Das Alte Testament und die Ausgrabungen: Ein Beitrag zum Streit um Babel und Bibel [2. Aufl., Reprint 2021] 9783112456224, 9783112456217

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Das Alte Testament und die Ausgrabungen: Ein Beitrag zum Streit um Babel und Bibel [2. Aufl., Reprint 2021]
 9783112456224, 9783112456217

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Das Hite Cestamerit und die Husgrabungen Gin Beitrag zum Streit um Babel und Bibel von

D. Karl Budde ord. p r o f . d. Cheologie a. d. Univ. JMarburg

Zweite Huf läge mit vielen Hnmerhungen u n d e i n e m T o r w o r t e s t a t t de9 J i a e h w o r t s .

Glessen % Rtckcr'scbe Verlagsbuchhandlung (Hlfred Cöpclmann) 1903.

Druck von C. G. Röder, Leipzig.

Vorwort. Als ich. vor mehr als Jahresfrist die Aufforderung erhielt, am 26. Mai auf der Jahresversammlung der theologischen Konferenz zu Gießen einen Vortrag zu halten, war mir die Wahl des Gegenstandes völlig freigestellt; aber je länger je mehr empfand ich es als unmöglich, an dem Tagesthema „Babel und Bibel" vorbeizukommen. So entstand mein Vortrag „Das Alte Testament und die Ausgrabungen". E r erschien schlichtweg unter diesem Titel, ohne irgend einen Zusatz, der ihn in den Babel und Bibel-Streit einreihte, als 18. Folge in der Reihe der Vorträge jener Konferenz : daß er es über diese erste Auflage hinausbringen würde, hatte ich nicht erwartet, nicht einmal gewünscht. Nun er aber weiter begehrt wird, muß ich doch annehmen, daß er einem Bedürfnis entgegenkommt, und so lasse ich ihn denn hiermit zum zweiten Male hinausgehen. Nur die ersten, einleitenden Seiten, die von der Tagesveranlassung redeten, habe ich gestrichen. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man darüber heute

IV noch jemanden unterrichten, und was damals das Neueste war, liegt längst weit hinter uns. I m übrigen aber habe ich dem, was ich zu sagen hatte, das Kleid des lebendigen Vortrags nicht ausziehen mögen, habe auch außer wenigen tatsächlichen Berichtigungen und kleinen Besserungen der Form keinerlei Änderungen angebracht. Dagegen ist, was die Zwischenzeit an Wertvollem beigesteuert oder was man gegen meine Ausführungen eingewendet hat, in zahlreichen Anmerkungen sorgfältig berücksichtigt, sodaß ich hoffen darf, daß man meinen Vortrag den Ansprüchen des Tages gewachsen finden wird. Aber davor muß ich gleich eingangs warnen, daß man von ihm etwas andres und mehr erwarte, als er geben kann und soll. Ich genoß den Vorzug, zu einer Versammlung von lauter Theologen zu sprechen, die das Bedürfnis wissenschaftlicher Förderung zusammengeführt hatte. Zweierlei durfte ich daher bei allen meinen Zuhörern voraussetzen, ein freudiges und ruhiges Bekenntnis zur christlichen "Wahrheit und die Bereitwilligkeit, jede Hilfe zum geschichtlichen Verständnis religiöser F r a g e n ohne Anstoß dankbar entgegenzunehmen. Daß das Verständnis der Heiligen Schrift aus den Ausgrabungen Vorteil ziehen könne, brauchte ich daher nicht erst zu beweisen oder zu verteidigen; denn das wußten meine Zuhörer längst, soweit waren wir mit Delitzsch ohne weiteres einig. Nicht um das D a ß oder das Ob konnte es sich handeln, sondern nur um das W i e , um die Art, den Umfang, die Tiefe, die Dauer des Einflusses, den die

V Länder am Euphrat und Tigris auf Israel und sein Schrifttum ausgeübt hatten. Ich durfte also von der H ä u f u n g der verschiedensten Einzeltatsachen, mit der Delitzsch seine Pionierarbeit eröffnet hatte, sofort zu der Tagesordnung des bedeutendsten geschlossenen Systems übergehen, in dem neuerdings der Anspruch der Keilinschriften gegenüber dem Alten Testament geltend gemacht war. Ebensowenig aber brauchte ich erst zu versichern und nachzuweisen, daß durch alle diese Einflüsse Kern und "Wesen unseres Christenglaubens nicht könnte angetastet werden. Auch darin wußten wir uns mit Delitzsch (vergl. besonders S. 44) einig, wenn wir auch die eigentümlich laienhafte Fassung dieser Überzeugung gern seiner Verantwortung überließen. Wenn daher ein ungenannter Berichterstatter 1 ) sich „von meinen positiven Aufstellungen in keiner Weise befriedigt" fühlt, wenn er meint, „meine Sorge gelte weder der Selbständigkeit der christlichen Grlaubensgewißheit noch dem unverletzten Ansehen der Heiligen Schrift, sondern der Herrschaft der ,alttestamentlichen Geschichtswissenschaft', zu deutsch, der alttestamentlichen Liter arkritik", so liegt die Schuld nur auf seiner Seite. Meine Zuhörerschaft und ich wir verstanden uns. Keiner von uns brauchte den andren erst dessen zu versichern, was f ü r ihn die selbstverständliche Voraussetzung war. *) „Der alte Glaube". 1903, Spalte 85.

Literarische Beilage vom 6. März

VI Durch Delitzschs zweiten Vortrag ist inzwischen die Sachlage eine wesentlich andere geworden. Hatte er bis dahin in Rätseln geredet, so tritt er hier offen als Reformator auf, und hatte er bis dahin Babel neben der Bibel die gebührende Stelle zu sichern gesucht, so bemüht er sich jetzt, das Alte Testament auf alle "Weise herabzusetzen und Babel auf seine Kosten zu verherrlichen. Dazu darf niemand schweigen, der heute in dem Streite das W o r t ergreift, und es gilt dabei um der Sache willen, ohne Ansehen der Person, aber zugleich unterVorbehalt der ganzen, hohen Achtung, die wir dem Gelehrten Friedrich Delitzsch in seinem Fache schuldig sind, völlig klaren Wein einzuschenken. Delitzsch hält die V e r b a l i n s p i r a t i o n f ü r verpflichtendes Dogma seiner Kirche, und vereinerleit den religiösen Begriff der göttlichen O f f e n b a r u n g mit dem nach jener Lehre von Gott eingegebenen Wortlaut der Heiligen Schrift 1 ). Darum fort mit dem Glauben an eine Offenbarung, sobald man mit der Verbalinspiration gebrochen hat! E r weise zunächst einmal das Dogma der Inspiration in den symbolischen Büchern der lutherischen Kirche nach! Nicht ihnen gehört es, sondern erst der Scholastik des folgenden Zeitalters. Und wenn er den Begriff der Offenbarung auf das inspirierte W o r t der Heiligen Schrift meint beschränken zu sollen, wie denkt er denn über seinen Gebrauch im Neuen Testament, wo Jesus Christus als die höchste Offenbarung erschienen, *) Zweiter Vortrag S. 19 f. und weiterhin.

VII aber noch kein einziges der Bücher, die von ihm berichten und predigen, geschrieben oder doch verbreitet war? Oder insbesondere von Rom. 1, 19, wo sogar von einer Offenbarung Gottes an die Heiden geredet wird? Und wenn er sich vollends berufen fühlt, die Rechtgläubigkeit gegen Abschwächungen zu verteidigen, die in der göttlichen Offenbarung eine geschichtliche Entwickelung erkennen 1 ): wie denkt er sich denn im Sinne der Kirche das Verhältnis des Neuen Testaments zum Alten? Stehn ihr etwa beide auf derselben Stufe der Offenbarung? Und wenn er meint, den christlichen Offenbarungsglauben damit erschüttern zu können, daß auch die alten Babylonier an die Offenbarung ihrer Götter geglaubt haben: merkt er denn nicht, daß eben damit die Unentbehrlichkeit des Offenbarungsglaubens für jede Religion bewiesen wird? Denn eine Religion, die den Namen verdient, will einen lebendigen Verkehr des Verehrers mit seinem Gott herstellen, und was wäre das für ein Verkehr, von dem nur der eine Teil etwas wüßte? Der Offenbarungsglaube spricht eben die Uberzeugung aus, daß wir Gott nicht einseitig, mit unsrem beschränkten Tun und Denken suchen, sondern daß er uns, den Suchenden entgegenkommt, sich uns offenbart, daß wir also nicht Hirngespinsten nachlaufen, sondern dem wahren Gott auf halbem "Wege begegnen. Der Offenbarungsglaube fällt nur mit dem Dasein und der Persönlichkeit Gottes selbst, ihn ablehnen, heißt Gott ») S. 29. 44.

vni leugnen 1 ). Daß die Heiden von ihren Göttern denselben Glauben haben, kann uns nicht irre machen, da wir u n s e r e s Glaubens gewiß sind. Unser Glaube beruht auf Jesu Christo, der höchsten Offenbarung Gottes. Aber er ist nicht Gottes erste und einzige Offenbarung; vielmehr von ihm aus verfolgen wir an sicheren Handhaben seine Offenbarung rückwärts bis in die Anfänge unserer Kenntnis der Menschheitsgeschichte. Und wenn Gott sich auch in der ganzen Welt und bei allen Völkern offenbart hat, so wurzelt doch Jesus Christus im Volke Israel, und wir greifen es mit Händen, wie in dessen Führungen die Offenbarung Gottes unvergleichlich tiefer, reiner, unmittelbarer auf Jesum hinströmt, als irgendwo sonst in der ganzen "Welt. Darin liegt für uns Christen die unvergängliche, einzigartige Bedeutung des Alten Testaments, nicht neben, aber nächst dem Neuen, das sich auf ihm aufbaut, und nur Mißverstand kann glauben dem Christentum zu dienen, indem er es vom Alten Testamente loslöst. Aber umgekehrt, daß das Alte Testament seine Schranken hat, das versteht sich ja von selbst, darum hat ja Christus kommen müssen. Wie kann man also damit gegen die Bedeutung des Alten Testaments angehen wollen? Und wiederum, nun wir so aufs neue zur Heiligen Schrift zurückgeführt sind, ist damit entfernt nicht die Meinung bestätigt, daß Offenbarung und Schriftwort dasselbe *) Mir ist wohl bekannt, daß es auch christliche Theologen gibt, die ohne den Offenbarungsglauben meinen auskommen zu können. Ich kann darin nur ein großes Mißverständnis sehen.

IX sei. I m Gegenteil — und ich bin mir bewußt, damit selbstverständliche christliche Wahrheit auszusprechen — Gott offenbart sich nicht durch Worte, sondern durch Taten, nicht im Reden, sondern im Handeln. Das gilt selbst von Jesu Christo. E r selbst, seine Person ist Gottes Offenbarung; seine Reden sind nur das menschliche Mittel sich mitzuteilen und damit uns der göttlichen Offenbarung teilhaftig zu machen. Und das Gleiche gilt von den Propheten. Denn daß Gott keine menschliche Sprache redet, braucht doch nicht erst gesagt zu werden. So muß Gottes Selbstmitteilung stets menschlich vermittelt werden, und nicht nur durch das Werkzeug menschlicher Sprache, sondern auch durch das Medium menschlicher Persönlichkeiten. Sie ist daher nach ihrem eigentlichen Wesen stets eine bedingte, nur annähernde, die der Vollendung erst harrt. Selbst in Jesu Christo erkennen wir zwar vollkommen Gottes Ratschluß zu unserem Heile und insofern sein Wesen; aber trotzdem wird unsere Gotteserkenntnis f ü r alle Zeit eine menschlich beschränkte bleiben müssen. Was will man dann vollends mit dem Nachweis der Unvollkommenheit des Alten Testaments und seiner Gotteserkenntnis beweisen? Es versteht sich ja von selbst, daß Gottes Offenbarung an Israel sich an einem Volke von Fleisch und Blut vollzogen h a t und sich mit ihm und allen seinen Lebensäußerungen verquicken mußte, sodaß Volkspersönlichkeit und Gotteserkenntnis miteinander aufwuchsen und fortschritten. Ebenso aber ist dieses Volk wie jedes andere, ja mehr als viele andere, allen

X Einflüssen von außen her geöffnet gewesen, ist von dorther befruchtet und in Anpassung und G-egensatz gefördert worden, und auch diese Einflüsse sind alle nach Gottes Ratschluß erfolgt und haben mitdienen müssen zur Förderung seiner Erkenntnis. Die Wege der Offenbarung Gottes sind eben mannigfach und wunderbar, und nicht unsere Sache ist es, Gott vorzuschreiben, welcher Mittel er sich bedienen soll. "Wir können nichts tun als seinen Wegen nachgehn und werden, wo immer es uns gelingt sie aufzudecken, bekennen müssen, daß sie höher sind als die unseren. Und wo wir einmal den Kopf dazu schütteln möchten, da ist es hohe Zeit des Wortes zu gedenken, mit dem einst Petrus sich mußte zurechtweisen lassen (Ap. Gesch. 10, 15): Was Gott gereiniget hat, das mache du nicht gemein! So kehren wir zu dem Anfang zurück, daß die Beeinflussung Israels durch Babel, auch auf religiösem Gebiete, für uns gar nichts Beängstigendes hat und unsren Offenbarungsglauben keinen Augenblick zu erschüttern vermag. Hat es Gott gefallen, auch die Keime seiner Erkenntnis, die er in andere Völker gelegt hatte und die dort verkümmern mußten, in und durch Israel hindurch zur Frucht ausreifen zu lassen, so ist das nur ein neuer Beweis für die Wahrheit Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dir's nicht.

Wenn wir so Delitzschs Reform Vorschlag mit aller Entschiedenheit von uns weisen, so sind wir ihm doch

XI großen Dank schuldig und dürfen eine F ü g u n g darin erkennen, daß gerade er diesen Streit h a t entzünden müssen. Denn wenn selbst ein Mann wie Delitzsch., hochgebildet, Inhaber des ersten Lehrstuhls f ü r ein Fach, das so vielfache Beziehung zur biblischen Wissenschaft hat, Sohn eines ihrer angesehensten Vertreter während des abgelaufenen Jahrhunderts, sich derart darüber täuschen kann, was evangelischer G-laube ist — was soll man dann von anderen Gemeindegliedern erwarten? W i r dürfen es uns nicht verhehlen, daß die überwältigende Mehrzahl auch der Gebildeten in unsrem evangelischen Volke die Verbalinspiration für verpflichtende Lehre ihrer Kirche halten und ihr gegenüber ein böses Gewissen haben, wenn sie an diesem Satze irre geworden sind. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Wühlarbeit gegen das Christentum als solches an diesem Satze zuerst anzusetzen pflegt und wer weiß wie oft mit ihm das ganze Christentum aus einfältiger Leute Herzen auszureißen vermag. Die Bibel heißt ja „Gottes W o r t " : was liegt dem trägen Sinne und füglich auch dem Alltagsverstande näher als dies mit der jüdischen und christlichen Scholastik so zu verstehn, daß Gott jedes Wort darin so gesprochen, d. h. dem Schriftsteller eingegeben habe? Aber die eigentliche Schuld lastet doch nicht auf dem Laientum, sondern auf der Kirche. Nicht nur, daß es auch heute noch Querköpfe unter den Theologen selber gibt, die eifernd auf ihrem Schein bestehn und den Inspirationsglauben zur unerläßlichen Bedingung des Christenstandes machen. Auch die

XII meisten von denen, die das keineswegs wollen noch können, machen sich doch der Versäumnis schuldig, nicht klar herauszustellen, inwiefern die Bibel Gottes "Wort heißen darf und inwiefern nicht. Auch unsere Schulen sind noch weit entfernt davon, ihre Schüler, je nach Maßgabe ihrer Fassungskraft, in ein geschichtliches Verständnis der Heiligen Schrift einzuführen, das allein solchem I r r t u m vorbeugen und zugleich die Bibel wieder zu einem Sauerteig auch f ü r die heutige Gemeinde machen kann 1 ). Es ist eine Lust zu sehen, mit welcher Entschiedenheit, mit welcher ruhigen Überlegenheit Vertreter der biblischen Wissenschaft, die unbestritten der kirchlichen Rechten zugezählt werden — ich nenne nur Oettli, Kittel, Sellin, die beiden Jeremias — in ihren Äußerungen zum Babel und Bibel - Streit den Inspirationsglauben als überwundenen Irrtum abweisen und ebenso entschieden zu dem Glauben an eine in der Geschichte sich vollziehende Offenbarung Gottes sich bekennen. Hoffen wir, daß die Bewegung, die sich an diese F r a g e angeknüpft hat, nicht zur Ruhe komme, bis die Erkenntnis, die hier allein helfen kann, in die weitesten Kreise der evangelischen Kirche hindurchgedrungen ist. M a r b u r g , Ostern 1903.

Karl Budde. *) Wie das gemeint, wie es im einzelnen durchzuführen ist, hat E. Kautzsch in seiner Schrift „Bibelwissenschaft und Religions-Unterricht, 6 Thesen", Halle 1900 vortrefflich dargelegt. Ich lege besonderen Wert darauf, daß diese Schrift erschienen ist, als noch niemand an „Babel und Bibel" dachte.

"Was bietet uns Delitzsch in seinem Vortrag „Babel und Bibel", und was will er von uns haben? Auf die erste Frage würden wir, einmal vorausgesetzt, daß ihn alle gelesen hätten, natürlich nicht alle die gleiche Antwort geben. "Was mich betrifft, so habe ich darin ein reichliches Dutzend neuer Abbildungen gefunden, aber außer deren gelegentlicher Deutung kaum eine einzige Tatsache oder Ansicht, die mir nicht schon bekannt gewesen wäre. Selbst das Vorkommen jahwehaltiger Namen auf Tontäfelchen aus der Zeit der ersten babylonischen Dynastie um 2250 v. Chr., das Delitzsch sich für den Schluß aufspart und mit so großem Nachdruck geltend macht 1 ), war uns von Sayce und Hommel bereits im Jahre 1898 mitgeteilt 2 ). Aber wenn ich auch als Alttestamentler pflichtschuldig zu den Unterrichteteren gehören werde, so darf ich doch voraussetzen, daß in einer Theologenversammlung wie unsere heutige wenige sein werden, denen nicht bei weitem das Meiste von dem, was Delitzsch erzählt, längst bekannt war. Der Vortrag war eben selbstverständlich nach Stoff und Fassung durchaus auf *) S. 46 f., gegen Zweifel verteidigt „Anmerkungen" S. 74 ff. Vgl. besonders H. Zimmern KAT» S. 468. s ) The Expository Times, 1897/98 S. 522. 1898/99 S. 42. 48, vgl. auch 1899/1900 S. 270. B u d d e , Das A. T. u. d. Ausgrabungen, 2. Aufl.

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Laien berechnet und konnte auf einen um so tieferen Eindruck zählen, je weniger der Zuhörer bisher von den Ausgrabungen am Euphrat und Tigris erfahren hatte. Dankenswert ist jedenfalls die ruhige E n t schiedenheit, mit der einige "Wahrheiten betont werden, die uns völlig in Fleisch und Blut übergegangen sind, aber von den leitenden kirchlichen Kreisen vielfach noch als schwere Ketzereien verpönt werden. So die Zusammensetzung der fünf Bücher Mose aus einer Reihe „sehr verschiedenartiger Quellenschriften" 1 ), die Abhängigkeit großer Abschnitte der biblischen Urgeschichte, als da sind Schöpfung, Sintflut, Sethitentafel von babylonischen Mythen 2 ), die Vergeblichkeit aller Versuche, unsere biblische Weltschöpfungserzählung mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft in Einklang zu bringen 3 ). Dem Vertreter profaner Wissenschaft h a t man es allem Anschein nach sogar zugute gehalten, daß er dazu aufforderte — ich führe wörtlich an — „durch Ausscheiden dieser zwar hochbegabten Völkern entstammenden, aber trotzdem rein menschlichen Vorstellungen und durch Befreiung unseres Denkens von allerlei festgewurzelten Vorurteilen die wahre Religion und die wahre Religiosität, wie sie uns die Propheten und Dichter des Alten Testaments und in erhabenstem Sinne Jesus gelehrt, nur um so wahrer und verinnerlichter" herauszubilden 4 ). Was Delitzsch für alle diese Gaben von uns fordert, das ist, was in dem Letztgesagten schon enthalten war, die Anerkennung und Verwertung der Ergebnisse der Ausgrabungen f ü r Verständnis und Beurteilung S. 32.

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) 29 f. 32 f.

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) S. 34.

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) S. 43 f.



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der Heiligen Schrift, insbesondere des Alten Testaments. Er selbst verspricht sich, sicherlich etwas kühn, von der Erfüllung dieses seines Wunsches oder, genauer gesagt, von der Anerkennung der durch die Ergebnisse der Ausgrabungen befruchteten Arbeit am Alten Testament, für „das Leben der Menschen und Völker eine tiefere Erregung und bedeutsamere Fortschritte, als durch alle modernen Entdeckungen der Naturwissenschaften zusammen"v). Indessen wird jeder billig Denkende freudig bereit sein, dem geäußerten "Wunsche nachzukommen und so nach seinen Kräften zur Herbeiführung solcher Erfolge beizutragen; nur müssen wir uns etwas näher ansehen dürfen, was darin eingeschlossen ist. Auf den ersten Blick scheinen nun Delitzschs Anforderungen nicht allzu groß zu sein. Aber je weiter man eindringt, um so mehr Fragezeichen sieht man sich genötigt anzubringen, und folgt man vollends den leisen Fingerzeigen, die hier und da auf weitere Zusammenhänge führen, so dehnt sich das beanspruchte Grebiet weiter, als man anfangs gedacht. Nur wenige Beispiele mögen das erläutern. Es ist doch eine unerlaubte Ausbeutung des Nachweisbaren, wenn es als unzweifelhaft bezeichnet wird, „daß wir die in der Sabbat- bezw. Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle im letzten Grunde jenem alten Kulturvolk am Euphrat und Tigris verdanken" 2 ). Daß ') S. 4. Der Sinn dieser Andeutung ist erst durch den zweiten Vortrag recht klar geworden: Delitzsch denkt an eine tiefgreifende Beform der religiösen Vorstellungen in unsrer Gemeinde und brennt vor Eifer, dazu mitzuwirken. Wie weit er dazu berufen ist, hat das Vorwort schon kurz erörtert. *) S. 29. 1 *



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„das alttestamentliche Opferwesen und Priestertum von dem babylonischen tiefgehend beeinflußt ist" 1 ), hat uns besonders Paul Haupt vorgetragen 2 ); es kann, richtig begrenzt, vielleicht anerkannt werden, stammt doch gerade dieser Teil der Gesetzgebung Israels aus einer Zeit, die babylonischen Einflüssen vor allen anderen offen stand 3 ). Deutlich bekennt sich Delitzsch gegen den Schluß seines Vortrags zu Wincklers Lehre von dem kanaanäischen Ursprung der ersten babylonischen Dynastie in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr.; ebenso deutlich an der gleichen Stelle zu der Hommels von dem Monotheismus dieser kanaanäischen oder nachHommel arabischen Eroberer4). Sie haben Gott El, d. h. nach der zuversichtlich gebilligten Deutung Lagardes „Ziel" genannt, dieses Ziel aber kann, so schließt Delitzsch, naturgemäß nur eines sein5), also bedeuten die schönen Eigennamen jener Zeit, „Gott hat gegeben", „Gott mit mir", „Mit meines Gottes Hilfe wandle ich" ein Bekenntnis zu dem einen Gott. Und diesen einen Gott nennen eben diese kanaanäischen Stämme bereits Jahwe, d. i. der Seiende, der Beständige, der nicht, wie wir Menschen, schon morgen ein Gestern ist, sondern über dem in ewiger Gesetzmäßigkeit prangenden Sternenzelt lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit". ») S. 28. 2 ) Babylonian elemente in the levitic ritual, Journal of Biblical literature XIX, 1900. 3 4 ) Vgl. unten S. 38. ) S. 46 f. B ) D. ändert in der folgenden Auflage in „Und indem ihnen die göttliche "Wesenheit als eine einheitliche erschien", eine Abschwächung, die an die Stelle des Selbstverständlichen ein unlösbares Rätsel setzt.



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„Dieser J a h w e also ist ein uraltes Erbteil jener kanaanäischen Stämme, aus welchen dann nach Jahrhunderten die zwölf Stämme Israels hervorgehen sollten." 1 ) Es wäre unbillig, wollte man von solch feiernden, begeisterten Worten wasserhelle Klarheit verlangen; aber daß sich Delitzsch hier die Ergebnisse Wincklers und Hommels in der Hauptsache aneignet, dürfte doch ebenso unzweifelhaft sein, wie daß dadurch das Alte Testament seiner religionsgeschichtlichen Bedeutung so gut wie völlig entkleidet wird. Mit dem Verweis auf die genannten Gelehrten ist schon gesagt, daß die Forderungen, die Delitzsch ausspricht, den Vertretern des Alten Testaments durchaus nichts Neues sind. Seit mehr als drei Jahrzehnten vielmehr haben wir uns bestrebt ihnen nachzukommen, und wir feiern gerade in diesem Jahre und in dieser guten Stadt 2 ) das dreißigjährige G-edächtnis des ersten Buches, das uns dabei in umfassendem Maße zu Hilfe zu kommen suchte. Erschien doch im J a h r e 1872 hier in Gießen in der Rickerschen Buchhandlung zum ersten Male das Buch „Die Keilinschriften und das Alte Testament", das höchst verdienstliche Werk des Altmeisters der deutschen Assyriologie EberhardSchrader, damals Professors des Alten Testaments in der hiesigen theologischen Fakultät. Wie sich die Zeiten seitdem geändert haben, läßt sich an diesem Werke am allerr

) Diese Sätze hat D. in den Anmerkungen zu dem Vortrag Babel und Bibel, Sonderdruck S. 71 ff. besonders eingehend verteidigt, aber auch hie und da eingeschränkt; eine gehaltvolle Beleuchtung seiner Ansprüche bietet Fr. Giesebrecht, Friede für Babel und Bibel S. 37—47. 2 ) Der Vortrag wurde am 26. Mai 1902 in Gießen gehalten. *



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besten verfolgen, trägt doch seine dritte Auflage, nunmehr nach Berlin übergesiedelt, die Ziffer des laufenden Jahres 1902. Wir wollen uns daher, um die Ansprüche kennen zu lernen, mit denen die Ausgrabungen heute dem Alten Testamente gegenübertreten, statt an die leisen Andeutungen, über die Delitzschs Vortrag naturgemäß nicht hinausgehn konnte, in erster Linie an dieses Werk halten, das den Gegenstand als solchen und eingehend behandelt. Läßt sich auch, was wir da sehen und lernen, nicht ohne weiteres verallgemeinern, so wird doch die Nutzanwendung auf andere Verhältnisse unschwer zu vollziehen sein. Durch einen Schlaganfall leider aller wissenschaftlichen Tätigkeit entzogen, hat Schräder die Arbeit diesmal jüngeren Händen überlassen müssen, und es sind zwei hervorragende Assyriologen, Heinrich Zimmern und der, den ich wiederholt nannte, Hugo Winckler, an seine Stelle getreten. Nicht ohne erhebliche Änderungen in der Anlage des von Grund aus neu gefaßten Werkes. Zwar was der Zusatz in sich schließt, den der Titel erhalten hat, „mit Ausdehnung auf die Apokryphen, Pseudepigraphen und das Neue Testament", wird jedem willkommen sein und brauchte die Eigenart des Buches in keiner Weise zu treffen. Dagegen sind die Bedenken, die mancher mit mir der Umwandlung des glossatorisch angelegten Werkes in eine systematische Darstellung entgegengebracht haben wird, durch die zu Ende des verflossenen Jahres erschienene erste Hälfte des Buches, Geschichte und Geographie von Hugo Winckler, in einem Maße gerechtfertigt worden, wie es doch wohl



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niemand erwartet hätte. Allerdings verspricht das Vorwort, man werde nach Möglichkeit nur die wirklich gesicherten Resultate der Keilschriftforschung vorlegen und jedenfalls den Unterschied zwischen urkundlichen Tatsachen und bloßen mehr oder weniger sicheren Kombinationen stets streng hervortreten lassen. Aber beides wird in dem Buche so wenig verwirklicht, daß es statt „Die Keilinschriften und das Alte Testament" viel besser den Namen führen würde „Der Keilinschriftler und das Alte Testament". Ein schrankenloser Panbabylonismus läßt Winckler im Grunde alle anderen Völkerpersönlichkeiten in dem alten Vorderasien vernichten und verneinen. Was sie etwa an Eigenlicht besessen haben, das haben sie zu dem großen Sonnenherd Babel beigesteuert, um es nur aufgelöst in dessen Schein und mit diesem wiederzuerlangen. I n der festen Uberzeugung, daß er gar keinen Erscheinungen begegnen könne, die nicht bis in ihren Kern babylonischen Ursprungs seien, glaubt Winckler auf die Dauer im einzelnen auf den Nachweis dafür völlig verzichten zu dürfen und gestaltet ohne weiteres die vorgefundene Überlieferung vom babylonischen Standpunkte aus, so wie er ihn versteht, um, bis sie kaum mehr wiederzuerkennen ist. Daraus erklärt es sich, daß er keineswegs wie ehedem Schräder zu denjenigen israelitischen Königen schweigt, die durch kein urkundliches Band mit dem Zweistromlande verknüpft sind, sondern gerade von ihnen, von Saul, David, Salomo in erster Linie, am meisten zu sagen weiß und uns so einfach eine zusammenhängende israelitische Geschichte von seinem Standpunkte aus bietet.



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Daß Kanaan, und mit, ja vor ihm natürlich, der Streifen von Kulturland, der es in einem nordöstlichen Bogen mit dem Zweistromlande verbindet, bereits im 2. Jahrtausend v. Chr., vor der Einwanderung Jsraels, mit babylonischer Kultur gesättigt oder, wie Delitzsch es in seinem Vortrage ausdrückt, „vollständig eine D o m ä n e d e r b a b y l o n i s c h e n K u l t u r war" 1 ), h a t man seit der Auffindung und Entzifferung der Tellel-Amärna-Tafeln sich gewöhnt als ein Axiom zu betrachten, das weiteren Beweises nicht mehr bedarf. Aber dessen hatte man sich doch immer noch getröstet, daß Arabien, die geheimnisvolle "Wiege der semitischen Völkerfamilie, von dieser alles gleichmachenden Hochkultur ziemlich unberührt geblieben und bis in späte Zeit imstande gewesen sei, rein semitische, naturwüchsige, mit kräftigem Eigentrieb begabte Völkerpflanzreiser herzugeben 2 ). Das ist f ü r Winckler nur eine wissenschaftliche Legende, die er schonungslos zerstört durch die Behauptung und den versuchten Nachweis, daß „Arabien schon im höchsten ») S. 28. 2 ) A. Jeremias, Im Kampfe um Babel und Bibel S. 19, 3. Aufl. S. 21 f. läßt „die herrschende Geschichtskonstruktion in urisraelitischer Zeit ein p r i m i t i v e s Nomadenleben voraussetzen, mit primitiven religiösen Vorstellungen usw." Gegen diese Übertreibungen hat schon Fr. Giesebrecht, a. a. 0. S. 11 ff., mit Eecht Einsprache erhoben. Wir wissen die Stufen des Nomadentums wohl zu unterscheiden, wissen aber ebenso gut, daß bei weitem der größte Teil Arabiens einer Hochkultur niemals fähig gewesen ist, und wieviel oder wiewenig es bedeutet, wenn Jeremias als Vertreter der „Kultur Arabiens" in ihrem Einfluß auf das alte Israel Jethro in Midian, den Schwiegervater Moses, den Hirten am Sinai, anführt.



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Altertum dem vorderasiatischen Kulturleben bereits ebenso erschlossen gewesen sei wie in den Zeiten des Islam" 1 ), daß der Babylonismus also Arabien schon im 2. und 3. Jahrtausend v. Chr. ebenso durchdrungen und durchsetzt habe, wie das ganze übrige Vorderasien2). Auf dem untersten Grunde dieser Kultur aber liegt die babylonische Religion, die das Geistesleben und vor allem seine Blüte, das Schrifttum der Völker, völlig beherrscht. Mit diesen Voraussetzungen tritt Winckler an das Alte Testament heran. E r erklärt daraus nicht nur dessen Urgeschichte und Vätersage; sondern das im voraus festgestellte und an jenen erprobte mythologische Schema legt er weiter auch an die Königszeit an und löst damit flugs alle ihre Siegel. Erstaunt fragt man sich, warum diese Behandlungs- und Betrachtungsweise mit Salomo oder höchstens 8) Rehabeam plötzlich abbricht und wir weiterhin, von einem gelegentlichen mythologischen Wetterleuchten abgesehen, auf einmal schlichte Staatengeschichte erhalten? An mangelndem Zeitabstand liegt das nicht; denn die älteste G-eschichtsdarstellung, nachWinckler die Quelle E , ist ihm erst zur Zeit des Ahas, in den letzten Jahrzehnten des Nordreichs, verfaßt 4 ), sodaß zur Ausbildung des Mythus Zeit im Überfluß bliebe. Auch nicht an der zunehmenden Helligkeit des Zeitalters; unterliegt doch nachWinckler die Geschichte des Perser) KAT 8 , S. 137. ) Vgl. dazu jetzt noch die nach Abfassung dieses Vortrags erschienene Schrift Hugo Wincklers, Arabisch-Semitisch-Orientalisch (Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft, 1901, 4.5). 3) Geschichte Israels II, S. 287. 4) KAT 3 , S. 222. J

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reiches wie die Alexanders des Großen usw. genau den gleichen mythologischen Gesetzen, ja, wie er uns lehrt 1 ), „zeigt ein Einblick in das "Wesen orientalischer Weltanschauung, daß sie auch die historische Tatsache s t e t s 2 ) in der Form des Mythus erzählt". Auch durch die Kürze der Berichte, durch Stoffmangel, kann der "Wechsel der Deutung nicht bedingt sein; denn wenigstens f ü r die Zeit Ahabs sind wir darin besonders günstig gestellt 3 ). Aber halten wir uns an die früheren Zeiträume: wie lautet n u n das "Wincklersche Gesetz f ü r die mythische Darstellungsweise, die Formel, von der sie beherrscht wird? Es gilt danach 4 ) f ü r den antiken Geschichtschreiber, die Königs-, Richter-, Patriarchenreihe als einen Cyklus nachzuweisen, welcher dem himmlischen Cyklus entspricht. Denn die Zeiträume und die Geschichte werden als Ausfluß des "Waltens der Götter dargestellt. "Wie diese sich in den Bewegungen der Himmelskörper offenbaren, und wie sie die verschiedenen Erscheinungen der Natur darstellen, so entsprechen ihnen die Könige als ihre Vertreter auf Erden und deren Schicksal bestimmt sich nach dem der ihnen 3 ') KAT. 3 , S. 209. ) Von mir gesperrt. 3 ) A. Jeremias antwortet, a. a. 0. S. 21 £., 3. Aufl. S. 24 f., die mythologische Darstellungsform spiele eine besondere Rolle, wenn es sich um Inaugurierung einer neuen Zeit handle, Ahab aber gehöre nicht zu den Anfängern einer Epoche. Das ist doch kaum mehr als eine Yerlegenheitsauskunft. Das Haus Omri hat vier Herrscher geliefert, und, ob im guten oder bösen, schnitt seine Wirksamkeit tief genug ein. Und von dem Hause Jehu gilt das in noch höherem Maße. Zudem mußte der Grundsatz erst ad hoc geschaffen werden. 4 ) KAT 3 , S. 223.



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entsprechenden Gottheiten. Das Schema dieses himmlischen Cyklus aber ist das der obersten Gottheiten Mond (als Vater), Sonne (als Sohn), Morgenstern (als Tochter). Doch hat der Cyklns darum nicht drei Einheiten. Vielmehr verläuft das Leben der Natur in zwei Jahreshälften, Sommer und Winter, und dem entsprechend kann sich auch jede der drei großen Gottheiten in zwei Personen zerlegen. Eine Eigentümlichkeit der „kanaanäischen" Volksgruppe ist es, daß sie diese Zweiteilung regelmäßig bei der dritten Gottheit eintreten läßt, sodaß diese sich in die zwei Hälften der Natur, Sommer und Winter, zerlegt und der Cyklus damit vier Einheiten gewinnt. So ist denn der Uberlieferung Saul der Mond, Jonathan die Sonne, David die eine, Salomo die andere Hälfte der Jahresnatur; d. h. jede ihrer Handlungen wird von der Überlieferung so gedeutet und gedreht, daß eine Beziehung auf die ihnen entsprechende Gottheit herauskommt. Da Winckler daneben auf der Geschichtlichkeit des Kerns entschieden besteht, so wird es natürlich die Aufgabe des Geschichtsforschers sein, diesen Kern von den Schalen der mythologischen Einkleidung zu befreien. Das ist bei solcher Sicherheit über die Ziele der letzteren eine dankbare und leichte Aufgabe, es müßte denn geradezu einmal die geschichtliche Wirklichkeit der mythologischen Deutung in die Hände gearbeitet haben, ein unglückliches Zusammentreffen übrigens, das Winckler selbst kaum zu fürchten scheint. Dies sind die großen Umrisse des neuen Schlüssels zur Alten Geschichte, den Winckler zur Anwendung bringt. Das Verdienst der Entdeckung fällt nicht ihm zu, sondern, wie er selbst an-



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gibt 1 ), Ed. Stucken, der von einem großen Werke „Astralmythen der Hebräer, Babylonier und Ägypter" 1896 den 1. Bd. Abraham, 1897 den 2., Lot, 1899 den 3., Jakob, 1901 den 4., Esau, herausgegeben hat. Man wird Winckler nicht vorwerfen dürfen, daß er uns, denen es um das rechte Verständnis der Bibel zu t u n ist, zu lange auf die Verwertung dieser Erkenntnisse habe warten lassen 2 ). — Welterschütternde Entdeckungen solcher Art, wie sie sich auf allen Gebieten in nicht zu großen Abständen einzustellen pflegen, sind meist, auch wenn man von ihrer Unhaltbarkeit fest überzeugt ist, schwer unmittelbar zu fassen und umzuwerfen. Aber, wodurch dies immer besonders erschwert wird, das liefert zugleich den besten mittelbaren Beweis ihrer Hinfälligkeit. Ich meine den Mangel an Folgerichtigkeit und die zahllosen Möglichkeiten, Freiheiten, Hilfsannahmen, mit einem Worte Hinterpförtchen aller A r t , die man sich offen hält, vermöge deren das neue Gesetz füglich auf jeden, auch den widerstrebendsten Stoff anwendbar wäre. Das läßt sich auch bei Wincklers Lehre, r

) Gesch. n , S. 276. ) Als überzeugter Verteidiger der Anwendung dieses astralmythologischen Schemas auf die alttestamentliche Geschichtsdarstellung ist Jeremias a. a. 0. S. 20 ff., 3. Aufl. S. 23 ff. aufgetreten. Er macht kein weiteres Zugeständnis, als daß einzelne Beispiele angreifbar sein, daß oft genug der Zufall spielen möge. Die Menge der Fälle wirke doch schließlich überzeugend. Wenn er aber die Einwirkung dieser Darstellungsform auf die Tatsachen darauf beschränkt, daß sie „Kleinigkeiten zurechtrücke und Zahlen zu gunsten irgend eines Schemas leise ändere", so legen doch "Wincklers Werke gegen eine solche Unterschätzung seiner Pfadfinderarbeit sehr entschiedenes Zeugnis ab. 2



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deren Anwendung er uns bereits im Jahre 1900 im zweiten Bande seiner Geschichte Israels viel ausführlicher dargeboten hatte, nach allen Richtungen nachweisen. Hier nur einige Beispiele und Fingerzeige! Wo uns Winckler zum ersten Male die Erde als Spiegelbild des Himmels darstellt 1 ), da hören wir, daß jeder Gott am Himmel seinen TS|AEVO(;, sein templum, seinen Abschnitt besitze, und daß diesem ein Abschnitt auf der Erde als sein L a n d , der zu seinem Tempel gehörige Bereich entspreche, in dem er als Herr walte. Das läßt sich hören und belegen. Ist doch sicherlich Marduk der Herr von Babel, der Mondgott Sin der von Ur und von Haran, Ba'al-Melkart der Herr von Tyrus, Astarte die Herrin von Byblos usw. Nun entsprechen aber doch Städten und Ländern die Könige; man sollte also denken, daß in der Königsreihe desselben Reichs auch desselben Herrengottes Taten und Schicksale sich wiederspiegelten. Statt dessen kreuzt sich nun, nach dem weiterhin aufgestellten Gesetze, mit der örtlichen Herrschaft die zeitliche, sodaß in der Sonnenstadt Babel Mond und Morgenstern, in der Mondstadt Haran Sonne und Morgenstern, in der Yenusstadt Byblos Sonne und Mond dem Herrn der Stadt ins Handwerk pfuschen. Fast scheint es, als wenn Winckler ursprünglich einer nach Ländern und Völkern unterschiedenen Herrschaft hätte den Vorzug geben wollen; denn alle drei Patriarchen Israels, Abraham, Isaak und Jakob, sind ihm Mondheroen. Mit den Haaren herbeigezogen wird die Erklärung dieses auffallenden dreifachen Anfangs derselben Reihe. KAT3, S. 157 f.



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Abraham bedeutet nämlich den Mondgott f ü r das Zwillingszeitalter, „sein Abklatsch Isaak" f ü r die Stierzeit, Jakob f ü r die Zeit, wo der Frühjahrsanfang in den Widder fällt. Das letztere soll darum ganz in der Ordnung sein, weil das 8. Jahrhundert, in dem der Schreiber lebte, bereits in dieses Zeitalter fällt 1 ). Aber was geht denn den Erzvater Jakob die Zeit seines Biographen an, und sind denn Abraham und Isaak nicht nach Winckler frühestens zu derselben Zeit mythologisiert wie jener? Indessen neben dieser Ausk u n f t und unbekümmert um sie wird doch auch noch eine andere geboten. Der Mondheros Abraham hat neben sich einen Bruderdioskuren Lot, der mit ihm nicht vereinigt sein darf, ursprünglich die Sonne 2 ). Seine Schwester und Gattin Sara ist „ihrem Wesen nach klar bestimmt.: sie ist die Istar der babylonischen Mythologie. Abraham ist also in dieser seiner Rolle ihr Bruder und Gemahl Tammuz-Adonis" — damit wäre, indem Abraham doppelt gerechnet wird, die Vierzahl glücklich erreicht und der Cyklus schon bei dem ersten Patriarchen abgeschlossen. Freilich gerät dieser damit geradezu in Gefahr zum Sonnenheros zu werden. Aber Winckler fährt wörtlich fort: „Da beide (Abraham und Sara) Geschwister sind, müssen sie e i n e n Vater haben. Das ist bei den Babyloniern der Mondgott Sin. Wir würden also von diesem Anhalt darauf schließen, daß die Gottheit, als deren heroischer Niederschlag dieser Abraham gelten soll, im wesentlichen der M o n d g o t t war" 3 ). Es kann danach auf diesem mythologischen Boden recht gut jemand zuGesch. H, S. 284.

-) Ebendort.

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) Gesch. II, S. 23.



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gleich, er selbst und sein eigener Vater sein. Die Freiheiten gehn aber noch viel weiter. Eine jede der drei Gottheiten „enthält zugleich ihr andres geschlechtliches Gegenstück, sodaß daneben auch weibliche Mond- und Sonnen- und männliche Venusgottheit vorkommt". Ja, das letztere ist die Regel f ü r das dem „kanaanäischen" Gebiete zugehörige Alte Testament, insofern dort statt der dritten Obergottheit „die beiden Hälften der Jahresnatur oder des Tammuz, des männlichen Prinzips der Istar-Astoret" eintreten 1 ). Bedenkt man nun, daß dieser selbe Tammuz, der Adonis der Griechen, den Sonnenlauf darstellt 2 ), daß in der Tat Sonne und Venus - Istar uns als Geschwister - Gatten vorgeführt werden 8 ), so ergibt sich die weitere Freiheit, daß der an zweiter Stelle bereits waltende Sonnengott in anderer Gestalt auch die dritte, ja die dritte und vierte Stelle ausfüllen kann. Wie spielend leicht sich dabei allerlei Übergänge und Stellvertretungen vollziehen, sieht man an der Fortsetzung der Patriarchensage. Nachdem die Reihe mit Jakob zum dritten Male begonnen ist, folgt zunächst ihm, dem Mondheros, Esau, der Zwilling, als Sonne, unbeschadet des Umstandes, daß er nicht Jakobs Sohn, sondern sein Bruder ist; denn, sagt Winckler, „die Sonne wird in den verschiedenen Systemen verschieden untergebracht". Freilich trägt nun auch Jakobs Sohn Joseph die Züge des Sonnengottes; aber weil der bereits vergeben ist, werden auf Joseph die T a m m u z m y t h e n übertragen, und zwar vereinigt er dessen beide Gestalten in sich, wenn er in den b o r (die Grube) geworfen und daraus >) KATs, S. 223.

a

) KAT8, S. 19.

3

) KAT3, S. 139.



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wieder „erhöht" wird1). Indessen auch dabei bleibt es nicht. Vielmehr ist Joseph „andererseits" nur der in die Unterwelt gesunkene Tammuz, welcher in Ägypten stirbt, entsprechend der Südregion des Himmels, in der die Sonne im Winter steht, wenn Tammuz tot ist. Die Sonne im Frühjahr, d. h. vom Wintersolstitium bis zum Frühjahrsaequinoctium, stellt Mose dar, der nur bis zur Grenze des „Landes" gelangt. Das nächste Sonnenviertel, bis zur Sommersonnenwende, ist Josua, der Sohn Nüns, d. h. des Fisches, weil die Sonne beim Beginn ihres Wiederaufstiegs das Zeichen der F i s c h e verläßt. Endlich die Sommersonne ist Kaleb, dessen Name = keleb „Hund" den Hundsstern Sirius andeutet, der mit der Sommersonne seinen Kulminationspunkt teilt. — Diese Abwandlung des Systems ist schon darum bemerkenswert, weil der Cyklus hier von 4 auf 6 Stellen erweitert wird, noch mehr aber, weil Istar-Tammuz nicht, wie wir es von Winckler als Regel gelernt haben'2), mit dem Sommer, d. i. dem Frühjahrsaequinoctium, sondern mit dem Winter, dem Herbstaequinoctium, die Herrschaft beginnt. Ob Winckler selbst später diese Ausnahmen zu weitgreifend erschienen sind? Jedenfalls lesen wir jetzt in dem neuen Buche, zwei Jahre nach jener Aufstellung3), die Reihe: Jakob-Israel der Mond, Joseph die Sonne, Mose der Dod, d. h. Tammuz im Frühjahr, Josua Salm-Nebo, d. i. Tammuz im Winterhalbjahr Esau ist hier völlig ausgeschieden. — 2) KAT», S. 223. ») Gesch. II, S. 284. ») KAT 3 , S.225. *) KAT 3 , S. 19. Als wenn diese Selbstberichtigung Wincklers gar nicht vorläge, bietet A. Jeremias a. a. O. S. 22, 3. Aufl. S. 25 f; als besonders schlagende. Beispiele für das Spiel dieser astral-



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E s versteht sich von selbst, daß die Lebensgeschichte dieser Heroen, wie es die Regel verlangt, jedem dieser verschiedenen Götter, denen sie in den verschiedenen Versuchen gleichgesetzt werden, in ihrem ganzen Verlaufe entspricht. Man sieht gewiß aus diesen Beispielen hinreichend, daß es dem Gesetze an Dehnbarkeit nicht fehlt; j a , man erhält aus allem den Eindruck, daß die Geschichtschreiber es sich äußerst bequem machen und es am Ende ruhig bei der so oder so gewordenen Überlieferung lassen konnten. Waren sie doch jeder etwaigen Klage gegenüber stets in der Lage, die mythologische Rechtgläubigkeit der Darstellung nach dieser oder jener der vielen möglichen Abwandlungen des unverbrüchlichen Gesetzes zu beweisen. Von viel größerer Bedeutung sind diese E n t deckungen oder Behauptungen natürlich in ihrer Anwendung auf die Königsgeschichte, wo wir dem Vierercyklus, Mond, Sonne, Tammuz nach Sommer und Winter in Saul, Jonathan, David, Salomo wieder begegnen. Da erfahren wir, daß Saul, David, Salomo, obgleich geschichtliche Gestalten, doch so niemals geheißen haben, sondern in der Uberlieferung geradezu Gottesnamen führen; nur von Salomo wissen wir daneben seinen wirklichen Namen Daduja oder Jedidja 1 ). mythologischen Darstellungsweise eine ganze Gruppe von neckischanmutigen Anspielungen, in denen Joseph dennoch als der Tammuz, und zwar in dessen beiden Gestalten, erscheint. Joseph kommt eben doch bei jenem Bollentausch zu kurz, und so bleibt ihm seine andre Bolle daneben gewahrt. ') KAT», S. 224f., Gesch. II, S. 224f. Übrigens ist die Namensform Daduja nicht von L X X bezeugt, sondern nur, zuB u d d e , Das A. T. u. d. Ausgrabungen, 2. Aufl.

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Die Zeit verbietet, in dieses besonders unwegsame Dickicht tiefer einzudringen. Aber feststellen darf man doch, daß die vollständige Ersetzung der irdischen Namen durch die himmlischen gegen den Sinn des behaupteten Verfahrens selber streitet, weil man ja doch nicht der himmlischen, sondern der irdischen Herrscher Geschichte schreiben wollte; ferner, daß man nicht begreift, was Jonathan in der Königsreihe soll, ebensowenig, warum dem auf einmal ausnahmsweise ein ganz menschlicher Name zugestanden wird. Auch sonst wäre vielfach wieder die Hälfte mehr als das Ganze. Denn daneben spuken gerade wie in der Patriarchensage Doppelgänger hinein. Istar, die doch das Reich an ihren Gemahl Tammuz, d. i. David + Salomo, abgegeben, meldet sich daneben unverkennbar in eigener Person, nämlich inBatseba', der angeblichen Mutter Jedidja-Salomos, der in Wirklichkeit der Sohn Abigails ist. Ebenso unverkennbar aber, sogar mit einem ihrer eigenen Namen, tritt die Göttin hervor in Davids Tochter Tamar, in deren Vergewaltigung durch ihren Bruder Amnon der Mythus von Istars Ehe mit ihrem Bruder dem Sonnengott steckt. I h r Istar-Charakter offenbart sich besonders deutlich in dem K u c h e n , den sie bäckt, „der sonst der Astoret, der „Königin des Himmels" gebacken wird" x ). Man sollte denken, daß damit vielmehr Amnon zur Istar würde, weil doch die Kuchen f ü r ihn gebacken werden; aber dergleichen Umkehrungen sind ja in diesen Darstellungen nichts Befremdliches. erst von Klostermann, aus ihr erschlossen. Ygl. meinen Commentar zu II. Sam. 3, 3. >) Gesch. II. S. 227 f.



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Ich muß hier abbrechen. Alles, was ich bisher berührt, trifft noch nicht den schwersten Vorwurf, der gegen die neueste Ausgabe des Buches „Die Keilinschriften und das Alte Testament" erhoben werden muß. Denn — ob mit Recht oder nicht ist eine F r a g e f ü r sich — alles dies gibt sich doch immer noch als abgeleitet aus den Keilinschriften, aus dem babylonischen Altertum. Aber ungezählte andre Aufstellungen Wincklers, die mit jenen zu einem geschlossenen Geschichtsbilde zusammengewoben werden, haben mit den Keilinschriften nicht das Geringste zu tun, sondern sind vonWinckler nach seinem eigenartigen Verfahren lediglich aus den biblischen Texten abgeleitet. Das uns vorgelegte Buch ist in der Tat nichts anderes als ein Durchschnitt sämtlicher bisherigen Werke Wincklers, und wirklich wird unvergleichlich häufiger auf diese verwiesen, als, wie das Vorwort verspricht, auf die Inschriften selbst, insbesondere die in Schräders Keüinschriftlicher Bibliothek gebotene Auswahl. Nun wird jeder Alttestamentler die Mitarbeit Wincklers gebührend zu schätzen wissen und seinem bohrenden Scharfsinn, seiner unerschöpflichen Kombinationsgabe, seiner ungeheuren Arbeitsk r a f t trotz aller Vorbehalte doch seine aufrichtige Bewunderung nicht versagen. Gerade der heute zu Ihnen redet, ist durch wiederholte öffentliche Anerkennung der Verdienste Wincklers gegen denVerdacht geschützt, ihn herabsetzen zu wollen. Aber was uns in seinen Alttestamentlichen Untersuchungen, in seinen Altorientalischen Forschungen, in seiner Geschichte Israels, in den Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft und wo immer sonst, als Ausfluß einer 2*



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höchst subjektiven, mit unglaublicher Schnelligkeit schaffenden Begabung entgegenströmt, das soll nicht der Bücherei des Studenten und des Pfarrers als Füllung des einzigen Handbuchs dargeboten werden, in dem sie die gesicherten Ergebnisse der Denkmälerforschung zu finden erwarten 1 ). Sehen wir doch auf Schritt und Tritt, wie "Winckler die gewagtesten Vermutungen, zunächst noch als solche, aufstellt und gleich darauf sie zur Grundlage weiterer Schlüsse und Kettenschlüsse m a c h t , sodaß wenige Seiten weiter von der luftigen Natur des Grundsteins, auf dem das stattliche Gebäude beruht, nichts mehr zu spüren ist. Ein solches Verfahren ist berechtigt oder wenigstens begreiflich in einer ganz neuen Wissenschaft mit immer neu zuströmendem Stoff, wie es die Assyriologie ist. Da ist Rätselraten Trumpf, und riet man daneben, so schadet das nichts: der nächste Tag *) H. Zimmern vermißte in einer Zuschrift, mit der er die Übersendung meines Vortrags beantwortete, den Hinweis darauf, daß der Leser doch „auch sehr viel Schönes und Gutes über tatsächliche politische Zusammenhänge etc. in Wincklers K A T finde". Ich hatte geglaubt, das gehe aus meinem Vortrage klar hervor (vgl. noch unten S. 27), benutze aber gern die Gelegenheit es nun ausdrücklich zu bezeugen. Freilich bin ich nicht ganz der Meinung Zimmerns, daß sich dieser Bestand an Tatsächlichem „bei einigem guten Willen vom Leser sehr leicht von dem Hypothetischen scheiden lasse". Wohl aber halte ich es f ü r meine Pflicht dankbar darauf hinzuweisen, daß man des Schönen und Guten in Hülle und Fülle findet in dem inzwischen erschienenen zweiten Teil des Werks, „Religion und Sprache von Heinrich Zimmern", und daß hier in der Tat immer scharf zwischen Tatsache und Hypothese geschieden wird. Leider stand dem Verfasser z. T. an den wichtigsten Stellen der Baum f ü r eingehendere Behandlung nicht zu Gebote.



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schon kann es gut machen. Es ist aber unerlaubt in einer alten Wissenschaft wie die unsrige, mit einer begrenzten, aber festgegründeten und wohlgepflegten Uberlieferung. Der Panbabylonismus ist es, der in solchem Verfahren seine Riesenfaust auf das Alte Testament legt; es wird zu einer Domäne, zu einem kleinen Vorwerk n u r , der Keilinschriften gemacht, wie Kanaan nach Delitzschs Wort im 2. Jahrtausend vollständig eine Domäne der babylonischen Kultur war. Was Monotheismus der Jahwereligion ? E r kann nur auf einer monotheistischen Bewegung des großen Mutterlandes beruhen. Was Prophetismus? Die n e b i i m sind lediglich politische Agenten der Weltmacht. So sinkt a l l e s zusammen, was wir am Alten Testamente zu besitzen stolz waren. — Nicht nur von den Denkmälern des Zweistromlandes wollte ich reden, obgleich sie heute bei weitem das Übergewicht haben und wohl immer behalten werden. An sich droht uns der Angriff von jeder neuen Denkmälerfundstätte, besonders solange die Funde j u n g sind. Läßt doch z. B. die schwunghafte Verwertung der wenigen südarabischen Denkmäler, die bisher veröffentlicht sind, auf eine wahre Sturmflut schließen, wenn erst Ed. Glasers aufgespeicherte Schätze einmal in Kurs kommen werden. Es gehört nur guter Wille und ein ausreichend gesteigertes Selbstbewußtsein dazu, um aus dem Erze eines jeden der Kanaan umlagernden Länder einen Schlüssel zu schmieden, der alle Schlösser des Alten Testamentes auftut. Ich bin in der Lage, das durch eine wahre Greschichte zu beleuchten, der auch das angehängte Satyrspiel nicht mangelt. Einige Jahre ist es her, *



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da übersandte mir ein hervorragender, -wissenschaftlich bewährter und anerkannter Universitätslehrer — ich nenne absichtlich nicht einmal das Fach, das er vertritt, um jedes Raten abzuschneiden — ein kleines Buch, fix und fertig als Manuskript gedruckt. Es war darin der eingehende Nachweis geführt, daß der gesamte Erzählungsstoff des Hexateuchs und der älteren Geschichtsbücher des Alten Testaments, etwa in dem Umfang, den Winckler für das mythologische Schema Babyloniens in Anspruch nimmt, bis in die kleinsten Einzelheiten aus der ägyptischen Mythologie stamme. Der Verfasser knüpfte an seine Zusendung die Bitte, ich möge von dem Inhalte Einsicht nehmen und ihm offen sagen, ob ich zu der Veröffentlichung raten könne oder nicht. Ich darf versichern, daß das Buch nicht weniger Geist und Scharfsinn verriet, als Wincklers und seiner Gewährsmänner Ableitungen aus der babylonischen Mythologie. Die wunderbare Ubereinstimmung zwischen den alttestamentlichen Geschichten und ihrer ägyptischen Vorlage war oft genug geeignet, Einem schwindeln zu machen; aber immer wieder brach doch die klare Einsicht in die Unnatur solcher erkünstelten und erquälten Gleichsetzungen hindurch. Ich t a t mein Bestes, mich f ü r das Vertrauen des geschätzten Kollegen durch schlichte Darlegung meines Widerspruchs dankbar zu erweisen. Diese Mühe wurde mir reichlich gelohnt durch die Mitteilung des Verfassers, daß er von der Veröffentlichung seiner Entdeckung Abstand genommen habe. Vielleicht war bei dieser Entscheidung auch ein Histörchen mit ins Gewicht gefallen, das ich damals ganz frisch erzählen konnte. Nicht lange vorher



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hatte ich in einer englischen Zeitschrift über ein Buch eines klassischen Archäologen berichtet, der von bildlosem Grottesdienst im griechischen Altertum Kunde gab und beiläufig auch eine Erklärung f ü r das Wesen der Bundeslade des Alten Testaments darbot 1 ). Bald darauf sandte mir die Redaktion ein von ihr abgelehntes Manuskript in englischer Sprache, das mit großem Eifer gegen jenen wie gegen mich Einspruch erhob und den zwingenden Nachweis führte, daß der ganze Bestand der alttestamentlichen Sagen aus der altirischen Götterlehre herstamme, wie denn überhaupt die Wanderung der Menschheit und die Besiedelung der Länder im hohen Altertum nicht von Südosten nach Nordwesten, sondern von Nordwesten nach Südosten, von Irland über Gallien, Spanien, Nordafrika nach Ägypten und Asien vor sich gegangen sei. Die Sache ist gewiß recht harmlos, aber doch nicht ganz so lächerlich, wie sie scheinen mag. Sicherlich wenigstens würden meine beiden Geschichten auf Winckler nur sehr geringen Eindruck machen. E r würde einfach den Spieß umdrehen, die Bewegung vom Osten, von Babel ausgehn lassen, und sich durchaus nicht wundern, wenn die Gemeinsamkeit des mythischen Untergrundes auf jeder Station der Reise, und wäre es bis nach Irland hin, von neuem zu Tage träte 2 ). Aber zweierlei ist doch wohl zu beachten. *) Vgl. jetzt Zeitschr. f.d. alttest.Wissenschaft 1901, S. 193 ff. ) Ed. Stucken, der Gewährsmann Wincklers in astralmythologischen Dingen, erklärt es in den Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft 1902, IV S. 1 f. für eine irrtümliche Ansicht, der er selbst bis vor einigen Jahren gehuldigt habe, daß 2

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Weder der Vertreter Ägyptens, noch der Irlands teilten Wincklers mythologisches Schema, noch waren sie untereinander einig und ebensowenig mit irgend einem der Vorgänger, die uns im verflossenen Jahrhundert mit einem jetzt verschollenen System der hebräischen Mythologie beglückt haben. "Wie weiter Spielraum der fruchtbaren Einbildungskraft des Einzelnen in diesen Dingen offen steht, das wenigstens dürfte damit ausreichend bewiesen sein. Dafür können wir auch "Winckler selbst zum Zeugen aufrufen und rechnen ihm das zur Ehre an. Im Vorwort zum zweiten Bande seiner Geschichte vom 18. August 1900 bekennt er folgendes: „Die hier gegebene Untersuchung ist niedergeschrieben zu Ende 1898, sie war beendet am 20. Degewisse Ähnlichkeiten zwischen biblischen und babylonischen Legenden nur durch l i t e r a r i s c h e (man darf wohl hinzusetzen „oder kulturelle") Beeinflussung von Seiten der Babylonier zu erklären seien. Die Religion sei Gemeingut der Menschheit; zugleich mit der Ausbreitung der Menschheit über den Erdball sei auch die Ausbreitung der mythologischen Vorstellungen über den Erdball erfolgt. E s sei daher völlig verfehlt anzunehmen, daß eine Legende, wenn sie uns zufällig gerade in babylonischer Form vorliege, eben deshalb das Prototyp derselben Legende in biblischer Form sein müsse. Es könne sich auch umgekehrt verhalten. Beim heutigen Stande der vergleichenden Religionswissenschaft sollte man von E n t l e h n u n g e n überhaupt nicht reden. So weit seien wir noch lange nicht. Ein Ding der Unmöglichkeit sei es, von den babylonischen Mythen einzig und allein ausgehend, den Schlüssel zu den biblischen, griechischen und sonstigen Mythen zu finden. Das ist eine unmißverständliche Absage gegenüber dem Panbabylonismus, sicherlich von Grundsätzen ausgehend, die ihm überlegen sind, so wenig damit der Nachweis eigentlicher Entlehnung für bestimmte Einzelfälle ausgeschlossen werden kann.

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zember dieses Jahres. Das Werk hat dann ein J a h r lang gelegen und war bereits bestimmt nicht nur nonum in anmun, sondern der Ewigkeit entgegen zu reifen." Eben als Unterlage und Begründung für die neue Ausgabe von Schräders Werk hat er es dann doch erscheinen lassen ; aber wenn er anfangs gesonnen war es für sich zu behalten, so kann doch der Grund kein anderer gewesen sein, als die Einsicht in die Unmöglichkeit, oder doch der Zweifel an der Möglichkeit, auf diesem Wege zu sachlichen und darum überzeugenden Ergebnissen zu gelangen. I n der Tat muß es einleuchten, daß durch solches Verfahren jede Einheit der alten Überlieferung unfehlbar sovielmal vervielfältigt werden muß, als findige Geister darangehn sie zu deuten; denn daß zwei Bearbeiter auf die gleiche Deutung verfallen sollten, ist so gut wie ausgeschlossen 1 ). Darein müßten wir uns freilich seufzend schicken und die Entwertung unseres Uberlieferungsschatzes ratlos beklagen, wenn diese Deutungsweise wenigstens grundsätzlich als richtig anerkannt werden müßte. Das aber ist nicht der Fall, und ich werde nun dazu Übergehn, dies zunächst von den Keilinschriften, sodann von dem Alten Testament aus in aller Kürze darzulegen. Es ist, um mit Wincklers besonderer Lehre *) Einen sehr hübschen Beweis für die Möglichkeit, jeden beliebigen Stoff astralmythologisch auszudeuten und zu verflüchtigen bietet Georg Lasson, Kirchliche Wochenschrift, Lit. Beiblatt, Januar 1903, an der Hand der Familienverhältnisse unseres Kaisers. Der Scherz ist nicht neu, vgl. den Aufsatz C o m m e quoi N a p o l é o n n'a j a m a i s e x i s t é , den A. Kuenen zum Ausgang seiner herrlichen Ausführungen über „Kritische Methode" (Gesammelte Abhandlungen zur Biblischen Wissenschaft, S. 3 ff.) gemacht hat.



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zu beginnen, das von ihm behauptete mythologische Schema in Babylon selbst nicht nachzuweisen, -vielmehr unter seinen Fachgenossen lediglich sein Eigentum a). I n der G-eschichtschreibung Alexanders des Großen, die Winckler immer wieder als seine stärkste Stütze benutzt, herrscht jedenfalls auch nach seinen Gewährsmännern nicht das "Wincklersche Schema 2 ). J a , selbst der A l e x a n d e r r o m a n , der von der Geschichtschreibung über diesen Zeitraum trotz aller Histörchen und Märchen, die auch in diese eingedrungen sein mögen, doch noch wohl zu unterscheiden ist, folgt überhaupt nicht einem geschlossenen mythologischen Schema, sondern schachtelt Stoffe der verschiedensten Zeiten und Orte wirr ineinander 3 ). — Viel zu weitgehende Schlüsse hat man aus den Tell-el-AmärnaBriefen gezogen. Die verblüffendste Tatsache, die wir daraus gelernt haben, ist gewiß die Herrschaft der babylonischen Sprache und Schrift in der diplomatischen Korrespondenz des 2. Jahrtausends vom Euphrat bis zum Nil. Aber der eigentliche Inhalt dieser Tatsache ist doch nur der, daß die staatliche Entwickelung und die Lebhaftigkeit des Verkehrs überhaupt eine diplomatische Sprache zum Bedürfnis machte. Da dies der Fall war, so wird jeder kleine Stadttyrann sich schon aus Ehrgeiz einen Schreiber zugelegt haben, der diese Sprache wohl oder übel verstand und zu *) Auch A. Jeremias, der so manches Erwünschte nachliefert, läßt uns danach vergeblich ausschauen. 2 ) Vgl. besonders Oh. Mücke, Vom Euphrat zum Tiber, Untersuchungen zur alten Geschichte, 1899, S. 59 ff. *) W. Kroll, Der griechische Alexander-Roman, Beil. z. Allgemeinen Zeitung, 1901, No. 38 vom 15. Februar.



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schreiben wußte; aber f ü r den allgemeinen Bildungsstand, f ü r die Tiefe des Eindringens babylonischer Kultur in die Gresamtbevölkerung dieser Länder ist doch damit noch kein Maßstab gegeben — Vielleicht das anziehendste Kapitel in "Wmcklers neuem Buche ist das unter der Überschrift „Staat und Verwaltung", in dem er u. a. den geistigen Austausch in Vorderasien mit glänzenden Farben schildert. Selbst wenn wir dessen Inhalt im vollen Umfange annehmen wollten, was keineswegs geboten ist, so wäre doch noch nicht einmal f ü r das vorisraelitische Kanaan eine solche Ab*) Georg Lasson, a. a. 0., meint, „die Art, wie ich die unbequeme Tatsache einer zur Zeit der Eroberung Kanaans durch Israel in Palästina nachweisbaren literarischen Bildung zu beseitigen suche, mache einen recht wenig vertrauenerweckenden Eindruck". Ich kann versichern, daß ich keine Unbequemlichkeit verspürt und nichts zu beseitigen versucht habe. Hätte Mose wirklich den Pentateuch schreiben wollen, so hätte er gewiß auch den Schreiber dafür gefunden, und sollte etwa Lasson zu der Annahme neigen, daß er ihn in Keilschrift und babylonischer Sprache habe schreiben lassen, so steht dem technisch gar nichts im Wege. — Jeremias hält mir entgegen, daß keiner dieser Schreiber in Kanaan und Ägypten rein babylonisch zu schreiben wußte, und meint, ich würde meine Bedenken zurückziehen , wenn ich hörte, daß neuerdings auch in Elam ein „Amarna" mit wässerigem Babylonisch gefunden sei. Aber das alles spricht j a nur f ü r mich, wie mir denn die „kanaanäischen Glossen" in den Amarnabriefen keineswegs unbekannt waren. Man stümperte eben die diplomatische Sprache a d h o c , schrieb aber daneben in Ägypten Ägyptisch, in Kanaan sicherlich Phönizisch usw. Die Amarnabriefe beweisen f ü r ihre Zeit und f ü r Babel nicht mehr, als die Tatsache, daß man heutzutage in chinesischen Kanzleien Aktenstücke in europäischen Sprachen zu schreiben versteht, f ü r die Herrschaft abendländischer Bildung in China beweist.



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hängigkeit von der babylonischen Kultur bewiesen, wie er sie annimmt. Am wenigsten jedenfalls in religiöser Beziehung. Es ist ganz unwahrscheinlich und, was wir wissen, spricht dagegen, daß das alte Kanaan den Sterndienst Babyloniens als S y s t e m geteilt oder übernommen und derart gesetzmäßig verwendet hätte, wie Winckler voraussetzt. Die Baale Kanaans haben andere Wurzeln, so mannigfache Zusammenhänge nach jener Richtung sich auch nachweisen lassen. — Noch viel weniger läßt sich solche geistige Abhängigkeit für das alte Arabien behaupten. Die arabische oder kanaanäische Heimat der sogenannten ersten babylonischen Dynastie wird lediglich aus der Bildung der meisten Herrschernamen erschlossen; die aber ist nach der Auskunft, die ich von P. Jensen erhielt 1 ), eine g u t babylonische, und die Inschriften nennen gerade diese Dynastie im Unterschiede von allen anderen alten, auch noch älteren, die „babylonische". Der Behauptung Wincklers von dem regen Verkehr zwischen Babylonien und Arabien liegt die einzige Nachricht zu gründe, daß König Grudea um 2500 v. Chr. den Stein zu seinen Statuen aus Makkan, d. i. nach Jensen Arabien überhaupt, nach Wincklers eigener Deutung das ö s t l i c h e Arabien 2 ), ]

) Vgl. jetzt auch seinen Aufsatz in der Chr. "Welt, 1902, No. 21 vom 22. Mai. Entschieden wehrt sich dagegen Delitzsch in seinen „Anmerkungen" S. 70 f., vgl. auch Jeremias a. a. O. S. 8 ff. 2 ) KAT 3, S. 15. Jeremias, a. a. 0. S. 18 f., fügt noch eine Stelle von Sargon I. (um 3200 v. Chr.) und zwei von den Feldzügen seines Nachfolgers Naramsin hinzu. Aber nur die beiden letzteren dürften etwas beweisen, da bei Sargon nur von dem ..Westland" die Rede ist.



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bezog. Denkt man an Arabiens östliches Randgebirge — und ein Tor, wer Steine weiter herholt, als er muß — so ist das f ü r das untere Euphratgebiet begreiflich genug, beweist aber doch wahrlich nicht eine Durchtränkung ganz Arabiens, insbesondere seiner w e s t l i c h e n Gebiete, die f ü r uns fast allein in Betracht kommen, mit babylonischer Kultur. — Viel zu viel Kapital wird aus dem Bestände der Namen geschlagen, wobei man von der höchst unsicheren Überlieferung vieler alttestamentlichen und von dem weiten Spielraum, der durch die Umsetzung in die Laute und Zeichen anderer Sprachen geboten wird, den ausgiebigsten G-ebrauch macht. Alle ernsthaft in Betracht kommenden Völker haben einen starken gemeinsamen Bestand an Wortstämmen und Bildungen, sodaß für unabhängiges Entstehen der gleichen Namen günstige Bedingungen vorliegen; außerdem aber können Namen auf die Wanderschaft gehn, ohne daß unverändertes Fortbestehn des gleichen Inhalts gesichert wäre. Es ist erfreulich zu sehen, wie Winckler selbst dies bei Gelegenheit des vielberufenen Auftauchens des JahweNamens in verschiedenen Ländern hervorhebt 1 ). Ganz bedenklich aber ist es, die Gleichsetzungen durch Vermittelung von appellativischen Beinamen und Prädikaten zu vollziehen, wie Winckler das besonders liebt. Död Geliebter ist gewiß, ob nachweisbar oder nicht, ein guter Beiname f ü r Tammuz, den Geliebten Istars; aber es ist doch zu allererst, auch in der Bedeutung Verwandter, ein W o r t des täglichen Lebens und darum in der Abwandlung Daivid durchaus kein ») KAT », S. 209.



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Beweis für die göttliche Natur seines Trägers. Und wenn der Mondgott einmal den Beinamen bei purusse, der OraJcelgott, führt, so ist das doch kein Beweis, daß Saul (Sa'ül), als der Befragte gedeutet, den Mondgott bezeichne, statt einfach den Erbetenen, sei es schlechthin, sei es von einem bestimmten Gotte, dessen Name, wie so oft, abgestrichen wäre 1 ). Ungezählte Ausdeutungen so zweifelhafter Art bezeichnen den W e g solcher künstlichen Systeme. — Dasselbe gilt von den Zahlen. Von allen Einern zwischen 2 und 7 entgeht bei Winckler keiner, ob nun geschlossen auftretend oder durch Summierung erst gewonnen, der astrologischen Deutung 2 ); f ü r manche steht eine Auswahl zu Gebote. — Aber ebenso geht es mit den sachlichen Aussagen der Uberlieferung. Alle Mythologie pflegt mit den einfachsten, alltäglichen Verhältnissen, vor allem mit der Familie und ihren Wechselfällen zu arbeiten. So sind die nächstliegenden menschlichen Beziehungen und Erlebnisse die sichere Beute des Mythologen. Man kann keinen Bruder haben und keine F r a u , ohne ihm zu verfallen. — Solche Einwände gehn natürlich nicht in banausischer Weise gegen Mythologie und mythologische Deutung über*) Zu der Behauptung Wincklers, daß die Namen David, Saul und Salomo auffällig seien und nie wiederkehrten, teilt Jeremias a. a. 0., 3. Aufl. S. 26 eine Zuschrift Fr. Hommels mit, daß „in den Hammurabi-Kontrakten ja Da-vi-da-nu als Eigenname vorkomme und KB IV, 100 [unter Asur-niräri im 8. Jahrh.] auch Saulanu". Jeremias fügt hinzu, wenn das David und Saul heiße, so würde das nur die Hypothese unterstützen. Ich verstehe nicht, wie er das meint. Offenbar wäre Winckler dann widerlegt, ob in Babel oder Israel, wäre gleichgültig. 2 ) Gesch. II, S. 279 ff.



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haupt, sondern nur gegen den Mißbrauch ihres Handwerkszeuges. Gewisse Richtlinien zu ziehen, das sollte doch möglich sein. Jede Aussage hat ein Subjekt und ein Prädikat. Man darf doch wohl auch f ü r die mythologische Deutung verlangen, daß sie sich an einem von beiden ausweisen kann. Gehört die handelnde Person dem Mythos an, so darf man ihre Handlung, ob noch so menschlich, mythisch deuten. Trägt die Handlung mythisches Gepräge, so wird man mit einiger Vorsicht wenigstens auf einen mythischen Nebensinn ihres Urhebers zurückschließen dürfen. W o aber die Person unbestreitbar der Geschichte gehört und ihre Handlungen sich in dem Kreise dessen bewegen, was dieser Persönlichkeit im Leben entspricht, da muß doch viel zusammenkommen, um uns den Wortsinn verschmähen zu lassen. — Und endlich ein Letztes. Mythen haben sicherlich den Wandertrieb im Blute. Aber sie wandern nicht als geschlossene Heere, sondern einzeln treten sie ihre Reise an, wo immer nicht künstliche, gelehrte Übertragung, sondern unbewußtes Leben und Werden die bewegende K r a f t bildet. Und auf dieser Wanderung ändern die Mythen in ungezählten Fällen ihr innerstes Wesen. Am Ziele angelangt sind sie sehr oft nicht mehr Mythen, sondern Märchen und Geschichtchen, die leicht auch an hochgeschichtlichen Persönlichkeiten kleben bleiben, ohne daß man von ihrer ursprünglich mythischen Natur noch eine Ahnung hat und ohne daß diese Persönlichkeiten dadurch irgendwelchen mythischen Beigeschmack erhalten. Das alles sind landläufige W a h r heiten, die aber als Mahnungen zur Vorsicht und Nüchternheit, d. h. zu individueller Behandlung der



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Stoffe statt der alles gleichmachenden verallgemeinernden, wohl einmal in Erinnerung gebracht werden dürfen. Zu individueller Behandlung aber der alttestamentlichen Geschichte berechtigt und mahnt vor allen Dingen der Einblick in die Eigenart des Volkes Israel und seines Schrifttums. Um das kurz anzudeuten, setze ich ein bei einem äußerst wertvollen Zugeständnis Wincklers selber, das fast wie ein Selbstwiderspruch oder Widerruf klingt. Er sagt auf Seite 212 seines neuesten Werkes: „Wenn kein Volk und kein Mensch Erinnerungen und klare Vorstellungen über die Verhältnisse oder gar Ereignisse seiner vorgeschichtlichen Zeit bewahrt, so auch nicht Israel-Juda. Eine Überlieferung im Volksmunde namentlich nimmt sofort eine den neuen Verhältnissen entsprechende G-estalt an: die Vorstellung des seßhaft gewordenen B a u e r n weiß nichts mehr von dem Nomadenleben seiner Vorfahren. Wo dergleichen sich also findet, kann es nur Ergebnis späterer gelehrter Spekulation sein, die aber natürlich für uns gerade nicht mehr geschichtlichen Wert besitzt, als die eines mittelalterlichen Gelehrten über die Herkunft der Deutschen." Wenig später aber, auf S. 220, sagt er: „Durch die ganze Geschichtsauffassung des Altertums geht die Anschauung des A u t o c h t h o n e n t u m s , und wenn Israel scheinbar eine Ausnahme mit seiner Einwanderungslegende macht, so wirkt in dieser noch die frische Erinnerung der Tatsachen nach, aber das Autochthonentum wird durch die Vätersage hergestellt." Dies Zugeständnis bleibt als solches wertvoll, wenn sich auch Winckler von der geschehenen Einwanderung eine Vorstellung macht, die



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sich wesentlich von der der Überlieferung unterscheidet. Israel w u ß t e doch, eine sehr seltene Ausnahme unter den Völkern, die in der Weltgeschichte eine Rolle spielen, daß es in sein Land erst eingewandert war. Es bewahrte sich also ein gegensätzliches Selbstbewußtsein, es verwahrte sich gegen die Gleichsetzung mit den Mitbewohnern desselben Bodens. Dieses Bewußtsein aber beweist das Recht dazu, und dieses Recht kann durch nichts anderes gewahrt worden sein, insbesondere unter so schwierigen Verhältnissen, wie Israel sie in Kanaan vorfand, als durch seine ihm eigene Religion, den Jahwismus. Wiederum würde das selbst dann gelten, wenn J u d a , wie Winckler meint, seinen Gott erst durch David, der Norden noch viel später, erhalten hätte, was doch unmöglich ist. A n der Geschichte des Jahwismus aber können wir n u n die Volkspersönlichkeit Israels im wesentlichen unvermischt mit der anderer Völker verfolgen. Daß wir dies können, beruht vor allem auf der Eigenart der uns zur Verfügung stehenden Überlieferung. Nicht genug können wir es preisen, daß sie nicht in e i n e m Zuge niedergeschrieben, also in keinem Falle das Erzeugnis eines einzigen, so oder so systematisierenden Geistes ist, sondern aus einer Reihe wohl unterscheidbarer, einander zeitlich ablösender Quellen durch immer neue Redaktionen zusammengearbeitet wurde. Wir haben allen Grund, die ehrlich gewonnenen Ergebnisse einer mehr als hundertjährigen Arbeit an der Quellenscheidung zu behaupten und zu betonen, sowohl gegenüber den leicht hingeworfenen Entdeckungen, mit denen Winckler alles auf den Kopf stellen will, wie gegenüber allen anderen frommen Wünschen der neueB neide, Das A. T. u. d. Ausgrabungen, 2. Aufl.

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sten Zeit schrankenloser Willkür 1 ). Der zweite unschätzbare und unentreißbare Besitz ist die sichere zeitliche Festlegung des Deuteronomiums und die Möglichkeit zu bestimmen, was ihm vorausging, und was ihm erst nachfolgte. Und wieder können wir unter dem älteren Gut staffelweise jüngere und ältere Schichten unterscheiden und werden damit bis in Zeiten hinaufgeleitet, die an sich schon eine ziemlich große Gewähr f ü r Selbständigkeit und Treue der Überlieferung bieten. Aber wichtiger ist es, daß wir die treibenden K r ä f t e festlegen können, die zu den immer wiederholten Neugestaltungen der alten Überlieferung wirksam gewesen sind. Zeigt sich darin wirklich die alles überflutende und bezwingende G-ewalt der großen *) Durch ein wunderliches Mißverständnis, bei dem gewiß der Wunsch des Gedankens Vater gewesen ist, hat man an diesen Sätzen mehrfach einen hippokratischen Zug zu entdecken gemeint. Ich soll fühlen, daß die Füße derer, die diese bleichsüchtige Wissenschaft [die alttestamentliche Literarkritik] zu Grabe tragen, bereits vor der Türe stehen (so Der alte Glaube, Lit. Beilage vom 6. 3. 1903, vgl. aber auch Die Reformation, Februar 1903). Das ist eine Umkehrung der Sachlage. Als das unerschütterlich Feststehende habe ich die Hauptergebnisse der Literarkritik angewandt, um des Beweises Bedürftiges damit zu stützen. Nur der kann auf ihr baldiges Zusammenbrechen hoifen, der sich nicht die Mühe gegeben hat, sie in ihren Grundfesten zu prüfen, wozu freilich viel Arbeit und Selbstverleugnung gehört. Aber ebenso sicher weiß der nicht, was er mit dem Stichwort Wellhausenianismus bezeichnet, der da meint, er lasse es bei öder Formalkritik bewenden. Gründliche Belehrung darüber bietet Giesebrecht in der Vorbemerkung seiner oft angeführten Schrift S. 1 ff. Was hier gesagt ist, gilt auch von Joh. Lepsius' Aufsätzen, Das Reich Christi, VI, 1903, No. 1—3, die mir erst bei der Druckberichtigung zugehn. Sie gehören zu dem Kecksten und Rücksichtslosesten, was je an Bibelkritik gewagt wurde.



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Kulturmacht am Euphrat und Tigris, wie "Winckler voraussetzt? Die Antwort lautet J a und Nein, und haarscharf können wir diese beiden Antworten verteilen. Zwischen den beiden alten Quellen, also von J zu E , schlägt Babylonien n i c h t die Brücke. Da wirken Unterschiede der Stämme und Landschaften, da waltet der Einfluß der großen Jahwepropheten des Nordreichs. Es äußert sich bei E der Glaube an Jahwes unbedingte Macht, das zu dem Bedürfnis unbedingter Sittlichkeit entwickelte Gewissen, in den jüngeren Schichten der Verlust des Glaubens an das Volkskönigtum und die nationalen Ideale. I m Verhältnis des Deuteronomiums zu E zeigt sich allerdings der Einfluß des Babylonismus, aber, soweit es den Urhebern zum Bewußtsein k o m m t , nur schlechthin verneinend, in einem wahren Grauen vor diesem Einfluß, in unbedingter, schaudernder Ablehnung alles dessen, was vom Euphrat und Tigris stammt. Natürlich ist das eben der Rückschlag gegen die Erfahrung dieses Einflusses, der sich in dem Jahrhundert von Ahas bis auf Josia, besonders unter König Manasses Regierung, so gefährlich geltend gemacht hatte. Es ist von der größten Bedeutung, daß wir, sobald die unmittelbare Berührung der Völker wieder hergestellt ist, d. h. hier seit den vorderasiatischen Feldzügen Tiglat-Pilesers HL, mehr noch Sargons und Sanheribs, auch die gewaltige Steigerung des Kultureinflusses feststellen können. Es handelt sich eben nicht, wie "Winckler es darstellt, um einen konstanten sondern u m einen intermittierenden Strom, wenn auch daneben tief unter der Erde schwache vagabondierende Ströme andauernd ihr "Wesen treiben mögen. Daß es so ist, 3*



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kann uns Deutsche am wenigsten wundernehmen, die wir, trotz geographisch und geschichtlich viel günstigerer Verhältnisse, doch den Kultureinfluß Frankreichs in verschiedenen Zeitaltern in außerordentlich verschiedener Stärke erfahren haben. — Anders als im Deuteronomium, nicht nur in der Ablehnung, sondern schöpferisch wirksam erweist sich der babylonische Einfluß in Israels Schrifttum in dem Verhältnis zwischen J 2 und J 1 . Ob es einem heb sei oder leid, man kann sich der Tatsache nicht entziehen, daß die älteste Schicht von J die Sintflutsage nicht gekannt hat, die zweite dagegen, ebenso wie die Priesterschrift, sie bringt und die ganze Urgeschichte sich um sie drehen läßt. Da es sich dabei nicht um eine nach Grau oder Stamm begrenzte, sondern um eine Menschheitssage handelt, so beweist das, soviel man sich auch sperren m a g , daß Israel zu der Zeit, wo J 1 entstand, d. i. rund um 800 v. Chr., die SintflutDas heißt weiter sage noch nicht besessen hat 1 ). H. Gfreßmann], Monatschrift für die kirchliche Praxis 1903, Heft 1, wundert sich über „die kühne Zuversicht, als sei das geistige Leben Israels um 800 v. Chr. identisch mit J 1!" In der Tat sammelt gerade J 1 seine Stoffe aus so vielen und verschiedenen Quellen, daß man annehmen darf, eine so grundlegende Überlieferung wäre ihm, wenn sie in Israel lebte, nicht entgangen. Das gilt doppelt, da sie bald nachher bei J 2, al so i n d e r s e l b e n S c h u l e , zu Tage tritt. Jedenfalls aber müssen wir aus d e n Quellen schließen, die uns zu Gebote stehn. Auch die Nähe der Verwandtschaft zwischen der babylonischen und jahwistischen Fassung der Sintflutgeschichte beweist für diesen Fall, daß die Überlieferung nicht schon viele Jahrhunderte hindurch die umbildenden und zersetzenden Einflüsse des israelitischen Geistes erfahren hat. Die allgemeinen Erwägungen, die Gunkel im Handkommentar zur Genesis 2 S. 64 f. geltend macht, finden hier keine Anwendung.



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soviel, als daß diese sicher aus dem Zweistromlande stammende Sage nebst anderen, die sie begleiteten, erst zur Zeit des Hochdrucks der staatlichen Beeinflussung durch Assyrien, zur Zeit des Vasallentums Judas, also um 700 v. Chr., eingeführt worden ist 1 ). Und umgekehrt beweist es, daß d a s a l t e I s r a e l , so vielfach es selbst und das Land, in dem es seine neue Heimat fand, schon seit anderthalb Jahrtausenden dem babylonischen Einflüsse mag ausgesetzt gewesen sein, doch den Mythenschatz Babyloniens nicht als geschlossene Masse übernommen, was es aber davon übernahm, stark abgewandelt hat. Wir können dasselbe auch gerade demjenigen Mythenkreise gegenüber beweisen, den Winckler mit Stucken u. Aa. so gut wie allein verfolgt, dem astralen oder siderischen. Denn aus unwiderleglichen, sich gegenseitig stützenden Zeugnissen wissen wir, daß babylonischer Sterndienst und babylonische Sternkunde allerdings in Israel Eingang fand, aber wiederum als etwas Neues, bisher nicht Gekanntes, unfehlbar als ausländisch Empfundenes, und zwar in eben derselben späten Zeit, wo die Sintflutsage angenommen wurde. Dadurch wird, soviel Siderisches auch unbewußt vorher schon vorhanden gewesen sein mag, doch ganz unmöglich ge1

) Vgl. jetzt auch B. Stade, Der Mythus vom Paradies Gn. 2. 3 und die Zeit seiner Einwanderung in Israel, Zeitschr. £. d. altt. "Wiss. 1903, S. 172 ff. Höchst beachtenswert sind die Gründe, mit denen Stade die Übernahme auch dieser, innerhalb J 1 überlieferten Erzählung erst in der Zeit von rund 750 an vertritt. Das würde dann um so mehr für die Sintflutgeschichte gelten, die sich mit jener nicht verträgt und erst später herübergenommen sein kann.



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macht, daß in den ältesten Erzählungen bereits ein geschlossenes Astralsystem Babyloniens die maßgebende Rolle soll gespielt haben. "Wir begreifen nun sehr gut, weshalb Winckler alle ausführliche Greschichtserzählung hinter Ahas verlegen will. — Aber noch ein zweites Mal ist der Einfluß Babyloniens im Alten Testament mit Händen zu greifen, das ist die Zeit, wo die geistig regsamen Schichten des Volks in Babylonien selbst, in der Verbannung lebten. Da, besonders bei Hesekiel und in der Priesterschrift des Hexateuch, tritt, trotz ihres ängstlichen Partikularismus, im Stoffe wie in der Form der G-esetze, in der Weltanschauung wie in den Erzählungen, der babylonische Einfluß mächtig zu Tage 1 ). Wiederum also ist die geistige Annäherung durch die leibliche bedingt. — F ü r das, was wir an den Quellenschriften der geschichtlichen Bücher beweisen können, liefern uns die prophetischen die Probe, sodaß wir von rund 750 bis 450 imstande sind an sicher datierbaren Stücken die einzelnen Stufen der Entwickelung nachzuprüfen und festzulegen. Damit ist gesagt, daß wir gerade f ü r die Zeit der mächtigsten Entwickelung Israels vortreffliche Quellen haben und die Kräfte, die dabei mitgewirkt, wohl überschauen können. Das Ergebnis ist, daß die Israel innewohnende eigene K r a f t die Oberhand behält, daß Einflüsse von außen her allerdings keineswegs fehlen, aber in einem organischen Prozeß verarbeitet und vergohren werden, sodaß Israels Eigenart ihnen nicht erhegt. Diese unerschütterlichen Tatsachen erlauben den ») Vgl. oben S. 4.



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sichern Rückschluß, daß in der Zeit, wo Kanaan nicht unter dem unmittelbaren staatlichen Einfluß des babylonischen und assyrischen Reiches stand, auch deren geistiger Einfluß ein unvergleichlich viel schwächerer gewesen ist, und daraus folgt, daß Israel gerade in der Zeit, die es zum Volke werden sah und ihm das bleibende Gepräge aufdrückte, sich vergleichsweise selbständig hat entwickeln dürfen, d. h. bei weitem überwiegend übersehbareren Einflüssen aus der Nähe ausgesetzt war 1 ). Das berechtigt uns, so wenig wir geneigt sind uns in Sicherheit einzuwiegen, doch der Hauptsache nach zu einem fröhlichen Vertrauen in unsere Uberlieferung. Wohl begreifen wir den Stolz, ja den Übermut, mit dem die jungen Schwestern unserer alttestamentlichen Geschichtswissenschaft auf diese herabsehen, weil jene nur mit Denkmälern, mit Urkunden arbeiten, wir dagegen uns mit einem durch zahllose Hände gelaufenen Buchschrifttum behelfen müssen. Wohl begreifen wir, als eine unvermeidliche Ubergangsstufe, die maßlose Zweifelsucht, mit der man dem Alten Testament daraufhin gegenübertritt, und die proteusartigen Wandlungen, in denen eine moderne Haggada auf Grund der wirklichen oder vermeintlichen Einsichten, die man aus den Denkmälern gewonnen, die alttestamentliche Überlieferung zu meistern und zu belehren bemüht ist. Aber wir lassen J ) Mit Recht legt auch G-iesebrecht a. a. O. S. 21 ff. großes Gewicht darauf, daß fast volle sechs Jahrhunderte lang, vom 15.—9. Jahrh. v. Chr., „von einem direkten Einfluß Mesopotamiens auf das Land Kanaan nicht die Bede sein kann, und daß dies gerade die Periode des Aufblühens der israelitischen Volkskraft und der beiden israelitischen Bruderreiche ist".



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uns dadurch nicht irre machen; denn wir haben in ehrlicher Arbeit gelernt, unsere Quellen zu befragen und zu verstehn. So unabsehbar auch das babylonische Schrifttum anschwillt, der geschlossenen Reihe unserer Propheten und selbst der Geschichtserzählung unserer ältesten Quellen hat es nichts Ebenbürtiges an die Seite zu stellen. Und so dankbar wir Vertreter der alttestamentlichen Wissenschaft der der Ausgrabungen sind f ü r jeden Einzelbeitrag zu unserem Wissen wie für die großartige Erweiterung des antiken Gesichtskreises, halten wir doch die Zeit noch nicht f ü r gekommen, uns unser schönes Dorf über Nacht von der Großstadt einverleiben zu lassen oder gar selbst die Eingemeindung nachzusuchen. Getrennt marschieren und, wo die Gelegenheit sich bietet, mit Freuden vereint schlagen, das soll auch in Zukunft unser Wahlspruch bleiben.