e r R ö m e r , P e r s e r u n d i h r e r V a s a l l e n f ü r s t e n ( C I H 541), d i e i h n f ü r d i e T e i l n a h m e a m K r i e g g e w i n n e n w o l l t e n (542). E r w i l l d i e U n g e r e i m t h e i t , d a ß d i e G e s a n d t s c h a f t e n m i t t e n i n d e n K r i e g u n d nicht in die Zeit v o r A u s b r u c h fallen, d a d u r c h beseitigen, d a ß er die himjaritische Ä r a evtl. 2—3 J a h r e f r ü h e r a l s 115 v . C h r . b e g i n n e n l ä ß t . D a n n w ü r d e A b r a h a s F e l d z u g n a c h I n n e r a r a b i e n i n s J a h r 545 f a l l e n . F e m e r v e r w e i s t e r d a r a u f , d a ß J a k s u m , d e r S o h n u n d N a c h f o l g e r A b r a h a s , i n d e r n ä c h s t e n Generation ebenfalls einen Z u g g e g e n die A m i r unternahm, der ihn auf d e m R ü c k w e g weiter nach W e s t e n g e f ü h r t h a t ( L a b i d 26, 3). N a c h A l t h e i m - S t i e h l f ä l l t d i e A b f a s s u n g d e r I n s c h r i f t i n s J a h r 547, d i e S c h l a c h t v o n H a l i b η 546, d i e G e s a n d t s c h a f t e n 543. S i e v e r w e i s e n ( R e d s l o b 4 = F i n a n z geschichte 147) auf die d a m a l s s c h w e b e n d e n F r i e d e n s v e r h a n d l u n g e n z w i s c h e n B y z a n z u n d Persien, die eine diplomatische Aktivität in Südarabien zur G e n ü g e erklären w ü r d e . Sämtliche Ansätze ä n d e r n s i c h , w e n n m a n d i e D a t i e r u n g d e r Ä r a d u r c h B e e s t o n 1 9 5 4 m i t R y c k m a n s 1956 z u grunde legt.

508

A n m e r k u n g e n : Politik u n d K r i e g f ü h r u n g i m O s t e n

996

A l t h e i m - S t i e h l , R e d s l o b - F e s t s c h r i f t 4 = F i n a n z g e s c h i c h t e 146. D i e V i z e k ö n i g e Ä t h i o p i e n s in Südarabiens verdienen b e s o n d e r e A u f m e r k s a m k e i t ( E . C a r p e n t i e r , C o m m e n t a r i u s [ A A S S O c t . X 6 9 8 f . ] wollte 4 V i z e k ö n i g e feststellen, w e n n nicht g a r 5). 996

997

A n o n y m u s c. 522 (der v o m ersten Eintreffen d e s N e g u s in S ü d a r a b i e n bis z u r R ü c k k e h r Y ü s u f s „ a u s d e n B e r g e n " , w o er sich in F e s t u n g e n verschanzt hatte, regierte (Mart. A r . 722). S u m y a f a ' A s w a ' ( E s i m i p h a i o s ) c. 525—530. C a r p e n t i e r will n u n 550—540 A r i a t dazwischenschieben, d e m bei H a m z a u n d al M a s ' ü d i s o g a r 20 J a h r e g e g e b e n werden. O f f e n b a r handelt es sich j e d o c h nur u m eines der bei P r o k o p e r w ä h n t e n Entsatzheere, die der S a c h e des S u m y a f a * A s w a ' b z w . d e r Ä t h i o p i e r nach der R e v o l t e A b r a h a ' s v o n c. 530 z u m S i e g verhelfen sollten.

9. Vorbereitung

und Ausbruch

des ^weiten

Perserkrieges

Ρ I i 5 , i 8 . 26fr. Ρ I I 3, ι . Ü b e r die L a g e dieser D ö r f e r ist nichts b e k a n n t : κ ώ μ α ι ς α υ τ ό ν τ ι σ ι ν ά ν δ ρ ώ ν ' Α ρ μ ε ν ί ω ν δ ω ρ ή σ α σ θ α ι . Z u e r s t ist natürlich a n d a s Corochtal z u denken. xooo ρ π 3, 2 f . looi ρ j j j ^ ά ρ χ ο ν τ α κ α τ ε σ τ ή σ α τ ο Ά ρ μ ε ν ί ο ι ς α υ τ ό ν ; natürlich k a n n hier nicht g a n z A r m e n i e n g e m e i n t sein. A k a k i o s , der N a c h f o l g e r des A m a z a s p e s , w i r d durch N o v e l l e 31 v o m 18. III. 536 als P r o c o n s u l v o n A r m e n i a I interior erwähnt. N o v e l l e 21 v o m 18. I I I . 536 ist a n ihn gerichtet: Ά κ α κ ί ω τ ω μ ε γ α λ ο π ρ ε π ε σ τ ά τ ω ά ν θ υ π ά τ ω 'Αρμενίας. W a n n der Wechsel A m a z a s p e s — A k a k i o s erfolgte, ist nicht m e h r festzustellen. D i e G e s a n d t s c h a f t der armenischen N a c h ararhäuser, i n s b e s o n d e r e der A r s a k i d e n , die v o r d e m G r o ß k ö n i g i m Winter 539/40 ü b e r ihre f i n a n zielle (nicht ü b e r ihre völkisch-kulturelle U n t e r d r ü c k u n g ) B e s c h w e r d e führte, rechnete v o n dieser Zeit an den B e g i n n der A u s s a u g u n g des L a n d e s u n d s c h o b die g a n z e Schuld a u f K a i s e r Iustinian, der d u r c h seine armenische Personalpolitik der Willkür T ü r u n d T o r geöffnet habe, Ρ I I 3, 34 ό τ η ν Ι σ χ ύ ν τ ο ι ς ά δ ι κ ε ΐ ν β ο υ λ ο μ έ ν ο ι ς δ ι δ ο ύ ς α υ τ ό ς αν φ ε ρ ο ι τ ο καΐ τ ή ν α ί τ ί α ν τ ω ν έ ρ γ ω ν δικαίως. P r o k o p , dessen A n e k d o t a w e r k s t a t t diese R e d e entstammt, die ü b r i g e n s die politische Situation A r m e n i e n s trefflich kennzeichnet, nennt A k a k i o s überdies π ο ν η ρ ο ί δέ ώ ν φύσει . . . ω μ ό τ α τ ο ; Ι2 ά ν θ ρ ώ π ω ν ά π ά ν τ ω ν . Z u P r o k o p s sozialkritischen T o p o s π ο ν η ρ ό ς v g l . P v K 62, ηι—73. 3> IJO. 2 34> 271. 2 8 1 · Ρ 1 1 3. 6 · loos ρ I I J , 4· loos ρ Π } > 7_ 1004 ρ π 3, 9· i s 'Αρμενίους Ι λ θ ώ ν τ ά μέν π ρ ώ τ α ές τ ο ν π ό λ ε μ ο ν ό κ ν η ρ ώ ς ήει, τ ι θ α σ σ ε ύ ε ι ν μ έ ν τ ο ι καΐ έ π ΐ τ α π ρ ό τ ε ρ α ή θ η ά ν τ ι κ α θ ι σ τ ά ν α ι τ ο υ ς α ν θ ρ ώ π ο υ ς ή π ε ί γ ε τ ο , π ε ί θ ε ι ν β α σ ι λ έ α υ π ο σ χ ό μ ε ν ο ς άφεϊναι α ύ τ ο ϊ ς τ ή ν κ α ι ν ή ν τ ο υ φ ό ρ ο υ ά π α γ ω γ ή ν . ιοοί ρ Π 3 > ϊ 0 ιοοβ ρ Π 3 ) Ι 2 _ 968

999

1 0 0 ' D i e L a g e v o n Ο ί ν ο χ α λ ά κ ω ν ist u n b e k a n n t . 1008 ρ Π 3, 18 ή τ ο γ ε γ ο ν ό ς ο ύ ξυνιείς. D e r g e o g r a p h i s c h e H i n t e r g r u n d der S c h i l d e r u n g P r o k o p s läßt v e r m u t e n , daß es sich i m m e r n o c h u m das Corochtal handelt. 1 0 0 9 Ρ I I 3, 27. 1 0 1 0 U b e r Sittas S t e i n R E 3 A 4 0 4 ff. Z u r H e r k u n f t kursieren verschiedene T h e o r i e n . M a n c h e halten Sittas f ü r einen A r m e n i e r , s o ζ. B . H a u ß i g bei Altheim-Stiehl, F i n a n z g e s c h . d. Spätantike ( F r a n k f u r t a. M . 1957) 107, d o c h sprechen die sprachlichen A r g u m e n t e g e g e n eine solche ζ. B . d u r c h d i e L a n d e s k u n d e des armenischen Heermeisters nahe g e l e g t e A n n a h m e . A l s Z e u g n i s f ü r die g o t i s c h e H e r k u n f t vergleiche m a n S c h ö n f e l d , A l t g e r m . P e r s o n e n - u n d V ö l k e r n a m e n ( H e i d e l b e r g 1911) 244 u n d die wichtigen Inschriftenzeugnisse : F i e b i g e r - S c h m i d t , I n s c h r i f t e n s a m m l u n g z u r G e s c h i c h t e der O s t g e r m a n e n . 1917 N o . 122, 220. V g l . a u c h L . S c h m i d t , D i e letzten O s t g o t e n . A b h . A k a d . Wiss. Berlin 1943, Phil.-hist. K l . N r . 10 S. 9. U n h a l t b a r d ü r f t e n die A n n a h m e n v o n A d o n e sein, w o n a c h Sittas, der in der V i t a S. T h e o d o r i (ed. L o p a r e v in Z a p . K l . O t d . I. R . A r c h . O b s c . 1904) angeblich romanisiert als Ursicius bezeichnet w e r d e , in Wirklichkeit (armen.) U r s u k heiße, w a s a u f (pehlew.) a s r ü k = Priester, Geistlicher z u r ü c k g e h e . A l s „ B e l e g " f ü h r t A d o n e zwei N a m e n v o n B i s c h ö f e n bei A g a t h a n g e l o s u n d F a u s t u s v o n B u z a n t a an. V g l . sein A r m e n i j a ν è p o c h u Justiniana, S P b 1908. 1 0 1 1 Ρ I I 3, 28ff. 1 0 1 2 Ρ I I 3, 31 ff. 1 0 1 3 Ρ I 26, 3. 1 0 1 4 Ρ I I 2, i f f . 1015 Vgl. o. A n m .

509

Das Jahr 540. Prüfung Syriens

I027

1 0 1 6 CIL III Suppl. I Nr. 6719. ί\ηζ(>ΐ. H o n i g m a n n , R E 4 A Sp. 173. P o i d e b a r d , La trace de Rome (o. Anm. 818). 1017 D j e Kastelle des Limes dienten weniger der Unterbindung als der Regelung und Beaufsichtigung der fluktuierenden, nomadischen Araber. Gegen Einbrüche wie die des Mundir 529 waren sie ohnehin machtlos. Überdies war seit langem eine Unterwanderung der hellenistischen Städte des Ostens mit Arabern im Gange. Die safitischen Inschriften Syriens geben ein Bild von der Bedeutung dieser Bevölkerungsbewegung. Vgl. R. D u s s a u d , La pénétration des Arabes en Syrie avant l'Islam (Paris 1955) 17fr. Auch anderweitig ist bezeugt, daß die südliche Palmyrene gassanidisches Interessengebiet war, so durch die Residenz Mundirs in Dmeir ( B r ü n n o w - D o m a s z e w s k i , Provincia Arabia 3 [Straßburg 1909] 200; S a u v a g e t a . O. 467). 1 0 1 8 Ρ Aed II I i , 1 0 . 1019 Ρ π ι , 15. Auch nach der Schlacht bei Kallinikos führte Mundir mit Iustinian separate Friedensverhandlungen. Malalas 466 f. ioi9a ρ j i ^ 17—26. Zu beachten sind die vermutlich 539 zu datierenden Gesandtschaften der Perser, Äthiopier, Gassäniden, Lahmiden sowie des 'Abu-karib b. Gabalat zum Beherrscher von Südarabien Abraha, um ihn zur Parteinahme zu veranlassen. Corpus Inscriptionum Semiticarum I V 2 No. 541, I i . 87—92. S m i t h , Events 440. K a w a r , Byz. Zeitschr. 50 (1957) 52. K a w a r 579 verweist mit Recht auf die Bedeutsamkeit der Tatsache, daß Oberphylarch Härit und Phylarch Pal. III. Abu-karib als Brüder Träger einer Familienpolitik waren.

10. Das Jahr

j40.

Prüfung

Syriens

und Katastrophe

von

Antiocheia

1020 ρ l i ^ j ff loh. Lydos de mag. III 54 (143 Wünsch) Χοσρόης ό κακοδαίμων διά τ η ; 'Αραβίας έμπεσών σύν άττείρω στρατί?. Tabari-Nöldeke 165 f., 239 (Heeresstärke 90000 Mann). 1021 ρ Aed II 6, 2 — i l . Iustinian ließ die diokletianischen Mauern und Türme erneuern und verstärken, das bisher ungeschützte Euphratufer befestigen und die Mauern durchweg mit einem Proteichisma versehen. Kirkesion wurde Standort des dux Mesopotamiae. 1 0 2 2 Ρ II 5, 4ff. 1 0 2 3 Ρ II 5, 8ff. 1024 ρ Jl 6, ι. Die Einheit des magisterium militum Orientis wurde bereits 2 Jahre später wiederhergestellt. Vgl. auch Nov. 157. 1 0 2 5 Ρ II 6, 7 f. 1 0 2 6 Ρ II 6, 9. 1027 ρ j j η^ j g N a c h Malalas 480, 3—5 benutzte Germanos die Katastrophe des antiochenischen Wirtschaftslebens zu unsauberen Spekulationsgeschäften: μηδέν ώφελήσαζ έκάθητο èv Άντιοχεία, αγοράζων τόν άργυρον νομισμάτων β ή τριών τήν λίτραν έκ των αϋτών Άντιοχέων. Damit gibt er den Eindruck wieder, den man an Ort und Stelle von der Tätigkeit des Germanos hatte. S t e i n II 426 nimmt als Wertverhältnis von Gold zu Silber 1 zu 18 an, was für 422 zutrifft, aber die Münzreform des Anastasios nicht berücksichtigt. G. D o w n e y macht in seiner Studie The Persian Campaigns in Syria in A. D. 540 (Speculum 28, 1953 S. 346) auf die Ergebnisse von W e s t und B l a k e aufmerksam, nach denen das Verhältnis von Gold zu Silber unter Iustinian mit 1 zu 6 anzusetzen ist. Auch andere Quellen zeigen, daß der Silberwert unter Iustinian ziemlich hoch stand. Vgl. L. C. West in American Journal of Philology 62 (1941) 300 und R. P. B l a k e , The Monetary Reform of Anastasius I and its Economic Implications. Studies in the History of Culture. The Disciplines of the humanities (Menasha, Wisconsin, Published for the Conference of Secretaries of the American Council of Learned Societies, 1942) 84/97. Auch in: Numismatic Reviev 4 (1947) 35/42· G. D o w n e y nimmt an, daß Germanos das Silber zu einem Sechstel seines Kurswertes aufkaufte, weil die Flüchtlinge auf das leichter zu transportierende Gold angewiesen waren, ihm dagegen staatliche Transportmittel zur Verfügung standen. E r sieht darin Privatgeschäfte des Germanos, während S t e i n II 489 einen vonlustinian gelenkten staatlichen Aufkauf annimmt. Prokops Schweigen in den Anekdota und seine bekannte kritische Einstellung zu Iustinians Wirtschaftsmaßnahmen sprechen für eine Privatinitiative des Germanos. Nach G. D o w n e y erklärt dieses Finanzmanöver den Verzicht des Feldherrn auf persönliche Teilnahme an der Verteidigung von Antiocheia. Darüber hinaus soll Prokop die Geschichte vom Felsen außerhalb der Mauer erfunden haben, um die Verantwortung von Germanos auf die Erbauer der Festungsanlagen abzuwälzen. Eine Parteinahme Prokops für Germanos ist innenpolitisch zweifellos denkbar. Er konnte es sich aber niemals leisten seine etwaige Tendenz mit so plumpen Mitteln zu verfolgen. Sein Bericht über die sensationellen Ereignisse von 540 steht und fällt mit seinen Voraussetzung und Höhepunkt der Kampfhandlungen bezeichnenden Nachrichten über den Felsen außerhalb der Mauer. In Syrien hätte ihn jedes Kind, in Konstantinopel Hof und Generalität, nicht zuletzt der Kaiser Lügen strafen können. Ich vermag

510

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

1028

daher G. Downeys Polemik gegen die Felsen-Erzählung trotz seiner wertvollen Einzelbeobachtungen nicht zu folgen. Mit Recht verweist er dagegen auf Lücken des Prokopschen Berichtes, die angesichts seines Prinzips die Höhepunkte heraus zugreifen freilich nicht überraschen. Hierzu auch die weiteren Untersuchungen von G. D o w n e y : Procopius on Antioch: A study of a method in the De Aedificiis. Byzantion 1 4 ( 1 9 3 9 ) 3 6 1 / 7 8 . Èphraemius, Patriarch of Antioch. Church History 7 ( 1 9 3 8 ) 364/70. PvK iioff., 3 0 6 = RE 2 3 Sp. 3 8 4 f r . , 5 8 1 . Erdbeben und Brände von Antiocheia: 3 4 7 , 4 5 7 / 8 , 526, 5 2 8 , 5 8 7 , 588. Einwohnerzahl 2 0 0 0 0 0 überliefert Johannes Chrysostomos, In S. Ignatium (MPG 50, 591). Vgl. R. D e v r e e s s e , Le Patriarcat d'Antioche (Paris 1945) 109, 112. G. H a d d a d , The population of Antioch in the hellenisticroman period. Annales archéol. de Syrie ι (1951) 19/31. Das Erdbeben von 526 führte die Faktionen politisch zusammen ( D e v r e e s s e a. O. 114). 1028

Ρ I I 6, 1 7 — 1 9 .

1029 ρ j j 2 0 λ ό γ φ ξ υ ν ε τ ω τον τ ρ ό π ο ν ρυθμίζεσθαι ùttò άμαθίας ουδαμώς ίσχυσεν. 1030 Megas brauchte 4 Tage von Hierapolis bis Antiocheia, die Perser 2 Tage von Hierapolis bis Beroia (Ρ II 7, 3 f.). 1031 Ρ II 7 , 2 5 . 1032 ρ Π 7 ) l f £ . 1033 ρ j j g j 2 £)i e Vorgänge des Jahres 531 wiederholten sich. Aber diesmal warf sich kein Beiisar zwischen Antiocheia und das Perserheer. 1034 S c h u l t z , Antiochia (Altchristi. Städte und Landschaften 3) Gütersloh 1930. P. A l l a r d , Julien l'Apostat 33 ( 1 9 1 0 ) 1 6 5 f . D e v r e e s s e a. O. 1 1 2 . 1035 Zur Topographie: K. O. M ü l l e r , Antiquitates Antiochenae. Commentationes duae (Göttingen 1839) S. A. Gött. Abh. 8. Auch in: K. O. M ü l l e r , Kunstarchäolog. Werke 5 (Berlin 1 8 7 3 ) 8 — 1 3 2 . R i t t e r , Erdkunde 1 7 S. 1 1 4 7 — 1 2 1 0 . R. F ö r s t e r , Antiochia am Orontes. Jahrb. d. archäol. Inst. 12(1897) 103 ff. Das wichtigste topographische Problem der Belagerung von Antiocheia ist die Lage des Felsens auf dem Orokas(s)ias, dessen Vernachlässigung das Schicksal der Stadt besiegelte. Ρ II 6, u f f . 8, I 2 f f . Aed II 1 0 , 9. Schon Müller und Förster versicherten, daß er heute nicht mehr festzustellen sei. F ö r s t e r a. O. 134 und Tafel 6. Auch die Ausgrabungen der Universität Princeton haben keine Anhaltspunkte ergeben (vgl. Anm. 1 0 3 9 ) . Man darf vermuten, daß es sich um einen Felsen bei der Akropolis, dem höchsten Punkt der Stadt, handelte. Prokops Bemerkung Aed II 10,9 legt das nahe: έν τ η τ ο υ όρους υπερβολή, ήνπερ Όροκασιάδα καλοϋσι. Ferner Ρ I I 8, 8 κ α τ ά τ η ν άκραν II 8,21 coró της άκρας εϋθύς κατιόντι 118,30 Χοσρόης έν π ύ ρ γ ω τ ω κ α τ ά τ η ν άκραν καθήμενος. In Theodosiopolis (Ρ Aed III 5, 9) un< J Satala (Ρ Aed III 4, 2—4) hatte man derartige Felsen von vornherein in die Mauer mit einbezogen. Vgl. zur Orokas(s)ias-Frage PvK 306. D o w n e y a. O. 1036 ρ Π 8> I ? f f 1037 ρ j j jy 2 8ff. Parteiwesen: M a n o j l o v i c . Vgl. PvK 106, D e v r e e s s e a. O. 114. 1038 Zur persischen Hauptstadt Ktesiphon: H o n i g m a n n , RE Suppl. 4 Sp. 1 1 0 2 / 1 9 . Das neue Antiocheia, das Chusrö unmittelbar neben seiner Residenz errichten ließ ('Αντιόχεια Χοσρόου, Vêh-Antioch-Chusrô) hieß im Volksmund Rümaghän, „Stadt der Griechen", und ist mit den Ruinen von Bostän-e-Kesrä, „Garten des Chusrö", am Tigris südostwärts Ktesiphon zu identifizieren. Ρ II 14, ι—4. loh. v. Ephesos (Schönfelder) 246. Tabari-Nöldeke 165. Firdusi 6, 168. Theophyl. Simokattes V 6. 7 (200 de Boor). Karte von Seleukeia-Ktesiphon und Umgebung (mit elBustän) bei C h r i s t e n s e n 2 385 nach J. H. S c h m i d t , L'expédition de Ctésiphon en 1 9 3 1 / 3 2 . Syria 1934. Die Zwangsverpflanzung der Antiochener diente in erster Linie wirtschaftlichen und verwaltungsmäßig-kulturellen Lehrzwecken. Die Zwangsumsiedlungen der Sasaniden, die sich auf ganze Stämme erstreckten, scheinen im mittelbyzantinischen Staat Schule gemacht zu haben. Im vorliegenden Falle gewannen die Perser gewissermaßen eine römische Stadt mit allem Zubehör als Anschauungsmaterial. Besonders geschätzt waren ausgebildete Spezialarbeiter, Handwerker, Künstler usw., die für die Autarkiebestrebungen der Großmächte — man denke nur an Iustinians Kampf um die Seide — unerläßlich waren. Vgl. auch K u l a k o v s k i j , Istorija Vizantii 2 (Kiev 1912) 38. Die Deportation hatte ein Vorbild in der Wegführung der Bevölkerung von Amida nach Einnahme dieser Stadt durch Kawä5 im Jahre 503. Hierzu ausführlich los. Styl. c. LVIII (42 f. Wright). PvK 116 und Kommentar von N. P i g u l e v s k a j a : Mesopotamia na rubeze 5 1 6 vv. n. e. (Mesopotamien an der Grenze des 5. und 6. Jahrh. n. Chr.) Moskva 1940 ( = Trudy Instituía Vostokovedenija Akademii Nauk SSSR 31). Zacharias Rhetor erwähnt ausdrücklich die Handwerker (VII 4 p. i n , Ii A.-K.). Chusrö begnügte sich damit nicht, sondern ließ darüber hinaus Statuen, Bilder und kostbare Baumaterialien (Marmor), lat einer grimmigen Bemerkung des Iohannes Lydos „ganz Syrien", nach Persien schaffen: τους δέ άνδριάντας, οίς έκοσμεϊτο τ ο άστυ, σ υ ν π λ α ξ ί καΐ λίθοις καΐ π ί ν α ξ ι ν ά π λ ω ς άναρπάσας δλην eis Πέρσας Συρίαν άττήλασε. (loh. Lyd., De mag. ΙΠ 54 = 143, 2 4 Wünsch). Vgl. Mich. Syr. IX 24 (Chabot) ils enlevèrent jusqu'aux plaques de marbre, qui

1052

D a s J a h r 5 4 0 . P r ü f u n g Syriens

511

étaient incrustées dans les murs. l o h . v . E p h e s o s 2 4 6 (Schönfelder) und bei N a u , R e v u e de l ' O r " ehr. 2 ( 1 8 9 7 ) 4 7 8 . S a r r e - H e r z f e l d , A r c h ä o l . Reise B d . 2 S. 4 8 . C h r i s t e n s e n a. O . 3 8 6 f . 1039 Z u r G e s c h i c h t e u n d A r c h ä o l o g i e v o n A n t i o c h e i a einige N a c h w e i s e : E i n e umfassende G e schichte v o n A n t i o c h e i a ist in K ü r z e aus der F e d e r v o n G . D o w n e y z u erwarten. V g l . e t w a : E . S . B o u c h i e r , A short history o f A n t i o c h . O x f o r d 1 9 2 1 . E r z b i s c h o f C h r y s o s t o m o s A . P a p a d o p o u l o s , Ι σ τ ο ρ ί α τ η s 'Εκκλησία; ' Α ν τ ι ό χ ε ι α ; . Alexandreia 1 9 5 1 · V g l . Epet. Het. Byz. Spud. 2 1 ( 1 9 5 1 ) 3 1 3 / 5 . V o r allem das g r u n d l e g e n d e W e r k : R . D e v r e e s s e , L e Patriarcat d ' A n t i o c h e depuis la paix de l'église j u s q u ' à la c o n q u ê t e arabe. Paris 1 9 4 5 . H . L e c l e r c q , A n t i o c h e ( A r c h é o l o g i e ) . Diet d'arch. chrét. et de lit. ι ( 1 9 0 7 ) 2 3 5 9 / 2 4 2 7 . G . G r a f , L . S a u e r in: L e x . f. T h e o l . u. K i r c h e 1 { 1 9 3 0 ) 4 9 1 / 7 . P e r r e l l a , J o s i , H o f m a n n , J u g i e , R a e s , S t a i r in: E n c i c l o p e d i a Cattolica 1 ( 1 9 4 8 ) 1 4 5 5 / 7 5 . J · K o l l w i t z , R A C ι ( 1 9 5 0 ) 461/9. W . E l t e s t e r , Antiocheia am Orontes. A r t . in: R G G (Religion in G e s c h . u. G e g e n w . ) 1 ( T ü b i n g e n 1 9 5 7 ) 4 5 4 . E . H a m m e r s c h m i d t , A n t i o c h e i a a m O r o n t e s . L e x . f. T h e o l . u. K i r c h e 1 ( 1 9 5 7 ) 6 4 8 / 5 0 . H a u p t p u b l i k a t i o n ü b e r die A u s g r a b u n g e n neuerer Z e i t , d u r c h g e f ü h r t v o n der Princeton — Universität: A n t i o c h o n the Orontes. B d . 1 — 4 , 2 ( 1 9 3 4 / 5 3 ) , v o n G . W . E l d e r k i n , R . S t i l l w e l l , D . B . W a a g e . A u c h Reisehandbücher sind heranzuziehen, s o B ä d e k e r u n d v o r allem neuere französische w i e die G u i d e s bleux. C . R . M o r e y , T h e e x c a v a t i o n o f A n t i o c h (Proc. A m . Phil. S o c . 3 6 ) 1 9 3 6 . G . D o w n e y , P r o c o p i u s o n A n t i o c h : A study o f M e t h o d in the „ D e A e d i f i c i i s " . B y z a n t i o n 1 4 ( 1 9 3 9 ) 3 6 1 ff. D e r s . : T h e P a g a n V i r t u e o f M e g a l o p s y c h i a in B y z a n t i n e S y r i a (Transactions A m . Phil. A s s . 7 6 ( 1 9 4 5 ) 2 7 9 / 8 6 . U . M o n n e r e t d e V i l l a r d , A n tiochia e M i l a n o nel V I secolo. Orientalia Christiana Periodica ( 1 9 4 6 ) 3 7 4 / 8 0 . D o r o L e v i , A n t i o c h M o s a i c Pavements. Princeton 1 9 4 7 . C . H o p k i n s , A n t i o c h M o s a i c P a v e m e n t s . J o u r n a l o f N e a r E a s t e r n Studies 7 ( 1 9 4 8 ) 9 1 / 7 . 1040 1041 1042 1043

Ρ Ρ Ρ Ρ

II II II II

9, 8 ff. 9, i f f . 1 0 , ι o ff. 10. i6ff.

1044

Ρ A n 18, 28. Ρ I I ι , 1 3 ; 3, 4 7 . 1046 Ρ II 10, 23. 1047 Ρ II 10, 24. 1048 Ρ II i l , ι. 1049 ρ π I i , 7 Τ ρ η τ ό ν , T p c r r ó v (var. lect.) A k k . loso ρ I i j x > E i n w o h n e r z a h l v o n A p a m e i a : 1 1 7 0 0 0 . V g l . die Inschrift bei F . C u m o n t , J o u r n a l o f R o m a n Studies ( 1 9 3 4 ) 1 8 7 / 9 . D e v r e e s s e a . O . 1 7 9 (hier a u c h die c h r i s t l i c h e A r c h ä o l o g i e v o n Apameia). 1045

1051 C h a l k i s : Ρ I I 1 2 , i f f . E d e s s a : Ρ I I 1 2 , 6ff. B i s z u m E u p h r a t ü b e r g a n g bei Barbalissos (heute Balis), genauer O b b a n e (das heutige M e s k e n e ( ? ) 4 0 Stadien b z w . 7,5 k m v o n Barbalissos) ist die M a r s c h r o u t e der Perser nicht problematisch. V o n da ab lassen uns die antiken Itinerare i m Stich. E s sind v o n Barbalissos aus n u r Straßen auf d e m westlichen E u p h r a t u f e r nach E u r o p o s und Z e u g m a verzeichnet, v o n w o der W e g w e i t e r nach E d e s s a f ü h r t . D a v o n abgesehen w a r der W e g v o n C h a l k i s nach E d e s s a ü b e r Barbalissus an sich schon ein U m w e g . W i l l man mangelhafte I n f o r m a t i o n P r o k o p s annehmen, so ergeben sich z w e i M ö g l i c h k e i t e n der Richtigstellung :

ι . D i r e k t e r M a r s c h der Perser auf der R o u t e Chalkis — B e r o e a — Bathna — Hierapolis — E u r o p o s b z w . Z e u g m a (Miller, Itin. R o m . K . 246). 2. Chalkis — G a b b u l a — Barbalissus, v o n da (Miller, Itin. R o m . K . 2 4 7 , 2 5 0 ) nach Caeciliana u n d weiter. D i e Itinerare g e n ü g e n ihrer U n v o l l s t ä n d i g k e i t halber natürlich nicht zur W i d e r l e g u n g P r o k o p s . D a s „ V e r i r r e n " des H e e r e s z w i s c h e n Batnis u n d E d e s s a läßt sich unter U m s t ä n d e n mit d e m F e h l e n einer direkten V e r b i n d u n g z w i s c h e n Batnis u n d E d e s s a auf den Itinerarien in Z u s a m m e n h a n g bringen. Z u r (problematischen) L a g e v o n Ό β β ά ν η v g l . C h a p o t , L a frontière de l ' E u p h r a t e , Paris 1 9 0 7 (Bibl. des écoles françaises d ' A t h è n e s et de R o m e t. 99) S. 2 5 4 A n m . 5, S. 2 8 3 A n m . ι ) . E . H o n i g m a n n , Syria. R E 4 A ( 1 9 3 2 ) S p . 1 5 4 9 / 1 7 2 7 , hier speziell S p . I 7 i 5 f . N ü t z l i c h die K a r t e v o n P o i d e bard ( 1 9 3 3 ) als A n l a g e z u M o u t e r d e - P o i d e b a r d , L e L i m e s de Chalkis. 1052 A b g a r V . U k k â m â , K ö n i g v o n O s r o e n e (5 v . — 7 n., 1 3 — 5 0 n. C h r . ) soll nach der L e g e n d e v o n Christus d u r c h den A p o s t e l T h a d d a e u s geheilt w o r d e n sein. E i n B r i e f Christi an A b g a r enthielt ein wundertätiges B i l d , das in E d e s s a a u f b e w a h r t w u r d e u n d die Unverletzlichkeit der Stadt v e r b ü r g t e . E u s e b i u s H E I, 1 3 . Ρ I I 1 2 . M o s e s v o n C h o r e n e , G e s c h i c h t e A r m e n i e n s K a p . 3 1 f. L a n g l o i s , Coll. Hist. A r m . 2 ([Paris 1 8 7 9 ] 96, 97). B r o s s e t , Histoire de la G é o r g i e ι , 2 1 0 . V g l . L i p s i u s , D i e edessenische A b g a r s a g e . B r a u n s c h w e i g 1 8 8 0 . D o b s c h ü t z , Christusbilder ( T e x t e u n d Unters, z. G e s c h . d. altchristl. L i t . 1 8 L e i p z i g 1 8 9 9 ) . A u s f ü h r l i c h bei P v K 4 1 , 6 2 , 68, 1 1 5 = R E 2 3 S p . 3 1 4 , 336, 342, 389.

512

A n m e r k u n g e n : Politik und Kriegführung im

iosa ρ π

Ρ II 13,

1054

Osten

ι—6.

I 3 )

.

7

Ρ I I i ? , 8iE. lose ρ n I 3 ) l 6 f f 1055

v g l

g

A n m

4 7

Ρ I I 1 3 , 1 6 P A e d . I I 1 , 4 ff. 1058 ρ π 1 3 , 1 6 ; I I 1 4 , 9 . 1057

zi. Das Jahr 1059 ρ n

I 4 )

g

J41.

Der persische

Griff

nach

La^ika

_

1060 Ρ I I 1 5 , i f f . î o e i A n f r ü h e r e n V o r s t ö ß e n R o m s f e h l t e s f r e i l i c h n i c h t . P o m p e i u s s c h l u g 6 5 V. C h r . d i e A l b a n e r (Plut. P o m p .

34f. D i o Cass. X X X V I I I ,

3. L u c a n , P h a r s . V I I I , 1 3 3 ) . F e r n e r o p e r i e r t e er in Iberien

( S t r a b o X I 3, 5 p. 5 0 1 ) , d a s u n t e r A u g u s t u s in e n g e B e z i e h u n g e n z u m R e i c h t r a t . V e s p a s i a n w i r d als E r n e u e r e r d e r M a u e r n v o n H a r m o z i c a (bei Tiflis, a m E n d e d e r h e u t i g e n g r u s i n i s c h e n genannt

Heerstraße)

( C I L I I I add. 6 0 5 2 ) . V o n seiner Z e i t ab datierte das r ö m i s c h e P r o t e k t o r a t ü b e r

Iberien,

das T r a j a n 1 1 4 e r n e u t e . V g l . W e b e r , R o m , H e r r s c h e r t u m u n d R e i c h ( S t u t t g a r t 1 9 3 7 ) S. 1 1 6 .

Auch

u n t e r V a l e n s w u r d e h i e r g e k ä m p f t . I m 5. J . h a t t e i n f o l g e des F r i e d e n s m i t P e r s i e n k e i n B e d ü r f n i s n a c h G e w i n n u n g des kaukasischen Glacis m e h r bestanden. V g l . aber M e n a n d e r frg. 11, F H G

IV

2 1 7 , w o n a c h d e r K ö n i g d e r L a z e n v o n T h e o d o s i u s ( d e m G r o ß e n ? ) bis a u f L e o d e n T h r a k e r u n t e r römischer

Oberhoheit

Gewinnung und

politischen

begann

gestanden

haben

soll. D i e A k t i o n e n

d e r T z a n i k a d u r c h Sittas ( P I 15, 1 9 — 2 5 )

mit

(Nov.

der

31)

Reorganisation

(zeitweiligen)

Besetzung

und

des

Römisch-Armeniens. der

6.

Jahrhunderts

ruhten

auf

der

d e r m i l i t ä r i s c h e n ( C o d . l u s t . I 2 9 , 5)

lazisch-iberischen

Die

militärische

Grenzpässe

Einflußnahme

(Scanda,

Sarapanis)

unter Kaiser Iustinos, den militärischen Missionen des Petrus u n d Irenäus u n d der G r ü n d u n g P e t r a unter Iustinian. V g l . C h a p o t , Herrmann,

RE

1062 ρ h

T J j

L a frontière de l'Euphrate, Paris 1907.

12 Sp. i o 4 2 f . , V . M i n o r s k y ,

E n z . d. Islam 3 ( 1 9 3 6 )

2iff.

Malalas 4 1 2 , 16 — 4 1 3 , 21 Chron. Pasch. 6 1 3 f . T h e o p h . Α . M . 6015 I 168,

2

von

Zur Geographie auch 14—

1 6 9 , 2 Tzathes, (Ζτάθηζ) der V a t e r des G u b a z e s , hatte b e i m T o d seines V a t e r s D a m n a z e s das L e h n s verhältnis z u Persien gelöst u n d sich in Byzanz taufen u n d v o n Kaiser Iustinus belehnen

lassen.

F e r n e r heiratete er Valeriana, die T o c h t e r des Patricius N o m o s , s o d a ß sein S o h n G u b a z e s

mütter-

licherseits „ R ö m e r "

äußeren

Formen

einer

war

( n a c h C h r o n . P a s c h , i. J .

5 2 2 n a c h T h e o p h . i. J .

523). Z u den

s o l c h e n B e l e h n u n g a u c h Ρ A e d I I I 1, 1 8 ff. V e r l e i h u n g d e r ξ ύ μ β ο λ α τ η ς ά ρ χ η ς

an

die S a t r a p e n d e r f ü n f g e n t e s ( S o p h a n e n e , A n z e t e n e , S o p h e n e , A s t h i a n e n e , B a i a t i t e n e ) N o v . 31 c . 3 . V g l . a u c h C o d . Iust. 2 9 , 5, w o n o c h Ingilene e r w ä h n t wird, u n d L e h m a n n - H a u p t , Satrap. R E 2 A S p . 1 8 1 ff.). P r o k o p s N o t i z b e z i e h t s i c h a u f d i e Z e i t v o r d e m A u f s t a n d d e r L e o n t i o s u n d I l l o s u n t e r K a i s e r Z e n o n . M a n vergleiche die B e l e h n u n g der M a u r e n mit den ξύμβολα

τ η ς ά ρ χ ή ς Ρ III 25, 4ff.

Kunstgeschichtliche B e h a n d l u n g der F r a g e n bei: E b e r s o l t , L e s arts somptuaires à B y z a n c e

(Paris

1 9 2 1 ) 4 0 . A . G r a b a r , L ' e m p e r e u r dans l'art byzantin (Paris 1 9 3 6 ) 6. Z u m Herrscherbild u n d Klientelk ö n i g t u m : W i n t e r a. O . u n d o. A n m . 1063 ρ ι

I 2 )

i l j5) jg

9

1064 M a l a l a s 4 2 7 , P I

1066

829.

irenaeus: Ρ I I2, 14.

441.

18, 6.

1066 ρ π

16, 7f. M a n darf aber nicht vergessen,

daß

1. P r o k o p i n s e i n e n S c h r i f t e n g e r n d i e S t i m m u n g v o n E i n h e i m i s c h e n , i n d i e s e m F a l l d e r L a z e n , wiedergibt,

die v o n v o r n h e r e i n

στρατιώται

"Ρωμαίων

g e g e n das r ö m i s c h e Militär eingestellt w a r e n

(Ρ II

15,

6

έ τ π χ ω ρ ι ά ζ ε ι ν ΛαζοΤς ή ρ ξ α ν τ ο , o i s δ ή o l β ά ρ β α ρ ο ι ο ύ τ ο ι ή χ θ ο ν τ ο

2. der ξυμβουλεύς Beiisars g e g e n P e t r u s w e g e n seiner V e r l e u m d u n g d e s F e l d h e r r n e i n g e n o m m e n war (P A n 4, 4). 1067

Ρ II 15,

1068 ρ π

i

5 j

9. IO

, Z u r D a t i e r u n g v o n Petra (Petra Iustiniana vgl. N o v . 28 v o m 16. V I I . 535 pr.)

besitzen wir n u r P r o k o p s vages ύστερον 1069 1070

Ρ II 15,

14fr.

1071

Ρ II 15,

35.

1072 ρ Π A n m . 829, 1IJ73

17,

535.

ι f. Ü b e r d a s Z e r e m o n i e l l ,

das hier w o h l feldzugsmässig abgekürzt wurde,

vgl.

1062.

Ρ I I 1 7 , 4 ff.

Ρ II 17, 1075 ρ I i I ? ) 1074

δέ; terminus ante q u e m : 16. V I I

B e i H e r o d o t 3 , 8 9 h e i ß t D a r e i o s w e g e n seines G e i z e s κάττηλος.

n. I 4

1 0 7 6

Hierzu P v K 118 =

1077

D i e L a g e v o n P e t r a (fehlt in R E ) läßt sich o h n e A u g e n s c h e i n nicht klären, d a die russische

R E 22 Sp.

392.

u n d k a u k a s i s c h e S p e z i a l i ! t e r a t u r w e i t g e h e n d u n z u g ä n g l i c h ist.

D u b o i s de M o n t p é r e u x

(Voyage

1096

Das Jahr 541. Persischer Griff nach Lazika

513

autour du Caucase 1—6 und Atlas, Paris 1839/43) setzte Petra 20 km von der Küste in Udzenar an. Seine Karte nennt Ourikalaki als Entsprechung. Nach dem Wortlaut Prokops lag Petra unmittelbar an der Küste (II 17, 3 Εστί δέ Πέτρα π ό λ ι ; έτπθαλασσία έν Κόλχοις, π ρ ο ; τ ω Εϋξείνω καλουμένω ττόυτω). Die Annahme, daß ττρόζ τ ω εύξείνω approximativ zu verstehen sei, verbieten die klaren Worte Ρ II 17, 18 Πέτρα ή πόλΐζ ττή μεν Ικ θαλάσσης άττρόσοδόξ έστι, ττή δέ έκ πετρών άττοτόμων. Die Lokalisierung wäre natürlich dann möglich, wenn die Küste in den letzten 1500 Jahren 20 km vorgerückt wäre, was nicht ausgeschlossen ist, sich aber zur Zeit meiner Beurteilung entzieht. Die Annahme würde sich bei K o c h s Lösungsversuch erübrigen (Petermanns Mitteilungen 1856 S. 326): „Wahrscheinlich ist das heutige Zichedschari (in Gurien) die alte Festung Petra." Die Lage unmittelbar am Meer (Station der Eisenbahnlinie Batum—Tiflis) würde vortrefflich zur Schilderung Prokops passen. Artikel Adzarskaja SSR der Boísaja Sovetskaja Énciklopedija nennt Cichisdziri zwischen Kobuleti und Batumi als wahrscheinlichste Lokalisierung. Nach L e v c e n k o lag Petra an der Corochmündung oder etwas weiter nördlich zwischen Kobuleti und Cisichsuziri (Vizantijskij Vremennik 3 [ 1 9 5 1 ] 310). Für Ziche-dsiri, wo die Russen 1877 schwere Kämpfe mit den Türken zu bestehen hatten, plädiert auch C. H a h n (Aus dem Kaukasus. Reisen und Studien. Beiträge zur Kenntnis des Landes. Leipzig 1892, S. 21). In einer Monographie über das Novo-Afonskij Kloster des ungenannten Verfassers „I. N. " wird S. 144 Petra mit „der heutigen Festung Nikolaja an der Mündung des Flusses Natanebi" (im Text — wohl verdruckt — Patanebi) identifiziert (Abchazija i ν nej Novo-Afonskij Simono-Kananitskij Monastyr. S Kartami Abchazskogo poberez'ja i casti rimskoj imperii, s risimkami pamjatnikov christianstva ν Abchazii, vidov Novo-Afonskogo monastyrja i portretami poziväich starcev Afonskogo Sv. Panteleimona monastyrja. Novoe znacitelno izmenennoe i dopolnennoe izdanie. Moskva 1899). Der nördlichste Ansatz stammt also von Dubois de Montpéreux (vgl. seinen pl. X I V Carte du théâtre des guerres de la Lazique usw.), während die meisten Stimmen für Cichis-dziri, den heutigen Kurort am Schwarzen Meer 19 km nördlich von Batumi sprechen (vgl. Boisaja Sovetskaja Énciklopedija 46 [1957] 662f.). Nach einer Eisenbahnkarte der Zarenzeit nenne ich noch die für die Frage aufschlußreichen Stationen der Bahnlinie Batumi —Tiflis: P. Zichis-dsiri —Kobulety —Nikolaja—Notanebi usw. Vgl. K o c h O p i t z , Atlas zeleznych dorog i putej soobscenija Evropy. Otdel X I . Leipzig o. J . (1894) = Eisenbahn und Verkehrsatlas von Europa. Rußland, Rumänien, Serbien, Bulgarien,Türkei und Griechenland. Die hier gesammelten Zeugnisse für die Lokalisierungen von Petra sind zweifellos weder erschöpfend noch können die jeweiligen Gewährsleute immer als Urheber gelten. Mehr läßt sich jedoch ohne Lokalaugenschein und Kenntnis des in Tiflis oder wenigstens Moskau verfügbaren Schrifttums nicht sagen. Ich hoffe diese Rekognoszierung gelegentlich selbst vornehmen zu können. 1078 Ρ II 17, 28. 107 » Ρ II 16, iff. 1080 ρ n 16, 9 ff. 1081 Nominell nur über Mesopotamia, Osroene. Vgl. Anm. 1082 ρ Ii I g ) j f f Ober Nisibis J . S t u r m , R E 17 Sp. 714fr. N. P i g u l e v s k a j a , Goroda Irana ν rannem srednevekove (M.-L. 1956) 5 o ff. 1083 Ρ II 18, 5 ff. 1084 ρ n iç ) ι ff. Sisauranon (Sèrw n), 39 km ostwärts Nisibis, Station Sarbane der Tab. Peut. ( M i l l e r , It. Rom. 742). Vgl. W e i s s b a c h , R E 1 A Sp. 2433. H o n i g m a n n , Ostgrenze (besonders Karte 1). 1085 Ρ II 19, 12 und öfter. 1086 Ρ II 19, 15 ff. 1087 Härit wird erst 544 wieder erwähnt. Zum ττροδοσία-Motiv vgl. o. Anm. 878. K a w a r (BZ 50, 48fr.) verweist mit Recht auf die fürHärit günstigere Färbung der Bemerkung Ρ An 2, 23 und auf seine Abhängigkeit von Byzanz, unterschätzt aber wohl, was sich die Satelliten der Randzone gegenüber ihren Schutzmächten herausnehmen konnten. 1088 ρ Π i 9 > 29. 1089 Ρ II 19, 25; V I I 3, 1 1 ; An 2, 28. 1090 i n Afrika und Italien wird er nie erwähnt. 1091 ρ An 2, 18ff. Vgl. H a r t m a n n , R E 3 Sp. 229, 231. B u r y L R E II 104. 1092 ρ An 2, 19 ξυνηνέχθη y à p , ήπέρ μοι τ α ττρότερα δεδιήγηται, καί έτερα άττα έν τ ω στρατοπέδω γενέσθαι, όπερ αϋτόν is τήν άναχώρησιν ώρμα. 1093 ρ Α η 2 ) 2 9 . 1094 ρ An 2, 31 εϊ τι καθαρόν ήν εν τ ω Μήδων στρατφ, Χοσρόη έλοιδοροϋντο . . . εμελλον δέ νεωτέροΐξ έγχειρεϊν πράγμασιν. loss ρ i l 47f· An 2, 2 9 ® , wo Chusrö ein privates Friedensgesuch der Theodora (Schreiben an den Unterhändler Zabergan) geschickt als Dokument der Schwäche und Weiberherrschaft im Römerreich ausgewertet haben soll. ΐ09β ρ n I 9 ) 4 9 A n 3> 5 Rubin, Iustinian XXXIII

514

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

12. Cbusrö's

dritter

Ein/all

J42.

Beiisars

Kriegslist

und Sturz

10

»' Ρ II 20, i f f . ios» Q¿ e Detachierung der 6 000 Mann nach Sergiopolis — Reçâfa beweist, daß der Übergang ziemlich weit im Norden erfolgte, da Chusrö sonst ohne großen Zeitverlust die Belagerung mit der Hauptmacht nicht hätte durchführen können. So wird der Übergang wohl bei Zeugma erfolgt sein. iosa ρ h 20, io. Der Überrumpelungsplan wurde verraten durch τ ω ν Tis Σαρακηνών Χριστιανοί μέν, ταττόμενος δέ ύ π ό 'Αλαμουνδάρω, "Αμβρος όνομα. Also war Mundir wieder an dem Feldzug beteiligt. Härit ließ sich dagegen immer noch nicht sehen. 1100 E. J . H o l m b e r g , Zur Geschichte des cursus publiais. Lundequist 1933 (Diss. Upsala 1933). Weitere Angaben: P v K 29» 29*> — R E 23 Sp. 302, 571 f. Eine Parallele aus den letzten Tagen der osmanischen Türkei : L. S c h r a u d e n b a c h , Muharebe (München 1925) 40 über Enver Pascha: „Berühmt war das rasche Tempo seiner Reisen durch das Innere des weiten Reiches. Strecken, zu denen der einfache Sterbliche trotz allenDrängens zwei Monate brauchte, durcheilte er mit Sonderzug und Kraftwagen in wenigen Tagen und Nächten. In solchen Zeiten war der ganze Verkehr auf großen Teilen der Bagdadbahn und auf den Taurus- und Amanus-Pässen lahmgelegt, nur um ihm freie Bahn Zu sichern." 1101 Ρ II 21, iff. 1102 Y g j Β u r y L R E II 196. Uber die Pest Ρ II 22f. Zu beachten ist, daß diese nach Prokop in Pelusium entstand und sich von da über alle Welt ausbreitete, also mit zuerst Palästina, Chrusrös Angriffsziel, verheerte. Zur Pest P v K 25, 72, i22f., 173 f., 276 = R E 23 Sp. 298, 346,39Óf., 447Í., 552. 1103 Ρ A n 3, j ι . 1104 ρ π 2 Ι ) 2 4 1105

Ρ II 21, 2 7 . Ρ II 2 3 . A n 4, iff. Über δορυφόροι und ύττασιπσταί (bucellarii) vgl. S e e c k , R E 3 Sp. 934ff. G r o s s e , Rom. Militärgeschichte (Berlin 1920) 283 ff. Gesetzgeberische Vorbereitung der Kassation der οίκία: Nov. 1 1 6 vom 9. März 542 pr. (Περί στρατιωτών): του λοπτοΰ μηδένα τολμήσαι σ τ ρ α τ ι ώ τ η ν âv οίωδήττοτε άναφερόμενον άριδμω ή φοιδεράτον ύττοσύρειν ή εις τον έαυτοΟ εχειν οϊκον ή είς τάς Ιδία$ εχειν κτήσεις' Die Frist zur Entlassung der Privatsoldaten wurde damals auf 30 Tage festgesetzt. Der siegreiche Feldherr Beiisar kehrte sich natürlich nicht daran. Die Zahl seiner Bucellarier betrug 7000 (Ρ VII 1, 20). Vgl. P v K 25f., 106, 122, 138, 1 6 9 , 1 8 9 , 1 9 2 , 1 9 8 , 2 2 5 , 2 6 0 = R E 23 Sp. 298L, 380,396,412,443,463,466,472,500, 535. 1108 1107

iß. Ostroms kraftloser

Gegenstoß nach Persarmenien

(J4ß)

noe ρ H 3 f f ; 24, 8: ό δέ τ ο υ Ιερέως αδελφός Βαλεριανφ εντυχών λάθρα Χοσρόην âv μεγάλοις είναι KOCKOÎS εφασκε1109 Ρ A n 12, 6—10. 1110 Ρ II 2 4 , 12. 1111 Ρ II 24, 13 ff· 1112 Kaukasusbibliographie: L.-N. M a l c l è s , Les sources du travail bibliographique 2, 9 (1952) 741. M. M i a n s a r o , Bibliographia Caucasica et Transcaucasica. I SPb 1874—76. S. 92ff. S. 434ff. Geschichtstabellen! Κ . I. K a r g i n a , D. M. P a v l o v , Bibliografija Dagestana za poslerevoljucionnyj period 1918—1928. Dagestanskij naueno — issledovatel'skij institut, 1928. Α. V. B a g r i j , Materialy dlja bibliografii Azerbaidzana. Baku 1924—26. Β. M. G o r o d e c k i j , Dagestan ν sovetskoj literature. Machac Kala 1933. I. P u í n e r , Materialy dlja bibliografii Kavkaza in: Sovetskaja étnografija, 1936, 4—5 ΡΡ· 2 3 ° — 2 7 ° · M e l i k s e t - B e k o v ( = Melikset-Beg [L. M.]) Ukazateí íiteratury po istorii gosudarstva i prava, obyenomu pravu i juridiceskim drevnostjam Gruzii, Armenii i Azerbaidzana. Tbilisi, 1939. G. I. B a k r a d z e , Gruzinskaja bibliografija ν nasi dni. Sovetskaja bibliografija 1946. Ders. : Bibliograficeskaja rabota ν Gruzinskoj SSR. Sovetskaja bibliografija 1950. H. K i e p e r t , Karte von Kleinasien. Berlin 1843/45, 1854. Ders.: Memoir über die Konstruktion der Karte von Kleinasien und Armenien von V. Vincke, Fischer, v. Moltke und Kiepert. Berlin 1854. Ders.: Karte von Armenien, Kurdistan usw. 1858. Ders.: Karte des Osmanischen Reichs in Asien. Berlin 1869. Ders. : Nouvelle carte générale des provinces asiatiques de l'Empire Ottoman. 1884. C. K o c h , Karte vom kauk. Isthmus und von Armenien. Berlin 1850. Völkerkarte des Kaukasus und seiner Vorläufer. Stuttgart 1941. Völkerkarte des Kaukasus. Wien 1942. E. G i b b o n , History of the decline and fall of the Roman Empire. 1776/88 (ed. Bury 1896/1900). L e b e a u , Histoire du Bas-empire. I—27, Paris 1780—1824. 2. A u f l . ed. St. M a r t i n : Paris 1823—36, Bd. 1—21. J . A. S a i n t - M a r t i n , Mémoires histor. et géogr. sur l'Arménie. 1818/19. Ders.: Histoire d'Arménie. Trad. Paris 1841. Xav. H o m m e r de H e l l , Les steppes de la mer Caspienne, le Caucase, la Crimée et la Russie mèri-

1112

Ostroms kraftloser Gegenstoß nach Persarmenien

515

dionalc. I—III Paris 1843—45 ("Mt historischem Atlas). Histoire de la Géorgie depuis l'antiquité jusqu'au XIX siècle, trad, du géorgien Par M. B r o s s e t , SPb 1849/58. Für Lazika sind namentlich heranzuziehen die Additions et éclaircissements à l'Histoire de la Géorgie (1851). Ders.: Rapports sur un voyage archéologique dans la Géorgie et dans l'Arménie, 1—3. SPb 1849/51. Vivien de St. M a r t i n , Etudes de géographie ancienne. 2 (Parisi852) 196/218: Étude sur la Lazique de Procope. A. v. H a x t h a u s e n , Transkaukasia. 1, 2. Leipzig 1856. S. R y z o v , Ocerki zapadnogo Zakavkazja. Otee. Zap. i860 Bd. 128, 129. E. D u l a u r i e r , Étude sur l'organisation politique, religieuse et administrative du royaume de la Petite-Arménie. Paris 1861. V. L a n g l o i s , Collection des historiens de l'Arménie. 1. 2. Paris 1867/69. H. v. M o l t k e , Briefe über Zustände und Begebenheiten aus der Türkei a. d. Jahren 1835—39. Berlin 1882. Th. M o m m s e n , Römische Geschichte. 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T a ä e a n ( D a s h i a n ) Die westliche Grenze des alten Armenien: Armenia minor und Colophene (Sebasteia). Handës Amsöreay 56 (1942) 9/22. Ja. A. M a n a n d j a n , Kratkij obzor istorii drevnej Armenii. M.-L. 1943 (Kurzer Uberblick über die Geschichte Armeniens im Altertum). G. K l i n g e , Armenien. RAC 1 (1943) 668/89. Schulbuch: I s t o r i j a armjanskogo naroda. Erevan 1944 (Geschichte des armenischen Volkes). N. A d o n t z , Histoire de l'Arménie. 1 (1945). Y. A. M a n a n d i a n , A brief survey of the history of ancient Armenia. Armenian Quarterly 1 (1946) 186/201. S i r a r p i e d e r N e r s e s s i a n , Armenia and the Byzantine Empire. A brief Study of Armenian Art and Civilization. Cambridge Mass. 1947. R. G r o u s s e t , Histoire de l'Arménie des origines à 1071. Paris 1947. BSÉ (Boläaja Sovetskaja Ènciklopedija) 1 (1949)434!^ AzerbajdzanskajaSSSR.BSÈ3 (1950)49(1. ArmjanskajaSSSR.N.Berdzenisvili.I. D z a v a c h i s v i l i , S. 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516

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

1115

Enquiry into thePoliticalHistory ofEastern Georgia between the VI. and t h e l X . century. Gefolgt von Genealogical Table of the Kings and Princes of Iberia from Vakhtang I the Chrosoid to Ashot I the Bagratid. Le Muséon 65 (1952) 17—50; 199—258. B S É 19 (1953) 248fr. Kavkaz (Kaukasus). Besonders wichtig für geographische, klimatologische, ethnologische usw. Einführung. Gruzinskaja SSR. Ekonomiko-geograficeskaja Charakteristika (Die SSR Georgien. Wirtschaftsgeographische Charakteristik) A N SSSR. Institut Geografii. Moskva 1956. R. P. C a s e y , Armenien. Art. in: RGG (Rei. in Gesch. u. Gegenw.) 1 (1957) 610/12. 1113 ρ j j 2 I v g i . a u c h M i l l e r , It. Rom. Karte 214, 242. 1114 ρ h 25, iff. Geogr. Ravenn. 75, 11—12. Incicean, Alte Geographie Armeniens (Venedig 1822) 462fr. Alischan, Airarat (Venedig 1810) 404ft B a u m g a r t n e r , RE 5 Sp. 1751. M. S t r e c k , Armenien. Enzykl. d. Islam 1 (1913) i i 3 4 f . 1115 Die Anwendung eines alten germanischen Kampfmittels bei den Persern erweist die Wanderung taktischer Formen in dieser Zeit. Über den Kampf mit Hilfe von Wagen bzw. Wagenburgen (carrago, κ α ρ α γ ό ; ) im folgenden einige Nachweise.

L i t e r a t u r : Hauptschriften sind E. S a d é e , Frühgermanische Wagenzüge und Wagenburgen. Festschrift für August Oxé (1938) 169/74 und Joh. S t r a u b , Studien zur Historia Augusta (Bern 1952) i i f . , I9ff., 1 5 5 f t Ferner vergleiche man die einschlägigen Artikel der RE, des Thesaurus Linguae Latinae, der griechischen und mittellateinischen Lexika von S t e p h a n u s und D u c a n g e , die neueren mittellateinischen Hilfsmittel sowie D a r e m b e r t - S a g l i o und weitere Reallexika. Ferner etwa H o o p s , Reallexikon der German. Altertumskunde (unter „Wagenburg"), M ü l l e n h o f f , Deutsche Altertumskunde Bd. 4 S. 203; W a i t z , Deutsche Verfassungsgeschichte Bd. i 3 S. 413; H. D e l b r ü c k , Gesch. d. Kriegskunst Bd. 22 S. 285. Q u e l l e n : Arrian. Anab. I 1,4 V 22,4 ( S t r a u b 24). Caes. Bell. Gall. I 51,2 IV 14. Plut. Marius 19. 27. Cass. Dio 51,24. Amm. Marc. X X X I 7 , 7 (zum Jahr 377) 12, n . Ammianus X X X I 7 , 7 bezeichnet carrago als gotischen terminus technicus. Freilich weist E. H o h l darauf hin, daß diese erstmalige Erwähnung vom Zufall der Uberlieferung bedingt und der t. t. damit älter sein könnte (Gnomon 26, 1954, 48). Vgl. S t r a u b 37: „Während Ammian uns in seinem Bericht über die der Schlacht bei Adrianopel vorangegangenen Gefechte den technischen Ausdruck für die Wagenburg übermittelt, bestätigt uns Zosimus in seiner Darstellung der auf die Niederlage folgenden Gotenbewegungen in Thrakien den übrigen, von der HA mit in das dritte Jahrhundert zurückprojizierten Sachverhalt." SHA Gall. 13,9 Claud. 6, 6; 8, 2. 6; 9, 4 Aurel. 11,6 (die einzige brauchbare Stelle ist die der Gallienusvita z. J. 297). Vegetius III 10. Orosius V 16, 17 VI 21 (nach Livius, Krieg des Drusus). Claudianus, In Rufinum II 1 2 5 f t X X I 94 X X V I 605 VIII 53; 466 ( S t r a u b 27). Ρ IV i 7 , 2—4 VI 5, 3. Bei Prokop begegnet übrigens als Strategem der Mauren (Berber) der K a m e l r i n g , der der germanischen Wagenburg völlig entspricht: Ρ III 8, 25 IV 11, 17. PvK 147 = RE 23 Sp. 421. Agathias II 4. Ps. Maurikios, Takt. 12, 7, 8. L e o , Takt. 2, 52; 4, 53; 11, 47. Ein carrago-Strategem kann auch Mart. Arethae c. 37 (AASS Oct. X 755) gemeint sein. Der Wortlaut besagt zwar, daß Yüsuf mit seinen 7 Verwandten auf e i n e m mit goldenen Thronen ausgestatteten Wagen Platz nahm, doch spricht viel dafür, daß der Bericht nur gehässige (christliche) Interpretation eines carragoStrategems darstellt. Vermutlich waren nicht Yüsuf und die 7 Magnaten persönlich, sondern ihre Wagen mit Ketten verbunden. Eine gewisse Aufmerksamkeit sollte man endlich den wagenburgähnlichen Strategemen im Seekrieg zuwenden. In gewissen Situationen lassen sich Schiffe ähnlich wie im Landkampf die Wagen zusammenkoppeln. So ließ Eia Asbeha bei der Invasion Südarabiens seine 60 Schiffe durch Stricke miteinander verbinden (Mart. Arethae c. 36 p. 755): καί σ υ ν α γ α γ ά ν τ ε ζ π ά ν τ α τ ά π λ ο ί α , καΐ δ ή σ α ν τ ε ; π λ ο ϊ ο ν π ρ ο ς π λ ο ϊ ο ν , λ ύ σ α υ τ ε ; καί τ ο ύ ; ι σ τ ο ύ ς καί τ ά κ ε ρ α τ ά ρ ι α καί τ ο ύ ς αύχέναξ, καί τ ά εύμήκη λ ο ι π ά ξ ύ λ α , δ ι ε σ τ ο ί β α σ α ν δ ή σ α ν τ ε ς σ χ ο ι ν ί ο ι ; υ π ε ρ ά ν ω π ά ν τ ω ν τ ω ν π λ ο ί ω ν , ώ$ νομίζειν εν θ α λ α σ σ ή β λ έ π ε ι ν π ά λ ι ν μ ί α ν καί ο ύ διεσαλεύετο π λ ο ϊ ο ν τ ο υ έτερου. Τ ά δέ κ α ρ ά β ι α έ π ι σ υ ν ά ξ α ν τ ε ; , ε δ η σ α ν κ ά ρ α β ο ν κ α ρ ά β ω εΐΐ eôpoç τ ω ν π λ ο ί ω ν . Verwandt sind alle Seekriegsmanöver, bei denen es auf konstant enge Abstände zwischen den einzelnen Schiffseinheiten ankommt, z.B. in der Schlacht von Sena Gallica (Ρ V i l i 23). Im übrigen handelt es sich bei der Wagenburg u m ein Abwehrstrategem, das bekanntlich zu allen Zeiten und bei allen Völkern spontan auftreten kann. Am bekanntesten sind wohl die hussitischen Wagenburgen geworden, ferner die Sicherungsvorkehrungen der Siedler im „Wilden Westen" Amerikas, der Buren in Südafrika. Man vergleiche etwa Zeitschrift für Geopolitik 15 (1938) 2 und die von S t r a u b S. 157 Anm. 27 angeführten Beispiele der neueren Geschichte mit Literatur. 1116 Ρ II 25, 5 ff. 1117 Bury LRE II 109.

517

Lazika im Brennpunkt der Ereignisse

1130

14. Ein „Kreu^ug" ms ρ jj

2

der Feuerreligion

: Die Belagerung

von Edessa

J44

6 J i f . V g l . A b g a r s a g e u n d S c h u t z b r i e f : o. A n m . 1 0 5 2 .

1119 p ü r ¿ ¡ g r e i c h s f e i n d l i c h e S t i m m u n g v o n M i t g l i e d e r n dieser K r e i s e v e r g l e i c h e man die A r t a b a n e s v e r s c h w ö r u n g , v o r allem Ρ V I I 3 2 , 7 π α ν τ ό ς δ έ τ ο υ ξ υ γ γ ε ν ο ϋ ς δ ε δ ο υ λ ω μ έ υ ο υ τ ε και σκεδαννυμένου άεΐ π α ν τ α χ ό σ ε τ ή ς ' Ρ ω μ α ί ω ν α ρ χ ή ς . F ü r P e r a n i o s vgl. Ρ V 5, 3· 112a Σοΐνας π ύ λ α ι w o h l identisch m i t d e m „ T o r d e r S t u n d e n " , S ä ë i m S ü d w e s t e n . V g l . R . D u v a l , H i s t o i r e p o l i t i q u e , religieuse e t littéraire d ' E d e s s a j u s q u ' à la p r e m i è r e croisade (Paris 1 8 9 2 ) 207. Z u r T o p o g r a p h i e f e r n e r : Plan — A t l a s ( B e r l i n 1 8 4 5 bei S c h r o p p ) m i t P l ä n e n v o n M o s s u l , S a m s u n , U r f a ( E d e s s a ) usw. E d . M e y e r , R E 5 S p . 1 9 3 3 f r . E . H o n i g m a n n , E n z y k l . d. I s l a m 3 S p . 1 0 7 5 . A . G a b r i e l , V o y a g e s a r c h é o l o g i q u e s dans la T u r q u i e o r i e n t a l e 1. 2. Paris 1 9 4 0 . K . K i r s t e n , R A C 4 (1958) 552/97. 1121

Β α ρ λ α ο ΰ π ύ λ α ι , D a s T o r des B a r l ä h ä i m N o r d e n .

//. Lazika

im Brennpunkt

der

Ereignisse

Ρ I I 28, 3 ff. 1 1 2 3 Ρ I I 28, 8 f f . ; V I I I 10, u f f . Z a c h . R h e t . X I I 7 (p. 256, 9 A . - K . ) α ρ χ ί α τ ρ ο ς T r i b o n i a n o s , der Chusrö vegetarische Diät verordnete. 1124 Ρ J J 2 G ) I 2 — J K a w a r ( P r o c o p i u s a n d A r e t h a s . B y z a n t i n . Z e i t s c h r . 50 ( 1 9 5 7 ) 3 7 3 m ö c h t e d e n S i e g H ä r i t v o n c. 546 m i t s e i n e m e n d g ü l t i g e n S i e g ü b e r M u n d i r I I I . v o n J u n i 5 5 4 identifizieren u n d damit u. U . d e n b e r ü h m t e n Y a u m H a l i m a n i c h t n u r m i t M u n d i r s N i e d e r l a g e identifizieren, s o n d e r n d a r ü b e r hinaus u m fast 1 0 J a h r e v o r v e r l e g e n . D a s D a t u m V I 5 5 4 ist g e s i c h e r t d u r c h C h r o n . misceli, ad a. 7 2 4 p e r t i n e n s , S e r . Syri, ser. I I I , t. I V , p. i n , 7. M i c h . Syr. I X 3 3 ( I I 269 C h a b o t ) . N i c e p h . v . S y m . iun. 1 9 3 f . ( M P G 86 Sp. 3 1 6 4 ) . D a P r o k o p s „ P e r s e r k r i e g " spätestens 5 5 1 p u b l i z i e r t w a r ( P v K 81 = R E 23 S p . 354), k a n n die T h e s e K a w a r s n i c h t zutreffen. S e l b s t in B u c h 8 d e r „ K r i e g s g e s c h i c h t e " h ä t t e a n g e s i c h t s d e r e n P u b l i k a t i o n s d a t u m 5 5 4 ein B e r i c h t ü b e r das E r e i g n i s v o n 5 5 4 n i c h t m e h r b e r ü c k s i c h t i g t w e r d e n k ö n n e n . D i e b e s t e h e n d e n S p a n n u n g e n , die z u r S c h l a c h t v o n 5 5 4 f ü h r t e n , h a t P r o k o p j e d o c h V I I I 1 0 , 1 0 d u r c h a u s a n g e d e u t e t . D a m i t fällt K a w a r s V e r s u c h , P r o k o p v o r s ä t z l i c h e b e w u ß t e F ä l s c h u n g des A r e t h a s - H ä r i t - B i l d e s , d a r ü b e r h i n a u s e i n e a u s g e k l ü g e l t e F ä l s c h e r p r a x i s ü b e r w e i t e T e i l e seiner K r i e g s g e s c h i c h t e h i n n a c h z u w e i s e n , in s i c h z u s a m m e n ( n a m e n t l i c h 3 7 8 A n m . 1). I n b e s c h e i d e n e r e m R a h m e n als m i t w i r k e n d e s M o m e n t bei P r o k o p s E n t l a s t u n g s v e r s u c h e n f ü r B e i i s a r n a c h d e r S c h l a c h t v o n K a l l i n i k o s 5 3 1 e r k e n n e i c h j e d o c h K a w a r s E i n w e n d u n g e n g e g e n P r o k o p s H ä r i t - B i l d an. V g l . S t e i n I I 503 u n d zur S c h l a c h t v o n J u n i 5 5 4 ( C h a l k i s - K i n n e s r i n = al H i y ä r ( ? ) = Y a u m H a l i m a ( ? ) bis zur N e u a u f l a g e n o c h J . S c h l e i f e r , G h a s s ä n . E n z y k l o p . d. I s l a m 2 ( 1 9 2 7 ) 1 5 0 . Z u r P o l i t i k des O b e r p h y l a r c h e n , Patrik i o s u n d „ K ö n i g s " H ä r i t ist i m m e r w i e d e r darauf z u v e r w e i s e n , d a ß b e i diesen F ü r s t e n des W ü s t e n g ü r t e l s d e r G r o ß m ä c h t e t r o t z i h r e r V a s a l l e n - u n d s o g a r B e a m t e n e i g e n s c h a f t das G e s e t z d e r W ü s t e regiert u n d s o m i t j e d e r sich selbst der N ä c h s t e ist. W e n n H ä r i t v o n P r o k o p des „ V e r r a t s " b e s c h u l digt w i r d , s o g i b t der H i s t o r i k e r damit die U n l u s t g e f ü h l e des m a g i s t e r i u m m i l i t u m O r i e n t i s w i e d e r , die g e g e n ü b e r d e n A r a b e r n d e n e n g l i c h e n , die d e r I n f a n t e r i s t f ü r d e n K a v a l l e r i s t e n , d e r K a v a l l e r i s t f ü r d e n S e e m a n n , d e r S e e m a n n ( h e u t z u t a g e ) f ü r d e n F l i e g e r , dieser w i e d e r u m f ü r d e n K n o p f d r u c k R a k e t e n t e c h n i k e r h e g t . E s g e h t u m die D i f f e r e n z z w i s c h e n zwei e i n a n d e r a u s s c h l i e ß e n d e n M e d i e n d e r m i l i t ä r i s c h e n B e w e g u n g , die z u G e f ü h l e n f ü h r e n , die m a n m i t d e r A u f r e g u n g d e r H e n n e ü b e r i h r auf d e m T e i c h p l ä t s c h e r n d e s E n t e n k ü k e n v e r g l e i c h e n k ö n n t e . D i e e n d l o s e n R o c h a d e r ä u m e , die den Barbaren v o n N o r d e n und Süden zu G e b o t e standen, m u ß t e n dem antiken M e n s c h e n e b e n s o w i e s e i n e n u n m i t t e l b a r e n E r b e n u n h e i m l i c h sein. W e l c h e P a r a d o x a i m U m g a n g m i t diesen B a r b a r e n m ö g l i c h w a r e n , z e i g t e n n i c h t zuletzt die J a h r g e l d e r , die I u s t i n i a n s t ä n d i g a n H ä r i t T o d f e i n d M u n d i r zahlte. A u s d e r P e r s p e k t i v e v o n H ä r i t R e s i d e n z Ö ä b i j a h ä t t e d e r g l e i c h e n m i t m i n destens d e m g l e i c h e n R e c h t als „ V e r r a t " b e z e i c h n e t w e r d e n k ö n n e n , w i e die s c h w e r k o n t r o l l i e r b a r e n B e w e g u n g e n d e r R e i t e r s c h a r e n H ä r i t b e i d e n O p e r a t i o n e n des Zeitalters Iustinians. 1122

1 1 2 6 Isdigusnas ( Ί σ δ ι γ ο ύ σ ν α ς ) P r o k o p m i t g e r i n g f ü g i g e n V a r i a t i o n e n . M e n a n d r o s ( E x c . leg. R o m . fr. I i M ü . D i . 1 7 1 , 26 D e B o o r ) s c h r e i b t Ί ε σ δ ε γ ο υ σ ν ά φ . Z u r p e r s i s c h e n N a m e n s f o r m ( J a z d G u s n a s p ) v g l . J u s t i , I r a n . N a m e n b u c h 1 4 9 , 3 8 5 . H e r z f e l d , A r c h ä o l o g . M i t t . I , ρ 5 7. n. 2. C h r i s t e n s e n 2 1 3 9 , 2 7 4 , 5 2 0 ü b e r f r ü h e r e T r ä g e r des N a m e n s , 105 A n m . 3 ü b e r Z i e h , Z i k . Π ε ρ σ ώ ν π ρ ε σ β ε υ τ ή ς , φ δ ή τ α υ π ή ρ χ ε μεν α ξ ί ω μ α τ ό Ζ ί χ , μ έ γ ι σ τ ό ν τ ι τ ο ύ τ ο π α ρ ά τ ο ι ς Πέρσαις γ έ ρ α ς , π ρ ο σ η γ ο ρ ί α δέ α ύ τ ω Ί ε σ δ ε γ ο υ σ ν ά φ " ( M e n a n d r . a. Ο . ) , ά ν δ ρ α Π έ ρ σ η ν τ ω ν σ φ ό δ ρ α π α ρ ' α ύ τ ο ϊ ς λ ο γ ι μ ω τ ά τ ω ν , ό ν ο μ α δέ ή ν α ύ τ ω Ζ ί χ . 1126 1127 1124 1129 1180

Ρ II Vgl. Ρ II Ρ II Ρ II

28, 3iff. M i l l e r , I t . R o m . K a r t e 240. 28, 44. 29, i f f . 29, 10 ff.

518

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

1131 έκτο; Φάσιδοζ ποταμού (Ρ II 29, 27). Obwohl nicht ausdrücklich genannt, ist das Gebiet der Festungen Scanda und Sarapanis gemeint. Der Marsch der Perser vollzieht sich größtenteils auf der Route, die heute durch die Eisenbahn Tiflis — Gori — Batum bezeichnet wird. 1132

Ρ II 29, 29—32.

1133 ρ n 29, 33 fr. 1134 Vgl. Anm. 765. 1135 Ρ II 30, iff. 1136 Das ist noch wenig, denn die Entfernung Scharopano — Batum (Petra ist nicht allzu weit nördlich von Batum zu suchen vgl. Anm. 1077) beträgt in der Luftlinie 140 km. Dazwischen liegen die teilweise sumpfigen Urwälder der Phasisniederung und der damals unbewohnten Guria. 1137 V g l . M i l l e r It. Rom. K. 213,214. Mihr Mihroe konnte die Straße Sebastopolis — Artaxata benutzen, die den Rion bei Ad fontem felicem kreuzt und über Ad Mercurium — Caspiae (nicht die ιτύλαι Κάσπιαι) — Gaulita — Misium usw. auf den Itinerarien nach Artaxata führt. Dubios (Dwin, Tovin) lag unweit nördlich von Artaxata (Ardasar), über dessen Existenz im 6. Jahrhundert nichts bekannt ist. 1338 Als Erbauer zahlreicher Festungen in Lazika erwähnt Prokop (II 30, 4) den Armenier Thomas, den Vater des Iohannes Guzes. Auftraggeber war Kaiser Iustinian I 1139 Bis zur Mocheresis (Rionknie), vielleicht sogar bis zum Defilee von Scharapano. 16. Der Kampf um La^ikas Schlüsselfestung Petra mo ρ v i n 8 ; 3 9 1141 Hippis = Zcheniss — chali (Pferdefluß). 1142 ρ v i l i 8, iff. Mocheresis = Muchirizij = Muchirisi = Samokolakr (Städteprovinz vgl. altgeorg. Lit.). L e v c e n k o , Vizantijskij Vremennik 3 (1950) 305. 1143 Vgl. Ρ 118, 42 ff. 1144 ρ V I I I 9 ; i f f 1145 B u r y L R E i (1889)8.441 Anm. 1. Ρ VIII9,5. Zum Namen BevîXoç vgl. Ρ V 16,5 Ουνίλαν. 1146 ρ y i n 9, 6 ff. 1147 ρ v i l i 3, 18—2ΐ. Nov. 28 pr. 1148 ρ v i l i 9, 7. 1149 ρ v n i 9, 13—3°· liso "["ιβέλεος, Τζιβιλόν in der heutigen Zebeldá am oberen Kodor. T o m a s c h e k , Abaskoi. RE i Sp. 20. 1151

Ρ II 30, 5.

1162 ρ v i l i 10, ι—7. Die Kaukasusforscher Dubois de Montpéreux und Bakradse identifizieren Prokops Festung T r a c h e a mit den Ruinen der Festung Anakopija (Nikopsija) auf dem Kamm (1) eines Berges, der die Schlucht des Flusses Psyrtscha (Apsara, Nikopsija) umschließt. Der mit der örtlichkeit vertraute Verfasser „I. N." des Werkes Abchasija i ν nej Novo-Afonskij SimonoKananitskij monastyr (vgl. Anm. 1077) hält diese Lokalisierung für ausgeschlossen. Die Festung in Anakopija befindet sich nicht am Fuß wie Prokop will, sondern auf dem Bergrücken und ist nicht groß, sondern ziemlich klein. Ferner führt die Schlucht nicht zum Meer, sondern in die Berge. Weder Kedrenos noch Konstantinos Porphyrogennetos erwähnen Trachea als einen Namen der „abchasischen Festung" Anakopija-Nikopsija. Der gelehrte Verfasser (vermutlich Mönch des Klosters Novyj Afon, verweist auf die Ansicht des Lokalforschers Cernjavskij aus Suchumi, der die Trümmer der Trachea Prokops nicht wie die Vorgenannten erheblich nördlich des Novyj Afon Klosters, sondern südlich von Suchumi ansetzt, in der Nähe des Flusses Kelasuri, wo die Südgrenze des alten Abchasien und der Aufenthalt der Apsilier Prokops anzunehmen ist (Cebeída und Samurzakan). Vgl. Abchazija . . . a. O. 142. Das im Westen kaum erhältliche Werk verdanke ich meinem bei der Verteidigung Berlins an der Oder gefallenen Studienkameraden Dr. Fritz Manns (seinerzeit Münzkabinett Wien). 77. Palastrevolution in Persien. Triumph und Verzicht auf Petra 1153 ρ I i I j VIII 10, 22. Anasozados-Exkurs: VIII 10, 8—22. PvK 234. Nöldeke-Tabari 467. Dinaweri und Firdusi geben zahlreiche Ergänzungen. Die Geschichte des Katholikos Mar Aba: Histoire de mar Jabalaha et de trois autres patriarches. Textes syriaques édités par Bedjan. Paris 1895 ( = Vita Abae). Orientalische Quellen und Prokoptext sind von Ν. V. P i g u l e v s k a j a einem gründlichen Verhör unterworfen worden: Vosstanie v. Chuzistane pri Chosrove I ( = Aufstand in Chüzistan unter Chusrö I.) Kratkie soobsöenija Institute Vostokovedenija Akad. Nauk SSSR 4 (1952) 3—10. Kurzes kritisches Referat: Der Aufstand ist nicht später als Februar 552 zu datieren, dem Todesdatum des mit seiner Niederwerfung beauftragten Mar Aba. Terminus post quem ist die

"53

Vergebliche Palastrevolution in Persien

519

Gesandtschaft des Petros anläßlich des Ablaufs des fünfjährigem Waffenstillstandes 550. Der Aufstand ist also 550/51 zu datieren. Nach Pig. besteht zwischen der in Persien immer noch schwelenden Mazdakitenbewegung und dem Aufstand in Chüsistan kein unmittelbarer Zusammenhang. Die Mazdakitenbewegung kann als eine soziale Häresie der Zarathustralehre aufgefaßt werden, ist nur aus dieser Umwelt zu verstehen. Der Aufstand Anöäz'ds stützt sich auf die syrisch sprechende christliche Stadtbevölkerung Irans. Pigulevskaja glaubt allerdings an gemeinsame soziale Hintergründe beider Bewegungen. Nach Dinaweri (ed. Guirgas, Leiden 1888 S. 71) war die Mutter AnöSz'ds eine Christin von großer Schönheit. Selbst gegen Bekehrungsversuche gefeit, vermochte sie ihren Sohn zum Christenglauben zu bekehren. Vgl. Firdusi (ed. Mohl) V I 222 f. Die Mitteilung Prokops über Chusrös Zorn wegen des Lotterlebens seines Sohnes hält Pig. allerdings zu Unrecht für eine diplomatisch verhüllte Spitze des „Heiden" Prokop. Zu dessen eindeutig christlicher Weltanschauung vgl. P v K 56fr. Dinaweri 71 weicht insofern von Prokop ab, als er den nach GundîSâpûr verbannten Königssohn nicht in seinem Palast, sondern im Gefängnis leben und gewaltsam befreit werden läßt. Zur Topographie von Gundisäpür vgl. R u b i n , Uazaine. R E 8 A Sp. 525 fr. Mit Recht bewertet Pig. Prokops Nachricht, wonach Chusrö zwar den Arzt Tribunus bei sich hatte, aber persönlich einsatzfähig mit seinem Heer in Lazika operierte, höher als die Mitteilungen von Dinaweri 71 über ein Krankenlager Chusrös in Emesa und von Firdusi (VI 2i6f.) über Krankheit Chusrös nach seiner Rückkehr vom Römerzug. Nach Prokop und Dinaweri schlug Anöszäd auf das Gerücht von einer schweren Erkrankung seines Vaters los. Nach Dinaweri fand er bei den Christen von Gundïâîpûr und Ahwäz (Susiane) Unterstützung gegen die 'Amil (Steuereinnehmer) des Großkönigs. Zu den Finanzreformen Chusrös I. vgl. N. P i g u l e v s k a j a , Κ voprosu o podatnoj reforme Chosrova Anosirvana. Vestnik drevnej istori 1937 (Zur Frage der Steuerreform Chusrö Anosirvans). Dies.: Goroda Irana ν rannem srednevekove. Moskva 1956. Akad. Nauk SSSR. Inst. Vostokovedenija. S. 242ft (Die Städte Irans im frühen Mittelalter). Ferner die Anm. 929 genannten Arbeiten von A l t h e i m - S t i e h l . Der verwandte Bericht von Ibn al-Atir (ed. Tornberg 1867) 316 bezeichnet AnöäzSd als Mazdakiten ( j j i j o j zindïk). Vgl. Firdusi V I 224fr. Unterstützung durch Christen von Chüzistan bezeugt auch Vita Abae 266. Prokop, Dinaweri und Firdusi stimmen darin überein, daß auch die feudalen Kerntruppen des Heeres mit Anöäzäd sympathisierten, womit der Königssohn sich unter die Vorläufer eines Bahr" m Côbïn und anderer aufsässiger Feudalherren einreiht. Auch unter den christlichen Gewerbetreibenden, die mit Anö§z?d sympathisierten, gab es dank der Gesellschaftsstruktur Irans wohlhabende und einflußreiche Leute (ζ. B. Sinodicon orientale, ed. Chabot, Paris 1902, S. 79f.). Allgemeine Unzufriedenheit wirtschaftlich schwacher Schichten deutet Dinaweri 72 an. Der Aufstand wurde vom Statthalter des abwesenden Großkönigs niedergeschlagen. Chusrö ordnete brieflich (das Pehlewioriginal dürfte sich in den arabischen Quellen und bei Prokop spiegeln) relativ milde Vergeltungsmaßnahmen an. Wichtig sind die Mitteilungen von Dinaweri 72, wonach Reiter (d. h. Kataphrakten) mit besonderer Strenge (Todesstrafe), kleine Leute dagegen milder zu behandeln seien. Auch nach Firdusi V I 232 wurden die iranischen MarzbSne zerstückelt. Nöldeke-Tabari 469 verweist auf antichristliche Tendenzen des durchscheinenden Pehlewi-Originals. Firdusi V I 226 bezeugt Anlehnung Anöszäds an Byzanz durch unterwürfigen Brief an den Kaiser. Pig. verweist mit Recht auf das spätere Bündnis Chusrös II. mit Ostrom. Die von westlichen Übersetzern als Truppenhilfe Ostroms für Anöszäd verstandenen Firdusistellen sind nach Pig. mißverstanden. Man vergleiche nach Erscheinen der betr. Bände Übersetzung und Kommentar zu Firdousi, §a;hnahme, bisher Band 1 , Moskva 1957 (Ausgabe auf 5—6 Bände veranschlagt). Redaktoren: Berteis, Lachuti. Vorbereitung: Banu, Lachuti, Starikov. Akad. Nauk SSSR, Otd. Lit. i Jazyka. Literaturnye Pamjatniki. Der nestorianische Patriarch Mar Aba war persischer Herkunft. E r wurde in Ketten nach Ktesiphon geführt und inhaftiert, wurde aber von Chusrö beschuldigt, weiter Bischofsernennungen im Aufstandsgebieten vorzunehmen (Vita Abae 264, Firdusi V I 235 f.). Die Beschuldigungen wurden offensichtlich nicht zu Unrecht erhoben, wie aus Pigulevskajas einleuchtender Interpretation der Firdusistelle V I 234f. „Katholiken und Patrizier von R o m " (bisherige Übersetzung) hervorgeht. Sie macht wahrscheinlich, daß es sich beim Namen Patrikios um die Entsprechung zum syrischen Mar Aba handelt, somit der Katholikos gemeint ist. Die Stelle wäre daher im Singular als Katholikos Patrikios zu verstehen. In der Bestrafung Anöszäds nach seiner Niederlage stimmen Prokop und Dinaweri 72 überein. Prokop läßt die Blendung in gemilderter Form vollziehen. Firdusi schildert dramatischer, läßt Anöszäd als Märtyrer auf dem Schlachtfeld enden und christlich bestattet werden. Der Bevollmächtigte (Sarira) und Stallmeister (dzizigu) des Großkönigs überbrachte dem immer noch gefangen gehaltenen Katholikos massive Drohungen seines Herrn. Mar Aba antwortete mit Beschwerden über schlechte Behandlung. Plötzlich schlug Chusrö einen versöhnlicheren Ton an und forderte den Katholikos, wenn auch nicht ohne neue Drohungen, zu Vermittlungsdiensten auf. Ende 5 51 mußte sich Mar Aba persönlich nach Chüzistan begeben, um die Ruhe unter der Bevölkerung wiederherzustellen.

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

520

Vorstehendes Material ergänzt den historiographisch kritischen Kommentar PvK 234 — R E 22 Sp. 509. 1154 ρ V I N I I , 2 εφ' φ τ ά ; σπονδάς άμφΐ TT¡ ècóqc παντάπασι διοικήσονται. use ρ γ π ι U , J. use ρ v i n I i , 5f. είκασεν αν TIS ές παράταξιν TOUS άνδρας Ιέναι. είποντο δέ αύτώ καΐ δύο των έν Πέρσας λογιμωτάτων, οϊ δή καΐ διαδήματα ÉTTI των κεφαλών χρυσά έφόρουν. 1157 ρ π 28, 4ΐ ; VIII 11, 9 ου γαρ αν, Ιφη (Chusrô) έρμηνεύς γε ών ές τοΟτο αξιώματος προς βασιλέως άφίκετο, εΐ μή καταπροδούς ετυχε τά Περσών πράγματα. Zur sozialen Stellung der Dolmetscher: PvK 28, 52—54, 84, 89, 126, 235 = R E 22 Sp. 301, 326/8, 358, 363, 400, 510. Vgl. Menanders Verhandlungsprotokolle (Beilage). use ρ v i l i I i , 10ff. τά δέ πρώτα ό πρεσβευτής οδτος βασιλεί έντυχών ού μικρόν άμφί TT¡ ειρήνη, ού μέγα είπεν . . . Ρ II 28, 38 τ ω τε βασιλεί ές όψιν ήκων άμφί μέν τών σπουδαίων τινί ού μέγα οϋ μικρόν ίσχυσε ν είπεϊν . . . Die Wiederholung des Stilmittels zeigt besonders deutlich, welch innigen Anteil Prokop an dem Bericht über die Gesandtschaft des Isdigusnas nahm. 1159 ρ v i l i I I , 11; 12, 28. 1160 ρ v i l i H , j 2 f. όπως μεταξύ κρατύνωνται τό τοΰ περιβόλου όχύρωμα. nei ρ v i l i i l , 54· Vgl. VIII 11, 11—21. Es ist nicht mit der wünschenswerten Klarheit gesagt, daß es sich um die Stelle handelt, von der 11, 11—21 die Rede war. 1162 ρ v i n i2, 28. Aed III 7, 7. Kaiser Iustinian billigte die Schleifung der Mauern ausdrücklich. Es handelt sich bei dem persischen Strategem der drei übereinander angeordneten Wasserleitungen keineswegs um eine einmalige Kriegslist, sondern um die iranische Technik der Kanate, die heute noch in Nordwestafrika, Ägypten, Arabien, Iran und Turkestan verbreitet ist. Vgl. C. G. F e i l b e r g , Qanaterne, Irans underjordiske Vandingskanaler. 0 s t og Vest. Afhandlinger tilegnede Prof. Dr. Arthur Christensen. Kopenhagen 1945 S. 105/13, insbesondere die Karte S. 1 1 0 (freundlicher Hinweis von O. Hansen). Zum persischen Tiefbauwesen auch: N. P i g u l e v s k a j a , Goroda Irana ν rannem srednevekove. M.-L. 1956 S. 206ff. (Irans Städte im Frühmittelalter. Kapitel „Bewässerungskanäle"). ILEA Ρ VILI 16, 8; 13, 7. 1164 ρ v i n 1 3 , i f .

18. S chwerpunkt

Nordla^ika

lies p v i l l i 3 , i i —14 σμικρολογία. Vgl.PAn 18,29 wo das Wort für Iustinian gebraucht wird. Plat. rep. VI 486 a V i l i 558 b. Isokr. or. 15, 2. B o n i t z e r , Ind. Aristot. s. v. PvK 26, 132, 236, 276 = R E 22 Sp. 299, 406, 511, 551. Vgl. o. Anm. 583 1166 ρ v i n 1 3 , 5 . 1167 ρ v i l i 13, 9 oí δέ δή άλλοι Ιντός τών εμβολών ποταμού Φάσιδος ένστρατοπεδευσάμενοι εμενον . . . 1168 ρ VIII 13, 15—20. 1169 ρ v i l i I J , 2ΐ—3°· Rhodopolis = Varunche. Archaiopolis: Ziehe Gozdi, die heutige Ruine Nokalachevi am Fluß Techura. 1 1 7 0 O. S e e c k (Untergang der alten Welt 6 S. 86) behauptet, daß nach 421 kein Kampf gegen Elefanten mehr gewagt wurde. Vegetius III 23 beschreibt noch ausführlich die Taktik des Elefantenkampfes.

1171 ρ v i l i

i4,

1—44.

1172 ρ v i l i

14,

45—54.

1175 ρ v i l i

16,

4—17.

1173 Ρ v i l i 15, 4 έπί T O Ú T C Ü γαρ εφασκον Περσαι καΐ τους ϋττέρ τών σπονδών λόγους ξυγκεχωρηκέναι γενέσθαι. Die Verhandlungen des Petros am Hofe Chusrös (P VIII 11, 2) können gemeint sein, wahrscheinlicher aber das erste Stadium der vielmonatigen Verhandlungen des Isdigusnas. Mit dem Ausdruck υπέρ τών σπονδών meint Prokop nicht den endgültigen Frieden, sondern den Waffenstillstand, wie Ρ VIII ι6, 1 (άμφί ταΐς σπονδαϊς) beweist. 1174 ρ v i l i 15, 7. Die propagandistischen Rückwirkungen waren für die Sache der Oströmer äußerst nachteilig. Ρ VIII I6, 3. 18—21. "77 ρ v i l i l6, 33. 1176

19. Lektionen

für persische

Generale

und

Kaukasusspe^ialisten

1178 ρ v i l i i7, io. Vgl. Agathias II 18 (103, 10), wo die ausdrückliche Eximierung der Lazika vom Waffenstillstand erwähnt wird. 1 1 7 9 Agathias II 19 (105, 8). uso Agathias II 22 ( 1 1 3 , 1). Zur Lokalisierung: Chytropolia — Ollaria = Goräecnyj rynok (Topfstedt, vgl. unser „Kannenbäckerland" im Unterwesterwald) Topf georg. = kvevri. Unweit von

ii95

Lektionen für persische Generale

521

Telephis gibt es einen Fluß Kverula. Vgl. Agathias II 20, B r o s s e t , Histoire 101. L e v c e n k o , Vizantijskij Vremennik 3 (1950) 307. Telephis, heute Tolbi am Ufer des Zchenis-zchale, Bezirk Samtredia. Name noch heute am linken Ufer der Ccharula, unterhalb Skanda erhalten (Brosset, Histoire 104). Die Festung Onoguris liegt im Bezirk Samredia unweit Telephis. Der nördliche Nebenfluß des Phasis (Rion) mit Namen Dokon nähert sich in seinem Unterlauf dem Phasis. Die Römer stachen an der Enge einen Kanal durch und bildeten eine Insel (Dokon-Techur). Eine Stelle des Unterlaufes trägt bei den Einheimischen den Namen Isoleta und wird auf der Generalstabskarte von 1834 als Izulja bezeichnet. Brosset und L e v c e n k o a. O. 308. 1181 Agathias III 8—13. 1182 £) e r prozcß : Agathias IV 1—11. Eingangs Schilderung des eindrucksvollen Auftretens des eigens in den Kaukasus beorderten hauptstädtischen Richters (Athanasius). 1183 Agathias III, 6. Ites, (Byzantin. Zeitschr. 26 [1926] 277) findet einen Widerspruch zwischen der angeblichen Stärke der Römer von 50000 Mann und ihrer Detachierung von nur 600 Reitern; indes, Dagisthaeus hatte sich beim drohenden Entsatz von Petra durch Mihr Mihroe auch nicht anders verhalten. Ferner widerspreche die Schilderung des schweren Kampfes mit Fernwaffen des Agathias eigenen Angaben über die Schwäche der Verteidiger von Onoguris. Warum kämpft dann Dagisthaeus vergeblich gegen eine Handvoll Perser in Petra? Die Lage der Festung ist entscheidend — nicht die Zahl ihrer Verteidiger. 1181 Ites 277 ist der Ansicht, die Zeit zwischen Sieg und Niederlage des römischen Detachements sei zu kurz, um eine Benachrichtigung des Hauptheers und dessen Änderung seiner Taktik zuzulassen. Wir wissen nicht, wie lange das dauerte, doch rechnet Ites nicht mit der Schnelligkeit der Operationen der Kavallerie. 1185 Agathias III 5—8. nee Agathias III 15 (172/3). 118 ' Vgl. ρ VIII 1 1 , 25. 1188 Agathias III 15; 16. 1183 Agathias III 17 ff. neo D¡ e Dilimniten des Agathias sind mit den Dolomiten des Prokop identisch. Beide Historiker stimmen darin überein, daß die Dolomiten (Ρ VIII 14, 8) bzw. Dilimniten (Agathias III 17 p. 177, 16 — 178, 13) geschickte Bergsteiger, tüchtige Krieger und innerhalb des Perserreiches autonom sind. Auch die Angaben über ihre Bewaffnung differieren nicht stark. Eingehender PvK 236 = R E 23 Sp. 5 1 1 : Dailamiten. 1191 Agathias III 20. Vgl. Ρ V 5, 14 (Beiisar vor Palermo). 1192 Agathias III 21. 1193 Agathias III 22 (188, 15). 1194 Agathias III 23 ; 24. 1195 Ites 275 beurteilt die Episode als „völlig unmöglichen Verlauf", als „Phantasie". In der Tat ist es völlig unwahrscheinlich, daß lustin und Nachoragan bei gleichzeitigem Aus- bzw. Anmarsch (Ag. III 25 p. 194, 15) einander nicht entdeckt haben sollen. Die Bemerkung des Agathias, (p. 194, 5) daß lustin an diesem Tage keinen persischen Angriff erwartete, verrät aber nicht die „leise Kritik des Berichterstatters", sondern den einzig möglichen Tatbestand, den Ausmarsch des Iustinos am Vormittag, lange bevor Nachoragan, durch die erwähnten Falschmeldungen nervös geworden, sich zu dem überstürzten Sturm entschloß. Das flache Vorgelände der Stadt (p. 182, 16) war weit und breit verwüstet, um dem Feind alles Belagerungsmaterial zu entziehen. Nachoragan mußte deshalb seine Pioniere in den nächsten Wald zum Holzschlagen schicken. Aber das schließt doch nicht aus, daß etwa in der Uferzone, die lustin mit seinen 5000 passieren mußte, noch etwas Buschwerk stand, durch das die Truppen in Deckung in den geplanten Hinterhalt überführt werden konnten. Die „Hervorhebung der göttlichen Führung" und der „Gegensatz: Iustinus — Nachoragan" veranlassen Ites vor allem, den Bericht des Agathias zu verdächtigen. Aber auch der nüchterne Prokop redet von göttlicher Führung, als Chusrö Antiochia erobert, und zieht die Tyche wie Agathias heran. Der fromme Iustinos verhält sich nach alter literarischer Topik zum lästernden Barbaren Nachoragan nicht anders als der fromme Bischof v. Beroia zum Belagerer von Antiocheia. Dasselbe Schema befolgt Prokop, wenn er Mihran Peroz einBad fordern läßt (PI 13,17). Die propagandistische Tendenz der Historiae forderte solche Züge, die der Wirklichkeitsnähe der Erzählung selbst keinen Abbruch tun. Es genügt, daran zu erinnern, wie Augustin seineCivitas Dei eröffnet : „Deus superbis restitit, humilibus autern etat gratiam ! Den Gegensatz zwischen frommem Athen und hybrisbestimmtem Weltreich Zeichnet bereits Aischylos. Nachoragan ist nicht der erste, der prahlt und schwört, er werde die Stadt mit ihren Verteidigern verbrennen(i93,9ff.), noch der erste,der belehrt wird,daß es im Kriege anders kommen kann als man denkt. Eine Anordnung an seine Pioniere trifft er infolge offenbarer Zügellosigkeit (193, 9—194, 4). Die krassen Farben entstammen der Palette des Agathias: έτπκομπάζων, έττομυύμενος Ιττελέληστο yàp, ώς εοικεν, varò αύθαδεία; ό εμττληκτος . . . ês τοσούτον έττήρτο άλαζονε1α$ . . . βρενθυόμενος . . . Von Iustinos dagegen heißt es: έννοια Tis θεόβεν οΐμαι.

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Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

119b

είσηλθε. Das schließt nicht aus, daß diese Bittprozession des Rhetors in Wirklichkeit nichts als ein Umgehungsmanöver war. E r hat den Sachverhalt lediglich propagandistisch umgedeutet. Ist lustin, der Großneffe Iustinians, Urheber der Aktion ? Oder ist das dynastische Schmeichelei und Martin der Planende ? Zumindest die Übereinstimmung beider wird durch die Abgabe von Truppen Martins an Iustinus erwiesen (194, 9) άττολεξάμενος ÉK της Μαρτίνου καί της οίκείας δυνάμεως ότι καρτερόν τε καί μαχιμώτατον. nee Agathias III 25 Ρ· Χ95> 5 καλουμένους στταλίωνας ( = vinea). Vgl. Agathias III 5 (147.15)· 1197 Die Darstellung alles beruhe auf Zufall und göttlicher Fügung (196, 19 οΰκ άθεεί) verdient keinen Glauben, ebensowenig die Auffassung, Iustinus habe nicht durch Späher, sondern durch den Schlachtenlärm von den Geschehnissen Kenntnis erhalten. So, nicht durch die Überkritik von Ites, erklären sich die Vorgänge natürlich. 1198 Agathias III 27. E r trägt Wirkung und Gegenwirkung, die Fehlschlüsse von Persern und Dailamiten mit verständlicher Freude an brillanter Antithetik vor. Trotzdem macht die Stelle keinen „erkünstelten Eindruck" (Ites 276). 1189 Ites fragt, warum das Kriegsgerät verbrannt wurde. Es war zu zahlreich und zu schwerfällig, um in aller Eile in die Stadt transportiert zu werden, und gefährdete die hölzernen Mauern keineswegs, geschweige die Schiffe, wenn es in einigem Abstand verbrannt wurde. 1200 Agathias III 28. 1201 Agathias I V 1 — 1 1 .

20. Der „fünfzigjährige

Frieden" von ; 6τ und die Zukunft des O strömischen Reiches

der

Ostpolitik

1202 Agathias I V 1 2 p. 232, 17 ή τε χώρα, έν ύττερτέρφ τ ω ν Κόλχων κειμένη, γενήσεται ύμΐν όρμητήριον άσφαλές, καί οίον έτπτείχισμα κατά τ ω ν -πολεμίων. 1203 Agathias I V 12. 1204 Agathias I V 13. 1206 Agathias I V 15 p. 236, 22 — 237, 19. 120e Agathias I V 15 p. 238, 3. 1207 Agathias I V 15 p. 238, 14. Warazes war Armenier, Pharsantes Laae. Ihr Auftrag sollte ursprünglich auf das Territorium der Bundesgenossen beschränkt bleiben. Agathias I V 13 p. 233, 14. 1208 Agathias I V 16. 1209 Agathias I V 16 p. 240, 14. 1210 Topographie: Agathias I V 17 p. 243, 5. Das übrige ergibt sich aus dem Gang der Kampfhandlungen. 1211 Agathias I V 18. 1212 Agathias I V 17 p. 2 4 4 , 1 0 ; I V 19 p. 246, 14. 1213 σκόττελον Agathias IV 20 p. 248, 15. Ites 279 hat mit Recht auf die konfusen Verlustziffern hingewiesen, aber ττλήττουσι μέν τους πλείστους heißt hier (248, 9) nicht, daß die meisten getötet, sondern daß sie verwundet wurden. 1214 q ¡ £ h¡ eí . gebotene Darstellung kann Ites' rigoroser Kritik des Agathiastextes (S. 279) nicht folgen. Die „moralisierende Tendenz" wurde bereits als harmloses literarisches Requisit gekennzeichnet, dessen Urheberschaft keineswegs Agathias zur Last fällt. Das Nachrücken von Nachschub für die ersten hundert Mann dürfte viel zu selbstverständlich sein, als daß Agathias es ausdrücklich erwähnen müßte. Ebenso erspart er sich nähere Notizen über die Tätigkeit des Hauptheeres während des Handstreichs, die er 244, 10 ankündigte und auf die er mit der Erwähnung des Trompetensignals (246, 14) deutlich genug anspielt. Der Uberfall erfolgte mitten in der Nacht, der Gegenangriff der 500 Misimianen im Morgengrauen (244, 5 της ίττιούσης νυκτός; 248, 4 της γ α ρ νυκτός οπτάσης Ιν τοιοίσδε κακοΐς διανυσθείσης; 248, η ές αυτό δή τό λυκαυγές), es war also Zeit genug für die Greueltaten. Gleichzeitiger Brand von Burg und Stadt ist ausgeschlossen. Die Römer haben die Stadt erobert und in Brand gesteckt, über Plünderung und Mord aber wie gewöhnlich den disziplinierten Zusammenhalt verloren, so daß sie, vielleicht mit Ausnahme der machtlosen Führer, die noch uneroberte, nahe Burg außer acht ließen. Von hier kam dann auch das Verderben. Die Burg ist überhaupt nicht erobert, geschweige denn verbrannt worden, 248, 7 φρούριον; 248, 15 σκόττελον. Das Scheitern des letzten verzweifelten Sturms der Misimianen, zu dem sogar Spalionen benutzt wurden, kann man nicht „einen kleinen Vorfall" nennen. B u r y ( L R E I 1889 S. 463 ff.) bringt die Belagerung von Tzachar recht ausführlich. Seine Darstellung berücksichtigt die topographischen Anhaltspunkte nicht genügend, leidet insbesondere an Unterschätzung des Stadtberges (S. 464 s o m e dwellings . . .). Die Datierung des Krieges stellt er in L R E II 2 120 richtig.

Menandeifragment zu 561—562

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i m Agathias I V 21 (251, ι σ τ ρ α τ η γ ό ν αυτοκράτορα wie Beiisar in Afrika). Agathias I V 23 p. 256, 10; I V 30 p. 274, 17. 1217 Vgl. Agathias I V 30 p. 275, 1—10. λογιζόμενο? Si ό Χοσρόη?, ώζ οδχ οΐόν τε α ΰ τ φ άνά τ η ν Κολχίδα γ η ν ττρό? 'Ρωμαίου; τταρατάττεσθοπ, τ ω ν μέν τ η ; θαλάττη? κρατούντων, καΐ άπαντα, ών αν δέοιντο, ^αδίωζ ένθένδε μεταπεμπομένων, αύτοΟ δέ δια μακρά? όδοΟ καΐ Ιρήμου μόλι? τοΐζ στρατοπεδεύουσιν έλάχιστα γ ο ϋ ν τ ω ν έδωδίμων ύ π ό αχθοφόροι? άνδράσι τε καΐ ίπτοζυγίοι? χαλεττώτατα στέλλειν άναγκαζομένου - τ α ύ τ α δή ονϋν έτπσκοττών, Ι γ ν ω τόν δλον ττόλεμον καταθέσθαι, ώ? άν μή έππτλεϊστον α ύ τ ο ϊ ; ή είρήνη χ ω ρ ί ο ι ; τισΐ ιτεριοριζομένη, άτελή? καΐ οίον σκάζουσα διαμένοι, άλλ' όμοίω? άττανταχοϋ έττι^ρωσθεΐη. Die Stelle ist ein seltenes Zeugnis geographischen und politischen Verständnisses des „Dichters und Rhetors" Agathias. 1218 Agathias I V 30. Menandros frg. 3 ( 1 1 7 , 15 — 188, 10 De Boor). G ü t e r b o c k , Byzanz und Persien in ihren diplomatisch völkerrechtlichen Beziehungen. B u r y L R E II 2 120ff. Eine Übersetzung des Menanderfragments lieferte E. D o b l h o f e r , Byzantinische Diplomaten und östliche Barbaren. Graz 1955 S. 95 ff. (Byzantin. Geschichtsschreiber, herausgeg. v. E . v. Ivánka, Bd. 4). Ree. B. R u b i n in: Zeitschr. f. Rei. u. Geistesgesch. 9 (1957) 55fr. Eine eigene Ubersetzung folgt in der anschließenden Beilage. V. G r e c u , Menander Protiktor und der persische Gesandtschaftsbericht Petros' Patrikios. Bulletin Sect. Hist. Acad. Roumaine 22, 2 (1941) 78/84. Über die Zahlungen: A. K o l l a u t z , in: Saeculum Bd. 5 S. 145. Zu den arabischen Satelliten: I. K a w a r , The Arabs in the treaty of A.D. 561. Arabica 3 (1956) 181/213. i2iea Y g j 0 Anm. 1124. Th. N ö l d e k e , Die Ghassânidischen Fürsten aus dem Hause Gafnas. (Berlin 1887) 20. 1219 Marc. Com. 96, 18. H o n i g m a n n , Ostgrenze 10 Anm. 1. 1220 y g j folgende Beilage. 1221 Einige wichtige Neuerscheinungen Zu den Beziehungen mit Zentralasien: N. P i g u l e v s k a j a , Sirijskie istoeniki k istorii narodov SSSR. (Syrische Quellen z. Gesch. d. Völker der UdSSR) Moskva 1941 (Institut Vostokovedenija A N SSSR). S. R u n c i m a n , Europe and the Turcs in the Middle Ages. Asiatic Reviev 38 (1942) 428/31 ; 39 (1943) 94/99. A. M a c a r t n e y , The Greek sources for the sixth century. Bull. School of Or. and Afr. Stud. 1 1 (1944) 226/75. A. K o l l a u t z , Quellenbuch zur Geschichte der Awaren. Prag 1944 (unzugänglich). Ders. : Die Awaren. Die Schichtung in einer Nomadenherrschaft. Saeculum 5 (1954) 129/78. G. W i d e n g r e n , Xosrau Anosurvan, les Hephtalites et les peuples turcs. Orientalia Suecana 1 (1952) 69/94. J . D a u v i l l i e r , Byzantins d'Asie Centrale et d'Extrême Orient au moyen âge. Rev. d'Ét. Byz. 1 1 (1953) 62ff. H. W. H a u s s i g , Theophylakts Exkurs über die skythischen Völker. Byzantion 23 (1953) 275/462. K . C z e g l é d y , Heftaliták, hunok, avarok, onogurok (Hephtaliten, Hunnen, Avaren, Onoguren). Magyar Nyelv 50 (1954) 142/51. 1222 C. M. P a t r o n o , Bizantini e Persiani alla fine del V I secolo. Firenze 1907 (dazu Gerland, Byz. Zeitschr. 18 [1909] 569). M . J . H i g g i n s , International Relations at the close of the sixth Century The Cath. Hist. Rev. 26 (1941) 279/315. N. V . P i g u l e v s k a j a , Vizantija i Iran na rubeze V I i V I I vekov (Byzanz und Iran an der Grenze des 6. und 7. Jahrh.) Moskva, Akad. Nauk SSSR 1946. P. G o u b e r t , Byzance avant l'Islam, ι Byzance et l'Orient sous les successeurs de Justinien. L'empereur Maurice. Paris 1951. ule

Beilage zu Anm. 1 2 1 8 Übersetzung der in griechischer Sprache abgefaßten Menanderschen Berichte über die Friedensverhandlungen von 561—562 nach den in einem „Weißbuch" veröffentlichten Originalrelationen des magister officiorum und Sondergesandten P e t r o s . (Die Eigennamen und Ortsnamen werden hier meist in griechischer Form gegeben) Im ganzen Osten und in Armenien schien vollständiger Frieden zu herrschen. Betreffs Lazika bestand zwischen Römern und Persern ein Waffenstillstand. Da die Friedensverhandlungen erst halb abgeschlossen waren, wünschten die Herrscher der Perser und Römer einen Zustand absoluter Ruhe. Zu diesem Zweck sandte Iustinian Petros den Chef der Palastgarde (magister officiorum), um mit Chosroes über einen allgemeinen Friedensvertrag zu verhandeln. Als dieser im Grenzgebiet bei Daras eintraf, teilte er dem Großkönig der östlichen Barbaren mit, er sei gekommen, um offiziell über die allgemeine Waffenruhe zu verhandeln. In dieselbe Gegend wurde daraufhin ein persischer Gesandter beordert mit dem Titel Zieh, übrigens einer sehr hohen Würde bei den Persern. Sein Name war Iesdegusnaph. E r diente seinem Herrscher auch als Kämmerer. Als nun die Gesandten beieinander waren und das beiderseitige Grenzoffizierkorps sich zusammengesetzt hatte, ging man an die gemeinsame Beratung. Und Petros, der hochgebildete und namentlich auch gesetzkundige Gesandte der Römer, sprach folgendermaßen:

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Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

„Persische Männer! Wir stehen hier als Gesandte des römischen Kaisers. Worte über unseren Kaiser erübrigen sich, weil die Taten von dem Manne zeugen. Ich bin gekommen, um die bisherigen Verhandlungsresultate in einen endgültigen Frieden umzuwandeln. Zuerst will ich euch belehren, was für ein Staat, was für ein riesiges Reich es ist, mit dem ihr Vertrag schließen werdet. Und wenn man mich auch in meinem Streben nach dem Nutzen für beide Reiche für einen Bramarbas halten sollte, so zürnt dennoch nicht über meine Ausführlichkeit. Denn es wird sich bald zeigen, daß meine Ausführungen im richtigen Augenblick gekommen sind. Ihr werdet mich loben, weil Tatsachen euch über den Nutzen meiner Worte belehren. Ihr werdet also nun mit den Römern Vertrag schließen; so genügt es denn, von den Römern zu sprechen; unter diesem Namen ist alles übrige einbegriffen. Ihr müßt, da ihr mit einem so mächtigen Reich Vertrag schließen wollt und nicht über geringe Dinge zu Rate geht, das Beste und Nützlichste wählen und statt der Ungewißheit des Krieges den Frieden als das sicherste Gut aller Menschen willkommen heißen. Aber laßt euch nicht aus Stolz auf eure Eroberung von Antiocheia und ein paar anderen römischen Plätzen vom Gedanken verblenden, ihr hättet die Römer besiegt. Denn dadurch hat Gott das Übermaß des römischen Glücks bestraft. Er will, daß kein Mensch sich sehr von seinem Nächsten unterscheidet. Wenn nämlich die naturgegebene Gerechtigkeit herrschen würde, bedürfte es weder der Rhetoren noch genauer Gesetzeskunde, und erst recht nicht feierlicher Versammlung und vielfältiger Rede über diese Dinge. Denn wir würden aus eigenem Antrieb zum Guten und Nützlichen neigen. Doch wähnen wir Menschen uns alle im Recht und kommen deshalb nicht um die Wortkaskaden herum. So sind wir denn hier versammelt, um einander durch die Macht des Wortes von unserer Rechtlichkeit zu überzeugen. Niemand wird bestreiten, daß der Frieden gut, der Krieg dagegen schlecht ist. Wenn wir auch entgegen dem allgemeinen Glauben der Menschen unseren Sieg schon im voraus für sicher halten würden, so glaube ich doch, daß der Sieger den fremden Tränen nur ein sehr armseliges Leben verdankt. Darum ist der Sieg bitter, wenn auch die Niederlage noch bitterer. Aus diesem Grunde hat unser Kaiser uns abgesandt, um Frieden zu schließen und als erste um Beilegung des Krieges zu bitten, nicht, weil er den Krieg fürchtet, sondern, weil er besorgt ist, ihr könntet uns zuvorkommen und als erste von dem uns so teuren Frieden sprechen. Wir wollen darum unsere gegenseitigen Zerwürfnisse nicht weiter vergrößern, um endlich vom Kriegslärm erlöst zu werden. Es paßt nicht zu einem gut geführten Staat, daß man die Folgen eines Krieges nicht vorher berücksichtigt. Erschaut mit dem geistigen Auge die wehklagenden Gefallenen, als wären sie leibhaft gegenwärtig, stellt sie euch vor, wie sie jammernd ihre Wunden vorweisen und an den Pranger stellen, denkt daran, wie die Untertanen durch den Leichtsinn der Machthaber zugrundegerichtet werden. Sodann die Überlebenden, wie sie von uns die Toten zurückfordern, mögen es nun Eltern, Kinder, liebe Freunde oder einfach Mitmenschen sein. Denken wir doch an die der Männer beraubten Häuser und die verwaisten Kinder im zartesten Alter und die tausendfache Klage um jeden teuren Namen der Verwandtschaft. Mag der Tod für das Vaterland uns noch so edel erscheinen — es ist und bleibt eine Torheit, wenn man der Heimat seinen Dank gefahrlos abstatten kann, und das nicht will, weil man den Schein der Unterlegenheit fürchtet. Ich glaube, das persische Land und Rom selbst würden uns das entgegenhalten, wenn sie mit Menschenstimme sprechen könnten. Scheuen wir uns darum nicht, die Bürde des Krieges von den Schultern zu nehmen: Handeln im richtigen Augenblick wird uns nur um so größeren Ruhm männlicher Tüchtigkeit eintragen. Möge niemand seine Abneigung gegen die Waffenruhe damit bemänteln, daß er behauptet, das köstliche Gut des Friedens sei verborgen und schwer zu verwirklichen. Es trifft nicht zu, wenn die Masse meint, gerade das Schlimmste fliege am schnellsten und ohne unser Zutun die Menschen an, während die schönsten Handlungen von Natur flüchtig sind, entwischen und gleichsam jedem Zugriff sich entziehen. Denn alles Gute und Böse hängt von der Einstellung des Menschen ab, es ist eine Sache des freien Willens. Unser Bedarf an Krieg sollte gedeckt sein, bevor er unsere Kräfte überfordert. Was einem besser gefällt, braucht noch lange nicht das wirklich Nützliche zu sein. Ihr solltet euch nicht mit dem Vergangenen brüsten und offenkundig die Regeln des guten Geschmacks verletzen. Denn die Menschennatur ist überall gleich und Leiden spürt einer wie der andere, und keiner soll denken, daß es zwischen Wesen von gleicher Herkunft Unterschiede gibt. Die beste Garantie für das Leben ist nun einmal die Existenz einer konkurrierenden Macht. So lange die Menschen sich offen und erfolgreich mit einem Gegner auseinandersetzen, üben sie ihren Mut. Wird aber der Feind völlig vernichtet, so zerstört man damit auch die eigene Macht und wird vielleicht von Unebenbürtigen besiegt. Hierfür rufe ich unseren Gott zum Zeugen an und die euren, mögen es Götter oder andere Wesen sein, sofern auch die Perser damit einverstanden sind." Das sagte Petros. Der Zieh hatte es gehört. Er war ein brutaler Draufgänger und pflegte in kurzer, barbarischer Kommandosprache nur das Nötigste zu sagen. Er nahm das Wort und erwiderte folgendermaßen: „Römische Männer! Welcher Unmensch, welche Bestie wollte sagen, daß ihr Gesandte nicht rechte und gerechte Dinge vortragt. Gewiß halten alle Menschen den Frieden für eine gute Sache. Ich wäre über eure gedrechselten Worte erstaunt, wäret ihr nicht Römer, wir aber Perser. Glaubt

Menanderfragment zu 561—562

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aber nicht, es werde uns hinter euren Umschweifen verborgen bleiben, als was ihr kommt, und wie es euch um euren Vorteil geht. Da ihr den Frieden als Deckmantel für Furcht und Schwäche benutzt, und die offensichlichste Schande dadurch zu verbergen glaubt, möchte ich ein paar kurze Worte sagen. Denn es steht einem Perser nicht an, mit Geschwätz am Kern der Sache vorbeizureden. Chosroes, der König aller Menschen ist, wenn er will, rechnet sich die Einnahme von Antiocheia nicht als eitle Ruhmestat an. Mögen unsere Kriegstaten für euch eine furchterregende Leistung sein — für uns jedenfalls ist der Sieg über irgendeinen Feind eine Lappalie. Wir sind so gründlich zum Siegen erzogen, wie die übrige Welt darauf gedrillt ist, von uns besiegt zu werden. Selbst der Untergang einer weiteren römischen Stadt würde uns nicht zu Kopfe steigen. Was uns so leicht fällt, daran ist nichts Erstaunliches. Das wird genügen, um das Geschwätz zu widerlegen, das ihr nutzlos vom Stapel gelassen habt. Die Römer handeln, wie sie es gewohnt sind, wenn sie den Persern mit Friedensangeboten zuvorkommen. Von uns besiegt, habt ihr gesiegt durch raschere Friedensbitte. So verbergt ihr die militärische Unehre und die offensichtliche Schlappheit hinter Humantätsgefasel. Hättet ihr gezögert, so hätten auch wir ein Friedensangebot gemacht, freilich als Sieger. Gleichwohl sind wir verhandlungsbereit und schätzen den Frieden als das höchste Gut. Adlige Haltung verlangt rechtes Handeln zur rechten Zeit." So sprach der Zieh. Die beiderseitigen Dolmetscher erläuerten den Parteien das Vorgetragene und interpretierten den Sinn. Es war ja noch sehr viel mehr geredet worden, mochte es dabei um die Sache gehen oder um Angabe und Furcht vor dem Anschein, als bemühe man sich aus Schwäche um den Frieden. Die Perser wünschten einen Dauerfrieden. Ferner forderten sie von den Römern einen Jahrestribut in Gold für den Verzicht auf feindselige Handlungen. Ferner wollten sie die vereinbarte Summe für 40 oder wenigstens 30 Jahre im voraus kassieren. Unter dieser Bedingung waren sie bereit, die Waffen niederzulegen. Die Römer waren dagegen für einen kurzfristigen Vertrag und wollten vor allem nichts für den Frieden bezahlen. Über diese Punkte ging der Kampf hin und her und es wurden nicht wenige Worte gewechselt. Endlich beschloß man, den Friedensvertrag auf 50 Jahre zu begrenzen und den Römern die Lazika zurückzugeben. Der Vertrag war verbindlich gegengezeichnet und allgemeingültig abzuschließen, also für die Ostprovinzen wie für Armenien, vor allem auch für Lazika selbst. Es wurde dabei vorausgesetzt, daß die Perser von den Römern pro Jahr 30 000 Nomismata in Gold für den Frieden erhalten würden. Es wurde festgelegt, daß die Römer insgesamt einen Zehnjahresbetrag nach folgender Regelung vorausbezahlen sollten: sofort für 7 Jahre und nach deren Ablauf ohne weitere Stundung den Gesamtbetrag für die restlichen 3 Jahre. Anschließend sollten die Perser für jedes Jahr den festgesetzten Tribut erhalten. Ferner wurde Einigung erzielt über die Schleifung des Klosters Sebanos, das die Römer als ursprüngliche Besitzer erhalten sollten. Als die Perser den [„ewigen"] Frieden [von 532] verletzten, besetzten sie den Ort und befestigten darauf die Kultanlage mit einer Mauer. Sie haben übrigens weder die Schleifung zum Abschluß gebracht, noch die Übergabe an die Römer durchgeführt. Doch ist diese Abmachung nicht mit in den Friedensvertrag aufgenommen. Man kam überein, von beiden Kaisern Urkunden (lateinisch: sacrae) zur Besiegelung der von den Unterhändlern getroffenen Abmachungen beizubringen. Die Entwürfe gingen sofort an beide Höfe ab. Ferner wurde eine nur von den Römern auszustellende Kaiserurkunde vereinbart mit der Zusage für die vorauszuzahlenden Gelder für die 3 Jahre nach dem siebenten Jahr entsprechend dem römischen Zugeständnis an die Perser. Es wurde ausgemacht, daß auch vom Perserkönig ein schriftliches Zugeständnis folgenden Inhalts ausgefertigt werde: Wenn die Perser das geschuldete Gold für die 3 Jahre erhalten haben, wird dem Kaiser der Römer eine schriftliche Empfangsbestätigung darüber ausgehändigt werden. Die Ratifikationsurkunde des römischen Kaisers weist das übliche und allgemein bekannte Prooimion auf. Die des Großkönigs ist mit persischen Zeichen geschrieben. Auf Griechisch bedeuten die Worte folgendes: Wir, Chosroes, der Göttliche, Gute, Friedfertige, der Ehrwürdige, der König der Könige, der Glückliche, Fromme, Wohltätige, dem die Götter viel Glück (Tyche) und ein großes Reich gewährt haben, der Gigant der Giganten, der Göttergleiche, an den Kaiser Iustinian, unseren Bruder. Dies war die Anschrift, aber der Sinn des Inhalts war folgender. Ich möchte genau der Reihenfolge der Worte folgen, denn ich glaube nicht anders verfahren zu müssen, damit mich niemand einer Entstellung der Wahrheit durch andere Ausdrücke verdächtigen kann. Das Schreiben lautete folgendermaßen: Wir danken seiner Brüderlichkeit dem Kaiser für den Frieden zwischen diesen beiden Reichen. Wir haben Iesdegusnaph, dem Kämmerer unserer Göttlichkeit, Befehl und Vollmacht erteilt. Seine Brüderlichkeit der Kaiser hat dem römischen magister officiorum Petros und dem Eusebios Befehl und Vollmacht zu Friedensverhandlungen und einem Vertragsabschluß erteilt. Der Zieh, der magister officiorum und Eusebios berieten und verhandelten miteinander über den Friedensschluß. Sie setzten den fünfzigjährigen Frieden schriftlich auf und bekräftigten die Dokumente alle mit ihren Siegeln. Wir bestätigen den vom Zieh, dem römischen magister officiorum und Eusebios abgeschlossenen Frieden und werden ihn einhalten.

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Anmerkungen : Politik und Kriegführung im Osten

So lautete das Schreiben. Die Ratifikationsurkunde des römischen Kaisers war entsprechend gehalten, jedoch ohne das Prooimion der persischen Königsurkunde. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. In einer anderen Sitzung prahlte der Zieh und schnitt über Großkönig Chosroes gewaltig auf. Er nannte ihn Invictissimus und schrieb ihm zahllose Siege zu, unter anderen sollte er seit der Zeit seiner Thronbesteigung mit etwa 10 Völkern gekämpft und sie tributpflichtig gemacht haben. Auch soll er die Macht der Hephthaliten zerschmettert und eine Menge Könige bezwungen haben. Er erzählte, wie diese Barbaren Chosroes lieben und bewundern und mit welcher Berechtigung man ihn den König der Könige nennt. Diese und ähnliche Prahlereien des Zieh über Chosroes beantwortete Petros etwas abschweifend mit einem Beispiel aus der Geschichte : Es war einmal ein König in Ägypten mit Namen Sesostris. Dem war das Glück günstig, er setzte sich große Dinge in den Kopf und unterwarf riesige Völker. Er schleppte Könige in Gefangenschaft und ließ in sträflichem Hochmut einen vergoldeten Wagen bauen, den statt Pferden oder anderen Zugtieren jene kriegsgefangenen Könige ziehen mußten. Auf solchem Gefährt zeigte er sich öffentlich den Untertanen. Dieses Spiel trieb er Tag für Tag. Da blickte einmal von den Königen, die den Wagen zogen, einer, der an der Spitze angeschirrt war, starr und unwillkürlich zurück und betrachtete das immer um sich selbst kreisende Rad. Der fahrende Sesostris bemerkte das und fragte barsch : Du I Warum tust du das ? Der König antwortete : Ich sehe dem Rad zu, wie es sich immer im Kreise bewegt und nie in derselben Stellung verharrt, sondern bald hinauf-, bald hintergetragen wird und so die Fahrt des Wagens bewirkt. Als der Ägypter das hörte, begriff er, daß der König auf die Unbeständigkeit und den Wankelmut des Glückes anspielte, und daß das menschliche Leben einem rollenden Rad gleiche. Er begann zu fürchten, daß ihm selbst ein solches Unglück zustoßen könne und stellte die erwähnten Ausfahrten ein. Darüber hinaus gab er die unterjochten Könige frei und setzte sie wieder in ihre Reiche ein. Damit Schloß Petros seine Erzählung, mit der er die Prahlerei des Zieh in die Schranken gewiesen hatte. Anschließend gingen die Verhandlungen weiter. Alle übrigen Streitpunkte waren bestens geregelt, lediglich über die Frage der S u a n i a war noch keine Einigung erzielt. Daher sagte Petros zu dem Zieh: Der Mann verdient das größte Lob, der das Vollkommene will und die Geschäfte vollkommen zum Ende führt. Für alles, was am vollkommenen Abschluß fehlt, trägt der Diplomat die Verantwortung. Ich spreche nicht ohne Zweck und Ziel. Ich wende mich zwar an dich, mein Zieh, aber den Nutzen werden die Römer und die Perser haben. Ich will mich etwas klarer ausdrücken. Suania gehörte früher den Römern und es waren Römer, die den Suanen befohlen haben. Als Tzathios über die Suanen herrschte, stand ein römischer Staatsbürger namens Deitatos an der Spitze der dortigen römischen Truppen, ferner hielten sich einige weitere Römer in Suania auf. Zwischen dem Lazenkönig und dem dort damals kommandierenden römischen Heermeister Martin bestand ein Zerwürfnis. Aus diesem Grunde sandte der Kolcherkönig den Suanen nicht die Getreidelieferung, wie sie dort seit alters üblich ist. Über die Verzögerung, die in den vertraglich zugesicherten Lieferungen eintrat, waren nun wieder die Suanen ungehalten und boten den Persern für den Fall ihres Eintreffens die Auslieferung von Suanien an. Einstweilen gaben sie Deisatos (Deitatos?) und den römischen Truppenführern bekannt: Nach vorliegenden Meldungen befinden sich stärkere persische Verbände auf dem Marsch nach Suania, zu deren Abwehr unsere eigenen Streitkräfte nicht ausreichen. Handeln sie der Lage entsprechend und treten sie mit den römischen Einheiten den Rückzug vor dem persischen Heeresverband an. Durch diese List und durch Geschenke überredeten die Suaner die römischen Truppenführer und schafften sich so die römische Besatzung vom Halse. Die Perser rückten in Eilmärschen heran und nahmen Suania in Besitz. Dem ist mit Leichtigkeit zu entnehmen, daß Suania seit alters den Römern gehört und ihnen heute rechtmäßig zusteht. Ihr habt uns selbst bestätigt, daß wir die Herrschaft über Lazika rechtmäßig innehaben. So wird es auch nicht gegen die Ordnung verstoßen, wenn wir das Lazika untertänige Suanien beherrschen. Hier warf der S u r e ñ a s ein: Ihr zürnt vor allem, meine Römer, daß ein Volk sich von selbst und freiwillig für uns entschieden hat. Der Zieh griff die Bemerkung auf und sagte: Die Suanen sind von jeher autonom und niemals der Kolcherherrschaft unterworfen gewesen. Dem Zieh antwortete wiederum Petros: Mein Zichl Wenn du Suania im Friedensvertrag nicht namentlich anführen willst, dann drücke es doch so aus, daß du mir Lazika mit seinen botmäßigen Völkerschaften zurückgibst. Darauf der Zieh: Wenn ich das täte, könntest du auch wegen Iberien (Georgien) streiten und könntest sagen, daß auch dieses Land Lazika unterworfen war. Es ist offensichtlich, mein Zieh, gab Petros zurück, daß du nicht die ganze Lazika herausgeben willst, sondern nur einen Teil davon. Und auch sonst ging zwischen Römern und Persern Rede und Gegenrede hin und her, sie konnten sich aber trotzdem über Suania nicht einigen. So beschloß man, dem Perserkönig persönlich den Fall zu unterbreiten. Und der Zieh versprach durch einen Eid nach persischer Sitte, dem Petros in der Audienz bei Chosroes wegen Suania Hilfe zu leisten.

Menanderfragment zu 561—562

527

Darauf schnitt der Zieh die Fragen betreffs A m b r o s , des Sohnes des Sarazenenführers Alamundaros, an. E r behauptete, Ambros müsse ebenso wie sein Vorgänger 100 Pfund Gold erhalten. Petros hielt entgegen, daß sein Herrscher den Vorgänger des Ambros mit einem nicht schriftlich fixierten, nach Höhe und Zeitpunkt freiem Ermessen anheimgestellten Goldgeschenk freundschaftlich auszuzeichnen pflegte. Es wurde nämlich ein Kurier mit der staatlichen Eilpost zu dem Sarazenen beordert, um ihm eine Sendung des römischen Kaisers auszuhändigen. Vom Sarazenen wiederum ist ein Gesandter mit Geschenken an unseren Kaiser abgegangen und erst dann hat unser Kaiser den Sarazenen durch ein Gegengeschenk ausgezeichnet. Wenn Ambros dieses Verfahren beachtet, dann bekommt er etwas, sofern unser Kaiser geruht. Wenn er das nicht will, dann bemüht er sich vergeblich und befindet sich in einem gründlichen Irrtum. Unter solchen und anderen Auseinandersetzungen wurde der fünfzigjährige Vertrag auf Persisch und auf Griechisch ausgefertigt, der griechische Text ins Persische und der persische ins Griechische übertragen. Unterzeichner des Vertrages waren auf selten der Römer Petros, der Befehlshaber der Palasttruppen des Kaisers, sowie Eusebios und andere, auf sehen der Perser der Zieh Iesdegusnaph sowie Sureñas und andere. Nachdem die Vertragstexte von beiden Parteien abgefaßt waren, wurden sie miteinander auf gleichen Sinn und gleichen Wortlaut hin verglichen. Der Friedensvertrag hatte ungefähr folgenden Wortlaut: Als e r s t e Bestimmung wurde schriftlich festgelegt, daß durch den Tzon-Paß und die Kaspischen Tore weder Perser noch Hunnen, Alanen oder sonstige Barbaren römisches Hoheitsgebiet betreten dürfen. Die Römer sollten weder dort noch in anderen Grenzgebieten gegen die Perser aufmarschieren. Z w e i t e n s : Auch die sarazenischen Verbündeten beider Reihe sollten sich an die Abmachungen halten und weder die Satelliten der Perser gegen die Römer, noch die der Römer gegen die Perser Krieg führen. Nach der d r i t t e n Bestimmung sollten die Kaufleute der Römer und Perser, gleich welcher Warengattungen, sowohl diese selbst wie ihre Fracht- und Karawanenführer, wie seit alters üblich nur über die festgelegten Grenzübergangsstellen ihre Geschäfte abwickeln. V i e r t e n s sollten die Gesandten und die Kuriere der reitenden Staatspost bei der Ankunft auf römischem bzw. persischem Gebiet alle nach Rang und Gebühr geehrt werden und mit dem Nötigen versorgt sowie ohne Aufenthalt durchgelassen werden. Mitgeführte Handelsware sollten sie ungehindert und zollfrei verkaufen dürfen. F ü n f t e n s wurde festgelegt, daß den sarazenischen und sonstigen barbarischen Händlern keine ungewöhnlichen Reiserouten zu gestatten sind. Sie haben die Route über Nisibis und Daras zu benutzen und nicht ohne behördlichen Befehl davon abzuweichen. Wenn sie gegen die Vorschriften verstoßen, Schmuggel treiben und von den Grenzschutzoffizieren gestellt werden, sind sie mit allem Gepäck ohne Rücksicht auf persische oder römische Herkunft der Waren in Untersuchungshaft einzuliefern. S e c h s t e n s wurde verfügt, daß Überläufern aus der Kriegszeit von den Persern zu den Römern und umgekehrt, sofern sie den Wunsch nach Heimkehr äußerten, keine Schwierigkeiten bereitet werden. Die beiderseitigen Überläufer und Flüchtlinge während des Friedenszustandes sollten auf jeden Fall und auch gegen ihren Willen an das Heimatland ausgeliefert werden. Der s i e b e n t e Teil des Vertrags besagt, daß jeder Streit über den von einem Staatsangehörigen des Vertragspartners erlittenen Schaden im Rechtsverfahren beizulegen ist — entweder durch einen Privatprozeß des Geschädigten oder durch spezielle Schlichter, die bei den Grenzobrigkeiten beider Reiche zusammentreten. A c h t e n s würden die Perser wegen der Befestigung von Daras nicht mehr bei den Römern vorstellig werden. Doch kam man überein, daß die beiden Reiche in Zukunft keine Grenzorte mehr befestigen und durch Schanzwerke sichern sollten, um Anlässe zu Zwischenfällen und daraus entspringenden Vertragsbruch zu vermeiden. N e u n t e n s : Weder Angriffshandlungen noch Kriege gegen ein botmäßiges Volk oder sonst ein Gebiet sollen die beiden Reiche unternehmen, sondern vielmehr ohne Rechtsbruch oder sonstige Verletzungen beim status quo verharren, damit auch die Halbsouveränen des Friedens teilhaftig werden. Z e h n t e n s sei in Daras keine größere Truppenmacht zu stationieren, mit Ausnahme der zum Schutz der Stadt ausreichenden Garnison. Der magister militum Orientis darf Daras nicht als dienstlichen Standort benutzen. Damit sollen Überfälle und Schädigung der Perser von Daras aus verhindert werden. Sollte dergleichen doch vorkommen, so hat der Kommandant von Daras die Sache in Ordnung zu bringen. Die e l f t e Bestimmung des Vertrages besagt: Wenn eine Gemeinde eine andere Gemeinde schädigt oder sonstwie ihr Eigentum verletzt, und zwar nicht in offenem Krieg oder durch reguläre Truppen, sondern durch Hinterlist und Räuberei (es gibt nämlich Rechtsbrecher, die dergleichen unternehmen, um einen Kriegsgrund zu schaffen), für diesen Fall wird ausdrücklich angeordnet, daß die Richter im Grenzgebiet beider Reiche solche Fälle [als internationales Schiedsgericht] genau untersuchen und erledigen müssen. Sollten sie die Grenzzwischenfälle nicht selbst niederschlagen können, ist der Streitfall vertragsgemäß an den magister militum Orientis weiterzuleiten. Sollte der Rechtsstreit nicht innerhalb von 6 Monaten beigelegt sein, und der Geschädigte nicht erhalten, was er verloren hat, so unterliegt der Rechtsbrecher von da an einer Entschädigungspflicht an den Betroffenen in doppelter Höhe. Ist der Fall damit noch nicht erledigt, so hat die klagende Partei eine Gesandtschaft an den Herrscher des Beklagten zu

528

Anmerkungen: Folitik und Kriegführung im Osten

senden. Wird er daraufhin von dem betreffenden Herrscher nicht zufriedengestellt, erhält er also nicht bestimmungsgemäß innerhalb Jahresfrist das Doppelte des verwirkten Betrages, so tritt Absatz Ii des Friedensvertrags außer Kraft. Als z w ö l f t e r Teil des Vertrages können die Anrufungen Gottes und Verfluchungen gelten, Gott möge dem Friedliebenden huldreich und verbündet sein, dem Betrüger und Friedensbrecher dagegen ein Widersacher und Feind. Der d r e i z e h n t e Abschnitt des Abkommens setzt die Dauer des Vertrags und damit des Friedens auf 50 Jahre fest. Das Jahr wird in alter Weise zu 365 Tagen gerechnet. Femer sollen, wie erwähnt, von jedem der beiden Kaiser Schreiben vorgelegt werden, durch die die Herrscher die Abmachungen der Gesandten gutheißen. Nach Abschluß der Vertrags wurden die sogenannten Sacrae ausgetauscht. Außerhalb dieser rechtsverbindlichen Bestimmungen wurde noch ein Sonderabkommen über die Christen in Persien getroffen. Sie dürfen Kirchen bauen, ungehindert Gottesdienst abhalten, können die christlichen Lob- und Dankeshymnen absingen. Vor allem dürfen Christen weder zum Übertritt zum Mazdaismus noch zur Verehrung der persischen Nationalgötter gezwungen werden. Andererseits haben die Christen auf jeden Fall Bekehrungsversuche an Mazdaisten zu unterlassen. Die Christen haben das Recht, ihre Toten so wie hierzulande üblich in Gräbern zu bestatten. Soweit waren also unter Beachtung aller Verfahrensvorschriften die Arbeiten gediehen. Darauf empfingen die damit Beauftragten die beiden Exemplare des Vertrages, verglichen sie miteinander auf gleichen Sinn und Wortlaut und fertigten weitere Abschriften an. Die Hauptexemplare wurden zusammengerollt und durch Wachssiegel und andere Vorkehrungen nach persischer Sitte gesichert. Die Gesandten drückten ihre Siegelringe darauf ab, ebenso sechs römische und die entsprechende Zahl persischer Dolmetscher, insgesamt also zwölf. So tauschte man die Friedensverträge untereinander aus. Der persisch abgefaßte wurde Petros von Zieh, der griechische dem Zieh von Petros ausgehändigt. Ferner erhielt der Zieh die Übersetzung des griechischen Textes ins Persische ungesiegelt als Gedächtnisprotokoll. Ebenso im Austausch Petros. Daraufhin trennte man sich und verließ das Grenzgebiet. Der Zieh reiste in die Heimat zurück. Petros blieb dagegen dort, um das Weihnachtsfest zu feiern, das inzwischen herangenaht war. Dann vollzog er noch die Zeremonien anläßlich des Festes der Epiphanie und trat danach die Reise zu den Persern an. So wurde der Vertrag zum Abschluß gebracht. Schon vor der Abreise der Gesandten waren einige persische Sonderbeauftragte mit einigen Dolmetschern und den Wiegemeistern nach Daras gekommen. Man zahlte dem Personal des Zieh die für 7 Jahre geschuldeten Gelder aus, so wie der Vertrag es vorsah. Als Petros in B i t h a r m a i s zu dem Großkönig der Perser kam, um mit ihm über S u a n i a zu verhandeln, suchte er den Palast auf und sprach folgendermaßen: Mein Basileus! Wir kommen zu dir zwar mit dem glücklichen Erfolg, daß der Friede schon in Kraft ist, hoffen aber nicht enttäuscht zu werden, wenn wir bei dir um nachträgliche Gerechtigkeit nachsuchen. Denn wer der Gegenwart gerecht wird und sozusagen das Zweckmäßige tut, um wieviel mehr sollte er nicht für die Zukunft sorgen, die ja so viel länger dauert als die Gegenwart ? Es wäre eines so großen Königs würdig, daß er wohl mehr haben k a n n , aber nicht unbedingt mehr haben w i l l . Denn eine so ungeheure Macht muß durch maßvolle Zurückhaltung gebändigt werden. Da nun der Feuerbrand dieses Krieges gelöscht ist und wir erleichtert aufatmen, ist ein einziger Funke Übriggeblieben. Ich möchte Suania als diesen Funken des Unheils ansprechen, denn hier droht uns in Zukunft das größte Feuer der Zwietracht auszubrechen. Verhindere das Furchtbare und rotte den Keim des Unheils rechtzeitig aus. Wir verlassen uns in dieser schwierigen Frage auf deine Entscheidung. Es gibt nur einen Weg zur restlosen Beilegung des Krieges und das ist die Übertragung der Suania an uns, wenn wir schon die Herren von Lazika sind. Wer über das herrschende Land gebietet, wie sollte er das von ihm beherrschte nicht erhalten? Weder die Lazen noch die Suaner selbst würden bestreiten, daß Suania den Lazen seit alters unterworfen war, und daß der künftige Herrscher von Suania stets vom Lazenkönig die Macht in Empfang nahm. Nach diesen Worten zeigte Petros dem Chosroes die Liste der ehemaligen Könige der Lazen und die der jeweils lehnsabhängigen Herrscher der Suanen. Darauf sagte er wiederum: Mein Großkönig! Da die Gerechtigkeit uns auch Suania zuspricht, wird dir da eine Initiative nicht doppelten Gewinn bringen, einmal den Ruf der Rechtlichkeit und zum andern den Ruhm, daß du jedem das seine schenkst? Denn auch unser Kaiser würde sich nicht ungerecht behandelt fühlen, wenn er von euch sein Eigentum als Geschenk erhielte, denn er glaubt ja, auch Lazika nicht auf andere Weise zu besitzen. Als wir nun darauf bestanden und überzeugend nachwiesen, daß Lazika ein uralter Besitz der Römer ist, hieltest du entgegen, daß Lazika durch Kriegsrecht dein Eigentum wurde, zogst aber gleichwohl vor, da du das Recht nicht verletzen willst, einen maßvollen Sinn zu bewahren, statt eine starke Hand zu zeigen. Deshalb hast du dir freiwillig Zwang auferlegt und in edler Großherzigkeit gegen dich selbst ein Urteil gefällt, du hast geruht, durch Nachgeben vor der Moral einen Sieg zu erringen. So tratest du uns Lazika ohne Umstände wie dein persönliches Eigentum ab und übertrugst uns die Macht darüber. Nicht anders bitten wir auch im Falle von Suania als Geschenk zu erhalten, was uns eigentlich gehört. Wir werden es euch danken, daß

Menanderfragment zu 561—-562

529

wir nicht um unser Eigentum gekommen sind. Ihr aber dürft der Vorsehung danken, daß eure Macht so weit reicht, daß ihr sogar verschenken könnt, was euch nicht gehört. Chosroes antwortete: Die Macht der Weisheit verachtet eine Seele, die sie bar jeder vernünftigen Überlegung und Überzeugungskraft antrifft und bekämpft deren armselige Schwäche, ähnlich wie eine Arznei auf einer Wunde das Kranke zwar aufzehrt, dem Patienten aber die Gesundheit wiedergibt. Jeder, der zwar nicht die absolute Gerechtigkeit, wohl aber den Liebreiz der Rede auf seiner Seite hat, wird nichtsdestoweniger den Sieg davontragen. Aus solchen Gründen siegt ja Weisheit über Waffenstärke, denn gewaltige Kriegsanstrengungen können nichts ausrichten, ohne sich selbst zu verpuffen, der immaterielle Charakter der Weisheit dagegen konserviert nicht nur sie selbst, sondern überdies noch ihren Träger. Gesandter der Römer! Du bist natürlich in dieser Wissenschaft ausgebildet und weißt, wie man durch Redekunst den Sieg erringt. Ich möchte deshalb von niemand einen Vorwurf hören, daß meine Worte nicht überzeugen. Ich möchte nur so wie ich es kann, gewiß nicht mit glanzvoller Rede, doch zumindest mit innerer Überzeugung zeigen, was recht ist. Nehmen wir also an, du hättest im Falle Suania recht und es verhielte sich wirklich so. Lazika haben wir unterworfen, mit den Suanen dagegen hatten wir nur durch Hörensagen zu tun. Mermeroes hat uns unterrichtet, daß das Land unbedeutend und kein Streitobjekt ist, daß es den Aufwand eines königlichen Feldzuges nicht verdient. Nach seinem Bericht gehört es zu den Kaukasusvölkern, hat einen kleinen König und ist ein Durchzugsgebiet der Skythen. Mermeroes starb und darauf folgte Nachoergan im Oberbefehl nach. Auch er hat uns in keinem anderen Sinne über diese Dinge schriftlichen Bericht erstattet. Nach ihm bewohnen die Suanen die Hochregion des Kaukasus und sind Diebe, Räuber und ausgesprochene Taugenichtse. Ich wollte ein Heer gegen sie aussenden, darauf bekamen sie einen Schreck und sind aus Suanen plötzlich zu Persern geworden. Das zeigt zur Genüge, daß das Land mir rechtmäßig gehört. Und ich leugne auch gar nicht, daß ich es besetzt halte. Die Suanen lassen sich von unseren Beamten regieren und zeigen dadurch, daß sie uns gern dienen. Nun teilte uns der Zieh in seinem Schreiben mit, daß die Römer die Auslieferung von Suania verlangen. Ich sah in eurem Ansinnen einen so schreienden Gegensatz zur Gerechtigkeit, daß ich bei der unglaublichen Nachricht meinen Ohren nicht getraut habe. Aber ich werde von meiner Macht keinen Gebrauch machen, wenn auch noch so viel für mich spricht, um ja nicht dieselbe Gesinnung zu zeigen wie euer Kaiser. Das waren also die Weisheiten, die der Perserkönig zum besten gab und damit wurden die Besprechungen über Suania für eine Weile unterbrochen. Dann sprachen beide wieder sozusagen beiläufig über den Sarazenen A m b r o s , den Sohn des Alamundaros. Der Großkönig hub an : Unser Sarazene Ambros macht dem Zieh gewaltige Vorwürfe und beschwert sich über ihn, daß wir nicht an ihn gedacht haben, als wir mit euch Vertrag schlossen. Petros gab zurück : Niemals haben eure Sarazenen eine festgesetzte Goldsumme von den Römern erhalten, weder zwangweise, noch durch irgendeinen Vertrag, sondern der Vater des Ambros, Alamundaros, sandte dem römischer Kaiser Geschenke und dieser erwies ihm nach dem Empfang ein Gegengeschenk. So verfuhr man aber nicht etwa jährlich, sondern manchmal nur alle 5 Jahre. Alamundaros und wir selbst haben diesen Brauch lange Zeit beibehalten und streng beobachtet. Die Vorsehung weiß zur Genüge, daß Alamundaros sich wahrhaftig nicht aus loyaler Gesinnung gegen die Perser so verhielt. Denn für den Fall eines Angriffskrieges der Römer gegen die Perser hatte man vereinbart, daß Alamundaros den Römern gegenüber strikte Neutralität beobachten würde. Dieser Zustand währte geraume Zeit. Jetzt aber, Großkönig, hat dein Bruder, mein kaiserlicher Herr, einen meines Erachtens überaus klugen Gedanken gefaßt. E r hat geäußert: Wenn der Friede zwischen den beiden Reichen gesichert ist, was bringt es mir dann ein, wenn ich mich an die Satelliten der Perser heranmache mit dem Ansinnen, sie sollten die Sache ihrer Herren verraten. Wozu soll ich ihnen eigentlich Geschenke machen oder von ihnen annehmen? Der Großkönig warf darauf ein: Wenn vor dem Frieden von beiden Seiten Gesandtschaften gewechselt worden sind und ihr einander mit gegenseitigen Freundschaftsgeschenken geehrt habt, so müssen meiner Ansicht nach die früheren Abmachungen in Kraft bleiben. Mit solchen völkerrechtlichen Überlegungen gingen sie dem Fall Ambros auf den Grund. Anschließend disputierten sie wieder über S u a n i a . Der Großkönig sagte: Zu der Zeit, als ich Skandeis, Sarapa und Lazika erwarb, befand sich nach eurem eigenen Geständnis Suania in eurem Besitz. Beweis genug, daß die Suanen nicht unter der Herrschaft der Lazen standen. Wäre dies der Fall gewesen, so wären sie zusammen mit ihren Herren in unseren Besitz übergegangen. Petros gab zurück : Das ist deshalb nicht geschehen, weil die Suanen uns nicht wie ihre lazischen Herren verraten haben. Ich muß es ausdrücklich hervorheben, daß der Knecht unseres Knechtes nicht die Treue gebrochen hat. Heute, warf der Großkönig ein, sind 10 Jahre verflossen, seit wir Suania besetzt haben. Wir haben oft Gesandte empfangen und solche zu den Römern geschickt. Warum habt ihr in dieser ganzen Zeit kein einziges Wort über Suania fallen lassen ? Weil du damals, antwortete Petros, Herr von Lazika warst. Hätte ich damals verlangt, du solltest mir Suania abtreten, hättest du die Gegenfrage gestellt: Weshalb? Und hätte ich geantwortet: Weil sie Lazika Untertan Rubin, Iustinian

XXXIV

530

Anmerkungen: Politik und Kriegführung im Osten

ist, so hättest du zurückgefragt: Und was bin ich nach deiner Ansicht in Lazika? Darauf wäre uns keine Erwiderung mehr möglich gewesen. Du behauptest also, sagte der Großkönig, daß Suania den Lazen Untertan war. Wenn du das schwarz auf weiß beweisen kannst, wird dir das Recht nicht vorenthalten werden. Darauf Petros: Ich werde nicht zögern und dich die Wahrheit lehren. Ein alter Brauch, mein Gebieter, herrschte damals bei den Lazen. Der Herrscher von Suania war dem Lazen lehnspflichtig und bei ihm zur Tributzahlung eingetragen. Der Laze bekam von ihm Bienenhonig, Tierfelle und verschiedenes andere. Starb der Suanenhäuptling, so bestimmte der Lazenherrscher den Nachfolger des Verstorbenen. Mittlerweile unterrichtete man den römischen Kaiser brieflich über die Vorgänge. Der Kaiser erteilte durch eine Urkunde dem Lazen Befehl, die suanischen Herrschaftsinsignien zu senden an wen er wolle, auf jeden Fall aber an einen Mann von suanischer Herkunft. Dieses Verfahren war verbindlich seit den Zeiten unseres Kaisers Theodosios bis Zur Zeit eures Großvaters Perozes und unseres Kaisers Leon. Darauf zog Petros aus seiner Chlamys ein Büchlein heraus, in dem der Reihe nach und übersichtlich die Könige der Lazen aufgezählt waren, die Suanenherrscher ins Amt eingesetzt hatten. Der Sinn, wenn auch nicht der Wortlaut, des Schriftstückes war folgender: Dies waren die Könige der Lazen, die über die Suanen Kleinkönige setzten, seit der Zeit, da Theodosios die Römerherrschaft innehatte und Waranes die der Perser bis zum Selbstherrscher Leon und Perozes. Als die Liste durchgegangen war, sagte Petros: Bis zu diesen Herrschern zurück wissen wir schwarz auf weiß Bescheid über die Könige der Lazen und über diejenigen, die unter lazischer Lehnshoheit Herren der Suanen wurden. Der Großkönig: Wenn wir dir zugestehen, daß das Schreiben, das du vorgelegt hast und das die Sache deines Staates begünstigt, glaubwürdig ist, wäre dann nicht recht und billig, daß auch unseren Urkunden geglaubt wird ? Petros : Ich denke wohl. Darauf der Großkönig: Du gibst ganz richtig zu, daß diese Könige auf recht verschiedene Weise zur Macht gekommen sind. Da wir uns aber über einen strittigen Knecht unterhalten: Wenn du ganz überzeugend beweisen kannst, daß er deiner ist, dann sollst du ihn bekommen. Wenn du das nicht glaubwürdig machen kannst, und der Suane doch unter der Herrschaft der Römer stehen will, so werde ich das nicht verhindern. Darüber hinaus werde ich aber nichts unternehmen. Petros warf ein: Wirst du, mein Gebieter, etwa den Suanen fragen, unter wessen Herrschaft er leben will? E r wird die Freiheit wählen, wenn es ihm eine solche Lage gestattet. Höre, sagte der Großkönig, ich trage mich nicht mit dem Gedanken, die Suanen irgend etwas über das suanische Land zu fragen, denn es ist weder heilig noch sonst gerecht, wenn man über das Land selbst das verfängliche Urteil eines Knechtes walten läßt. Solche Reden brachten beide vor . . . [Schluß von Fragment Ii Müller-Dindorf = Const. Porph. Exc. leg. Rom. ed. de Boor 171,15—188,10. Es folgt die genau anschließende Fortsetzung: Fragment 12 Müller-Dindorf = Const. Porph. Exc. de sententiis ed. Boissevain 19,15—20,17] · · · u n £ l weiter wurde über Suania nichts mehr verhandelt. Ich (Menandros) habe die Worte nicht verändert, noch habe ich die einfache Redeweise, soweit es in meinen Kräften stände, in reineres Attisch übertragen. Nach meiner Meinung wäre es nicht angebracht, wenn ich das mir vorliegende Original Wort für Wort in einen anderen Stil übertragen würde, um durch elegante Worte nicht das, was tatsächlich gesprochen wurde, sondern die Macht der Rhetorik aufzuzeigen. Zumal, wenn ich über den Vertrag zwischen zwei so großen Königen und ihren Reichen Bericht erstatte. Wünscht aber jemand den genauen Wortlaut der damaligen Verhandlungen des persischen Großkönigs mit Petros zu erfahren, so muß er ihn dem Original des Petros entnehmen. Denn er hat genau zu Papier gebracht, was Chosroes und die Gesandten der Römer und Perser in Rede und Gegenrede vorbrachten, und zwar mit den eigenen Worten der Sprechenden, ob nun die beiden Parteien Schmeicheleien gebrauchten, stolz sich aufblähten, Bescheidenheit heuchelten oder auch Spott und Verachtung zeigten. Dort braucht man nur nachzulesen, was vor sich ging, und in welcher Weise die Männer der beiden Reiche, die über eine solche Sache verhandelten, gesprochen haben. Damit ist ein umfangreicher Band gefüllt. Ich glaube, daß er sich wörtlich an die Wahrheit hält, soweit nicht Petros seines Ruhmes halber aufgeschnitten hat, um der Nachwelt Zu zeigen, wie gewaltig und unbezwinglich er war, wenn es galt, den spröden und stolzen Sinn der Barbaren durch die Rhetorik empfänglich zu machen. All das kann jedermann in dem Spezialwerk nachlesen und finden. Mir jedenfalls schien es weder notwendig noch sonst am Platze, in der Geschichtserzählung breit zu werden und liebevoll bei einem Punkte zu verweilen. Denn wenn ich alles niedergeschrieben hätte, was in jenem Wälzer steht, würde mir die Erzählung von dem Vertrag als Stoff zu dem größten Geschichtswerk reichen. Ich habe deshalb daraus geschöpft und das Notwendige in Kürze erzählt. [Endlich das kurze Fragment 13 Müller-Dindorf = Const. Porph. Exc. leg. Rom. ed. de Boor 188,11]: Die Verhandlungen über Suania rückten nicht von der Stelle. Petros kehrte vielmehr unverrichteter Dinge von der Medergrenze zurück. Trotzdem Schloß er mit den Persern Frieden und beide Reiche stellten die Kampfhandlungen ein. Die Meder räumten das Kolcherland. Als Petros in Byzanz ankam, schied er bald darauf aus dem Leben.

Die Abbildungen Tafel

1

Hagia Sophia nach der Lithographie von Gasparo F o s s a t i . Blick nach Osten. (Deutsches Archäologisches Institut, Istanbul.) Tafel

2

a) Konsulardiptydion des Anastasius von 517 (auf der sella curulis dargestellt). Der Konsul ist ein jüngerer Verwandter, wohl Großneffe des Kaisers Anastasios. Inschrift: FL(avius) ANASTASIUS PAUL(us) PRO(b)US SAVINIANUS POMP(eius) ANAST(asius). Auf den Bildnisschilden unter der tabula ansata mit der Inschrift in der Mitte Kaiser Anastasios, in Togakostüm, zu seiner Linken die schon 515 verstorbene Kaiserin Ariadne, zu seiner Rediten ein Konsul, jedenfalls der Vater des Konsuls Anastasius, Pompeius. Im unteren Abschnitt Hippodromszene mit geöffneten Zwingertüren, Bärenspiel und Stockspringer. Vgl. R . D e l b r ü c k , Die Consulardiptychen und verwandte Denkmäler (Berlin 1921), Tafelband 20 V, Textband S. 127/31. (Antiquarium der Staatlidien Museen zu Berlin. Frühchristl.-Byz. Sammlung. 2720 b.) b) Konsulardiptydion Iustinians von 521 (ohne Porträt). Inschrift in der tabula ansata: Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus Vir Illustris. Im Medaillon: Muñera parva quidem pretio sed honoribus alma. Vgl. D e l b r ü c k a. O. Tafelband 27, Textband S. 142 f. Paris Cabinet des médaillés. (Staatliche Museen zu Berlin. Frühchristl.-Byz. Sammlung F 13.) Tafel

3

Rekonstruktion des mittelalterlichen Kaiserpalasts, der Hippodromanlagen und des Augustaionplatzes mit der Hagia Sophia. Die Rekonstruktion und ein hier nicht wiedergegebener Grundrißplan sind gezeichnet von C. V o g t und dem Werk von A. V o g t entnommen: Constantin VII Porphyrogénète, Le Livre des Cérémonies. Commentaire. T. I. Zu Plan und Rekonstruktion vergleiche man hier S. 177/184. Es handelt sich hier um einen zum Teil hypothetischen Wiederherstellungsversuch der Verhältnisse des zehnten Jahrhunderts. Obwohl zahlreiche darauf verzeichnete Bauwerke im Zeitalter Iustinians noch nicht existierten, veranschaulicht dieser Versuch die Lage der bei der Wahl und Krönung Kaiser Iustins in Betracht kommenden Baugruppen besser als andere Darstellungen: 1. Hagia Sophia (für 518 ist natürlich die konstantinische Basilika einzusetzen), 2. Augustaionplatz, 3. Chalke, Eingang zum Kasernentrakt des Kaiserpalastes, 4. Hippodrom, 5. Kathisma, die Kaisertribüne des Hippodroms, deren genaue Lage zwar nicht archäologisch erhärtet, aber durch erhaltene Beschreibungen wahrscheinlich gemacht ist. Von anderen wird sie an der Ostseite des Hippodroms angesetzt. Vorn die Seemauer zum Marmarameer. Vgl. R. J a η i η , Constantinople byzantine. Développement urbain et répertoire topographique. Paris 1950 (mit Lit.): S. 65 ff. Augustaion, S. 112 ff. Chalke, Daphne, S. 182 Kathisma. Tafel

4

a) Goldenes Tor der Stadtmauer von Konstantinopel (Feldseite). Rekonstruktion nach F. K r i s c h e n , Die Landmauer von Konstantinopel. (Berlin 1938.) Denkmäler antiker Architektur 6, Tafel 1. XXXIV·

532

Die Abbildungen

b) Tiefengliederung der Theodosianischen Mauer. Blick von Silvri-Kapu nach BelgradKapu. (K r i s c h e η a. Ο . Tafel 1.)

Tafel

í

Münzporträts a) Theoderich der Große. Bei Senigallia gefundene Festmünze. Museo Nazionale di R o m a . Umschrift: T H E O D E R I C U S P I U S P R I N C ( e p s ) I(nvictus) S(emper). (Deutsches Archäologisches Institut R o m . N r . 41.216.) b) Kaiser Anastasios. Durchmesser 20 mm. (Wiener Münzkabinett.) c) Die Kaiser Iustinus und Iustinianus als Doppelregenten (527). Durchmesser 21 mm. (British Museum.) d) Kaiser Iustinus. Durchmesser 20 mm. (Wiener Münzkabinett.) e) Chusrö I. Münzporträt. (Sammlung D r . Göbel. Wien.) f) Chusrö

I. Münzporträt.

(Kunsthistorisches

Museum. Wien.

Ägyptisch-Orientalische

(Kunsthistorisches

Museum.

Ägyptisch-Orientalische

Sammlung. Inv. M 7231.) g) Rückseite von e. h) Rückseite von f. e—h)

Münzen

Chusrö's I.

Wien.

Sammlung N r . I I 12 308.)

Tafel

6

Münzbilder Kaiser Iustinians a) Profilbild nach rechts. Durchmesser 30 mm. (British Museum.) b) Profilbild nach rechts. Durchmesser 13 mm. (British Museum.) c) Profilbild nach rechts. Durchmesser 18 mm. (Wiener Münzkabinett.) d) Frontalbild mit Polos und Kreuz. Durchmesser 33 mm. (Wiener Münzkabinett.) e) dto. Durchmesser 20 mm. (British Museum.) f) dto. Durchmesser 21 mm. (Wiener Münzkabinett.) g) dto. Durchmesser 41 mm. (British Museum.) h) Chusrö

I.

Münzporträt.

(Kunsthistorisches

Museum.

Wien.

Ägyptisch-Orientalische

(Kunsthistorisches

Museum.

Wien.

Ägyptisch-Orientalische

Sammlung. Inv. M 6578.) i) dto. Inv. 6573. j) Rückseite von h. k) Rückseite von i. h—k)

Münzen

Chusrö's I.

Sammlung N r . I I 12 308.)

Tafel

7

Iustinianmosaik von San Vitale, Ravenna. Vgl. Anm. 120. (Alinari.)

Tafel

8

Goldmedaille

Iustinians.

Vgl. Anm. 120.

(Deutsches

Archäologisches

N r . 6191.)

Tafel

9

Theodoramosaik von San Vitale. Ravenna. Vgl. Am. 120. (Alinari.)

Institut.

Rom.

Die Abbildungen Tafel

533

10

Marmorkopf der Kaiserin Theodora. Mailand. Zuweisung an Theodora ist von R. D e l b r ü c k in hohem Grade wahrscheinlich gemacht.

Tafel

11

Persische Großkönige a) Silberschale mit Säpür I I . (309—379) auf der Löwenjagd. Leningrad, Ermitaz. (Nach E r d m a n n , Die Kunst Irans. Berlin 1943. Tafel 61.) b) Münzbild: Großkönig Peröz. (Sammlung Dr. Göbel. Wien.) c) Münzbild: Großkönig K a w â ô N r . 6534.)

(Münzkabinett Wien. Orientalische Abteilung.

Inv.

d) Münzbild: Großkönig Chusrö. (Münzkabinett Wien. Orientalische Abteilung. N r . 6566.)

Inv.

Tafel

12

a) Ktesiphon. Palastfassade vor 1888. (Nach: J. D i e u l a f o y , La Perse, la Chaldée et la Susiane. Paris 1887.) b) P a l m y r a . Tempel des Bei (Herbst 1932). Ρ o i d e b a r d Pl. L X V I I . Tafel

13

a) Thannouris (Tell Touneynir). P o i d e b a r d . La trace de Rome dans le désert de la Syrie. Paris 1934. ([o. Anm. 818] Pl. C X V I . Textband S. 140 ff.) Auf dem rechten E u p h r a t ufer liegt der T u r m aus hartem Material, den P r o k o p Aed II 6, 16 erwähnt. b) Gebel Seys. P o i d e b a r d Pl. LIV. Textband S. 63 f. Es handelt sich hier um das besonders charakteristische Beispiel eines römischen Stützpunktes in der Wüste, der die natürlichen Gegebenheiten ausnutzt. Der auch im Sommer über ausreichende Wassermengen verfügende V u l k a n k r a t e r liegt an der Verbindung D a m a s k u s — D u r a Europos (südlich der Strata Diocletiana). c) Resâfa — Sergiopolis von Nordwesten. Links oben die Strata Diocletiana nach P a l m y r a . ( P o i d e b a r d Pl. L X X V . ) d) D u r a Europos (Sâlhiyé). (Ρ o i d e b a r d Pl. L X X X V I I I . ) Tafel

14

a) Strata Diocletiana südwestlich von Basîri. Längs des Wâdi bemerkt man vom Boden unsichtbare Spuren der Römerstraße. ( P o i d e b a r d Pl. X X I X . ) b) Zenobia (Halebiyé). Rechtes E u p h r a t u f e r . ( P o i d e b a r d Pl. L X X X I I . ) c) Sura. Front zum ehemals parthischen E u p h r a t u f e r . ( P o i d e b a r d Pl. L X X I X . ) d) Sura. Castellum und befestigte Stadt. ( P o i d e b a r d Pl. L X X X . ) Tafel

Ii

Antiodieia am Orontes und seine Mauern. a) Mauern den Berg erklimmend. (Rey.) b) Bergmauern. (Cassas.)

534

Die Abbildungen c) Orontes, Stadt und Berg mit Mauern. (Cassas.)

(Die Bilder sind entnommen: C a s s a s , Voyage pittoresque de la Syrie (1799) und R e y , Architecture militaire des croisés.) Tafel

16

Reste des Dammes von Ma'rib (Mârib). (Nach: R. Le Baron B o w e n - F . P. A l b r i g h t , Archaeological discoveries in South Arabia. Baltimore 1958. Tafeln 83, 84.) Für die Gewährung von Bildvorlagen unid Münzabgüssen habe idi zu danken: H e r r n Prof. Dr. K. Wessel (München), dem Deutschen Archäologischen Institut Istanbul, den Staatlichen Museen in Berlin (Kaiser-Friedrich-Museum), The British Museum, Coin Department (London), den Herren Leitern der Münzenabteilung des Kunsthistorischen Museums Wien (Dr. E. Holzmair, Dr. E. Komorzynski) sowie H e r r n Dr. R. Göbel (Wien).

Die Karten (Ausführung: Kartograph A. Freyberger) Karte

1

Schlacht bei Dara (530). Nadi Skizze von B. Rubin gezeichnet von cand. phil. Jagemann, A. Freyberger. Karte

2

Plan von Dara nach E. Sachau, Reise in Syrien und Mesopotamien. Berlin 1883 S. 398. Karte

3

Der Euphrat mit den Inselbildungen zwischen Sura und Ragga — Kallinikos. Rusâfa — Sergiopolis. Deutsche Militärkarte (1914/18). Karte von Mesopotamien 2 c Der es Sor 1 :400 000. Karte

4

Plan von Antiocheia nach Rey, Études sur les monuments de l'architecture militaire des croisés, 1861, pl. X V I I . Vgl. Diet, d'arch. dirét. et de lit. 1 (1907) 2363. Karte

J

Plan von Antiocheia nach Förster, Jahrbuch dtsch. ardi. Inst. 12 (1897) Pl. VI. Vgl. Diet, d'arch. chrét. et de lit. 1 (1907) 2363. Karte

6

Plan von Edessa. Vorlage: Jagemann. Karte

7

Übersichtskarte der Ostgebiete des Byzantinischen Staates im Zeitalter Iustinians. Karte

8

Karte des kaukasischen Kriegsschauplatzes, zusammengestellt auf Grund der Angaben von Dubois de Montpéreux, V. Chapot u. a. (vgl. Anm. 1061, 1077, 1112). Man vergleiche audi Β r o s s e t , Histoire de la Géorgie. Additions. SPb 1855. Karte 9 Kriegsschauplatz Armenien. Vorlagen: Karte I bei Honigmann, Ostgrenze und deren Umzeichnung bei P. Goubert, Byzance avant l'Islam I Paris 1951. Karte

10

Syrischer Kriegsschauplatz. Vorlagen: Großkarten bei Poidebard, La trace de Rome . . . und Mouterde-Poidebard. Le limes de Chaléis (vgl. Anm. 818). Karte

11

Arabien im 6. Jahrhundert. Als Vorlage diente die Karte bei Smith, Events . . . , die nach C. Conti Rossini (Storia d'Etiopia) und anderen Unterlagen ergänzt wurde. Lokalisierung der arabischen Satellitenstämme nur mit Vorbehalt möglich.

Vorläufiges Verzeichnis der Abkürzungen und häufiger zitierter Werke Zu den orientalischen Transkriptionen ist vorauszuschicken, daß die streng wissenschaftliche Transkription semitischer Zitate nur im Anmerkungsteil durchgeführt werden konnte. Im Textteil mußte aus technischen Gründen eine vereinfachte Umschrift gewählt werden. Die im Anmerkungsteil benutzten Abkürzungen der Quellen sind dem Fachmann bekannt. Sie werden hier nur in Ausnahmefällen erläutert, zumal wenn es sich um sonst unverständliche Sigel handelt wie Ρ = Prokopios von Kaisareia. Man vergleiche einstweilen M o r a v c s i k , Byzantinoturcica I und die Werke S t e i n II und B u r y L R E II mit ihren Quellen- und Literaturverzeichnissen. Ein Gesamtverzeichnis der benutzten Quellen wird am Schluß von Band IV folgen. Die Zitierweise folgt im Gegensatz zu M o r a v c s i k zumeist dem lateinischen Sprachgebrauch, da für das 6. Jahrhundert zahlreiche lateinische Quellen zu berücksichtigen sind. Die Abkürzungen der Literatur sind im Anmerkungsteil nicht rigoros durchgeführt, um dem Leser soviel wie möglich das Nachschlagen zu ersparen. Das anschließende Verzeichnis gibt nicht nur die Abkürzungen, sondern darüber hinaus einen Überblick über die häufiger zitierten Arbeiten.

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Verzeichnis der Abkürzungen

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