Das Brandgräberfeld von Pukkila in Isokyrö

Das im Früjahr 1920 bei Gelegenheit eines Hausbaues entdeckte und bald darauf untersuchte völkerwanderungszeitliche Bran

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German Pages XXVIII+194 [226] Year 1938

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Das Brandgräberfeld von Pukkila in Isokyrö

Table of contents :
Vorwort v
Fundbeschreibung 1
Der ältere Teil der Fundstätte oder Pukkila I 22
Fibeln. S. 23. Schmuckgegenstände. S. 30. Spiralfingerring. Bernsteinperlen. S. 31. Solidi und Ringgold. S. 32. Knöcherne Gegenstände. S. 46. Waffen. S. 48. Spitzenbeschlag eines Trinkhorns. S. 52.
Der jüngere Teil der Fundstätte oder Pukkila II 53
Bestattungsart. S. 54. Waffen. S. 60. Schwerter. S. 60. Kampfmesser. S. 70. Lanzenspitzen. S. 76. Pfeilspitzen. S. 78. Schildbuckel. S. 92. Beil. S. 96. Bestandteile eines Helmes? S. 100. Messer. S. 102. Nadel. S. 105. Pinzette. S. 115. Hängezierde. S. 117. Rasseln. S. 118. Zaumzeug. S. 131. Riemenzungen. S. 139. Eiserne und bronzene Beschläge. S. 140. Schnallen. S. 146. Eiserner Haken. S. 150. Küchengeräte. S. 150. Schere. S. 156. Sensen. S. 162. Tongefäss. S. 174. Schlüssel. S. 175.
Die Datierung der Funde 175
Westliche, südliche und östliche Verbindungen 178
Abkürzungen 190
Berichtigungen und Zusätze 193

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S U O M E N MUINAIS­ M UISTOYHDISTYKSEN

AIKAKAUSKIRJA FINSKA FO R N ­ M INNESFÖRENINGENS

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H ELSIN K I 1938 H ELSINGFORS K . F. P U R O M IE H E N K IR J A P A IN O O .-Y .

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SUOMEN

MUINAISMUISTOYHDISTYKSEN

AIKAKAUSKIRJA FINSKA

FORNMINNESFÖRENINGENS

TIDSKRIFT XLI

H ELSINKI 1938 H ELSINGFORS K. F. P U R O M IE H E N

K I R J A P A I N O O ..Y .

T O IM IT T A J A -

REDAKTOR

C. A . N O R D M A N

S U O M E N M U IN A IS M U IS T O Y H D IS T Y K S E N A IK A K A U S K IR J A F IN SK A F O R N M IN N E S F Ö R E N IN G E N S TIDSKRIFT XLI

DAS BR AN D G R ÄBERFELD VON PUKKILA IN ISOKYRÖ VON

ALFRED H A C K M A N

HELSINKI

1938

HELSINGFORS

Helsinki . 1938 . Helsingfors K. F. Puromiehen Kirjapaino 0.=Y.

V o r w o r t . Das im Früjahr 1920 bei Gelegenheit eines Hausbaues ent­ deckte und bald darauf untersuchte völkerwanderungszeitliche Brandgräberfeld von Pukkila im Kirchspiel Isokyrö (schwed. Storkyro) östlich von Vasa ist in unserer archäologischen Literatur öfters erwähnt, aber bisher nicht eingehend beschrieben worden. Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist es dieses Versäumnis nach­ zuholen und die Bedeutung der dort gemachten Funde, die zu den interessantesten jener Gegend gehören und in gewisser Be­ ziehung eine bemerkenswerte wenn auch sehr anspruchslose Pa­ rallele zu den berühmten schwedischen Häuptlingsgräbern von Vendel, Uituna und Valsgärde bilden, zu erörtern. Es ist sehr zu bedauern, dass die Untersuchung des Grabfeldes unter ausserordentlich ungünstigen LTmständen vorgenommen werden musste. Sie erhielt dadurch den Charakter einer archäo­ logischen Rettungsaktion, bei der es galt eine in letzter Stunde sich darbietende Gelegenheit zur Ausgrabung nach Möglichkeit auszunutzen und sich mit den vom Hausbesitzer und Bauherrn gestellten Bedingungen für die Erlaubnis zu graben und der von ihm vorgeschriebenen Begrenzung des Ausgrabungsfeldes abzu­ finden. Infolge dieser Beschränkung der Arbeitsfreiheit konnten wichtige Stellen des Grabfeldes nicht untersucht werden. Zwischen den Wänden des damals gebauten Hauses können daher noch wertvolle Altsachen in der Erde liegen. Für freundliche Förderung dieser Arbeit habe ich folgenden Personen zu danken. Aufschlüsse über skandinavische und ost­ baltische Altertümer verdanke ich den Antikvaren Dr H. Arbman, Stockholm, Dr T. J. Arne, Stockholm, Dr Greta Arwidsson, Upp­ sala, Prof. Dr. S. Lindqvist, Uppsala, Prof. Dr. B. Nerman. Stock­

holm, den Museumsdirektoren Dr. Th. Petersen, Trondhjem und Prof. Dr H. Shetelig, Bergen, ferner Dr. med. A. Friedenthal, Reval, Prof. Dr H. Moora, Dorpat, Mag. phil. Martha Schmiede­ helm, Dorpat und Dr. A. Karnups, Riga. Über das russische Material hat mir Prof. Dr. A. M. Tallgren manche wertvolle Hin­ weise gegeben und meine Kollegen am Nationalmuseum sowie Dr K. Vilkuna, Helsingfors, und der Schriftsteller und Archäologe J. Tegengren, Vörå, sind mir des öfteren in verschiedener Weise behilflich gewesen. Herrn Mag. phil. K. Rankama bin ich für die mikroskopische Bestimmung von Schlackenproben aus dem Grab­ feld zum Dank verpflichtet. Die meisten neuen Zeichnungen im Text und im Atlas sind von der Zeichnerin des Nationalmuseums Frl K. Hildén, einige von Frau Dr. E. Nordman angefertigt worden. Für ihre freund­ liche Hilfe bei der Ausführung der Wiederherstellungsskizzen Taf. 2, 7, 8, 11 und 19 spreche iche beiden Damen meinen Dank aus; ebenso danke ich Frau Dr. M. Meinander für ihre Bemühungen den Kessel Taf. 19:4 zu rekonstruieren.

Das Brandgräberfeld von Pukkila. Fundbeschreibung. Im Früjahr 1920 wurden in Südostbottnien auf dem Bauerngut Pukkila oder Pukkinen,1 Dorf Palokylä, Kirchspiel Isokyrö (schwed. Storkyro) ungefähr 40 km OSO von Vasa eisenzeitliche Funde von ungewöhnlich grossem Interesse zu Tage gebracht. Die Gebäude von Pukkila liegen auf dem rechten, östlichen Ufer des Kyröflusses (Kyrönjoki) dicht an der längs dem Flusse laufenden Landstrasse (Abb. 2 u. 5). Zwischen dieser und dem steil in den Fluss abfallenden Ufer standen — ca 60 m von dem letzteren - auf einer niedrigen Bodenerhebung ein alter aus Feldsteinen gemauerter Keller und die ebenfalls alte Badestube von Pukkila. Ein paar m N vom Keller soll früher ein anderer Keller gestanden haben. Diesen Platz hatte der Sohn des Bauern, der junge Kauf­ mann Eino Pukkinen sich zum Bau eines neuen Wohnhauses, in welchem auch sein Kaufladen eingerichtet werden sollte, ausge­ sucht. Als man nach Entfernung der oben genannten alten Ge­ bäude zum Graben des Fundamentes schritt, wurde an der Süd­ wand des zu erbauenden Hauses nicht weit von der Südost ecke der erste Fund gemacht (Fundstelle I auf der Karte Abb. 4). Er ent­ hielt folgende Gegenstände aus dem Ende der Völkerwanderungszeit. 1.

In der M itte entzweigebrochenes zweischneidiges Schwert m it Bronze­

griff; K nauf fehlt; Knaufunterlage und »Parierstange» hohl und m it T on ausgefüllt, Länge der damaszierten K linge 80.9 cm , Breite 5.4 cm (7703: 2 2) Taf. 21: 1. 1 Pukkila ist der offizielle in die Grundstücksverzeichnisse und andere Ur­ kunden eingetragene Name, Pukkinen der nach dem Nam en des Besitzers am Ort gebräuchliche Name. 2 D ie im Folgenden eingeklamm erten Zahlen (3— 18) sind die Unternummern der Katalognum m er 7703 der Vorgeschichtlichen Abteilung des Finnischen N atio­ nalmuseums.

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Kartenskizze des südostbottnischen

K erngebietes in der röm ischen

Eisenzeit und der Yölkerwanderungszeit (2.— 8 . Jh n.Chr.). D ie w ichtigsten Fund­ orte: 1. Viskusbacken. — 2. Lågpeltkangas uiid Lågpeltbacken. — 3. G ulldynt. — 4. Tunis. — 5. Kaparkullen. — 6. H aavistonm äki u. K otsalonm äki. — 7. K aavontönkkä. — 8 . Perkiö. — 9. T ervajoki. -—• 10. Pukkila. — 11. R inta-U lvila. — 12. K iviniem enm äki. — 13. N yysti. — 14. Palom äki. -— 15. Jonkaisbränno. — 16. Lågas. — 17. Fiskars.

2.

A n zwei Stellen um gebogene zw eischneidige Schwertklinge, L . 87, Br

4.2 (3) Taf. 22: 6 . 3. Verbogenes K ampfm esser, L. 73.3, Br 5 cm, D icke des Rückens 8 m m (4) Taf. 21: 3. 4. Lanzenspitze m it ca 21 cm langer Tülle und um gebogenem , flachem , ca 3.6 cm breitem B latt, Gesamtl. 44.3 cm (5) Taf. 21: 2. 5. D ie lange Verbogene Tülle einer Rassel (?), L. 30 cm (6) Taf. 22: 5. 6 . Pfeilspitze m it zwei über Kreuz gestellten rhom bischen K lingen, L . 17.8 (7) Taf. 22: 4.

Flugaufnahm e der Luftstreitkräfte. A bb. 2. D ie Um gegend von Pukkila. Der Fundort durch ein liegendes Kreuz gekennzeichnet. Links der Fluss K yrönjoki.

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4

7. Schildbuckel m it hohem Hals und hohem gew ölbtem O berstück (8), H öhe 9.9 cm , Durchm esser 13.3 cm ; in der beschädigten K rem pe ursprünglich 4 Löcher. Taf. 21: 4. 8. Fragmentarische Trense ■ — nur e i n R in g erhalten, sein äusserer D urch­ messer ca 7.2 cm ; die Gebisstange augenscheinlich ursprünglich zw eiteilig (9) Taf. 22: 1. 9. 10.

K leine verbogene Sense, die Spitze fehlt (10) Taf. 22: 2. Kleines Messer m it krummem R ücken, L. 18 cm (11) Taf. 22: 3.

o rt i— --------------10 4oo Abb. 3.

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A usschnitt aus einer K arte des Dorfes Palokylä aus dem 18. Jahr­

hundert. »Geom etrisk Charta öfver Palobyns Ä gor u t i ---------- — Storkyro Sokn. U pprättad —•— ■— Ähren 1746, 1747 och 1748 af J. R öneholm ». 131 = Bauerngut Pukkila. Das Gräberfeld ungefähr bei a und b in den Parzellen 1087 u. 1099.

In dem Fundamentgraben der Nordwand wurde nahe der Ecke, welche diese jetzt mit dem verandaähnlichen Vorbau bildet, ein Haufen eiserner Nietnägel und Nägel, nach Eino Pukkinens Schät­ zung im Gewicht von etwa 2 Kilogramm, gefunden. Diese wur­ den achtlos bei Seite geworfen, die anderen Fundgegenstände da­ gegen dem alten Bauernwirt Wilhelm Pukkinen zur Verwahrung übergeben.

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Durch eine Zeitungsnachricht erhielt das Nationalmuseum kurz darauf Kenntnis von dem Funde, worauf der Staatsarchäolog den­ selben durch die Ortsbehörde für das Museum einforderte und Dr. S. Pälsi mit der Untersuchung des Fundortes beauftragte. Aus

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verschiedenen Gründen musste Pälsi sich mit der Vermessung des Fundgebietes und kleineren Versuchsgrabungen an ein paar Stellen desselben begnügen. Bei seiner Ankunft war der einstöckige Neu­ bau schon bis zur halben Höhe der Fenster gestiegen. Im Innern des Hauses lagen die Balken, auf denen der Fussboden ruhen sollte, bereits an ihren Plätzen, die Bretter des Fussbodens fehlten aber zum Glück noch. Es hätte jetzt gegolten zwischen und unter den Balken, die etwa 1— 1.5 m über dem Erdboden lagen, zu graben, eine unbequeme und mühsame Arbeit, die auszuführen Pälsi vor­ läufig aufschieben musste. Im südöstlichen Eckzimmer, an dessen SW -Ecke der erste Fund gemacht worden war, fand Pälsi jetzt bei oberflächlichem Suchen nur folgende Gegenstände. 11. E in grösser Nagel (L. 8.2 cm) und 8 teils ganze, teils fragmentarische 3.7— 6.5 cm lange N ietnägel (12). Versuchsgrabungen ausserhalb der Nordw and, w o die w eggeworfenen N iet­ nägel gefunden worden waren, förderten folgende Gegenstände (Nr 12— 17) zu Tage. 12.

Achtzehn Stück solcher Nägel (einer 10.6, einer 9.6 cm , die übrigen 4.1-—-

8 cm 1.) und 7 Bruchstücke (17). 13. Bruchstück des Knaufes und der K naufunterlage eines Schwertes (13), L . 4.4 cm , Taf. 20: 6, bei 1 auf der K arte A b b . 4. 14.

D ie Spitze einer Schwert- oder Messerklinge (16).

15.

Drei Bruchstücke einer rinnenförm igen eisernen Randleiste (18).

16. 17.

E ine ringförm ig zusammengebogene Eisenstange (14). K leiner ovaler Eisenring (15).

Leider ist an dieser Stelle später nicht weiter gegraben worden. Ebensowenig hat sich bisher Gelegenheit gefunden Dr. Pälsis Ver­ suchsgrabungen auf dem Hofraum vor dem Neubau fortzusetzen. Hier befand sich 12— 23 m nördlich der Nordwand eine niedrige Bodenerhebung, auf welcher ein grösser Felsblock und ein paar kleinere Steine lagen. Pälsi grub hier an drei Stellen ein paar Quadratmeter aus und stiess dabei auf eine kohlenhaltige Kultur­ schicht, die stellenweise rote Branderde enthielt, machte aber keine anderen Funde. (Vergl. die Karte Abb. 4.) Die von Pälsi nur begonnene Untersuchung des Fundplatzes wurde ein paar W ochen später (11— 15 Juni 1920) von mir weiter­ geführt. Es handelte sich jetzt vor allem darum innerhalb des Neubaues noch vor Fertigstellung des Fussbodens den Zwischen-

A bb. 5.

E ino Pukkinens Neubau von N gesehen; links ist die Landstrasse sichtbar. F oto C. A. Nordman 1920.

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raum zwischen den Fundstellen I und 1 zu untersuchen. Es war dies die letzte Gelegenheit zu einer Untersuchung, denn nach Fest­ nageln der Fussbodenbretter wäre eine Grabung nicht mehr möglich gewesen. Auch jetzt war die Arbeit mit grossen Schwierigkeiten

1

A bb. 6.

Obere Schicht des älteren Kriegergrabes im N O -Zim m er (bei II auf der K arte Abb. 4). Plan 1 ist über Plan 2 liegend gedacht.

verbunden. Sie musste zumeist in gebückter Stellung unter und zwischen den Fussbodenbalken vor genommen werden. Auch durften die Grabungen nicht bis dicht an die W ände herangeführt werden um nicht das Fundament zu gefährden. Es musste vielmehr längs den Wänden eine 70— 80 cm breite Zone ununtersucht gelassen

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werden. Ausserdem verbot der junge Pukkinen die Wegschaffung der ausgegrabenen Erde, was wiederum ihr Durchsieben erschwerte. Unter solchen Umständen muss es als ein besonders glücklicher Zufall bezeichnet werden, dass das S. 10— 15 beschriebene reich ausgestattete

2

Abb. 7. Untere Schicht des älteren Kriegergrabes im N O -Zim m er (bei I I auf der K arte Abb. 3).

Brandgrab beim Bau des Hauses so weit von den Wänden entfernt zu liegen gekommen war, dass seine Untersuchung möglich wurde. Meine Grabungen begannen im nordöstlichen Eckzimmer, einem Raum von 4.5x4.6 m oder 20.7 m2. Aus dem soeben angegebenen Grunde konnten aber von dieser Fläche nur 3.15x3.25 m oder

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10

10.2 m2 untersucht werden. In der Südecke des Zimmers war bereits das Fundament zu einem Ofen (a auf der Karte Abb. 4) gelegt worden, wobei die ausgegrabene Erde zur Seite geworfen worden war. Schon in dieser aufgeschütteten Erde wurden einige Brand­ knochen und 18.

20

vollständige

und

ebensoviele

fragmentarische

eiserne

Nietnägel

(7729: 1) 1 Taf. 20: 4 gefunden.

Unter der Füllerde lag ein 20— 25 cm mächtiges tiefschwarzes Kulturlager, das eine undichte Packung mittelgrosser Steine ein­ schloss und hier und da kleinere Stücke Schlacke enthielt. Dar­ unter ungerührter Lehmboden. Teils zwischen, teils unter den Steinen lagen Nr 19—-23: 19.

E inige N ietnägel und Brandknochen.

20. Bruchstück eines schmalen m it parallelen Linien verzierten Bronze­ bandes; das eine Ende zurückgebogen, in dem anderen Ende ein kleines L och (2) Taf. 17: 5 L. 2.85, Br. ca 0.8 cm , lag bei Punkt ? auf der K arte A b b . 4. 21.

E ine kleine Messerklinge (3) L. 8.6 cm Taf. 10: 3, bei Punkt 3.

22.

E in W etzstein (?) aus Sandstein (4), L. 12 cm , bei Punkt 4.

23. E in fragmentarischer, ursprünglich tierkopfförm iger Bronzebeschlag m it eiserner Unterlage (5), L. 5.2 cm, T af. 14: 2, bei Punkt 5 (vgl. Nr 44).

Die ursprüngliche Oberfläche senkte sich hier ein wenig von W nach O bis zur Mitte des Raumes. Hier, ein wenig östlich von der Mitte wurde schliesslich eine Grabanlage aufgedeckt. Unter einer Packung von 1— 3 S hichten Steine, von denen die grössten von der Grösse eines Pferdekopfes, die meisten jedoch viel kleiner waren, lagen innerhalb eines Areals von 0.84 m Länge und 0.75 m giösster Breite Waffen, Pferdegeschirr, Gebrauchsgegenstände und ein paar Schmucksachen der jüngeren Völkerwanderungszeit in mehreren Schichten aufeinandergestapelt (II auf der Karte Abb. 4). Ausserdem enthielt die Kulturschicht Brandknochen, jedoch in verhält­ nismässig geringer Menge (120 gr) und besonders an der südöstlichen Peripherie grössere und kleinere Stücke Schlacke. Wie nach Westen zu hob sich der Boden auch nach Osten und Süden, so dass das Brandgrab in einer flachen Senkung lag. Nur nach Norden stiess 1 D ie im Folgenden eingeklamm erten Ziffern 2— 154 sind die Unternum mern der Katalognum m er 7729.

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II

an das Grab eine ca 40 cm tiefe Grube von ungefähr 1.5 m Durch­ messer, in welcher Kohlenreste lagen (b auf der Karte Abb. 4). Die Fundstücke sollen hier der besseren Übersicht halber nach Arten gruppiert aufgezählt werden unter Hinweis auf die Pläne 1 und 2, Abb. 6. u. 7, aus denen ihre Lage und ihre Schichten­ folge im Grabe ersichtlich sind. Plan 1 ist über Plan 2 liegend gedacht. Zu unterst lagen Waffen: 24, 25.

Zwei rhom bische Pfeilspitzen m it Angel. L. 15.9 und 14.4 cm (80,

81) Taf. 3: 1, 2. [PI. 2 Felder e, f— 1, 2, 3.] 26. Pfeilspitze m it gegabelter K linge. L. 13.5 cm (108) Taf. 4: 3. Felder g-— 2, 3.] 27. Pfeilspitze m it nur einem W iderhaken.

[Plan 2

L. 11.7 cm (93) Taf. 3: 3, an

der Spitze war ein Stück Bronzeblech m it gepressten Ornamenten festgerostet. [PI. 2 Felder d, e— 6, 7.] 28. Fragmentarische Pfeilspitze m it querstehender Schneide, festgerostet an einer rechteckigen Eisenscheibe und einem Bruchstück von einem m it gepressten Tierornam enten verzierten Bronzeblech, das, w ie auch die Eisenscheibe, zu den Riem enbeschlägen eines Zaumes (vgl. Nr 43, 67, 68) gehört hat (29) Taf. 3: 4. [PI. 1 Felder b, c— 7.] 29.

Lanzenspitze m it langer, im Querschnitt sechseckiger Tülle und schmaler,

beinahe flacher, loorbeerblattförm iger K linge, L. 38.1 cm (79) Taf. 4: 5 [PI. 2, Felder d— g — 2, 3.] 30. An drei Stellen umgebogenes, zweischneidiges eisernes Schwert m it bronzenem Griff, von welchem die Griffhülse und kleinere Teile der Knaufunter­ lage und des unteren Querstückes, der »Parierstange», vorhanden sind. Gesam t­ länge ungef. 91.8 cm , L. der K linge ungef. 79 cm , Br. ca 5 cm (78). [PI. 2 Felder f, e, d-— 2, 3, 4.] Kleinere Bruchstücke des Knaufes, welche zeigen, dass es sich um ein »Ringschwert» handelt, wurden in der Nähe gefunden (9, 16, 33). Taf. 5-— 7. 31. Kampfmesser, L. 46.5 cm , Br. 3.6 cm , D icke des Rückens 5— 6 mm, die 7.4 cm 1. abgebrochene Spitze lag etwas östlicher (8 u. 10) Taf. 9: 1 [PI. 1 Felder g, h, i— 4, 5, 6, 7.] 32. 33.

Beil, L. 18.2 cm (73) Taf. 4: 1 [PI. 2 Felder e, f— 6, 7.] Eiserner Schildbuckel H öhe ca 9.5 cm (49) Taf. 3: 5 [PI. 2 Feld e— 7.];

der H ohlraum des Buckels war m it Brandknochen und einer Menge kleinerer Gegenstände (Nr 34— 50) angefüllt. Es fanden sich im Hohlraum: 34.

Eiserne Schnalle m it schwach gerundet-viereckigem , 4.1 cm 1. Rahm en

und Teilen des Riem enbeschlages (50) Taf. 13: 1. 35. Massive bronzene Schnalle m it eisernem Dorn.

Der 3.5 cm 1. Rahm en

und der Riem enbeschlag in einem Stück gegossen (52) Taf. 13: 3. 36. Eiserne Riem enzunge, L. 7.8 cm (51) Taf. 17: 1. 37. Länglicher schmaler eiserner Beschlag m it einem eisernen N iet an dem einen etwas gerundeten Ende und zwei durch eine (ursprünglich 2) Niete m itein­

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ander verbundenen Seitenlappen an dem anderen Ende, L. 7.2 cm , Br. 1.1 cm (56) Taf. 17: 7. 38. Scharnierartiger eiserner Gegenstand unbekannter Bestim m ung, 3.1 x 2.75 cm (57) Taf. 17: 4. 39.

R echteckiger eiserner Beschlag m it halbkugelköpfigem N iet nicht ganz

in der M itte und einem N iet in jeder E cke, 3.7 X 2.6 cm (58), vgl. Nr 87. 40.

Fragmentarische vierarm ige Eisenscheibe m it einem N iet m it halbkuge­

ligem K o p f in der M itte und 5 anderen Nieten m it kleineren K öpfen an den Ecken (63) vgl. Nr 91. 41. Fragmentarischer 2 cm breiter rechteckiger eiserner Beschlag m it N iet­ löchern an zwei Ecken, verziert m it parallel den Längsseiten laufenden Linien (62) Taf. 16: 3. vgl. Nr 8 8 . 42.

12 Eisenniete m it halbkugeligem K op f und Teile von solchen Nieten

(59, 67) T af 16: 6, vgl. Nr 93. 43. Grössere und kleinere Bruchstücke von zwei oder drei 3.8 cm breiten recht­ eckigen eisernen Beschlägen, belegt m it Bronzeblechscheiben, die m it gepressten Tierornamenten im Stil II verziert sind (60, 61, 65), zu den Riem enbeschlägen eines Zaumes gehörig. Vgl. Nr 28, 67 u. 68, Taf. 14: 4, 5. 44.

D efekter ursprünglich tierkopfförm iger Bronzebeschlag m it jetzt fehlen­

der eiserner Unterlage, das rechtsseitige G egenstück zu Nr 23; L. 5.3 cm (55) Taf. 14: 3. 45.

Bruchstücke eines viereckigen arg beschädigten bronzenen Beschlages,

dessen obere Seite m it Tierornam enten in scharfem K erbschnitt verziert ist und auf dessen untere Seite ein anderer, gleichartiger, v öllig deform ierter B ronze­ beschlag festgeschmolzen ist 4.4 x 5.1 cm (64) Taf. 10:6. 46.

Pinzette aus Bronze m it Schiebering, L. 6.5 cm (69), in der Öse ein Bruch­

stück v o n einem eisernen R in g und zwischen den Backen 47.

die eine H älfte eines pinzettenähnlichen Anhängers (70a), der, w ie v iel­

leicht auch Nr 46, ursprünglich zu der unter Nr 73 erwähnten Ziernadel gehört hat, Taf. 12: 1. 48.

D ie andere H älfte dieses Anhängers (70 b).

49. Bruchstück der m it Bandornam enten in K erbschnitt und 4 K nöpfchen verzierten bronzenen Randleiste einer Schwertscheide, L. 5.2 cm (71) vgl. Nr 54, Taf. 8 : 1. 50. Kleine unbestim m bare Bruchstücke von eisernen und bronzenen Gegen­ ständen (66, 68). Etwas westlicher und höher als der Schildbuckel lagen 51.

10 kleinere scheibenförm ige eiserne Bruchstücke, v o n denen einige, wenn

n icht alle, zu der Fessel des Schildbuckels gehört haben, welche Fessel dieselbe Form hatte w ie die aus Grab X I V in Vendel (Vendel Taf. X L I I I : 2) (32) Taf. 3: 6 [PI. 1 Felder d — 5, 6], 52. Zwei platte Gegenstände m it rundlichem B latt und langem Schaft-(?) dorn, L. des besser erhaltenen Stückes 9.6 cm (27, 28) Taf. 17: 3 [PI. 1 Felder b, c— 6, 7]. Zu einem der Querstücke des Schwertgriffes Nr 30 kann

H A C K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A 53.

13

ein 1.7 cm langer fragm entarischer B ronzestift gehört haben (105) und

v on der Scheide dieses Schwertes rühren w ahrscheinlich folgende Beschläge her (Nr 54— 56). 54. Eine bronzene Randleiste w ie Nr 49, L. 5.8 cm (96) Taf. 8: 1 [PI. 2 Felder e, f— 6, 7]. 55. Eine tierkopfförm ige bronzene Randleiste, in dem einen Auge sitzt noch ein Granat, L. 6.7 cm (95) T af. 8 : 2 [PI. 2 e, f— 6]. 56. Ein kleines Bruchstück einer Randleiste w ie Nr 55 (111) (vgl. die W ieder­ herstellung Taf. 8 : 3). 57. Das in Taf. 7: 3 dargestellte m it Bandornam ent verzierte 3.4 cm lange bronzene B ruchstück dürfte von dem unteren Querstück, der »Parierstange» des Schwertes herrühren (88) [PI. 2 Felder e— 6, 7]. 58.

Drei Bruchstücke eines vierrückigen 1 cm breiten um gebogenen Bronze­

bandes, das vielleicht oben an der Scheide des Kampfmessers Nr 31 gesessen hat (?) (12 u. 89) Taf. 9: 3 [PI. 1 Feld d — 6 u. PI. 2 Felder e, f— 7]. 59.

Bruchstück eines profilierten bronzenen Messergriffes, vielleicht zum

K ampfm esser Nr 31 gehörig (7) Taf. 9: 2 [PI. 1 Felder e, f— 6, 7]. 60. E in Stück von dem bronzenen G riff eines Messers (116) Taf. 10: 2. 61.

Zwei fragmentarische schmale m it zum T eil in K erbschnitt ausgeführten

geom etrischen und Tierornam enten verzierte Bruchstücke eines Beschlages, das am Querstück eines Messergriffes gesessen hat, ursprüngliche Länge etwa 6 cm (20) Taf. 10: 1, [PI. 1 Felder d — 3, 4]. 62. E in kleines gewölbtes Bruchstück eines bronzenen G riffes (?) (92) und mehrere kleine unbestim m bare Bronzefragm ente (110, 133). 63. Durch Feuer stark beschädigte ursprünglich tierkopfförm ige m it Bronze­ blech belegte eiserne Scheibe, jetzige L. 9.8 cm (21) Taf. 12: 4, [PI. 1 Felder a, b— 6, 7]. 64. Fünf rinnenförmige, m it parallelen Linien verzierte bronzene R and­ leisten, die eine m it einem N iet (109, 115) Taf. 12: 5, [PI. 1 Felder e, f-— 6, 7]. 65.

Bruchstück eines vogelkopfförm igen m it Facetten und Tierornam enten

verzierten Bronzebeschlages, die Augen durch Granate markiert, erinnert stark an die Beschläge an den beiden Enden des Kam m es eines Helmes vom Vendeltypus (19) Taf. 10: 4, [PI. 1 Feld c— 2], 6 6. Zusamm engeklem mte eiserne Trense, Länge der zweiteiligen Gebisstange etwa 9 cm (100) Taf. 14: 1 und zwischen die R in ge dieser eingezwängt: 67. fün f rechteckige m it gepressten Bronzeblechen belegte eiserne R iem en­ beschläge des zugehörigen Zaumes (100) Taf. 14: 4, 5, [PI. 2 Felder h, i— 5, 6]; die Beschläge Nr 28 und 43 gehören ebenfalls hierher, ebenso 68. drei einigermassen vollständige Riem enbeschläge w ie Nr 67 und Bruch­ stücke von 5 oder 6 ebensolchen Beschlägen (38— 40, 60, [PI. 2 Felder e— 4, 5, g— 7 u. PI. 1 Felder f, g— 6], Zum Zaumzeug gehören ferner: 69. zwei zerbrochene bronzene Buckelbeschläge (102, 15: 1, 1 a.

61,

97, 98,117, 126)

103) D m 7 cm , Taf.

[PI. 2 Felder g —5, 6] und vielleicht auch Nr 40, 41,

70, 86, 87, 90, 91.

SM Y A — F F T X L I

14

70. Eine fragmentarische Schnalle, von welcher nur der eiserne Dorn und die m it getriebenen Punktreihen verzierte Bronzescheibe des Riem enbeschlages noch vorhanden sind (94), Taf. 13: 2, [PI. 2 Felder e— 5, 6] sowie 71.

der massive bronzene Rahm en einer grossen Schnalle v o n avarischem

T yp; L. des Bügels 4.3 cm ; der Dorn fehlt (14), Taf. 13: 4 [PI. 1 Feld d— 6], 72.

E ine fragmentarische m it geom etrischen und Tierornam enten verzierte

platte bronzene H ängezierde (?) (15) jetzige L. 3.9 cm . e— 2], 73.

Taf. 10: 5, [PI. 1 Feld

Eine fragmentarische eiserne R ingkopfnadel von

finnländisch-ostbal-

tischem T yp, zu welcher 74.

die Reste einer schmalen rechteckigen m it einer 8.3 cm langen und 1.65

cm breiten Bronzescheibe belegten eisernen Scheibe nebst zwei an dieser aufge­ hängten bronzenen R in gen und 75. ein radförm iger bronzener Anhänger, D m 3.6 cm , sowie die Pinzette N r 46 und der unter Nr 47 u. 48 genannte pinzettenförm ige bronzene Anhänger gehört haben (22-— 24, 6, 69, 70). T af. 11 und Taf. 12: 1, 2 [PI. 1 Felder b, c, d— 7 und g, h— 5]. 76.

E in verbogenes Bruchstück einer Bronzestange,

K ordalänge 6.3 cm

(R in g oder Nadel?) (99). Taf. 12: 3 [PI. 2 Feld f— 7]. 77. 78.

Eiserne Schere (76) L. 23.3 cm , Taf. 4: 2, [PI. 2 Felder c, d— 3, 4]. Rassel m it langer eiserner Tülle, kreisförm iger Endscheibe und R in g m it

defektem Riem enbeschlag und zwei defekten eisernen Anhängern (74) L. 46.2 cm . Taf. 4: 7, [PI. 2 Felder g, f, e, d— 2, 3, 4, 5, 6], 79. Fragmentarischer eiserner Bratspiess m it durchbrochenem G riff (75), jetzige L. 36.9 cm . Taf. 4: 6, [PI. 2 Felder f, e, d— 2, 3, 4, 5]. 80.

Eiserne Fleischgabel m it drei Zinken und rechtw inklig angesetztem aber

abgebrochenem ca 43 cm langem, verbogenem , eisernem Stiel (46, 47) Taf. 4: 4, [PI. 2 Felder f, g— 4, 5, 6]. 81.

50— 60 grössere und kleinere Bruchstücke eines Kessels aus Eisenblech,

darunter der eiserne H enkel, der platte B oden von ungefähr 20 cm D m und eine Anzahl rinnenförmiger eiserner Randleisten, von denen einige noch

an R and­

stücken sitzen (11, 25, 36, 37, 83, 86, 87, 101, 131). T af. 18. u. 19: 3, 4 [PI. 2 Fel­ der d, e — 7, 8 ; f — 4, 5; PI. 1 Felder d, e, f, g— 3, 4, 5, 6], 82. Sense (18) jetzige K ordalänge ca 45.5 cm . Taf. d, e, f— 3, 4, 5j.

20: 1[PI. 1 Felder b, c,

83. 84.

Eiserner H aken (26) L. 9 cm Taf. 20: 3 [PI. 1 Felder b, c-— 7, 8]. K leiner eiserner R ing, D m 4.45 cm (35).

85.

Zwei kleine Bruchstücke von schm alen rechteckigen 0.5 und 1.1 cm

breiten Bronzebändern; in dem schmäleren ein Stiftloch (90) [PI. 2 Feld e-— 6]. 86. Eine ca 7.3 cm 1. und 3.3 cm br. eiserne Riem enzunge m it 2 Nieten am oberen Ende, die auf der Unterseite m it Schliesscheibchen versehen sind (41) Taf. 17: 2. 87.

E in rechteckiger eiserner Beschlag, 3.7 X 2.5 cm , genau w ie Nr 39, T af.

16: 5 und Bruchstücke eines ebensolchen (31, 127 b) [PI. 1 Felder d — 6, 7].

H A C K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

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88. D rei fragmentarische 2 cm breite rechteckige, eiserne Beschläge w ie Nr 41 (84, 85, 127 a) Taf. 16: 2. 89. In drei Stücke zerbrochenes 1.1 cm breites Eisenband m it einem erhaltenen m indestens 1 cm langen N iet (44, 128) Taf. 17: 6 . 90.

E in T -förm iger eiserner Beschlag m it halbkugelköpfigem N iet in der

M itte des Querarmes und kleineren Nieten an allen vier Ecken desselben, ausserdem ein N iet am Fussende (77) Taf. 16: 1 [Plan 2 Feld c — 4]. 91.

Vier fragmentarische vierarm ige eiserne Beschläge wie Nr 40, T af. 16; 4

(63, 82, 118, 119) und kleinere Bruchstücke von wenigstens vier anderen, die ur­ sprünglich dieselbe Form gehabt haben dürften (30, 120, 121, 124) [PI. 2 Feld d— -4 und PI. 1 Felder c, d— 6]. 92. Ungefähr 90 meistens kleine Bruchstücke v on Eisenblech, die zum Teil v o m Kessel, zum T eil von Beschlägen herrühren können; an einigen sind Reste von eisernen Nieten zu erkennen (17, 41— 43, 91, 110, 122, 123, 125, 127 c — h], 93.

7 ganze und 2 fragmentarische halbkugelköpfige eiserne N iete (107, 124,

129); vgl. N r 42. 94. 12 eiserne Nietnägel, L. 3.6— 5.7 cm und 11 Bruchstücke von Nietnägeln oder einfachen Nägeln, darunter ein Stück von 9.5 cm Länge (13, 32, 48, 130) Taf. 20: 2 u. 4 [PI. 1 Felder d, e— 6 und PL 2 g— 4]. 95. Zwei fragmentarische Eisenstäbchen m it einwärts gebogenem K op f (132) Taf. 19: 2. 96. 57 Scherben eines groben unverzierten Tongefässes m it flachem B oden (34, 104, 134) [PI. 1 Felder a, b — 7, 8, c— 6] Taf. 19: 5. 97.

Russige Brandknochen etw a 120 gr (106, 112).

Im Kulturlager sowohl des Grabes als auch ausserhalb desselben wurde, w ie bereits erwähnt, 98. eine beträchtliche Menge kleinerer Stücke Schlacke im Gesamtgewicht von 1,430 k g gefunden (135). Im südöstlichen T eil des Zimm ers lag in der oberen Erdschicht 99. ein grösser S-förm iger eiserner Schlüssel (135) Taf. 19: 1, dessen Zuge­ hörigkeit zu den Altsachen ungewiss bleiben muss.

Die eisernen Gegenstände waren arg verrostet und auch die Bronzesachen stark mitgenommen. Der schlechte Zustand der Metallgegenstände beruht gewiss zum Teil darauf, dass die alte Badestube des Bauernhofes gerade über dem Brandgrabe gestan­ den hatte. Das stets von neuem über den Erdboden — eine Diele war nicht vorhanden gewesen — ausgeschüttete Badewasser war durch die obere Erdschicht hindurch bis zum Grabinhalt gesickert. Ausserdem dürfte bei grösseren Überschwemmungen des Kyröflusses auch die so nahe am Ufer gelegene niedrige Bodenerhehung, auf welcher das Gräberfeld angelegt war, überflu­ tet worden sein.

SM YA— FFT XLI

16

Nach der Untersuchung des nordöstlichen Eckzimmers kam das südöstliche Zimmer, wo der erste Fund gemacht worden war, an die Reihe. Dieser Raum war 4 m lang und 3.15 m breit; sein Areal betrug also 12.6 m2. Von diesem konnten aber nur 4.1 m2 untersucht werden, da hier noch mehr aufgeschüttete Erde lag als im ersten Zimmer und da auch hier nicht bis zu den Wänden gegraben werden durfte. Auch hier wurde unter der Füllerde eine Packung von 2— 3 Schichten kleinerer und grösserer Steine auf­ gedeckt, welche sich wahrscheinlich auch über die zuerst (bei I auf der Karte Abb. 4) gefundenen Altsachen erstreckt hatte. In der ungefähr 40 cm mächtigen Kulturschicht zwischen und unter diesen Steinen wurden folgende Gegenstände, zum Teil erst beim Sieben, gefunden: 100.

Bruchstücke zweier W etzsteine (?) (136, 140), L. 6.1 und 4.7 cm .

101. Zwei stark fragmentarische kleine Messerklingen, die eine m it krum m em die andere m it geradem R ücken (137, 138). 102.

Zwei Nietnägel, 4.5 u. 5.5 cm 1. (139, 141).

103.

Bruchstücke von unbestim m baren eisernen Gegenständen.

104.

Bruchstück eines durchbrochenen Bronzebeschlages w ie V endel Taf.

X L I I I : 8, 10 (143) Taf. 20: 5. 105. E in formloses Stück Bernstein, D m ca 1.3 cm , wahrscheinlich Bruch­ stück einer grösseren kugeligen ?) Perle (144). 106.

Eine unverzierte Tongefässcherbe, neun Stück Schlacke, ein Stück

K ohle (145). 107.

Brandknochen im G ew icht von 0.487 kg (146).

Dass diese Gegenstände zu demselben Brandgrabe gehört haben wie der erste Fund (Nr 1— 10; 7703: 2— 11) ist unwahrscheinlich, liess sich aber nicht entscheiden, da die dazwischen liegende Zone nicht untersucht werden durfte. Eine Grabung unter dem Zimmer III (westlich vom südöstlichen Zimmer) brachte keine Altsachen zum Vorschein. Schliesslich wurde auf der niedrigen ein paar Meter breiten rasenbewachsenen Terrasse vor der Südwand des Hauses und zu­ nächst dem südöstlichen Eckzimmer ein 3.5 m langer und 1.1 m breiter Streifen untersucht. Unter der gewachsenen Erde wurde hier eine 35— 40 cm mächtige Kulturschicht angetroffen, welche ein Pflaster von mittelgrossen Steinen einschloss. In dieser Schicht wurden in der Mitte der Grabung folgende Gegenstände gefunden:

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17

108.

E ine fragmentarische Messerklinge, L. 7.4 cm (149).

109.

E in eiserner Nietnagel, 3.4 cm 1., und Bruchstücke von ein paar anderen

(151). 110.

Bruchstücke v on eisernen Gegenständen (148, 150).

111.

Etwas Schlacke, ein unverbrannter K nochen (152).

112.

9 Stücke Brandknochen (153).

Aus dem schon angegebenen Grunde durfte ich nicht bis an den Sockel heran graben, sondern musste einen Meter vor ihm Halt machen, obgleich vielleicht gerade hier neue zu dem zuerst ange­ troffenen Brandgrabe (I) gehörende Funde zu machen gewesen wären. Mit dieser Grabung waren meine Arbeiten in Pukkila abge­ schlossen. Ungefähr einen Monat später sandte Eino Pukkinen dem Natio­ nalmuseum einige Gegenstände zu, welche er dicht vor der west­ lichen Schmalseite seines Hauses gefunden hatte. Hier war das Westende der kleinen Bodenei hebung, auf welcher das Haus gebaut worden war. Bei Dr Pälsis und auch bei meiner Anwesenheit in Pukkila war diese Stelle mit Baumaterial belegt und sah wenig versprechend aus, da ein Teil derselben von den beiden oben ge­ nannten alten Kellern eingenommen gewesen war und der Rest, soweit er sichtbar war, ebenfalls schon früher durchwühlt zu sein schien. Der neue Fund bewies indessen, dass das Grabfeld sich bis hierher ausgedehnt hatte und dass hier die ältesten Gräber lagen. Er enthielt Waffen, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus der frühen Völkerwanderungszeit: 113.

Bronzener Spitzenbeschlag eines Trinkhornes (7740: l ).1

L. 4.3 cm

Taf. 1: 1. 114.

Bronzene F ibel m it geradem Fuss und kurzem Nadelhalter; die durch

ein Loch am K opfende gesteckte eiserne Nadel fehlt (2) L. 5.8 cm Taf. 1: 8 . 115. Zerbrochene bronzene A rm brustfibel m it im Guss hergestellter R in g­ garnitur und Nadelscheide (3), ein T eil der Nadelrolle und die wahrscheinlich bronzene N adel fehlen, Taf. 1: 9. 116. Spiralfingerring aus Bronze (4) D m 2.1 cm , Taf. 1: 2. 117.

Drei Bruchstücke eines bronzenen Halsringes, L. 7.5, 4.3 u. 3.45 cm.

Taf. 1: 7. 118. E in

etwas

gew ölbtes Bruchstück einer eisernen Scheibe, w ohl von

einem Schildbuckel (6), vgl. Nr 130. 1 D ie im Folgenden eingeklamm erten Zahlen 2— 13 sind die Unternummern der Katalognum m er 7740. 2

SM Y A — F F T X L I

18 119.

Zwei Bruchstücke von einer oder zwei Messergriffangeln (7).

120. Eine kleine Lanzenspitze m it Tülle und flachem beschädigtem B latt (8) jetzige L. 17.6 cm , Taf. 2: 1. 121.

Das verbogene B latt einer anderen Lanzenspitze (9) Taf. 2: 3.

122.

E in unverbrannter K nochen, K ohle (11, 12).

123.

W eisse reine Brandknochen, ungef. 350 gr (13).

Ausserdem soll 125.

eine Bem steinperle gefunden w orden sein, die aber verloren ging.

Zum Glück war diese Stelle noch nicht ganz abgetragen und geebnet worden, als Dr C. A. Nordman, der jetzt die Untersuchung weiterführte, in Pukkila eintraf. Das von ihm untersuchte Gebiet von 8 m Länge und 3.5 m, am Nordende nur 2.5— 2.7 m Breite ist auf der Karte Abb. 8 mit einer Strichlinie umgrenzt. Aus Dr Nordmans Bericht entnehmen wir Folgendes: »Die Bodenerhebung machte den Eindruck wenigstens zum Teil künstlich zu sein. Bei der Untersuchung bestätigte es sich, dass sie grossenteils aus aufgeschütteter Erde und angehäuften Steinen bestand. Ihr höchster Teil ist offenbar neueren Ursprungs und besteht aus Füllerde und Steinen von der Aussenwand des Kellers, der sich früher hier befunden hatte. Die höchste Stelle lag 1.76 m über dem niedrigsten Punkt an der Sohle des Hügels, die sich am Westrande ziemlich deutlich abhob. Nordwestlich vom Hause war der Hügel bei den Bauarbeiten bereits geebnet worden, an der Südseite verlief die Sohle im Abstand von 1— 2 m parallel dem Hause.» »Beim Beginn der Grabungen lagen die Verhältnisse folgendermassen. Ein schmaler Rand von ungefähr 0.5 m Breite zunächst der Westwand war beim Bau des Sockels vollständig durchgraben worden; an der NW -Ecke, wo früher ein Keller gewesen war, er­ weiterte sich dieser Rand. Ausserhalb desselben war die Mitte des Ausgrabungsgebietes recht tief abgegraben worden, nach Pukkinens Angabe bis 0.9 m unter dem Gipfel der Bodenerhebung. Hier waren, ohne dass die Fundstellen — wahrscheinlich zwischen, bez. nördlich von den Punkten 1, 3 und 6— genau angegeben werden konnten, die beiden Fibeln und die Lanzenspitze gefunden worden. Das schmälere Gebiet in N W des Ausgrabungsfeldes war nur ober­ flächlich abgeschält worden, und man nahm an, dass weitere Alt­ sachen in grösserer Tiefe zum Vorschein kommen könnten. Im SW war nahe der Hauswand ein Teil der ehemaligen Oberfläche des

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19

Hügels erhalten geblieben; auch sonst war der Rasen stellen­ weise noch vorhanden, jedoch waren Spuren von älteren Gruben zu sehen.»

a Abb. 8.

i

*

3

V

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6

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Dr C. A. Nordm ans Grabungen auf der Terrasse v o r der W estwand des Neubaues.

A, B, C Versuchsgrabungen.

»Die Untersuchung begann in der Mitte des Ausgrabungsfeldes, in dem von Pukkinen teilweise durchgrabenen Gebiet. Wenig zahlreiche Brandknochen und Kohlenstücke wurden in der lehmbemengten Erde zwischen den Steinen, welche den grössten Teil

JCV'

A bb. 9.

D ie Terrasse vor der W estseite. C. A. Nordmans Grabung. Foto C. A . Nordman 1920.

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21

des Gebietes einnahmen, angetroffen. Die Steine lagen nicht in einer bestimmten Ordnung. Im südlichen Teile wenigstens waren die obersten Steine als Stütze des Kellers, der hier gestanden, auf­ getürmt worden; sie bildeten keine deutlichen Schichten, sondern lagen dicht aufeinander gehäuft und zwischeneinander eingekeilt, wie sie gerade Platz gefunden hatten. In dem schmäleren Gebiet im N gab es weniger Steine; hier war die Erde mit Ziegelsteinen durchmengt und offenbar schon früher durchwühlt worden.» »Nur wenige Gegenstände wurden gefunden (7745: 1— 11); ihre Lage zueinander ist von keiner Bedeutung, denn nirgends lässt sich mit vollständiger Sicherheit behaupten, dass sie die ursprüng­ liche war». Es wurden gefunden: 126. Ein kleiner kantiger Goldring m it übergreifenden Enden (7745: l ),1 Dm 2.1— 2.3 cm , G ew icht 7.99 gr, b ei Punkt 1 auf der K arte Abb. 8, 0.99 m über dem Nullpunkt, Taf. 1: 5. 127. E in zusammengebogener, am Rande durchbohiter goldener Solidus von Leo I (457— 474) (2) Taf. 1: 4, A v.: B rustbild des Kaisers beinahe en face, m it Helm, D iadem , H arnisch und Schild. Um schrift zum T eil abgenützt: D N LEO P E R E T A V G — R ev: Stehende V ictoria, nach links m it Kreuzstab; dahinter Stern. V IC T O R IA AVG G GS. In der Exergue CON. G ew icht 4.27 gr; gef. bei Punkt 3, N iveau 0,86 m. 128. V ier kleine knöcherne Bruchstücke, von denen drei von zwei Käm m en herrühren, während das vierte vielleicht von dem Stiel eines Löffels abgebrochen ist, (3-— 5, Taf. 1: 6 a— d); gef. bei 6 u. 8 , N iveau 0.74 u. 0.71 m. 129.’ Das Tüllenende einer Lanzenspitze, 11.4 cm 1., vielleicht zu Nr 121 gehörig (6), gef. bei 12, N iv. 0.84 m, Taf. 2: 2. 130. D ie Spitze und ein Bruchstück vom Rande eines

Schildbuckels (7),

T af. 2: 4, gef. b ei 7, N iv. 0.71 m. 131. Drei unbestim m bare Eisenfragm ente (8). 132. E in schmaler rechteckiger Bronzebeschlag m it eisernem N iet 2.9 X 0.5 cm , T a f. 1: 3. 133. Zw ei kleine Stücke h albgesch m olzener B ron ze (10). 134.

Ungefähr 630 gr reine weisse Brandknochen (11).

Nach Dr Nordmans Untersuchung der Terrasse westlich vom Hause ist in Pukkila nicht weiter gegraben worden; auch sind dort keine neuen Funde gemacht worden. Aus dem obigen Bericht geht hervor, dass in Pukkila auf kleinem Raum zwei Gruppen Brandgräber angetroffen worden sind, von 1 Die im Folgenden eingeklamm erten Ziffern 2— 11 sind die Unteruummern der Katalognum m er 7745.

22

SM Y A — F F T X L I

denen die westliche, im Folgenden Pukkila I genannt, der älteren, die östliche, Pukkila II, der jüngeren Völkerwanderungsperiode angehört. W ir wenden uns zunächst den älteren Funden zu.

Der ältere Teil der Fundstätte oder Pukkila I. Leider waren grosse Teile der westlichen Terrasse, wo diese Funde angetroffen wurden, schon beim Bau des Kellers, also vor langer Zeit, und dann wieder beim Bau des neuen Hauses durch­ wühlt und abgetragen worden. Durch diese Bautätigkeit sind höchst wahrscheinlich Gräber zerstört worden. Auch in den besser erhaltenen Teilen des Nordmanschen Ausgrabungsfeldes war die Oberfläche abgeschält worden oder auch fanden sich Spuren von älteren Gruben vor. Nordman hebt hervor, dass die Lage keines seiner Fundstücke mit vollständiger Sicherheit als die ursprüng­ liche bestimmt werden konnte. Unter solchen Umständen ist es natürlich ausgeschlossen etwas Bestimmtes über die ursprüngliche Beschaffenheit der Gräber zu sagen. Entweder haben wir es, was als wahrscheinlicher angenommen werden muss, mit den Resten eines oder mehrerer niedrigen aus Erde und Steinen aufgeführten Hügel oder mit Flachgräbern zu tun, in welchen die Überreste des Leichenbrandes über den gewachsenen Boden oder eine flache Grube ausgestreut und darauf mit Erde und einer Steinpackung bedeckt worden sind. Beide einander nahestehenden Bestattungs­ arten, die in den südwestfinnischen Landschaften während der Völkerwanderungszeit allgemein waren, sind auch in Ostbottnien Sitte gewesen. Auf wie viele Bestattungen sich die wenigen Beigaben ver­ teilen und welche von den letzteren gleichzeitig niedergelegt worden sind, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis. Die Mehrzahl der Funde darf wohl als Beigaben für männliche Tote angesehen werden. Nur in Betreff der beiden Fibeln und der Bernsteinperle spricht die grössere Wahrscheinlichkeit für die Zugehörigkeit zu einer weiblichen Leiche. Der Fingerring, der Kamm, das Messer und sogar der Halsring können in einem Männer­ oder einem Frauengrabe gelegen haben. Die W affen und das Trinkhorn haben sicher, die goldenen Gegenstände wahrscheinlich zur Ausstattung von Männergräbern gehört. Es verdient hervor­

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gehoben zu werden, dass die hier im Gesamtgewicht von 980 gr aufgelesenen Brandknochen rein und weiss, also offenbar vor der Niederlegung gespült worden waren, ein Verfahren, dass in der römischen Eisenzeit und am Beginn der Völkerwanderungszeit in Finnland oft angewendet worden ist. Die Fibeln. Die Fibel Nr 114, Taf. 1: 8 mit geradem Fuss und kurzem Nadel­ halter darf trotz fehlender Zwischenstufen als eine späte finnländische Weiterentwicklung der kräftig profilierten Fibeln vom estländischen Türsamäer oder Türseier T yp Riga Kat. Taf. 5: 26 bezeichnet werden.1 Den Kämmen und den aufgenieteten Knöpfen der Türsa­ mäer Fibel entsprechen die Knollenbündel am Kopf, Querstab, Bügel und Fuss unserer Spange. Noch sind Bügel und Fuss facettieit wie bei dem Vorgänger, aber dem zeitlichen Abstand ent­ sprechend — die estländische Fibel gehört noch in die Periode C (3. u. 4. Jh) — ist an Stelle der Achsenhülse mit Scharnierachse und Bronzenadel der Türsamäer Fibel hier am K opf ein Loch angebracht, durch welches die jetzt nicht mehr vorhandene eiserne Nadel eingehängt war, und hat sich der lange Nadelhaltei der ersteren zu einem ganz kurzen umgewandelt. Ausser dem Exemplar von Pukkila ist mir nur eine finnländische Fibel bekannt, die abgesehen von kleineren Abweichungen — u.a. facettierte Seiten­ knöpfe am Querstabe und anstatt der Knollen kleinere Knöpfe am Bügel und am Fuss — denselben Typ vertritt. Auch diese Fibel hat geraden Fuss und kurzen Nadelhalter und die Unter­ seite des Bügels ist flach wie bei der Fibel von Pukkila. (Abb. 10 1 Über diesen T y p , von dem bisher mindestens 6 Stück aus W ierland (Türsei od. Türsamäe 2 St., Malla, Jäbara, Reinapi u. Sillaotsa) und 1 Stück aus Finnland (Ketohaka, Ksp. Uskela F M 1916 S. 57 A bb. 17) vorliegen, sieh C. Grewingk, Verhandl. d. Gel. Estn. Ges. X I I I , S. 19 u. Taf. II: 4; R. Hausmann, Grabfunde aus Estland, S. 18/19 u. Taf. III: 65; A. Hackm an, Feststhrift Bezzenberger S. 68 ff; A. M. Tallgren, Archäologie Eestis I S, 97; M. Schmiedehelm, Beiträge zur goti­ schen Frage, Sitzber. d. Gel. Estn. Ges. 1922 S. 99 und Grabfeld Liiganuse, E SA III Abb. 5: 2; H. Moora, E in Grabfeld d. älteren Eisenzeit in Nord-Estland, estnisch m. deutsch. Auszug, Jahrbuch des Estn. Nationalmuseums II, S. 196 u. Taf. 147: 17; A. Friedenthal, Hügelgrab aus d. älter, u. mittl. Eisenzeit Nord-Estlands, B ei­ träge zur K unde Estlands (Estl.-Liter. Ges.) X X , S. 34 A bb. 1.

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oberste Reihe rechts). Sie ist im Hügelgrab VI auf der Anhöhe Palomäki bei dem Dorfe Käyppälä, Ksp. Laihia (schw. Laihela) gefunden worden und lag mit anderen, allerdings zeitlich etwas heterogenen Gegenständen, darunter 2 Fibeln mit dreieckiger

A bb. 10. ca 4/ 9. Funde aus dem Brandgrab V I auf dem Palom äki, D orf Käyppälä, K sp Laihia.

knöpf vei ziert er Fusscheibe, einer »provinzialrömischen» Armbrust­ fibel mit Kopfknopf und abgebrochenem Fuss, welcher, wie eine Fibel von demselben T yp aus Grabhügel I auf Palomäki zeigt, sicher mit Nadelscheide ausgestattet war, einer Schnalle mit ovalem Rahmen und dreieckigem Beschlag in e i n e m Stück, einer schma­ len Pinzette, einem Kammfragment, einer dreieckigen Pfeilspitze aus

HACKM AN, B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

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Knochen u.a.m. so nahe beisammen, dass eine gleichzeitige Nieder­ legung möglich ist (HM 8705: 16—-33, Abb. 10). Zeitbestimmend für diesen Fund ist vor allem die in der Mitte der obersten Reihe der Abb. 10 dargestellte Fibel, welche hinsichtlich ihrer dreieckigen mit drei Knöpfen verzierten Fusscheibe und des Knopfes auf der Höhe des Bügels trotz der abweichenden Form des Kopfes einer grösseren Anzahl gotländischer Fibeln mit ähnlichem Fuss und runder Bügelscheibe ( VZG Taf. 4: 25, 26, Taf. 5: 34, Taf. 6: 37—42, Taf. 35: 357— 361) zur Seite gestellt w'erden darf. Diese gotländischen Fibeln gehören nach Nermans Beweisführung Montelius Periode VI: 1, die jüngsten von ihnen dem Beginn der Periode VI: 2, d.h. hauptsächlich dem 5., zum Teil dem Anfang des 6. Jahrhunderts an.1 Dass bei der Entstehung der finnländischen Fibeln von diesem T yp gotländischer Einfluss wirksam gewesen ist, liegt nach dem soeben Angeführten auf der Hand. Die einfache Art der Nadel­ befestigung und den kurzen Nadelhalter haben diese Fibeln aber mit den von Pukkila und Palomäki gemein; ausserdem haben einige von ihnen wie diese drei Knöpfe oder Knollen auf der Höhe des Bügels (Abb. 11: 1), so dass sie sich hauptsächlich nur in der Form ihrer Fusspartie von diesen unterscheiden und im grossen ganzen gleichzeitig mit ihnen sein müssen. Eine solche Fibel lag im Grabhügel IIP auf der Anhöhe Kokkostenkärki bei Rönni, Ksp Pälkäne, Tavastland u.a. mit einer Armbrustfibel mit raupen­ förmigem Bügel und langem Nadelhalter vom Typ der Fibel von Cissewie in Pommerellen (Blume, German. Stämme Abb. 38) zu­ sammen, die in Tischlers Periode D (nach C. Engel, Congressus S. 314 5. und 6. Jh n. Chr.) gehört (HM 9250: 1— 10). Ein anderes Exemplar Abb. 11: 1 wurde in einem Grabhügel bei Keho, Ksp Nord-Pirkkala, Satakunta mit dem Schwertknauf Abb. 11:3 und dem Scheidenbeschlag Abb. 11: 2 gefunden, Gegenstände, die u.a. in den jüngeren skandinavischen Moorfunden Entsprechungen 1 D ie Schnalle m it ovalem Rahm en und dreieckigem Beschlag in einem Stück A bb. 10: 6 kom m t auf Gotland am Ende der röm ischen Periode und im Beginn der Völkerwanderungszeit (Montelius V: 2 u. V I: 1) v or (Ä E G Taf. 36: 537 und VZG Taf. 14: 153). •— D ie »provinzialrömischen» Arm brustfibeln von Palomäki A bb. 10: 8 sind entartete Exem plare dieser im Norden äusserst seltenen F ibel­ gruppe und dürften m it der Schnalle A bb. 10: 6 gleichzeitig sein.

SMYA — FFT XLI

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haben (HM 4574: 1— l l ) . 1 Zusammenfassend dürfen wir sowohl die Fibeln mit dreieckiger knopfverzierter Fusscheibe als auch die von Pukkila und Palomäki im 5. Jh und spätestens im Anfang des 6. Jhs ansetzen.

Abb. 11.

Funde aus einem Brandgrab bei K eho, K sp Pohjois-Pirkkala, Sata­ kunta. Nach J. Rinne.

Die zerbrochene, etwas eingedrückte und unvollständig erhal­ tene zweite Fibel aus Pukkila I Nr 115 Taf. 1: 9, gehört zu einer Gruppe südostbottnischer Armbrustfibeln mit Nadelscheide,2 die 1 S M -F M 1907 S. 59 ff. 2 V on dieser südostbottnischen Gruppe liegen bisher folgende grösstenteils fragmentarische F ibeln vor: aus dem K sp V ä h ä k y r ö (schw. Lillkyro): 1. Untere H älfte einer Fibel m it wahrscheinlich 4 Rippenpaaren, Bügel konkav, HM 4279: 34 b Ä E F Abb. 89, gef. im Steinerdegrabhügel Nr 151 auf dem K irstinmäki, D orf Perkiö, übrige Funde 5. und 6 . Jh. — 2. Bruchstück des Fusses, ein Rippenpaar sichtbar, H M 4604: 34, gef. w ie 1. — 3. Oberes Bügelende m it zwei profilierten W ülsten und K opfknopf, Unterseite des Bügels platt, H M 4604: 81,

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als lokale Umbildungen von auch in Finnland vorkommenden südostbaltischen Armbrustfibeln mit umgeschlagenem Fuss und Ringgarnitur bezeichnet werden können. In Abb. 13 ist eine noch der jüngeren römischen Eisenzeit (Tischlers Periode C, 3. und 4. Jh) angehörende, aus dem Samland oder dem Memelgebiet nach der Landsch. Finni. (Ksp Uskela) eingeführte Fibel dieser Gruppe wiedergegeben (HM 6459: 10) 4 Abb. 14 stellt eine jüngere silberne Prunkfibel von einem T yp dar, der mehrfach in Lettland und Estland vertreten und wohl spä­ testens um 500 anzusetzen ist (Museum Åbo). Im Gegensatz zu den älteren Fibeln mit Ringgarnitur hat dieser T yp keinen K opf­ knopf. Die aus umgelegten Perldrahtringen gebildete reiche Garnitur dieser Fibeln ist auf den südostbottnischen Fibeln durch bereits im Guss hergestellte Paare oder Doppelpaare von Rippen oder Wülsten nachgeamt. Die Zahl dieser Rippenpaare wechselt; so sind an der Fibel von Pukkila I ihrer nicht weniger als acht, an der von Malaks-Fiskars Abb. 12: 1 sechs angebracht, während die zerbrochene Fibel von Laihia— Kiviniemenmäki F M 1910 S. 51 Abb. 1 nur zwei oder drei gehabt zu haben scheint. An das »umgef. im Steinerdegrabhügel Nr 152 auf dem K irstinm äki, übrige Funde 5.— 7. Jh. -— 4. B ruchstück des Fusses, 2 Rippenpaare sichtbar, H M 9066: 9, gef. im Stein­ hügelgrab Nr 71 auf dem Aittom äki, D orf T ervajoki. — K sp L a i h i a (schw. Laihela): 5. Zerbrochene Fibel m it 2 oder 3 Rippenpaaren, Bügel konkav, K op f­ knopf vieleckig H M 4903: 2 u. 7 F M 1910 S. 51 A bb. 1, gef. in einem Stein­ hügelgrab auf dem Hügel K iviniem enm äki, D orf K äyppälä, übrige Funde 5.— 6. Jh. — 6. Das obere Ende des auf der Unterseite platten Bügels m it 3 W ülsten und Resten der Querstange m it dem einen Seitenknopf, H M 4903:12; gef. wie 5. — K sp M a 1a k s (finn. Maalahti): 7. Fibel m it 6 Rippenpaaren, vieleckiger K opfk n op f gespalten und konkav, Bügel konkav H M 4263: 8 A bb. 12: 1 und 8. Bruchstück einer Fibel, K op f wie bei 7 und halber konkaver Bügel, zwischen beiden ein D oppelpaar von W ülsten, ausserdem halbe Spiralrolle und ein vieleckiger Seitenknopf A bb. 12: 2, H M 4263: 9. 7 u. 8 gef. in einem Steinhügelgrab bei Fiskars, übrige Funde 5. Jh. und ca 500 n. Chr. Ä E F S. 76 f. — 9. Fibel in einem Stück m it Sehne, im itierter Spiralrolle und Seitenknöpfen gegossen, 5 Rippenpaare, Bügel und K opfknopf konkav, eingehängte eiserne Nadel HM 3975: 6 Abb. 12: 3, gef. in einem Stein­ hügelgrab auf dem H ügel Jonkaisbränno, übrige Funde 5. u. 6. Jh. Å E F S. 74f. —

10. D er profilierte K o p f und zwei Bruchstücke des Fusses einer Fibel, das

eine Bruchstück m it dem

Ansatz zu dem konkaven Bügel;

die Anzahl der

W ü lste scheint 7 betragen zu haben (3 am Fuss und 4 am Bügel); HM 7277: 4, 5, 8; gef. in einem Steinhügelgrab bei Gästgivars, Langerskogen. F M 1918, S. 43/4. 1 Vgl. Åberg, Ostpreussen, Karte I u. S. 12 ff.

1 a. »/«

3 a. */.■ A bb. 12.

Arm brustfibeln vom südostbottnischen T yp. l a , 1 b u. 2. Fiskars, Ksp

Malaks, O stbottnien.

3 a, 3 b.

Jonkaisbränno, Malaks.

N ach A. H ackm an.

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geschlagene» Fussende erinnert bei dem Exemplar von Pukkila die quergeriefte Stelle zwischen den zwei unteren Rippenpaaren des Bügels, während dieses Rudiment bei den anderen besser er­ haltenen Fibeln dieser Gruppe nicht zu sehen ist. Zu diesem typologisch älteren Detail wäre noch hinzuzufügen, dass der Bügel unserer Fibel auf der Unterseite platt ist im Gegensatz zu den anderen Fibeln der Gruppe, die mit zw ei Ausnahmen (S. 26/7 Fuss-

Abb. 1 3 .2/ s. K atajam äki, Ksp Uskela, Landsch. Finni.

N ach A. Euro-

Abb. 14. 2/ s. K orpolaistenniem i, bei Å bo. Nach A. Hackman.

paeus.

note 2 Nr 3 u. 6) einen stark konkaven Bügel haben, und dass ihr durch Abnutzung beinahe kugelig gewordener K opfknopf ursprüng­ lich vieleckig gewesen ist, während wenigstens bei ein paar der anderen Fibeln dieser Knopf gleichsam gespalten und auf der Unterseite hohl ist, (vgl. Abb. 12: 1 u. 3) ganz wie der K opfknopf vieler späten skandinavischen kreuzförmigen Fibeln.1 Wie die Mehrzahl der südostbottnischen Fibeln dieser Gruppe, bei denen der K opfknopf erhalten ist, hat das Exemplar von Puk1 Vgl. H. Schetelig, The cruci/orm brooches of Norway, Fig. 50, 62, 63, 65, 75, 81, 82, 84, 91, 93, 106— 108 u.s.w.

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kila auf der Unterseite des Kopfes eine vertikal gestellte durch­ lochte Scheibe, durch welche die eiserne Achse der Nadelrolle gesteckt ist (Taf. 1: 9 links oben).1 Die jetzt nicht mehr vorhan­ dene bronzene Nadel scheint von der Nadelrolle ausgegangen und nicht wie die ebenfalls bronzene Nadel der Fibel von Malaks— Fiskars Abb. 12: 2 lose eingehängt gewesen zu sein, welche letztere Befestigungsart bei vielen finnländischen Fibeln der älteren Völker­ wanderungszeit vorkommt. Die Fibel von Pukkila hat also auch in dieser Einzelheit einen älteren Charakter bewahrt. Die Zeitstellung der südostbottnischen kreuzförmigen Arm ­ brustfibeln ist offenbar dieselbe wie die der oben besprochenen finnländischen Fibeln mit knöpf verziert er dreieckiger Fusscheibe und der Fibeln von Pukkila Taf. 1: 8 und Palomäki Abb. 10: 3. Sie müssen ungefähr gleichzeitig sein einerseits mit älteren ost­ baltischen Armbrustfibeln der Tischlerschen Periode D, anderer­ seits mit gewissen skandinavischen kreuzförmigen Fibeln von Sheteligs Klassen III und IV ,2 mit welchen sie einen charak­ teristischen Zug, den gespaltenen K opf knöpf, gemein haben (vgl. S. 29 Fussnote 1). W ir werden sie demnach dem 5. Jh, die jün­ geren von ihnen der ersten Hälfte des 6. Jhs zuweisen dürfen. Unser durch einige ältere Züge gekennzeichnetes Exemplar von Pukkila I stammt vermutlich aus der Zeit um 500 n.Chr. Die ganze Gruppe ist sicher einheimisch und bildet, da sie in Finnland bisher nicht ausserhalb ihrer engeren Heimat gefunden worden ist, eine südostbottnische Lokalform. Schmuckgegenstände. Die drei Bruchstücke einer Bronzestange Nr 117 Taf. 1: 7 können nur von einem Halsringe oder einem Spiralarmringe und nicht von einer Nadel herrühren, da die in Finnland gefundenen Schmuck­ nadeln der älteren Völkerwanderungszeit alle kurz und zierlich sind, während die zusammengerechnete Länge der drei Bruchstücke 1 Bei der Fibel von Jonkaisbränno A bb. 12: 3 ist diese Scheibe durch eine horizontale Öse ersetzt, in welche die Nadel eingehängt ist. Dieselbe N adelkon­ struktion haben auch andere gleichzeitige ostbottnische Fibeln (Å E F Taf. 4: 6, 7; F M 1910 S. 51 Fig. 3). 2 The cruciform brooches, S. 153.

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mehr als 15 cm beträgt und ihre Dicke (5— 6 mm) der einiger Hals­ oder Spiralarmringe dieser Zeit entspricht. Zu welcher Halsringart sie gehört haben, muss unentschieden bleiben, da die Endpartien nicht erhalten sind. Am nächsten liegt es an einen Halsring mit runden verdickten Enden zu denken, weil dieser T yp im 5. und 6. Jahrhundert in Finnland recht zahlreich vertreten ist. Spiralfingerringe aus Bronzedraht wie Nr 116, Taf. 1: 2 sind in den finnländischen Funden der älteren Völkerwanderungszeit eine häufige Erscheinung. Der verhältnismässig breite Draht unseres Exemplares ist wie der vieler anderen dieser Ringe innen platt und aussen schwach gewölbt. Nach Eino Pukkinens Angabe befand sich unter den von ihm oder seinen Arbeitern in Pukkila I gefundenen Gegenständen eine Bernsteinperle, die nach der Auffindung verloren ging (Nr 125). Über ihre Form sind wir nicht unterrichtet. Schon an dieser Stelle erwähnt sei auch das zweite, bedeutend jüngere Stück Bernstein aus Pukkila II, das jetzt formlos, ursprünglich sicher eine Perle gewesen ist, Nr 105. — Bernsteinperlen sind in unseren völkerwanderungszeitlichen Funden recht selten.1 Aus den süd­ licheren Landschaften kenne ich weder aus der älteren noch aus der jüngeren Völkerwanderungszeit eine sicher datierbare Bernstein­ perle und aus unserem kleinen südostbottnischen Gebiet nur sieben, davon 4 aus Vörå, 1 aus Vähäkyrö und 2 aus Isokyrö (die Exem ­ plare Nr 125 und 105 von Pukkila).2 Auch die folgenden Perio­ den der Eisenzeit Finnlands sind arm an Funden von Bernstein­ perlen. 1 Der einzige bisher bekannt gewordene Fund von Bernsteinperlen aus der röm ischen Eisenzeit war in dem Steinsetzungsbrandgrab c in dei Nähe von T iikkinummi bei Lupaja, Ksp Perniö (schw. B jerno), Landsch. Finl. gem acht worden. Er enthielt drei Bernsteinperlen, die Å E F Taf. 7: 6, f, k, 1, abgebildet sind, ausserdem u.a. die F ibel m. u. F. I.e. Taf. 1: 5, HM 3720: 168— 206. 2 K s p V ö r å (finn. V öyri): 1. Eine grosse abgeplattete kugelige gelbe Perle (H M 1971: 6 Abb. 15: 4) aus dem Brandgräberfeld G ulldynt, die m it den Gegenstän­ den A spelin 1256, 1257, 1259— 1268 (6. Jh) dem Museum zugeschickt w orden ist. — 2. Eine unregelmässig kugelige Perle, gef. auf dem Kaparkullen, D orf R ekipelto, m it 47 Glasperlen und einer aus Karneol (HM 15 Abb. 15: 2); vielleicht 7. Jh. — 3. Eine grosse längliche Perle m it birnenförm igem Loch, gef. in einem zerstörten Brand­

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Solidi und Ringgold. Bevor der S o l i d u s L e o I (Nr 127 Taf. 1: 4) bei Dr Nord­ mans Ausgrabung zu Tage kam, besass das Nationalmuseum nur einen Solidus — eine Münze des weströmischen Kaisers V a 1 e nt i n i a n u s III (425— 455), Abb. 16: 3, die 1879 in dem Brandgräber­ feld des 6. und 7. Jhs auf dem Hügel Gulldynt, Ksp Vörå mit dem goldenen Fingerring Abb. 16: 4 gefunden war (HM 1971: 16, 17).

' ■#

>, die paarweise von der langen Schildfessel des Fundes von Högbro, Ksp Halla, Gotland (Mus. Sthlm 12291) nach rechts und links ausgehen (G. Gjessing, Studier S. 31, Fig. 7), bzw. an die beiden »Vogelköpfe» des Fundes von Åker (ebenda Taf. I). Voraussetzung wäre allerdings, dass von unserem Stück der krumme Schnabel des Vogelkopfes abgebrochen ist und dass ursprünglich vier solche »Vogelköpfe» vorhanden gewesen sind W ie unser Gegenstand sind die Bronzeköpfe von H ögbro und Åker auf einer Eisenscheibe befestigt, bzw. früher befestigt ge­ wesen. Gegen eine solche Deutung unseres Gegenstandes sprechen aber seine grossen Ausmasse, welche die der skandinavischen von der Schildfessel ausgehenden Beschläge über treffen, die geringere Beugung des Halses und das Fehlen der charakterischen Augenum­ rahmung. Aber wenn auch unser Beschlag nicht wie die von H ögbro und Åker direkt zur Schildfessel gehört hat, so kann er dennoch auf dem Schilde befestigt gewesen sein, wie die beiden grossen Vogelbilder zeigen, die auf einem Schilde aus dem Grab 7 von Valsgärde, Uppland, rechts und links vom Buckel angebracht sind. (Dieser uppländische Schild ist noch nicht veröffentlicht worden). Beil. Das Beil Nr 32 Taf. 4: 1 aus dem älteren Kriegergrab ist eine in finnländischen Grabfunden der jüngeren Völkerwanderungszeit ziemlich seltene Erscheinung, ein Werkzeug und eine W affe, die damals die früher allgemein benutzte Tüllenaxt immer mehr ver­ drängte. Mit geradem Nacken, kurzen nur wenig vorspringenden unteren Seitenlappen, die obere Kante auswärts, die untere einwärts geschweift und mit einem Knie zu der verhältnismässig kurzen Schneide herabfallend, ist unser Beil eine etwas plumpe Abart einer schlanken nordischen Beilform mit langer Schneide und hammerförmiger Bahn (Abb. 31), die in Schweden bereits

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in der jüngeren römischen Eisenzeit bekannt gewesen ist,1 in Norwegen und Finnland dagegen soweit sie aus geschlossenen Funden vorliegt, kaum vor der späten Völkerwanderungszeit nach­ weisbar ist. Nach Jan Petersen (Vikingesverd, S. 39 Typ C) ist dieser T yp hauptsächlich ostskandinavisch und in Norwegen bei­ nahe ausschliesslich auf Tröndelag und Nordland begrenzt. In Schweden kommt er nach Petersen besonders häufig auf Gotland vor und ist dort nach B. Nerman (A T S 22: 4 S. 73) auch für die jüngere Völkerwanderungszeit charakteristisch.2 Der Fund von Aska-Östergård in Östergötland3 zeigt, dass dieser Beiltyp in Schweden wenigstens bis in den Anfang der Wikingerzeit fort­ gelebt hat. Ähnlich wie in Norwegen ist der Typ in Finnland häutiger in den nördlicheren, inneren und östlichen Teilen des Landes als im Südwesten gefunden worden. W ir besitzen einige Exemplare aus Åland (z.B. Aspelin 1706) und ein Stück aus dem Inselkirch­ spiel Hiitis (westl. von Hangö), kennen aber bisher keine Funde aus dem Festland der Landsch. Finni, und nur 2 Ex. aus Satakunta (Satakunta Mus. 4381) und Tavastland (HM 2089: 26 Ksp Kuh­ moinen). In Ostbottnien begegnen wir dem Typ in den W affen­ funden vom Kotsalonmäki (HM 2386: 83 d) und Haavistonmäki (Aspelin 1644, HM 2218: 175) aus dem 8. Jh sowie in zwei Einzel­ funden im Ksp Vähäkyrö (HM 9955: 1,2 ). Der W affenfund von Multpakkaniemi, Ksp Pylkönmäki, Nord-Tavastland (HM 2893) aus dem 7. Jh hat ein solches Beil enthalten (S M Y A X V II S. 31 — 35 Abb. 29) und einzeln gefundene Exemplare liegen aus Kuusamo (HM 5409, Abb. 27), Rovaniemi (HM 8807: 25), Sodankylä (Mus. Kemi) und Petsamo (HM 9901: 3), also aus dem hohen Norden unseres Landes, vor, wohin sie aller Wahrscheinlichkeit nach zum Teil aus Norwegen eingeführt worden sind. Viborgs Museum besitzt ein Ex. aus dem Ksp Muolaa auf der Karelischen Landenge, 1 Sv. F . 263, ein unsicherer Fund aus Gotland. — Alm gren und Nerman führen ausserdem aus Gotland 2 E x. aus der jüngeren röm ischen Eisenzeit an ( AE G S. 125 Fund Nr 382, Taf. 44: 618 und S. 131 Fund Nr 412, Taf. 46: 640). — In Fornv. 1907 S. 209, 210 ist ein smäländischer W affenfund aus derselben Periode beschrieben und abgebildet, der u. a. ein solches Beil enthält. 2 Vgl. auch das Exem plar aus Vendel, Grab I (Vendel Taf. X : 2). 3 Arne, Ein bemerkenswerter Fund in Östergötland. A cta arch. III S. 88 A bb. 53. 7

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und auch SO vom Ladogasee nicht weit von der Mündung des Pasaflusses sind in einem Kurgan der Wikingerzeit drei Beile von diesem T yp gefunden worden (Material. Arch. Russl. 18 Taf. X III : 8 und S. 98 [V II]). Ein Ex. aus Estland bildet Tallgren in Arch. Eestis I I S. 132 Fig. 165 ab. Der einfachere Sondertyp, dem das Beil von Pukkila angehört, ist in Finnland bisher durch verhältnismässig wenige Exemplare vertreten,1 aber ebenfalls aus dem Warägergebiet südöstlich vom Ladogasee (Raudonikas, Normannen, Abb. 26 b, 77 a und 78 a, 84, 87) und aus Ingermanland (Material. Arch. Russl. 20 Taf. X I X : 23) bekannt, wie denn überhaupt unter Nordrusslands ausser­ ordentlich wechselnden Beilformen aus dieser Zeit nicht wenige mit finnischen und skandinavischen Typen verwandt sind. Die Frage, wann die Kenntnis der Schaftlochaxt nach Finnland gedrungen ist, lässt sich noch nicht beantworten. Wahrscheinlich war dies schon ziemlich früh der Fall, da solche Geräte in den Nachbarländern teils — wie in Schweden und Lettland — bereits in der römischen Eisenzeit, teils — wie in Norwegen und Estland — in der Völkerwanderungszeit benutzt worden sind. Vielleicht dür­ fen einige hier gefundene altertümliche Beile vom T yp der Abb. 32 in die ältere Völkerwanderungszeit zurückverlegt werden, so ein aus Zentralrussland eingeführtes Beil mit langen Seitenlappen, schmaler Klinge und kurzer Schneide, das in dem kleinen Brand­ gräberfeld von Tunis, Ksp Vörå, gefunden ist, dessen Beigaben hauptsächlich aus dem 6. Jh, zum Teil allerdings aus dem 7. Jh herrühren (HM 9522 u. 9550: 1— 61).2 Ebenso alt ist ein anderes Exemplar desselben Typs aus einem Brandgrab auf dem Kalomäki, Dorf Ilmoila, Ksp Hauho, Tavast1 1 Stück m it einer Lanzenspitze wie F M 1917 S. 71, A bb. 39 (Wikingerzeit) im K sp Konnevesi, N ordtavastland gefunden (HM 9785: 1, 2). -—• 1 St. aus dem K sp K a lvola , Südtavastland (V A F Taf. 77: 14, H M 3183: 2). — 1 St. aus Mietoinen, Landsch. Finni. (H M 5395: 4, Grabfund der W ikingerzeit). -— 1 St. aus Pärkkö, K sp Laitila, Landsch. Finni. (V A F Taf. 77: 4, H M 2991). — 1 St. aus dem Ksp Uukunniemi, Karelien (HM 8866: 4). a Einzeln gefundene Beile von diesem zentralrussischen T yp: 1 E x. aus dem K sp Sibbo, N yland (A spelin 1585, H M 1973). — 1 E x. aus dem K sp PohjoisPirkkala, Satakunta (HM 2125: 231). — 1 E x. aus Karisalmi, K sp V iborg, K are­ lien (HM 10548, A bb. 32). — 1 E x. (ein Miniaturbeil) aus Räisälä, Karelien. 7292: 2, F M

1918, S. 50, Fig. 37).

(HM

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A b b . 32. ca 2/9.

Beil von zentralrussischem T y p . Karelien.

99

Karisalmi, K sp V iborg.

100

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land (HM 9607: 2). Eine mitgefundene Speerspitze mit Angel, in deren plattem Ende ein Nagel sitzt, wird von H. Salmo in das 6. Jh datiert. In der Nähe lag ein Tüllenbeil. W ie dem auch sei, so scheint, nach dem jetzigen Fundbestand unserer vorgeschichtlichen Sammlungen zu schliessen, das Schaft­ lochbeil erst vom Ende des 7. Jhs an eine wichtigere Rolle in Finnlands Wirtschaftsleben gespielt zu haben. Es ist vielleicht kein Zufall, dass das reiche Brandgräberfeld von Gulldynt in Vörå mit Beigaben aus dem 6. und dem 7. Jh. wohl ein paar Tüllenäxte, aber kein Beil mit Schaftloch geliefert hat und dass auch die W affenfunde von Kaavontönkkä in Vähäkyrö und Nyysti in Laihia, die beide in das 7. Jh. gesetzt werden können, nur Tiillenä x te enthalten. Bestandteile eines Helmes? Unter den Funden aus dem älteren Kriegergrab fallen uns einige im Folgenden unter a und b besprochene Bruchstücke von Gegenständen auf, die uns die Frage nahe legen, ob wir es nicht mit Bestandteilen eines Helmes vom Vendeltyp zu tun haben. Die Beantwortung dieser Frage wird durch den schlechten Er­ haltungszustand dieser Gegenstände erschwert. In dem ersteren Falle bleibt die Frage unentschieden, in dem zweiten muss sie verneint werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Häupt­ ling mit einem Helm vom Vendeltyp bestattet worden ist, ist unter solchen Umständen sehr gering. a) In erster Linie kommt hier das Bruchstück eines hohlen bronzenen Beschlages in der Form eines Vogelkopfes mit langem Schnabel Nr 65 Taf. 10: 4 in Betracht. Erhalten ist nur der grös­ sere Teil des eigentlichen Kopfes mit dem oberen Teil des Schna­ bels. Der K opf ist im Kerbschnitt mit einem Netz von vertieften Vierecken geschmückt, deren scharfe Kanten sich nach dem Schna­ bel zu fortsetzen und in ein paar Schleifen endigen. Die von er­ habenen konzentrischen Kreisen umgebenen Augen werden durch zwei kleine Granate gebildet. Die nach vorne gekehrten Kanten des Schnabels sind mit einer wellenförmig angeordneten Reihe von zweizehigen Tierfüssen verziert; die seitlichen Kanten haben keine Ornamente; von der vertieften Mittelpartie ist kein Rest erhalten.

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Die Ähnlichkeit dieses Beschlages mit den langgeschnäbelten Vogelköpfen, welche an den skandinavischen Helmen die Fort­ setzung des Kammes bilden (Vendel Taf. V: 3, X X V I I: 11, X X X V I : 4, 7; Teckningar Ser. IV, Taf. 6; Acta archaeol. III PI. V, VI und Acta archaeol. V, PI. X I, X IV ; Bergens Museums Aarbok 1922— 23, Historisk-antikvarisk raekke, Nr 3, S. 7) ist unverkenn­ bar. Ungewöhnlich wirkt allerdings die reiche Verzierung des finnländischen Stückes, die gegen die einfachere Aus­ gestaltung der skandinavischen Vogelköpfe absticht. Auch ist unser Beschlag, dessen Kopfbreite 1.5 cm beträgt, etwas schmäler und schwächer als die letzteren. Leider fehlt der obere Teil des Kopfes mit der Vorrichtung zur Befestigung, so dass wir nicht wissen können, ob unser Stück in dieser Beziehung mit den skandinavischen Helmzierden übereinstimmt. Jedoch lässt sich kaum annehmen, dass hierin ein wesentlicher Unter­ schied zwischen ihnen bestanden hat. Oberhalb des Kopfes wird auch unser Exemplar einen halbzylindrischen Rand gehabt haben, in welchem ein Niet sass. Angesichts der grossen Ähnlichkeit zwischen unserem Beschläge und den skandinavischen Helmkamm­ fortsätzen braucht vielleicht den oben berührten Zügen — der reicheren Verzierung und der grösseren Zerbrechlichkeit des ostbottnischen Stückes keine grössere Bedeutung beigelegt zu werden. Jedenfalls wäre es schwer eine andere Erklärung für seine ursprüngliche Verwendung zu finden. b) An die gerieften bronzenen Bänder, welche auf den Helmen von Vendel I und X I I ,1 Valsgärde 5,2 Vestre Englaug und N es3 die mit gepressten Ornamenten verzierten Bronzebleche des Helm­ randes einrahmen, erinnern lebhaft die drei Bruchstücke eines vierrückigen 1 cm breiten Bronzebandes Nr 58 aus Pukkila, von denen Taf. 9: 3 das grösste Exemplar veranschaulicht. Leider ist aber hier keine vollständige Übereinstimmung vorhanden. Wenn wir auch kein grösseres Gewicht auf den Umstand zu legen brau­ chen, dass die 1 cm breiten Bänder von Pukkila breiter sind als 1 Vendel Taf. V und X X X V I . 2 A cta arch. III PI. V I. 3 Bergens Museum s Aarbok 1922— 23. Fig. 1, 3.

Historisk-antikvarisk raekke Nr 3,

102

SM Y A — F F T X L I

die skandinavischen Streifen, die nach den Abbildungen zu schliessen gew öhnlich eine Breite von nur 0.4 cm und an ein paar Stellen von 0.6 oder 0.8 cm zu haben scheinen, so ist es jedenfalls bedenk­ licher, dass an den ostbottnischen Bändern keine Nietlöcher zu entdecken sind. Nicht einmal das längste Bruchstück Taf. 9: 3, das 9.7 cm lang und, wie das eine abgerundete Ende zeigt, ein Endstück ist und als solches einer besonderen Sicherung benötigt haben müsste, nicht einmal dieses Stück weist Spuren von Nieten auf. Im Gegensatz hierzu sind die verglichenen skandinavischen Bänder mit zahlreichen in kurzen Abständen voneinander sitzen­ den Nieten versehen. Unter solchen Umständen ist es ausge­ schlossen, dass die Bronze streifen von Pukkila trotz ihrer grossen Ähnlichkeit mit den skandinavischen als Helmzierden gedient haben. Vielleicht kommen wir der Lösung näher, wenn wir sie mit den Metallstreifen an den Scheiden kontinentaler Saxen (Ober­ flacht, Castel Trosino) vergleichen. Die gerippten Goldstreifen an der Scheide des Kampfmessers aus Castel Trosino Grab 119 ('Castel Trosino Taf. X II: 5) scheinen mit nur ganz wenigen Nieten befestigt gewesen zu sein. Die Biegung unseres Stückes Taf. 9: 3 fände hier vielleicht eine natürliche Erklärung. Messer. Was an kleinen Messerklingen aus den verschiedenen Teilen des Gräberfeldes von Pukkila vorliegt, bildet ein recht dürftiges Material. Aus Pukkila I hat das Nationalmuseum nur 2 Bruch­ stücke von einem oder zwei Griffdornen (Nr 119) erhalten. Das ältere Kriegergrab in Pukkila II hat nur ein Stück geliefert, eine 8.6 cm lange Klinge mit fragmentarischem Griff dorn und gera­ dem Rücken (Nr 21, Taf. 10: 3). Dass aber die Anzahl der bei­ gegebenen Messer im Grabe ursprünglich grösser gewesen ist und dass sich darunter grössere und schönere Klingen befunden haben, darauf deuten das unten S. 103 ff. besprochene schön verzierte Quer­ stück eines Messers Nr 61 Taf. 10: 1 und die beiden kleinen bron­ zenen Bruchstücke von Messergriffen N r 59 und 60 Taf. 9: 2 und Taf. 10: 2, von denen der erstere an den profilierten Griff eines Messers aus dem Gräberfeld von Ristimäki, Ksp Kaarina, Landsch. Finni. (Abb. 24) erinnert. — Unter den zuerst aus Pukkila ein­

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103

gesandten und zum jüngeren Kriegergrab gehörenden Gegen­ ständen befand sich die 18 cm lange Klinge mit gebogenem Rücken Nr 10 Taf. 22:3. — Zwischen den beiden Kriegergräbern lagen zwei stark beschädigte Klingen Nr 101, die eine mit krummem, die andere mit geradem Rücken. — Schliesslich ist auf der Terrasse vor der Südwand des Neubaues eine jetzt 7.4 cm lange fragmen­ tarische Klinge gefunden worden, Nr 108. Die beiden fragmentarischen länglichen und schmalen Bronze­ bänder Nr 61 Taf. 10: 1 haben offenbar nebeneinander liegend die beiden Hälften eines Beschlages gebildet, der mit kleinen Stiften an einer Unterlage aus Holz, Knochen oder Horn festgenietet war. An dem längeren der beiden Bruchstücke sind zwei winzige Niet­ löcher, an dem kürzeren ein Loch vorhanden, welche zeigen, dass die Stifte sehr dünn gewesen sein müssen. Beide Bruchstücke ent­ behren der Endpartien, ein Mangel, der ihre Rekonstruktion er­ schwert. Das längere Stück ist jetzt 5.7 cm lang bei einer grössten Breite von 0.7 cm. In der Mitte befindet sich ein rechteckiger Einschnitt von 1.7 x 0.3 cm, der einem ebensolchen Einschnitt an dem gegenteiligen Bruchstück entspricht. Nebeneinander gelegt lassen diese Einschnitte eine viereckige Öffnung frei, welche für den Griffdorn eines Messers oder Dolches bestimmt sein muss. Eine Bekräftigung dieser Annahme gibt die umgebogene schmale Leiste auf der äusseren Seite der beiden Bruchstücke, die den Leisten an dem obersten und dem untersten Teil des Querstückes eines Vendelschwertes entspricht. Es wäre dann anzunehmen, dass zu unserem supponierten Querstück ursprünglich ein eben­ solcher aus zwei Hälften zusammengesetzter unterer Teil und eine das Ganze zusammenhaltende Mittelscheibe aus Holz, Knochen oder Horn, an welcher diese Metallteile festgenietet waren, gehört haben. Obgleich ein derartig zusammengesetztes Querstück eines Messergriffes in technischer Beziehung unpraktisch, weil leicht zerbrechlich wäre und auch hinsichtlich seiner ornamentalen Ver­ zierung unter den Gegenständen seiner Art einzig dastände, werden wir uns zu dieser Rekonstruktion bequemen müssen, da sie sich von selbst ergibt. Allerdings enthält das ältere Kriegergrab kein Messer oder Dolch, zu dessen Griff unser Gegenstand als unteres Querstück passte. Die Griffangel des Kampfmessers Nr 31 Taf. 9: 1 ist unten zu breit für die kleine viereckige Öffnung unseres

104

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Querstückes. Und dächten wir uns das Querstück am oberen Ende der Griffangel angebracht, so würden seine Ornamente wenigstens zum Teil durch den Knauf verdeckt gewesen sein. Auch wäre es sehr unwahrscheinlich, dass eine so wuchtige W affe wie das Kam pf­ messer ein so schwaches Querstück gehabt hat. W ir sind genötigt anzunehmen, dass das Messer, zu dessen Griff unser Querstück gehört hat, bei der Feuerbestattung verloren gegangen ist oder sich noch in der Erde unter dem Fussboden des nordöstlichen Zim ­ mers befindet, die ja nur zum Teil untersucht werden durfte (vgl. S. 8 u. 9). Ungewöhnlich sind zum Teil auch die Kerbschnittornamente, welche die beiden Bruchstücke schmücken. Auf dem längeren Bruchstück ist rechts von dem viereckigen Einschnitt ein von der Seite gesehenes nach rechts gerichtetes rückwärtsblickendes Tier mit erhobenem dreizehigem Vorderbein dargestellt. Das Hinterbein hat unter dem Rum pf einen dreieckigen Fuss mit einer rückwärts gebogenen Zehe (vgl. Salin, Thierornamentik, Abb. 544 i). Der K opf hat das charakteristische spitze Kinn aber keinen Mund, dagegen ist der vordere Teil der Augenumrahmung übermässig entwickelt und in die Länge gezogen. Von diesem Stil-II-Tier durch eine von sich kreuzenden Zickzacklinien ausgefüllte Zone getrennt ist links vom Einschnitt eine in stilistischer Hinsicht fremdartige ebenfalls nach rechts gerichtete vorwärts schauende Tierfigur zu sehen, die nur in ein paar Einzelheiten Züge vom Stil II aufweist, im übrigen aber ziemlich naturalistisch darge­ stellt ist. Stil-II-Charakter hat allenfalls der K opf mit spitzem Kinn und kurzem Mund. Unterhalb des Kopfes befindet sich eine ovale Figur (ein Oberschenkel?), die nicht zum Tier zu gehören scheint, und unter dieser ein ebenfalls unabhängiges, knieförmig gebogenes Glied, dessen lange Endpartie den Raum zwischen der Rücken- und der Bauchlinie des Tieres ausfüllt und dadurch dem realistischen Charakter der Tierfigur Eintrag tut. An den K opf des Tieres schliesst sich ohne Hals der in der Hauptsache natura­ listisch gestaltete Rum pf mit einem kurzen Vorderbein(P), beiden in schreitender Stellung befindlichen Hinterbeinen und herab­ hängendem Schwanz. Der schmale Raum unter dem Tiere sowie die hinter dem Schwanz liegende Fläche sind mit kleinen, von sich kreu­ zenden Zickzacklinien gebildeten Kerbschnittrhomben ausgefüllt.

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Leider ist von dem kleineren Bruchstück nur die Hälfte erhalten, auf welcher ein Stil-II-Tier als Seitenstück zu dem auf dem grösse­ ren Bruchstück dargestellt ist, während die andere Hälfte fehlt. Wir können daher nur per analogiam annehmen, dass auf dem ent­ sprechenden Platz der fehlenden Hälfte sich die nämliche realis­ tische Tierfigur wie auf dem grösseren Bruchstück befunden hat. — Ungewöhnlich ist auch die Verzierung der schmalen Seiten­ leisten der beiden Beschlaghälften. Sie besteht aus Mäanderlinien von zwei verschiedenen Arten — nämlich einer sich beständig schneidenden und Dreiecke bildenden Linie und einem echten Mäander — , zwischen denen sich eine undeutliche mit wenigen Strichen skizzierte Tierfigur(P) befindet. Am deutlichsten tritt unter diesen Strichen eine mehrfach gebogene Linie hervor, die vor dem zuerst genannten Mäander in drei »Zehen» endigt und darin an einen Vorderfuss erinnert. (Vgl. das aus einer Serie solcher Füsse gebildete Rahmenornament um die innere Fläche der silbertauschierten Gegenplatte aus Fétigny in der Schweiz, die Lindqvist in »Vendelkulturens ålder» S. 53 Fig. 57 a abbildet.) Nadel. Das einzige zum Gewände des Bestatteten gehörende Schmuck­ stück des älteren Grabes war eine in verschiedene Stücke zer­ brochene eiserne Nadel von estnischem T yp mit zugehörigem Gehänge Nr 73— 75, 47, 48 und vielleicht 4(5 Taf. 1 1 u. Taf. 12: 1 u. 2 . Ihre einzelnen Bestandteile lagen nicht zusammen, sondern waren beim Niederlegen in die Grabstätte auseinander geraten und dabei zum Teil auch verloren gegangen. Von der Nadel selbst ist nur der mittlere Teil erhalten, der K opf und die Spitze fehlen. Am oberen Ende des erhaltenen Stückes befinden sich aber glücklicherweise noch Reste von 3 Querscheiben, die einen sicheren Schluss auf die ursprüngliche Form des Kopfes gestatten und somit eine Rekonstruktion der Nadel ermöglichen (Taf. 11). Es kann sich hier nur um eine s.g. Ringkopfnadel estnisch-finnländischer Form handeln, denn nur solche Nadeln haben einen derartig profilierten Hals. (Vgl. Tall­ gren, Arch. Eestis II, Abb. 46 und Taf. VI: 15). Die anderen Haupttypen der ostbaltischen Nadeln aus der Völkerwanderungs­

100

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periode und der Wikingerzeit, die Dreiecks- und die Kreuznadeln, haben nie eine so kräftige Halsprofilierung. Auch das Material unserer Nadel spricht für die Richtigkeit unserer Wiederher­ stellung: Dreiecks- und Kreuznadeln sind nie aus Eisen herge­ stellt, eiserne Ringkopf nadeln liegen dagegen aus mehreren est­ ländischen und mindestens 8 finnländischen Funden v o r .1 Dass die Ringkopfnadel in Finnland ein beliebtes Schmuck­ stück war, darauf deutet die verhältnismässig grosse Anzahl der hier gefundenen Exemplare. Ausser den mindestens 8 eisernen Nadeln enthalten die Sammlungen des Nationalmuseums wenig­ stens 11 bronzene, wozu noch 10 Stück vielleicht schon wikinger­ zeitliche Bronzenadeln mit Ringkopf und einer Quersprosse mit kreisförmigen Endscheiben kommen (Abb. 36).2 1 Beispiele aus Estland: A. Friedenthal, Gräberfeld. Cournal, S. 11/12 u. 28/2!) Taf. 1: 68— 71, 76: Zwei oder drei E x. aus H ügel I, Grab A bei Cournal oder Kurna unweit südlich von R eval. — A. Spreckelsen, Gräberfeld Laakt (Lagedi östlich von Reval), Verh. d. Gel. Estn. Ges. X X I V (1927) S. 25 Nr 7 u. S. 58 Nr 68 Taf. I: 19 u. Taf. II: 43(?). 1 E x. aus H ügel I X und 1 E x. aus Hügel X V . —•D ie beiden estländischen Archäologen setzen diese Nadeln in die röm ische Eisenzeit (Periode C). Angesichts der grossen Ähnlichkeit zwischen den estländischen und den finn­ ländischen Nadeln, welche letzteren ohne Zweifel der späten Völkerw anderungs­ zeit angehören, m öchte ich diese Datierung für zu früh halten, zumal die beiden Gräberfelder auch jüngere Gegenstände enthalten haben. — Ein Verzeichnis sämtlicher estländischen sow ohl eisernen als auch bronzenen Ringkopfnadeln, die bis 1925 bekannt waren, gibt Tallgren in Arch. Eestis II S. 16 und Tabelle auf S. 22/23, leider ohne das Metall anzugeben. Zu diesem Verzeichnis ist mindestens auch ein in der Nähe des Burgwalles Kuusalu in H arjum aa (Harrien) gefundenes bronzenes Exem plar m it Quersprosse zu fügen.

(Eski, 1936, S. 186 A bb. 13: 1).

— W ährend des Druckes der vorliegenden Arbeit erschien die Festschrift der Ge­ lehrten Estnischen Gesellschaft, Liber saecularis, Tartu 1938, m it u.a. E. Aristes Aufsatz »D ie estländischen Ringkopfnadeln», in w elchem auch die finnländischen Exem plare und die lettisch-litauische N ebenform m it kleinem, im Querschnitt viereckigem Ring, die Ariste m. E. nicht m it R ech t für die Grundform der ganzen Gruppe hält, behandelt werden.

2 Eiserne Ringkopjnadeln. dem

N yland: 1. 1 E x. aus einem Brandgrab m it viereckiger Steinsetzung auf M a n k e b e r g , K sp K a r i s (finn. K a r j a a ) , schlicht, der Hals nicht

profiliert, v om R in g nur ein Rest, H M 6697: 12 (F M 1916, S. 62). Landschaft F in nland: 2. 1 E x. aus einem Brandgrab bei M y n ä n u m m i , Ks p M y n ä m ä k i , am Hals vier D oppelwülste, unterhalb dieser eine platte durchbohrte Partie m it kleinem Ring, A bb. 33: 3, H M 8801: 3. — 3. D er profilier­ te H als (3 Doppelw ülste) einer Nadel, aus dem Brandgräberfeld K a 1 m u m ä-

H AC K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

107

O

A bb. 33. Ringkopfnadeln aus Eisen. 1. Pärkkö, K sp Laitila. — 2. H enttu, D orf K oum a, K sp Laitila. Nach FM 1911. — 3. M ynänumm i, K sp M ynäm äki (schw. Virm o).

k i, K sp K a l a n t i , Pärkkö,

HM 8 3 3 9 :3 1 6 .- 4 .

Ks p L a i t i l a ,

der profilierte

1 E x. aus dem Brandgräberfeld bei H als m it Bronze überzogen, darun­

ter eine kurze Quersprosse oder Achse zur Befestigung eines Gehänges (?) und ein W ulst, beide bronziert, A bb. 33: 1, H M 2217: 28. — 5. 1 E x. aus einem B rand­ grab bei H e n t t u , D orf K o u m a , Ks p L a i t i l a , der H als nicht profiliert, Abb. 33: 2, H M 5552: 7, (FM 1911 S. 51). Satakunta: 6 . 1 E x. aus G rabhügel 61 auf der Landzunge P ä i v ä n i e m i , Ks p L e m p ä ä l ä , schlicht, nicht profiliert, H M 3151: 22 (H. J. Heikel, P äivä­ niemi S. 10 u. 50, Taf. I II: 7).

3 4 2 A bb. 34. R ingkopfnadeln aus Bronze. 1. Gulldynt, Ksp Vörå. -— 2. K aavontönkkä, Ksp Vähäkyrö. — 3. Pitkäsmäki, K sp Lieto. — 4. Marttila, K sp Maaria. Tavastland: 7. 1 E x. aus dem Brandgräberfeld bei K i i 1 i ä, K sp S ä ä k s ­ m ä k i , Hals schwach profiliert, 2 W ülste, H M 6370: 48 (FM 1915 S. 25f). Ostbottnien: 8 . Die Nadel von Pukkila. Bronzene R ingkopf nadeln: Landschaft Finnland:

9. Bruchstück eines Nadelhalses, A bb. 34: 4 (vgl. die

estländische Nadel von Keila, Liber saecularis, E. Ariste, I.e. Taf. II: 4) und 10. ein Teil des Ringes und des Halses einer zweiten Nadel, aus dem Brandgräberfeld von M a r t t i l a , D orf S a r a m ä k i , Ks p M a a r i a , H M 7874: 271, 241 und 242. — 1 1 . Ein Teil des Ringes und des Halses von derselben Form wie N r 9, HM 6746: 29 und — 12. ein Teil des Ringes und des profilierten Halses (2 Querschei­ ben wie bei A bb. 34. 1 erhalten) einer zweiten Nadel, zu der vielleicht auch ein in der Nähe gefundener bronzener R ing gehört, aus dem Brandgräberfeld auf dem

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Abb. 35. R ingkopfnadel m it Gehänge. Br. 2/3. Ylipää, Ksp Lieto. N ach SM 1914. R i s t i m ä k i , Ks p K a a r i n a , H M 6753: 9 u. 17. -— 13. 1 E x. von ungewöhn­ licher Form m it Schleife innerhalb des Ringes und Quersprosse, A bb. 35, aus dem Brandgräberfeld bei Y l i p ä ä , Ks p L i e t o , H M 6336:167 (S M 1914, S. 36). — 14. E in Teil des Ringes und der Hals m it drei am R ande schräg gerieften W ülsten einer Nadel, A bb. 34: 3, aus dem Brandgräberfeld von P i t k ä s m ä k i , Ks p L i e t o , H M 10112: 106 a. — 15— 17. Zwei E x. m it Quersprosse und das Bruchstück eines dritten solchen, an einem Halsring aufgehängt, gef. auf dem M u s t a m ä k i , Ks p

Halikko,

HM

5512: 39

und

6378: 2

(V A F

Taf.

5 2 :7 ). — 18— 24.

Sieben E x. m it Quersprosse aus dem Brandgräberfeld auf dem L u k k a r i n -

SMY A — FFT XLI

110

Die Nadel von Pukkila hat unterhalb der Halswülste oder -scheiben eine etwas breitere platte Partie mit einem Loch, durch welches die eiserne Scharnierachse eines mehrgliedrigen Gehänges gesteckt ist. Taf. 11: 1 zeigt die Nadel mit dem beinahe recht­ eckig abstehenden arg verrosteten ersten Gliede dieser Garnitur, einer viereckigen eisernen Scheibe, an welcher mittels einer zweiten Scharnierachse das obere Ende einer anderen zum grössten Teil verloren gegangenen länglichen viereckigen Eisenscheibe befestigt ist. An diesem Bruchstück befinden sich noch zwei von den drei Eisennieten, welche ursprünglich die auf Taf. 11: 1 links neben der Nadel sichtbare schmale dünne Bronzescheibe auf dieser Eisenscheibe festgehalten haben. Am unteren Ende der Bronze­ scheibe sind ebenfalls drei Löcher für die Stifte am unteren Ende der Eisenscheibe, das ebenfalls als Bruchstück erhalten ist. Diese

m ä k i , Ks p U s k e l a A bb. 36, H M 8067 A: 3— 5, 7, 29, 30 u. 9192: 9. — 25 u. 26. Je ein Bruchstück des kräftig profilierten Halses von 2 Ex.aus dem Brand­ gräberfeld auf dem V o l k s s c h u l e n h ü g e l ,

Ks p L a i t i l a ,

H M 2548: 26,

142 (Ä E F S. 51 Taf. 7: 10. Im T ex t sind die beiden Bruchstücke irrtüm lich als zu Endbeschlägen von Lederriemen gehörig gedeutet worden, was hiermit be­ richtigt sei). Satakunta: 27. Der in vier Teile zerbrochene R ing m it der H älfte des pro­ filierten Halses (ursprünglich anscheinend 3 D oppelwülste) und der untere Teil des Schaftes einer Nadel, aus dem Brandgräberfeld bei P u s s o, K sp K o k e ­ m ä k i , H M 7980: 22 (FM 1925 S. 35/36). •— 28. E in an einem bronzenen R ing hängender langer schmaler br. H aken wie die Haken, die an den Nadeln von Pukkila und K iikka unten das Gehänge an dem Schaft festhalten, aus dem Brand­ gräberfeld auf dem H i u k k a i n v a i n i o n m ä k i , 3149: 67. Ostbottnien:

Ks p H u i t t i n e n ,

HM

29. Eine fragmentarische Nadel, nämlich der halbe Ring, der

profilierte Hals (3 Doppelwülste) und die platte durchbohrte Partie zur Befestigung der Hängezierden, A bb. 34: 1, aus dem Brandgräberfeld auf dem G u l l d y n t h ü g e 1, Ks p V ö r å , H M 8562: 4. — 30. D er m it Bronzedraht um w ickelte R ing einer Nadel und der grösste Teil des Schaftes m it profiliertem Hals (3 W ülste m it eingelegten geperlten Bronzedrähten) und der durchbohrten Befestigungs­ platte, an welcher ein R ing hängt, Abb. 34: 2, aus dem S. 57, 58 erwähnten Krie­ gergrab auf dem H ügel Kaavontönkkä, K sp Vähäkyrö 9513: 35. 31. Zu einer eisernen oder bronzenen R ingkopfnadel hat sicher ein rad­ förm iger Anhänger sprüngen hört,

der

m it

über

den

R eif

hinausragenden kreuzförmigen V or­

(vgl. die Nadel von Uue Püssi, Präh. Z. V im

Brandgräberfeld

auf

dem

S. 553, A b b . 40) ge­

Franttilannum mi, Ksp. Mynämäki,

Landsch. Finnland gefunden ist. H M 7962: 12.

H AC K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

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beiden ersten Glieder des Gehänges entsprechen genau der runden durchbrochenen ursprünglich wohl mit Silberblech verzierten Bronzescheibe und der noch jetzt mit Silberblech belegten läng­ lich-rechteckigen Bronzeplatte einer anderen finnländischen Schmucknadel ostbaltischer Art, nämlich der Dreiecksnadel von Kiikka Abb. 37 .1 W ie bei dieser Nadel die Bronzescheibe, ist bei der Nadel von Pukkila das untere Ende der Eisenscheibe als Öse um einen Bronzering gebogen, an welchem ein bronzener Haken hängt, der ursprünglich über die Nadel gegriffen hat .2 Der Zweck dieses Hakens war offenbar der dem mehrgliedrigen Gehänge eine grössere Festigkeit zu geben und zu verhindern, dass es hin und her pendelte. Auch die Nadel erhielt dadurch einen etwas grösseren Halt. Ausser dem Haken hängt an dem soeben genannten Ringe ein kleiner breiter geriefter Bronzering, welcher ohne Zweifel ur­ sprünglich als Teil einer kurzen Kette zur Befestigung der bei­ den untersten Glieder des Gehänges gedient hat. Als vorletztes Glied dürfen wir wohl das durchbrochene steuerradförmige runde bronzene Anhängsel Nr 75 Taf. 12: 2 betrachten, obgleich es 35— 40 cm von den anderen Bestandteilen der Nadelgarnitur entfernt gefunden wurde. Wenigstens hat es eine grosse Ähnlichkeit mit dem »radförmigen» Anhängsel, das am Gehänge der Nadel aus Uue Püssi das vorletzte Glied bildet und dessen Speichen über den Reif hinaus als Kreuze herausragen (Präh. Z. V, S. 553 Abb. 40 u. Tallgren, Arch. Eestis II, Abb. 46). Unser Anhängsel hat zwar keine Speichen wie das estländische Gegenstück und auf 1 Eiserne Scheiben, verziert m it aufgenieteten Bronzehütchen, gehörten zu den S. 100 in der Fussnote 1 genannten eisernen Ringnadeln von Cournal-Kurna (Friedenthal, Cournal Taf. I: 68, 76 vielleicht auch 96). Sollte der von Spreckelsen in Laakt Taf. II: 43 abgebildete Bronzeblechstreifen m it getriebenen Buckeln und je einem H aken an den beiden Enden nicht auch zu einem solchen Nadelgehänge gehört haben? Vrgl auch das Samländer Gehänge Gaerte, Ostpreussen Abb. 187a, das von Gaerte in die spätrömische Kaiserzeit datiert wird. — Etwa gleichzeitig m it Pukkila ist die Dreiecksnadel aus Estland Tallgren, Arch. Eestis II, S. 33, A bb. 53 m it langen schmalen Bronzestreifen und w ohl etwas jünger das Gehänge aus dem M emelgebiet Gaerte, Ostpreussen A bb. 255 d. 2 Ein solcher Haken findet sich auch bei der Nadel v on Uue-Püssi (Neu Isenhof) in W ierland (Präh. Z. V, S. 553, A bb. 40 u. Tallgren, Arch. Eestis II A bb. 46) und, in Finnland, bei den Nadeln A b b .35 von Ylipää, K sp Lieto, A bb. 37 von K iik­ ka, sowie, m it zugehörigem Ring, aber ohne Nadel gefunden, aus dem Brandgräber­ feld Hiukkainvainionmäki, Ksp H uittinen (S. 110 Fussnote N :o 28, HM 3149: 67).

112

SMY A — FFT X L I

seiner Rückseite fehlen die beiden Ösen, die an der Rückseite des letzteren angebracht sind .1 Im übrigen ist aber die Ähnlich­ keit unverkennbar. Ich nehme daher an, dass ursprünglich ent­ weder je eine kurze Kette unser Anhängsel mit den oberen Glie­ dern und dem letzten Glied der Garnitur, nämlich der bronzenen »Haarzange» mit den breiten Lippen Nr 47, 48 verbunden hat oder

Abb. 36. 3/7.

Ringkopfnadel m it Quer­

sprosse. Br. Lukkarinm äki, K sd Uskela. Nach FM 1925.

A bb. 37. ca 2/7. Dreiecksnadel m it Ge­ hänge. Br. u. Si. K sp Kiikka, Satakun­ ta. N ach SM 1914.

dass der Anhänger neben dieser »Haarzange» gehangen hat, auf der Wiederherstellungsskizze Taf. 11: 2 dargestellt Ein Gegenstück zu der letzteren Anordnung zeigt Abb. 35, letzte Glied in der K ette der Ringkopfnadel von Ylipää, wo

wie ist. das der

1 Eine Zeichnung der Rückseite der Nadel von Uue-Piissi (Neu Isenhof) verdanke ich Dr. A. Friedenthal. — Den U rtyp dieser Hängezierde sieht Tallgren, (Arch. Eestis II, S. 18) in den Anhängseln Riga K at Taf. 9: 2, 9. R ichtiger wäre es vielleicht an das ostpreussische Stück Gaerte, Ostpreussen A bb. 140: c aus der röm ischen Eisenzeit oder an die beiden an einem Halsring befestigten H änge­ zierden von Tauroggen, Litauen, Pokrowski, W ilenski muzei Taf. I X : 3 zu denken.

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113

hammerförmige Anhänger neben den seltsamen hörnerförmigen Berlocken an demselben Ringe hängt. Ein zweites Gegenstück bilden die nebeneinander aufgehängten Hängezieraten der Garni­ tur des Verwahrfundes von der Insel Papinsaari im Ksp Kuh­ moinen, Tavastland: eine bronzene Zange mit breiten Lippen und zwei durchbrochenen Scheiben (Abb. 38, HM 7854: 7 a— c), die jedenfalls ursprünglich an der mitgefundenen Dreiecksnadel be­ festigt gewesen sind. Der Fund von Kuhmoinen (F M 19 2 5 , S. 37 u. Abb. 28— 33) wird von C. A. Nordman um 800 angesetzt .1

A bb. 38.

H ängeschm uck. Br. 5/6. Insel Papinsaari, K sp Kuhm oinen, Ta­ vastland. N ach FM 1925.

Ob die schmale bronzene Pinzette Nr 46, zwischen deren Arme die eine Hälfte der breiten »Haarzange» gesteckt war (Nr 47, Taf. 12: 1), auch neben den beiden anderen Gegenständen gehangen hat, lässt sich nicht entscheiden. Der eiserne Ring, an dem sie befestigt war, deutet vielleicht an, dass sie nicht zum Nadelge­ hänge gehört hat, dessen Bestandteile alle aus Bronze sind. Auf der Wiederherstellungsskizze Taf. 11: 2 ist sie daher weggelassen worden. Ein Haarzangenanhänger wie die von Pukkila und Papinsaari ist auch an der Nadel von Kiikka (Abb. 37) befestigt. Diese »Haar­ zangen» mit breiten Lippen entsprechen den »hammerförmigen» 1 Nordman, Karelska järnåldersstudier, SM Y A X X X I V : 3, S. 113. 8

114

SM Y A — F F T X L I

Anhängern an den Ringkopfnadeln von Uue-Püssi und Ylipää, Lieto (Abb. 35), und ähnliche Anhänger kommen an Brustketten­ gehängen aus westfinnischen Gräberfeldern der Wikingerzeit vor. Die hammerförmigen Anhänger oder »Thorshämmer», die be­ kanntlich eine grosse zeitliche und räumliche Ausbreitung haben, werden allgemein als religiöse Symbole aufgefasst. Es läge daher nahe auch den Hammeranhängern aus Finnland und Estland und warum nicht auch den »Haarzangen» von Pukkila, Riikka und Papinsaari eine solche Bedeutung zuzuerkennen. Mit ihren übertrieben breiten Lippen, die besonders bei dem Stück von Papinsaari auffallen, haben sie vielleicht keine praktische Ver­ wendung gehabt. Über den Platz der Schmucknadel am Gewand des Bestatte­ ten können uns die finnländischen Funde, die entweder aus Brand­ gräbern stammen oder Einzelfunde sind, keine Auskunft geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie im Gegensatz zu vielen ost­ baltischen paarweise auftretenden Nadeln kein Pendant gehabt, sondern ist allein benutzt worden. Reste einer zweiten Nadel fanden sich weder in Pukkila noch an den anderen finnländischen Fundorten solcher Nadeln und auch die Art des Gehänges, zu welchen keine langen Brustketten gehören, deutet auf eine Einzel­ nadel hin. W ir dürfen wohl annehmen, dass die Nadeln mit einer Garnitur wie die von Pukkila, Riikka und Uue-Püssi zur Männer­ tracht gehört haben, während Nadelpaare mit Brustketten weib­ lichen Schmuck darstellen. Dass unsere Ringkopfnadel mit dem Schwerte und anderen durch Verzierung im Stil II datierten Gegenständen des älteren Rriegergrabes sehr wohl gleichzeitig sein kann, wird durch einige der in der Fussnote auf S. 106— 110 genannten Funde, die Sachen aus dem 7. Jh enthalten, bestätigt. Von den dort verzeichneten Funden gehören Nr 1 (Mankeberg), 5 (Henttu), 29 (Gulldynt) und 30 (Raavontönkkä) sicher, Nr 6 (Päiväniemi), 7 (Riiliä), und 27 (Pusso) wahrscheinlich noch in diese Zeit; die übrigen sind, soweit ihre Fundumstände eine nähere Datierung zulassen, jünger, die Nadeln mit Quersprosse stammen aus dem Beginn der W ikin­ gerzeit. Den estnischen Fund aus Reila, der u.a. eine schöne mit Silberdraht umwickelte Ringkopfnadel, ein Brustkettengehänge und 2 Halsringe mit verdickten Enden enthält, datiert Tallgren

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115

in das 8 . Jh {Arch. Eestis II, S. 21 u. Taf. II). Sollte die Ringkopf­ nadel zu dem Brustschmuck gehört haben, so wäre sie von einer Frau getragen worden. Der Fund ist jedoch nicht sachkundig gehoben und daher in dieser Hinsicht nicht beweiskräftig. Die lettisch-litauische Parallelform mit kleinerem, aus einem dickeren, im Querschnitt viereckigen Reif gebildetem K opf wird von den lettischen Archäologen teils in die mittlere, teils in die jüngere Eisenzeit gesetzt, ist also gleichzeitig mit den estnischen und finnischen Ringkopfnadeln .1 Pinzette. S. 112,114 ist die breite »Haarzange» Nr 47— 48 als Hangezierde den hammerförmigen Anhängern dieser Zeit zur Seite gestellt worden. Die andere Pinzette Nr 46 Taf. 12: 1 links, zwischen deren Backen die eine Hälfte der breiten Haarzange eingeschoben war, ist dagegen unzweifelhaft ein Gebrauchsgegenstand, ein Toilettengerät zum Entfernen von Haaren aus dem Gesicht. Ihre schmale, langsam nach unten sich verbreiternde Form ist charakteristisch für ein paar gleichzeitige und einige ältere finnländische Exemplare. Die Verzierung besteht aus zwei parallelen längs den Kanten laufenden Linien. Recht hoch oben sitzt ein zweirückiger Schiebering, der ursprünglich weiter gewesen sein muss, wenn er einen praktischen Zweck gehabt hat. Mit seinem jetzigen Durchmesser liesse er sich nicht weiter nach unten schie­ ben. Die Pinzette von Pukkila ist eine der jüngsten, die wir aus Finnlands vorgeschichtlicher Zeit besitzen. In der Wikingerzeit muss die uralte und weitverbreitete, auch in Finnland schon für die Bronzezeit nachweisbare Sitte dem Toten eine Pinzette ins Grab zu legen in unserem Lande in Vergessenheit geraten sein; anders kann ihr vollständiges Fehlen in den Funden aus dieser Periode nicht erklärt werden. Nach der kleinen Zahl der bisher bekannt gewordenen mit Pukkila ungefähr gleichzeitigen Funden 1 R . Snore, D ie lettischen Schmucknadeln der Eisenzeit (lettisch m it deutschem Auszug). Latvieäu aizvestures materiali I, R iga 1930, S. 91 Taf. I X : 1— 8 u. X : 1— 6, 8 — 12. Die zwei durch lange Brustketten verbundenen Nadeln ebendort Taf. X : 1 dürften w ohl Frauenschmuck gewesen sein.

SM YA — F FT X L I

116

zu schliessen scheint dieser Brauch hier bereits in der jüngeren Völkerwanderungsperiode im Abnehmen begriffen zu sein .1 Dass die Pinzette von Pukkila zu der Ausstattung eines Mannes gehört hat, steht in Übereinstimmung mit älteren und gleich­ zeitigen Funden in Finnland und anderen Ländern. So enthielten im Brandgräberfeld bei Merola, Ksp Lieto, Landsch. Finni. 3 Kriegergräber aus der Zeit um 400 n.Chr. oder dem Beginn des 5. Jhs je eine eiserne Pinzette (HM 9222: 3, 400 und 492) und ist eine bronzene Pinzette in einem grossen Brandgrab des 5. Jhs bei der W attefabrik auf dem Palomäki, D orf Isokylä, Ksp Uskela, Landsch. Finni. (F M i g i 8 S. 40, Abb. 29) beinahe unmittelbar neben einer grösseren Anzahl W affen gefunden worden (HM 7138: 28). Eine defekte eiserne Pinzette ist in einem Brandgrab der Zeit um 600 mit einer Lanzenspitze und einer eisernen Hirten­ stabnadel in dem Flecken Vammala, Satakunta, gefunden (HM 6389: 1— 9). Oben (vrgl. Fussn. 1) bereits erwähnt ist das Vor­ kommen einer bronzenen Pinzette im W affenfunde von Multpakanniemi. — A uf Gotland fand sich je eine Pinzette in 2 W affen­ gräbern der Periode V: 1 (ÄEG 2 S. 125 Nr 383 und S 126 Nr 394), und mit Pukkila ungefähr gleichzeitige Beispiele für die Nieder­ legung einer Pinzette in Männergräbern bilden das Vendelgrab I (Vendel Taf. X : 1) und die Gräber 17 und 30 bei Bjärs, Hejnum, Gotland (SFT 8, S. 18 und A T S 15: 3 S. 73). Nach W. Veeck kommen bei den Alamannen der Merowingerzeit Pinzetten nur in Männergräbern vor (Veeck, Alamannen, S. 63). In anderen Ge­ genden sind sie dagegen für jene Zeit und frühere Zeitläufte auch aus Frauengräbern bezeugt .2 Was Finnland anbetrifft, so lassen 1 1 br. Pinzette aus dem Brandgräberfeld bei L å g a s , K sp M a 1 a k s, Ost­ bottnien, m it W affen und Schm uck des 7. Jhs (HM 2272: 37). — 1 br. E x. (HM 2893: 7) gehört zum W affen fun d des 7. Jhs vom M u l t p a k a n n i e m i , Ks p P y l k ö n m ä k i , Nordtav astiand (S M Y A 17, S. 34 A b b . 31). — 1 br. E x. m it schm alem Schaft und breiten Kneifrändern (H M 8339: 215) aus dem Brandgräber­ feld vo m

Kalmumäki,

Ks p K a l a n t i ,

Landsch. F inni., dessen älteste,

Beigaben aus dem 7. Jh stammen. -— 1 eiserne Pinzette aus dem Brandgräber­ feld auf dem V o l k s s c h u l e n h ü g e l in Laitila (H M 2548: 129).— 1 schmale eiserne Pinzette (10075: 53) aus dem Brandgräberfeld auf dem R i s t e n k ö m p p ä bei Kodiala, K sp L a i t i l a , Landsch. Finni.

2 M. C. Barriére-Flavy, Les arts industriels des peuples barbares de la Gaule S. 203 (Merowingerzeit). — M. Besson, L'art barbare dans l ’ancien diocise de Lau-

H AC K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

117

sich drei einigermassen sichere Fälle aus dem 4.-5. bzw. 5. Jh anführen, in welchen eine Pinzette zu den Beigaben einer Frau gehörte. Es sind dies ein kleiner niedriger Grabhügel mit Leichen­ brand auf dem Volksschulenhügel bei Laitila (Ä E F S. 50 Nr 24), das Brandgrab 6 auf dem Palomäki (Ketohaka) Ksp Uskela (F M i g i y S. 59ff) und das Brandgräberfeld von Alitalo, Dorf Askala, Ksp Paimio, wo eine bronzene an einem Ringe hängende Pinzette dicht neben einer Bronzeperle lag (FIM 9869: 61, 62). In 3 an­ deren, grösseren Brandgräbern, bzw Gräberfeldern mit Bestat­ tungen von Männern und Frauen, davon 2 auf der so eben ge­ nannten Anhöhe Palomäki (F M i g i 6 S. 60, HM 6658: 156 sowie F M 1918 S. 40 Abb. 28, HM 7138: 12, beide ältere Völkerwan­ derungszeit), das dritte auf dem Kalmumäki, Ksp Kalanti (HM 8339: 215), lagen Pinzetten in der Nähe von Frauenschmuck und können mit diesem niedergelegt sein. In der Mehrzahl der Fälle — die Gesamtzahl der im Nationalmuseum verwahrten eisenzeit­ lichen Pinzetten aus Finnland beträgt mindestens 35 Stück ist es schwer ihre Zugehörigkeit zu einer männlichen oder weib­ lichen Bestattung mit Sicherheit festzustellen; jedoch dürfte die Pinzette auch in Finnland in erster Linie zum Toilettengerät des Mannes gehört haben. Das umgebogene Bruchstück einer Bronzestange Nr 76 Taf.

1 2 : 3 kann von einer Nadel oder einem Halsring herrühren. Es wäre denkbar, dass dieser Gegenstand ein versprengtes S ück aus Pukkila I ist und bei der Herrichtung des älteren Kriegergrabes unter die Beigaben desselben geraten ist. Eine Erklärung und Zweckbestimmung der beiden fragmen­ tarischen Eisenstäbchen mit einwärts gebogenem K opf Nr 95 Taf. 19: 2 bin ich nicht in der Lage zu geben. Hängezierde (?). Unter den bronzenen Gegenständen des älteren Kriegergrabes befindet sich ein kleines, jetzt nur 3.4 cm langes und bis 0.9 cm sanne, S. 180. — Vedel, Bornholm, S. 168 (Völkerwanderungszeit). — E. Petersen, D. frühgerman. Kulturen in Ostdeutsche u. Polen, Vorgesch. Forsch. II, 2, S. 65. — Material. Arch. Russl. Nr 25, S. 72 u. 76 Taf. X I X : 8 : die F'rauengräber 6 u. 31 des G räberfeldes bei Borki, Gouv. Rjazan (Völkerwz.).

118

SM YA — F F T X L I

breites, plattes, auf der unteren Seite schwach konkaves Stück, das auf der Obeiseite mit Kerbschnittornamenten im Stil II ver ziert ist (Nr 72, Taf. 10: 5). Der grössere untere Teil des Gegen­ standes wird durch zwei von der Seite gesehene Tierköpfe aus­ gefüllt, die mit den spitzen Kinnpartien aneinander stossen und sonst nur aus einem runden Auge und dem stark ausgebildeten flügelähnlichen, quergestreiften vorderen Teil der Augenumrah­ mung bestehen. Die K öpfe sind miteinander durch ein Doppel­ band verbunden, das, um eine kleine runde Scheibe gebogen, zugleich den oberen Teil des Gegenstandes bildet. Der obere Rand ist beschädigt. Es lässt sich daher nicht feststellen, ob unser Ge­ genstand eine Fortsetzung nach oben gehabt hat, etwa wie die Zaumbeschläge aus Vendel X IV ( Vendel Taf. X L II: 8 — 10) und dem Grabhügel 16 bei Trullhalsar, Gotland. (Fornv. 1916 Till­ växten Abb. 22 u. S. 48), mit deren unteren Teil er eine gewisse Ähnlichkeit hat. Da unser Stück jedoch recht dünn und zer­ brechlich ist, kann es nicht dieselbe Bestimmung gehabt haben wie die genannten schwedischen Zaumbeschläge. Ob wir es, was recht wahrscheinlich ist, mit einer Hängezierde zu tun haben, muss unentschieden bleiben, bis ein glücklicher Zufall ein besser erhaltenes Seitenstück zu Tage fördert. Rasseln. Eines der interessantesten Geräte aus dem älteren Krieger­ grabe ist die 46.2 cm lange eiserne Tüllenstange Nr 78 Taf. 4: 7 u. A bb 39 mit durchlochter kreisförmiger Kopfscheibe, an welchei ein eisernei Ring hängt, der seinerseits mit einem defekten Riemen­ beschlag und zwei defekten Anhängern — wahrscheinlich einer Brillenspirale und einer dreieckigen Scheibe — behängt ist. Beim Schütteln der Stange müssen der Beschlag und die Anhänger, deren Anzahl ursprünglich vielleicht grösser war, ein rasselndes Geräusch hervorgebracht haben. Da die Tülle offenbar auf einen hölzernen Schaft gesteckt war, hat das Gerät ursprünglich eine ansehnliche Länge gehabt. Rassel dieser und ähnlicher A lt sind in finnländischen Funden der späten Völkerwanderungszeit nicht selten und in denen der Wikingerzeit vereinzelt aufgetaucht. Die ganze Gruppe der Rasseln

H AC K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

ist von mir in der Alfred-Götze-Festschrift 1 be­ handelt worden, wo sich auch ein Verzeichnis der bis 1925 gefundenen finnländischen sowie einiger in den Nachbarländern angetroffenen Exemplare befindet. Hier möge in Kürze wiederholt werden, dass in Finnland vier Arten solche Rasseln unter­ schieden werden können, von mir als Typen A-D bezeichnet. Zum T yp A gehören Rasseln, die wie unser Exemplar mit längerer oder kürzerer Tülle versehen sind, Abb. 39, 40: 1 —4, 6 und 42. Typ B hat an Stelle der Tülle eine Angel, die in den Holzschaft gesteckt wurde, Abb. 41: 1— 4 u. Abb. 43. Bei T yp C ist die eiserne Stange durch einen eisernen Dopplbeeschlag ersetzt, der an das Ende eines hölzernen Stieles festgenietet war, Abb. 41: 5. Bei den Geräten vom T yp D hat der ein wenig un­ terhalb dei Mitte etwas anschwellende eiserne Stiel weder Tülle noch Angel, sondern schliesst mit einer konischen konkaven Erweiterung ab, die an die Mündung einer Trompete erinnert. Die Geräte von diesem T yp sind also nicht an einem hölzer­ nen Schaft befestigt gewesen, Abb. 41: 6. Von diesen vier Arten der finnländischen Rasseln sind die Typen A und ß zahlreich, C und D in nur je einem Exemplar vertiefen Mein Ver­ zeichnis in der Götze-Festschrift (1925) führt 9 AExemplare an (5 aus Ostbottnien, 2 aus Sata­ kunta, 2 aus Tavastland), von denen 2 mit defek­ tem Stiel (unten unter Nr 2 u. 10) auch dem Typ B angehören können. Hinzugekommen sind 2 Stück aus Ostbottnien, davon ein defektes (Nr 8) vielleicht vom T yp B. Ausserdem glaube ich jetzt die Tülle Taf. 22: 5 aus dem jüngeren Kriegergrabe in Puk1 A. Hackm an, Eisenzeitliche Peitschenstiele und Leitstock­ beschläge aus Finnland.

Studien

zur vorgeschichtlichen A rchäologie Alfred Götze zu seinem 60. Geburts-

A bb. 39. ca 1/3. Rassel aus dem älteren Krieger­

tage

grabe von Pukkila II.

dargebracht

u.s.w.

(1925).

E.

119

120

SM Y A — F F T X L I

kila II als zu einer Rassel vom Typ A gehörig betrachten zu dür­ fen, da an ihr Spuren von ebensolchen Zierreifen oder -wülsten wie an der Tülle der Rassel Abb. 39 aus dem älteren Krieger­ grabe zu sehen sind .1 1 D a die Festschrift weniger zugänglich ist, sei das Verzeichnis unter H inzu­ fügung der nach 1925 gefundenen Exem plare hier in verkürzter Form wieder­ gegeben. T yp A .

Geräte mit Tülle.

Ostbottnien. 1. H a a v i s t o n m ä k i ,

Ksp V ä h ä k y r ö. Eine 27.8 cm 1., im

Q uerschnitt vierkantige eiserne Stange m it runder Endscheibe und defektem Ring, Spuren von Facettierung wie an dem Exem plar A bb. 40: 2, A spelin 16 4 0 . H M 2218: 177. Ende des 8 . Jhs. — 2. K o t s a l o n m ä k i , Ks p V ä h ä k y r ö . Brandgräber. Oberes Ende einer im Querschnitt achteckigen Eisenstange m it runder Ösenscheibe, die oben einen spitzen Vorsprung hat, 14.7 cm, der untere Teil sowie der R in g m it Anhängern fehlen, A spelin 1648 — 5 3 . Ende des 8 . Jhs. K ann auch v om T y p B sein. HM 2386: 83 k. — 3. P u k k i l a , Ks p I s o k y r ö . Unser Stück Taf. 4: 7 u. A bb. 39. — 4. P u k k i l a , das Stück Taf. 22: 5 aus dem jüngeren Grab. — 5. L å g a s , Övermalaks, K sp M a 1 a k s. Brandgrab III. Eine 19.1 cm 1. an der Mitte facettierte oben vierkantige unten runde Tülle, A bb. 40: 2, R ing und Anhänger fehlen. W affen. 7— 8 . Jh. HM 3853: 19. — 6 . K o p a rb a c k e n , Lågas, K sp M a 1 a k s.

Brandgräber: Eine 15.5 cm 1., oben vierkan­

tige, unten runde Tülle m it Öse und R in g m it einem Riem enbeschlag und 2 leier­ förm igen Anhängern (»Brillenspiralen»), A bb. 40: 3; W affen, darunter 2 Angonen (7. Jh), Trense u.a.m . HM 2272: 32. N ach 1925 sind Nr 7 und 8 hinzugekom m en: 7. K a a v o n t ö n k k ä , Ks p V ä h ä k y r ö . Brandgrab. Eine 39.8 cm 1. Tüllenstange m it Ösenscheibe, die nach oben einen spitzen Vorsprung hat (vgl. Nr 2), und grossem R ing m it langem Riem enbeschlag und 2 Anhängern, Abb. 40: 1 HM 9513: 5.

W affen, 2 Trensen,

br. Ringkopfnadel, Sense, Tüllenaxt u.a.m . 7. Jh. — 8 . L å g p e l t k a n g a s , Ks p V ö r å . Brandgrab X V I I I . Der 14.2 cm lange obere Teil einer Eisenstange mit runder Ösenscheibe und kleinem R in g m it Riem enbeschlag und einem leierförm igén Anhänger, H M 8939: 25, 28, 29.

Vielleicht dem T y p B zuzurechnen.

U. a. 2 Trensen, Riem enbeschläge, 1 Sichel, 1 Schwertknauf (?). W oh l 7. Jh. Satakunta. 9. K a l m a a n m ä k i , Ks p P o h j o i s - P i r k k a l a . B rand­ gräber.

Eine eiserne 20.1 cm 1. oben vierkantige, unten runde Tüllenstange m it

runder Ösenscheibe und R ing m it 2 Riem enbeschlägen und 3 leierförm igen A n ­ hängern. A bb. 40: 4. W affen. 7.— 8 . Jh, H M 2890: 12. •—HO. P ä i v ä n i e m i, K sp L e m p ä ä l ä . Brandgrab 17. Eine 16 cm 1. defekte (Tülle fehlt) sechs­ kantige Eisenstange m it runder Ösenscheibe, die wie Nr 2 und 7 einen spitzen Vorsprung hat, und R ing m it einem Beschlag und 2 Anhängern. Kann auch zum T y p B gehören. H. J. Heikel, Päiväniemi Taf. V II: 9. W affen, Trense, D rachen­ fibel u.a.m . 8 . Jh. H M 3304: 15. Tavastland:

11

V ä r i 1 ä, K sp P ä l k ä n e .

Brandgräber. 4 .— 10. Jh, die

Mehrzahl der Funde 7. u. 8 . Jh. Eine 36.6 cm 1., oben sechskantige, unten runde

121

HACKMAN, BRAN D G R ÄB E R FE LD P U K K IL A eiserne Tüllenstange m it segmentförm iger Ösenscheibe und Ring.

Spuren eines

Zierreifens an der Tülle. Abb. 40: ü. S M Y A 26: 15, H M 6096: 52. — 12. H ä ih ä 1 ä, Ksp U r j a l a . Brandgrab. Eine 20.4 cm 1. eiserne Tüllenstange m it Öse und Ring m it einem Beschlag, Abb. 42. H M 6703:7. • —-1 3 .

Abb.

40.

Eiserne

Rantala,

Rasseln.

1.

W affen, Trense.

Ks p K a l v o l a .

Kaavontönkkä,

7. Jh oder um 600.

Brandgrab.

D ie Tülle m it

K sp Vähäkyrö. —

2. Lågas,

Brandgrab III, K sp Malaks. -— 3. u. 5. K oparbacken, Lågas, K sp Malaks. — 4. Kalmaanmäki, K sp Pohjois-Pirkkala. — 6. Värilä, K sp Pälkäne.

dem facettierten (vgl. A bb. 40: 2), oben sechskantigen Hals einer Rassel. L. 16.8 cm . M it gleicharmiger Fibel wie A spelin 12 2 8 . 7. Jh. H M 7427: 2. T yp B.

Geräte mit Angel.

Ostbottnien.

14.

Lågpeltkangas,

Ks p V ö r å .

Brandgrab V II.

Eine

10.2 cm 1. vierkantige Eisenstange m it Öse, R ing und einem leierlörmigen An-

122

SMYA — FFT X L I

hänger, A bb. 41: 1. H M 8331: 83. — 15. K o t s a 1 o n m ä k i, K sp V ä h ä k y r ö . Derselbe Fund wie Nr 2. Eine 11.9 cm 1. eiserne Stange wie A bb. 41:1. A m Ringe, 2 leierförmige Anhänger. H M 2386: 83 g. — 16. K o p a r b a c k e n , Lågas, K sp Malaks.

Brandgrab I: kurze, defekte Eisenstange m it Öse, Ring und einem

A b b . 41. ca 1/3. Eiserne Rasseln. 1. Lågpeltkangas. Brandgrab V II, Ksp Vörå. — 2. Päiväniemi. Brandgrab 61, K sp Lem päälä. — 3. (Mitte). Yliskylä, K sp Perniö. — 4. M ynänumm i.

K sp Mynämäki. — 5. Naskalinmäki, K sp Sak-

kola. — 6 . Burgwall L op otti, K sp K urkijoki. — 7. K aavontönkkä, K sp Vähäkyrö. leierförmigen Anhänger, Über die Stange ist eine tüllenförm ige Zwinge geschoben, A bb. 40: 5. W affen, Tüllenaxt, Trense u.a.m . 7. Jh. N ach X X III.

1925 ist

hinzugekom men:

17.

H M 3853: 11.

Lågpeltkangas.

Brandgrab

Kurze eiserne Stange m it R ing und einem leierförmigen Anhänger. Ü ber

H A C K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

123

die Stange ist eine tüllenartige Zwinge geschoben, wie bei Nr 16, Schwertknauf vom V endeltyp, Schildbuckel, W urfspeerspitze, Sichel u.a.m . H M 9925: 27. Satakunta.

18. R a u t i a l a , Ks p V e s i l a h t i .

Brandgrab ?. Eine kurze,

defekte zu einer Öse umgebogene Eisenstange, Ring, ein Riem enbeschlag und 2 leierförmige Anhänger, am unteren Ende eine Zwinge, unterhalb dieser ein Nagel. A bb. 43, Lanze, Tüllenaxt usw. 7.— 8 . Jh.

A bb. 42. 2/7.

F M 1910, S. 10. H M 5444: 5. — 19.

Funde aus einem Brandgrab bei Häihälä, K sp Urjala (schw. Urdiala).

Kirmukarmu,

N ach FM 1916.

Ks p V e s i l a h t i .

Brandgräber m it Beigaben aus dem 7.

bis 11. Jh; die grosse Mehrzahl aus der jüngeren Völkerwanderungszeit. Eine 12.7 cm lange Eisenstange m it Öse, R ing m it langem Beschlag u. Nagel, ein leierför­ miger Anhänger, am platten unteren Ende der Stange ein kleines N agelloch, HM 5165:31. ■— 20. P ä i v ä n i e m i , Ks p L e m p ä ä l ä . Brandgrab 12: defekte Eisenstange, 9.5 cm 1., m it Öse u. Ring, an welchem die H älfte einer Trense u. ein defekter Beschlag.

Spitze, eines A ngo u.a.m . 7. Jh.

Heikel, Päiväniemi S.

SM YA — F FT X L I

124

17 u. 55. Taf. V II: 7. HM 3304: 33.— 21. P ä i v ä n i e m i . Kurze (7.7 cm 1.) zu einer Öse um gebogene Eisenstange m it Ring, einem defekten Beschlag und einem Anhänger.

A bb. 41: 2 W ahrscheinlich aus Brandgrab 61, das sonst W affen, 1

Trense, gleicharmige u. Krebsfibeln u.a.m. enthielt. H eikel I.e. S. 11 u. 50 H M 3010:8. ■ — 22. H a r s u, D orf Palviala, K sp K a r k k u . Brandgräber aus der W ikin ­ gerzeit. Eiserne Stange, 13.35 cm 1., m it Ring, wie A bb. 41: 1, aber ohne Anhänger. HM 5203: 251. Landschaft Finnland.

23. Y 1 i s k y 1 ä, K sp P e r n i ö.

Brandgrab.

(B o o t­

grab). Aus 2 eisernen Stäben zusammengeschweisstes Gerät m it Öse u. Ring. Anhänger fehlen. Abb. 41: 3. W affen, eiserne Schnalle m it Schilddorn, 850 N iet­ nägel u.a.m.

U m 600 n.Chr.

A bb. 43. 2/5.

F M 1897 S. 60f.

H M 2912: 39.

Rassel. E. Rautiala, K sp Vesilahti.

Nach 1925 ist hinzugekom men:

24.

Nach FM 1910.

Mynänummi,

Ks p M y n ä m ä k i

(schw. Virm o). Brandgrab. Eine 32.1 cm 1. Eisenstange m it Angel, runder Ösen­ scheibe, kleinem R ing m it einem dreieckigen und einem leierförm igen Anhänger. A bb. 41; 4. W affen, Ringkopfnadel, Trense. T yp C.

7.— 8 . Jh.

HM 8801: 13.

K arelien: 25. N a s k a l i n m ä k i , K sp S a k k o 1 a. Brandgrab. Beschlag m it Ring, an welchem 1 Beschlag u. 2 längliche Anhänger, wie sie öfters an schw e­ dischen Rasseln Vorkommen.

A bb. 41: 5.

Fibeln u.a.m. FM 1925 S. 44. Um 800. T yp D. K arelien: 26. B u r g w a l l

W affen, Hufeisenfibeln, gleicharmige

H M 7901: 55.

L o p o t t i , Ks p K u r k i j o k i

(schw. K r o -

n o b o r g). Brandgräber am Fusse des Hügels. Ein 23.7 cm 1. facettiertes Gerät

H A C K M A N , B R A N D G R Ä B E R F E L D P U K K IL A

125

Vom Typ B sind jetzt 11 Stück bekannt (4 aus Ostbottnien, 4 aus Satakunta, 3 aus der Landsch. Finni.), zu welchen eventuell ein Teil oder alle der drei unter A (Nr 2,8 u. 10) angeführten Exemplare kommen können. Entweder zu A oder B gehört auch der Ring Nr 27 aus Åbo. Von den Typen C und D ist nach 1925 kein neues Exemplar in Finnland gefunden worden. Das Alter dieser Rasseln und ihre Verbreitung ausserhalb Finn­ lands ist in meiner oben genannten Arbeit näher erörtert worden. Aus den Fundkombinationen geht hervor, dass die Geiäte von den Typen A und B in der jüngeren Völkerwanderungsperiode (7. und 8 . Jh) im Gebrauch gewesen sind. Nur Nr 22 ist in einem wikingerzeitlichen Grabfeld gefunden. Diese beiden Typen sind sicher in Finnland heimisch. Die wenigen ausserhalb Finnlands gefundenen Rasseln mit Tülle (meinerseits kenne ich nur 6 aus Schweden 1 und 1 aus dem Gouvernement Wladimir in Russland) gehören alle in die Wikingerzeit. Unter den schwedischen Exem ­ plaren unterscheiden sich 4 schon durch ihre vierkantige Tülle, stark von den finnländischen und auch die runden Tüllen der beiden anderen haben ein anderes Aussehen als unsere. Vom Typ B kenne ich nur 2 nicht finnländische Exemplare, beide aus einem Funde bei Vollan, Hedmark, Norwegen .2 m it kreisausschnittförmiger Scheibe u. R ing m it 1 Beschlag u. 3 leierförm. A n­ hängern (bei 2 derselben sind die Spiralen einwärts gerollt). A bb. 41: 6 . W affen, Trense, Schildkrötenfibel (ca 800— 850 n.Chr.) S M Y A 12 S. 148f. H M 2163: 8 . Nachzutragen ist ausserdem noch: Landschaft Finnland:

27.

Åbo.

Ein eiserner R ing m it 2 leierförmigen

Anhängern, der jedenfalls von einer Rassel v om Typus A oder B herrührt und auf dem H ügel Sampalinna gefunden worden ist. H M 4034: 16. In diesem Zusammenhang sei der in A bb. 41: 7 dargestellte zum Funde vom K a a v o n t ö n k k ä , Ks p V ä h ä k y r ö (siehe oben Nr 7) gehörende Gegen­ stand, eine 22,4 cm lange eiserne Stange, deren plattes oberes Ende einen D oppel­ beschlag m it 2 N ietlöchern bildet, erwähnt. Vielleicht vom Stiel einer Peitsche (?). H M 9513: 7. 1 Ausser den 4 in der Götze-Festschrift genannten von G ryta in Västm anland, Aska Frälsegärd in Östergötland, Vendel Grab I X in U ppland und 1 aus Dalarna sind noch zu erwähnen 1 aus Aska-Östergård (A cta Arch. III, S. 77, A bb. 27) und 1 aus Grab 2 bei Tuna, K sp Alsike, Uppland (Arne, Tuna Taf. V: 3), beide mit vierkantiger Tülle. 2 Aarsber. 1880, S. 234 k.

Mus. Trondhjem 2475/76.

126

SM Y A — F F T X L I

Dem Typ C m öchte ich die Bezeichnung »schwedisch» geben, da er mir in 7 Exemplaren aus Uppland, Gestrikland und Dalarna und in nur einem aus Norwegen bekannt ist .1 Sämtliche Funde sind wikingerzeitlich. Im 9. Jh dürfte auch der Typ D aufgekommen sein, von wel­ chem ich ein Exemplar aus Schweden (Vendel, Grab V III), 5 aus Russland 2 und ein oder zwei aus Litauen kenne .3 Beachtenswert ist es, dass die in Russland gefundenen Exemplare aus Gräber­ feldern stammen, die entweder sicher warägisch sind (Gnjesdowo) oder wenigstens zum Teil warägische Gegenstände enthalten (Saljusöik). Die beiden in Karelien gefundenen Exemplare Nr 25 und 20 von den Typen C und D sind sicher aus Schweden oder aus einer Warägerkolonie in Russland nach Karelien eingeführt worden. Da weder die schwedischen noch die russischen und litauischen Rasseln so weit zeitaufwärts gehen wie die finnischen, ist es mehr als wahrscheinlich, dass das Gerät in seiner ältesten Form (A und B) in Finnland entstanden ist. Vielleicht dürfen wir sogar das kleine südostbottnische Kulturgebiet, wo die Hälfte aller bisher bekannten A - und B-Geräte gefunden ist, als die Heimat dieser Rasseln betrachten. Ebenso alt wie die jüngeren finnländischen Rasseln scheinen die norwegischen »rangier» in ihrer ältesten Form zu sein .1 Jedoch halten sie sich weit länger im Gebrauch 1 Zu den in der Götze-Festschrift, S. 211 angeführten 4 schwedischen Funden kom m en hinzu 1 E x. aus einem Brandgrab bei Tuna, Uppland, (Arne, Tuna Taf. II: 15), 1 E x. aus Grab 4 bei Valsgärde, Uppland und 1 E x. aus einem Funde auf der Insel Sollerö im See Siljan, Dalarna. 2 Ausser den in der Götze-Festschrift, S. 212 angeführten 4 russischen E xem ­ plaren noch 1 Stück, das dem aus dem Vendelgrab V III (Vendel Taf. X X I I : 4) sehr ähnlich ist, aus Saljuäjik, SO vom Ladogasee. H M 10157: 2. 3 In Acta archaeologica V II (1936) veröffentlicht J. Brondsted eine in einem Grab des 10. Jhs bei Gäfle (Gästrikland) gefundene Rassel (Danish inhumation graves of the Viking age, S. 196 Fig. 107), die am nächsten m it den warägischen Rasseln unseres T yps D verglichen werden kann. Anstatt des trom petenförm igen Abschlusses dieser Rasseln hat sie einen durchbrochenen G riff wie der Bratspiess von Pukkila Taf. 4: 6 . Der R ing m it einem schmalen dreieckigen und 2 leierför­ migen Anhängern ist durch eine längliche Scheibe gesteckt, die ihrerseits durch einen würfelförm igen K n op f von der Stange geschieden ist. — Der ebendort in Fig. 106 abgebildete und als Peitschenstiel (whip shank) erklärte Gegenstand aus F u ld b y bei Sorö, Seeland ist kein Rasselstiel sondern ein Bratspiess. 4 Jan Petersen, Vikingesverd, S. 49.

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als die unseren. Auch sie sind aus einem Stiel mit Tülle und einem an diesem gehängten zumeist ovalen, später anders geformten Ring oder Bügel zusammengesetzt. Jedoch hängen an diesem nicht kleinere Anhänger und Riemenbeschläge sondern grosse ovale oder runde Ringe entweder aneinander gereiht oder eine Kette bildend herab. Sie unterscheiden sich dadurch deutlich von den in Finnland gefundenen Rasseln und sind ausserdem zuweilen mit einem Haken mit zugehöriger Tülle vergesellschaft. Mit und ohne Haken kommen den norwegischen ähnliche »rangier» auch in den Vendelgräbern III, IV und VI, in den Gräbern II, IV und Inv. 9404 von Tuna und im Grab 2 von Valsgärde vor ,1 die alle wikingerzeitlich sind. Über die Bestimmung dieser Geräte ist man lange im Unklaren gewesen. Da die meisten von ihnen am Ringe ausser den An­ hängern einen Riemenbeschlag hängen haben, sind die in Finn­ land gefundenen Exemplare in unserer archäologischen Termino­ logie unter der Benennung »Peitschenstiele» gegangen. In meiner obengenannten Schrift ist gezeigt worden, dass die Bezeichnung »Peitschenstiel» vielleicht für einen Teil von ihnen, nämlich die Geräte vom T yp D, zulässig ist, dass aber Exemplare mit so langei Tülle wie die von Pukkila und Värilä (Nr 11) und gewisse andere Stücke wie das von Päiväniemi, Grab 12 (Nr 20) unmöglich diese Verwendung gehabt haben können, sondern eher als Leitstockbeschläge (vielleicht bei Schlittenfahrten mit Pferden oder Rentieren benutzt) aufzufassen sind. Aber auch diese Erklärung ist nicht erschöpfend. Nachdem in der Grabkammer des Osebergschiffes zwei mit Ringen behängte Rasseln vom norwegischen T yp und zwei mit Tüllenschaft versehene Haken mit je einem Paare der berühmten Tierkopfpfosten durch Stricke verbunden gefunden worden sind, ist die ansprechende Vermutung aufgestellt worden, dass diese »rangier» ebenso wie die Tier köpf pfosten eine magische Bedeutung gehabt haben. Die Tierkopfpfosten, die mit langen in sie gesteckten Holzschäften versehen waren, dürften an diesen Schäften wahrscheinlich bei religiösen Umzügen getragen worden

1 Vendel Taf. X I V : 3; X V : 3, (4); X V I I I 4, (5). — Arne, Tuna, Taf. II: 17; V: 6; V I I I : 9, (10). — M. Dyfverm an, Bdtgraven N r 2 vid Valsgärde, Gamla U pp­ sala, R ig 12 (1929) S. 178.

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sein .1 Da die Rasseln offenbar mit ihnen im Zusammenhang stan­ den, ist — jedenfalls mit Recht — angenommen worden, dass sie die Aufgabe hatten durch ihren Lärm böse Mächte abzuwehren. Unter anderen hat W olfgang Schultz hierauf aufmerksam ge­ macht 2 und dabei an die skythischen Bestattungsgebräuche erin­ nert, die Rostovtzeff in seinem Werk »Iranians and Greeks in South Russia», S. 44— 49 nach Herodotos und den Funden aus den Grabhügeln des Kuban geschildert hat und bei denen tier­ kopfgekrönte Rasseln ebenfalls eine wichtige Rolle spielten. Waren die norwegischen »rangier» magische Geräte, so haben die finnischen, schwedischen und russischen Rasseln wohl die gleiche Bestimmung gehabt. Darauf könnten schon die Formen einiger an ihren Ringen aufgehängten Anhänger deuten. An eini­ gen schwedischen Exemplaren hängen z.B. Miniaturscheren, denen dieselbe magische Bedeutung zukam wie den Miniaturmessern, — sicheln, — äxten, — hämmern, — feuerstählen und — lanzen­ spitzen, welche damals in den nordischen Ländern als Amulette getragen wurden. Miniaturmessern ähnliche Berlocken sind an der Rassel aus dem Kurgan Nr 45 bei Sjazniga, Kr. N ovaja Ladoga, im ehemabgcn Gouv. St. Petersburg, befestigt .3 Als Messeramu­ lette dürften vielleicht auch die schmalen spitzzulaufenden An­ hänger an der Rassel vom Naskalinmäki Abb. 41: 5 gedeutet werden. Ob die schmalen, dreieckigen Anhänger an den Rasseln von Pukkila, Päiväniemi Grab 61 (Abb. 41: 2) und Grab 17 als gewöhnliche Klapperbleche aufzufassen sind oder ob sie in Minia­ turformat besondere Gegenstände darstellen sollen, lässt sich nicht leicht ausmachen .4 Am häufigsten unter den Anhängern sind die 1 Osebergfundet II, S. 66. 2 W . Schultz, Tierköpfe mit tierverzierten Feldern in Oseberg und Wendel, Mannus 17, 1926, speziell S. 361— 364. 3 Material. Arch. Russl. 18, S. 108, Taf. I X : 6 . 4 N ebenbei bem erkt scheint die Rassel selbst, das ganze Gerät, in Miniatur­ form at als Am ulett getragen w orden zu sein. Als eine solche Miniaturrassel fasse ich den in A bb. 44: 1 dargestellten eisernen Gegenstand auf, der aus einem Ring m it 4 Stäbchen und einem H aken besteht, w elcher m .E. als die in einen H olz­ griff zu steckende Angel gedacht ist. D er Gegenstand ist in einem Brandgräber­ feld der jüngeren Eisenzeit bei Astala, D orf Rakkulainen, K sp Kokem äki, Sata­ kunta, gefunden w orden (HM 8338: 25). Ein ganz ähnliches Stück, dessen »Angel* verloren gegangen ist, stam m t aus dem B randgräberfelde auf dem Volksschulen­ hügel von Laitila (HM 2548: 182). Ein drittes Exem plar (Abb. 44: 2), bei welchem

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leierförmigen Berlocken oder Brillenspiralen, die meistens nach aussen, zuweilen (besonders bei den schwedischen Rasseln) nach innen gedreht sind. Fragen wir uns, ob man auch den Brillen­ spiralen magische Kraft zugeschrieben hat, so müssen wir von vorn herein auf eine sichere Antwort verzichten. Unter den Amu­ letten, die an skandinavischen silbernen oder eisernen »magischen Ringen» zu hängen pflegen ,1 fehlen sie. Als ornamentales Detail hat die Brillenspirale dagegen zu allen Zeiten eine grosse Ver­ breitung gehabt und ist speziell in der Eisenzeit in Finnland,

A bb. 44.

Miniaturrasseln (?).

1. Astala, K sp K okem äki, Satakunta. — 2.

Mäkirinne, K sp Kangasala, Satakunta.

Russland und vor allem in den ostbaltischen Ländern häufig benutzt worden. Wenn wir sie im Ostbaltikum und Finnland als Abschluss von Fingerringen (Riga Kat. Taf. 9: 14, F M 1916 S. 57, Fig. 23) sehen, so liesse sie sich vielleicht gerade am ausgestreckten Finger am ehesten als ein das Böse abwehrende Zeichen deuten. W ie dem auch sein mag, die wichtigste Aufgabe der Anhänger an dem Ringe der Rassel war gewiss Lärm zu erregen, der böse Mächte verscheuchen sollte. Die Vorstellung des primitiven Men­ schen von der apotropäischen Macht des Geräusches, besonders die Stäbchen durch dreieckige dem länglichen Anhänger am Ringe der Rassel von Pukkila ähnelnde Scheibchen ersetzt sind, ist in einem Brandgräberfelde auf dem Hügel Mäkirinne, D orf Toikkala, K sp Kangasala, Satakunta gefunden (HM 9220: 16). Vgl. auch Hallström, Birka I (1913) S. 57, Fig. 50. 1 Vgl. u.a. Hanna R ydh, Den magiska ringen från Hamrdnge. Gestriklands kulturhistoriska förening 1920.

Meddel. av

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wenn es mit einem metallenen Gerät hervorgebracht wird, ist so oft behandelt worden, dass ein ausführliches Eingehen darauf hier unterlassen werden kann. Ich begnüge mich daher mit einem erneuten Hinw'eis auf die oben erwähnten Ausführungen R ostovtzeffs über die kubanischen tierkopfgekrönten Rasseln der Skythen­ zeit, die von ihm zum Teil auch als Hoheitszeichen aufgefasst und mit Stangenköpfen aus Kappadokien, Babylonien und Assyrien verglichen w erden1, und erinnere zugleich an die hallstattzeit­ lichen Klapperstäbe und -ringe aus M itteleuropa 2 sowie an die weitverbreiteten mit Ringen behängten Rasselstöcke europäischer Hirten und Fischer, sibirischer Zauberer u.a., die zum Teil eine gewisse Ähnlichkeit mit den norwegischen »rangier» haben .3 Der Umstand, dass die nordischen Rasseln gewöhnlich in be­ sonders reich ausgestatteten Gräbern gefunden worden sind, deutet darauf, dass ihr Gebrauch ein Vorrecht höher stehender Personen war. V i r dürfen sie vielleicht nach Rostovtzeffs Vorgang 1 R ostovtzeff, Iranians and Greeks, S. 56. 2 Forrer, Reallexikon der prähistorischen, klassischen und frühchristlichen A lter­ tümer. (1907), S. 408 A bb. 303, 304. V gl. auch G. u. A. de Mortillet, M usée préhistorique, (1881), Taf. X C V III: 1227— 1229. 3 Eine w ertvolle Zusammenstellung des hier in Betracht kom m enden Stoffes und der einschlägigen noch lückenhaften Literatur gib t I. Manninen in seiner Schrift »Ajokepeistä ja muista rengassauvoista» (Ü ber Leitstöcke und andere R in g­ stäbe) in der Kalevalaseuran vuosikirja (Jahresschrift der) Kalevalagesellschaft) N r 11, 1931. Ich entnehme derselben und meinen eigenen Aufzeichnungen, dass der m it Bügel und Ringen ausgestattete Rasselstock der H irten aus Lappland (als Leitstock), Ångermanland und Schonen, Jütland (A arsber. 1906, S. 365) und gewissen Teilen von Deutschland, näm lich W estfalen, dem W esterwald, Südbayern, M ark Brandenburg, Westpreussen, Masuren, ferner aus Litauen und Südestland belegt ist. Am Dünafluss in Lettland, am Peipus- und am Ladogasee wird der R asselstock beim Fischfang benutzt. Im fernen Osten, in K am tschatka hat er ebenfalls eine praktische Bestim mung, indem er zum Antreiben der Schlitten­ hunde gebraucht wird. Dagegen dient er den Zauberern gewisser sibirischer Stämme teils in genau derselben Form wie in Europa, teils in abweichender Ge­ stalt als R eitpferd zur Reise in das Geisterreich oder auch sonst als Zaubergerät. M it rasselnden Ringen versehene Stäbe benutzen turkestanische Derwische, indische Fakire, chinesische und japanische Priester. M it R ech t fragt Manninen, o b nicht die obengenannten, zum Zusammenhalten der H erde benutzten Rasselstöcke der europäischen H irten ursprünglich den Zw eck gehabt haben könnten die H erde vor bösen Geistern und wilden Tieren zu schützen. berg, Koskällan, Fataburen 1914, S. 16ff).

(Vgl. hierüber auch N. Lith-

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neben ihrer anderen Bestimmung als eine Art Hoheitszeichen betrachten. Zaumzeug. Beiden Kriegern war ein Pferd mit auf den Scheiterhaufen gelegt worden. Beide Gräber enthielten nämlich eine Trense (Nr. 06 u. 8). Während aber die Ausstattung des Rosses in dem jün­ geren Grabe sich auf diese beschränkte, fanden sich in dem älteren Grabe ausserdem zahlreiche Bestandteile eines prächtigen Zaum­ zeuges vor. Die beiden Trensen haben die nämliche einfache Form: ein zweiteiliges Gebiss, dessen inwendige Enden ineinander gehakt sind, während die auswendigen Enden um die beiden Zügelringe gebogen sind (Taf. 14: 1 u. 22 : 1 ). Von der Trense des jüngeren Grabes ist der eine Ring abhanden gekommen. Bei beiden Trensen fehlen, wie bei sehr vielen in Finnland gefundenen Trensen, die mit Haken versehenen an den Trensenring gehängten ersten Glieder der Zügelbeschläge. Auch sind keine Knebeleisen wie in Vendel X I I (Taf. X X X V I : 1) und X IV (Taf. X L II: 10) vorhanden. Neben den Trensen mit zweiteiligem Gebiss kommen in den eisen­ zeitlichen Funden aus Finnland ungefähr ebenso zahlreich Tren­ sen vor, bei welchen zwischen den beiden Stangen des Gebisses ein 8-förmiges Zwischenstück eingehakt ist. In der Landschaft Finnland bilden sie die Mehrzahl unter den dort gefundenen Tren­ sen, in Ostbottnien stehen sie dagegen an Zahl hinter den zwei­ teiligen zurück. Die Trense ist eine späte Erscheinung in den finnländischen Funden. Aus der römischen Eisenzeit ist uns kein Exemplar über­ kommen und aus der älteren Völkerwanderungszeit liegen nur vereinzelte Stücke vor .1 Erst um 600 oder im 7. Jh erscheint die Trense häufiger unter den Beigaben der finnländischen Brand­ gräberfelder, mit anderen Worten, erst um diese Zeit werden Reitergräber häufiger. In Körpergräbern sind bisher weder Skelett­ teile von Pferden noch Trensen gefunden worden. Zu den oben erwähnten Bestandteilen des Zaumzeuges in dem älteren Kriegergrabe gehört eine Anzahl Beschläge von echtem Vendelcharakter, nämlich: 1 Ä E F S. 256/7.

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a) die Reste von etwa 13 rechteckigen eisernen Riemenbeschlä­ gen, die ursprünglich alle mit gepressten im Stil II ornamentierten aufgenieteten Bronzeblechscheiben belegt waren (Nr. 28, 43, 67 und 68, Taf. 14: 4 u. 5), b) zwei bronzene. Buckelbeschläge, deren Form im Kleinen an einen Schildbuckel erinnert (Nr. 69, Taf. 15), c) zwei gegenständige fragmentarische ursprünglich tierkopf­ förmige Bronzebeschläge mit eiserner Unterlage (Nr. 23 u. 44, Taf. 14: 2 u. 3). Der schlechte Erhaltungszustand der unter a genannten Be­ schläge macht die Feststellung ihrer Anzahl unsicher. Sie beträgt wenigstens 13, höchstens 15. Fünf von ihnen sind soweit er­ halten, dass ihre Länge und Breite ermittelt werden konnten. Sie massen 7.1— 7.4 x 3.1— 3.5 cm. Nur bei drei Beschlägen war der grösste Teil des gepressten Bronzebleches erhalten (Taf. 14: 2 u. 3). Das Ornament im Stil II zeigt in recht deutlicher Ausführung zwei von der Seite gesehene ineinander geschlungene rückwärts blickende Tiere mit je zwei Beinen; die K öpfe in der Mitte der Platte einander berührend; die Körper gleichmässig breit, mit doppelten Umrisslinien und ausgefüllt mit Perlenreihen (vergl. die ebenso verzierten Tierkörper auf der Schildkrempe im Vendelgrab X I I Vendel Taf. X X X I I I : 3); das Ganze von einem Perlen­ band zwischen zwei Leisten umrahmt. Es scheint, dass bei der Anfertigung der Bleche nur eine oder höchstens zwei miteinander nahe übereinstimmende Stanzen benutzt worden sind. Die Ränder der Bronzebleche waren, wie an einigen Stellen noch zu sehen ist, um die Ränder der Eisenscheiben gebogen .1 Ausserdem aber waren die Bleche an den vier Ecken mit bronzenen Nieten an den Eisen­ scheiben befestigt. Diese Niete sind, wo sie erhalten, so lang, dass sie offenbar auch zur Befestigung der Beschläge an den Riemen des Zaumzeuges gedient haben müssen. Diese Beschläge lassen sich am anschaulichsten mit den recht­ eckigen Zaumbeschlägen in dem etwas jüngeren Grab V II von Vendel vergleichen, die von Arne auf Taf. X I X : 1 zu einem Zaum zusammengestellt worden sind. In Pukkila fehlen die Beschläge 1 A u f dieselbe W eise sind im Vendelgrabe X die gepressten Bronzebleche Vendel Taf. X X V I I : 7 u. 8 an den länglichen Eisenbändern befestigt.

Vendel S. 39.

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mit Haken, die in die Ringe der Trense eingehängt sind (Vendel Taf. X I X : 1, 2, 6). Sie sind, wenn vorhanden gewesen, nicht mit in das Grab gelegt worden oder liegen noch in dem Teil des Nord­ ostzimmers, der nicht untersucht werden durfte, in der Erde. Auffallend ist in Pukkila auch die grosse Zahl der rechteckigen Beschläge. W ährend in Vendel V II ausser den 4 Beschlägen mit Haken nur 7 solche ohne Haken Vorkommen, von denen nach Arne 4 an den Ganaschenriemen und 3 am Stirnriemen gesessen haben (Vendel, S. 30), sind in Pukkila ihrer 13— 15 gefunden wor­ den. Entweder haben wir es hier mit Resten von zwei Zäumen zu tun oder müssen die Zügel, die in Vendel V II zunächst den beiden Trensenringen mit nur je einem Beschläge versehen sind, in Pukkila mehrere solche Beschläge — etwa 6 oder beiderseits

Abb. 45. */j. Mit gepresstem Bronzeblech belegter eiserner Zaumbeschlag. Rinta-U lvinen, K sp Isokyrö. Nach Kotiseutu 1937.

3 — getragen haben. Vielleicht ist auch der Genickriemen unseres Zaumzeuges mit 2 oder 3 der viereckigen Beschläge geschmückt gewesen. Dass diese Beschläge von Pukkila, trotzdem sie nicht in allen Stücken mit den schwedischen übereinstimmen, wirklich vom Zaumzeug und nicht etwa von einem Helm herrühren, darauf deutet bereits ihre Tage im Grabe. Fünf von ihnen lagen einge­ klemmt! zwischen den beiden Ringen der Trense und die meisten anderen in nächster Nähe sowohl der Trense als auch der unter b genannten Buckelbeschläge Taf. 15, deren Zugehörigkeit zum Zaumzeug keinem Zweifel unterliegt. Aus Finnland liegt bisher ein einziges Gegenstück zu diesen Zaumbeschlägen vor, das zudem nur 5 km SO von Pukkila auf dem kleinen schon oben (S. 63) erwähnten Brandgräberfeld von Rinta-Ulvinen dicht am Ostufer des Kyröflusses gefunden worden

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ist. Es ist ein etwas kleinerer Beschlag genau derselben Art wie die von Pukkila: eine rechteckige eiserne Scheibe, belegt mit dünnem Bronzeblech, das mit gepressten Tierornamenten im Stil II geschmückt ist (Abb. 45; HM 10341: 120). Das Stück ist schlecht erhalten, da der Fundort oft überschwemmt worden ist. b) W ie die recht ähnlichen Beschläge im Vendelgrab V II ( Vendel, Taf. X I X : 1. u. X X : 1) zeigen, müssen die Buckelbeschläge von Pukkila an der Vereinigungsstelle der Ganaschenriemen mit dem Stirn-, dem Genick- und dem Kehlriemen, also an den Schläfen des Pferdes gesessen haben (vgl. die in der Hauptsache sicher rich­ tige Wiederherstellung Vendel Taf. X I X : 1). Die vier ursprünglich mit je zwei Nieten besetzten Vorsprünge des Randes, die an dem abgebildeten Exemplare zum Teil noch erhalten sind, waren zur Befestigung des Beschlages an diesen vier Riemen bestimmt. Leider sind auch diese beiden Beschläge sehr schlecht erhalten. Von dem nicht abgebildeten Exemplar sind nur 5 kleinere Bruch­ stücke vorhanden, darunter ein Randstück mit einem der vier Vorsprünge, an welchem noch die beiden Niete sitzen. Die A b ­ bildungen auf Taf. 15 lassen die ursprüngliche, recht barocke Form der Beschläge erkennen: eine hohle Halbkugel mit schmalem Rand und einem stark ausladenden trichterförmigen Aufsatz, der mit einem eisernen Stift am Scheitel der Halbkugel befestigt war. Die Verzierung der Halbkugel besteht auf der halben Höhe aus 3 ringsumlaufenden Rillen und einem Reifen und oberhalb diesen aus einem Viereck mit stark einwärts geschweiften Seiten, dessen vier Zipfel von je einer rückwärts blickenden und sich in den breiten quergestreiften Rum pf beissenden Tierfigur im Stil II aus­ gefüllt sind und zwischen sich vier segmentförmige nicht verzierte Felder frei lassen. Der trichterförmige Aufsatz ist aussen mit 3 Rillen verziert. In den runden Boden seines Innern ist eine vor­ wärts sehende Tierfigur im .Stil II mit kurzem Mund, bandför­ migem Rumpf, langem über den Körper gebogenem zweizehigem Vorderbein und kurzem anscheinend dreizehigem Hinterbein (diese Stelle ist beschädigt und undeutlich) eingraviert. Völlig entsprechende Gegenstücke zu unseren Buckelbeschlägen kenne ich nicht aus Schweden. Recht nahe kommt ihnen jedoch der glockenförmige Zaumbeschlag aus Tänglings, Ksp Etelhem, Gotland (Fornv. 1918 Tillväxten S. 32, Fig. 4, Mus. Stockh. 15906).

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Zwar fehlt dem gotländischen Stück der Trichteraufsatz der ostbottnischen Beschläge; im übrigen aber, in der unförmlichen Höhe und in der Anordnung der Scheitelornamente besteht eine recht grosse Ähnlichkeit. Auch hier ist nämlich der Scheitel mit einem Viereck mit einwärts geschweiften Seiten verziert; jedoch sind die Zipfel dieses Vierecks schmäler als die entsprechenden, mit Tier­ ornamenten ausgefüllten Stellen auf unseren Beschlägen und die segmentförmigen Seitenfelder sind ornamentiert und nicht wie auf diesen leergelassen worden. Zwei dem von Tänglings sehr ähnliche aber niedrigere und einfacher verzierte Buckelbeschläge (das Orna­ ment besteht aus einem Viereck mit einwärts geschweiften Seiten; im Viereck anstatt der Tierornamente zwei Paare einander schnei­ dende parallele Linien) fanden sich im Grab 6 von Valsgärde (Mu­ seum Uppsala, nicht veröffentlicht). Eine nahe Verwandtschaft mit unseren Beschlägen bezeugen auch die beiden Stücke aus Vendel Grab V II (Vendel Taf. X X : 1 ). Sie bilden allerdings keine Halbkugel sondern einen abgestumpften Kegel, dessen obere runde mit einer Art Dreiecksornament ver­ zierte Fläche an den Boden des Trichters unserer Beschläge er­ innert. Grösser ist die Ähnlichkeit in diesem Detail zwischen den ostbottnischen Beschlägen und dem in Månadsblad 1903—-05 S. 11 Fig. 13 abgebildeten Stücke aus Trolle-I.jungby in Schonen, das ebenfalls eine vorwärts blickende Tierfigur im Stil II auf­ weist. Es ist offensichtlich, dass die hohen schildbuckelförmigen Be­ schläge Weiterbildungen der einfachen niedrigen kuppelförmigen Beschläge wie die aus dem Vendelgrab I ( Vendel Taf. IX : 3) sind, zu denen neuerdings in Finnland nämlich in dem bereitsgenannten Brandgrab bei Rinta-Ulvinen, Gegenstücke gefunden worden sind (Kotiseutu 1937 S. 118 Abb. 5: 3) und die auch aus Funden der Merowingerzeit, z.B. im Rheingebiet 1 und in Westpreussen ,2 vor­ liegen. Andererseits ist es denkbar, dass bei der Ausbildung dieser 1 J. W erner, Münzdatierte austrasische Grabfunde S. 94 Nr 33: Grab 54 bei E ichloch, Rheinhessen, Taf. 22: 28, 29. 2 Ehrlich, Elbing, Benkenstein und M eislatein, Mannus 24 S. 414 A bb. 10. — Vgl. auch die etwas jüngeren bei Veszkény in Ungarn gefundenen Beschläge dieser A rt bei Fettich, Metallkunst d. landnehmenden Ungarn Taf. C X : 4— 6 u. S. 2G9.

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barocken Formen südöstliche Einflüsse wirksam gewesen sind. Ich denke hierbei an die halbkugelförmigen ungarländischen Silber­ knöpfe aus Sziråk, Török Kanicza und Szentas Berekhät, die obwohl in technischer Beziehung abweichend, in der Form den unsrigen, vor allem aber dem Buckel von Tänglings ähnlich sind und ebenfalls zum Pferdegeschirr gehört haben .1 Sie haben die­ selbe Flöhe und dasselbe an das eines Schildbuckels erinnernde Profil wie das gotländische und die finnländischen Stücke. Auch zeigt ihr Scheitel wie der der nordischen Buckel als Ornament ein Viereck mit einwärts geschweiften Seiten. Darauf beschränkt sich allerdings die Ähnlichkeit in der ornamentalen Ausschmückung, deren sonstige Einzelheiten bei den ungarländischen Phaleren in Pflanzen-, bei den nordischen in Tiermotiven bestehen. Diese ungarländischen Buckelbeschläge gehören zur Flinterlassenschaft der Avaren und stehen zeitlich den finnländischen und schwedischen Exemplaren nahe. Sie scheinen aus dem 7. Jahrhundert zu stammen .2 Es könnte auf den ersten Blick etwas kühn erscheinen unsere ohne Zweifel im Norden verfertigten Buckelbeschläge mit den avarischen in Verbindung zu bringen. Trotzdem möchte ich an der Möglichkeit einer von Ungarn aus­ gegangenen Beeinflussung in dieser und vielleicht auch anderen Einzelheiten des nordischen Zaumzeugs festhalten. Vgl. S. 141. Man erinnere sich, dass unter den Beigaben unseres älteren Krieger­ grabes die aus Ungarn oder der Ukraine importierte Schnalle Nr. 70 Taf. 13: 4 vorkom mt, und dass bei Tyynelä, Ksp Perniö, Landsch. Finnland eine avarische mit charakteristischen Greifen- und Pflan­ zenornamenten verzierte Riemenzunge gefunden worden ist, die w ohl aus Ungarn über das Dnjeprtal und das Ostbaltikum nach Finnland gelangt ist .3 c) Die zwei fragmentarischen gegenständigen Beschläge Nr 23 1 H am pel II S. 357/8, Fig. d und II I , Taf. 69: 1— 2 b. — Fettich, Gegossene Bronzephalerae im archaeologischen Nachlass der Reiternomaden von Ungarn (un­ garisch m it deutschem Auszug). Archaeologiai értesitö. Uj F oly a m X L I I

(1928)

S. 118, 124 u. 317ff A bb. 41: 2, 3 u. 46. 2 D ie Funde von K un ågota und Pusztatöti, die m it dem von T örök K anicza verw andt sind, werden von A lföldi ins 7. Jh gesetzt (Untergang d. Römerherrschalt. 2. Bd. S. 14). 3 SM 1926 S. 1— 9.— Fettich, Über die ungarländischen Beziehungen der Funde vom K sp Perniö, Tyynelä, Südwestfinnland, Eurasia V, S. 52ff.

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u. 44 Taf. 14: 2 u. 3, die aus einer ornamentierten Bronzeplatte auf eiserner Unterlage bestehen ,1 werden uns leichter verständlich, wenn wir sie mit gewissen schwedischen paarweise zueinander gehörenden Beschlägen vergleichen, welche die Form eines »Löwenkopfes») mit aufgesperrtem Rachen haben. Zwei dieser Beschlagpaare - Vendel Taf. X I X : 7— 10 — stammen aus dem Vendelgrab V II, ein drittes Paar — Fornv. 1922 S. 195 Abb. 4 u. 5; Mdnadsbl. 1898— 99 S. 126 Abb. 105 u. 106 — aus einem Reitergrab bei Broa, Ksp Halla, Gotland. Arne hat in seiner Wiederherstellungsskizze des Zaumzeuges aus Vendel V II Taf. X I X : 1 die beiden Beschlag­ paare am Nacken- und Kinnriemen direkt neben den Buckel­ beschlägen an den Schläfen des Pferdes angebracht, allerdings mit dem Vorbehalt, dass die Rekonstruktion in diesem Punkte un­ sicher ist {Vendel S. 30). W olfgang Schultz hat sie trotzdem gutgeheissen (Mannus 17, S. 354/5) mit der schon an und für sich unwahrscheinlichen Begründung, dass diese Beschläge als Tier­ köpfe zu den in den viereckigen Beschlägen der Ganaschenund des Stirnriemens dargestellten Tierleibern gehörten. Meiner­ seits teile ich Arnes Bedenken, schon weil diese Tierkopfbeschläge, wenn in der vorgeschlagenen Weise angebracht, mit ihren unre­ gelmässigen Umrissen über die Ränder der genannten Riemen herausragen würden. Sie dürften immerhin als Endbeschläge herabhängender Riemen des Zaumzeugs oder eines anderen Teiles des Pferdegeschirrs gedient haben. Zwischen diesen schwedischen tierkopfförmigen Beschlägen und den Gegenständen Taf. 14: 2, 3 aus Pukkila besteht trotz aller Ungleichheit in Einzelheiten eine nahe Verwandtschaft. Obgleich an unseren beiden Stücken gerade die Rachenpartie abge­ brochen ist, kann kein Zweifel daran aufkommen, dass sie als Ganzes einen Tierkopf mit langem und dickem Hals darstellen sollen. In ihren Umrissen kommen sie besonders den Beschlägen aus Broa nahe. In ornamentaler Hinsicht unterscheiden sie sich allerdings von den schwedischen: denn während die Oberfläche der letzteren beinahe lückenlos mit Tierornamenten im Stil III ausgefüllt ist, beschränkt sich die Verzierung unserer Beschläge auf umrahmte Schlingenornamente (ein in drei, bezw. vier Ecken­ 1 D ie eiserne Unterplatte ist bei dem Stück Taf. 14: 3 abhanden gekom men.

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ösen gewundenes in sich selbst zurücklaufendes Band) und ein­ fache geometrische Figuren mit zwischenliegenden leeren Feldern. Nur die Augen des Tierkopfes sind auf den ostbottnischen und fünf der schwedischen Beschläge in derselben Weise durch grosse Kreise angedeutet, die auf unseren und einem der schwedischen Exemplare flach und unverziert, auf den vier anderen ein wenig gewölbt und teils mit Halbkreisen, teils mit zweizackähnlichen Figuren verziert sind. Die gleiche Mässigkeit in der ornamentalen Ausschmückung, die unsere Beschläge auszeichnet, haben wir

A bb. 46. 4/5. Funde aus dem Brandgräberfeld bei Pusso. K sp K okem äki. 1. Schwertknauf. 2. Bronzescheibe. 3. Schalenfibel. N ach FM 1925.

oben (S. 134) an den Buckelbeschlägen Taf. 15 bemerken können. Ein anderer in Finnland gefundener Gegenstand, der sich in dieser Beziehung mit unseren Tier köpf beschlägen vergleichen lässt und ausserdem dasselbe Schlingenornament wie diese hat, ist in Abb. 46:2 dargestellt.1 Er stammt aus dem Brandgräberfeld von Pusso, Ksp Kokemäki, dessen übrige Funde in das 7. Jh. gehören (F M 1925, S. 35/6). ln demselben Zusammenhang nennen wir auch gewisse skandinavische und finnländische konische Fibeln wie die 1 In

merowingerzeitlichen Funden in Frankreich,

Italien,

Ungarn u.s.w.

kom m en ähnliche Bandschlingen nicht selten auf Beschlägen vor.

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im Ksp Vilhelmina im schwedischen Lappland gefundene im Mimadsbl. 1897, S. 47, Fig. 10 abgebildete, die nur mit vier schma­ len mit Bandgeflecht ausgefüllten umrahmten Feldern verziert ist. Auf zwei zu demselben Funde gehörenden Schalenfibeln [ebendort Abb. 8), die ein kauerndes Tier im späten Stil II dar­ stellen, findet sich am Hinterleib des Tieres als Ausfüllungsorna­ ment ein unregelmässiges Viereck genau derselben Art wie das auf unserem Beschläge Taf. 14: 2 vor dem Auge angebrachte verwendet. Der Fund von Vilhelmina stammt aus dem Ende des 7. Jhs, spätestens aus der Zeit um 700. Die Tierkopfbeschläge von Pukkila dürften mit ihnen gleichzeitig sein; jedenfalls sind sie älter als die Beschläge von Vendel V II und Broa. Ob sich in

A bb. 47. V,.

Zaumzeugbeschlag. E. Lågpeltkangas. Brandgrab V II I. Ksp Vörå.

skandinavischen Museen noch ältere unveröffentlichte Beschläge dieser Art befinden, ist mir nicht bekannt. Als ein etwas kleineres finnländisches Gegenstück fasse ich die beschädigte Eisenscheibe A bb 47 aus dem Brandgrab V III auf dem Lågpeltkangas (Vörå) auf, welches Grab durch den Schwertknauf und die Schwertschei­ denbeschläge F M 1925 S. 41 Abb. 39— 41 in das 7. Jh. datiert wird. Die Eisenscheibe bildete die Unterlage eines linksseitigen Tierkopfbeschlages der genannten Art und war, wie noch zwei an entsprechenden Stellen sichtbare Nietlöcher zeigen, an einer Bronzescheibe festgenietet gewesen (HM 7744: 64). Im Zusammenhang mit den Resten des Pferdegeschirrs, dem sie angehört haben können, seien hier die im älteren Kriegergrabe gefundenen zwei einfachen eisernen Riemenzungen betrachtet, die

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eine, Nr 36, Taf. 17: 1, schlank, mit schwach einwärts gebogenen Seiten, oben zur Aufnahme des Riemenendes gespalten (vgl. Vendel Taf. V III: 12) und unten abgerundet, die andere, Nr 86 , Taf. 17: 2, breit, U-förmig und oben mit zwei Nieten versehen, von denen das eine auf der unteren Seite noch erhalten ist und dort an der Spitze ein kleines Schliesscheibchen trägt. Der Abstand dieses Scheibchens von der Beschlagplatte, 5 mm, gibt die Dicke des Riemens an. Unter den in Finnland gefundenen Riemenzungen gibt es nur wenige Stücke mit denselben einfachen Umrissen wie die von Pukkila .1 Die Mehrzahl unserer eisernen Riemenzungen zeichnet sich vielmehr durch einen viereckigen Oberteil aus, der mit einer starken Einschnürung in einen lanzettförmigen unteren Teil übergeht, eine aus Skandinavien übernommene Form, die in Finnland sehr beliebt wurde und in verschiedenen Variationen auftritt. Die durch unser Exemplar Taf. 17: 2 vertretene U-form der Riemenzunge ist bekanntlich die in den kontinentalgermani­ schen Funden der Merovingerzeit am zahlreichsten vorkommende und hat auch in Ost- und Südosteuropa eine weite Verbreitung. Die beiden Riemenzungen von Pukkila können entweder am Gür­ tel, am Schuhzeug, am M ehrgehänge oder am Pferdegeschirr Ver­ wendung gefunden haben. In Anbetracht ihrer Grösse ist ihr Platz wohl am ehesten am Riemenzeug des Pferdes gewesen. Eine bestimmte Entscheidung darüber ist jedoch nicht möglich, da wir es mit den Resten eines Brandgrabes zu tun haben. Auch in Bezug auf die anderen eisernen Beschläge aus dem älteren Kriegergrabe (Nr 37— 41 und 87— 91, Taf. 16: 1— 5 u. Taf. 17: 4, 6, 7) ist eine einwandfreie Zweckbestimmung schwierig. Sie sind alle schlecht erhalten; viele sind zerbrochen, unvollständig, die Ränder stark beschädigt. Auch lässt sich erkennen, dass sie zumeist nachlässig gearbeitet sind; so sind die an vielen Beschlägen 1 E in etwas schlankeres Seitenstück zu Taf. 17: 1 ist eine eiserne Riem enzunge aus dem Brandgrabfeld bei Pusso, Ksp K okem äki, H M 7980: 45 (F M 1925 S. 35/6). Ähnlich Taf. 17: 2 aber länger und schmäler ist eine Kiemenzunge des Grabfeldes von R istim äki bei Å bo, H M 6746: 55 (F M 1915, S. 50). Sie gehört zu einem ge­ schlossenen Fund, der I.e. in Fig. 5 in situ abgebildet ist.

Eine ganz kleine U-

förm ige Riem enzunge aus Bronze stam m t aus dem G ulldynter Grabfeld, HM 2030: 5.

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vorkommenden Niete, sowohl die mit einem grossen halbsphärischen K opf versehenen wie auch die kleinköpfigen, oft unsymmetrisch angebracht. Dass die meisten von ihnen auf Lederriemen befestigt gewesen sind, geht aus der geringen Länge der Niete hervor. Mehrere dieser Niete haben am unteren Ende einen Rest des Schliesscheibchens haften, das zwischen sich und der Beschlag­ platte nur Platz für einen 4 oder höchstens 5 mm dicken Riemen, nicht aber z.B. für das Brett eines Schildes freilässt. Der T-förmige Beschlag Nr 90 Taf. 16: 1 dürfte am Riemen­ zeug des Pferdes an einer Stelle, wo drei Riemen zusammentrafen, gesessen haben. Er steht meines Wissens in Finnland ohne Ge­ genstück da und auch aus gleichzeitigen skandinavischen und ostbaltischen Funden sind mir keine Entsprechungen bekannt. Dagegen lässt er sich mit dem dreiarmigen Beschlag aus Bronze mit Silberbelag des 3 — 400 Jahre älteren Torsbjerger Fundes Engelhardt, Thorsbjerg Taf. 13: 11, vergleichen. Von Engelhardt wird dieses Stück zu den Riemenbeschlägen an der Brust oder der Hinterhand des Pferdes gerechnet (I.e. S. 54). Unserem Beschläge zeitlich näher stehen gewisse dreiarmige vergoldete bronzene Riemenbeschläge aus der Minussinsker Gegend in Sibirien wie Collection Tovostine Taf. X : 12, 13, Radloff, Aus Sibirien II (1893) Taf. 11: 3 und vor allem N. Fettich, Die Metallkunst der landneh­ menden Ungarn, Archaeologia hungarica, X X I : Taf. X I X , X X I , X X I I I , X X V u. X X V I , deren älteste Formen nach Fettich I.e. S. 208 u. Taf. X X V : 7 und X X V I: 4 (Kunägota in Ungarn) noch in die Völkerwanderungszeit (Ende des 6. Jhs und später) verlegt werden dürfen. Dem grossen kalottenförmigen K opf des Nietes auf dem Querarm des Beschlages von Pukkila entspricht ein Hohlbuckel an der nämlichen Stelle der Minussinsker Beschläge. Es wäre ernstlich zu erwägen, ob nicht hier an einen Zusammen­ hang zwischen Beschlagformen des Zaumzeuges asiatischer Reiter­ nomaden und des nordischen Pferdegeschirres gedacht werden darf. Auch die 8 oder 9 vierarmigen eisernen Beschläge Nr 40 und 91 Taf. 16: 4 könnten als zum Pferdegeschirr gehörig aufgefasst wer­ den. Ihr trauriger Erhaltungszustand lässt keine in allen Einzel­ heiten sichere Wiederherstellung zu. So viel ist zu erkennen, dass sie nicht aus zwei einander kreuzenden Bändern zusammengesetzt

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sind, sondern aus e i n e m Stück bestehen und dass sie in der Mitte ein Niet mit grossem hohlem kalottenförmigem K opf haben. Erhaltene Reste machen es wahrscheinlich, dass an jedem Arm ein Niet mit kleinem K opf gesessen hat. Wenn diese nachlässig gearbeiteten Beschläge wirklich zum Zaumzeug gehört haben, so wäre ihr Platz wohl am ehesten an den Schläfen des Pferdes anzu­ nehmen, wo mehrere Riemen Zusammentreffen. In diesem Falle würde aber ihre verhältnismässig grosse Zahl befremdend wirken, zumal die S. 134 ff. besprochenen Buckelbeschläge Taf. 15 schon an dieser Stelle angebracht gewesen sind. Es müssten dann in Puk­ kila entweder mehrere Pferde geopfert oder ausser dem prächtigen Zaum ein paar einfache niedergelegt worden sein, oder auch müssten die Beschläge an anderen Stellen des Pferdegeschirrs ge­ sessen haben. Schliesslich wäre zu erwägen, ob sie nicht an an­ derem Riemenzeug (dem Wehrgehänge?) angebracht gewesen sind. Wie für so viele andere Gegenstände aus Pukkila muss die Zweck­ bestimmung dieser Beschläge unsicher bleiben, wenn es auch sehr wahrscheinlich ist, dass sie zum Pferdegeschirr gehört haben. Auch für die vierarmigen Beschläge kenne ich keine gleich­ zeitigen Entsprechungen aus Finnland. In Skandinavien scheint man sie selten ins Grab gelegt zu haben. Ein mit Email verziertes Stück aus Lackalänga in Schonen, das sicher von einem Zaumzeug herrührt, bildet Montelius in Svenska jornsaker Fig. 429 ab. In Stavangers Museum befindet sich ein Paar kreuzförmiger Riemen­ beschläge mit Tierkopfenden und Mittelbuckel aus einem Grab­ hügel der Zeit um 800 bei Fröiland, Ksp Riskekvärven, Jäderen u. Dalene, die höchst wahrscheinlich an den Schläfen des Pferdes gesessen haben .1 Zahlreicher sind sie jedenfalls im Südostbaltikum. Die mit Silberblech (?) belegten vierarmigen Zaumzeugplatten mit Mittel­ buckel und nach innen geschweiften Rändern aus dem Memel­ gebiet und dem Samland (Gaerte, Ostpreussen, Abb. 245 a u. b) zeigen eine nahe Verwandtschaft mit unseren allerdings viel schlichteren Beschlägen. Noch grösser ist die Ähnlichkeit zwischen den letzteren und den kreuzförmigen bronzenen Beschlägen mit 1 Stavangers museums aarsberetning 1899 S. 71f Fig. 8 . — Zu dem Funde gehörte u.a. ein zweischneidiges Schwert wie NO 494.

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5 Nieten aus dem Gräberfeld auf dem Silberberg in Westpreussen, die in Pferdegräbern gefunden wurden .1 Bemerkenswert ist es, dass sich im Grab Nr 25 ausser den Resten eines Pferdeskelettes u.a. 4 Stück dieser kreuzförmigen Gegenstände vorfanden. Aus derselben Gegend — bei Benkenstein gefunden — stammen die von B. Ehrlich veröffentlichten Zaumzeugbeschläge aus Periode E, die teils aus zwei einander kreuzenden Bändern, teils aus kreuz­ förmigen Platten mit einem Buckelniet in der Mitte bestehen, welche letzteren wieder den oben (S. 135) erwähnten Buckelbe­ schlägen aus dem Vendelgrab I (Vendel Taf. IX : 3) ähneln .2 Wenn die Annahme richtig ist, dass der T-förmige und die vierarmigen Beschläge zum Pferdegeschirr gehört haben, so liegt es nahe auch die drei rechteckigen 2,5 x 3,7 cm grossen eisernen Beschläge Nr 41 und 87 Taf. 16: 5 zu derselben Garnitur wie jene zu rechnen. Auch sie haben in der Mitte ein grosses Buckelniet und ebenso lange Eckenniete mit kleinem Kopf. Vielleicht brau­ chen wir kein grösseres Gewicht auf den Umstand zu legen, das der K opf ihrer Mittelniete höher gewölbt ist als die kalottenför­ migen Knöpfe auf dem T-förmigen und den vierarmigen Beschlä­ gen. Zu dem bekannten Waffenfunde von Yliskylä (Överby), Ksp Perniö (schwed. Bjerno) gehört ein rechteckiger eiserner Beschlag, der ebenfalls ausser den 4 Ecknieten ein jetzt ausgefallenes Mittel­ niet gehabt hat (F M 1897, S. 64, Abb. 22). Dieser sorgfältig gear­ beitete Beschlag mit abgeschrägten Kanten hat jedoch ohne Zwei­ fel mit der in demselben Grabe gefundenen eisernen Schnalle mit Schilddorn und ovaler Beschlagplatte (ebendort Abb. 21) an einem Gürtel gesessen. Die 21 lose gefundenen Niete mit halbkugeligem hohlem K opf Nr 42 und 93, Taf. 16: 6, können ebenfalls zu derselben Garnitur des Zaumzeugs gehört haben. Sie haben dieselbe Länge wie die Niete an jenen Beschlägen und ihr hoher K opf 3 entspricht am 1 R . Dorr, D ie Gräberfelder auf dem Silberberge bei Lenzen und bei Serpin, K reis Elbing, aus dem V— V I I Jahrhundert n. Chr. Geb. (1898) Taf. I I I : 17 u. S. 1 1 u. 2 2 . 2 Ehrlich, Elbing, Benkenstein und M eislatein, Mannus 24 S. 414 A bb. 10. 8 D ie Mehrzahl der N ietköpfe hat am R ande einen Durchmesser von 1.4 cm, bei einigen wenigen beträgt dieser D m 1.7— 1.8 cm .

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nächsten dem des Mittelnietes an den rechteckigen Beschlägen Taf. 16: 5. Sie werden daher ursprünglich en weder an Beschlägen der letztgenannten Art oder auch — ähnlich wie gewisse Bronze­ niete im Vendelgrabe X IV (Vendel Taf. X L IV : 3, 4 u. S. 56) — etwa hintereinander oder paarweise nebeneinander direkt an den Riemen eines Zaumes gesessen haben. — Ähnliche ganz kurze Niete mit gewölbtem K opf sind in mehreren Brandgräbern (VI, V II, X V II und X V III) der jüngeren Völkerwanderungszeit auf dem Lågpeltkangas, Ksp Vörå, gefunden worden (HM 7890, 8331, 8939); doch sind sie zumeist kleiner als die von Pukkila.

Von den sonstigen in zahlreichen Bruchstücken vorliegenden eisernen Beschlägen wie die unter Nr 41 und 88 erwähnten 2 cm breiten Stücke, von denen eines (Nr 41) mit einer längs den Rän­ dern laufenden Linie verziert ist (Taf. 16: 2 u. 3), ist die Mehrzahl wohl als Riemenbeschläge benutzt worden. — An einem in drei zueinander gehörenden zusammen 7 cm langen Bruchstücken erhaltenen 1.1 cm breiten, ebenfalls linear verzierten eisernen Band (Nr 89 Taf. 17: 6) befindet sich noch ein mindestens 1 cm langer Stift, woraus vielleicht geschlossen werden darf, dass dieses Stück an einem hölzernen Gegenstand (Schild, Sattel?) befestigt gewesen ist. — Durchaus rätselhaft ist in Anbetracht seiner sonderbaren Befestigungsanordnung der längliche 1.1 cm breite eiserne Beschlag Nr 37 Taf. 17: 7. Sein eines Ende ist abgerundet und mit einem Niet versehen. Das andere, abgebrochene Ende hat beiderseits eine vorspringende mit zwei kleinen Löchern versehene Partie, die rechtwinklig nach unten gebogen ist. An dem einen dieser Seitenlappen befindet sich noch der eine der beiden Stifte, die diese miteinander verbunden haben.

Auch für die in der Mitte zusammengebogene, an der Umbie­ gungsstelle eine Achsenhülse bildende eiserne Scheibe Nr 38 Taf. 17: 4 ist es schwer eine annehmbare Erklärung zu geben; zwischen den beiden Backen bleibt ein Zwischenraum von nur 1 mm übrig, ein Schlitz der zu eng zur Aufnahme eines Riemens ist. Ein nahe der Hülse beide Backen durchbohrendes Loch zeigt, dass dieser Schlitz die ursprüngliche W eite hat.

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Rätselhaft sind ferner die beiden platten schenkelförmigen eisernen Gegenstände Nr 52 Taf. 17: 3 mit rundlichem Blatt und langem Schaft(?)dorn. Sie erinnern an s.g. mandelförmige, mit den quer schneidigen verwandte osteuropäische Pfeilspitzen wie Hampel I S . 175 Abb. 412, 413, müssen aber eine andere Bestim­ mung gehabt haben, da sie keine scharfe Schneide haben und an dem einen Stück Reste eines Bronze- oder Silber(?)belags und am Rande ein Nagelloch sichtbar sind. Das kleine im Südostzimmer gefundene Bruchstück eines bron­ zenen Gegenstandes Nr 104 Taf. 20: 5 lässt sich zu einem mit durch­ brochenen Treppen- (und Kreuz?-) mustern verzierten Riemen­ beschlag von der Art der zu Gürteln oder Schwertgehängen ge­ hörenden Beschläge aus den Vendelgräbern X II und X IV ( Vendel Taf. X L : 1— 4 und vor allem Taf. X L III: 8 und 10) ergänzen. Wären nicht die beiden rechteckigen mit den Rückseiten an­ einander geschmolzenen bronzenen Beschläge Nr 45 Taf. 10: 6 so arg vom Feuei des Scheiterhaufens mitgenommen worden, ge­ hörten sie gewiss zu den schönsten Stücken des älteren Krieger­ grabes. Die Abbildungen zeigen die obere, verzierte Seite des besser erhaltenen Beschlages und die durch die Spalten dessel­ ben hervorblickende Rückseite des anderen Da die Ornamente auf der Vorderseite des letzteren Beschlages beinahe vollständig aus­ getilgt und nur an ein paar Stellen schwach sichtbar sind, befassen wir uns hier nur mit der Verzierung des besser erhaltenen Be­ schlages. Auch diese Ornamente sind jetzt nur unvollständig analysierbar. Sie sind in scharfem Relief ausgeführt, das im Metall die Kerbschnittverzierung hölzerner Gegenstände nach­ ahmt. Es ist dieselbe Technik, die wir z.B. an Beschlägen aus dem Vendelgrab X II (Vendel Taf. X X X V I I : 2, 7— 10, X X X V I I I : 3— 8), an der Bronzeplatte von Skabersjö, Salin Tierornamentik Abb. 586, und manchen anderen schwedischen Gegenständen der älteren Vendelzeit bewundern. Dargestellt sind wahrscheinlich zwei ineinander verschlungene Stil II-Tiere, von denen nur ein langgestreckter Fuss mit einer rückwärts gebogenen Zehe (vgl. Salin, Tier Ornamentik Abb. 544 i) links auf dem Bilde Taf. 10: 6 deutlich sichtbar ist. Die parallelen Linien ungefähr in der Mitte 10

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gehören zu den Rümpfen der Tiere. Die Köpfe sind nicht sichtbar. Links oben ist ein Stück des mit zwei parallelen Furchen verzier­ ten Rahmens erhalten. Höchst wahrscheinlich sind die beiden Beschläge aus Schweden eingeführt. Schnallen. Von Schnallen liegen aus Pukkila II nur 4 unvollständige Exemplare vor, die alle im älteren Kriegergrabe gefunden sind. Die vier Schnallen vertreten ebensoviele verschiedene Typen und vielleicht auch ebensoviele Ursprungsländer. Die schlichte eiserne Schnalle mit schwach gerundet-viereckigem Rahmen, um dessen hinteren Steg, ihn als Scharnierachse be­ nutzend, der gleichmässig breite Dorn und der viereckige Doppel­ beschlag des Riemens gebogen sind (Nr 34, Taf. 13: 1 ), ist von einer Form, der wir in ungefähr gleichzeitigen finnländischen und schwedischen Funden begegnen .1 Ihr einheimischer Ursprung ist sehr wahrscheinlich. Schwerer ist die Bestimmung der fragmentarischen Schnalle Nr 70 Taf. 13: 2, von der nur der eiserne Dorn und die längliche viereckige mit gepressten Ornamenten verzierte Riemenkappe aus Bronzeblech erhalten sind, während ein so charakteristischer Teil wie der Rahmen abhanden gekommen ist. Die Ornamente be­ stehen aus zwei Reihen von Buckelchen längs den Rändern und aus im Zickzack laufenden gekerbten Schnüren, die durch eine ebensolche gerade Schnur voneinander geschieden sind. Genau übereinstimmende Gegenstücke zu diesem Schnallenbeschlag sind mir weder aus Finnland noch aus einem anderen nordischen Lande bekannt, doch möge hier die kleine eiserne vom Feuer arg be­ schädigte Schnalle Abb. 48 aus dem zum grössten Teile mit Puk­ kila II gleichzeitigen Brandgräberfeld von Ristimäki, Ksp Kaarina bei Å bo erwähnt sein, deren bronzene Riemenkappe mit doppelten Reihen von gepressten Buckelchen gesäumt ist, also dieselbe Randverzierung hat wie die Schnalle von Pukkila. Die Press­ technik wurde in der späten Völkerwanderungszeit in den nordi1 Vgl. u.a. die Schnallen von K aavontönkkä HM 9520: 60, Lågpeltkangas Grab I X H M 8215: 23 und Grab X H M 8215: 59. — Vendelgrab I, Vendel Taf. V I I I : 14, Tuna Grab I (W ikingerzeit), Tuna Taf. IV : 11, 12.

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schen Ländern und besonders im Ostbaltikum und Zentralrussland für die Ausschmückung von Metallbelag reichlich benutzt und auch die Ziermuster unserer Schnalle — Reihen von Buckelchen und gekerbte Schnüre — sind, schon weil sie für die Presstechnik besonders geeignet sind, überall zur Anwendung gekommen. Trotz­ dem eine Lokalisierung unter solchen Umständen schwierig ist, glaube ich, allerdings ohne einen bindenden Beweis dafür erbrin­ gen zu können, dass der Ursprung unserer Schnalle eher östlich als westlich der Ostsee zu suchen ist. Vielleicht darf ein anschei­ nend so geringfügiger Umstand, dass an schwedischen Gegenstän­ den dieser Art die Buckelreihen öfter zur Ausfüllung der band­ förmigen Tierleiber denn als Rahmenmuster dienen, als Begrün­ dung dieser Vermutung angeführt werden.

A bb. 48. 4/5. Mit Bronzeblech belegte eiserne Schnalle.

Ristimäki.

K sp Kaarina. N ach FM 1917.

Mit ziemlicher Sicherheit darf die massive bronzene Schnalle mit eisernem Dorn Nr 35 Taf. 13: 3 entweder als schwedisches oder in Finnland nach schwedischen Vorbildern verfertigtes Erzeugnis bezeichnet werden. Sie gehört zur Kategorie der Schnallen »mit festem Verband», mit anderen W orten ihr Rahmen und ihre Riemenkappe sind in e i n e m Stück gegossen. Der erstere ist oval und schräg abfallend mit parallelogrammförmigem Quer­ schnitt, von der letzteren ist nur der dicht hinter dem Rahmen liegende, sehr charakteristische oben gerundete, unten flache Wulst, der die eiserne Dornachse umschliesst, erhalten, während die eigentliche Beschlagplatte nicht mehr vorhanden ist. Vielleicht war diese Platte trapezförmig wie die Platte der Schnalle Vendel Taf. V III: 9 (Grab I), welche Schnalle in anderen charakteristischen Einzelheiten — in der Form des Rahmens und in dem kräftig her­ vortretenden Wulst hinter demselben — mit unserem Exemplare

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FFT X l.l

nahe übereinstimmt. Es scheint, dass Schnallen dieser Art einen speziell mittelschwedischen Typus darstellen; wenigstens lassen sich mehrere Vertreter dieses Typs aus schwedischen Funden der Vendelzeit anführen, während Gegenstücke in anderen Ländern, soweit mir das einschlägige Material bekannt ist, zu fehlen schei­ nen .1 In Schweden kommt diese Schnallenform bereits in der älteren Völkerwanderungsperiode auf2 und schon damals ist sie auch in Österbotten vertreten .3 Die unserem Exemplar am nächsten stehende Schnalle aus dem Vendelgrab I (vgl. oben) wird von Arne einem der dort gefundenen drei Pferdezäume zugewiesen [Vendel S. 15 links). Vielleicht hat auch unsere Schnalle zum Pferdegeschirr gehört. Einen fremdartigen Eindruck in ihrer nordischen Umgebung macht die bronzene Schnalle Nr 71 Taf. 13: 4, von welcher nur der ovale Rahmen erhalten ist, Dorn und Beschlagplatte also fehlen. Dieser Rahmen springt in der Mitte der Vorderseite stark vor und hat dort eine rinnenförmige Einsenkung, welche die Spitze des Dornes aufnehmen soll. Die beiden Ösen auf der entgegen­ gesetzten Seite des Rahmens sind für die Achse des Dornes be­ stimmt und haben ihre Entsprechungen in zwei ebensolchen Ösen der (jetzt fehlenden) Beschlagplatte gehabt. Die drei­ eckigen vertieften Zellen auf dem Rahmen sind vielleicht ursprüng­ lich mit Email ausgefüllt gewesen, von welchem aber jetzt keine Spur mehr erhalten ist. Die Zuteilung einer Schnalle mit einem solchen Rahmen an ein bestimmtes Kulturgebiet stösst auf keine 1 a) 1 E x. aus dem Vendelgrab X I V ( Vendel Taf. X L I I I : 7); die Beschlag­ platte ist hier zwecks Aufnahm e des Riem ens gespalten. — Ganz ähnlich dieser ist die Schnalle aus Grab 11 bei Tuna, Selaön, Södermanland (Mdnadsbl. 1895 S. 74 A bb. 39). — 1 E x. aus Tureholm , Södermani. (Arne, Om det jorntida Söder­ manland S. 40). — 2 solche Schnallen, jed och m it doppeltem W ulst in einem G rab­ hügel bei Näsby, K sp Taxinge, Södermanl. (F ornv. 1919 S. 17 A bb. 25). 2 Beispiele: Fornv. 1911 S. 282 Fig. 139 aus einem Grabhügel bei Ham marhagen, K sp Västertelje, Södermanland (die dort gegebene Datierung: röm ische Eisenzeit ist unrichtig, der Fund stam m t aus der Zeit um 500 n.Chr.) und Fornv. 1932 S. 18 Fig. 18 b aus Grabhügel 49 bei H ovgårdsberg, Ksp Vendel, Uppland. 3 Å E F Taf. 6: 18 (mit bronzenem Kreuzdorn) aus Grabhügel 140 auf dem Mahlaisentönkkä, D orf Perkiö, Ksp Vähäkyrö.

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Schwierigkeiten. Die charakteristischen Einzelheiten dieses Rah­ mens — die stark hinausragende Mittelpartie der Vorderseite nebst ihrer Einsenkung und die dreieckigen Vertiefungen deuten auf Südosteuropa und in erster Linie auf Ungarn hin. In den ungarischen Funden der Avarenzeit fehlt es nicht an Schnallen, deren Rahmen dem unsrigen sehr ähnlich sind. Ich verweise hier vor allem auf die Schnallen Hampel III Taf. 70: 8 (Szirak), 8 !): 8 (Mårtély), 253: 16 u. 254 e: 5 (Püspök— Szent-Erzsébet) sowie auf die von N. Fettich in »Bronzeguss und Nomadenkunst» Taf. 1: 2 abgebildete Schnalle von Keszthely. Auf dem Rahmen der Schnalle von Martély sehen wir vertiefte Dreiecke, die auf Hampels A b­ bildung schlecht erkennbar sind. Dieses anscheinend seltene Motiv tritt in genau derselben Anordnung wie auf dem Exemplar von Pukkila auf einer Schnalle aus Tisza-Bura auf, bei welcher aber

Abb. 49. ca 1/2. Zwei Riem enbeschläge m it Haken. E. Ristimäki, Ksp Kaarina.

Rahmen und Platte in einem Stück gegossen sind (Hampel II S. 385 Abb. 3). W ir haben es hier offenbar mit dürftigen Nach­ ahmungen eines Schnallenrahmens zu tun wie der der grossen goldenen Prachtschnalle des Schatzes von Malaja Perescepina bei Poltawa, dessen viereckige und vereinzelte dreieckige Vertiefungen mit roten und blauen Glaseinlagen verziert sind .1 Auch dieser Rahmen hat eine vorspringende Mittelpartie mit Rinne und die zu ihm gehörige durchbrochene Beschlagplatte hat anspruchslose Entsprechungen unter den ungarländischen Schnallen der Avaren­ zeit .2 Unter den Gegenständen des grossen Schatzes, die nach B. W. Pharmakowsky (Archäol. Anzeiger 1913 S. 229f) aus der 1 A. Bobrinskoj, Ilepeu{enuHCKiü KAadb, Material. Arch. Russl. Nr 34 Taf. X V I: 56; L. A . Maculeviö, Bo.ihitmn npaotcm IlepeufenuHCKaso KJiada u nceedonpnMCKU, Seminarium Kondakovianum I, 1927, S. 127ff Taf. V III: 1, 2. ! Hampel I A bb. 750, 754, 758, 764.

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Zeit vom Ende des 4. bis zum Ende des 7. Jhs stammen, gehört die Schnalle zu den jüngsten und ist demnach ungefähr gleich­ zeitig mit unserem Kriegergrab. Der kleine eiserne Haken Nr 83 Taf. 20: 3 dessen eines Ende zurückgebogen und spiralförmig aufgerollt ist, während das andere dünne und platte Ende ein viereckiges Nagelloch hat, ist ein Ge­ genstand, dem wir in dieser Form kaum sonst in Finnland, dagegen sehr häufig in schwedischen und norwegischen Funden der jün­ geren Völkerwanderungszeit und besonders der Wikingerzeit be­ gegnen .1 An einigen der schwedischen Haken befinden sich H olz­ reste von dem hölzernen Gegenstand, an dem sie befestigt waren. Nach Knut Kjellmarks V organ g 2 halten Arne und S. Grieg, welche diese Haken näher behandelt haben, die grösseren Stücke unter ihnen für Ziehhaken an Schlittenkufen .3 Der Haken von Pukkila ist für einen Schlittenhaken jedenfalls zu dünn und schwach ge­ wesen und muss irgend einem anderen Zweck gedient haben. Wahrscheinlich war auch er an einem hölzernen Gegenstand wohl einer Stange (?) — befestigt. Ein paar ähnliche, aber zier­ lichere Haken, die vielleicht an einem vom Gürtel herabhängen­ den (?) Lederriemen angebracht waren (Abb. 49), sind in den Brandgräberfeldern von Ristimäki und Ylipää östlich von Å bo zum Vorschein gekommen. Auch sie haben schwedische Ent­ sprechungen .4 Küchengeräte. Der eiserne Kessel Nr 81 Taf. 18 u. 19: 3, 4 war in etwa 10 grös­ sere und wenigstens 50 kleinere Stücke zerschlagen, die über den mittleren Teil des Grabes zerstreut, zum Teil übereinander 1 D ie ältesten Stücke aus den Vendelgräbern X I und X I I

(Vendel Taf.

X X X I : 10, X L : 6 . 2 K . K jellm ark, Eh graffalt fr an den yngre järnåldern i A s i Jämtland, Y m er 1905 S. 369. 3 Arne, Tuna S. 67, w o die verschiedenen T ypen der schwedischen Haken dieser A rt beschrieben sind. — Ders., Vendel före Vendeltiden, Fornv. 1932 S. 20. — Ders., E in bemerkenswerter Fund in Östergötland, A cta arch. III S. 109. — S. Grieg, Kungsgaarden, Osebergfundet II S. 57ff. 4 Arne, Vendel före Vendeltiden, Fornv. 1932, S. 7 A bb. 6 c. — Teckningar I Taf. 5: g (Uituna).

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geschichtet lagen. Die im Museum vorgenommenen Wieder­ herstellungsversuche ergaben, dass der Kessel aus einem jetzt schwach konkaven Boden und zwei Zonen bestanden hat, von denen die untere aus 3 oder 4 länglichen entsprechend gerundeten Scheiben zusammengesetzt war, während die obere vielleicht von nur einem Stück, einem kreisförmig gebogenen Band gebildet wurde (Taf. 19: 4). — Auch der Boden ist nicht vollständig erhalten. Sein äusserster Rand, der sicher ursprünglich stärker aufwärts gebogen war als jetzt, ist zum grössten Teil abgebrochen, so dass jetzt nur zwei Nietlöcher (bei a und b auf Taf. 19: 3) zu sehen sind. Der Durchmesser des Bodens dürfte etwa 20 cm betragen haben. - Die drei oder vier Scheiben der unteren Zone — näher lässt sich ihre Anzahl nicht feststellen — waren ca 11 cm hoch, hatten unten abgerundete Ecken und waren mittels Nieten an dem Rand des Bodens und an der oberen Zone befestigt gewesen. Ihre Be­ festigung aneinander scheint durch aufgenietete schmale eiserne Streifen oder Bänder, die über die aneinander stossenden Ränder je zweier Scheiben gelegt waren, bewerkstelligt gewesen zu sein. Aus ein paar zueinander passenden Randstücken und anderen Bruchstücken der oberen Zone lässt sich für diese eine Höhe von ungefähr 14 cm ermitteln. Der Rand war durch eine aufgelegte rinnenförmige Leiste verstärkt Taf. 18: a, b, c, im Gegensatz zu dem durch blosse Umbiegung verstärkten Rande der Kessel aus dem Vendelgrab X I (Vendel Taf. X X X I I : 1 u. S. 44) und dem Bootgrab von Uituna (Teckningar Serie IV, Taf. 8 u. S. 5). Von dieser Leiste sind beinahe alle Bruchstücke erhalten. Ihre gemein­ same Länge beträgt 95 cm, was nach den Wiederherstellungsver­ suchen sehr wohl dem Umfang des Kesselrandes entsprochen haben kann. Ein Umfang von ungefähr 95 cm setzt einen Durchmesser von ungefähr 32.4 cm voraus. Dazu passt wieder die Kordalänge des Henkels, welche unter Berücksichtigung des einen jetzt abge­ brochenen Endes ungefähr 33 cm ausmacht. Reste eines der beiden aufgenieteten Öhre befinden sich an einem kleinen Rand­ stücke (Taf. 18: c). Die Höhe des Kessels dürfte ungefähr 20 cm betragen haben, da die Ränder der beiden Zonen übereinander gelegen haben. Im grossen ganzen muss er — abgesehen von seinem Rande und der Form des Henkels — dem Kessel aus dem Vendelgrab IX (Vendel Taf. X X V I : 4) geglichen haben.

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Eiserne Kessel scheinen in Finnland selten in Gräbern nieder­ gelegt worden zu sein. Ausser dem Kessel von Pukkila ist mir zurzeit nur ein zweiter sicherer allerdings jüngerer Fund bekannt, der im Brandgräberfeld von Pärkkö, Ksp Laitila, Landsch. Finni, angetroffen worden ist und ein Bruchstück eines offenbar zweizonigen Kessels enthält (HM 2550: 165). Unter den zunächst liegenden Gegenständen befand sich eine runde Fibel, ähnlich Aspelin 1327, etwa 10. Jh (Appelgrens Typus C, vgl. F M 1897 S. 5). Andere weniger sichere Funde von Bruchstücken eiserner Kessel mögen hier übergangen werden. Die eiserne Fleischgabel Nr 80 Taf. 4: 4 mit drei an der Spitze gekrümmten Zinken und rechtwinklig angesetztem, langem ver­ bogenem Stiel ist bisher die einzige ihrer Art in Finnland. Sie hat bekanntlich mehrere Analogien in schwedischen Gräbern der Vendel- und der frühen Wikingerzeit ,1 unterscheidet sich aber von den dortigen Gabeln durch ihren langen Stiel. Die kurze Griffangel der schwedischen Gabeln war dazu bestimmt in einen hölzernen Schaft gesteckt zu werden; bei einem Exemplar, der fünfzinkigen Gabel von Törsunda, Ksp Dingtuna, Vestmanland ist die Angel sogar durch eine kurze Schafttülle oder -röhre ersetzt (Fornv. 1906, S. 209), die ebenfalls einen rechtwinklig angesetzten hölzernen Schaft voraussetzt. Sicher hat auch die Gabel von Puk­ kila am oberen Ende des Stiels ursprünglich einen, wenn auch kurzen hölzernen Griff gehabt. Der Zweck des Gerätes war offenbar zum Herausholen von Fleischstücken aus einem grossen Kessel benutzt zu werden; viel­ leicht hat es auch, wie von schwedischen Archäologen angenom­ men wird, daneben als Bratrost gedient .2 1 Arne führt (Tuna S. (18) 23 Exem plare aus Schweden an: Vendelgräber I, III, IV, I X , X und X I (5 dreizinkige, 1 fünfzinkige);

Birka, »Schwarze Erde»

3 E x., davon 2 zweizinkige; Uituna 1 E x.; Tuna Grab III 1 E x.; Gästrikland, Östra Fernebo 1 E x. m it 2 Zinken; Västm anland, Ksp D ingtuna 1 E x. m it 5 Zinken; Östergötland, Aska 2 E x.; Gotland aus verschiedenen Fundstellen im Ganzen 8 E x. D ie ältesten von diesen Gabeln dürften die aus Vendel Grab X und Uituna sein, welche beide Gräber von S. Lindqvist und G. Gjessing noch in das 6. Jh datiert werden. 2 Die letztere Annehme wird von J. Déchelette bestritten. 1427 Anm. 1.

M anuel II, S.

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Ausser unserem Stück, den schwedischen Exemplaren, einem fragmentarischen norwegischen Stück (?) aus Telemarken (Gjessing, Studier Taf. X L I), einem zweizinkigen Exemplar aus Saljuscik am Paschafluss im SO-Ladogagebiet (Aspelin 1091) und einem frag­ mentarischem Exemplar aus Haithabu (Mitteilung Mag. E. Kivikoskis), das wohl aus Schweden eingeführt ist, sind mir keine gleichzeitigen Fleischgabeln aus anderen nordischen Ländern oder aus dem übrigen Europa bekannt. W ir müssen bis in die römische Kaiserzeit zurückgehen um dem Gerät zu begegnen. Hierher ge­ hört vielleicht als einziges (?) nordisches Stück die dreizinkige Gabel mit kurzer Griffangel aus dem Moorfund von Vimose (Engel­ hardt, Vimose Taf. 18: 5). Aus frührömischer Zeit stammt der Depotfund von Körner bei Mühlhausen, Thüringen, der u.a. eine ein-, eine zwei- und eine dreizinkige Fleischgabel enthält. A. Götze, der den Fund behandelt, weist Entsprechungen aus einem Pfahlbau bei Fulda nach (Z.f.E. 1900 S. 2 1 1 ). Die grosse Mehrzahl der bisher bekannt gewordenen Stücke gehört jedoch der Laténezeit an. Ein Verzeichnis der Funde aus dieser Zeit gibt J. Déchelette in seinem Manuel d’archeologie préhistorique celtique et galloromaine II S. 1422ff. Er nennt die Wohnstätten von La Téne, Mont Beuvray, Vienne (Isere), Alise-Saint-Reine, Karlstein bei Reichenhall (Oberbayern), Stradonic (Böhmen), Velem St. Vid (Ungarn), den Pfahlbau von Lochlee in Schottland, Gräber unterhalb des Mont Menu bei Eyguiéres (Bouches-du-Rhöne) und weist auf graecoitalische Vorbilder hin .1 Auf der ebenfalls laténezeitliche Steins­ burg bei Römhild, Thüringen, hat Götze eine grosse zweizinkige Fleischgabel mit einer Öse zum Aufstecken auf einen Holzstiel gefunden .2 Also dieselbe Konstruktion wie die der Gabel von Törsunda. Sonst sind die laténezeitlichen Gabeln zumeist mit einem langen eisernen Stiel versehen wie unser Exemplar von 1 Beispiele aus Italien bei Montelius, La civilisation primitive en Italie I, Taf. 100: 3 und II Taf. 145: 7 u. 14, sowie D ie vorklassische Chronologie Italiens Taf. X L I I I : 5, fi; T ex t S. 9« u. 97. Zu einem von F. R . Martin 1896 in Kairo erworbenen bronzezeitlichen Funde aus Zypern gehört eine dreizinkige Gabel aus Bronze, die m it Bronzedraht an einen rechtwinklig angesetzten H olzschaft befestigt gewesen ist. S. 137 A bb. 130. a A . Götze, D ie Steinsburg bei Römhild.

Månadsbl. 1897

Präh. Z. X I I I , 1921, S. 68. Götze

erwähnt noch ein anderes Exem plar in der Sammlung Jacob in Meiningen.

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Pukkila; ein paar kurzstielige Stücke, die aber dennoch länger sind als die schwedischen Gabeln, stammen aus der Station LaTéne selbst. Zuweilen hat der Stiel die Form einer Tülle, oft ist er gedreht. Die laténezeitlichen und ähnliche Gabeln werden von E. Krause als Fischereigeräte: »Flauangeln, Landungshaken» gedeutet .1 Die­ selbe Erklärung gibt E. Petersen für eine bei Brosewitz in Schlesien gefundene dreizinkige Bronzegabel mit schräg angesetzter Tülle. Sie soll dazu gedient haben, »einem geangelten Fisch grösseren Gewichts unter die Kiemen zu greifen und an Land zu ziehen, weil andernfalls die Angelschnur gerissen wäre. Vielleicht benutzte man es auch, um im Wasser schwimmendes Wasserwild (Enten, Gänse) vorsichtig zu bergen, um weiteres in der Nähe befindliches W ild nicht zu vergrämen. Ähnliche Geräte s in d ------------------- beim Bergen grösser Fische noch heute gebräuchlich und werden »Gaff» genannt .»2 Das Gerät wird von Petersen in die jüngere Bronzezeit datiert. Im Gegensatz hierzu steht die Deutung der laténezeitlichen Gabeln als Küchengerät durch Déchelette und Götze. In betreff der Gabeln aus Pukkila und Schweden scheint mir diese Deutung annehmbarer zu sein. Da die Fleischgabel von Pukkila sich von den schwedischen unterscheidet, wird sie hier verfertigt sein. Jedenfalls bezeugt sie, dass in Pukkila ein schwedischer Brauch bei der Bestattung eines vornehmen Mannes befolgt worden ist und dass Fleischgabeln auch in Finnland zur Ausrüstung einer vornehmen Küche gehört haben. Der im Querschnitt viereckige, jetzt 36.5 cm lange Bratspiess Nr 79 Taf. 4: 6 ist ursprünglich länger gewesen. Er ist 8.7 cm unterhalb des Griffes abgebrochen. Der Griffteil ist durchbrochen und wird von vier Eisenstangen gebildet, von denen zwei gedreht und aus dem Bratspiess selber herausgeschmiedet sind, während die beiden anderen lose eingesetzt sind und an beiden Enden durch ein breites Eisenband festgehalten werden. Die eine der letzteren Stangen war beim Auffinden in der Mitte abgebrochen und hat 1 E.

Krause,

Vorgeschichtliche Fischereigeräte und neuere

Vergleichsstücke,

1904, S. 103 u. Taf. X I: 451. 2 E. Petersen, Ein seltenes Fischereigerät aus Schlesien, Altschlesien Bd 6, H . 2 S. 213f u. A bb. 1.

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sich dann, stark verrostet wie sie war, gänzlich losgelöst. Infolge der schlechten Erhaltung lässt es sich nicht erkennen, ob in der viereckigen Scheibe, die den oberen Abschluss des Griffteiles bildet, sich wirklich, wie die vorhandenen Reste anzudeuten scheinen, zwei kleine Ringe befunden haben. Man m öchte hier nach Analogie einiger skandinavischen Bratspiesse eher nur e i n e n grösseren Ring erwarten, an welchem der Gegenstand aufgehängt wurde. Von diesen skandinavischen Exemplaren besitzen einige einen ebensolchen durchbrochenen Griff wie unser Stück .1 Die in Fussnote 1 genannten drei skandinavischen Bratspiesse gehören in die frühe Wikingerzeit. Der eigentümliche durchbrochene Griff kommt auch an anderen skandinavischen Gegenständen aus unge­ fähr derselben Zeit vor, z.B. an dem Haken einer gotländischen Schnellwage, an Schlüsseln u.a.m .2 Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Bratspiess von Pukkila ein skandinavisches Importstück. Da er aber älter ist als die soeben erwähnten skandinavischen Bratspiesse, muss jene durchbrochene Verzierung eiserner Geräte in Skandinavien bereits im 7.— 8 . Jh aufgekommen sein. Eine Andeutung in dieser Richtung geben die längeren Glieder der Kette aus dem Vendelgrab I (Vendel, Taf. X : 9), das in die Zeit um 700 gehört. Ein mit dem von Pukkila ungefähr gleichzeitiger oder ein wenig älterer Bratspiess liegt aus dem Vendelgrab X I vor (Vendel, Taf. X X X I : 4). Sein oberes Ende ist abgebrochen; trotzdem ist er noch 77.8 cm lang. W ie unser Exemplar hat er einen viereckigen Querschnitt ausser am oberen Teil, der rund ist und, wie Arne vermutet (I.e. S. 43), in einen Holzgriff gesteckt war. Ähnliche noch längere (1.03— 1.18 m) Bratspiesse sind in ein paar kontinen­ talgermanischen Männer- und Frauengräbern des 6 . und 7. Jhs gefunden worden, so bei Biebrich am Rhein, in Weimar und W orm s .3 1 Beispiele aus Schweden: Mus. Sthlm 10243, 1 E x. aus einem Grabfeld bei Karlshult, Närike, (Mänadsbl.

1896,

S. 78).



Norwegen:

1 Ex.

aus Grab­

hügel 4 bei M yklebostad, N ordfjord ( VJG S. 193 A bb. 442). — 1 E x. aus Sörheim, N. Bergenhus A m t (A arsb. 1873 Taf. V III: 41). 2 Sv.F. Abb. 647.— Fornv. 1907 S. 272 A bb. 109.— Fornv. 1908 S. 301 Abb. 191. — Fornv. 1917, Tillväxten 1916 S. 20 Nr 15684. 3 F. Kutsch, Frühfränkisches Grab aus Biebrich, Germania V, 1921, S. 27ff, Abb. 2: 1. — A. Götze, D ie altthüringischen Funde von Weimar, S. 53f. Taf. IV; 17 und Vorsatztafel rechts, von Götze allerdings als Schüreisen gedeutet.

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Die Ausstattung des älteren Kriegergrabes mit Küchengerät — Kessel, Fleischgabel und Bratspiess — ist ein skandinavischer Zug. Die Sitte auch in Männergräbern Küchengeräte niederzulegen kommt in Schweden, wohl unter kontinentalgermanischem Ein­ fluss ,1 bereits am Anfang der älteren Vendelzeit auf. Belege hier­ für sind die Vendelgräber X und X I; jüngere Beispiele sind das Vendelgrab I und das Schiffsgrab von Uituna. In der Wikinger­ zeit lebt dieser Brauch in Schweden und besonders in Norwegen fort, und von Schweden aus hat er sich nach Russland verbreitet, wo die warägischen und warägisch beeinflussten Gräber öfters Küchengeräte enthalten. In den finnländischen Funden der jüngeren Völkerwanderungs­ zeit tritt die Sitte weniger deutlich zu Tage. Die Fleischgabel und der Bratspiess von Pukkila sind bisher die einzigen ihrer Art in Finnland und ein Bronzekessel aus Rekipelto, Ksp Vörå, ist das einzige Küchengerät aus einem Grabe der Völkerwanderungszeit, das wir ausser Pukkila kennen. In der Wikingerzeit sind Ketten, Henkel und Öhrbeschläge von Kesseln sowie eiserne Schaufeln mit längerem oder kürzerem eisernem Stiel, die vielleicht ebenfalls Küchengeräte waren und in Estland (Viru-Nigula Kunda, Tallgren, Arch. Eestis II, Taf. I: 14, 15) und in den warägischen Funden im Ladogagebiet, nicht aber in Skandinavien Gegenstücke besitzen, Zeugen vom Fort­ bestehen des Brauches in Finnland. Allerdings scheinen die Schau­ feln in Finnland zur Ausstattung weiblicher Leichen gehört zu haben. Auch bilden sie vielleicht eine lokal isolierte Erscheinung, da ihre Verbreitung vorläufig auf die Kirchspiele Eura und NordPirkkala in Satakunta beschränkt ist. Schere. Die in dem älteren Kriegergrabe gefundene eiserne Schere (Nr 77 Taf. 4: 2 ) mit einfachem elliptisch gebogenem Bügel gehört dem älteren der beiden Typen an, die wir aus den finnländischen Gräbern der Eisenzeit kennen. Scheren von diesem Typ zeigen sich vereinzelt in der jüngeren römischen Eisenzeit und der älteren 1 Vgl. die soeben erwähnten Kriegergräber des

6 . Jhs

AVeimar m it Bratspiessen, Kesseln und anderem Geschirr.

von Biebrich und

HACKMAN, B R A N D G R Ä B E R FE LD P U K K IL A

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Völkerwanderungszeit und werden erst in der jüngeren Völker­ wanderungszeit allgemeiner um am Ende dieser Periode oder am Anfang der Wikingerzeit gänzlich ausser Gebrauch zu kommen und von der jüngeren durch einen beinahe kreisrunden Bügel gekennzeichneten Form verdrängt zu werden. Schon die zwei Scheren aus der römischen Eisenzeit und die drei aus der älteren Völkerwanderungszeit dürfen vielleicht alle fünf, sicher aber zwei von ihnen, als Grabspenden an Männer be­ trachtet werden. Zwei von ihnen (Marttila u. Ketomäki) sind ausschliesslich mit Waffen, zwei (Tiikkinummi u. Roismala) mit W affen und Frauenschmuck, die fünfte (Loima) ist nur mit zwei Messern gefunden worden .1 Aus Gräbern der jüngeren Völkerwanderungszeit liegen bisher mindestens 33 Scheren vor, darunter 28 vom älteren und 4 vom jüngeren Typ, die letzteren aus der Übergangszeit zwischen dieser und der folgenden Periode. Diese 33 Stück verteilen sich folgendermassen auf die Landschaften: Aland 2 St., Landsch. Finni. 16, Satakunta 7, Ostbottnien 8 . Davon stammen 14 teils sicher, teils wahrscheinlich aus Männergräbern, 7 aus Frauengräbern, 2 sind aus Doppelgräbern (Mann und Frau) gehoben .2 1 Römische Eisenzeit. Landschaft Finnland: 1 E x. m it Schwert u. Lanzenspitze in einem Brandgrab bei M a r t t i l a , Ks p M a a r i a , HM 7451: 3 (Mann). — 1 E x. im Brandgrab g mit Schildbuckeln und Schmucksachen auf dem Hügel T i i k k i n u m m i bei I.upaja, K sp P e r n i ö , Å E F S. 26ff. HM 3720: 128. Altere Völkerwanderungszeit. Landschaft Finnland; 1 E x. in unm ittelbarer Nähe von W affen in einem Brandgrab auf dem K e t o m ä k i , D orf Isokylä, Ksp U s k e l a , F M 1918 S. 41, HM 7095: 1 (Mann). Satakunta: 1 E x. m it W affen u. Schmuck in einem Brandgrab auf dem R i s t i ­ m ä k i , D orf Roism ala, Ksp T y r v ä ä, A E F S. 66ff, HM 4301: 113. — 1 E x. m it zwei Messern in dem Brandgräberfeld bei L o i m a , Ks p H u i t t i n e n , 11X1 10361: 9; F M 1936, K arte Fig. 2 bei II. 2 Jüngere Völkerwanderungszeit. A land: Lem land— Mattas, HM 4967: 8 (Frau), 5179: 1 (Fr.). Landsch. Finnland: Kalanti— K alm um äki 8242: 34 u. 204 (Fr.), 8780: 96 (Mann). K alanti— Pietilä 3336: 37 (M?). K alanti— Piippu 9245: 42. — Laitila—Ristinköm ppä 3575: 3 (M). Laitila— Volksschulenhügel 2496: 6 (Fr.); 2548: 424 (Fr.). Laitila— Pärkkö 2217: 26 (M?); 3336: 227. Laitila— Junnila 5579: 19 (M). — Vehm aa— Pfarrgut 2766: 23— 25, 3 E x. (M). — Mynämäki— Franttila 8911: 16. — Sauvo — Pfarrgut 4162: 26.

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Die Wikingerzeit ist durch mindestens 52 Scheren vom jün­ geren und ein paar vom älteren T yp vertreten. Auf Åland kom ­ men 6 Scheren, Landsch. Finni. 17, Satakunta 26, Karelien 3, die letztgenannten vielleicht aus der Kreuzzugsperiode. Zu Männer­ gräbern gehören mehr oder weniger sicher 16, zu Frauengräbern 14.1 Aus der Kreuzzugsperiode kennen wir 8 Scheren, nämlich 1 aus Tavastland und 7 aus Karelien, davon 3 aus Frauengräbern und 3 aus Doppelgräbern (Mann und Frau ).2 Die Gesamtzahl der mir bekannten vorgeschichtlichen Scheren Finnlands beträgt so­ mit 83 Stück. Diese kurze statistische Übersicht zeigt, dass die Schere in Satakunta: Eura— Pappilanm äki 65 (M?); Eura— K äräjäm äki 2001 c: 1; 2995: 3 (M); 2995: 4 (M. u. Fr.). — K öyliö-—K ju loholm — Luodonpää G ra b ll 9725: 37 (M) und Grab V I I 9900: 1 (Fr). — K arkku— Tuom isto 5868: 83 (M). Ostbottnien: Vörå-— Lågpeltkangas Grab I X

8215: 31; Grab X V I I 8331: 38

(M), V örå— G ulldynt 1971: 14 und 2030: 16; V örå— Tunis 9550: 23. — Vähäkyrö— Mäkihaka 4902: 149; V ähäkyrö— K aavontönkkä 9513: 16 (M). — Isok yrö— Puk­ kila 7729: 76 (M). 1 Wikingerzeit. Å la nd : Saltvik— Syllöda 280 (Frau); Saltvik— Syllöda— Norrgård 4284: 5 (M); Saltvik-— B orgboda 288 (M); Saltvik— B ertby 291 (M); Saltvik— Eneborg 6768: 1114. — Finström — M angelbo 4628: 97. Landsch. F in n i.: Kalanti— K alm um äki 8242: 204 (Fr); 8780: 96 (M); 8912: 132; 9365: 119 (Fr), 267; 9502: 275 (M). — K alanti— Pietilä 3336: 37 (M), 3336: 172; K alanti— Piippu 9245: 73. — Laitila— Volksschulehügel 2496: 143; 2548: 339; 2548: 364; 2548: 390 (Fr?). — Mietoinen— Paavola 5395: 5 (M). — Nousiainen— Aatoila Museum Tam m erfors 1209: 27 (M). — Maaria M arttila 7603: 28 (Fr); 7874: 148 (Fr). Satakunta: Eura— Osmanmäki 2700: 7; 2700: 21

(M) und 4368: 9; 4387: 1

(Fr?); 4633: 32 (Fr?); 4633: 85 (Fr); 4633: 119 (Fr); 6127: 15 (Fr); 8721: 9. Eura— Lauhianm äki 2698: 40 (Fr); 3036: 13 (M). Eura— Pappilanm äki 9855: 7 u. 9 (M); Eura— Nuorante 9854: 20 (M). — K öyliö— K ju loholm 8602: 11, 12, 137 (M); 8723: 41 (Fr); 8723: 157 (M). —

K okem äki— K alvom äki 1763: 8 .

K okem äki— Astala

8338: 5. — H uittinen— H iukainvainionm äki 3149: 37 (vielleicht Völkerw anderungs­ zeit). — T yrvä ä — Vänniä 6390: 3. K arelien : Sakkola— Lapinlahti 9415: 31 (Fr). — K urkijoki— Häm eenlahden Linnavuori 2673: 11. K urkijoki— Tervu— Poskiparta 3081: 34 (M). 2 Kreuzzugsperiode. Tavastland: K alvola— Pahnainmäki 5960: 21 (Fr). K arelien: Räisälä— H ovinsaari 2491: 3 (Fr); 2592: 44. -— K aukola— K ekom äki 2489: 230 (M u. Fr); 2489: 377 (M. u. Fr); 2595: 5 (M u. Fr); 2595: 140 (Fr). — K äkisalm i— Suotniemi 2487: 62.

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Finnland in allen nachchristlichen Perioden der Eisenzeit sowohl männlichen als auch weiblichen Toten, in der jüngeren Völker­ wanderungszeit sogar vorzugsweise Männern ins Grab bzw. auf den Scheiterhaufen gelegt worden ist. Am häufigsten wurde dieser Brauch in der jüngeren Völkerwanderungszeit und dem Beginn der Wikingerzeit befolgt. Bei nicht wenigen der in den Fussnoten S. 157 f. verzeichneten Exemplaren ist die Zuteilung zu der einen oder der anderen der beiden Perioden schwierig gewesen, da sie der Übergangszeit zwischen beiden angehören. In derselben Zeit sind Scheren auch in Skandinavien nicht selten den Toten als Grabbeigaben gespendet worden. Von den 14 vornehmen Kriegergräbern von Vendel enthielten die Gräber I, III, IV, V II, X , X I I und X IV je eine Schere vom älteren Typ. Mit Ausnahme von Grab IV, das von Arne (Tuna S. 71) in die zweite Hälfte des 9. Jhs gesetzt wird, gehören sie alle der jüngeren Völkerwanderungszeit an. Ganz in den Anfang dieser Zeit (um 600 n.Chr.) gehört das Kriegergrab X IV des Gräberfeldes von Tuna in Uppland mit einer Schere des älteren Typs (Arne, Tuna S. 74/5 u. Taf. X X I : 13). Auch in dem Kriegergrabe von Uituna lag eine solche Schere (Teckningar Ser. IV, PI. 7: a) und das mit den jüngeren Vendelgräbern übereinstimmende Bootgrab 2 bei Valsgärde, Uppland, lieferte ausser der Kriegerausrüstung eine Schere vom jüngeren Typ (Rig 1929 S. 179ff). In dem grossen Gräberfeld bei Bjärs, Ksp Hejnum, Gotland, fanden sich Scheren nur in den Männergräbern Nr 27 u. 30, beide aus der Völker­ wanderungszeit (A TS 15: 3 S. 4— 8 , 70). In den Gräbern IV und V aus der jüngeren Völkerwanderungszeit bei Born, Ksp Ovanåker, Hälsingland, fand G. Hallström je eine Schere der äl­ teren Form mit Waffen. (G. Hallström, Ovanåkers sockens fornhistoria, Abb. 38 und 40 b, 1937). Ein Frauengrab derselben Periode mit einer Schere ist bei Västby, Ksp Frösön, Jäm t­ land, angetroffen worden (Fornv. 1909, S. 268 Gr. V I). Auch für die Wikingerzeit ist das Vorkommen der Schere in Frauengräbern festgestellt worden (vgl. u.a. M anaisbl. 1880, S. 33ff, Abb. 22 u. 26: die Prachtschere aus Grab 464, Björkö, die an einem leinenen Band von einer Schalenspange herabhing, und die Schere aus Grab X von Tuna (Arne, Tuna Taf. X V : 10) sowie G. Hallström, Birka I , (1913) die Gräber 24 A (S. 38/9) und 60 A (S, 57),

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Taf. III und V II). In den älteren Perioden der Eisenzeit (Chr. Geb— 600) scheint die Schere in schwedischen Gräbern nur selten aufzutreten. Aus Gotland führen Almgren und Nerman nur 2 Exemplare an, beide aus der älteren römi­ schen Periode, und A. Bezzenberger, der nach seiner Angabe 1 mit Almgren die Scheren des Stockholmer Museums durchmustert hat, nennt (1923) ausserdem nur 2 andere (I.e. S. 135). — Zahl­ reicher ist sie jedenfalls in norwegischen Funden vertreten. Schon O. Rygh kannte 1885 ca 40 Ex. aus der »älteren Eisenzeit» (bis etwa 800 n.Chr.) und 160 aus der jüngeren (NO S. 8 u. 23). Allein aus einer Auswahl von ungefähr 400 wikingerzeitlichen Gräbern in Westnorwegen (»Vestlandet») führt Shetelig (1912) 27 Scheren in Männergräbern und 18 in Frauengräbern an ( VJG S. 176/7). Auch in der Völkerwanderungszeit ist die Schere dort Grabgut für Tote beider Geschlechter (VJG S. 11 0 ). — In Dänemark konzen­ triert sich das Vorkommen der Schere auf die Funde der Kaiser­ zeit, wo sie zur Ausrüstung der Männer und der Frauen gehört. In dänischen Gräbern der jüngeren Eisenzeit ist sie seltener ange­ troffen worden .2 Obgleich das um 1920 aufgestellte Verzeichnis Bezzenbergers selbstverständlich nur eine lückenhafte Auskunft über die Scheren in den vorgeschichtlichen Funden Deutschlands gibt ,3 wird die dort hervorgehobene Tatsache, dass die Mehrzahl der Scheren­ funde der römischen Eisenzeit angehört, durch die seitdem be­ kannt gewordenen neuen Funde kaum eine Änderung erfahren haben. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhältnis in Norddeutsch­ land, wo ja Funde aus der Völkerwanderungszeit und der Mero­ wingerzeit selten sind. Aber auch in dem an Funden dieser Zeit­ läufte reichen Ostpreussen sind Scheren der Periode C (3. und 4. Jh) 1 A. Bezzenberger, Zur Geschichte der Schere, Sitzber. Prussia 25 S. 127 Fuss­ note 1 . 2 S. Müller, Jernalderen S. 19. — Die grossen M oorfunde von Vim ose und Kragehul enthielten nach Engelhardt: der erstere Bruchstücke von 2 Scheren ( Vimose, S. 10 u. Taf. 1: 17), der letztere eine Schere (Kragehul, S. 8 u. Tillaeg II). Thorsbjerg und N ydam lieferten keine Scheren. — N ach J. Brondsted, Danish inhumation graves of the viking age, A cta arch. V II S. 222, sind in dänischen K ör­ pergräbern der W ikingerzeit 4 Scheren in Frauengräbern, 2 in Männergräbern gefunden worden. 3 Bezzenberger, I.e.

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in grösser Zahl vorhanden, während D (5. und 6 . Jh) und E (7. und 8 . Jh) sehr arm an Scherenfunden zu sein scheinen .1 In W est- und Süddeutschland sind dagegen Scheren in Funden der Merowingerzeit recht häufig, ebenso in Frankreich .2 In Estlands vorgeschichtlichen Funden ist die Schere eine seltene Erscheinkng. Tallgren kennt nur 2 Ex. aus der älteren Eisenzeit und einige aus späteren Funden, die Mehrzahl aus ösel, ein paar aus dem Festland .3 In Mooras »Die Vorzeit Estlands» (1932) werden keine Scheren erwähnt. — Auch in der archäolo­ gischen Literatur über Lettland finden sich nur wenige Hinweise auf Funde von Scheren .4 In Riga Kat. 1930 sind Scheren weder abgebildet noch erwähnt. Vergeblich suchen wir nach ihnen auch in C. Engels ausgezeichnetem Führer des Dommusenms Riga (1933). Nach Bezzenberger fehlen sie in litauischen Gräbern (I.e. S. 138). Eine Übersicht über das Vorkommen der Schere in russländischen vorgeschichtlichen Gräbern zu gewinnen ist nicht leicht; die hier angeführten Beispiele sind daher ganz sporadischer Natur. Die wenigen E x., die ich für Nordrussland notiert habe, stammen bezeichnender Weise aus warägischen oder wenigstens warägisch beeinflussten Gräbern südlich vom Ladogasee und in den ehema­ ligen Gouvernements Smolensk, Jaroslavl und W ladimir .5 Jedoch findet sich in einer Abhandlung Spicyns über solche Kurgane im Gouv. Wladimir die Bemerkung, dass Scheren gewöhnliche Er­ scheinungen in russischen Kurganen des 10. Jhs wären. Gemeint 1 Bezzenberger, Zur Geschichte der Schere, S. 139. 2 Lindenschm it, Handbuch S. 320ff. —

Barriére-Flavy, A rts industriels S.

200ff. 3 Tallgren, Arch. Eestis I, S. 113, I I S. 132. — Friedenthal, Cournal S. 33 u. Taf. II: 170. 1 Riga K at. 1896, S. X L I1 u. L V , S. 03 Nr 491: 23, 24 (K irchholm ); S. 71 N r 525: 29 (Ascheraden) , S. 72 Nr C30 (Allasch) u. S. 75 N r 541: 1 (K rem on), S. 90 Nr 617: 11 (Fehren) Taf. 23: 18 (K irchholm ); A spelin 2093 (Ascheraden); J. K . Baer, D ie Gräber der Liven S. 15, Taf. X V I: 4, 5; Fr. Kruse, Necrolivonica Taf. 9: 5 (Asche­ raden) u. 24: 1 (K rem on); Latviesu kultura senatne (1937), T af. X L IV : 7; H . M oora, E in Hügelgrab der röm. Eisern, in Ile, K reis Jelgava, Lettland, Congressus S. 450 Taf. V : 146 (»Die erste Schere der röm . Eisenz. in Lettland»). 5 N. E. Brandenburg, Material. Archäol. Russl. 18, S. 69 u. 101, Taf. V III: 1. —•V . J. Sizov, Material. Archäol. Russl. 28 S. 55, Taf. V II: 7. Sizov hebt die schöne Technik der G njezdover Scheren hervor. — Arne, Ett svenskt gravfält i guvernementet Jaroslavl, Ryssland, Fornv. 1918, Fig. 27: 6 .

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sind offenbar gerade die skandinavisch beeinflussten Gräber, die von Spicyn russischen (kriviöischen) Ansiedlern zugewiesen werden .1 Alle diese Scheren sind von dem für die Wikingerzeit charak­ teristischen jüngeren Typ. Dass auch die ältere Form in Zentralund Südrussland bekannt, wenn auch in Gräbern selten war, zeigen Funde aus dem Okatale 2 und dem Gebiet der W olgadeutschen .3 Die Seltenheit der Schere in den völkerwanderungszeitlichen Gräbern der ostbaltischen Länder und Russlands steht in scharfem Gegensatz zu ihrem häufigen Auftreten in den gleichzeitigen finn­ ländischen Gräbern und beweist, dass der damals in Finnland so beliebte Brauch den Toten eine Schere auf den W eg ins Jenseits mitzugeben nicht von Osteuropa aus beeinflusst worden ist. Die starke Zunahme dieser Sitte in der jüngeren Völkerwanderungs­ zeit ist vielmehr ein Zug, den Finnland mit Schweden und Nor­ wegen gemein hat und der wahrscheinlich auf kontinentalgerma­ nischen Verbindungen beruht. Sensen. Die in den beiden Kriegergräbern gefundenen Sensen Nr 82 Taf. 20: 1 und Nr 9 Taf. 22: 2 sind beide von dem in Finnland und den anderen nordischen Ländern in der jüngeren Eisenzeit gebräuchlichen Typ mit einer Schaftzunge, die unten rechtwinklich zu einem Haken oder Dorn aufgebogen ist, welcher in eine Vertiefung des seitlich angebrachten hölzernen Schaftes gesteckt wird. Bei beiden Sensen geht die Schaftzunge wie die der meisten finnischen vorgeschichtlichen Sensen allmählich in die Klinge über im Gegensatz zu einigen Exemplaren, deren Schaftzunge gegen die Schneide etwas abgesetzt ist (vgl. Aspelin 1602 u. 1688). Die beiden Sensen von Pukkila unterscheiden sich in ihrer Form ein wenig voneinander: die Klinge der älteren ist nach der Schaft­ zunge zu stärker gebogen als die langgestreckte Klinge der jün­ geren. Die letztere ist ausserdem breiter und wuchtiger. Beide Formen haben in Finnland zahlreiche Entsprechungen. 1 A. Spicyn, Izv. Arch. K om m issii 15, Sonderdruck S. 26, A bb. 32. 2 D r Erik Laids (Dorpat) Photographiesam lung im N ationalm useum Finn­ lands Platte 13, wahrscheinlich Völkerwanderungszeit. 3 P. Rau, M itteil. d. Zentralmuseums der autonomen Räterepublik der Wolga­ deutschen. 2 Jg. 1927 H. 1, A bb. 23, spätkaiserliche Zeit.

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Wenn wir, um eine allerdings willkürliche Grenze zu ziehen, davon ausgehen wollen, dass unter unseren Klingen nur die Exem ­ plare mit mindestens 32 cm Kordalänge als Sensen, kürzere Klin­ gen derselben Form dagegen als Sicheln benutzt gewesen sind, so gehörten die beiden Sensen von Pukkila zu den ältesten ihrer Gattung in Finnland. Für die Zeit vor dem 7. Jh sind keine eigent­ lichen Sensen von obiger Minimallänge in finnländischen Funden belegt, und derartige Klingen aus dem 7. und sogar noch dem 8 . Jh kennen wir bisher nur aus Ostbottnien, abgesehen von einem un­ sicheren fragmentarischen Exemplar aus einem Hausfundament bei Mangelbo, Ksp Finström, Åland (HM 4628: 1) und ein paar schwer datierbaren Sensen aus den Gräberfeldern von Ylipää, Ksp Lieto, Landsch. Finni. (HM 6366: 314), Kirmukarmu, Ksp Vesilahti, Satakunta (HM 3416: 1) und Tiihala, Ksp Kangasala, Satakunta (HM 6369: 183, 186), die vielleicht noch aus dem Ende des 8 . Jhs stammen. In den eisenzeitlichen Kulturgegenden Süd­ westfinnlands scheinen Sensen — nach dem bisher vorliegenden Material zu schliessen — erst in der Wikingerzeit allgemeiner in Gebrauch genommen oder wenigstens erst dann in Gräbern nieder­ gelegt worden zu sein. Das Auftreten der Sense in den finnländischen Funden der jüngeren Völkerwanderungszeit ist in der Geschichte der finnischen Landwirtschaft bedeutungsvoll. Da sie ohne Zweifel bei der Heumahd und zum Mähen des Schilfes und nicht wie die Sichel zum Schneiden des Getreides benutzt wurde, so bedeutete das Aufkommen dieses für seinen Zweck geeigneteren Gerätes gewiss einen Fortschritt in der Heugewinnung und einen Aufschwung der Viehzucht. Bis dahin war das Gras mit der Sichel geschnitten worden und hat das Heu wohl überhaupt, wie noch lange nachher, für die Winterfütterung des Viehs und der Pferde neben Schilf und eingesammeltem Laub eine untergeordnete Rolle gespielt. Von einem eigentlichen Wiesenbau kann im Finnland des 7. Jhs selbstverständlich noch keine Rede sein; wissen wir doch aus vielen zeitgenössischen Berichten, dass sich die Wiesen und Heu­ schläge noch im 18. Jh so gut wie überall im Lande in einem ziem­ lich primitiven Zustand befanden .1 Aber selbst für die Ausnutzung 1 G. G rotenfelt, D et prim itiva jordbrukets metoder i Finland (1899), S. G8ff.

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der ärmlichen Heuschläge, die der Bevölkerung Ostbottniens im 7. Jh zu Gebote standen, war die Sense gewiss eine Errungenschaft. Sie hat, worauf A. W . Brogger in einem seiner Vorträge über die Anfänge des norwegischen Ackerbaues aufmerksam gemacht hat, die Aufbewahrung von Heuvorräten für den W interbedarf und anwendbare Viehställe zur Voraussetzung .1 Ob Finnland diesen Fortschritt seinen regen Verbindungen mit Skandinavien zu verdanken gehabt hat oder ob die Sense aus dem Ostbaltikum übernommen worden ist, ist eine Frage, zu deren Beantwortung unser lückenhaftes Material nicht ausreicht. Nor­ wegen ist verhältnismässig reich an Funden von Sensen und Sicheln aus der Merowingerzeit; in Schweden fehlen solche Funde und sind auch in der Wikingerzeit bei weitem nicht so zahlreich wie in Norwegen. Da Ackerbau und Viehzucht im damaligen Schwe­ den selbstverständlich nicht hinter diesen Erwerbszweigen in Nor­ wegen zurückgestanden haben, muss das Missverhältnis zwischen der Anzahl solcher Funde in den beiden Ländern auf einem Unter­ schied in den Bestattungsgebräuchen beruhen. — Uber das erste Auftreten und die Verbreitung der Sense in den ostbaltischen Ländern gibt H. Mooras während des Druckes der hier vorliegen­ den Arbeit erschienenes monumentales W erk »Die Eisenzeit in Lettland bis etwa 500 n.Chr.» wertvolle Aufschlüsse. Nach Moora erscheint die Sense schon in der frühen Kaiserzeit in SamlandNatangen, wohin sie letzten Endes aus der Schweiz (u.a. La Téne) über Böhmen gelangt zu sein scheint. In der jüngeren römischen Eisenzeit ist sie aus dem Memelland und dem Südwesten Lettlands belegt, tritt aber erst um 500 vereinzelt im nördlichen Teil des ostbaltischen Gebietes auf (Kirimäe, in der Wiek, S M Y A X X X V , S. 29 Abb. 26). Im Gegensatz hierzu fehlt die ältere Sichel im südwestlichen Lettland und ist über die östlichen, mittleren und nördlichen Teile des Landes verbreitet; auch in Litauen ist sie eine vorwiegend östliche Erscheinung. Estland ist arm an älteren Sichelfunden. W ie für die Sense sieht Moora die Vorfahren der Sichel in den sehr ähnlichen Typen aus La Téne, wobei Schlesien und das Weichselmündungsgebiet als Etappen gelten können .2 1 A . W . Brogger, Sigd, Ijd og snidill av det norske jordbruks ophav. til bondesam fundets historie I (1933), S. 35. 2 H . M oora, I.e., S. 531ff.

Bidrag

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In Finnland ist die Sichel früh in Gebrauch genommen worden. Dass sie wie in Skandinavien bereits in der Steinzeit oder wie in Estland in der B ronzezeit 1 benutzt worden, ist wahrscheinlich, aber nicht durch Funde bezeugt. Zum ersten Mal erscheint sie in drei von unseren ältesten eisenzeitlichen Gräberfeldern, nämlich dem von Penttala im Ksp Nakkila, Satakunta ,2 dem von Kroggärdsmalmen im Ksp Karis (finn. Karjaa), N yland 3 und dem von Koskenhaka, Ksp Piikkiö (schwed. Pikis), Landsch. Finni ,4 alle drei aus der älteren römischen Eisenzeit. Zu den vier oder fünf an diesen Stellen gefundenen Sicheln gesellt sich noch ein in mehrere Stücke gebrochenes Exemplar aus einem Körpergrab auf der Halb­ insel K oitö südl. von Borgå, Nyland, das durch ein mitgefundenes

A bb. 50. 3/5. Sichel. Penttala, Ksp Nakkila. N ach SM 1912.

Tongefäss eine unsichere Datierung in dieselbe frühe Zeit erhält (HM 8891: 2). Leider sind alle diese Sichelklingen fragmentarisch. Am besten erhalten ist die eine der zwei Sicheln aus Penttala, Abb. 50, die sich nur wenig von den jüngeren finnländischen Sicheln, dagegen auffallend von teils etwas älteren, teils ungefähr gleichzeitigen skandinavischen Stücken, wie z.B. den spätlaténezeitlichen Sicheln 1 E. Sturms, D ie ältere Bronzezeit im Ostbaltikum. Vorgesch. Forsch.

H . 10

(1930) Taf. 21: g u. S. 55. — Ders., D ie Kulturbeziehungen Estlands in der Bronzeund frühen Eisenzeit. Sitzber. d. Gel. Estn. Ges. 1932 A b b . 1: 6 u. S. 255. 2 A. H ackm an, D ie ältesten eisenzeitlichen Funde in Finnland, Mannus V (1913), S. 291, A bb. 45 und Suomen vanhimmat rautakauden löydöt, SM 1912 S. 01 A bb. 43. 3 N. Cleve, Ett skeleitgravfält från romersk järnålder på Kroggdrdsmalmen i K aris (Nyland). S M Y A X L , S. 67 u. A bb. 11. 1 E. K ivikoski, Suomen vanhinta rautakautta.

SM 1937, S. 29 u. 45.

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von Vold in Smålenene, Norwegen ,1 Rasagården ,2 K älledal 3 und K ö la b y 4 in Västergötland, Gårdby auf Öland ,5 Grums in Värm­ land 8 und den kaiserzeitlichen in Alvastra ,7 Östergötland, Husby 8 und Åsby 9 in Uppland unterscheidet. Im Gegensatz zu den sehr stark gekrümmten skandinavischen Sicheln hat die von Penttala eine langgezogene Klinge und während die ersteren mit 1— 3 Nieten am Schaft befestigt waren, hat die Schaftzunge der finnländischen Sichel den rechteckig aufgebogenen Schäftungsdorn. Der laténezeitliche schwedische Typus hat offenbar einen anderen Ursprung 10 als die von der Sichel von Penttala und wahrscheinlich auch der zerbrochenen Sichel von K oitö und der von Koskenhaka vertretene älteste sensenähnliche finnländische Form. W ir gehen sicher nicht fehl, wenn wir für die letztere einen südostbaltischen Ursprung annehmen. Sicheln, die sich nur durch ihre geringere Grösse von Sensen unterscheiden, waren in der römischen Eisenzeit im Samland und im Memelgebiet im Gebrauch .11 Eine andere Sichelform haben wir in dem schlecht erhaltenen zweiten Exemplar aus Penttala Abb. 51 (HM 5716: 4) vor uns. Ihre grosse Breite (mindestens 5.3 cm) und ihr krummer Rücken deuten auf eine den alten schwedischen Sicheln ähnliche Form. Das Fehlen der Schaftzunge und der Spitze macht jedoch eine Widerherstellung unmöglich. Die ebenfalls recht breite Sichel Abb. 52 von Kroggårdsmalmen (HM 9536: 5) zeichnet sich durch eine auf der einen Seite längs dem Rücken laufende Leiste aus, 1 NO 143 u. Oldtiden III S. 124. 2 H. Jungner, Gudinnan Frigg och A ls härad (1922) S. 45fl u. A b b . 12, 13, 43— 57, 15. 3 K . E. Sahlström, Käkinds härads fornminnen.

Skövdeortens hem bygds-

och fornminnesförenings skriftserie Nr 2 (1928) S. 41 u. A bb. 43. 1 Månadsbl. 1901/2 S. 102 A bb. 38. 5 M. Stenberger, Öland under äldre järnåldern S. 11 A bb. 8 . e Fornv. 1907 S. 307 A bb. 165. 7 S F T X I I S. 274, A bb. 84. 8 Mus. Sthlm 2738. 9 Månadsbl. 1898/9 S. 121, A bb. 92. 10 Vgl. die von Alm gren nach M ontelius’ Vorgang in die erste Periode der v or­ röm ischen Eisenzeit datierte Sichel von Norrgårda, K sp Vallstena, Gotland, Ä E G . 1 H eft S. 3 u. Taf. 2: 26, die ebenfalls stark gekrüm m t ist. 11 Beispiele: Gaerte, Ostpreussen, A bb. 193: a (Samland); Sitzber. Prussia 23. H. S. 321 A bb. 137 (Samland); Sitzber. Prussia 17. H. Taf. X V : 5 (Memelgebiet).

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wodurch sie an eine Sichel und eine Sense aus dem grossen Moor­ fund von Vimose und eine Sense aus dem von Nydam erinnert (Engelhardt, Vimose S. 26 Abb. 26 u. 28 und Nydam Taf. X V : 17). Leider ist auch ihre Schaftzunge abgebrochen. Ein zweiter sichel­ förmiger Gegenstand von Kroggårdsmalmen (S M Y A X L S. 68 Fig. 1 1 ; HM 9536: 30) ist vielleicht eher als Strauchmesser zu be­ trachten, was aber nicht auszuschliessen braucht, dass sie ausser ihrer eigentlichen Bestimmung auch je nach Bedarf als Sichel und Sense benutzt worden ist .1

A bb. 51. ca 3/8. Fragmentarische Sichel. E. Penttala, K sp Nakkila.

A bb. 52. ca l /3 . Fragmentarische Sichel. Kroggårdsmalm en. K sp Karis, Nyland.

Nach der römischen Eisenzeit folgt eine längere Zeit ohne Sichelfunde, bis das Gerät in den Funden der jüngeren Völker­ wanderungszeit von neuem auftaucht und in der Wikingerzeit und der Kreuzzugsperiode zu den nicht seltenen Beigaben der Gräber gehört. Die Form dieser jüngeren Sicheln ist oft dieselbe wie die der Sensenklingen, für welche sie jedenfalls als Vorbilder gedient haben; gewöhnlich sind sie aber krummer. Der aufge­ bogene Haken am Ende der Griffzunge fehlt bei keiner Sichel von diesem Typ, und nur wenige Exemplare haben in der dann brei1 Über die vielseitige Anwendung der Sichel in prim itiven Verhältnissen sieh K . Vilkuna, Zur Geschichte der finnischen Sicheln, SM Y A, X L . S. 234/5 und Varsi­ naissuomalaisten kansanomaisesta taloudesta (1935) S. 117.

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teren Griffzunge oberhalb des Hakens einen Nagel sitzen. Der T yp mit vom Schaft kräftig nach hinten gebogener Klinge und langem in den Schaft eingetriebenen Griffdorn, der ähnlich bereits in der Station La Téne vorkom m t (Vouga, La Téne, Taf. X X I V : 4, X X V : 1 ), erscheint in Finnland erst in der Kreuzzugsperiode ( S M Y A X I I I Abb. 66, 67; X L S. 228 Abb. 5 a), aus dem Gebiet der Republik N ovgorod eingeführt, wie Vilkuna ohne Zweifel mit Recht annimmt ( S M Y A X L S. 228/9). Über die Form des Stieles unserer Sensen aus der jüngeren Völkerwanderungszeit sind wir vorläufig nur auf Vermutungen angewiesen. In seiner Übersicht über den Ackerbau der finnischugrischen Völker hebt I. Manninen hervor, dass Finnlands vorge­ schichtliche Sensenklingen mit dem für sie charakteristischen stumpfwinkligen Übergang zur Griffzunge nicht zu einem langen Stiel gepasst haben können. W ir müssen sie uns kurzstielig vor­ stellen .1 Auch S. Erixon vermutet, dass die schwedischen vorge­ schichtlichen Sensen zum grossen Teil kurzstielig gewesen sind .2 Sensen mit kurzem krummen Stiel, der entweder ein oder zwei Kniee hatte, waren neben den langstieligen bis vor ein paar Jahr­ zehnten in Finnland allgemein im Gebrauch und kommen noch jetzt vor. Der Stiel mit zwei Knieen bildete einen karelischen Sondertyp, während der Stiel mit nur einem Knie über den grössten Teil des Landes verbreitet war .3 In Abb. 53 ist eine karelische Sense wiedergegeben, deren Griffzunge genau wie die der vorge­ schichtlichen Sensen einen in den Schaft eingelassenen Haken hat und ausserdem durch Umschnürung mit einem W eidenband, unter Benutzung eines kleinen Holzscheibchens oder Keiles zur Aus­ füllung, an den Stiel festgebunden ist. Abb. 54 stellt eine west­ finnische Sense mit nur einem Knie am Stiele dar. Der Mäher arbeitete mit der kurzstieligen Sense in gebeugter Stellung und schwang sie mit beiden Händen abwechselnd nach rechts und links. 1 I. Manninen, M aanviljelys. Suomen suku I I I (1934), S. 134. 2 S. Erixon, Lantmannens lätta redskap. Svenska kulturbilder V Bd. Teil I X u. X (1931) S. 204. 3 G. G rotenfelt, D et primitiva jordbrukets metoder i Finland under den historiska tiden (1899) S. 264f u. A bb. 59— 63. — U. T. Sirelius, Suomen kansanomaista kult­ tuuria I (1919) S. 290 u. Taf. X X : 14 u. 11, 12. — I. Manninen, I.e. A b b . S. 133. D er karelische T y p war nach M. auf die Gegend von K urkijoki, Grenzkarelien und R ussisch-K arelien beschränkt.

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A bb. 53. Karelische kurzstielige Sense N ach Suomen suku III.

A bb. 55. Täeremissische Sense. N ach Suomen suku III.

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Abb. 54. Finnische kurzstielige Sense.

Nach Suomen suku III.

A bb. 56. Jakutische Sense. Nach V . A. Seroäevski, Jakuty.

Sensen mit kurzem Stiel hatten auch ausserhalb Finnlands eine weite Verbreitung. S. Erixon erwähnt sie aus Norwegen und Norrbotten (I.e. S. 204). Nach D. Zelenin wird im Gouv. W ologda

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und den angrenzenden Teilen von Nordrussland sowie auch in Sibirien zum Mähen des Grases eine Sense mit kurzem (nicht mehr als 1 m langem) Stiel, die s.g. aopöyiua benutzt .1 Die von ihm in Abb. 11 seines Buches wiedergegebene Sense gleicht der fin­ nischen mit nur einem Knie und wird wie diese abwechselnd nach beiden Seiten geschwungen. Die syrjänische Sense Sirelius I.e. Taf. X X : 13 ist der finnischen sehr ähnlich, nur bildet ihre Klinge einen stumpferen W inkel mit dem Stiel, als es gemeiniglich bei den finnischen der Fall war. Einen primitiveren Eindruck macht die von Manninen I.e. S. 134 (hier Abb. 55) abgebildete tseremissische Sense, deren Stiel nur schwach gebogen ist und bei welcher der W in­ kel zwischen Klinge und Stiel noch grösser ist, so dass die Klinge recht steil vom Stiel aus in die Höhe ragt. Noch stärker betont ist der letztere Zug bei der jakutischen Sense, die auf einer recht ursprünglichen Entwicklungsstufe stehen geblieben ist (Abb. 56).2 Nach Serosevski gibt es Mäher, die sie abwechselnd nach rechts und links zu schwingen verstehen, woraus wohl zu schliessen ist, dass sie von anderen, weniger geschickten Arbeitern nur nach der einen Seite, also von rechts nach links geführt wird. Derselbe Ver­ fasser führt an, dass ein guter Mäher mit dieser Sense (der Gorbuscha) eine Desjatine Wiesenland in derselben Zeit schlagen kann wie mit der langstieligen Sense, der s.g. Litovka, dass aber der Ertrag an Heu dabei geringer ausfällt, da mit der Gorbuscha das Gras nicht so gründlich abgemäht werden kann sondern stellen­ weise stehen bleibt, was dann wieder das Einharken des Heues erschwert. Ausserdem ist die Arbeit mit der Gorbuscha weit an­ strengender und nimmt besonders die Bauch- und Rückenmuskeln stark mit. Die karelische und die allgemeinfinnische kurzstielige Sense ermöglichten dagegen eine bessere und weniger anstrengende Arbeit. Hauptsächlich wurde dies wohl durch die Stellung der Klinge zum Stiel, die sich bei einigen karelischen Sensen einem rechten W inkel näherte, bei der allgemeinfinnischen zuweilen beinahe spitzwinklig war, bewirkt. Aber auch die d o p p e l t e Biegung des Stieles bei der ersteren und die e i n f a c h e bei der letzteren bedeuteten sicher technische Fortschritte im Vergleich 1 D . Zelenin, Russische (ostslavische) Volkskunde (1927) S. 33ff. 2 V . A. Seroäevski, Jakuty (1896) S. 277 A bb. 32.

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mit der jakutischen Sense, deren Stiel ohne W inkel die schwache Biegung der Klinge fortsetzt. W elche Form der kurze Stiel der vorgeschichtlichen nordischen Sense gehabt hat, denn dass er wirklich kurz war, ist mindestens sehr wahrscheinlich, mit anderen W orten, ob er dem längeren nur schwach gebogenen täeremissischen Sensenstiel Abb. 55 oder dem auf einer höheren Entwicklungsstufe stehenden finnischen T yp entsprochen hat, wird sich erst entscheiden lassen, wenn ein glücklicher Fund uns eine nordische Sense mit erhaltenem Stiel geschenkt hat. Einen Anhalt können uns aber trotz des grossen zeitlichen Abstandes die drei von P. Vouga abgebildeten und beschriebenen vollständig erhaltenen Sensen aus der Pfahlbau­ station La Téne geben .1 Sie sind alle drei mit einem verhältnis­ mässig kurzen Holzstiel versehen, der bei dem einen Exemplar ganz gerade, bei den beiden anderen nur am unteren Ende ein wenig gebogen ist, ohne Zweifel um das Abgleiten der linken Hand zu verhindern. Besondere Ansätze oder Griffe für die Hände sind hier ebensowenig vorhanden wie an den Stielen der finnischen und osteuropäischen Sensen. Auch die Länge des Stieles (75 cm bzw. 78.4 cm und 84.3 cm) stimmt mit der einiger dieser Sensen über­ ein. Unter den in Finnlands Nationalmuseum verwahrten kurzstieligen finnischen Sensen wechselt die Länge des Stieles zwischen etwa 46 und 80 cm; die der Wologda-Sensen kann, wie Zelenin (vgl. S. 170) angibt, 1 m erreichen. — Die Klingen der La TéneSensen sind nach Vougas Beschreibung zu urteilen in derselben Weise, nämlich mittels des in eine Vertiefung des Stieles gesteckten Hakens der Griffzunge, befestigt wie bei den vorgeschichtlichen nordischen und den oben betrachteten finnischen und osteuro­ päischen (wie auch den jakutischen) Sensen. Bei zweien von den drei Exemplaren aus La Téne ragen sie ebenso steil vom Stiel in die Höhe wie die Klinge der tseremissischen Sense Abb. 5 '. Da nun auch der Stiel dieser letzteren wenn auch nicht so gerade wie die der La Téne-Sensen, so doch nur wenig gebogen ist, so haben wir in Abb. 55 jedenfalls den ursprünglichsten und alter­ tümlichsten T yp der finnisch-osteuropäischen Gruppe vor uns. Obgleich mir keine Sensenstiele aus der Kaiserzeit und der Völker1 P. V ouga, La Téne, T af. X X I V : 5; X X V : 2 u. 3 u. S. 75/6.

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Wanderungsperiode bekannt sind, welche ein Fortleben des kurzen und geraden Typs der La Ténezeit beweisen könnten, halte ich es aus den oben angeführten Gründen für wahrscheinlich, dass die nordischen Sensen der späteren Völkerwanderungs- und der W ikin­ gerzeit mit einem kurzen und nur wenig gebogenen Stiel versehen waren. Die langgezogene nur wenig gebogene Form mit allmäh­ lichem Übergang zur Griffzunge, welche für einige unserer vor­ geschichtlichen Sensenklingen charakteristisch ist (vgl. vor allem die finnischen Sensen V A F Taf. 80: 14, 15, S M Y A X I I I Abb. 68 , Aspelin 1341 und die von A. W . Brogger in »Sigd, Ijd og snidilh (1933) Abb. 9 nr 3 u. 4 von links wiedergegebenen norwegischen Sensen), setzt ein steiles Aufsteigen derselben vom Stiele aus, wie wir es bei der täeremissischen Sense sehen, voraus. Aber auch Sensen mit stärkerer Klingenbiegung wie z.B. die von Pukkila lassen eine solche Rekonstruktion zu. Das Mähen mit der Sense ist ohne Zweifel schon in vorgeschicht­ licher Zeit Männerarbeit gewesen, während die Sichel auch von Frauen gehandhabt wurde. Diese selbstverständliche Tatsache, wird durch die Grabfunde bestätigt. Die unten in Fussnote 1 angeführten ostbottnischen Sensen der Völkerwanderungszeit sind alle mit W affen gefunden worden. Von den mir bekannten finn­ ländischen Sensen aus der Wikingerzeit sind nicht wenige aus sicheren und einigermassen sicheren Männergräbern gehoben wor­ den .1 Für die übrigen Sensen sind entweder die Fundumstände 1 Folgende Sensen sind m it W affen gefunden worden: Jüngere Völkerwanderungszeit: Ostbottnien: V örå— Lågpeltkangas Grab 17 8331: 35 und Grab 12 8331: 04. — V ähäkyrö— K otsalonm äki 2386: 83 h; V ähäkyrö— K aavontönkkä 9513: 15. — Isokyrö— Pukkila Nr 82 und 9.

Summ a 6 E x.

Wikingerzeit. A land : Saltvik— B orgboda 288. Landsch. F in n i.: Kalanti— Pietilä 3330: 187. — Laitila— Volksschulenhügel 2548: 636. — N ousiainen— Aatola, Mus. Tam m erfors 1209: 636. Satakunta: Eura— N uorante 9854: 3; Eura— Osmanmäki 4633: 24 (wahrscheinl. Männergrab). — K ö y liö — K ju loholm Grab K 8602: 144 (8602: 190, 191 w ahr­ scheinlich m it W affen). — K okem äki— Leikkim äki 2001: 6 . — Y löjä rv i— Mikkola 3038: 3. — Vesilahti— H ukari 2525: 292 p und r; Vesilahti— Kirm ukarm u 3416: 1; K angasala— Tiihala— Juvenius 5869: 1 und 5897: 3 und 30; Kangasala— Tiihala— Jussila 6369: 183 und 185. Tavastland: H ollola— R yyn älä

2929: 2. —

Jämsä— Päläm äki

6990: 3.



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nicht hinreichend bekannt oder lässt sich aus ihrer Lage in den Brandgräberfeldern kein sicherer Schluss auf ihre Zugehörigkeit zu männlichen oder weiblichen Toten ziehen. Auch sind einige von ihnen in äländischen Hausfundamenten der Wikingerzeit ge­ funden worden. Keine einzige Sense stammt aus einem sicheren Frauengrabe. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, dass ihr jedes­ maliges Vorkommen auch in Brandgräberfeldern mit durcheinan­ dergemischten Beigaben, unter welchen keine sicheren geschlossenen Funde erkennbar sind, schon an und für sich die Bestattung eines männlichen Toten anzeigt. Etwas anders verhält es sich mit der Sichel. Sie ist ungefähr ebenso oft oder nur wenig öfter in einigermassen sicheren Männer­ gräbern als in Frauengräbern gefunden worden. Von den minde­ stens 137 eisenzeitlichen Sicheln, die ich mir in Finnlands Museen notiert h a b e 1 können etwa 40 mit Bestattungen von Männern, 37 mit Bestattungen von Frauen in Verbindung gebracht werden .2 Luopioinen— Knaapi 2201: 690 c. — K alvola— Pahnainm äki 5960: 35. — L op p i— Ilom äki 2345: 3. K arelien: Metsäpirtti— K oukunniem i 5712: 3 (2 E x .).

Summa 25 E x.

Kreuzzugsperiode. K arelien: Räisälä— Tontinm äki Grab 3 (1888). 2592: 39. Summ a 1 E x. sicher mit W affen.

D ie im T ex t genannten D oppelgräber sind: Räisälä— Tontinm äki

Grab 1 (1888). 2592: 13. — K aukola— Kulhom äki 2488: 10. — K aukola— K ekomäki Grab 3 2489: 357 und Grab 5 2595: 2. 1 Aus Aland 14 (die Mehrzahl aus der W ikingerzeit); Landschaft Finnland 30 (eine aus der Kaiserzeit, einige aus der jüngeren Völkerwanderungszeit, die Mehr­ zahl aus der W ikingerzeit, 3 aus der Kreuzzugsperiode); Nyland 3 (römische Eisen­ zeit); Satakunta 52 (2 röm . Eisenz., einige aus der jüngeren Völkerwanderungszeit, die grosse Mehrzahl aus der W ikingerzeit); Tavastland 5 (jüng. Völkerw. 2, W ikin­ gerz. 3); Ostbottnien 21 (jüng. V ö lk e rw ); Karelien 11 (W ikingerz. 4, Kreuzzugs­ periode 7). 2 Sicheln aus Männergräbern: A land: Saltvik— Syllöda 279; Saltvik— B ertby 293; Saltvik— B orgbod a 288. Landsch. Finni. K alahti— Kalm um äki 8780: 159 und 8912: 1184; Kalanti—Hellä 3336: 214; K alanti— Pietilä 3336: 38. -— M ynäm äki— M ynänum m i 8805: 148. — P erniö— T yynelä 3593: 10. N yland: Karis-— K roggårdsm alm en III 10612: 7 u. 8 . Satakunta: Eura— Käräjäm äki 2995: 19; Eura— Pappilanm äki 9855: 7. — K öyliö—-K juloholm 8602: 127. — K okem äki— Leikkim äki 2001: 7 und 1174: 16. — H uittinen— L oim a 10198: 23, 24. — T yrvää— Vänniä 6390: 2. —

Y löjä rv i—

Mikkola 3038: 4. — Vesilahti— K alhola 9249: 57; Vesilahti— Sassinniemi 10409: 12 — 14. — Kangasala— Jauhia 9220: 73; 9392: 44, 45.

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Sichere Angaben sind nicht immer möglich. Zuweilen kommen Sense und Sichel in ein und demselben Männergrabe vor. T ongefäss. Aus den im älteren Kriegergrabe gefundenen Scherben Nr 96 ist es nicht gelungen ein vollständiges Tongefäss wiederherzu­ stellen. Es fehlen sämtliche Randstücke und auch von den übrigen Teilen des Gefässes haben Scherben nicht in genügender Menge geborgen werden können. So viel geht aus den Wiederherstellungs­ versuchen (Taf. 19: 5) hervor, dass die Scherben von nur e i n e m, allem Anschein nach blumentopfförmigen Gefäss herrühren, das aus grobem Ton ohne Töpferscheibe geformt ist und einen flachen Boden hat, von welchem aus der Körper in einem stumpfen W inkel aufsteigt. Die Höhe dürfte mindestens 20 cm betragen haben, der Durchmesser des Bodens etwa 15 cm. Die Dicke des Gefässkörpers war zunächst dem Boden ungefähr 1.2 cm und nahm Tavastland: Jämsä— Päläm äki 6990: 8 . — H artola— Vuoteela 8147: 11. Ostbottnien: V örå— G ulldynt 8077: 28?; V örå— Lågpeltkangas Grab V III, 7744: 37; Grab X I I 8331: 81; Grab X V I I I 8939: 16 und 27; Grab X X I I 9925: 13. — V ähäkyrö— K aavontönkkä 9513: 16; V ähäkyrö— K otsalonm äki 2386: 83 i. — Malaks— Lågas c 2272: 24. K arelien: Sakkola— Lapinlahti— K : Ilonen 7625: 2. — K urkijoki— Poskiparta 3081: 34. Im ganzen 40 Stück. Sicheln aus Frauengräbern: Landsch. F in n i.: K alanti— Kalm um äki 9365: 150. — M ynäm äki— Franttila 9750: 7 und 59.— Masku— H um ikkala Gräber 9 u. 33 8656. — Maaria— M arttila 7275: 2? — Lieto— Merola 9222: 359. Satakunta: Eura— K äräjäm äki 2995: 13; Eura— Osmanmäki 4633: 55 und 92 sowie 5354: 5; Eura— Pappilanm äki 9855: 22. — K öyliö— K ju loholm 8602: 119 und 178; Grab 29 8723: 367; Grab 31 8723: 382; Grab 39 8723: 433. — K okem äki— K alvom äki 1763: 6 (?); K okem äki— Rakkulainen— M yllym äki 2993: 34. — Karkku -— Harsu 5352: 28? — Kangasala— Jauhia 9220: 25 sowie 9475: 1 und 3; Kangasala — Tiihala— Juvenius 5897: 15. Ostbottnien: Vörå— G ulldynt 8077: 162; Vörå— Lågpeltkangas Grab I X 8215: 7 und 13; Grab X I I I 8331: 4 und 11; Grab X X I I 9925: 3. — Malaks— Lågas II 3975: 26. K a relien :

Sakkola— Lapinlahti— Kallonen

9415: 30.

-—

Rautu— Lallukka

7066: 3. — Räisälä— Tontinm äki Grab I 2491: 4; Grab 4 2592: 42. — Käkisalm i— Suotniem i Grab 3 2487: 64. — K aukola— K ekom äki Grab 6 2595: 161. Im ganzen 37 Stück.

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nach oben etwas ab. Vielleicht war das Gefäss wie viele andere Töpfe aus gleichzeitigen und jüngeren finnischen Gräbern unter­ halb des Randes etwas eingezogen und mit parallelen Schnur­ oder Wellenlinien verziert. Vgl. H j. Appelgren-Kivalo, Suomalai­ sia pukuja — Finnische Trachten aus der jüngeren Eisenzeit Taf. III: 13. Die Farbe ist graubraun mit russigen Stellen. Schlüssel. Der grosse S-förmige eiserne Schlüssel Nr 99 Taf. 19: 1, der etwa einen Meter S von den zu einem Haufen aufgestapelten Bei­ gaben des älteren Kriegergrabes gefunden wurde, kann seiner Form nach ebensogut vorgeschichtlich sein wie zu der ursprüng­ lich hier gestandenen Badestube von Pukkila gehört haben. Da er in der oberen Erdschicht dicht unter der Oberfläche lag, ist die letztere Möglichkeit die wahrscheinlichere. Die Datierung der Funde. Zu den ältesten Gegenständen aus Pukkila I gehören der Solidus von Leo I (457— 474) Taf. 1: 4 und wenn die S. 52 ausgesprochene Vermutung richtig ist, auch der Gegenstand Taf. 1: 1, der wahrscheinlich als Spitzenbeschlag eines Trink­ horns betrachtet werden darf. Die Datierung dieses eines Seitenstückes entbehrenden Gegenstandes in das 5. Jh ist jedoch unsicher. Er kann auch aus dem Beginn des 6. Jhs stammen und dürfte erst um diese Zeit in die Erde gelangt sein. Viele Gründe sprechen dafür, dass der Solidus und der goldene Ring Taf. 1: 5 erst im 6. Jh vergraben worden sind (S. 46) und wenn auch die Verfertigungszeit der beiden Fibeln Taf. 1 : 8 u. 9 schon in das späte 5. Jh fallen sollte, so sind auch sie wahrscheinlich erst am Beginn des 6. Jhs niedergelegt worden. Die Zeitstellung der beiden Kriegergräber in Pukkila II ist bei der Analyse der zu ihnen gehörenden Gegenstände an mehreren Stellen erörtert worden. Für das ältere Grab wird sie durch den Schwertgriff, die Randfassungen der Scheide, die Zaumbeschläge und die anderen ornamentierten Gegenstände bestimmt, die einen

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in Einzelheiten gehenden Vergleich mit entsprechenden Gegen­ ständen aus skandinavischen Funden erlauben. Ein treffliches Material hierzu haben uns vor allem die Gräber von Vendel ge­ liefert, deren relative und absolute Chronologie von skandinavi­ schen und deutschen Forschern gründlich erörtert worden ist und zuletzt durch G. Gjessings Untersuchung (Studier S. 21— 24) eine annehmbare Lösung gefunden hat, wenn auch Grab X als das älteste von ihm vielleicht etwas zu früh angesetzt wird. Im Gräberfeld von Vendel sind es die Gräber I und X I I , auf welche oben am öftesten hingewiesen werden konnte. Das enge Bandgeflecht des Schwertgriffes Taf. 6: 1 hat seine nahe Ent­ sprechung am Griff des Schwertes aus Vendel I und die Kerbschnittverzierung der Riemenbeschläge Taf. 10: 6 und des Messer­ querstückes Taf. 10: 1 kommt der an den Zaumbeschlägen aus Vendel X I I [Vendel Taf. X X X V I I und X X X V I I I ) nahe. (Man vergleiche z.B. die starke Verlängerung der Augenumrahmung nach vorn bei den rüchwärts blickenden Tieren auf Taf. 10: 1 (Pukkila) und Vendel Taf. X X X V I I : 9, 10 u. X X X V I I I : 3, 5, 8) Ein weiteres charakteristisches Detail, das den tierkopfförmigen Gegenständen aus Pukkila und den beiden Vendelgräbern gemein­ sam ist, sind die aus eingesetzten Granaten gebildeten Augen. (Pukkila: Taf. 8 : 2 u. Taf. 10: 4; Vendél Grab I: Vendel Taf. I: 1, IV: 1, IX : 5; Grab X II: Vendel Taf. X X X I I I : 4, X X X V I I : 6, X X X V I I I : 8 , X X X I X : 5, 6). — Die Tierkopf leiste Taf. 8 : 2, die ich an der Scheide des Schwertes aus Pukkila angebracht wissen möchte (vgl. S. 65), hat trotz sonstiger Abweichungen eine ge­ wisse Ähnlichkeit mit dem ebenfalls stilistisch ungewöhnlichen Tierkopf aus Vendel I ( Vendel Taf. IV: 4). Wenn bei dem schwe­ dischen Stück die Augenumrahmung nach unten mit einer Tier­ figur (Auge und zwei huf förmige Füsse) abschliesst, so ist auf dem ostbottnischen Gegenstand die Wange unterhalb der Augen­ umrahmung mit einem ähnlichen Ornament: drei zu einer Triskele zusammengestellte huf förmige Füsse — ausgefüllt. Ziehen wir dazu in Betracht, dass im älteren Kriegergrab eine Schnalle (Taf. 13: 3) vorkommt, die der Schnalle Vendel Taf. V III: 9 entspricht, und dass die A xt, die Schere und die rhombische Pfeilspitze unseres Grabes von denselben Formen sind wie die entsprechenden Gegen­ stände in Vendel I, so sehen wir, dass sich im Inventar der beiden

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Gräber nicht wenige Übereinstimmungen feststellen lassen, die eine partielle Gleichzeitigkeit voraussetzen. Vendel X I I wird von Arne um 650 angesetzt und als das älteste Grab des Gräberfeldes bezeichnet ( Vendel S. 60). In Betreff der absoluten Chronologie stimmt ihm Gjessing bei, nicht aber in der relativen, da er, zum Teil nach Lindqvists Vorgang, die Gräber X , X IV und X I für älter hält und in die zweite Hälfte des 6 . Jhs (X ), bzw. die Zeit um 600 (X IV ) und die erste Hälfte des 7. Jhs (X I) verlegt (Stadier S. 22— 24). Grab I wird von Arne, Lindqvist und Gjessing unge­ fähr übereinstimmend datiert; Arne verlegt es in die zweite Hälfte des 7. Jhs, Lindqvist und Gjessing setzen es um 700 oder etwas früher an. Ungefähr in dieselbe oder in eine etwas jüngere Zeit dürften die Zaumbeschläge Taf. 14 und 15 fallen, deren Orna­ mente auf ein spätes Stadium des Stiles II deuten. Man beachte in dieser Hinsicht die Form des Kopfes und den Ansatz der Beine mit ihren hufförmigen Füssen an dem Rum pf der Tierfiguren auf den viereckigen Pressblechen Taf. 14: 4 u. 5 sowie den querge­ streiften Rum pf der Tierfiguren auf der Halbkugel des Buckel­ beschlags Taf. 15, welcher Beschlag sich schon durch seine barocke Form als ein spätes Erzeugnis der hierhergehörenden Altertümer­ gruppe darstellt. — Chronologisch hierher gehören die beiden gegenständigen Beschläge Taf. 14: 2 u. 3, deren ornamentale Einzel­ heiten mit denen auf den Schalenfibeln des Fundes vom Ksp W il­ helmina im schwedischen Lappland Månadsbl. 1897 S. 46 Abb. 8 und, was das in Eckenösen gewundene, in sich selbst zurück­ laufende Band betrifft, mit dem Beschlag Abb. 46 verglichen worden sind. — Die gotländische Rückenknopffibel Fornv. 1910 S. 240 Abb. 31 auf deren Bügel dasselbe Bandornament wie auf unseren Schwertscheidenleisten Taf. 8 : 1 u. 4 vorkommt, dürfte aus dem 7. Jh stammen. W ir sehen also, dass alle Gegenstände aus skandinavischen, hauptsächlich schwedischen Funden, die oben zur Datierung der ornamentierten Sachen aus dem älteren Kriegergrabe herange­ zogen worden sind, aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 7. Jhs sowie aus der Zeit um und kurz nach dem Jahre 700 stammen. Unter den Gegenständen skandinavischen Charakters ist es eigent­ lich nur der Bratspiess Taf. 4: 6 , der mit seinem durchbrochenen Griff den Eindruck machen könnte, am ehesten dem Formenkreis 12

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der frühen Wikingerzeit anzugehören, wenn es nicht wahrschein­ lich wäre, dass solche Griffe bereits um 700 aufgekommen sind (vgl. S. 155). — Da nun auch die nicht skandinavischen Gegen­ stände im Funde, unter denen als besonders typisch die avarische Schnalle Taf. 13: 4, die estnisch-finnische Ringkopfnadel Taf. 11, die sicher einheimische Rassel Taf. 4: 7 und Abb. 39, der Schild­ buckel Taf. 3: 5 und die Lanzenspitze Taf. 4: 5 hervorgehoben seien, der Datierung in das 7. Jh bzw. die Zeit um 700 nicht wider­ sprechen, so können wir als Ergebnis unserer Analyse feststellen, dass die ältesten Beigaben des älteren Kriegergrabes aus der Mitte des 7. Jhs stammen und das Grab kurz nach 700 angelegt worden ist. Für die Datierung des jüngeren Grabes sind wir hauptsächlich auf das Schwert Taf. 21: 1 und das grosse Kampfmesser Taf. 21: 3 angewiesen, da die anderen Waffen, nämlich das grifflose zwei­ schneidige Schwert Taf. 22: 6, die Lanzenspitze Taf. 21: 2, die Pfeilspitze mit über Kreuz gestellten Schneiden Taf. 22: 4, der Schildbuckel Taf. 21: 4 sowie die Rassel Taf. 22: 5, die Sense Taf. 22: 2 und die Trense Taf. 22: 1 nicht ebenso gute Zeitmesser sind: so sind z.B. die Lanzenspitze und der Schildbuckel von genau den­ selben Formen wie ihre Entsprechungen im älteren Grabe. Oben (S. 67 ff) sind die Gründe angegeben worden, die für die Datierung des Schwertes Taf. 21: 1 in die spätere Hälfte des 8 . Jhs und für die Möglichkeit sprechen, dass sein Griff gotländische Arbeit ist. In derselben oder einer etwas jüngeren Zeit konnte das K am pf­ messer Taf. 21: 3 angesetzt werden. Allem Anschein noch ist das jüngere Kriegergrab etwas nach dem Jahre 800 angelegt worden. Wenn der fragmentarische Schwertknauf Taf. 20: 6 , der vor der Nordseite des Hauses etwa 3.5 m N W von dem älteren Krieger­ grabe gefunden wurde, einem dritten Grabe angehört hat, dürfte dieses etwas jünger als das erstere gewesen sein (vgl. S. 69/70). Westliche, südliche und östliche Verbindungen. Die Analyse der Funde von Pukkila hat also ergeben, dass sie zwei verschiedenen Zeitläuften, nämlich teils der Zeit von der Mitte oder dem Ende des fünften bis etwa zur Mitte des 6. Jhs, teils der Zeit von etwa 650 bis kurz nach 800 angehören und aus

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Gräbern stammen, die um 500 oder in der ersten Hälfte des 6. Jhs und dann nach einer längeren Unterbrechung in der Zeit von kurz nach 700 bis kurz nach 800 angelegt worden sind. Zwischen den jüngsten Gegenständen aus Pukkila I und den ältesten aus Puk­ kila II liegt ein Zeitraum von über 100 Jahren, aus welchem Puk­ kila keine Funde geliefert hat. Da aber das Gräberfeld erst unter­ sucht werden konnte, als der zwischen den beiden Teilen liegende Streifen Erde durch den Hausbau von 1920 bereits durchwühlt und unzugänglich gemacht worden war, ist es möglich, dass durch diese Bauarbeiten oder vielleicht schon früher, bei der Anlage des alten Kellers (vgl. die Karte Abb. 4) Gräber aus der durch Funde nicht vertretenen Zwischenzeit zerstört worden sind, ohne dass man die Beigaben bemerkt hat. Andererseits ist es auch denkbar, dass Pukkila in der Zwischenzeit wirklich öde gelegen hat und in der jüngeren Völkerwanderungszeit von neuem bewohnt worden ist. Diese Frage wird unentschieden bleiben müssen. Die der Untersuchung ausserordentlich ungünstigen Verhältnisse haben nns die Möglichkeit benommen den vollen zeitlichen und räum­ lichen Umfang des Gräberfeldes festzustellen. W ir wissen daher auch nicht, wann die ersten Siedler nach Pukkila kamen und ob die wenig zahlreichen Funde aus dem Plateau vor der Westseite des Hauses (Pukkila I) die ältesten sind. Immerhin deuten diese wenigen Funde darauf, dass Pukkila im 5. und 6. Jh von einem verhältnismässig wohlhabenden und sozial hoch stehenden Geschlecht bewohnt gewesen ist. In einem gewissen Sinne der Trinkhornbeschlag Taf. 1 :1 , vor allem aber der Solidus Taf. 1: 4 und der goldene Spiralring Taf. 1: 5 waren im damaligen Finnland Luxusgegenstände, die nur in Gräbern vornehmer und vermögender Personen angetroffen sind und, wie auf S. 34 und 45 gezeigt worden ist, in dieser Periode bisher nur aus Südostbottnien vorliegen. Ihrem Zeugnis gegenüber verschlägt es weniger, dass die übri­ gen Funde aus Pukkila I einen anspruchslosen Eindruck machen. Unter den allerdings schlecht erhaltenen W affen giebt es keine Prunkstücke. Nur ein paar einfache Lanzenspitzen von auch sonst aus Ostbottnien und Südwestfinnland bekannten Formen und die Reste eines Schildbuckels mit spitzer Stange aber keine Schwerter, die doch sonst in manchen gleichzeitigen südostbottnischen Fun­

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den Vorkommen, hat Pukkila I geliefert. Sehr einfach ist der Riemenbeschlag Taf. 1: 3. Anspruchslos sind auch die zwei bron­ zenen Fibeln Taf. 1: 8 u. 9, die beide, wenn auch in Ostbottnien verfertigt, auf ostbaltische Vorgänger zurückgehen. Gegenstände von ausgesprochen skandinavischem Charakter, wie sie sonst aus südostbottnischen Funden dieser Zeit zahlreich vorliegen, fehlen hier, es sei denn, dass wir die nur in Bruchstücken erhaltenen Beinkämme als solche betrachten wollen. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass was in Pukkila geborgen und ins Nationalmuseum gebracht werden konnte, gewiss nur einen Bruchteil des ursprüng­ lichen Grabgutes ausmacht. Ausschlaggebend sind die beiden goldenen Gegenstände, welche bezeugen, dass Pukkila I zu den reicheren südostbottnischen Gräberfeldern dieser Zeitstufe ge­ zählt werden darf. Pukkila I fällt in eine Periode (ca 475— 550), in welcher in dem südostbottnischen Kerngebiet östlich von Vasa, zu welchem Pukkila gehörte, ein Kulturaufschwung einsetzt, der sich durch starke Zunahme und reichere Zusammensetzung der Grabfunde zu erkennen gibt. Dieses Kerngebiet war klein. Es umfasste nur die heutigen Kirchspiele Vähäkyrö, Isokyrö und Ylistaro, alle drei im Tale des Kyröflusses, sowie nördlich davon Vörå und südlich bzw. südwestlich und westlich Laihia, Malaks und die östlichsten Teile von Mustasaari und Solv (vgl. die Karte Abb. 1), war aber trotz seiner geringen Ausdehnung in der Völkerwanderungszeit eines der reichsten Kulturzentren Finnlands. Die wuchtigste Quelle des Wohlstandes war nach der übereinstimmenden Ansicht der Archäologen der Pelzhandel, der schon in der römischen Eisen­ zeit Ansiedler, Trapper und Händler hauptsächlich aus Estland aber auch aus Schweden und dem damals gotischen Weichsel­ gebiet nach Finnland gelockt hatte. Auch Pukkila wird ein Pelz­ jäger- und Pelzhändlergehöft gewesen sein, das im Beginn der Völkerwanderungszeit, wenn nicht schon früher entstanden ist und damals zu den östlichsten Niederlassungen dieser Art im Kerngebiet gehörte. Seine Bedeutung und sein Wohlstand wuchsen in der Folgezeit. In der zweiten Hälfte des 7. und im 8 . Jh muss hier ein mächtiges Grossbauerngeschlecht geherrscht haben, das neben Pelzhandel auch Ackerbau trieb und sicher den Geschlechtern auf den anderen reicheren Gehöften des Kerngebietes ebenbürtig

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war, von denen nach den Gräberfeldern zu schliessen Kaparkullen, Gulldynt, Lågpeltkangas und Viskusbacken in Vörå, Perkiö, Kaavontönkkä, Haavistonmäki, Kotsalonmäki und Tervajoki in Vähä­ kyrö, N yysti und Jakkula in Laihia und Lågas in Malaks die wich­ tigsten waren (Karte Abb. 1). Vielleicht haben wir es den für die Untersuchung des Gräber­ feldes so ungünstigen Umständen zuzuschreiben, dass Pukkila II im Gegensatz zu älteren Fundstätten des südostbottnischen Kern­ gebietes keinen Frauenschmuck geliefert hat. Vielleicht auch war es dort im 8 . Jh nicht mehr in gleichem Umfang wie früher Sitte vornehmen Frauen eine glänzende Bestattung zu bereiten — darauf könnten mehrere andere Gräberfelder des 8 . Jhs in Südostbottnien deuten, die nur W affen aber keine weiblichen Schmuckgegenstände enthalten haben. W ie dem auch sei, in Pukkila II sind es ausser der Bestattungsweise nur W affen und Pferdegeschirr neben spär­ lichem Schmuck (die Ringkopfnadel) und einigen Ackerbau- und Küchengeräten, die uns über die Kulturzustände und Verbindun­ gen seiner damaligen Bewohner Andeutungen geben. Die Bestattungsweise ist der Leichenbrand. Der kontinental­ germanische Einfluss, der sich in den Körpergräbern der berühm­ ten uppländischen Gräberfelder von Vendel, Uituna und Valsgärde sowie in Südwestfinnland am frühesten in dem aus der Zeit um 600 und dem 7. Jh stammenden Gräberfeld von Luodonpää im Ksp K öyliö (schw. K julo), Satakunta (HM 9725) zu erkennen gibt, ist in dem abgelegenen Südostbottnien offenbar nicht stark genug gewesen um die althergebrachte Sitte der Leichenverbren­ nung zu verändern. Hier sind auch die Leichen der vornehmen Männer verbrannt worden. Wenn man in Pukkila, wie es den Anschein hat, den Toten in einem B oot verbrannt hat, so hat man sich hierin an einen in Südwestfinnland schon von der Zeit um 600 an befolgten Brauch gehalten, der sich von Uppland aus wie nach anderen Gegenden im Norden so auch nach Finnland ver­ breitet hatte, allerdings mit dem Unterschied, dass man hier an der I.eichenverbrennung festhielt. Auch die Ausstattung des älteren Grabes mit Küchengerät — Kessel, Bratspiess und Fleisch­ gabel — ist von Uppland (Vendel) übernommen. Wie die Bestattungsweise schwedisch beeinflusst war, so hat auch die Mehrzahl der Beigaben einen skandinavischen Charakter.

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In dem älteren Kriegergrabe sind nicht wenige Gegenstände im Stil II verziert; im jüngeren Grabe ist der bronzene Griff des Schwertes Taf. 2 1 : 1 wahrscheinlich auf Gotland verfertigt. Alle diese Gegenstände können zum mindesten als Zeugen eines leb­ haften Verkehrs mit Schweden, vor allem Uppland und Gotland bezeichnet werden. Einige von ihnen sind mehr als dies: sie müssen in Finnland hergestellt worden sein. Nur hier sind Ringschwert­ knäufe der späten Gruppe wie derjenige des älteren Grabes Taf. 7 gefunden worden. In Schweden sind diese typologisch jüngsten Vertreter der Ringschwertgattung unbekannt. In diesem Zusam­ menhang ist es aber bedeutsam, dass diese Knäufe aus Ostbottnien und der Landschaft Finnland mit dem charakteristischen engen Bandgeflecht und Tiermotiven des späten Stiles II verziert sind und demnach den sicheren Beweis dafür liefern, dass auch in Finn­ land Künstler tätig gewesen sind, die selbstständig im skandina­ vischen Stil zu arbeiten verstanden, wenn auch einigen ihrer Werke ein gewisser Provinzialismus anhaftet. Vielleicht sind die barocken Buckelbeschläge Taf. 15 des Zaumzeuges aus dem älteren Grab ebenfalls ein einheimisches Erzeugnis. Mehr als eine Ver­ mutung über die Herkunft dieses durch seinen trichterförmigen Aufsatz einzig in seiner Art dastehenden Gegenstandes lässt sich aber nicht aufstellen und auch in Betreff anderer Fundstücke von skandinavischen Typen des älteren Grabes ist die Entscheidung ob einheimisch, ob aus Schweden eingeführt kaum möglich. Unter den in Finnland wirkenden Kunsthandwerkern wird es tüchtige Fachleute gegeben haben, die im Stande waren ausgezeichnete Arbeiten hervorzubringen, sei es, dass sie aus Schweden einge­ wandert oder Söhne des Landes waren. In wiefern die im südostbottnischen Kernland gefundenen zahl­ reichen Schmucksachen, Waffenteile, Zaumbeschläge und anderen Gegenstände von skandinavischen Typen der älteren und jüngeren Völkerwanderungszeit als Zeugen schwedischer Niederlassungen angesehen werden dürfen, soll hier nicht ausführlich erörtert wer­ den, da dieses Problem nur in einem grösseren Zusammenhang als in einer Fundmonographie behandelt werden kann. Es genüge hier auf die von den meisten finnländischen Forschern vertretene Ansicht hinzuweisen, dass diese Funde das Vorhandensein schwe­ discher Niederlassungen unter einer finnischen Bevölkerung an­

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deuten, also einer Mischbevölkerung angehören, in welcher der schwedische Einschlag eine Zeit lang vorherrschend war. C. A. Nordman spricht — wohl mit Recht — von schwedischen Häuptlingsschaften (»hövdingedömen») im südostbottnischen Kerngebiet (»Vasabygden »)1 und hat sicher dabei auch die Grossbauern im Auge gehabt, die bereits um 500 und dann im 7. und 8 . Jh ihren Sitz in Pukkila hatten. Ihre Blütezeit war von kurzer Dauer. Schon in den Funden des 8 . Jhs lässt sich in Südostbottnien eine starke Abnahme des schwedischen Einschlags wahrnehmen und im 9. Jh beginnt dort die fundarme um nicht zu sagen fundleere Zeit, die mit einer Abwanderung der Bevölkerung erklärt wor­ den ist. Schwächer als der schwedische Einschlag treten in den Funden aus Pukkila II Spuren von Verbindungen mit den Rheinlanden und Süddeutschland zu Tage. Als einen Beleg für direkte Bezie­ hungen zwischen Finnland und den kontinentalgermanischen Län­ dern konnten wir S. 94 die Ähnlichkeit der finnländischen Schild­ buckel vom T yp der in Pukkila II gefundenen mit gewissen rhein­ ländischen Buckeln anführen, wobei aber betont werden musste, dass solche Schildbuckel, nachdem der T yp sich einmal hier ein­ gebürgert hatte, von einheimischen Waffenschmieden in grösser Menge hergestellt wurden. Der heimische Ursprung der beiden Schildbuckel von Pukkila II wird sich keineswegs ableugnen lassen. Als Importstücke aus W est- oder Zentraleuropa müssen dagegen die damaszierten Klingen der Schwerter Taf. 5 und Taf. 22: 1 betrachtet werden, die im Norden — das ältere Schwert in Finn­ land, das jüngere wahrscheinlich auf Gotland — mit einem bron­ zenen Griff versehen worden sind. Manches spricht dafür, dass auch das Kampfmesser Taf. 9 und, obschon weniger deutlich, das grosse einschneidige Schwert Taf. 21: 3 aus Süddeutschland einge­ führt sein können (vgl. S. 72— 74). Gleichzeitige und ältere Belege für diese südlichen Beziehungen Finnlands haben andere ostbottnische und manche südwestfinnische Funde der Völkerwanderungszeit geliefert, die das kleine Material aus Pukkila II ergänzen. W ir wollen uns in diesem Zusammen­ 1 C. A. Nordm an, K ultur och folk i Finlands forntid.

Skrifter utgivna av

Svenska Litteratursällskapet i Finland. Förhandl. N y följd 4 (1928), S. 131ff.

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hang nicht mit den weitgehenden und ungenügend begründeten Deutungsversuchen befassen, die früher diesen Funden zu Teil geworden sind. Es genüge hier zu betonen, dass es nicht unbe­ dingt nötig ist das Auftreten von kontinentalgermanischen Typen in Finnland mit einer Einwanderung von Germanenscharen aus Mittel- oder Südeuropa oder von finnischen Volkssplittern, die einst mit den Goten aus den ostbaltischen Ländern in das SchwarzeMeergebiet gezogen wären, zu erklären. Näher liegt es an Handels­ verbindungen zu denken, die sicher zum Teil direkt, zum grössten Teil aber wohl über Schweden, vor allem Gotland und Uppland aus dem Süden nach Finnland führten und mit der Ausbreitung der »Vendelkultur» durch schwedische Ansiedler, Krieger und Händler zusammenhingen. Dass die Bevölkerung des ostbottnischen Kerngebietes durch Vermittelung der zwischenliegenden ostbaltischen Länder in mehr oder weniger zufälliger und flüchtiger Verbindung mit Südruss­ land und Ungarn gestanden hat, geht aus den Grabfunden deutlich hervor. Unter den Beigaben des älteren Kriegergrabes konnte S. 149 auf die avarische SchnalleTaf. 13: 4 hingewiesen werden,die sicher aus Ungarn oder der Gegend nordwestlich vom Schwarzen Meere herstammt. Die beiden Buckelbeschläge Taf. 15 und ein paar gotländische Beschläge dieser Art konnten mit avarischen halbkugelförmigen Phaleren in Verbindung gebracht werden (S. 136). Eine kleine bronzene Riemenzunge mit einer Art Ährenmuster aus einem Brandgräberfeld bei Perkiö, Ksp Vähäkyrö (Abb. 57) hat nahe Entsprechungen in Ungarn (Hampel I, Fig. 2050, 2051; vgl. auch Gaerte, Ostpreussen Abb. 230: i). Ein weiterer Zeuge dieser südosteuropäischen Beziehungen ist die bekannte von Tallgren 1 und Fettich 2 besprochene avarische Riemenzunge vom Keszthelytyp aus Tyynelä in der Landschaft Finnland. Der W eg, auf wel­ chem diese Gegenstände nach Finnland gelangt sind, muss, wie Tallgren (I.e.) dargelegt hat, längs dem Dnjepr und der Düna über Lettland— Estland gegangen sein .3 Es war derselbe W eg, auf wel1 Tallgren, S M 1926, S.

lff.

2 Fettich, ESA V , 1930,

S. 52ff.

3 Ü ber die bisher nicht im m er genügend g e w ü d ig te Bedeutung des D njeprweges si h N. Fettichs vorzügliches neues W erk »Die Metallkunst der landnehmen­ den Ungarn», Archaeologia Hungarica X X I , S. 179ff.

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chem nach H. Moora das meiste des in Estland zur Völkerwande­ rungszeit benutzten Silbers hergekommen und zum Teil auch in Form von Schmuckringen nach Finnland eingeführt worden ist .1 In Pukkila selbst sind zwar keine Funde dieser Art gemacht wor­ den, aber nur etwa 15 km nördlicher liegt im Dorfe Rekipelto, Ksp Vörå, der Fundort Kaparkullen, wo mehrere silberne Hals­ ringe südostbaltischer Herkunft zum Vorschein gekommen sind, und Bruchstücke von solchen Silberringen sind auf dem Kaavontönkkä in Vähäkyrö und an manchen anderen Orten des ostbottnischen Kerngebietes gefunden worden. Einen speziell estnischen Charakter hat unter den Gegenstän­ den aus dem älteren Kriegergrabe die Ringkopfnadel Taf. 11, ein

A bb. 57. ca 2/3. Riem enzunge. Br. Mäkihaka, D orf Perkiö, K sp Vähäkyrö.

Schmuck der Männertracht, den Finnland aus Estland übernom­ men hat und der hier zu grösser Beliebtheit gelangte (vgl. S. 106). Nicht ganz selten sind in südostbottnischen Funden sowohl der älteren als auch der jüngeren Völkerwanderungszeit Gegenstände, die einen Verkehr mit Zentral- und Ostrussland und dem Ural­ gebiet bekunden. Ältere, zum Teil noch in die römische Eisenzeit zurückreichende Funde dieser Art sind einfache Arm- und Finger­ ringe, glockenförmige und andere Anhängsel, Riemenbeschläge, die Schnalle Ä E F 6: 14.2 Jünger sind Schaftlochäxte mit Seiten­ 1 M oora, D ie Vorzeit Estlands, S. 52. 2 V gl .A sp elin 1282— 1287,1291,1292; Ä E F Taf. 7:18 u. 8 :1, ferner ein Arm ring wie Spicyn, Mater. Arch. Russl. 26 Taf. X V : 22 und ein K n op f wie Spicyn, Mater. Arch. Russl. 25, Taf. I: 10, V I: 11, I X : 14, X X I I I : 11, alle aus Brandgräbern in den Kirchspielen Esse (finn. Ähtävä), Purm o und N ykarleby (finn. Uusikarlepyy) dem nördlichen Hinterland unseres Kerngebietes.

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lappen vom zentralrussischen T yp Abb. 32, Silberringe mit facet­ tiertem K nopf und Haken wie Aspelin 1645 (unweit von Pukkila gefunden), von welchen letzteren die ältesten wohl schon aus dem Ende des 8 . Jhs stammen und die in Finnland in Bronze nach­ geahmt worden sind, vor allem aber Riemen- und Gürtelbeschläge, von denen u.a. eine ganze Garnitur verschiedener Stücke im Brand­ gräberfeld auf dem Hügel Kaavontönkkä, Ksp Vähäkyrö, gefun­ den ist (Abb. 58).1 Es scheint, dass die Vorliebe für morgen­ ländische Gürtel, die in den finnländischen und schwedischen Funden der Wikingerzeit so deutlich zum Ausdruck kommt, in Finnland schon in der jüngeren Völkerwanderungszeit bestanden hat. — Als eurasische Waffenformen, die in Finnland und Skandina­ vien Eingang fanden, sind S. 84 f. die Pfeilspitze mit Querschneide und die Gabelpfeilspitze aufgefasst worden. Ähnliche Funde wie die hier kurz erwähnten sind auch in Nordostbottnien , 2 Südwestfinnland 3 und auf den Äland1 Mehrere dieser Gegenstände sind in Finnland durch Begleitfunde in eine ältere als die bisher für sie angenom mene Zeit datiert worden, so ein Beil m it Seitenlappen, das in einem kleinen Brandgräberfeld des 6 .— 7.Jhs bei Tunis, K sp Vörå, gefunden ist (HM 9522 u. 9550: 1— 61) und die Gürtelbeschläge v om K aa­ vontönkkä, das sonst keine jüngeren Funde als aus dem 7. Jh enthalten hat. 2 U tajärvi, Sotkam o (A spelin 1662, 1659), vgl. auch den Fund von Jävre, K sp H ortlax bei Piteå im schwedischen Norrland (H. Ar', man, Jävrefyndet, N orr­ botten 1932— 1933 S. 111 ff.): eine runde durchbrochene Bronzeplatte, ähnlich Spicyn Mater. Arch. Russl. 25, Taf. V III: 4. 3 U nter den in Südwestfinnland gefundenen Gegenständen zentral- und ostrussischer (permischer und westsibirischer) H erkunft sei hier an die im K sp Juupa­ joki, Satakunta, gefundene permische Schm uckscheibe v om Adler-G anym edestyp FM 1924 S. 82 A bb. 1 (HM 7881) sowie das bronzene Brustgehänge F M 1925 S. 32, A b b . 18 und eine runde durchbrochene Scheibenfibel ähnlich M ater. Arch. Russl. 25, Taf. X X V : 3, 13 m it einem flaschenförm igen Anhänger wie ebendort Taf. X X I V : 11— 13 v om Lukkarinm äki bei Salo (HM 8067 A: 33 u. 9192: 1, 2) erinnert. R ie­ men- und Gürtelbeschläge, Anhänger und Schnallen derselben und ähnlicher A rt wie die vom K aavontönkkä liegen aus mehreren Gräberfeldern in Tavastland, Satakunta und der Landsch. Finni, vor, so z.B . aus Sääksmäki— K iiliä 6875: 2, Kangasala— Tiihala F M 1915 S. 24, A bb. 30, 6369: 108, Vesilahti— Kirm ukarm u S M -F M 1909 S. 62, Fig. 8 u. 3868: 1, 5165: 21, 62, 69, 8 !, P ohjois— Pirkkala— M attila 9745: 56; K arkku— Tuom isto 5203: 68 u. 5853: 100, Lieto— Pitkäsm äki 10370: 10, 62, 85, 86, 97— 99, Lieto— Y lipää 6366: 121, S M 1914, S. 34, A bb. 14, Sauvo (schw. Sagu) — Pfarrgut 4162: 19 und anderen Fundorten, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Fussnote 2.

Über Schaftlochäxte m it Seitenlappen sieh S. 98

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A bb. 58. 5/6. Permische Schnallen- und Riem enbeschläge. Br. K aavontönkkä, Ksp Vähäkyrö.

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insein 1 gemacht worden. Sie bezeugen, dass die uralten bis in die Stein­ zeit und die Bronzezeit zurückreichenden Verbindungen zwischen Finnland und dem Ural in der älteren Eisenzeit weiterbestanden und in der jüngeren Völkerwanderungszeit sichtlich zugenommen haben. Welcher Art diese Verbindungen waren, lässt sich noch nicht deutlich erkennen. W ir dürfen aber vermuten, dass skandina­ vische und wohl auch finnische Händler schon vor der Wikinger­ zeit Fahrten nach Russland unternommen haben und dass auf östlichen Handelswegen (Volga, Volchov, Dvina) und über die ostbaltischen Länder ein Zwischenhandel aufrecht erhalten worden ist. Allerdings sind die Belege hierfür einseitig, da finnländische Gegenstände der Völkerwanderungszeit bisher in den zentral- und ostrussischen Funden fehlen. Zur Verbreitung der osteuropäischen Gegenstände bis nach Finnland und Nordskandinavien mögen auch Berührungen zwischen Lappen und anderen eurasischen Nomaden Völkern beigetragen haben. Pelzhändler und Pelzjäger aus Finnland dürften dagegen kaum regelmässige Streifzüge bis zum Ural unternommen haben, da ihr Bedarf an Pelztieren gewiss zur Genüge durch das reichlich vorhandene W ild in den unermess­ lichen Wäldern zwischen dem Bottnischen und dem Finnischen Meerbusen, dem Weissen Meer und dem Eismeer und durch Be­ steuerung der Lappen gedeckt wurde. Im Beginn der Wikingerzeit stocken die Verbindungen des ostbottnischen Kerngebietes mit der Umwelt und hören bald ganz auf. Das jüngere Kriegergrab in Pukkila II, das wir um 800 ange­ setzt haben, ist eines der jüngsten, wenn nicht das jüngste eisen­ zeitliche Grab in der Landschaft. Was wir an wikingerzeitlichen Funden aus unserem Gebiet besitzen, beschränkt sich auf einige wenige aus Südwestfinnland eingeführte Schmucksachen, die als Zufallsfunde bezeichnet werden müssen und nicht aus Gräbern 1 Ein Flausfundament aus der jüngeren Völkerwanderungszeit (ca 7. Jh) bei Mangelbo, Ksp F'inström enthielt u.a. einen Kettenträger zentral- oder ostrussischer H erkunft ähnlich Mater. Arch. Russl. 25, Taf. X X V I : 12 (HM 4628: 91). In einem anderen gleichzeitigen H ausfundam ent bei Eneborg, K sp Saltvik wurde der durch­ brochene grosse ovale K op f einer N adel wie die von Spicyn in Zapiski russkavo otdelenia imperatorsk. archeolog. obslestva V , S. 120 Fig. 92 u. 93 abgebildeten Nadeln aus einem Gorodisce v om D ja k ova -T yp bei G rem jace’e, G ouv. Kaluga gefunden (HM 6768: 790).

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stammen. Die finnländischen Archäologen sind darüber einig, dass der Fundmangel des kleinen Gebietes im 9. Jh mit einer Abwan­ derung seiner Bewohner erklärt werden muss, die bereits im 8 . Jh begonnen und in der ersten Hälfte der Wikingerzeit dazu geführt hatte, dass aus der einst wohlhabenden Landschaft eine Ödung geworden war. Die Ursachen dieser Auswanderung kennen wir nicht und über ihre Ziele konnten bisher nur Vermutungen ange­ stellt werden, die noch der Beweise bedürfen.

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H eft II 1923.

H eft

B E R IC H T IG U N G E N U N D Z U S Ä T Z E . S. 31 Zeile 19 von oben: Die Angaben über Bernsteinperlen in völkerw ande­ rungszeitlichen Funden aus Südwestfinnland sind zu ergänzen. Eine defekte Bern­ steinperle ist in einem Grabhügel bei dem Dorfe Kulla, Ksp. Finström , Åland, u.a. m it einer kleinen ovalen Schalenfibel gefunden worden. (HM 1751: 1— 5; Aspelin 1234— 1237). — 4 Bernsteinperlen gehören zu den Funden aus dem K örpergrab 11 (Mann und Frau) auf dem K äräjäm äki, K sp Eura.

V on den anderen Beigaben

dieses Grabes seien als zeitbestim mend (wohl 8 . Jh) 2 späte grosse gleicharmige Fibeln und die »krebsförmige» Fibel Alm gren-Festskrift S. 208 Fig. 3 u nd S. 214 Fig. 26 erwähnt. (HM 2995: 11). Zu S. 156, Zeile 15-— 17 von oben. D er eiserne H enkel eines wahrscheinlich eisernen Kessels gehört zu dem S. 89 Fussnote 4 erwähnten Funde von Heikkerö, K sp Nastola, der aus der jüngeren Völkerwanderungszeit stammt.

IN H A L T S V E R Z E IC H N IS . Seite. Vorwort. Fundbeschreibung

......................................................................................

D er ältere Teil der Fundstätte oder Pukkila 1............................................................

1 22

Fibeln. S. 23. Schmuckgegenstände. S. 30. Spiralfingerring. Bernstein­ perlen. S. 31. Solidi und R inggold. S. 32. K nöcherne Gegenstände. S. 46. W affen. S. 48. Spitzenbeschlag eines Trinkhorns. S. 52. D er jüngere Teil der Fundstätte oder Pukkila I I .......................................................

53

Bestattungsart. S. 54. W affen. S. 60. Schwerter. S. 60. Kampfmesser. S. 70.

Lanzenspitzen. S. 76.

Pfeilspitzen. S. 78.

Schildbuckel. S. 92.

Beil. S. 96. Bestandteile eines Helmes? S. 100. Messer. S. 102-. Nadel. S. 105. Pinzette. S. 115. Hängezierde. S. 117. Rasseln. S. 118. Zaum ­ zeug. S. 131. S. 140.

Riem enzungen. S. 139. Eiserne und bronzene Beschläge.

Schnallen. S. 146.

Eiserner Haken. S. 150.

Küchengeräte. S.

150. Schere. S. 156. Sensen. S. 162. Tongefäss. S. 174. Schlüssel. S. 175. D ie D atierung der Funde ................................................................................................

175

Westliche, südliche und östliche V erbindungen.............................................................

178

Abkürzungen

.........................................................................................................................

190

Berichtigungen und Zusätze ............................................................................................

193

Tafel 1.

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I.

Spitzenbeschlag eines Trinkhornes. Br. Nr 113. — 2. Spiralfingerring. Br. Nr

116. — 3 Schmaler Riemenbeschlag. Br. u. E. Nr 132. — 4. Solidus Leo I. Gold. Nr 127. — 5. Goldring. Nr 126. — 6. a— c. Bruchstücke von 2 knöchernen K äm ­ men; d. Bruchstück einer knöchernen Nadel? Nr 128. — 7. Bruchstücke eines Halsringes.

Br. Nr 117. — 8. Fibel m it geradem Fuss und kurzem Nadelhalter.

Br. Nr 114. — 1). Arm brustfibel m it Nadelscheide in 4 Bruchstücken.

Br. Nr 115.

Tafel 2.

4.

1. Beschädigte Lanzenspitze. E. Nr 120. — 2. Tülle einer Lanzenspitze. E. Nr 129. — 3.

Blatt einer Lanzenspitze. E. Nr 121. — 4. E. Nr 118, 130.

Schildbuckel,

rekonstruiert.

Tafel 3.

3. 4/,.

K

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(>. 3/ß. 1. u. 2. R h om bisch e Pfeilspitzen.

5. ca 2/ 5. R. Nr 25 u. 24. — 3. P feilspitze m it W id er­

haken. E. N r 27. — 4. P feilspitze m it Q uerschneide (links). E. Nr 28. — 5. Schildbuckel. E. Nr 33. - - 5 a. Teil der K rem pe des Schildbuckels. — 0. F rag­ m entarische Fessel des Schildbuckels.

E. Nr 51.

Tafel 4.

Va1. Beil. E. Nr 32. — 2. Schere. E. Nr 77. — 3. P feilspitze m it gegabelter K linge. E. N r 20. — 4. Fleischgabel m it 3 Zinken. E. N r 80. — 5. Lanzenspitze m it Tiille. E. Nr 29. — 6 . Fragm entarischer Bratspiess. E. Nr 79. — 7. Rassel m it langer Tülle. E. Nr 78.

Tafel

Z w e is c h n e id ig e s S c h w e r t.

E. Nr 30.

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Tafel 6.

I. G riff des Schwertes Nr 30.

1

3.

9

1. W iederherstellungsskizze des Griffes Taf. G. -— 2. B ruchstück des s.g. Ringes, in der Skizze 1 eingesetzt bei c. — 3. B ruchstück der Parierstange, in der Skizze eingesetzt bei d.

Tafel 8.

3. ca 5/„.

2. «/j. 1. u. 2. R andleisten der Schwertscheide.

Br. Nr 54 u. 55. — 3. W iederherstel­

lungsskizze des oberen Teiles der Schw ertscheide. — 4. Der obere T eil des O rna­ m entes auf der Randleiste A bb. 3 rechts oben aufgerollt.

Tafel 9.

1 . ca *1n.

2 . ca >/, 3. */,.

1.

K am pfm esser m it eingravierten Ornam enten.

E. Nr 31. —

la

M ittelpartie von 1. — 2. Oberer Teil des K am pfm essers m it dem

B ru chstück des bronzenen G riffes N r 59. — 3. B ruchstück eines Bronzebandes. Nr 58.

a

6 . ca 4/ 6.

b

1. B ruchstück eines Messergriffes, a. Seitenleiste von b. Br. N r 61. — 2. Bruchstücke eines Messergriffes. Br. N r 60. — 3. Messerklinge. E. N r 21. — 4. B ru chstück eines Beschlages.

Br. u. Granate.

Nr 65. — 5. H ängezierde?

Nr. 72. — 6 . Zwei zusam m engeschm olzene Beschläge. Br. Zeichnung)

N r 45.

Br.

(F oto und

Tafel 11.

1.

Bruchstücke einer R ingkopfnadel.

E. u. Br. Nr 47,48, 73— 7 5 .— 2. W ied er­

herstellungsskizze der Nadel.

Tafel 12.

5. «/,. I

Bronzene Pinzette, zwischen den Arm en die eine H älfte des H aarzangen­

anhängers der R in gkopfnadel Taf. 11.

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