Das Medium ist die Botschaft 3364004005

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Das Medium ist die Botschaft
 3364004005

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Marshall McLuhan

Fundus-Bücher, herausgegeben von

Das Medium ist die Botschaft

Gerti Fietzek und Michael Glasmeier

- The Medium is the Message Herausgegeben und übersetzt von Martin Baltes, Fritz Boehler, Rainer Höltschl, Jürgen Reuß

Philo Fine Arts

Verlag der Kunst

Inhalt

Die Deutsche Bibliothek- CIP-Einheitsaufnahme

>>

I ain't got no body

. . .

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Gespräch mit Louis Forsdale

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McLuhan, Marshall: Das Medium ist die Botschaft = The medium is the message I

Testen, bis die Schlösser nachgeben

Marshall McLuhan.

Gespriich mit Gerald Emanuel Stearn

Hrsg. und übers. von Martin Baltes ... -Dresden: Ver!. der Kunst, 2001

Die Gegenwart ist immer unsichtbar

(Fundus-Bücher; 154)

Gespriich mit Eli Bronstein

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Einheitssacht.: The medium is the message ISBN 3-364-00400-5

Nichts Altes unter der Sonne

Interview mit Jean Pari

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Geschlechtsorgan der Maschinen © für diese Ausgabe

»Playboy«-Interview mit Eric Norden

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Rainer Höltschl/Fritz Boehler Ich bin mein eigener Computer. Sprache, Schrift und Computer bei McLuhan

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Zitierte Literatur Textnachweise Namensindex

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Philo Fine Arts Verlag der Kunst Dresden Alle Rechte vorbehalten All rights reserved Gestaltung: Sonja Rennersdorf Satz: psb, Berlin Gesetzt aus der Janson text Die Abbildungen sind Filmstills aus » The Video McLuhan« Druck und Bindung: Salzland Druck GmbH, Staßfurt

··I ain't got no body .....

1 7. Juli 1978, Teachers College, Columbia University, New York, New York - Gespräch mit Louis Forsdale

Loms FoRSDALE: 17. Juli 1978, Raum TL 4011 B, Un­ ser Gastredner heute ist Professor Marshall McLuhan von der University ofToronto. Sie alle kennen seine Verdienste. Sie erinnern sich, zu Beginn dieser Vortragsreihe hatte ich Ihnen gesagt, daß ich ihn für einen der herausragendsten Denker im Bereich der Kommunikation halte. Heute möch­ te ich etwas anderes, etwas Persö'nlicheres hinzufügen. Ich kenne Marshall nun schon seit dreißig Jahren - das haben wir gestern abend herausgefunden. Damals hatte ich ihn hier ins Teachers College eingeladen, zu einer Konferenz, von der ich Ihnen ebenfalls in unserer ersten Sitzung er­ zählt habe. Zwischen Marshall und mir ist im Lauf der Zeit eine Art eng-entfernter Freundschaft entstanden. Wir treffen uns ein- oder zweimal im Jahr, schreiben Briefe und so weiter. Und ich sehe in ihm mittlerweile mehr als nur eine der herausragendsten Gestalten im Bereich der Kom­ munikation. Da ist noch etwas anderes, was ich sehr schätze, und das ist seine Loyalität, für die ich mich hier einmal bedanken möchte, MarshalL Ich betrachte es als ein gro­ ßes Privileg, daß jemand über so lange Zeit trotz der räumlichen Entfernung ein

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treuer Freund bleiben kann. Drum schlage ich vor, daß wir- da uns diese Freundschaft irgendwie aufdieselbe Wel­ lenlänge gebracht hat - zumindest den Anfang unserer heutigen Sitzung als Dialog beginnen, wobei ich als eine Art Advocatus Diaboli Fragen stellen werde, deren Ant­ worten ich mir eigentlich denken kann. Ich werde mich aber bemühen, allen Anwesenden den Einstieg in die Thematik zu erleichtern. Wenn wir in Fahrt sind, hoffe ich, werden Sie sich rege beteiligen, wobei ich mir das Recht vorbehalte, uns, wenn niitig, auf den richtigen Kurs zurückzubrin­ gen . . . Okay. Also, es ist so eine Art Mutt-und-Jeff-Show, die wir manchmal abziehen. Erinnert sich von Ihnen noch jemand an Mutt und Jeff?I MARsHALL McLuHAN: »Kneif mich, Mutt«, das ist einer der Sprüche aus den alten Comics.

körperlichte Intelligenz. Man ist ein Bild, ein Klang­ bild, aber kein Körper im physikalischen Sinn. Im Radio oder im Fernsehen gibt es keinen Körper im physikalischen Sinn. Was, glauben Sie, bedeutet die­ ser Umstand für den Benutzer von Telefon, Radio oder Fernsehen? Wirkung ist immer ein verborgener Grund und niemals ein Teil der Figur. Das, was man sieht, ist die Figur, das, was die Wirkung ausmacht, der Grund. Das ist der Sinn von: Das Medium ist die Botschaft. Das Medium ist verborgen, der Inhalt of­ fensichtlich. Aber die eigentliche Wirkung rührt vom verborgenen Grund her, nicht von der Figur. Von ei­ nem Grund, der nie bemerkt wird. Bis heute hat nie­ mand bemerkt, daß man beim Telefonieren keinen physikalischen Körper hat. Es gibt da ein neues Buch von Ithiel de Sola Soundso ...

»Mutt and Jeffi< ist ein Comic, in dem Mutt oder Jeff ein kleiner Typ ist und der andere ein großer schlaksiger­ so wie Marshall und ich eben. Alsofangen wir mit unserem Dialog an. Marshall, wenn ich mir dein Werk vor Augen führe, das doch ziemlich umfangreich ist - vierzehn, fünf­ zehn Bücher, tausend Aufsiitze, tausend Vorträge, scheint es mir dein Hauptanliegen zu sein, unsere Aufmerksamkeit aufdie Form von Medien zu richten und immer wieder zu untersuchen, wie sich die Form des Mediums auf unsere Wahrnehmung und die gesellschaftliche Ordnung auswirkt. Die Form des Mediums - nicht sein Inhalt wohlgemerkt. Ich werfe dir das so hin, um von dir zu hiiren, ob man das für den Anfang zumindest als Verallgemeinerung stehen lassen . . .

Womit du sagen willst, diese Forschungsgruppen haben Untersuchungen angestellt über die Zahl von Haushalten, die ein Telefon besitzen, die Anzahl der Gespriiche und de­ ren Inhalt - also über all das, was du nicht für die eigent­ liche Wirkung hältst.

Auch ich würde gerne meinen Freund Lou rühmen, aber er ist schon voll ins Thema eingestiegen. Neh­ men wir also ein Beispiel: Wenn man telefoniert, hat man keinen Körper. Man ist eine wahrnehmende, ent-

Das Telefon wurde zunächst als Kommunikations­ form in großen Wohnhäusern genutzt, um dasPerso­ nal zu rufen. Aber es ist immer so: Jedes Medium wird zuerst einmal in der

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. . . Pool. lthiel de SolaPool-ein lächerlicher Name und ein lächerliches Buch - mit dem Titel »Die sozialen Aus­ wirkungen des Telefons oder Die Folgen des Telefons«, von denen der Autor leider gar nichts versteht. Eine ganze Reihe von Leuten haben solche Studien über die Fol­ gen des Telefons durchgeführt, aber sie wußten ein­ fach nicht, was eine Wirkung ist.

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Funktion eines alten Mediums eingesetzt. So ist es beim Computer, beim Kopierer, beim Automobil- bei jedem Medium. Zuerst erfüllt es eine alte Aufgabe.

Du selbst hastja mit der »Gutenberg-Galaxis« ein in­ teressantes Beispiel gegeben. Du hieltest dieses Buch einmal für dein bestes. Wie siehst du das heute? Ich halte es noch immer für die Grundlage.

»Die Gutenberg-Galaxis«, von Marshall McLuhan. Das Ende des Buchzeitalters.

Du sagst, ein neues Medium tut immer dasselbe wie das alte Medium. Eine interessante Beobachtung hierzu ist, daß die ersten Typographen versucht haben, der Handschrift eine mechanische Form zu gehen. Das liegtja auch nahe. Es ist die natürlichste Sache der Welt. Es gibt eine Werbung von Xerox- ich habe sie lei­ der nicht dabei-, auf der ein paar Mönche abgebildet sind, die über ihren Manuskripten sitzen. Und sie sind äußerst glücklich, daß sie einen Kopierer haben. Da­ durch können sie unglaublich schnell arbeiten.

Das lief in den USA eine ganze Weile im Fernsehen, Marshatl. Weiß ich. Aber die hier war im >>New Yorker«. Ich hab' sie herausgerissen. Jedes neue Medium wird zu­ erst wie ein altes verwendet. Aber vielleicht kommen wir einmal zu der Frage zurück, was es für den Benut­ zer heißt, körperlos zu sein.

Beim Telefonieren zum Beispiel? Telefon, Radio oder Fernsehen, bei keinem hat man einen Körper im physikalischen Sinn.

Ist die Frage an alle gerichtet? Jaja.

Also, hatjemand eine Vermutung? STuDENT: Vielleicht so was wie Depersonalisation. 10

MARSHALL McLuHAN: Ja,

und zwar total. Loms FoR SDALE : Was sich beobachten läßt, wäre also

eine Form der Depersonalisation. MARSHALL McLUHAN: Der Sender wird gesendet. Übrigens, bei allen elektrischen Medien wird der Sen­ der gesendet. Das ist die Botschaft. Du bist die Bot­ schaft. Du wirst verschickt. Beim Telefon wird man an die Person verschickt, mit der man spricht, und die­ jenigen, mit denen man spricht, werden zu einem selbst geschickt. Der Sender wird also gesendet. Und außerdem verliert man, wie Sie gesagt haben, seine Identität. Man wird Niemand, und Niemand wird ver­ schickt. Warum ist derjenige, der schreibt, jemand und hat eine

stärkere Identität als derjenige, der telefoniert? Tja, Hardware.

Wieso? Hardware istPapier, Stift, Tinte, und der Bote, der dem Adressaten die Nachricht überbringt. Du

meinst damit also nicht-transitorisch.

Es ist nicht instantan. Elektrizität ist immer instan­ tan, ohne Verzögerung. Und das ist auch der Grund, warum man keinen Körper hat. lnstantane Kommuni­ kation ist Kommunikation minus Körper. Und das fing mit dem Telegrafen an. Der Telegraf hat diese einge­ baute Dimension der Instantaneität und hat dadurch die Nachrichten und die Übermittlung von Informa­ tionen vollständig transformiert. Durch nichts anderes als die Geschwindigkeit. Worüber geschrieben wurde, war völlig egal- nur die Tatsache, daß es mit Licht­ geschwindigkeit übertragen wurde, veränderte alles. Das führte zum Bürgerkrieg. Der verborgene Grund des Amerikanischen 11

Bürgerkriegs war der Telegraf, und nicht ein Histo­ riker ist sich dessen bewußt. Wenn Sie Kenneth Stampps Buch über die Ursachen des Amerikanischen Bürgerkriegs aufschlagen, werden Sie vergeblich nach einer Erwähnung des Telegrafen suchen. Der Tele­ graf ist akustisch, nicht visuell. Bei Lichtgeschwindig­ keit kommt das Ohr ins Spiel, und das Auge verliert an Bedeutung.

Laß mich das noch einmal wiederholen, um zu sehen, ob wir das auch verstanden haben. Du sagst, die wichtigste Botschaft von Telegrafen und Telefon sei die Geschwindig­ keit der Kommunikation. Und diese Geschwindigkeit al­ /eine, verglichen mit dem Schreiben eines Briefes und sei­ nem Transport mit der Postkutsche - oder wie auch immer wir das heute machen;jedenfalls dauert es länger alsfrüher. Es ist die Geschwindigkeit, mit der Informationen übermit­ telt werden, die für die gesellschaftlichen, zwischenmensch­ lichen Beziehungen, die menschliche Psyche von Bedeutung ist- ganz gleich, welchen Inhalt diese Information hat. Der Inhalt ist vollkommen uninteressant. Das trifft in immer stärkerem Maß auf die Nachrichten im Fernsehen zu. Inhalt ist völlig belanglos. Alles ist Phantasie. Mit der Lichtgeschwindigkeit werden die Hardware-Nachrichten zu Phantasie, zu einer Reise ins Innere. Aber das geht jetzt zu weit. Halten wir zunächst einmal fest: Da man sich beim Telefonieren mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, hat man keine per­ sönliche Identität. Und wenn man keine persönliche Identität oder besser noch, keinen Körper hat, ist man nicht mehr den Kräften der Natur unterworfen. Bei Lichtgeschwindigkeit hat die Gravitation keine Macht mehr. Plötzlich steht man außerhalb des natürlichen Systems der Dinge. Man wird zum >Superman>Preface to Plato« einiges über die Transformationen der menschlichen Psyche zu sa­ gen, die aus dem phonetischen Alphabet resultieren. Havelock war ein Kollege von Harold Innis an der University of Toronto, und Innis war der erste- nach­ dem das Alphabet bereits zweitausendfünfhundert Jahre zuvor eingeführt worden war -, also Harold lnnis war der erste, der sich mit den Auswirkungen des Alphabets auf Menschen und Politik beschäftigte. Havelock wurde stark von ihm beeinflußt und hat sein Werk fortgesetzt.

»Empire and Communication«, »Bias of Communica­ tion«, beides Bücher des verstorbenen Harold Innis. Zu gegebener Zeit werden wir über die Auswirkun­ gen der Schrift sprechen - ein phantastisches Thema. Ich meine natürlich 13

die alphabetische Schrift. Ich gehe davon aus, daß Ju­ lian Jaynes den Unterschied zwischen alphabetischer Schrift und anderen Formen der Schrift gar nicht kennt. Aber die alphabetische Schrift ist die einzige Form der Schrift, die diese besondere Wirkung auf die menschliche Psyche hat. Andere Schriftsysteme, wie die des Sanskrit, des Hebräischen, haben nicht diesel­ ben Auswirkungen.

Laß uns diesen Punkt nach einmal rekapitulieren. Das phonetische Alphabet ist die Art von Alphabet, in dem die Klänge der Sprache zerlegt und einer bestimmten Anzahl von sichtbaren Zeichen zugeordnet werden. Das Englische verwendet beispielsweise ein phonetisches Alphabet, auch wenn es nicht besonders gut fUnktioniert. Wir bräuchten ungefähr 48 Buchstaben, um alle Klänge abzubilden und weniger Rechtschreibfehler zu machen. Es gibt aber auch andere Schreibsysteme: die Bilderschrift zum Beispiel, wo die Schrift versucht, einen Baum abzubilden und sich nach und nach in eine abstraktere Form wandelt. Oder die Ideo­ graphie, in der willkürliche Symbole ... Im Chinesischen ist das Zeichen für Aufrichtigkeit ein Mann, der aufrecht steht, der neben seiner Arbeit steht. Das ist Aufrichtigkeit. Ein Mann steht neben seiner Arbeit. Zwei Dinge: Figur und Grund.

Du sagst also, wir sollten uns aufdas phonetische Alpha­ bet - dasjenige, das sich aus dem Sprechen entwickelt hat­ konzentrieren, wenn wir etwas über die wichtigsten Aus­ wirkungen auf die menschliche Psyche eifahren wallen. Warum? Wenn man etwas aus dem Bereich des Hörens in den des Sehens übersetzt, schneidet man den physi­ kalischen, körperlichen Grund der Situation ab. Außer der Figur bleibt nichts übrig. Anstelle einer Gestalt 14

aus Figur und Grund beläßt einen das Geschriebene mit nichts als der Figur. Das ist ein extrem abstrakter Vorgang. Sehen Sie, die Buchstaben des phonetischen Alphabets haben selbst keine Bedeutung: [a], [b], [c], [d], [e] und so weiter. Diese bedeutungslosen Pho­ neme ermöglichen es Ihnen, jede Sprache zu überset­ zen, in diese bedeutungsleeren Klänge zu übersetzen. Wenn die Buchstaben irgendeine Bedeutung hätten, wäre das nicht möglich. Man braucht diesen neutralen, abstrakten, bedeutungslosen Buchstabenbestand, um Hörbares in Sichtbares zu übersetzen. Und wenn man das tut, schneidet man den Grund der Gestalt weg, und es bleibt einem nichts außer der Figur. Und das Resultat einer Figur ohne Grund ist Euklid, ist Logik. Was man >Logik< nennt, ist nichts anderes als das Ab­ schneiden des Grunds von den Figuren und das Zu­ sammenschnüren der Figuren zu engen Mustern. So kommt man zuParmerndes und den Griechen.

Das ist Logik? Logik ist Figur minus Grund.

Ist das dasselbe oder so iihnlich wie: Figur ohne Grund ist abstrakt oder willkürlich? Ja, sogar sehr abstrakt. Am Telefon ist man abstrakt. Du bist eine Vorstellung ohne Körper. Das ist nichts anderes als Figur ohne Grund. Wenn du auf Sendung bist, im Radio oder im Fernsehen, bist du ohne Kör­ per, eine Figur. Das Abbild ist da, nicht aber der Kör­ per.

In einer oralen Gesellschaft, oder bei dem, was wir beide hier machen . . . Hat das denn dieselbe Qualität, wie ein Ge­ spräch am Telefon? Hier haben wir Figur und Grund, das Wechselspiel von Figur und 15

Grund, das, was man >Gestalt< nennt. Übrigens was die beiden Gehirnhälften angeht, ist die rechte die­ jenige, die zur Gestalt gehört, während die linke die Figur ohne Grund ist, also abstrakt. Eine Gehirnhälf­ te ist leistungsfähig, ohne Gestalt, abstrakt, Figur ohne Grund. Diese Seite heißt lächerlicherweise die ratio­ nale Seite. Aber es ist einfach nur die abstrakte Seite. Die abstrakte Seite des Gehirns, die linke, ist Figur ohne Grund. Sie ist logisch, linear und zusammenhän­ gend. In ihr gibt es Klassifikationen, Orte, um Dinge aufzubewahren. Zu ihr gehören Syntax, Grammatik und Ordnung- alles Figuren ohne Grund. Die rechte Hirnhälfte hingegen ist Figur und Grund und wird als intuitiv bezeichnet. Oder vielmehr wird sie nicht so genannt, sondern man hat diese Eigenschaften als Faustregel aufgestellt. Zum Glück sind die Hemisphä­ ren keine Theorie, sie sind empirisch gewissenhaft nachgewiesen worden. Aber die rechte Gehirnhälfte ist simultan. Es ist die elektrische Seite des Gehirns.

Bist dufür oder gegen die rechte oder linke Seite des Ge­ hirns? Ich bin für den Underdog. Und die rechte Hemi­ sphäre ist der Underdog unserer Welt. Das begabte Kind ist eines, dessen rechte Hirnhälfte dominant ist, aber dieses Kind ist in der Schule fehl am Platz, denn das Schulsystem ist ganz auf die linke Hemisphäre aus­ gerichtet, auf Quantifizierung, Klassifizierung, Noten­ system und so weiter. Und in Intelligenztests wird im­ mer nur die linke Hirnhälfte getestet. Einstein würde nicht einmal einen IQ von 90 erreichen. Er war so rechtshemisphärisch, er konnte kaum sprechen. Er be­ herrschte keine Rechtschreibung und schon gar keine Mathematik. Er war intuitiv, und seine Freunde muß16

ten ihm helfen, seine Intuitionen in Mathematik um­ zusetzen. Es gibt ein herrliches Buch über ihn, das ge­ rade erst erschienen ist. Der Autor heißt Feuer, und der Titel ist >>Einstein and the Generation ofScience«. Es ist ein Buch voller Anekdoten und Dialoge zwischen Einstein und einem Dutzend seiner Freunde. Als sie in Zürich und Bern und so aufwuchsen. [F]- [E]- [U]­ [E]- [R]. Lewis S. heißt er, glaube ich.

Forsdale schreibt Namen und Titel an die Tafel: Hat er das richtig buchstabiert? Studenten lachen. Na, wie dem auch sei, die rechte Hemisphäre ist die Underdog-Seite. In der westlichen Hemisphäre wird sie nicht sehr stark genutzt. Die dritte Welt, der Orient, ist 1 00 Prozent rechtshemisphärisch. Das ist auch der Grund, warum sie dort weiter zurück sind. Sie können nicht quantitativ nach vorne arbeiten, wie man das mit der linken Hemisphäre kann.

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