Bildung und Macht. Zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit 978-3406428517

494 38 14MB

German Pages 276 Year 1997

Report DMCA / Copyright

DOWNLOAD FILE

Polecaj historie

Bildung und Macht. Zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit
 978-3406428517

Citation preview

ZETEMATA MONOGRAPHIEN ZUR KLASSISCHEN ALTERTUMSWISSENSCHAFT Heft 97

Thomas Schmitz

Bildung und Macht Zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit

VERLAG C.H.BECK MÜNCHEN

ft C AI

ZETEMATA MONOGRAPHIEN

ZUR KLASSISCHEN ALTERTUMSWISSENSCHAFT BEGRÜNDET VON ERICH BURCK UND HANS DILLER IN GEMEINSCHAFT MIT CHRISTIAN GNILKA UND DIETER TIMPE HERAUSGEGEBEN VON ECKARD LEFEVRE UND GUSTAV ADOLF SEECK HEFT 97

*-+ H

’S H

Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from Kahle/Austin Foundation

https://archive.org/details/bildungundmachtzOOOOschm

Bildung und Macht Zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit

VON THOMAS SCHMITZ

VERLAG C. H. BECK MÜNCHEN

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Schmitz, Thomas:

Bildung und Macht: zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit / von Thomas Schmitz. - München : Beck, 1997 (Zetemata; H. 97) ISBN 3 406 42851 7 NE: GT

ISBN 3 406 42851 7 © C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), München 1997 Satz und Druck: Druckhaus Thomas Müntzer, Bad Langensalza Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier (hergestellt aus chlorfrei gebleichtem Zellstoff) Printed in Germany

Inhalt

Vorwort.

7

1.

Einleitung.

9

El

Die Physiognomie der griechischen Literatur der Kaiserzeit ... Eine weitabgewandte Literatur? .

9 18

1.3

Symbolische Macht und ihre Reproduktion.

26

1.4

Methoden und Wege der Untersuchung.

31

2.

Eine gebildete Aristokratie

39

2.1

Eine „demokratische“ Gesellschaft.

39

2.2

Bildung als Legitimation zur Herrschaft.

44

2.3

Bildung als Aufstiegsmöglichkeit?

.

50

2.4

Spezialisten der JTcaöeia.

63

3.

Die zweite Sophistik und das Ideal der Sprachreinheit ...

67

3.1

Künstliches Archaisieren

.

67

3.2

Eine Kunstsprache.

75

3.3

Sprache als Kennzeichen von Bildung

.

83

3.4

Das Schweigen der Massen

.

91

4.

Das Streben nach Distinktion als Konstante der Gesellschaft

1.2

.

der Kaiserzeit.

97

4.1

Den ersten Platz einnehmen

.

97

4.2

Bildung als Mittel der Konkurrenz.

101

4.3

Konkurrenzsituationen

.

110

4.4

Spielerische Konkurrenz

.

127

4.5

Bildung als zentripetale Kraft.

133

5.

Eine aristokratische Bildung.

136

5.1

Bildung als Charaktereigenschaft.

136

5.2

Der Pedant als Kontrastfolie

146

5.3

Wer waren die cnpipaBeig?

.

152

5.4

Warum improvisierten Sophisten ihre Reden?.

156

.

6

Inhalt

6.

Der Sophist und sein Publikum.

160

6.1

Die Voraussetzungen des Publikums.

160

6.2

Impliziter Rezipient und reales Publikum.

168

6.3

Die Strategien der Texte.

171

6.4

Solidarisierung mittels „Griechentum“.

175

6.5

Sprache und lokale Tradition als identitätsstiftende Faktoren

6.6

Die Vergangenheit unter der Kontrolle der Bildungselite

. .

181

....

193

7.

Typische Kommunikationssituationen

.

197

7.1

Die Auftritte der Sophisten.

198

7.2

Der Sophist als Verkörperung der Macht

209

7.3

Der Sophist unter dem Druck der Erwartungen

7.4

Der Sophist unter der Kontrolle der Tradition

8.

. .

214

.

220

Ergebnisse.

232

Abkürzungen

.

Literaturverzeichnis

235

.

236

Register.

255

.

255

2. Griechische Wörter.

1. Person und Sachen

260

3. Stellen

260

.

4. Inschriften.

267

Vorwort

Die vorliegende Arbeit wurde im Sommersemester 1996 von der Philosophi¬ schen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Habilitations¬ schrift angenommen. Für den Druck wurde sie überarbeitet. Das Manuskript wurde im Februar 1997 abgeschlossen; nach diesem Zeitpunkt erschienene Literatur konnte nicht mehr verarbeitet werden. Die griechische Literatur der Kaiserzeit war lange ein vernachlässigtes For¬ schungsgebiet. Dieser Zustand hat sich erst in den letzten Jahren entschei¬ dend geändert. Nachdem die Alte Geschichte mit einer Reihe von Arbeiten über die Kultur der griechischen Hälfte des römischen Reiches vorangegan¬ gen war, haben sich auch die Philologen den Autoren dieser Zeit verstärkt zugewandt. Besonders genannt seien hier zwei kürzlich erschienene heraus¬ ragende Bücher: Maud Gleasons Making Men (1995) und Simon Swains Hellenism and Empire (1996). Sie erschienen, als die vorliegende Arbeit größtenteils schon fertiggestellt war. Ich habe mich bemüht, ihre Ergebnisse gebührend zu berücksichtigen; mir ist jedoch bewußt, daß ich Teile dieser Arbeit völlig anders formuliert hätte, hätten mir diese beiden glänzenden Stu¬ dien früher zur Verfügung gestanden. Daß all diese Untersuchungen, die teil¬ weise identische Phänomene behandeln, zu ähnlichen Ergebnissen gelangen, war unvermeidlich. Dennoch bin ich zuversichtlich, daß sich meine Arbeit durch ihre Fragestellung und Methode genug von ihnen unterscheidet, um das Erscheinen eines weiteren Buches über die griechische Literatur der Kai¬ serzeit innerhalb so kurzer Zeit zu rechtfertigen. Schließlich ist es mir eine angenehme Pflicht, an dieser Stelle all denen Dank zu sagen, die mir während der Entstehungszeit dieses Buches auf unter¬ schiedliche Weise geholfen haben. Prof. E.-R. Schwinge hat die Arbeit be¬ treut und mich während meiner Assistentenzeit in Kiel stets gefördert. Aus den kritischen Anmerkungen der Gutachter im Rahmen des Habilitationsver¬ fahrens habe ich viel gelernt. Bei allen Kieler Kollegen fand ich während meiner Jahre im hohen Norden stets ein offenes Ohr und spontane Hilfsbe¬ reitschaft für alle Fragen, Probleme und Anliegen. Besonders genannt sei Prof. P. Weiß, dessen große Begeisterung für Geschichte und Kultur des kai¬ serzeitlichen Griechenlands ebenso ansteckend war wie seine Sachkenntnis auf diesem Gebiet hilfreich. Ohne ihn hätte diese Arbeit nicht werden kön¬ nen, was sie ist. Prof. J. Hahn (Münster) hat eine frühere Fassung des Manu¬ skripts gründlich durchgesehen. Bei der Mühe des Korrekturlesens hat mich Fr. S. Antoni dankenswerterweise unterstützt. Den Herausgebern der „Zetemata“, insbesondere Herrn Prof. G. A. Seeck, danke ich für die Aufnahme

8

Vorwort

der Arbeit in die angesehene Reihe, dem Verlag für eine stets angenehme Zusammenarbeit. Mein größter Dank gilt meiner Frau. Beinahe jede Idee in diesem Buch konnte ich mit ihr diskutieren und habe von ihren Anregungen und Einwän¬ den immer wieder profitiert. Ihr ist diese Arbeit daher gewidmet. Kiel, März 1997

T. S.

1. Einleitung

1.1 Die Physiognomie der griechischen Literatur der Kaiserzeit Geschichte und Literatur Griechenlands unter römischer Herrschaft waren lange Zeit vernachlässigte Forschungsgebiete. Sowohl für Philologen als auch für Historiker schienen die Jahrhunderte zwischen der Schlacht bei Actium und dem Beginn der byzantinischen Zeit von einem langsamen, aber unüber¬ sehbaren Niedergang auf allen Gebieten geprägt, dem man sich, wenn über¬ haupt, dann nur widerwillig und aus reinem Pflichtgefühl widmete. Leskys große Geschichte der griechischen Literatur (31971) behandelt diese fünf Jahrhunderte auf einem Zehntel der Seitenzahl, die sie für die vorangegan¬ gene Epoche von sieben Jahrhunderten verwendet. Dieser Zustand hat sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend geändert. Besonders die historische Forschung hat sich diesem Gebiet energisch zugewandt. Mit dazu beigetra¬ gen haben dürfte gewiß auch der (rein äußere) Umstand, daß wir über ein Material epigraphischer, papyrologischer, numismatischer und archäologi¬ scher Zeugnisse verfügen, dessen schiere Menge und historische Aussage¬ kraft alles aus der archaischen, klassischen und hellenistischen Zeit Über¬ lieferte in den Schatten stellt. Die literaturgeschichtliche Forschung hingegen hat den überaus zahlrei¬ chen Autoren der Kaiserzeit mit ihren umfangreichen überlieferten Schriften (die Schätzung dürfte wohl in etwa richtig sein, daß das erhaltene Textcorpus der griechischen Literatur aus den beiden ersten nachchristlichen Jahrhun¬ derten größer ist als das aller vorhergehenden Jahrhunderte zusammenge¬ nommen) nicht in gleichem Maße Aufmerksamkeit zugewandt.1 Tat sie es doch, hat sie sich diesen Autoren nicht selten mit einer gewissen Verachtung genähert. Zu Recht kritisiert Morgan den Autor eines Buches über Philostrat als „unduly condescending to his subject“.2 Negativurteile über die griechi¬ sche Literatur der Kaiserzeit sind so zahlreich, daß hier nur zwei Beispiele zitiert werden sollen. Wilamowitz verglich das zweite Jahrhundert mit einem kurz vor der Verwesung stehenden Leichnam.3 Der niederländische Philologe

1 Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist Dihles Literatur der Kaiserzeit (1989). 2 Rezension Anderson, Philostratus 235. 3 Bei Maass, De biographis 146: Nach ausführlichen und auch nach den Maßstäben des neunzehnten Jahrhunderts verfehlten Kalauern über den Hermaphroditen Favorinus schließt Wilamowitz: „facit talis vir (sit venia verbo) ad aetatem cuius facies vario quidem colore et hilari nitet, sed eo colore qui in cadavere putredinem proxime antecedit [...].“ Zu diesem Urteil verdient die Bemerkung von Holford-Strevens, Aldus Gellius 92

10

1. Einleitung

van Groningen hat in einem oft zitierten Aufsatz aus dem Jahre 1965 auf 15 Seiten eine kaum überbietbare Menge von abwertenden Prädikaten auf die griechische Literatur des zweiten Jahrhunderts gehäuft; insgesamt nennt er sie „feeble, unsatisfactory, uninspiring, hardly tending in a good direction, and as a rule making a bad choice“. Als Fazit aus diesen Eigenschaften ergibt sich für ihn: “The Greek literature of the second Century is the work of a powerless community [...]. It is a neglected one in a neglected Century, and, generally speaking, it deserves this neglect.”* * * 4 Grund für diese negative Beurteilung und die daraus resultierende Ver¬ nachlässigung der griechischen Literatur der Kaiserzeit ist offenbar vor allem eine Eigenart, die an ihr immer wieder hervorgehoben wird: Sie ist scheinbar obsessiv mit der Vergangenheit beschäftigt und der zeitgenössischen Welt, in der sie entstand, völlig abgewandt. Dies trifft in höchstem Maße auf eine Art von Literatur zu, die als beson¬ ders charakteristisch für diese Epoche gelten darf, die sophistische Bered¬ samkeit. Ihre Vertreter hatten beim Publikum ihrer Zeit gewaltigen Erfolg mit den sogenannten pe^exav, fiktiven Reden, die Personen aus Mythos oder Geschichte in einer bestimmten Situation hätten halten können: Mit welchen Argumenten hätte man Achilleus, nachdem die berühmten Reden des Odys¬ seus, Aias und Phoinix aus dem I der Ilias gehalten worden waren, doch noch umstimmen können? Was bringt der Gesandte des Phalaris vor, als er den berüchtigten ehernen Stier in Delphi weihen will? Mit welcher Rede versucht Demades, die Athener davon abzubringen, sich während Alexanders Abwe¬ senheit in Indien gegen ihn aufzulehnen?5 Gerade diese bei Publikum und Rednern beliebten Deklamationen haben der Rhetorik und damit der Lite¬ ratur der Kaiserzeit insgesamt den Ruf „weltfremder Phantastik“ eingetra¬ gen; in einer 1994 erschienenen Darstellung spricht Nicosia von „un tipo di oratoria defunzionalizzata, consistente nella esecuzione in pubblico di

Anm. 4 zitiert zu werden: [...] Wilamowitz likened the era to a corpse on the point of rotting; but if Favorinus died in 154, the Antonine Order had as long to run before the death of Commodus as the society in which Wilamowitz was writing, anno 1880, before its collapse in 1918. In späteren Jahren formulierte Wilamowitz zwar gelegentlich milder, doch finden wir auch da noch ähnliche Pauschalurteile, so etwa Griechische Litelatur 238. Pausanias ist „eines der bezeichnendsten, also auch unerquicklichsten Zeugnis¬ se einer kemfaulen Zeit“, oder 240: Aristides ist „der vorzüglichste Vertreter der ganzen Zeit, weil ihre Krankhaftigkeit in ihm ebenso kulminiert wie ihre Kunst“. 4 „Tendencies“ 53 und 56. 5 Die Beispiele stammen von Aelius Aristides (or. 16 ripeoßermKÖq jtpcx; AxrUea; vgl. dazu Boulanger, Aristide 273-275), Lukian (Phalaris 1) und Hippodromos von Larissa (aus Philostrat, VS 2, 27; 620). Zu den geU-cou s. ferner unten S. 1131. und 198-205. Ein Ableger dieser Art der Beredsamkeit sind die in dieser Zeit beliebten fingierten Briefe, vgl. den Herausgeber Cortassa in seiner Edition Lettere di Tenustocle 33-35; Holzberg, „Briefroman“.

1.1 Die Physiognomie der griechischen Literatur der Kaiserzeit

11

discorsi fittizi, non rispondenti a nessuna concreta esigenza di ordine politico e sociale, e privi di qualsiasi referente nella realtä“.6 Die vorliegende Untersuchung setzt sich nicht zum Ziel, die Literatur des zweiten Jahrhunderts zu „rehabilitieren“ und, gegen die Auffassung früherer Forscher, ihren hohen literarischen Wert zu postulieren. Sie möchte jedoch in Frage stellen, ob der Vorwurf „weltfremder Phantastik“ auf die Literatur der Kaiserzeit wirklich so pauschal zutrifft und somit als Maßstab für Qualitäts¬ urteile verwendbar ist. Bevor wir uns jedoch der Frage zuwenden, inwiefern von einer „Weitabgewandtheit“ der Literatur des zweiten Jahrhunderts über¬ haupt geredet werden kann, müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Geschichte der erwähnten fiktiven mythologischen und historischen Dekla¬ mationen werfen, weil Unsicherheiten und Lücken in dieser Geschichte man¬ che Forscher zu weitreichenden Spekulationen veranlaßt haben, die sogar dazu führten, die Existenz einer „zweiten Sophistik“ als Charakteristikum der Rhetorik des zweiten Jahrhunderts rundweg zu leugnen. Die Geschichte solcher Deklamationsthemen läßt sich bis in die klassische Zeit zurückverfolgen.7 Hier seien nur einige wenige Beispiele genannt: Gorgias’ Verteidigungsrede für Palamedes (82 B 11a Diels/Kranz), Antisthenes’ Aias und Odysseus, Polykrates’ Anklage gegen Sokrates und Verteidigung des Busiris, auf die Isokrates mit seinem eigenen Busiris (or. 11) antwortet. Alle diese Werke aus dem späten fünften oder frühen vierten Jahrhundert vor Christus begründen die Tradition, in der noch die Sophisten der Kaiserzeit stehen. Ihren Platz hatten solche Reden vor allem in den Rhetorenschulen: Die Schüler übten an ihnen die Fähigkeit, sich in Situationen einzufühlen und der Sache, der Person und dem Publikum angemessene Argumente zu finden; die Lehrer stellten ihnen eigene Musterlösungen vor, damit sie an¬ hand dieser Beispiele die beste Art der Behandlung erlernten. Diese Tradition zieht sich ununterbrochen von der klassischen Epoche über den Hellenismus bis in die Kaiserzeit.8 Die Rhetorik der Kaiserzeit war beinahe ausschließlich auf diese Art von Deklamationen ausgerichtet. Dies ist ein Punkt, der bei einer oberflächlichen Lektüre der zeitgenössischen rhetorischen Handbücher leicht übersehen

6 „Seconda Sofistica“ 93; „weltfremde Phantastik“ bei Lesky, Gesch. gr. Lite 927; vgl. ferner etwa Marrou, Histoire 1, 303: « [...] tournait deliberement le dos au reel [...]. », zustimmend zitiert bei Reardon, Courants 76, oder Loraux, Invention 261; Perry, „Literature“ 295: „profoundly uninterested in the realities of here and now“; Ameling, Herodes Atticus 1, 169 spricht von „Weltflucht ; vgl. Sandbach, ,Literature 690. 706; Flinterman, „Sofistiek“ 143. 7 Vgl. Russell, Declamation 15-20; Pernot, Rhetorique 57. 8 Vgl. Marrou, Histoire 1, 301-305; Russell, Declamation 3-9. Schon in helleni¬ stischer Zeit findet man auch klassizistische Tendenzen in solchen Übungsstücken, so etwa Demosthenes-Nachahmung, wie die Beispiele aus dem 3. Jh. v. Chr. bei Lasserre, „Prose“ 159-161 zeigen; vgl. Dihle, „Beginn“ 168.

12

1. Einleitung

werden kann: Immer wieder ist von der „juristischen Gegenpartei“ die Rede oder von der Versammlung, die es zu überzeugen gilt. Doch hier sind stets die fiktiven Gegner und die fiktive Versammlung der peAixat. gemeint. Be¬ sonders deutlich zeigt dies beispielsweise die ars des Apsines von Gadara9 (Anfang des 3. Jahrhunderts). Er beginnt etwa einen Abschnitt mit der An¬ leitung, man solle, wenn man die Zuhörer in einer Angelegenheit schon überzeugt habe und jetzt einen zweiten Antrag stellen wolle, mit einem Lob für die erste richtige Entscheidung der Zuhörer beginnen (ars 1; p. I2, 218, 4-9 Sp.). Soweit klingt dies wie eine Vorschrift für jemanden, der tatsächlich in der Politik tätig ist. Doch dann zeigt Apsines, auf welche Deklamations¬ typen diese Lehre anwendbar ist (ebd. 218, 13-219, 3): oiov ©