Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens in der Zeit der Ptolemaeer und des Prinzipats vol. 1: Bedingungen und Triebkräfte der Rechtsentwicklung [1] 3406481647, 9783406481642

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Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens in der Zeit der Ptolemaeer und des Prinzipats vol. 1: Bedingungen und Triebkräfte der Rechtsentwicklung [1]
 3406481647, 9783406481642

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GRI I IN D

I

DER PTOLEMAEER

UND DES PRINZIPATS ERSTER

BAND

BEDINGUNGEN UND TRIEBKRÄFTE DER RECHTSENTWICKLUNG

VON HANS JULIUS WOLFF

HERAUSGEGEBEN VON HANS-ALBERT RUPPR.ECHT

VERLAG C.H.BECK

MÜNCHEN

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

.........

IX

.

X

Allgemeine Abkürzungen

EINLEITUNG

§ 1. Programmatische Vorbemerkungen

1.

l

Gegenstand der Darstellung

II. Rechtfertigung

l

des Arbeitsplans

2

1. Zum Begriff „Juristische Papyrologie"

2

2. Beschränkung auf die hellenistische Komponente

3

3. Beschränkung auf Ägypten

4. Ausschluß der byzantinischen Epoche

4 6

5. Beschränkung aufJustiz-, Privat- und Strafrecht

7

. . . . . . . . . . .

§ 2. Übersicht über die Juristische Papyrologie

1. Entwicklung der juristischen ersten Hälfte des 20.Jh. . .

. . . . . . .

8

Papyrologie im 19.Jh. und in der 8

1. Allgemeine Papyrologie

8

2. Juristische Papyrologie

8

3. Organisation

. . .

II. Hilfsmittel der Arbeit l.

Quellen

.....

.

14

15 15

2. Berichtigungsliste

16

3. Wörterbücher

16

4. Corpora

17

5. Einführungen

17

6. Literatur- und Quellenübersichten

19

Inhaltsverzeichnis

VI

ERSTER TITEL GRUNDLAGEN

I. Kapitel: Griechisches Recht in Ägypten § 3. Bedingungen

I.

und Grenze der Hellenisierung

Politische Voraussetzungen

II. Rechtspluralismus

23 23

.....

III. Der staatsrechtliche Hintergrund § 4. Treibende Kräfte der Hellenisierung

I.

des Privatrechts

des Rechtspluralismus

29

des Rechts

35

. .

Die Rolle des griechischen Rechts in Ägypten

II. Erscheinungsformen

griechischen Rechts in der Ptolemäerzeit

35 35

I.

Die „juristische Koine" der Chora

35

2.

Das Eigenrecht der Poleis

43

3. Königliches Recht

49

4. IloAL'l:LKOL voµm

55

III. Das hellenistische Recht Ägyptens im Kosmos der griechischen Rechte: Rezeption

oder originäre Rechtsbildung?

1.

Ungesatztes Recht

59

2.

Gesetzesrecht

63

. . .

§ 5. Griechisches und ägyptisches Recht

I.

59

Symbiose ohne Verschmelzung 1.

Zweispurigkeit

des Rechts

2.

Wesen des Rechtspluralismus

3. Keine Kollisionsregeln

II. Gegenseitige Beeinflussung

.

71

. ..

71 71

79 84 86

1.

Grundsätzliches

86

2.

Einzelnes

. . .

91

3. Zur Problematik

96

Inhaltsverzeichnis

VII

II. Kapitel: Voraussetzungen und Richtung der Rechtsentwicklung in der Prinzipatszeit § 6. Die Provinz Ägypten

I.

99

Vorbemerkung

99

II. Staatsrechtlicher Status

99

III. Charakteristika der Provinzialregierung

104

r. Der Präfekt . . . . .

104

2. Edictum provinciale?

108

3. Verhältnis der römischen Verwaltung zum ptolemäischen System

l l l

§ 7. Peregrine Rechtsüberlieferung und römisches Reichsrecht gegenseitigen Verhältnis . . . .

I.

Kontinuität des Volksrechts

in ihrem 113

. . . . . . . .

II3

II. Historische Entwicklung des Verhältnisses

r. Das Problem

. . . . . . .

2. Die vorantoninische

Zeit

Bereich

5

122

130 137

2. Gewillkürte Aufnahme römischer Elemente

I.

II

130

1. Obligatorische Romanisierung

§ 8. Der römische Beitrag zur Rechtswirklichkeit vorantoninischen Epoche

5

rr6

3. Die Constitutio Antoniniana und ihr Effekt auf das peregrine Recht Ägyptens im 3.Jh. n. Chr. . . . . . . . . . III. Auswirkungen der CA im privatrechtlichen

l l

Ägyptens

in der 148

Vorbemerkung

II. Römische Bürger

149

r. Ihre Sonderstellung

149

2. Verordnete Institutionen

15l

3. Römische Institutionen als Sonderrecht der römischen Bürger.

153

4. Römische Bürger im allgemeinen Rechtsverkehr

162

5. Das Verhalten der Römer in materiell-rechtlicher III. Römische Einwirkung auf das Landesrecht

. . . . . Hinsicht

170 172

r. Römisches Provinzialrecht . . 2. Kaiserliche Rechtsschöpfung

174

3. Rechtsprechung

188

4. Theoretische Rezeption

191

181

VIII

Inhaltsverzeichnis

ANHANG

Bibliographische Nachträge zu § 1, § 3-§ 8. . .

203

Verzeichnis der Editionen von Papyri und Ostraka

213

I. Papyri

213

II. Ostraka

248

Sonstige Quelleneditionen

251

Namen- und Sachregister

252

Quellenregister

259

. . . . . .

VORWORT

Mit großer Freude kann ich nun endlich das nachgelassene Werk von Hans Julius Wolffzum Recht der Papyri vorlegen, an dem er bis zu seinem Tode am 23.8.83 gearbeitet hatte. Nach seinem Tode wurde mir das Manuskript des vorliegenden Bandes zur Fertigstellung gemäß einer Vereinbarung vom Mai 1983 übergeben. Da sich eine anderslautende testamentarische Verfügung fand, gab ich in der Folgezeit das Manuskript ab. Im Jahre 1997 wurde mir aufVeranlassung und durch den Testamentsvollstrecker Herrn Prof. Dr. Josef Georg Wolf, Freiburg, das Manuskript wieder zugestellt. Die seit 1983 verstrichene Zeit ließ es angemessen erscheinen, den Text in dem Bearbeitungssstand, wie er von H.J.Wolffhinterlassen worden war, möglichst umgehend zu publizieren.Ausgearbeitet lagen vor§ 1, § 3-§ 8. In§ 8 waren nur z. T. die Anmerkungen ab Nr. 225 ggf. an Hand der Notizen auszuführen; der Abschnitt als solcher war abgeschlossen. § 2 wurde vor allem wegen der notwendigen Hinweise auf die „Hilfsmittel" von mir entspr. der Wolffschen Planung eingefügt. Ansonsten beschränkten sich die Änderungen auf technische Abstimmung der Zitate, Fußnoten und Verweisungen; der Text wurde in der wohlabgewogenen, für den Autor ganz typischen Formulierung wiedergegeben - auch bei schwierigeren Konstruktionen hielt ich mich prinzipiell zu Änderungen nicht für befugt. Angefügt wurden die „Bibliographischen Nachträge" zu§ 1, § 3-§ 8 (S. 203 ff.), in denen wesentliche neuere Literatur zu den Themen des Bandes angeführt wurde; Vollständigkeit wurde wenigstens angestrebt. Es wurde Jedoch darauf verzichtet, auch die einschlägigen Quellen nachzutragen. Ein solches Vorhaben hätte das Erscheinen des Bandes angesichts der Vielzahl der Publikationen seit 1983 weiter unangemessen verzögert. Um eine Überprüfung für den Benutzer zu erleichtern, wurde S. 21 3 ff. ein vollständiges Verzeichnis der einschlägigen Papyruseditionen angefügt, auch wenn die Editionen erst nach 1983 erschienen sind. Band 3 soll enthalten: Die - ursprünglich für Band 1 vorgesehenen - Abschnitte zu Rechtsquellen, Rechtspersonal und Rechtsdurchsetzung, außerdem das gesamte materielle Recht. Die Arbeiten der Erfassung und Angleichung des Manuskripts sowie der Satz wurden erst durch EDV ermöglicht. Hierbei ist besonders Frau Lieselotte Güngerich und Frau Marlies Gerber zu danken. Für die Hilfe bei komplizierteren Fragen sowie für die Durchsicht des Textes danke ich Frau Dr. Andrea J ördens sehr.

Marburga. d.L., im August 2000

Hans-Albert Rupprecht

ALLGEMEINE

ABKÜRZUNGEN

Abhandlungen Actes du veCongres International de Papyrologie, Oxford, 30Aout 3 Septembre 1937 (Brüssel 1938) Actes XC. Actes du xe Congres International de Papyrologues, Varsovie - Cracovie 3-9 Septembre 1961 (Warschau 1964) Actes XV C. I - IV . . . . . . . Actes du xve Congres International de Papyrologie, Bruxelles 29 Aout-3 Septembre 1977 (Teil 1-IV, Pap. Bruxellensia 16-19; Brüssel 1978) Aeg ..... Aegyptus (Mailand) AmericanJournal of Philology (Baltimore) AJP Akten III. K. Papyri und Altertumswissenschaft, Vorträge des 3. Internationalen Papyrologentages, München 4. -7. Sept. 1933 (Münch. Beitr. XIX; München 1934) Akten VIII. K. Akten des VIII. Internationalen Kongresses für Papyrologie,Wien 29.Aug.-3.Sept. 1955 (Mitteilungen aus der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, N. S. 5; Wien 1956) Akten des XIII. Internationalen PapyrologenAkten XIII. K. kongresses, Marburg 2.-6. Aug. 1971 (Münch. Beitr. LXVI; München 1974) Akten XXI. K. Akten des 21. Internationalen Papyrologenkongresses, Berlin 13.-19. 8. 1995 (AP, Beiheft 3: Vol. I-II; Stuttgart/Leipzig 1997) Ak. Akademie AMELOTTI,Il testamento romano MARio AMELOTTI,Il testamento romano attraverso la prassi documentale. I. Le forme dassiehe di testamento (Florenz 1966) Am.Stud.Pap. . American Studies in Papyrology (Atlanta, GA) An. Pap ..... Analecta Papyrologica (Florenz) Ancient Society Ancient Society (Leuven) ANRW Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, ed. W HAASE,H.TEMPORINI(Berlin 1972ff.) Abh .... ActesV C.

Al/gemeineAbkürzungen

XI

Anz .. a.a.O. AP ..

Anzeiger am angeführten Ort Archiv für Papyrusforschung (Stuttgart/Leipzig) ARANc10-Rmz, Persone e farniglia VINCENZOARANGIO-Rmz, Persone e famiglia nel diritto dei papiri (Mailand 1930) - , Lineamenti ARANc10-Rmz, Lineamenti del sistema contrattuale nel diritto dei papiri (Mailand 1927) -,StEP .. filANGIO-Rmz, Studi epigrafici e papirologici (Neapel 1974) Atti IV C. Atti del IV Congresso Internazionale di Papirologia, Firenze 28 Aprile-2 Maggio 1935 (Mailand 1936) Atti XI C. ........... . Atti dell'XI Congresso Internazionale di Papirologia, Milano 2-8 Settembre l 96 5 (Mailand 1966) Atti XVII C. I - III Atti del XVII Congresso Internazionale di Papirologia, Napoli 19-26Maggio 1983 (Vol.I-III; Neapel 1984) Ausg. Ausgabe BASP BCH BERGER,Strafkl.

BERNEKER, Zur griech. RGesch.

betr. . BIDR B1scARD1-CANTARELLA, Corso BL .............

CHALON,L' edit

Chr.

.

The Bulletin of the American Society of Papyrologists (Atlanta, GA) Bulletin de Correspondance Hellenique (Athen) ADOLFBERGER,Die Strafklauseln in den Papyrusurkunden, ein Beitrag zum gräko-ägyptischen Obligationenrecht (Leipzig/Berlin 19n; Ndr.Aalen 1965) ERICH BERNEKER, Zur griechischen Rechtsgeschichte (Wege der Forschung XLV; Darmstadt 1968) betreffend Bullettino dell'Istituto di Diritto Romano (Rom) ARNALDOB1sCARm- EVA CANTARELLA, Corso di papirologia giuridica (Mailand l 966) Berichtigungsliste der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten GERARDCHALON,L' edit de Tiberius Julius Alexander, Etude historique et exegetique (OltenLausanne 1964) Chrestomathie

Al/gemeine Abkürzungen

XII

Chron. d'Eg. col.

Chronique d'Egypte (Brüssel) Columne

Das ptol. Ägypten

Das ptolemäische Ägypten, Akten des intern. Symposions 27 .- 29. Sept. 1976 in Berlin, ed. H. MAEHLERund V.M. SrnocKA (Mainz 1978) Das römisch-byzantinische Ägypten, Alcten des intern. Symposions 26.-30. Sept. 1978 in Trier, ed. G. GRIMM,H. BEINEN,E. WINTER (Aegypt. Treverensia 2; Mainz 1983) Dissertation (philosophisch, juristisch) ALvARon'ORs, Introducci6n al estudio de los documentos del Egipto romano (Madrid 1948)

Das röm.-byz. Ägypten

Diss. (phil., jur.) ... D'ORs, Introducci6n

ed ......... . Eranion Maridakis Ess. Ess.Welles . Et. de Papyr. Et. Macqueron

FRASER, Ptol. Alexandria Frg. . ...... . Fs. Äg. Mus. Berlin Fs. Oertel

.....

Fs. Preaux Fs. Seidl . Fs. Zweigert

Gnom ....... . GRADENWITZ, Einf. GRAECAHALENSIS,Dikaiomata

edidit, edited Eranion G. Maridakis (Athen 1963) Essays Essays in Honor of C. Bradford Welles (Am. Stud. Pap. 1; New Haven 1966) Etudes de Papyrologie (Kairo) Etudes offertes a J. Macqueron (Aix-en-Provence 1970)

P. M. FRASER,Ptolemaic Alexandria, Vol. I - III (Oxford 1972) Fragment Festschrift zum 15ojährigen Bestehen des Berliner Ägyptischen Museums (Berlin 1974) Studien zur Papyrologie und antiken Wirtschaftsgeschichte, Friedrich Oertel zum achtzigsten Geburtstag gewidmet (Bonn 1964) s. Le monde grec Festschrift für Erwin Seidl zum 70. Geburtstag (Köln 1975) Festschrift Konrad Zweigert zum 70. Geburtstag (Tübingen 1981) Gnomon (München) ÜTTO GRADENWITZ, Einführung in die Papyruskunde (Leipzig 1900) Dikaiomata,Auszüge aus alexandrinischen Gesetzen und Verordnungen in einem Papyrus des Philologischen Seminars der Universität Halle

Al/gemeine Abkürzungen

XIII

(Pap. Hal. I), herausgegeben HALENSIS(Berlin 1913)

von der GRAECA

HÄGE,Ehegüterrechtl. Verhältn. . GÜNTHER HÄGE, Ehegüterrechtliche Verhältnisse in den griechischen Papyri Ägyptens bis Diokletian (Köln-Graz 1968) MANFREDHÄSSLER,Die Bedeutung der KyriaHÄSSLER,Kyr.-Kls. Klausel in den Papyrusurkunden (Berlin I 960) Handbuch Hdb. herausgegeben hgg. Herausgeber Hrsg. lnv.

Inventar

JEA

The Journal of Egyptian Archaeology (London) The Journal of Hellenic Studies (London) The Journal ofJuristic Papyrology (Warschau) Journal ofRoman Studies (London)

JHSt JJP . JRSt KASER,RPR 2

-,RZP KRELLER, Erbr.

KÜHNERT,Kreditgesch.

LAW LB .

Le monde grec

MAX KAsER, Das römische Privatrecht, I: Das altrömische, das vorklassische und klassische Recht (2.Aufl., München 1971), II: Die nachklassischen Entwicklungen (2. Aufl., München 1975) KASER,Das römische Zivilprozeßrecht (München 1966) HANS KRELLER,Erbrechtliche Untersuchungen aufgrund der graeco-aegyptischen Papyrusurkunden (Leipzig/Berlin 1919) . . . . . HANNO KüHNERT, Zum Kreditgeschäft in den hellenistischen Papyri Ägyptens bis Diokletian Qur. Diss. Freiburg 1965) Lexikon der Alten Welt (Zürich/Stuttgart 1965) Papyrologica Lugduno-Batava, ed. Institutum papyrologicum Universitatis Lugduno-Batavae (Leiden) (Einzel-Bände s. Editionenverzeichnis) Le monde grec. Pensee - litterature - histoire documents, Hommages Claire Preaux, ed. J. BINGEN,G. CAMBIER,G. NACHTERGAEL (Brüssel 1975)

a

XIV

LENGER,C. Ord. Ptol. LIDDELL-SCOTT

LIPSIUS,Att. R.

Al/gemeine Abkürzungen

MARIE-THERESELENGER,Corpus des Ordonnances des Ptolemees (Brüssel 1964;2. Aufl. 1980) HENRY LIDDELL, ROBERT ScoTT, A GreekEnglish Lexicon: A New Edition Revised and Augmented throughout by Sm HENRYSTUART JONES with the Assistance of RoDERICK McKENZIE (Oxford 1953) Jusrus HERMANNLIPSIUS,Das Attische Recht und Rechtsverfahren (Leipzig 1905)

Melanges offerts a Jean Dauvillier (Toulouse 1979) Mel. Seston . Melanges d'histoire ancienne offerts aWilliam Seston (Paris 1974) Mel. G. Smets Melanges George Smets (Brüssel 1952) Mem. Memorie MEYER,JP .. PAULM. MEYER,Juristische Papyri, Erklärung von Urkunden zur Einführung in die juristische Papyruskunde (Berlin 1920) MITTEIS,Grdz. . . . . . . . . . . LUDWIGMITTEIS,Grundzüge; Bd. II, I. Hälfte von L. MITTEIS und U. WILCKEN,Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde (Leipzig/ Berlin 1912) -,RPR MITTEIS,Römisches Privatrecht bis auf die Zeit Diokletians (Leipzig 1908, Ndr. 1994) -,RRVR MITTEIS,Reichsrecht undVolksrecht in den östlichen Provinzen des römischen Kaiserreichs (Leipzig 1891, Neudrucke 1935, 1963) Mneme Petropoulou . . . . . Mneme GeorgiouA. Petropoulou (1897-1964), ed. P.D. DIMAKIS(Athen 1984) MoNTEVECCHI,La papirologia ÜRSOLINAMONTEVECCHI, La papirologia (Turin 1973,2.Aufl. 1988) Münch. Beitr. . . . . . . . . . Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und Antiken Rechtsgeschichte Mel. Dauvillier

o.ä.

oder ähnlich

p. p

pagma Papyrus U. E. PAOLI,Studi di diritto attico (Padua 1930) JosEF PARTSCH,Griechisches Bürgschaftsrecht, I. Teil: Das Recht des altgriechischen Gemeindestaats (Leipzig/Berlin I 909) s. unter SETHE-PARTSCH

PAOLI,Dir. att. PARTSCH, Bgsch.

-, Dem. Bgsch.

Al/gemeineAbkürzungen

XV

PARTSCH,Aus nachgelassenen und kleineren verstreuten Schriften (Berlin 193 l) P.W PESTMAN,Over Vrouwen en Voogden in PESTMAN, OverVrouwen het Oude Egypte (Leiden 1969) Pergamen Pg ..... . Philologus (Berlin) Philol. .. . Philologische Wochenschrift Phil.Woch. CLAIREPREAUX,L' economie royale des Lagides PREAUX,L' econ. roy. (Brüssel 1939) -, Monde hellenist. Preaux, Le monde hellenistique - La Grece et l'Orient (323-146 av.J.-C.) (Paris 1978) -, in „Droit egyptien" Le droit egyptien ancien, Coll. 18 et 19 Mars 1974, Institut des Hautes Etudes de Belgique, (Brüssel o.J.) ed. A. THEODORIDES PREISIGKE, Fachw. . . . . . . . . FRIEDRICHPREISIGKE,Fachwörter des öffentlichen Verwaltungsdienstes Ägyptens in den griechischen Papyrusurkunden der ptolemäisch-römischen Zeit (Göttingen 1915) PRINGSHEIM, Abh. FRITZPRINGSHEIM, Gesammelte Abhandlungen (Heidelberg 1961) -,GLS . PRINGSHEIM, The Greek Law of Sale (Weimar 1950) Proceed. Proceedings Proceedings of the IX International Congress of Proc. IX C. Papyrology, Oslo 19-22Aug. 1958 (Oslo 1961) Proc. XII C. Proceedings of the Twelfth International Congress of Papyrology, Ann Arbor 13-17 Aug. 1968 (Am. Stud. Pap. 7; Toronto 1970) Proc. XIV C. Proceedings of the XIV International Congress of Papyrologists, Oxford 24-31 July 1974 (London 1975) Proc. XVI C. Proceedings of the XVI International Congress of Papyrology, New York 24- 3 1 July 1980 (Am. Stud. Pap. 23; Chico 1981) Proc. XVIII C. 1- II . . . . . . . Proceedings of the XVIII International Congress of Papyrology, Athen 25-31 May 1986 (Vol.I-II) (Athen 1988) Proceedings of the XIX International Congress Proc. XIX C. I - II of Papyrology, Cairo 2-9 September 1989 (Vol. I-II) (Kairo 1992) Proc. XX C. . . . . . . . . . . . Proceedings of the XX International Congress of Papyrologists, Copenhagen 23-29 August 1992 (Kopenhagen 1994) -, Schriften

XVI

RABEL,Ges.Aufs.

Racc. RE Rec ...... . Rech. de Papyr. Rendic. RGesch ..... Ric. RrccoBONO JR., Il Gnomon

RIDA RISG RuPPRECHT,Darl.

-, Quittg.

s. . S. SB ScHÖNBAUER, Lieg.

SCHUBART, Einf. . .... SCHWARZ, Horn. u. Prot.

-,Hyp.

SCI Scr.

Al/gemeine Abkürzungen

ERNSTRABEL,Gesammelte Aufsätze Bd. IV:Arbeiten zur altgriechischen, hellenistischen und römischen Rechtsgeschichte (Tübingen 1971) Raccolta Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft Recueil Recherches de Papyrologie (Paris) Rendiconti Rechtsgeschichte Ricerche SALVATORE RrccoBON0 JR., 11 Gnomon dell' Idios Logos (Palermo 1950) Revue Internationale des Droits de l' Antiquite (Brüssel) Rivista Italiana perle Scienze Giuridiche (Mailand) HANS-ALBERT RuPPRECHT, Untersuchungen zum Darlehen im Recht der graeco-aegyptischen Papyri der Ptolemäerzeit (Münch. Beitr. LI; München 1967) RuPPRECHT,Studien zur Quittung im Recht der graeco-aegyptischen Papyri (Münch. Beitr. LVII; München 1971)

sub Sohn Sitzungsberichte ERNST ScHÖNBAUER,Beiträge zur Geschichte des Liegenschaftsrechtes im Altertum (Leipzig/ Graz 1924) WILHELMScHUBART,Einführung in die Papyruskunde (Berlin 1918) ANDREAS BERTALAN SCHWARZ, Homologie und Protokoll in den Papyrusurkunden der Ptolemäerzeit, zugleich ein Beitrag zur Theorie der Abstandsgeschäfte, in Fs. Zitelmann (1913), Neudruck inJJP 13 (1961) 177ff. SCHWARZ,Hypothek und Hypallagma, Beitrag zum Pfand- und Vollstreckungsrecht der griechischen Papyri (Leipzig/Berlin 19n) Scripta Classica Israelica Gerusalem) Scritti

AllgemeineAbkürzungen

Scr. Montevecchi SDHI SEim,ÄRSP

-,PRG

2

.•....•.•....

-,RGÄ

Separ. . .......... . SETHE-PARTSCH, Dem. Bgsch.

SIMON,Stip.-Kls.

St. . ...... St.Arangio-Ruiz

.

St. Biscardi . St. Bonfante St. Calderini-Paribeni St. Paoli

...

St. Sanfilippo St. Scherillo St. Solazzi St.Volterra

XVII

Scritti in onore di Orsolina Montevecchi, ed. E. BRESCIANI, G. GERACIu. a. (Bologna 1981) Studia et Documenta Historiae et luris (Rom) ERWINSEIDL,Ägyptische Rechtsgeschichte der Saiten- und Perserzeit (Ägyptologische Forschungen XX; Glückstadt/Hamburg/New York 1956) SEIDL,Ptolemäische Rechtsgeschichte (Ägyptologische Forschungen XXII; 2. Aufl., Glückstadt/Hamburg/New York 1962) SEIDL,Rechtsgeschichte Ägyptens als römischer Provinz (Die Behauptung des ägyptischen Rechts neben dem römischen) (Sankt Augustin 1973) Separatum K. SETHE,Demotische Urkunden zum ägyptischen Bürgschaftsrechte vorzüglich der Ptolemäerzeit, mit einer rechtsgeschichtlichen Untersuchung von J. PARTSCH(Abh. der Philol.Histor. Klasse der Sächs. Ak. der Wiss. XXXII; Leipzig r 920) DIETERSIMON,Studien zur Praxis der Stipulationsklausel (Münch. Beitr. XLVIII; München 1964) Studi, Studies Studi in onore di Vincenzo Arangio-Ruiz nel XLV anno del suo insegnamento (Neapel o.J. [1952]) Studi in onore di Arnaldo Biscardi (Mailand 1982ff.) Studi in onore di Pietro Bonfante nel XL anno d'insegnamento (Mailand 1930) Studi in onore di Aristide Calderini e Roberto Paribeni (Mailand-Varese 1957) Studi in onore di Ugo Enrico Paoli (Florenz 1956) Studi in onore di Cesare Sanfilippo (Mailand 1982 ff.) Studi in onore di Gaetano Scherillo (Mailand 1971) Studi in onore di Siro Solazzi (Neapel 1948) Studi in onore di Edoardo Volterra (Mailand 1971 ff.)

XVIII

Suppl. S. V.

Symb. Osl. Symb. Taubenschlag Symposion

-,1971 -, 1974 -, 1977 -, 1979

-, 1990 -,1993 -, 1995

sz .. s. Zt.

Al/gemeineAbleürzungen

Supplement sub verbo Symbolae Osloenses (Oslo) Symbolae Raphaeli Taubenschlag dedicatae 1-III (Eos 48 [1957], Fase. 1-3) Akten der Gesellschaft für griech. und hellenistische Rechtsgeschichte, Vorträge zur griechischen und hellenistischen Rechtsgeschichte. hgg. von H.J.W0LFF mit D. NöRR,J. MoDRZEJEWSKI,Köln/Wien 1975. hgg. von A. BiscARDI mit H.J. WOLFF,J. MoDRZEJEWSKI, P. DIMAKIS,Köln/Wien 1979. hgg. von J. MoDRZEJEWSKIund D. LIEBS,Köln/ Wien 1982. hgg. von P. D. DIMAKISmit H.J.WoLFF,A. BisCARDI,J.MoDRZEJEWSKI, Köln/Wien 1983. hgg. von F.J. FERNANDEZ Nrnro,Valencia 1985; Köln/Wien 1989. hgg. von G. THÜR,Köln/Wien 1989. hgg. von G. NENCl und G. THÜR, Köln/Wien 1990. hgg. von M. GAGARIN,Köln/Weimar/Wien 1991. hgg. von G. THÜR,Köln/Weimar/Wien 1994. hgg. von G.THÜR undJ.VELISSAROPOULOs-KA1997. RAK0STAS, Köln/Weimar/Wien Zeitschrift der Savigny Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung) (Weimar/Köln/ Graz) seiner Zeit

TR

Tochter Transactions of the American Philological Association (Hartford, Conn.) RAPHAELTAUBENSCHLAG, The Law of GrecoRoman Egypt in the Light of the Papyri 332 B. C. 640 A. D. (2. Aufl.,Warschau 1955) TAUBENSCHLAG, Opera Minora I - II (Warschau 1959) Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis (Den Haag)

v.J. . VJSchr

vom Jahre Vierteljahrsschrift

T. TAPA TAUBENSCHLAG, Law 2

-,OM

Al/gemeineAbkürzungen

XIX

FRIEDRICHPREISIGKE, EMIL K.IESSLING, Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden EGONWmss, Griechisches Privatrecht auf rechtsWmss,GPR vergleichender Grundlage, I:Allgemeine Lehren (Leipzig 1923) LEOPOLDWENGER,Die Quellen des römischen WENGER,Quellen Rechts (Wien 1953) ULRICHWILCKEN,Grundzüge, Bd. I, 1. Hälfte WILCKEN,Grdz .. von MITTEISund WILCKEN[s. ob. bei MITTEIS] (Leipzig/Berlin 1912) WILCKEN, Griechische Ostraka aus Ägypten -, Ostr. und Nubien, ein Beitrag zur antiken Wirtschaftsgeschichte (Leipzig/Berlin 1899) HANS Juuus WOLFF, Beiträge zur RechtsgeWoLFF,Beitr. schichteAltgriechenlands und des hellenistischrömischen Ägypten (Weimar 1961) WoLFF,Das Justizwesen der Ptolemäer (Münch. -,Justizw. Beitr. XLIV, 2.Aufl.; München 1970) WoLFF, Das Problem der Konkurrenz von -, Konkurrenz Rechtsordnungen in der Antike (SB der Heidelberger Ak. d. Wiss., Abh. Phil.-hist. Kl. 1979, 5; Heidelberg 1979) -, Marriages . . . . . . . . . . . WüLFF, Written and Unwritten Marriages in Hellenistic and Postclassical Roman Law (Amer. Philol. Assoc. Monogr. IX; Haverford, Pennsylvania 1939)

WB

Z.

zit. ZPE z. St. ZvglRW

Zeitschrift zitiert Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (Bonn) zur Stelle Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft (Heidelberg)

EINLEITUNG

§ 1. Programmatische Vorbemerkungen

1. Gegenstand der Darstellung Dieses Handbuch will Hintergründe und Gestalt der uns vornehmlich in griechisch geschriebenen Papyrusurkunden aus Ägypten entgegentretenden Einrichtungen, Bräuche und Rechtsanschauungen zur Darstellung bringen. Deren überwiegende Mehrzahl war entweder unmittelbar griechischen Ursprungs oder knüpfte doch an griechische Traditionen und Denkweisen an. Als solche drückten sie in den etwas über sechs Jahrhunderten von der Eroberung des Nillandes durch Alexander den Großen (332 v. Chr.) bis zur Ära Diokletians (um 300 n. Chr.) dem dortigen Rechtsleben ihren Stempel auf, so daß jener Zeitabschnitt zu Recht als die hellenistischeEpoche der ägyptischen Rechtsgeschichte gilt. 1 Der angegebene zeitliche Rahmen umschließt die zwei etwa gleichlangen Perioden der Geschichte Ägyptens, deren erste die Epoche der makedonischen Dynastie der Ptolemäer (Lagiden) war, während in der zweiten, ab 30 v. Chr., das Land zum Imperium Romanum gehörte.Vom rechtsgeschichtlichen Standpunkt dürfen beide als Einheit betrachtet werden. Denn die Römer bewahrten während dieser ersten Hälfte ihrer Herrschaft, die im Gesamtzusammenhang der römischen Geschichte der sog. Prinzipatszeit entsprach, im Prinzip den von den Ptolemäern geschaffenen hellenistischen Charakter der juristischenOrdnung des Landes (s. u. § 6 III, 3). Die von ihnen auf diesem Gebiet eingeführten Reformen fügten sie ohne scharfen Bruch mit dem Bestehenden, ja vielfach in bewußter Anlehnung an das Überkommene, ein.Auch gewisse vom ptolemäischen Vorbild unbeeinflußte Neuerungen, wie sie namentlich im Bereich der Justizverfassung getroffen wurden, paßten sich dem Zustand, wie er sich gegen Ende der Ptolemäerzeit herausgebildet hatte, organisch ein. So standen auch sie im Einklang mit der von den Römern grundsätzlich verfolgten Politik der Vermeidung allzu radikaler, die Bevölkerung unnötig irritierender Änderungen. 2 1 Zur Rechtfertigung dieser Ausdehnung des [1968] 3 ff., andererseits) ist hier nicht einzuBegriffs „hellenistisch" s. WoLFF,SZ 90 (1973) gehen. Für die Verwendung des Ausdrucks in 64. Auf die bei den Historikern umstrittene der rechtsgeschichtlichen Forschung hat sich Frage nach der Berechtigung des DROYSENsCHENmit billigenswerten Ausführungen MoDRZEBegriffs „Hellenismus" (s. nur etwa PREAUX, JEWSKIeingesetzt, RHD 44 (1966) 525. 2 Chron.d'Eg.40 [1965] 129ff.einer-,BENGTSON, Mit Bezug auf Augustus spricht selbst N. Mededel. Vlaamse Acad. van Belgie, Lett. 30 LEwrs, der mit großem Nachdruck die römi-

§ 1. Programmatische Vorbemerkungen

2

Grundlegend wandelten sich die Dinge erst seit dem Zeitalter Diokletians und Konstantins.Im Gefolge der damals überall im Reich einsetzenden politischen, sozialen und religiösen Umwälzungen machte die hergebrachte Ordnung - allmählich, doch darum nicht weniger nachhaltig - auch in Ägypten Neugestaltungen Platz. Ein Teil der großen Unterschiede, die Ägypten von der übrigen Welt weitgehend isoliert hatten, wurde durch sie eingeebnet. 3 Jedenfalls erhielten die letzten drei Jahrhunderte römischer - genauer jetzt: byzantinischer - Herrschaft (d. i. bis zu der nach kurzen Zwischenspielen palmyrenischer im 3.Jh. und persischer Okkupation im 7.Jh. vollzogenen Einverleibung des Landes in den Machtbereich des Islam i.J. 641) ein so abweichendes Gepräge, daß man sie nicht mehr zur hellenistischen Epoche im strengen Sinn des Wortes zählen kann. 4 Sie bleiben daher von der gegenwärtigen Darstellung ausgeschlossen (s. auch u. s. II, 4).

II. Rechtfertigung

des Arbeitsplans

Zur näheren Begründung der in dieser Thematik beschlossenen sachlichen und zeitlichen Eingrenzung des Gegenstands sei das Folgende bemerkt:

1.

Zum Begriff,JuristischePapyrologie"5

Der seit alters und auch im Titel dieses Werkes befolgte Brauch, von den zu beschreibenden Phänomenen als dem „Recht der Papyri" zu sprechen, darf nicht (so wenig wie in aller bisherigen Literatur) dahin mißverstanden werden, als würde ein rein äußerliches und beiläufiges Merkmal, nämlich die Überlieferung durch einen nach dem verwendeten Schreibmaterial bestimmten Quellentyp, zum alleinigen Auswahlkriterium für die zu behandelnden Sachphänomene erhoben. Er will lediglich den Umstand ins Licht rücken, daß es eben weitaus überwiegend derart angefertigte geschäftliche Urkunden, gerichtliche, administrative und fiskalische Akten und andere Zeugnisse des täglichen Lebens sind, die uns die Kenntnis jenes Rechtes und mannigfacher sonstiger Kulturelemente vermitteln, mögen sie die Verwaltung des Landes, das Steuerwesen, die Wirtschaft, die Religion oder das allgemeine Leben betreffen. Gewiß sind sie nicht unsere einzigen Quellen. Doch sehen Innovationen in der Verwaltung Ägyptens ins Licht gestellt, vielleicht sogar überbetont hat (s. u. § 6 III, 3), von der „fundamental decision ... to impose the cadres of Roman rule with minimum clisruption and maximum utilization of existing institutions ... ", Proc. XII C. 13. 3 Eine lesenswerte Skizze des historischen Gesamtbildes findet man in CL. PREAUXsEssay: „Les raisons de l' originalite de l'Egypte" in Mus. Helvet. IO (1953) 203 ff. Zur wirtschaft-

lieh-administrativen Seite des Umschwungs seit Diokletian s. S. 218:,, ... profondes reformes de Diocletien qui imposerent a l'Egypte la monnaie, les prix, les imp6ts, !es cadres administratifs et la langue officielle du reste de !'Empire". 4 Abweichend noch WoLFF,SZ 70 (1953) 24. Näher am obigen dagegen schon PARTSCH, Schriften 112f., rrSff. 5 Den Begriff „Papyrologie" hat man in unterschiedlicher Weise definiert; einen Überblick gibt 0. MONTEVECCHI, La Papirologia 3 ff.

II. RechtfertigungdesArbeitsplans

3

kommt der literarischen und epigraphischen Überlieferung, soweit sie überhaupt auf die rechtlichen Zustände im damaligen Ägypten Licht wirft, sowohl dem Umfang wie der Sache nach nur verhältnismäßig geringfügiges Gewicht zu. Von der Menge her gesehen, sind bedeutsamer allein die den Papyri nach Inhalt und praktischer Rolle überdies nahe verwandten Ostraka; 6 aber auch sie, so wichtig sie für die Geschichte von Verwaltung und Steuerwesen sind, liefern dem Rechtshistoriker nur spärliche Information. Daß auch die Nebenquellen die ihnen gebührende Beachtung finden werden, versteht sich von selbst.

2.

Beschränkungauf die hellenistischeKomponente

Mehr noch als die für den Sprachunkundigen kaum überwindliche Schwierigkeit der Benutzung demotisch geschriebener Quellen waren grundsätzliche Erwägungen maßgeblich für die Entscheidung, im Einklang mit der Mehrheit der bisherigen Bearbeiter 7 die hellenistischeKomponente der das Leben Ägyptens unter der Herrschaft der Ptolemäer und Römer charakterisierenden Rechtswirklichkeit in den Vordergrund der Darstellung zu rücken. Selbstverständlich haben auch andere Anregungen und Einflüsse - vorweg natürlich ägyptische und in der Prinzipatszeit römische - während des ganzen hier zu betrachtenden Zeitraums das tatsächliche Rechtsleben des Landes mitbestimmt. 8 Die Gesamtordnung geriete aber in eine verkehrte Perspektive, ließe man außer acht, daß das direkt oder indirekt der griechischen Sphäre zuzuordnende Recht im Zeitalter der Lagiden und weitgehend auch noch der Römer nun einmal dasjenige der Regierung war und blieb 9 und darüber hinaus die privatrechtlichen Beziehungen selbst der nicht hellenistischen oder hellenisierten Bevölkerung immer mehr beherrschte (s. u. § 5 I r a) .10 Ihm gegenüber wurden die ägyptischen Züge zunehmend als bloßes, wenn auch keineswegs abgestorbenes Traditionsgut, die römischen als zusätzliche Beimischung empfunden. 11 Demgemäß wird ihnen Beachtung zuteil werden, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern nur insoweit, als ihnen entstammende Institutionen und Verhaltensweisen die eigene Entwicklung der hellenistischen Traditionen beeinflußten 6 Grundlegend noch immer U. WrLCKENs zweibändiges Werk von r 899: Griechische Ostraka aus Ägypten und Nubien, ein Beitrag zur antiken Wirtschaftsgeschichte. 7 Zur grundsätzlich abweichenden Haltung SEIDLss. u. § 5 I 2 a. 8 Hierzu umfassende Bibliographie bei TAUBENSCHLAG, Law 2 1 f. Eine nützliche Kurzübersicht über Quellen und Phasen des altägyptischen Rechts vom Alten Reich bis zur Zeit der koptischen Papyri bietet SEIDLsArtikel „Altägyptisches Recht" im Ergänzungsband III (,,Orientalisches Recht") zu SPULERSHdb. der Orientalistik I. Abt., (Leiden-Köln 1964) 1 ff. (ausgewählte Bibliographie S. 45 ff.). S. auch seine Bücher „Einführung in die ägyptische

Rechtsgeschichte bis zum Ende des Neuen Reichs I: Juristischer Teil" (Glückstadt-Hamburg-NewYork 1951) und „Ägyptische Rechtsgeschichte der Saiten- und Perserzeit" (ebd. 1956). Sonst s. etwa EDGERTON,,,Demotica" in Akten III. K. 281 ff. Ein vollständiges Repertorium der demotischen Papyri hat E. LüDDECKENS im Lexikon der Ägyptologie, S. 7 50 ff., unter dem Stichwort „C. Papyri, Demotische" zusammengestellt. 9 S. etwa ScHUBART, Einf. 275. 10 S. auch CoLLINET,Akten III. K. 232: ,,c'est peut-etre encore la part du Droit hellenistique qui est le plus considerable". 11 Vgl. WoLFF,a.a.O. 51.

4

§ 1. Programmatische Vorbemerkungen

oder in sie eingeschmolzen wurden, oder als es gilt, die Anwendungsbereiche einander abzugrenzen.

von-

Gegen die Isolierung des griechischen Elements vom national-ägyptischen hat man allerdings Bedenken geltend gemacht. Nun ist, wie eben schon angedeutet, das bis tief in die Kaiserzeit reichende Überleben des letzteren in derTat nicht zu bezweifeln. Es zeigt sich schon in der Fülle der demotischen Papyri (die leider der Öffentlichkeit, zumal der nicht-ägyptologischen, noch längst nicht hinreichend zugänglich gemacht worden sind) .12 Ebenso tritt es hervor, nach einer einige Jahrhunderte währenden sozusagen unterirdischen, höchstens in ungeschriebener Volkssitte gepflegten Fortexistenz, 13 in dem - wenn auch begrenzten 14 - Wiederaufblühen 15 ägyptischer Rechtsvorstellungen in koptischem Gewande. Es ist verständlich, daß diese Lebenskraft des einheimischen Rechts zu der Annahme geführt hat, es habe immer den Grundstock der im Lande geltenden Privatrechtsordnung gebildet. In der Lagidenzeit soll es mit Praktiken und Einrichtungen, welche die makedonischen Eroberer und die in ihrem Gefolge in Massen eingewanderten Griechen und andere, der hellenistischen Zivilisation assimilierte,Ausländer teils importierten, teils neu schufen, zu einem eigenständigen und in sich geschlossenen „ptolemäischen" (aber von den Römern prinzipiell bei Bestand gelassenen) System zusammengeflossen sein. Wäre dem so gewesen, 16 dann läge in der getrennten Behandlung der beiden Rechtsmassen unleugbar eine Veifälschung des historischen Sachverhalts. Indessen ist es, wie unten (§ 5 I 2 a) des Näheren dargelegt werden soll, zu einem solchen gemischtnationalen, aber als einheitlicheOrdnung angesehenen Landesrecht weder auf gesetzlichem Wege noch gewohnheitsrechtlichje gekommen.

Methoden und Institutionen römischen Ursprungs werden uns beschäftigen, soweit sie zum regulären Bild des Rechtslebens Ägyptens in der Prinzipatszeit gehörten; von ihnen wird in § 8 die Rede sein. Hingegen fallen nicht in das Thema dieses Handbuchs manche Erscheinungen römischen Rechts, deren Kenntnis wir zwar in Ägypten gefundenen Quellen verdanken, die jedoch mit der dortigen Rechtspraxis nichts zu tun hatten. Insbesondere gilt das für Institute, die nur aus zufällig in Ägypten aufgetauchten Resten von orationes,Edikten und Reskripten römischer Kaiser oder aus ein paar Fetzen römischer Rechtsliteratur ersichtlich, 17 aber nicht als Romanismen echte Bestandteile des dort befolgten Rechts geworden sind.

3. Beschränkungauf Ägypten Demnach lassen sachliche Gründe es als angezeigt erscheinen, daß wir uns vom Standpunkt der ägyptischenLandesrechtsgeschichte mit einem Teilaspektbegnügen. Nicht so sehr prinzipiellen Erwägungen wie der Quellenlage und dem gegenwärtigen Stand der Forschung ist es dagegen zuzuschreiben, wenn wir uns auch bei der Beschreibung der zum hellenistischenRechtskreiszu rechnenden Erscheinungen in ähnlicher Weise bescheiden, indem wir uns, von wenigen Ausnahmen abgesehen, 12 S. nur CL. PREAUX,Chron. d'Eg. 18 (1943) 151 ff. SEIDL,Hdb. der Orient. zit. 2 f.: ,,An demotischen Rechtsurkunden haben wir heute (d. i. 1964) über zehntausend, wenn auch manches noch unveröffentlicht in Museen schlummert." Eine Auswahlliste von Editionen demotischer Papyri und Ostraka hat E. BRESCIANIzusammengestellt (bei MoNTEVECCHI,a.a.O. 432f.) Über seither erschienene Publikationen unterrichtet MoDRZEJEWSKI, RHD 56 (1978) 505 ff.

13

S. auch M0DRZEJEWSKI, Proc. XII C. 33 r. Vgl. A. STEINWENTER, Das Recht der koptischen Urkunden (München 1955) 57f. 15 STEINWENTER, IVRA 2 (1951) 24f. LÜDDECKENS,Enchoria 2 (1972) 21 ff. S. auch PARTSCH, Dem. Bgsch. 764f. 16 Für eine Übersicht über den Stand dieser Streitfrage s. u. § 539 • 17 Eine Reihe einschlägiger Quellen hat Smm, RGÄ 4off., 49ff. zusammengestellt. 14

II. RechifertigungdesArbeitsplans

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auf die Verhältnisse des Landes Ägypten konzentrieren. Zwar gehörte das Recht des Nillandes, soweit es griechischen Ursprungs war oder jedenfalls griechisches Rechtsdenken spiegelte, zu dem übergreifenden, in der Zeit nach Alexander dem Großen über den ganzen Osten der Alten Welt verbreiteten Komplex unter sich verwandter Institutionen und Rechtsgewohnheiten, die man unter dem Sammelbegriff „hellenistisch" zusammenfassen kann. 18 Es in einer über Ägypten hinausgehenden Gesamtschau in den größeren Zusammenhang einer Rechtsgeschichte des Hellenismus als universalgeschichtlichen Phänomens des Altertums einzuordnen, wäre gewiß eine verlockende Aufgabe. Doch müssen wir uns den Versuch versagen, denn ein solches Vorhaben wäre derzeit noch nicht durchführbar. Der gewaltigen und immer weiter wachsenden Menge von Papyri aus Ägypten, deren Erhaltung wir besonderen geographischen und klimatischen Bedingungen verdanken, wie sie allein im Niltal südlich des Delta obwalten, stehen an bisher veröffentlichten griechisch geschriebenen Quellen gleicher Art aus anderen Ländern nur ein paar verstreute kleine Gruppen von Papyri und Pergamenen gegenüber, die an noch dazu weit voneinander entfernten Plätzen ans Licht getreten sind: Außer einer etwas stattlicheren Reihe von Urkunden aus Dura-Europos am Euphrat 19 stammen aus der hier interessierenden Zeit 20 lediglich einige Texte aus Persisch Kurdistan, 21 vom Toten Meer2 2 und aus der römischen Provinz Arabia. 23 Sie werden an gegebenem Ort herangezogen wer18 Zu der seit L. Mnrnrs, RRVR 6rf., von der Mehrzahl der Rechtshistoriker angenommenen „juristischen Koine" - der Ausdruck als solcher ist nicht antik und wurde zuerst von L. GERNETgeprägt,AHDO 2 (1938) 278, doch s. auch M. RosTOVTZEFF, The Social and Economic History of the Hellenistic World (Oxford 1941; deutsch: Die hellenistische Welt [Tübingen 1955]) II 1047, 1068 f. (829, 848) und ihm zustimmend, PRINGSHEIM,GLS 83 - sei vor allem hingewiesen auf die von vielen Literaturzitaten begleiteten Bemerkungen MoDRZEJEWSKisin IVRA I2 (1961) 296; 15 (1964) 63 ff.,Ess. Welles r39f. Sonst s. etwa aus jüngster Zeit WOLFF,SZ 90 (1973) 63 f., M. BrANCHINI,La societa ellenistica - economia, diritto, religione, ed. R.B. BANCHINELLI(Milano 1977) 42rff., 441 ff., AMELOTTI,Symposion 1974, 361 f., der allerdings lieber von dirittiellenisticials von diritto ellenisticosprechen möchte, und (ebenfalls skeptisch) M. TALAMANCA, ebd. 372, sowie zuletzt ausführlich in BRETONE-TALAMANCA, Il diritto in Grecia e a Roma (Bari 1981) 5ff.; s. ferner WoLFF, Konkurrenz 5 r f. D. N ÖRRs auf einer Analyse des Rechtsgehalts der Evangelien beruhende Vermutung, SZ 78 (1961) 141, die „hellenistische Rechtskoine" sei „weniger auf wechselseitige Rezeptionen (sc. griechischer und orientalischer Elemente) als auf Parallelbildungen zurückzuführen", geht von der Grundhypothese der Vermischung von Rechtstraditionen aus, die, wie soeben angedeutet, für Ägypten jedenfalls ohnehin unannehmbar ist. Unter keinen Umständen kann und soll sie die

Existenz weit gestreuter, aus gemeinsamer Wurzel stammender und in diesem Sinne als „hellenistische Koine" zu bezeichnender juristischer Vorstellungen der Bevölkerungen griechischer Herkunft bzw. Zivilisation in Frage stellen. 19 Hrsg. von C.B. WELLES,R. FINK und J.F. GILLIAM, The Parchments and Papyri (The Excavations at Dura-Europos, Final Report V, Part I; New Haven 1959). 2 Für die Spätzeit (6. und 7.Jh.) kommen noch die im Negev gefundenen und von C.J. I. Die urkundlichen Papyri werden mit dem Text - ohne Einleitung, Übersetzung und Kommentar - in der Duke Data Bank (DDB) gespeichert (hgg. von der Duke University Durham, N. C. 27706, USA; CD ROM# 7, The Packard Humanities Institute); im Internet zu erreichen über . In der DDB kann mit entsprechenden Suchprogrammen nach einzelnen Worten,Wortkombinationen oder speziellen Buchstabenfolgen gesucht werden. b) Die verstreut in Monographien, Zeitschriften und Festschriften publizierten urkundlichen Texte werden nach einheitlichen Maßstäben überarbeitet und in dem von F. PREISIGKEbegründeten „Sammelbuch der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten" neu wiedergegeben (s. S. 241 f.). c) Die Standardeditionen sind üblicherweise nicht nach Sachgesichtspunkten gegliedert, die Editionen erfassen in der Regel die Bestände einer Sammlung, ggf. eines Ortes oder eines einzelnen Archivs. Das von U. W1LCKENbegonnene Generalregister der griechischen Urkunden (AP 1, 1901, 1ff.) mit detaillierter Aufgliederung der Urkunden nach Sachgebieten wurde leider nicht fortgeführt. Eine Übersicht über die neu publizierten Texte erscheint jährlich im „Aegyptus" (seit Band 2, 1921) mit Angabe von Inhalt, Ort und Zeit (literarische Papyri, urkundliche Papyri, christliche und koptische Texte):Testi recentemente pubblicati. Für das Sammelbuch bringen die Indexbände ein nach Sachgruppen gegliedertes Register. Im Institut für Papyrologie der Universität Heidelberg wurde inzwischen erarbeitet das „ Generalregister der griechischen Papyrusurkunden". Es steht nun unter der Bezeichnung „Hauptregister" im Internet zur Verfiigung:

oder: . Das Register wurde inzwischen auch auf einer CD publiziert (Subsidia Papyrologica 1.0 - Distribution durch die Fondation Egyptologique Reine Elisabeth, Brüssel, Parc du Cinquantenaire). Abfragemöglichkeiten bestehen u. a. nach Ort, Zeit, Schriftträger und Inhalt.

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§ 2. Übersichtüber dieJuristischePapyrologie

2.

Berichtigungsliste

Neulesungen, Verbesserungsvorschläge zu einzelnen Lesungen und Interpretationen zu bereits publizierten Urkunden werden in der gleichfalls von F. PRElSlGKE begonnenen „Berichtigungsliste der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten" gesammelt. Erschienen sind bislang Vol. I-X: Vol. I, Berlin/Leipzig l 922;Vol. II, ed. F.BrLABEL,Heidelberg 1929-193 3 ;Vol III, ed. M. DAVID,B. A. VANGRONlNGEN,E. KrnsSLING,Leiden 1958;Vol. IV, ed. M. DAVID, B. A. VANGRONlNGEN,E. KrnssuNG, Leiden 1964; Vol. V, ed. E. Bosw1NKEL, M. DAVID,B. A. VANGRONlNGEN,E. KrnssLING,Leiden 1969; Vol. VI, ed. E. BosWlNKEL,P. W PESTMAN, H.-A. RuPPRECHT,Leiden 1976;Vol.VII, ed. E. Bosw1NKEL, W CLARYSSE, P.W PESTMAN, H. -A. RuPPRECHT,Leiden 1986;Vol.VIII, ed. P.W PESTH.-A. RuPPRECHT, MAN,H.-A. RuPPRECHT,Leiden 1992;Vol. IX, ed. P.W PESTMAN, Leiden 1995;Vol. X, ed. P.W PESTMAN, H.-A. RuPPRECHT,Leiden 1998. Eine Konkordanz wurde vorgelegt von W CLARYSSE, R. W DANIEL,F.A.J. HooGENDIJK,P.VANMINNEN,Konkordanz und Supplement zu Band I-VII (B. L. Konkordanz), Leuven l 990.

3. Wörterbücher a) Für den Bereich der urkundlichen Papyri ist zu verweisen auf das von F.PREISIGKEbegründete „Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden mit Einschluß der griechischen Inschriften, Aufschriften, Ostraka, Mumienschilder usw. aus Ägypten". Band I-III (Berlin 1925-1931) bringen die Belege aus den Editionen bis 1922 mit deutscher Übersetzung. Die Editionen bis 1940 werden in Band IV ff. erfaßt werden. Erschienen ist Band IV (a-t) (1944-1994). Der Wortbestand der Editionen von 1941 bis 1989 ist im Supplement zum WB erfaßt (VoJ. 1-3, 1971-2000). S. im übrigen auch LIDDELL-ScoTT, A Greek-English Lexicon, 9. Aufl. mit Nachträgen Oxford 1996. W BAUER,Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur, 6. völlig neu bearb.Aufl. ed. K. und B. ALAND,Berlin/New York l 988. G. WH. LAMPE,A Patristic Greek Lexicon, Oxford 1968. b) Für den Bereich der Verwaltung und des Rechts ist immer noch interessant, wenngleich veraltet, das von F. PREISlGKEerarbeitete Wörterbuch: Die Fachwörter des öffentlichen Verwaltungsdienstes Ägyptens in den griechischen Papyrusurkunden der ptolemäisch-römischen Zeit, Göttingen 1915. S. außerdem: N. HoHLWEIN,L'Egypte romaine - Recueil des termes techniques relatifs aux institutions politiques et administratives de l'Egypte romaine, Brüssel 1912. H.J. MASON,GreekTerms for Roman Institutions -A Lexicon andAnalysis (Am.Stud.Pap.13),Toronto 1974.

II. Hilfsmittel derArbeit

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c) Spezielle Wörterbücher S. DARIS,11lessico latino nella lingua greca d'Egitto,Aeg. 40 (1960) 177ff; Id., Il lessico latino nel greco d'Egitto, Barcelona 1971, 2. Aufl. 1991.

4. Corpora Anders als im Bereich der Inschriften sind Corpora unter regionalen, sachlichen oder zeitlichen Gesichtspunkten nur begrenzt realisierbar. Die Publikation von neuen Texten hält stetig an. Man schätzt, daß insgesamt noch wenigstens 50.000 Texte zu edieren sind. Für einzelne Bereiche wurden Corpora zusammengestellt, die aber steter Ergänzung bedürfen. Zu nennen sind: a) Corpus des Ordonnances des Ptolemees, ed. M.TH. LENGER.Brüssel 1964 (Acad. Roy. de Belgique, Cl. des Lettres, Memoires, coll. in 8, vol. 57, fase. 1), 2. verb. Aufl. 1980 (Memoires LXIV, 2). Nachträge: Atti XVII C. I 123 ff und: Bilan des additions et corrections (1964-1988) - Complements a la bibliographie. Brüssel 1990 (Pap. Brux. 24). b) Corpora Papyrorum Graecarum: I. I contratti di baliatico, ed. M. MANCAMASCIADRIund 0. MONTEVECCHI, Mailand 1984; Band I (Texte), Band II (Tafeln). II. 11controllo della popolazione nell'Egitto romano, r. Le denunce di morte, ed. L. CASARICO.Azzato1985 Band I (Texte), Band II (Tafeln). c) Corpus der ptolemäischen Sklaventexte, 1.Teil:Text Nr. 1-114, 2. Teil:Text Nr. 5-260, 3.Teil: Indices, ed. R. SCHOLL.(Forschungen zur antiken Sklaverei ... , Bh.1) Stuttgart 1990. II

d) Corpus Papyrorum Judaicarum. Cambridge, Mass. I. ed. VA.TcHERIKOVER.1957. Nr. 1-141. II. ed. VA.TcHERIKOVERund A. FuKs. 1960. Nr. 142-450. III. ed. VA. TcHERIKOVER, A. FuKs und M. STERN.1964. Nr. 451-520. Eine Neubearbeitung durch I. F.FnmMAN ist in Vorbereitung (s. Liste des reeditions et traductions des textes publies dans le CPJVols. 1-III, Scripta Classica Israelica 17, 1998, 183 ff). e) Corpus Papyrorum Latinarum, ed. R.CAVENAILE.Wiesbaden 1958.

5. Einführungen Von den Einführungen in das Gesamtgebiet der Papyrologie ist auch heute noch von grundlegender Bedeutung das Werk von LUDWIG MITTEIS und ULRICH WrLCKEN,Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde, 1. Band Historischer Teil, 2. Band Juristischer Teil, Leipzig-Berlin 1912 (in 4 Bänden), Ndr. Hildesheim 1963. Neuer ist das Werk von ÜRSOLINAMoNTEVECCHI,La papirologia (Manuali

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§ 2. ÜbersichtiiberdieJuristischePapyrologie

universitari), Turin 1973, 2. Aufl.(= Neudruck mit Nachträgen S. 537:ff.), Mailand 1988.Alsjüngste, knappere Einführung in den Gesamtbereich siehe: HANS-ALBERT RuPPRECHT,Kleine Einführung in die Papyruskunde, Darmstadt 1994 (2. Auflage unter dem Titel „Introduzione alla Papirologia", Turin 2000). Weiter sind aus der Literatur zu nennen: W. ScHUBART, Einführung in die Papyruskunde, Berlin 1918, Ndr. Berlin 1980 (2. unveränd.Aufl.). W. PEREMANS - J.VERGOTE,Papyrologisch Handboek (Kath.Univ. Leuven, phil.Studien, Teksten en Verhandelingen, II Reeks, deel 1), Leuven 1942. A. BATAILLE, Les Papyrus (Traite d' etudes byzantines II), Paris I 9 5 5. A. CALDERINI, Papyri, Guida allo studio della papirologia anti ca greca e romana, 3. Aufl. Mailand I 962. E. G. TURNER,Greek Papyri -An introduction, 2. Aufl. Oxford 1980. I. F.FICHMAN,Introduction ala papyrologie documentaire (in russ. Sprache), Moskau 1987. Neuestens: D. HAGEDORN,Papyrologie, in: Einleitung in die griechische Philologie, hgg. von H.-G. Nesselrath, Stuttgart-Leipzig 1997, 59:ff. Vorzügliche Einblicke in die Materie geben von einem anderen Ansatzpunkt: N. LEWIS,Greeks in Ptolemaic Egypt, Oxford 1986, und: Life in Egypt under Roman Rule, Oxford 1983. A. K. BowMAN, Egypt after the Pharaos, 2.Aufl. London 1996. R. S. BAGNALL, Egypt in Late Antiquity, Princeton I 993, und: Reading Papyri,Writing Ancient History, London-New York 1995. Für den juristischen Bereich ist vor allem hinzuweisen auf MITTEISin Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde, 2. Band Juristischer Teil, Leipzig-Berlin 1912 (s. o.).Das umfangreiche Handbuch von RAPHAEL TAUBENSCHLAG,The Law of Greco-Roman Egypt in the Light of the Papyri (332 B. C.-640 A. D.), 2.Aufl. Warschau 1955,Ndr. Mailand 1972 ist in Anlage und Durchführung zwar ganz von romanistischen Strukturen geprägt, als Gesamtüberblick zu den einzelnen Rechtsfiguren, für die Angaben bibliographischer Art und für Urkundennachweise ist es aber immer noch unverzichtbar. Einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die verschiedenen zusammenwirkenden Rechtsordnungen und die Grundstrukturen des Rechts sowie das Prozeßrecht und das materielle Recht der Papyrusurkunden geben die kürzlich veröffentlichten: ,,Vorlesungen über juristische Papyruskunde" von H.J.WüLFF, mit einem Vorwort und einer Würdigung hg. von]. G.WOLF,Berlin 1998. Von bes. juristischem Interesse sind außerdem: 0. GRADENWITZ, Einführung in die Papyruskunde, I. Heft Erklärung ausgewählter Urkunden nebst einem Konträrindex, Leipzig 1900. P. M. MEYER,Juristische Papyri, Erklärung von Urkunden zur Einführung in die juristische Papyruskunde, Berlin 1920, mit eingehender Analyse exemplarischer Urkunden. Eine bewährte Sammlung von Urkunden mit Kommentar und Übersetzung bei: P.W. PESTMAN, The New Papyrological Primer, Leiden 5. Aufl. 1990. S. auch L. MIGLIARDIZINGALE,Introduzione allo studio della papirologia giuridica, Turin 198 5. Quellenangaben und Literaturübersichten zum rechtlichen Bereich finden sich außerdem bei RuPPRECHT,Einführung zit.

II. Hilfsmittel derArbeit

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6. Literatur- und Quellenübersichten werden in den einschlägigen Berichten gegeben. a) Zu nennen sind insbesondere für die ältere Zeit: P.M. MEYER,Jur.Papyrusbericht, ZvglRW 39 (1921) 22off; 40 (1923) 174ff.; SZ 44 (1924) 581 ff; 46 (1926) 305ff.; 48 (1928) 587ff.; 50 (1930) 503 ff; 52 (1932) 356ff.; 54 (1934) 339ff. L. MITTElS,Neue Rechtsurkunden aus Oxyrhynchos,AP 1 (1901) 178ff., 342ff. L. MITTElS,Neue Urkunden, SZ 25 (1904) 374ff.-33 (1912) 64off J.PARTSCH,Juristische Literaturübersicht,AP 5 (1913) 45 3 ff; 7 ( 1924) 258 ff E. SEIDL,Juristische Papyruskunde, SDHI 1 (1935)-36 (1970). E. SEIDL, Übersetzungen und Abhandlungen zum vorptolemäischen Recht Ägyptens (1903-1929), KritVJSchr. 24 (1930) 37ff. L. WENGER,Juristische Literatmübersicht, AP 9 (1930) 104ff., 257ff.; 10 (1932) 98ff., 279ff.; 12 (1937) 103ff., 247ff.; 13 (1939) 155ff., 243ff.; 14 (1941) 181ff.; 15 (1953) 123 ff. U.WlLCKEN,Papyrusurkunden,AP 1 (1901) 122ff.-15 (1953) 108ff. H. J. WOLFF,Jur. Literaturübersicht, AP 17 ( 1960/ 62) 193 ff. H.J.WotFF, Neue juristische Urkunden, SZ 73 (1956) 326ff.; 77 (1960) 383 ff.; 83 (1966) 34off.; 88 (1971) 329ff.; 96 (1979) 258ff.; 100 (1983) 444:ff. F. ZUCKER,Urkundenreferat, AP 16 (1958) 214ff.; 17 (1966) uoff., 2II ff.; 18 (1966) 68ff. J. MüDRZEJEWSKl,Bibl. de papyrologie juridique, AP 24/ 5 (1976) 263 ff.; 26 (1978) 161 ff.; 31 (1985) 73 ff.; 32 (1986) 97ff.; 33 (1987) 97ff.; 34 (1988) 79:ff. ]. MüDRZEJEWSKl,SDHI 41 (1975) 475 ff.; 43 (1977) 667:ff.; 47 (1981) 425 ff. b) Laufend: J. HENGSTL,Juristische Literaturübersicht, AP 38-43, 1992-1997; ab Band 44, l 998 fortgeführt in abgekürzter Form als:Juristisches Referat. J.HENGSTL,Juristische Literaturübersicht,JJP 27ff., 1997:ff. E. KARABELIAS, Droits de l'antiquite, II Monde byzantin, RHD 51 ff., 1973 ff. J. MüDRZEJEWSKl,Papyrologie documentaire 1982-1985: JJP 20 (1990) 169ff.; 1985-1988: 21 (1991) 105ff. J. MüDRZEJEWSKl,Droits de l'antiquite, Egypte greco-romaine et monde hell., RHD 44 ff., 1966 ff. c) Bibliographische Angaben werden weiter fortlaufend gesammelt in der „Bibliographie Papyrologique", begründet seinerzeit von M. HoMBERT (seit 1932 in Karteiform, seit 1977 in indizierter Fassung). Die Bibliographie erscheint ab 1995 in einer Druck- und in einer EDV-Fassung (redigee par G. NACHTERGAEL et A. MARTIN,editee par la Fondation Egyptologique Reine Elisabeth, Brüssel). Die Angaben für die Jahre 1960-1999 sind auf CD zugänglich (s.o. 1 c zum Gesamtregister).

ERSTER

TITEL

GRUNDLAGEN

I. KAPITEL

GRIECHISCHES

RECHT

IN ÄGYPTEN

§ 3. Bedingungenund Grenze der Hellenisierungdes Privatrechts

I. Politische Voraussetzungen

1

Den Einflüssen, die Ägypten binnen wenigen Jahrzehnten zu einem Bestandteil der hellenistischen Welt machen sollten, hatte die i. J. 332 v. Chr. erfolgte Angliederung des Nillandes an das Reich Alexanders des Großen den Weg geebnet. Neben der alsbald von Alexander selbst bewirkten Gründung der Griechenstadt Alexandria waren es vor allem zwei Vorgänge, die den kulturgeschichtlichen Prozeß in Gang brachten. Der eine war die Errichtung der fast 300 Jahre überdauernden makedonischen Dynastie der Ptolemäer (Lagiden) durch Alexanders General Ptolemaios S. d. Lagos (zunächst, ab 323, als Satrap, seit 305 als selbsternannter König des nunmehr auch offiziell unabhängigen Landes). Sie legte den politischen Grund für den zweiten, entscheidenden, Faktor, nämlich den im Gefolge dieser Ereignisse einsetzenden und jahrzehntelang anhaltenden Massenstrom von Einwanderern, die nicht nur in Alexandria - griechischer Polis und bald auch königlicher Residenz 2 -, son1 Für den allgemeingeschichtlichen Hintergrund genügt ein Verweis auf die historische Literatur. Eine reiche Bibliographie älterer Arbeiten bietet TAUBENSCHLAG, Law 2 559ff. Neuere Darstellungen M. RosT0VTZEFF, The Social and Economic History of the Hellenistic World (Oxford 1941; deutsch unter dem Titel: Die hellenistische Welt, Gesellschaft und Wirtschaft [Stuttgart 1955)), insbes. I 255 ff. (196ff.), H. BENGTSON,Griechische Geschichte (München 1950) 336ff., W W TARN,Hellenistic Civilisation3 (London 1951; deutsche Übersetzung: Die Kultur der hellenistischen Welt, von G. BAYER [Darmstadt 1972)) 177ff. (209ff.), H. BERVE, Spätzeit des Griechentums (Freiburg-BaselWien 1960) 69ff., 99ff., C.B.WELrns, Die hellenistische Welt (Propyläen Weltgeschichte III [Berlin-Frankfurt-Wien 1962] 401ff., insbes. 43 4 ff. (englisch unter dem Titel: Alexander and the Hellenistic World [Toronto 1970], insbes. Der Staat der Griechen 2 49ff.), V. EHRENBERG, (Zürich-Stuttgart 1965) 163 ff., P. GR1MALund

PH. DERCHAINin: Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (Fischer Weltgeschichte VI; Frankfurt-Hamburg 1965) 29ff. bzw. 212ff., E. WILL, Histoire politique du monde hellenistique (Nancy 1966, 1967), C. SCHNEIDER, Kulturgesch. des Hellenismus (München 1967, 1969),insbes. I 438 ff., A. H.M.JoNEs,The Cities of the Eastern Roman Provinces 2 (Oxford Ptolemaic Alexand1971) 295 ff., P. M. FRASER, ria (Oxford 1972), CL. PREAUX, Le monde hellenistique (Paris 1978). S. im übrigen die Bibliographien bei PREAUX,a.a.O. I 31 ff., 47ff., sowie für laufende Neuerscheinungen die regelmäßig unter dem Titel „Egypte greco-romaine et monde hellenistique" veröffentlichten Literaturberichte MüDRZEJEWSKIS in der RHD. 2 Letzteres viell. erst seit Ptol. II. Philadelphos; vgl. WELLES,Historia II (1962) 273 8 . Es bleibe dahingestellt, warum Alexandria sicher in römischer und vermutlich schon in ptolemäischer Zeit eher als beiÄgypten gelegen denn als zu Ägypten gehörig galt ('AAEl;avÖQELaTJ:rtQoc;

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§ 3. Bedingungenund Grenze der Hellenisierungdes Privatrechts

QovMoa~µou, ön Atyunw'i~ dµL. In Ent. 79 bittet ein Mann, der von einer Ägypterin beleidigt zu sein behauptet, den König (Z.9f.): [µ11 JtEQLLÖEi:v µc o'Ü],:oo~&.Myoo~uno Atyu[m[a~ ußQwµe]vov. "EAATJV[aov],:a KaL l;evov, und noch im r.Jh. n. Chr. finden wir in einem Privatbrief den bitteren Satz: olöa~ ya.Q ,:o ,:&v Atyun(,:[oov), Oxy. XLII 3061 13 ; s. auch in der Eingabe eines Römers v.J. 162 n. Chr., SB XII 'Pooµai:~ ,:[maih]a l II l411r.: al;LWäv0QOOJtO~ na0oov uno Atyumlou. Vgl. W1LCKEN,AP 14 (1941) 154, PREAUX,Chron. d'Eg. 20 (1945) a.a.O. 277ff., 1301,Actes XV C. 37, SWIDEREK, PESTMAN, OverVrouwen 13. Daß Ägypter bereits im 3.Jh. v. Chr. in mitt-

lere Beamtenstellungen gelangen konnten (s. ob. 5), steht nicht im Widerspruch zu dem Gesagten, denn das waren Leute, die des Griechischen mächtig, also kulturell mehr oder minder assimiliert waren. Einen „Rassismus" im heutigen Sinn dürfte es kaum gegeben haben, s. MÜLLER,a.a.O. 4 mit Lit. in 5, auch MüDRZEJEWSKl,RHD 60 (1982) 485.Allgemeine Bibliographie zum gegenseitigen Verhältnis der Nationalitäten bei TAUBENSCHLAG, Law 2 4 12 • 16 Begründet von MITTElS,RRVR 5l, Grdz. XII; prinzipielle Anhänger aufgezählt bei WoLFF,Ess.Welles70 (Opusc. ro6),nachzutragen PREAux,RIDA 5 (1950) 351,SELB,Jahrb.Österr. Byzant. Gesellsch. 14 (1965) 42. SEIDL,PRG 2 ro8, läßt gewisse Einschränkungen gelten. Weitere Literaturangaben bei WoLFF,ANRW II 13, 805 125 .Als erster wandte sich gegen die Theorie BrcKERMANN,AP 8 (1927) 227ff.,seither ScHÖNBAUER,SZ49 (1929) 345ff.;57 (1937) 315ff.,und vor allem WüLFF,RIDA 3 7 (1960) 194f., 217f., Ess. Welles zit., Konkurrenz 53 ff.; zustimmend SEIDL,SDHI 27 (1961) 481, D'ORS, Atti XI C. 421, ÜATEs-SAMUEL-WELLES, P. Yale I S. 1691, ANKuM, RIDA 3 18 (1971) 376, PREAUXin „Le droit egyptien ancien" 189 f. Das hier abgelehnte „Personalitätsprinzip" darf nicht verwechselt werden mit dem von den Rechtshistorikern ebenso genannten Grundsatz der ausschließlichen Geltung der Gesetze eines Staates für die eigenen Bürger; vgl. auch ARANGro-Rurz,a.a.O. 271,WoLFF,RIDA zit.193f. 17 3: Hoc autem constituemus,ut infrapago Ribuariotarn Franci,Burgundionis,Alamanni, seu de quacumquenationeconmoratus Juerit, in iudiciointerpellatus,sicut /ex Iod contenit,ubi natusfuerit, sie respondeat.4: Quod si damnatusfuerit, secundumlegempropriam,non secundumlegemRibuariam,damnum susteneat.

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§ 3. Bedingungenund Grenze derHellenisierungdes Privatrechts

gerreich bezeugt, in dem ein jeder Mensch zeitlebens und überall dem Recht seiner Geburt unterworfen blieb. Im Anfang, solange geschäftliche oder gar familiäre Kontakte zwischen Ägyptern und neuen Einwohnern noch unentwickelt waren, mag es eine faktische gegenseitige Ausschließlichkeit der Rechtssphären gegeben haben. Juristisches Prinzip ist sie vermutlich nie gewesen. Jedenfalls führten fortschreitende Volksmischung und das durch sie sicher rnitverursachte Verschwinden der getrennten Jurisdiktionen dazu, daß sie sich im Laufe der Zeit verlor (Näheres u.§5I2a). Freilich bedeutete das nur, daß die Grenze durchlässiger wurde; wie u. a.a.O. (s.b.) gleichfalls eingehender ausgeführt werden wird, kam es nie zu einer einheitlichen Rechtsordnung. Zwar sank neben dem aus griechischer Wurzel stammenden Recht dasjenige der Ägypter mehr und mehr auf den untergeordneten Rang bloßer von der eingeborenen Bevölkerung praktizierter Gebräuche ab; daß diesen in spätptolemäischer Zeit der Schutz einer eigenen Jurisdiktion verlorenging, trug natürlich wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Doch büßte das ägyptische Recht seine Lebenskraft keineswegs ein. Sie wurde geistig von dem im Volkscharakter der Ägypter angelegten Konservativismus und praktisch von dem sich bis ins I .Jh. v. Chr. haltenden Priestergericht der Laokriten und nach deren Verschwinden wenigstens von ebenfalls offiziell zugelassenen und kontrollierten demotisch schreibenden Tempelnotaren 18 wachgehalten. Sprachliche Barriere, allseitiges Beharren auf alter Vätersitte und der langdauernde Fortbestand getrennter, jeweils auf ihre eigenen hergebrachten Methoden eingestellter Rechtspflegeeinrichtungen ließen es zu keiner Verschmelzung von innen her kommen, und erst recht wurde von seiten der Krone niemals ein dahin gehender Versuch gemacht (s. u. s. III). Aber die Sphären waren nicht hermetisch voneinander abgeschlossen. Was alledem historisch wie rechtstheoretisch besonderes Interesse verleiht, ist die Tatsache, daß es - wie nochmal betont sei - zu keiner Zeit das Produkt bewußter staatlicher Lenkung war. Die treibenden Kräfte der eingetretenen Veränderungen sind, wie später im einzelnen darzustellen sein wird, in den sich wandelnden politischen und soziologischen Bedingungen des Ptolemäerreichs und in gewissen, nicht zuletzt eben durch jene hervorgerufenen,Verlagerungen innerhalb seines Justizwesens, in der Prinzipatszeit in der grundsätzlichen Einstellung der Römer gegenüber den lokalen Rechtstraditionen zu suchen. 18

Zu ihnen s. für die ptolemäische Zeit dieses Hdb. II n 9 , 32 106 und an beiden Stellen zit. Lit.Vgl. BGUVI 1214, Ryl. IV 572, dazu u. § 56 . Auch an die mittels obligatorischer Anagraphe der demotischen Urkunden und, in römischer Zeit, zusätzlich des Zwangs zu ihrer Deponierung im alexandrinischen Zentralarchiv ausgeübte Kontrolle (Hdb. II 36f., 51f., 55f.) sei erinnert. Die Bedeutung des eingeborenen Notariats für das Fortleben des ägyptischen Rechts hat bereits AnANGrn-Rmz, a.a.O. 42, betont. Auf Grund der geläufigen, aber wahr-

scheinlich irrigen (s. dieses Hdb. II 84f., 261 f.) Annahme eines materiellrechtlich bedeutsamen Unterschieds zwischen agoranomischen und „privat" aufgesetzten (d. h. im griechischen Bereich: Sechszeugensyngraphai) Urkunden glaubt allerdings PESTMAN,Das ptol. Ägypten (ob.3) 203 f., den ägyptischen Schreibern der Ptolemäerzeit den Charakter von „Notaren" und ihren Erzeugnissen die Qualität „authentischer" Dokumente absprechen zu sollen. Demgegenüber vgl. WlLCKEN, UPZ I S. 602.

III. Der staatsrechtliche Hintergrund des Rechtspluralismus

III. Der staatsrechtliche Hintergrund

des Rechtspluralismus

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Ein solches Gemenge lebendiger, sich kreuzender und ergänzender und doch niemals zusammenfließender Rechtstraditionen verschiedensten Ursprungs in ein und demselben Land ist dem heutigen Verständnis nicht leicht zugänglich. Immerhin erscheint eine historische Erklärung als möglich.Auszugehen ist von der eben schon berührten, für den beschriebenen Zustand zwar nicht letztlich kausalen, doch mit verantwortlichen Tatsache, daß die makedonisch-griechischen Beherrscher Ägyptens niemals auch nur dazu angesetzt haben, die Mehrspurigkeit des in ihrem Lande im Gebrauch befindlichen Privatrechts mittels Erlasses einer für alle Einwohner verbindlichen Einheitsordnung zu beseitigen (übrigens befanden sie sich damit auf einer Linie mit den Königen anderer Diadochenreiche, namentlich den mit nicht ganz unähnlichen Problemen konfrontierten Seleukiden). 20 Nach CL. PREAUX,die in einer weit ausgreifenden geistesgeschichtlichen Untersuchung den Gründen dieses Mankos nachgegangen ist, 21 hätte in Ägypten wie anderwärts ein solches Unterfangen an dem engstirnigen Traditionalismus der stur an ihrem Herkommen hängenden Volksgruppen scheitern müssen; 22 im übrigen hätte ihm auch die offizielle Ideologie der Epoche im Wege gestanden, der es - bei gleichzeitigem Erlahmen des rationalistischen Geistes überhaupt - lediglich auf vage (jlLAaV0Quxrr:La und EJtLElKELa des Herrschers, aber nicht auf eine rational den praktischen Notwendigkeiten Rechnung tragende objektive Ordnung angekommen sei. 23 Angesichts des großenJustizdiagramma des Philadelphos, das das rechtliche Zusammenleben wenigstens eines Teils der Griechen und anderer ihnen angeschlossener und hellenisierter Nichtägypter auf eine feste, offensichtlich rational geplante Grundlage stellte, wenn es auch weder eine allumfassende Kodifikation des Privatrechts war (vgl. u. § 4 II 3 b) noch die Kluft zwischen den beiden Hauptnationalitäten schloß, mag man freilich die an zweiter Stelle genannte These für zu einseitig halten, zumindest was das ptolemäische Ägypten anbetrifft. 24 Größere 19

Vgl. WOLFF,Proc. XVI C. 313 ff. Vgl. hierzu allgemein B1KERMAN, Institutions des Seleucides (Paris 193 8), insbes. 7 (zur ethnischen Vielfalt), 133 ff. (,,Organisation du royaume"); s. auch PREAUX,RIDA 3 5 (1958) 383. 21 „Pourquoi n'y eut-il pas de grandes codifications hellenistiques"?, RIDA 3 zit. 365ff. Schon in RIDA 5 (1950) 350 hatte sie betont, daß gewisse g_egenseitige Rezeptionen, die sie nicht ohne Ubertreibung (s. u. § 47) - glaubte feststellen zu können, ,,ne permettent pas d'assurer que ceux-ci relevent d'une volonte d'unification". Zustimmend MÜLLER,a.a.O. 141. 22 PREAUX,RIDA3 zit. 382, 385f. 20

PREAUX,RIDA 3 zit. 376ff., doch s. auch SEIDLSnicht unbeachtliche Skepsis, SDHI 27 (1961) 480. 24 Vgl. WoLFF,AP 17 (1961) 198. ZumJustizdiagramma s. Konkurrenz 55 und dort angegebene Lit.; s. auch MoDRZEJEWSKl,SZ So (1963) 71 ff., Mel. Seston 379. Das Diagramma ist im übrigen nicht zu ve1wechseln mit der kodifikatorischen Zusammenfassung des griechischen Privatrechts Ägyptens, die eine in der Frühzeit der Papyrologie verbreitete, heute längst aufgegebene, Lehre (s. die Zitate bei MoDRZEJEWSKl, Ess.Welles 13227 ) in den gelegentlich e1wähnten :rtoAL'tLKoL voµm zu erkennen glaubte (zu den JtoAL'tLKOL voµm s. u. § 4 II 4). 23

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§ 3. Bedingungenund Grenze derHellenisierungdes Privatrechts

Suggestivkraft hat die erstere Beg1ündung; denn an Willen zur Herstellung einer Rechtsgemeinschaft mangelte es sicher auch im Ptolemäerreich auf allen Seiten, und das könnte etwaige Gedanken an eine die unterschiedlichen nationalen Traditionen überbruckende Einheitskodifikation in der Tat von vornherein ausgeschlossen haben. Indessen erscheint auch diese Erklärung als zu vordergründig. Letztlich ausschlaggebend muß vielmehr das staatstheoretische Bild gewesen sein, das die Zeit vom vliesenderptolemäischenMonarchiehatte. Es ist anzunehmen, daß zumindest in deren ersten Jahrzehnten dies allein schon ausreichte, etwaige Wünsche nach Schaffung eines übergreifenden Landesprivatrechts zu blockieren,ja daß es das fortbestehende Nebeneinander der unterschiedlichen Rechtsüberlieferungen gerade als das Natürliche erscheinen ließ. Jenes Bild ruhrte daher, daß es für das Phänomen der aus der Hinterlassenschaft Alexanders hervorgegangenen Diadochenreiche keine wirklichen Präzedentien in der eigenen geschichtlichen Erfahrung der Griechen gab. 25 Mit den hellenistischen Großmonarchien, die über weite Territorien mit zahlreicher und uneinheitlicher Bevölkerung geboten, war innerhalb verhältnismäßig weniger, dazu überaus turbulenter,Jahre ein den Griechen bisher nur aus der Ferne - vor allem aus dem persischen Reich bekannt gewordener Typ der politischen Ordnung in ihr unmittelbares Blickfeld getreten: die von einer Zentrale aus mit Hilfe einer (in Ägypten straffer, anderswo, wie im Seleukidenreich, 26 lockerer organisierten) Bürokratie mehr oder weniger despotisch zusammengehaltene Grqßraumherrschaft.27 Damit war zwischen ihrem herkömmlichen, an der Polis ausgerichteten Staatsbegriff und der politischen Wirklichkeit eine Diskrepanz entstanden, die organisch zu überwinden ihnen weder gedanklich noch gar in der Praxis gelungen war. Schon die Umstände, unter denen die neuen Königreiche entstanden waren, müssen dies verhindert haben. Denn der zumeist jeglicher Anknüpfung an überpersonale Ziele entbehrende, ausschließlich vom egoistischen Machtstreben der führenden Männer bestimmte Charakter der Diadochenkämpfe 28 kann kaum geeignet gewesen sein, einem den veränderten Verhältnissen angepaßten echten Staatsmodell - d. h. der Konzeption eines nicht lediglich auf der persönlichen Macht eines Herrschers beruhenden, sondern permanent das Land als solches verkörpernden politischen Systems zum Durchbruch zu verhelfen. 29 25 Ebenso H. H. SCHMITT,LAW 1247, s. ferner EHRENBERG, a.a.O. 166 und schon ARANGIORurz, a.a.O. 26. 26 Vgl. B1KERMAN, a.a.O. 204f., BENGTSON, Die Strategie in der hellenistischen Zeit II (München 1944, Neudruck 1964) 11 f., 20ff., 49ff., EHRENBERG, a.a.O. 218, 226[. Für geringer hält die Unterschiede zwischen der ptolemäischen und der seleukidischen Verwaltung WELLES,Class. Philol. 55 (1960) 138. 27 Auf diesen Charakter der hellenistischen Großmächte kommt es in diesem Zusanunen-

hang an. Kleinere Flächenmonarchien hatte esja im griechischen Bereich auch schon in vorhellenistischer Zeit gegeben, wie die Kleinkönigreiche in Nord- und Westgriechenland oder das Reich des Dionysios von Syrakus; s. nur EHRENBERG,a.a.O.164f.,V1ILERs,RIDA3 20 (1973) 258. 28 S.auchPmlAux,Chron.d'Eg.20 (1965) 139. 29 Für den rein persönlichen Charakter der hellenistischen Monarchie sei statt aller auf EHRENBERG, a.a.O. 195 f., verwiesen. An diesem grundsätzlichen Wesenszug ändern auch nichts gewisse, durch die unter königlicher Ober-

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III. Der staatsrechtliche Hinte1grunddes Rechtspluralismus

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Einern solchen Modell hätte vielleicht eine Ordnung entsprochen, deren territoriales und ethnisches Substrat zwar zu ausgedehnt und zu uneinheitlich gewesen wäre, um sie in der Art der hellenischen Polis mit den zu ihr gehörigen Menschen als deren politisches Kollektiv identisch sein zu lassen, 30 die aber doch in der Gestalt eines neben und über ihnen stehenden, abstrakt konzipierten Regierungsapparats unter monarchischer Spitze ihre Legitimation in der Ausrichtung auf das Gemeinschaftsinteresse einer sinnvoll gegliederten Bevöllcerung gefunden hätte. Derartiges in der Praxis auch nur anzustreben, entsprach indessen nicht dem Bild, das sich die Epoche vom Verhältnis des Monarchen zu dem von ihm beherrschten Land machte. 31 Für die maßgeblichen Kreise unter den Zeitgenossen blieben die von den hellenistischen Königen okkupierten Gebiete immer nur der persönliche, privatesEigentum angesehene Herrim Grunde als „speererworbenes" (ÖoQLKi:ytwc:;) schaftsbereich des jeweiligen Monarchen. Zumindest im ptolemäischen Ägypten war wirtschaftliche Ausbeutung im persönlichen Interesse des Herrschers ihr eigentlicher Daseinszweck. 32 Gewiß erwartete man vom König (natürlich ohnehin oft genug vergebens), daß er genügend Verantwortungsgefühl besitzen würde, um seine Machtausübung im Einklang mit dem von den Philosophen propagierten hochethischen Königsideal zu halten. Aber auch dieses war ja ganz auf die Einzelpersönlichkeitdes Herrschers abgestellt. 33 Wohl verlangte es von ihm neben hohen militärischen Qualitäten väterliches Wohlwollen (cpLAaV0Qwn:La), Gerechtigkeit und Fairneß (EmELKELa) und Liebe zu den Untertanen (nJCTWQyLa). Ein Herrscherbegriff jedoch, wie er sich unter dem Einfluß der versachlichten Staatsauffassung der Aufklärung für den aufhoheit fortbestehende, unterschiedlich ausgedehnte (s. nur BENGTSON,a.a.O. 139) Teilsouveränität vieler Poleis oder durch die Macht von Höflingen bedingte Einschränkungen der königlichen Autorität, auf die D. Nörr, Der Staat 5 (1966) 357, und H. Braunert, Saeculum 19 (1968) 62f., den Blick gelenkt haben. 30 Es lohnt sich, die treffende Definition U. E. PAOLISzu zitieren, Altri studi di diritto greco e romano (Mailand 1976) 198: ,,La polis e una collettivita di uomini liberi, ciascuno dei quali partecipa della sovranita della polis, di cui e membro, e gode dei privilegi ehe distinguono i cittadini dai non cittadini e dai non liberi." 31 Anders allenfalls gewisse Theoretiker, wie der Zeitgenosse der ersten Ptolemäer, Euhemeros von Messene (bei Diod. 5. 41-46; 6.1), zu dem vgl. BRAUNERT, a.a.O. 54ff.; betr. der Beziehung des Euhemeros speziell zu Ägypten s. BRAuNERT,a.a.O. 58f. und die von ihm S. 58 17 angeführte Lit. Allgemein vgl. zu Euhemeros H. DöRRIE,Der Kleine Pauly II 414f. 32 Aus dem umfangreichen Schrifttums. aus neuerer Zeit etwa RosTOVTZEFF,a.a.O. I 269ff. (207ff.) mit reicher Bibliographie in II 1379ff.

(III u34ff.),EHRENBERG,a.a.O. 218, 330,J. GAuDEMET,Institutions de l'Antiquite (Paris 1967) 224, H. H. SCHMITT,a.a.O., W SCHMITTHENNER, Saeculum 19 (1968) 39ff., VILLERS,a.a.O. 268, PREAUX,Monde hellenist. I I 86 ff., WüLFF,Konkurrenz 65; ähnlich auch BRAUNERT, a.a.O. 65. Lesenswert die Charakterisierung der ptolemäischen Verwaltung bei TARN,a.a.O. 208 f. (244ff.). Zum Begriff ÖOQLK'tTJ'l:O~s. neuestens A. MEHL, Ancient Society u/12 (1980/I) 173 ff. Sein Ergebnis, daß der Begriff in den Beziehungen der hellenistischen Monarchien untereinander nur eine begrenzte bzw. gar keine Rolle spielen konnte, leuchtet ein, und zwar, im Lichte ihrer nicht auf eigener Eroberung beruhenden Entstehung, gerade auch für die des Ptolemaios I. (s. a.a.O. 208f.). In einem weiteren Sinn, d. h. als ideologische Begründung ihres Herrschaftsanspruchs, dürfte er jedoch auch für diese brauchbar sein. Des Näheren auf die Problematik des hier nur in grober Vereinfachung angedeuteten Phänomens einzugehen, ist an dieser Stelle weder geboten noch möglich. 33 Hinsichtlich der hellenistischen Königsvorstellung ist jetzt in erster Linie die zusam-

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§ 3. Bedingungenund Grenze der Hellenisierungdes Privatrechts

geklärten Absolutismus des 18.Jh. gebildet hatte, d. h. die Idee eines Königs, der, nach dem bekannten Wort Friedrichs des Großen, der „erste Diener des Staates" sein sollte, 34 konnte in der hellenistischen Vorstellung, für die der König ein über die Menschen hinausgehobenes göttliches Wesen war, 35 keinen Platz haben. 36 Schon aus der eigenen Sicht der Zeit heraus erscheint es daher als wenig angebracht, jenen ausschließlich durch ihre Dynastien definierten Reichen den Charakter wirklicher „Staatswesen" zuzuschreiben. 37 Zum gleichen Ergebnis führt,jedenfalls für das ptolemäische Ägypten, ein Blick auf die politische Rolle der Bevölkerung.38 Zwar ist nicht zu leugnen, daß das engmaschige und festen Regeln folgende, bürokratisch aufgezogene fiskalische und administrative System der Ptolemäer im praktischen Ergebnis dem eines echten Territorialstaats nahekam. Indessen änderte diese - übrigens weitgehend an längst Bestehendes anknüpfende 39 - organisatorische Leistung der Regierung nichts daran, daß es kein „Staatsvolk" gab. 40 Wir können das Sonderstatut der Bürger der drei halbautonomen Griechengemeinden - des alten Naukratis und der Neugründungen Alexandria und, einige Jahrzehnte jünger, Ptolemais in Oberägypten - beiseite lassen. T#sentlich ist, daß die Bevölkerungder Chorain mehrereGruppenze,fiel,die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten. 41 menfassende Erörterung in dem Kapitel „Le Roi" bei PREAUX,a.a.O. 181 ff., insbes. 192ff., in Bezug zu nehmen; s. auch PREAUXin: Images of Man in Ancient and Medieval Thought, Studia Gerardo Verbeke ab amicis et collegis dicata (Löwen 1976) 53 ff. Aus der älteren Lit. mögen W. ScHUBART,AP12 (1937) 1 ff. und E. R. GooDENOUGH,YaleClass. Studies 1 (1938) 55 ff. angeführt werden. Neuestens s. noch J.J.FARBER, AJP 100 (1979) 497ff. 34 Vgl. H. CoNRAD,Staatsgedanke und Staatspraxis des aufgeklärten Absolutismus (Rhein.Westf. Akad. d.Wiss.,Vorträge. G 173; Opladen 1971), insbes. 24ff., 59. 35 Erinnert sei an die in diesen Zusammenhang gehörige Denkfigur vom König als voµrn:; ltµ'lj)uxo,;,zu welcher vgl. die von MODRZEJEWSKl,Ess.Welles 150 107 aufgeführte Lit., der GooDENOUGH, a.a.O. 68f., 91 und FARBERa.a.O. 504 nachzutragen sind. A. STElNWENTER, Anz. Ak. Wien, phil. -hist. Kl., 1946 Nr. 19, S. 20 5 f. bemerkt mit Recht, daß sie auch gerade auf den ptolemäischen König paßt, obwohl sie allerdings in den Papyri nicht anzutreffen sei (so noch heute). 36 Einen von der ethischen Einstellung her verwandten, aber staatstheoretisch gesehen völlig anders gearteten Begriff drückt der von Aelian var.hist. 2.20 überlieferte Ausspruch des Makedonenkönigs Antigonos Gonatas von der ßa